Skip to main content

Full text of "Deutscher Herold"

See other formats


len 


e 3 


Wing =. — —— 5 —— 2 

eier 72. —— 5 errut 
Fi - . 5 9 
9 —. + 7 7 


22 
Be 
—— 


——— 


—— — . 
2252.24 0 5 . —— — nt * “ “ . uf 1 85 
Tepe mine + . 5 . l N . —— 


— . 7 5 7 " 7 2 4 + . + —— EEE 


er 
— 


me 
ir 2 rn 
—— — . 2 — 
ne 
775 


rein 
teten pe teten 

—— — — — 
2770 —— — tet 


2.2425 — 
einen me ehe 


2927771 n } N 1 i . . 1 © —— 2 — 
2 2 4241255 
. ‚er 
A 


— 
ee 
— — — nz 
Der a - N 7 TI 
12142155 . F 
— 2 " 2 — . 


erg n Bears - - . . 
wenn . 5 9 7 7 je . 2 2 —— — 
Am n init et 5 . ven) 


2 — et 
—— 2 — 


— —.— 2 . 
4 Damm ein . — 
KERNE A. ! 23 —. 5 ——— 

— 

— 

Tn: 
e 


EISEN 
— — 


7 
= a eher 

rare ham rer re 
„ n 


—— 1 1 N Ua ee — —— 
Et . ————— ; 9 
de tmte teten a. 
—— — . 10 1 re 
EWA 11 7 7 0 . — 5 1 ri 5 0 . n Pappe 
A2 0 Nr 


rn 
rn 
Fe EHEN 
—— 7 ————— 979799 9 5 
rn 7 — 
Pay 7 12 . 
. n . n 7 
1 5 7 > f Ar main 4 + - N - . . 85 r 0 — 
Siehe — n res ehe . 7 24 
nn — . 1 4 .in-ı- 
2 vn ch 7 . — + . u: 


I. 

2.2.2.2 2.262 24228. 25 
5 En za. 

hemmen 2 3 55 — 


— — 
2. 7 
224 — . + —— 
Eee 72 7 Dll 
1 IHR 
Brenn n 
ne teen . Ten Verdi 9999. — ; n . 5 
—— —— — 1 —— — - * 1 * 
en ! 7 2 rer L E 2 
AST 0 Terminen ie tern 
nr el S 72 21 
2 Ee 
r .F. 
—— — 


N 
hie . 4 { 
Denen 7 8 7 - —. * 2 e 
— 255 
7 2724 . 


1171: 

Aan ? 

—— 1 en 
—— AR ET a ee 5 1 + ee rau pre. . * 

won —— 2 4 N - 7 — rer . j 

2 i . Ei — 


999 
—ü— imieimietmın 


25 


— —— 
— 


ar pl G. eee 
2 9 „ 


r ei are 3 . e 0 . 
e e 7 f — 2 


——— —ͤ—ͤ— — 


—— — —— 
n 
— — 


2 
. n 
Sara e 
n nun 
Kinn 5 2121 1 —— — — 
D 2 . 22275 —— 


BEER 


—— — 


275 
nr 
rr 


eee 

Werne e 
ee . 
—— 29 


9 nie — 7 5 eee: 
—— ame 4 1 4 N r 
7 N + 7 2 ne 
. 
ent 
—— 


ie >: 


7251525 585 — 


——— 


EEE — —— —— 
s 


Deutſchet Herold, 


Monats ſchrift für Heraldik. Sphragiſtil und Genealogie. 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappenkunde zu Berlin. 


Herausgegeben 
von 


Ad. M. Hildehrandt-Miefte, 


Mitglied der Geſchichts⸗ und Alterthumsvereine in der Altmark, der Mark Brandenburg, im Erzſtift Magdeburg, 
des Harz⸗Vereins, des „Herold“ zu Berlin, des Münzforſcher⸗Vereins zu Hannover ꝛc. 


1. Jahrgang. 


Berl in. 
1870. 


Zu dem 1. Jahrgange des „Deutſchen Herold“ haben literariſche Beiträge gegeben 


Ferner: Hr. v. F., Frl. v. K.⸗W., Baron v. L., Hr. v. L., Hr. v. R. — welche nicht 
näher genannt zu werden wünſchten. 
Allen verehrten Mitarbeitern den herzlichſten Dank und die freundliche Bitte um ihre fer⸗ 


D. Frhr. v. Biedermann, auf Blaſewitz bei Dresden. 

J. B. Dornbuſch, Caplan, zu Schloß Frens bei Horrem. 

A. Grenſer, Buchhändler, Wien. 

M. Gritzner, Königl. Preuß. Lieutenant, Berlin. 

J. F. Heß, Baurath, Gardelegen. ö 

Ad. M. Hildebrandt⸗-Mieſte. 

C. Maſch, Archivrath, Demern bei Ratzeburg. 

G. A. v. Mülverſtedt, Königl. Preuß. Archivrath und 
Staats⸗Archivar, Magdeburg. 

K. Chl. Fhr. v. Reitzenſtein, Berlin. 

Th. Stenzel, Paſtor, Nutha bei Zerbſt. 

B. Schier, Poſtrath, Leipzig. 

G. Seyler, Offenhauſen bei Hersbruck. 

L. Graf v. Uetterodt, Neu⸗Scharffenberg bei Eiſenach. 

Frhr. v. Vorſt⸗Gudenau, Ziadlowitz in Mähren. 

F. Warnecke, Geh. Miniſt.⸗Secretair, Berlin. | 

H. Weininger, Secretair des hiſtor. Vereins zu Regensburg. 


Sad) Zegiller 


des erſten Jahrganges. 


1) Nobilitirungen und Standeserhöhungen. 
Hatzfeld, Fürſt v., 


Kunhardt v. Schmidt. 
v. Lüttwit⸗Kerſtan 


Mühlfeld, Frh. v., 


Seeger v. Szezutowski 


2) Protocolle der Sitzungen des „Herold.“ 


8 


F 


3) Größere Aufſätze und Abhandlungen. 


Adelsmatrikel, über Einrichtung derſelben . 
Bemerkungen dazu 

Beuſt, die öſterreichiſchen Grafen v. — 
Cohn's Stammtafeln, Berichtigungen . 


BB — p ————— ———————ꝙ 


. s 
— — — 


Deütſchen d die,, ee sur 
Gotfart, die v. . . VV 
Gumppenberg, die e 9 45. 
Hatzfeldt, das neue Wappen des Fürſten v. —, 77. 
Hefner, O. ; Nierblog 4 
I, e e e als Bulluchiiisttker.  . ... 74, 
Heraldiſche Technik, über Abformen der Siegel 7. 15. 49. 
Heraldiſche Manuſeripte, zwei. 3. 12. 
Herold, Statt Beffelben enn: 
Landwüſt, das Wappen derer v. — 61. 
Nürnberg, Wappen und Siegel der Stadt — . 25. 
Redactionsprogramm 1. 


Regeſten zur Geſchichte niederſächſiſcher Geſchlechter 10. 
Rheiniſche Familien, — Beiträge zur Genealogie 
derſelben 51. 60. 70. 75. 78. 87. 


Saumagen, Graf v... 
Siegburger Urkundenfundzdʒd 63. 
Siegelſammlung, Anlage derſelben . . 44. 
Sigillum vin . . JJ 
Statiſtik der Wappenbilder •⁵5ßf 
Terminologie, heradiſcre 
Aufruf zur Feſtſtellung derſeldben . . 56. 
Wappenbilder auf Krügen. . . . N. 
Warthauſen, Schloß, und jeine Bee „222 48.68. 
Bopberg, Neal , . ».... \ 14. 
4) Kleine Artikel und Miscellen. 
„Adler“, herald. Verein zu i;, 
Bayriſche Geſchlechter im Kriege erloſchen. . . 82. 


Beuſt, Wappen des Grafen v. . 50. 


Marſchalk'ſcher Grabſtein zu Schkortleben. . . 50. Neues heraldiſches Syſtem, von Frhr. v. Biedermann 48. 


Reichsadler mit verwechſelten Tienturen . . . 24. Numismatiſche Zeitung . 6. 23. 49. 
Schwarzburgiſche angebliche Wappenſage. . . 37. Numismatiſch⸗ſphragiſtiſcher Anzeiger .. 6. 41. 49. 71. 
ELW 8832. Numismatiſch⸗ſphragiſtiſcher Verker . . . 49. 
CSD 24. Oeynhauſen, Geſchichte des Geſchlechts v. —, . 79. 
ieee, II «,ꝗ. Orlamünde, Regeſten der Grafen v. — . . . 81. 
„%%% ꝝNn Sachs v. Löwenheimb'ſche Familienſtiftung . . 42. 

; 4 8 . 3 Schleſiſche Städtewappen v. Frhr. Saurma . . 66. 
5) Literatur, Auszüge aus Zeitſchriften und v. Schönberg, ee der 1 v. — . 41. 

Beſprechungen neuer Werke. Stargardt's Antig. Katalag 12 

L’Alsace noble, par Mr. E. Lehr . . . . 49. Wappen⸗Symbolik v. Graf Hoverden 23. 
Annuaire de la noblesse des Pays-bas. 40. v. Wedel, Stammtafe l.. 42. 
Anzeiger f. Kunde d. deutſchen Vorzeit. . . 47. 6) Anfragen. 
Banderia Prutenorum . . 2, | 
Correſpondenzbl. der deutſchen See. Beräin. 6.49. 66.71. Betreffend das Landfrieden seg 8 
Demmin, Kriegswaffen 40. | Antwort darauf 19. 0 3 
Genealogiſches Taſchenbuch der Adelsgeſchlechter 1 „ „ Fürſtliche Genealogien 20. 
%%% 2.81.86. Aatınort darauf 4... 
Heideloff, Ritteralbum, ed. v. Eye 15 „ Preußiſche Nobilitirungen . . 31. 


Kärnthens Adel, v. Weiß. 


7 
8 1 „ Pommerſche Wappen und Münzen 32. 
Köln, Quellen zur Geſch. der Stadt -. . . 12.2 
17 
2 


5 „ Siegelabdrücke aus Birkenrinde .. 50. 


er 


Er 


Magdeburger Geichichts-Blätter . „ „Die Familien v. d. Liepe u. Hagemeiſter 79. 

Mecklenburgiſche Jahrbücher VVV 1 „ Genealogieen der Familien v. Ziegen⸗ 

Mittheilungen des Vereins f. Münz- und Siegel⸗ | born, v. Schlabrendorf, v. Blumen⸗ 
aid nn , Wal, , nnn 


Nr. 11, S. 79b., Z. 12 v. o. lies 1605 ſtatt 1685; Z. 7. v. u. l. hinausgeht it. ausgeht. Z. 17 v. u. l. nicht mit kritiſchen. 
S. 80b. Z. 16 v. u. l. vorführt neben. S. 82a. Z. 1 vo. l SR ft. Meyendorf; Z 15 v. o. l. Döben ft. Düben; Z. 27 v. o. l. 
Eilsleben ſt. Eisleben. 5 8 


—— ße... ee 


— har Ya 


— 


4 


EEE . ̃ ̃ —-—„— 


ſam mitleidiges Lächeln hatte, iſt vorüber; heut⸗ 


5 


= . 
0 
u 1 


—— 


O 


Monatsſchrift für Heraldik, Sphragitik und Genealogie. 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen- Kunde zu Berlin. 


Erſcheint monatlich einmal 2—1 Bogen ſtark. Jährlicher Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene 
Petitzeile. — 


Nr. 1. , Berlin, im Februar 1870. I 


en Jahrgang. 


Berlin, im Februar 1870. | we zählen 3 Heraldiker in unſeren Reihen 
Nachdem bereits im jüngſt verfloſſenen Jahre Fürſten und Grafen, Gelehrte deren Namen weit 
von 1 Freunden der Siegel und Wappen- und breit einen hohen Klang haben, und Gebil⸗ 
kunde über die Gründung eines Vereins zur dete faſt aller Stände. Um die Wiſſenſchaft 
Pflege dieſer Wiſſenſchaften, (wie ähnliche ſchon hochverdiente Männer haben das Anſehen der 
in andern Städten Deutſchlands beſtehen) mehr⸗ Heraldik, — welches einſt ein ſo großes war bis 
fach berathen war, hat ſich nunmehr mit dem es durch die eigene Schuld ihrer Jünger ſank, 
Beginn des Jahres 1870 dieſer Verein unter [glänzend wiederhergeſtellt, indem fie die Wich⸗ 
dem Namen „Herold“ definitiv conſtituirt. tigkeit, ja Unentbehrlichkeit der Siegel- und Wap⸗ 
Von Anfang an wurde in Ausſicht genom- benkunde für Specialgeſchichte, Diplomatik, Orna⸗ 
men, den Verein nicht auf die Stadt Berlin zu mentik, Trachtenkunde und viele andere Fächer 
beſchränken, ſondern demſelben einen allgemeineren evident nachwieſen. Mehr und mehr beginnen 
Character zu geben, und durch Aufnahme auch auch die edlen Geſchlechter für die Aufhellung der 
auswärtiger Mitglieder, die aus allen Gauen Geſchichte ihrer Vorfahren ſich zu intereſſiren und 
unſeres Vaterlandes willkommen geheißen werden, nimmt ſelbſt in weiteren Kreiſen die Theilnahme 
wo möglich eine Verbindung aller Heraldiker und an ſolchen Beſtrebungen zu. Dabei vergrößert 
Sphragiſtiker Deutſchlands anzubahnen. ſich fortwährend die Zahl derer, welche heraldiſch⸗ 
Unſtreitig nimmt die Heraldik — mit wel⸗ 


ſphragiſtiſche Sammlungen anlegen — ſei es 
chem Ausdruck wir hier die verwandten Beſtre⸗ vorerſt nur dilettirend, ſei es um daran zu ſtudi⸗ 
bungen der Siegel-, Wappen- und Geſchlechtskunde den 8 die Ergebniſſe ihrer Beobachtungen für 
zuſammenfaſſen — unter denjenigen Wiſſenſchaf⸗ die Wiſſenſchaft nutzbar zu machen. 
ten, welche in unſerer Zeit zu erneuter Blüthe Leider iſt jedoch in der deutſchen Heraldik 
gelangt ſind, eine hervorragende Stellung ein. der Mangel eines einmüthigen Zuſammenwirkens 
Jene Zeit, wo man allgemein für ein vereinzelt noch ſehr fühlbar, welches doch gegenüber einem 
vorkommendes Beſchäftigen mit ſolchem für trocken nur erſt theilweiſe in Angriff genommenen Ar⸗ 
und unfruchtbar gehaltenem Thema nur ein gleich- | beitsfelde jo nothwendig wäre. Der Grund davon 
dürfte hauptſächlich in dem Umſtande liegen, daß 


2 


es bisher an einem geeigneten Organ fehlte, welz 
ches eine Verbindung zwiſchen den in allen Ges | 
genden Deutſchlands zerſtreut wohnenden Freun— | 
den unſerer Wiſſenſchaft herſtellte, indem es ihnen 
ermöglichte, ſich gegenſeitig die Reſultate ihrer 
Forſchungen mitzutheilen und dadurch zu weite— 
ren Unterſuchungen Anlaß zu geben. Das Be⸗ 
dürfniß eines ſolchen Blattes war längſt fühlbar. 
Während z. B. Numismatiker, Autographen— 
ſammler u. ſ. w. eigene Organe beſitzen, waren 
die Heraldiker bisher genöthigt, ihre Artikel und 
Mittheilungen in Zeitſchriften zu publiciren, deren | 
Tendenz eine mehr oder weniger andere iſt. 
Zwar beanſpruchen mehrere numismatiſche Blät— 
ter ausdrücklich, auch als heraldiſche Zeitſchriften 
zu gelten; dadurch wird aber der Mangel eines 
ſpeciell heraldiſchen Organs erſt recht fühlbar ge- 
macht. Abgeſehen davon, daß es an und für 
ſich unthunlich erſcheint, durch ein und daſſelbe 
Blatt die Intereſſen zweier einander doch ziem⸗ 
lich fern liegenden Wiſſenſchaſteu vertreten zu 
laſſen, hat die Erfahrung gezeigt, daß in derar— 
tigen Zeitſchriften die Heraldik bald in den Hin- 
tergrund gedrängt wurde und ſich mit einem ihrer 
nicht würdigen Raume begnügen mußte; zu ge⸗ 
ſchweigen, daß die darin veröffentlichten heraldi⸗ | 
ſchen Artikel meiſtentheils denjenigen, für welche 
ſie beſtimmt ſind, gar nicht zu Geſichte kommen. 
In Erwägung dieſer Verhältniſſe hat der 
Berliner Verein für Siegel- und Wappenkunde 
den Beſchluß gefaßt, eine heraldiſche Monatſchrift 
unter dem Titel „Deutſcher Herold“ zu be! 


gründen, welche verſuchen wird, den beregten 


det die erſte Nummer derſelben. | 
Wir glauben uns der Hoffnung hingeben zu 

dürfen, daß dies Unternehmen bei allen Freunden 

unſerer Sache freudigen Anklang finden werde; 
können aber auch nicht umhin, dieſelben hierdurch 
um ihre wirkſame Unterſtützung dringend zu er— | 
ſuchen. Wir bitten nicht allein um recht zahl: | 
reiche Subſcription da dieſe in Anbe⸗ 
tracht der nicht unerheblichen Koſten der Her— 
ausgabe ſehr nothwendig iſt — ſondern na⸗ 
mentlich um literariſche Beiträge; nur wenn letz⸗ | 
tere — gleichviel welchen unſerer Wiſſenſchaft 
entnommenen Stoff ſie behandeln — hinreichend | 
eingeſendet werden, kann der Zweck des Blattes 
Kreicht werben. It auch nicht Jeder im Stande, 


Uebelſtänden abzuhelfen. Vorliegendes Blatt bil— | 
| 
| 
| 


unentbehrlichen Bauſteine herbeitragen helfen. 


Mittelalters als der Neuzeit. 


gleichſam als Oberbaurath am Gebäude der 
Wiſſenſchaft mitzuwirken, ſo können doch Alle die 


Der Inhalt des „Herold“ wird in Folgen— 
dem beſtehen: 

Aufſätze über irgend welche Themata aus 
dem Gebiete der Siegel-, Wappen und Familien- 
kunde, hauptſächlich der deutſchen, ſowohl des 


Sitzungs-Protocolle der deutſchen heraldiſchen | 
Vereine. | 

Publicirung neuer Nobilitirungen und Wap- 
penverleihungen. ö 

Anzeigen und Recenſionen heraldiſcher Werke 
und Brochüren. 

Auszüge aus in den Zeitſchriften der deut- 
ſchen Geſchichts- und Alterthumsvereine vorkom⸗ 
menden Aufſätzen, welche auf die in Rede ſtehende 
Wiſſenſchaft Bezug haben. 

Mittheilungen aus dem Gebiet der Wappen- 
kunſt, z. B. Anleitung zum Abformen alter Sie- 
gel, zur Anlage von Sammlungen u. ſ. w. 
Adreſſen von Freunden der Wappenkunde, 
Graveuren, Wappenmalern u. ſ. w. 
Heraldiſche Miscellen. 

Brief⸗ und Fragekaſten. 
Inſerate: Anzeigen verkäuflicher Samme 
lungen, heraldiſcher und genealogiſcher Bücher. — 

Somit jet das Unternehmen allſeitiger 
freundlicher Unterſtützung empfohlen! 


von 


Statut 


des 


Herold. 


Verein für Siegel⸗ und Wappenkunde 
zu Berlin. 


8:4: 
Der Verein hat den Zweck: 
Sphragiſtik, Heraldik und Genealogie 
wiſſenſchaftlich zu betreiben und zu dieſem Behufe eine 
K ö d e i 
Verbindung der Freunde genannter Wiſſenſchaften in. 
Deutſchland herzuſtellen. 
82 


55 
I 


Die Mitglieder des Vereins beſtehen aus: 


a) wirklichen, 
b) correſpondirenden und 
c) Ehren-Mitgliedern. 

Wirkliche Mitglieder können nur in Berlin an- 
ſäſſige, correſpondirende dagegen außerhalb Berlins 
wohnende Perſonen werden. 

Zu Ehrenmitgliedern ſollen durch Vereins-Beſchluß 
nur ſolche Männer ernannt werden, deren Verdienſte 
um eine der genannten Wiſſenſchaften rühmlichſt be— 
kannt ſind. 

Sämmtliche Mitglieder haben gleiche Rechte. 

Wer dem Vereine beitreten will und nicht von ei— 


nem Mitgliede in Vorſchlag gebracht wird, hat ſich 
ſchriftlich an den Vorſitzenden zu wenden. Ueber die 


Aufnahme ſelbſt entſcheiden die Mitglieder durch Stim— 
menmehrheit. 
8 35 

Die Sitzungen des Vereins finden am erſten Mitte 
woch jeden Monats ſtatt und beginnen präciſe 7 Uhr; 
außerordentliche Zuſammenkünfte werden vom Vorſitzen— 
den berufen. 

Die Beſchlüſſe in den Verſammlungen werden uach 
Majorität der Anweſenden gefaßt. 
§ 4. 
Die Beamten des Vereins, welche zugleich den Vor— 
ſtand bilden, werden jährlich gewählt und beſtehen aus: 
1) dem Vorſitzenden, 
2) dem Schriftführer und 
3) dem Schatzmeiſter. 

In Behinderungsfälleu vorgedachter Beamten über: 
nimmt einer der Sections-Chefs ($ 5) die Vertretung. 
§ 5. 

Zur regelrechten wiſſenſchaftlichen Behandlung der 
durch den Verein vertretenen Wiſſenſchaften wird deſſen 
Thätigkeit auf drei Sectionen und zwar: 

J. Section für Sphragiſtik, 
II. Section für Heraldik und 
III. Section für Genealogie 


vertheilt. 
Für jede Section wird ein Chef ernannt. 


§ 6. 

Jede an den Verein gerichtete Anfrage, ſofern ſie 
die von demſelben betriebenen Wiſſenſchaften betrifft, 
wird dem betreffenden Sections-Chef zur Prüfung reſp. 
Bearbeitung übergeben, das erzielte Reſultat hierauf in 
der Vereins -Sitzung zur Debatte geſtellt, und demnächſt 
die gewünſchte Auskunft ertheilt. 

Die entſtandenen baaren Auslagen werden 
Poſtvorſchuß eingezogen. 

8. . 

Zur Deckung der entſtehenden Ausgaben zahlt jedes 
wirkliche und correſpondirende Mitglied einen jährlichen 
Beitrag in Höhe eines Thalers, welcher im Januar 
jeden Jahres an den Schatzmeiſter koſtenfrei abzuführen iſt. 

Neu eintretende Mitglieder zahlen dieſen Beitrag 
ſofort bei ihrem Eintritt, gleichviel wann derſelbe er— 


durch 


folgt, fuͤr das ganze Jahr. 


3 


— —— ¶ — 


| 


Durch Beſchluß des Vereins kann der Beitrag, 
jedoch nur für wirkliche Mitglieder, nach Bedürfniß 
erhöht werden. 

In der Januar-Verſammlung legt der Schatzmeiſter 
Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben des ver- 
floſſenen Jahres und wird demſelben demnächſt De— 
charge ertheilt. 

$ 8. 


Sollte der Verein bis auf die Zahl von weniger 
als drei Mitgliedern ſich reduciren, ſo gilt derſelbe für 
aufgelöſt und übernehmen die beiden übrigbleibenden 
Mitglieder die Ehrenpflicht, den vorhandenen Kaſſen— 
beſtand an die National-Invaliden-Stiftung abzuführen, 
die Akten, Bücher ꝛc. des Vereins dagegen bei einer hie— 
ſigen hiſtoriſchen Geſellſchaft ſo lange deponiren zu laſſen, 
bis ein Verein, welcher dem aufgelöſten entſprechende 
Zwecke verfolgt, dieſelben für ſich in Anſpruch nimmt. 


NER 
Jährlich am dritten November, als dem Tage der 
erſten Zuſammenkunft der Gründer des Vereins, feiert 
derſelbe ſein Stiftungsfeſt. 
§ 10. 


Eine Aenderung des Statuts kann nur erfolgen, 
wenn dieſelbe von zwei Drittheilen der Mitglieder be— 
antragt wird. 

Berlin, den 8. December 1869. 


Der Vorſtand des „Herold“. 
Dr. C. Zrecht. F. Warucke. 
Schriftführer. Schatzmeiſter. 


Baron von Linſtow. 
Vorſitender. 


Ueber zwei heraldiſche Manuuſeripte aus 
dem 16. und 17. Jahrhundert. 


Im Anhange zum „Heraldiſchen Pelzwerk“ iſt von 
F.-K. ein höchſt ſchätzbares Verzeichuiß der älteſten deut- 
ſchen gemalten Wappenſammlungen gegeben worden. 
Als Nachtrag zur Reihe der dort aufgeführten heraldiſchen 
Manuferipte möge hier die Beſchreibung zweier hand— 
ſchriftlicher Wappenbücher — das eine, datirt, vom Jahre 
1528, das andere, undatirt, aus der Zeit um 1600 — 
folgen, welche in dem an der ſüdlichen Grenze der 
Altmark belegenen Schloſſe Flechtingen (ſeit dem Mittel- 
alter ein Beſitz der Herren von Schenck) aufbewahrt 
werden. Zwar befinden ſie ſich nicht von Alters her 
daſelbſt, ſondern wurden erſt von dem vorigen Erbherrn 
zur Vergröſſerung ſeiner reichhaltigen Bibliothek er— 
worben, allein dennoch dürften dieſelben, da ſie anſchei— 


nend noch nicht weiter bekannt ſind, eine eingehende 
Beſprechung verdienen. 
Das ältere der beiden Manuſeripte, ein ſtarker 


Folioband von ca. 200 Blättern, enthält auf der erſten 
Seite die Notiz: a 


4 


„Das wappenpuech ist gemacht worn durch W. v. 
R. da man hat zalt 1. 5. 28.“ 
vv. R.“ iſt unftreitig „von Rottaw,“ 
denn hinter dem erſten gemalten Blatt, welches vorn 
den Kaiſer Friedrich, umgeben von den Wappenſchilden 
der öſterreichiſchen Erbländer, auf der Rückſeite das W. 
des römiſchen Reiches zeigt, lieſt man: 
„Anno Tauſent vierhundert vnd im 94 Jar jſt 
mein mueter Fraw Sibille meſſenbeckin geſtorben 
am pfintztag vor ſant Thomas tag bin Ich darvor 
alt geweſen zway Jar. 
Anno Tauſent fünffhundert vnd jm 32 Jar jſt mein 
vater Carolus von Rottaw geſtorben an ſant 
Nicolaustag zw morgens zwiſchen achtn und ne.“ 
Es folgen nun verſchiedene Rottau'ſche Familien- 
und Alliancewappen, nämlich Blatt 2, Rückſeite, das 
Rottau'ſche W., faſt die ganze Seite einnehmend u. bes 
gleitet von den Schilden der v. Rottau, v. Meſſenbeck, 
v. Zennger u. v. Ramſeidt, mit der Ueberſchrift: 
„Woffgang von RottawWarmunt von Rottaw 
Gebruedern vier Annen. 
vis à vis — offenbar ſpäter eingetragen — 
„deren von Baumgartten, Zum Fraunſtain, wapen.“ 
Blatt 3 Rückſeite: „Karolus von Rottaw ſein vier 
Annen.“ (Rottaw, Zenngen, Rappach, Pflug.) 
Dann nachſtehende Alliancewappen, je vier auf einer 
Seite und je zwei einander zugekehrt: 
„Graff von Ortenberg X Rottaw.“ „Volckenſtorff 
& Rottaw.“ „Rottaw x Layming.“ „Rottaw X 
Polham.“ Mautner vo. Katznberg & Rottaw Fraw 
Amalia.“ „Leittenbach & Rottaw.“ „Rayner X 
Rottaw.“ „Die von Aüß x Rottaw.“ „Rottaw x 
Schmiherr.“ „Ayſtersham & Rottaw.“ „Wilhelm 
von Rottaw & Fraw Affra Liechteneckerin zw paſſaw 
jm thoumb begraben hat daſelbs ain ewige meſſen 
und aign altar.“ — „Karl von Rottaw obijt 1532 
die s. nicolay.“ x Fraw Sybilla Meſſenbeckin zw 
Räb vnd Ort obijt 1494 vnſer baid' recht vatt' vnd 
mueter.“ „Wilhelm von Rottaw, & Fraw Anna 
von Aham.“ „Karl von Rottaw obiſt 1532 X 
Fraw Sibilla Meſſenbeckin zw Schwennt, vnſer 
Steufmuet'.“ „Rottaw x Scebaſtian Pflug Herr 
vom Rabnſtain zwr Schwarzuburg.“ „Karrl von 
Rottaw c Fraw Anna zenngern vo. ſchneberg.“ — 
Waller von Wall (Schwaben) Rottaw.“ — „Karl 
Rottawer, dj preiſingin vor der zengin gehabt X 
Preyſing Fraw Eliſabeth.“ — „Jörg von Aham 
> Rottaw.“ „Rappach x Rottaw.“ — Puchperg 
Rottaw.“ „Marſpach x Rottaw.“ — „Tanberg de 
Rottaw.“ „Hanns von Nuſtorff obijt Anno 1529. x 
Fraw Affra von Rottaw.“ — „Vrban Zennger Ritt' 
> Fraw Elyſabeth von Rottaw.“ „Jeronimus von 
Rottaw & Fraw Barbara von Schalenberg obijt 
1534.“ — „Warmunt vor Rottaw & Suſanna 
waltenhofferin obijt Anno. 1. 5. 30. geborn ein 
tochter Eliſabeth.“ — „Warmunt von Nottaw X 
Dorothea von trenbach zw waldperig 1530; geborn 
ein tochter Fides obijt — mer ein tochter Veronica 
uiuit.“ 


i Damit ſchließt der familiengeſchichtliche Theil des 
Manuſceripts, und es folgt nun, von hier ab paginirt, 


das eigentliche Wappenbuch, mit allerlei Wappen be— 


ginnend, worunter eine große Menge mythiſcher, als 
König von Egypten, König von Lybien u. drgl. m. S. 
13: Karolus Erwelter Römiſcher — konig. 14-20: Die 
Kurfürſten. Bis Blatt 30 wieder mythiſche; von 31 
ab allerlei Wappen des Römiſchen Reichs, nämlich „Das 
Sein die vier Fürſten des Reichs“ — Schwaben, Braun— 
ſchweig, Lothringen, Baiern; „die vier Markgraffen,“ — 
Meiſſen, Brandenburg, Mähren, Baden; „die vier Land— 
grauen,“ — Thüringen, Heſſen, Leuchtenberg, Elſaß; 
„Die vier Burgkgraven“ — Reineck, Nürnberg, Magde— 
burg, Stromburg;“ „Die vier (ſchlechten) grauen“ — 
Kleve, Schwarzburg, Savoyen, Zyly. „Die vier Semper 


Frey (Hernn)“ — Lympurg, Rohr, Altenwalde, Weiter- 
burg. „Die vier Ritter“ — Strandeck, Andelo, Mel⸗ 


ding, Fraunburg. Unter Melding die Notiz: „Abge- 
ftorben, An des ſtat genommen dy vo. weyſpach, mev⸗ 
ſchner, geſchehen zw auſpurg 1510;“ daneben der Schild 
derer v. Weiſſenbach, in w. ein ſch. Ochſenkopf mit g. 
Zunge. „Die vier Stet des reichs“ — Augsburg, Aachen, 
Metz, Lübeck. „Die vier Dorffer des reichs“ — Bamberg, 
Schletſtatt, Hagennow, Ulm, Die vier paurn des reichs“ — 
Köln, Regensburg, Koſtnitz, Salzburg. „Die vier 
abtey des reichs“ — Fulda, Kempen, Murbach, Weiſſen— 
burg. „Die vier erbgrauen des Reichs“ — Flandern, 
Anhalt, Tirol, Altenburg. „Die vier Marſchälg des 
reichs“ — Sachſen, Neyd v. Bürgel, Pappenheim, 
Franken. 


Die vier lantvogt des reichs“ — Reiningen, Elbo⸗ 
gen, Myſſau, Khaltter. „Die vier landt des reichs“ — 
* C. ’ * — * ’ 7 
Bayern, Oeſterreich, Mayland, Schleſien. „Die vier 


Trugſäſſen des reichs“ — Waldburg, Balberg. 
Sigberg, Weſterwalde (Wellerswald) „Die vier Er— 


bergen Knecht des reichs“ — Sulhem, Waldeck, Rabenau, 
Arensberg. „Die vier Jägermeiſter des reichs“ — 
Mätſch, Horn, Neuffen, Schaumburg. „Die vier perg 
des reichs“ — Friedberg, Nürnberg, Heidelberg, Hohen— 
berg. „Die vier purg des Reichs“ — Altenburg, Aſchen— 
burg, Magdeburg, Rothenburg. „Die vier weder des 
reichs,“ — Ingelheim, Altorff, Lichtenau, Deckendorff. 

Dann eine Anzahl Städtewappen: „Das ſint et⸗ 
licher ſtet wappen auß einem Turnier puech abgezeicht“ — 
nämlich Merſeburg, Halle, Göttingen, Trier, Worms, 
Heilbronn, Würzburg, Ingelheim, Ravensburg, Schaff⸗ 
hauſen, Schweinfurt, Eßlingen, Darmſtadt, Stuttgart, 
Mainz, Ingolſtadt, („ein plabs pantel Thier“) Onolz⸗ 
bach, Simmern, Braunſchweig, Bamberg. 


Die Blätter 48 bis 87 enthalten wieder in großem 
Maaßſtabe gemalte Wappen verſchiedener Fürſten und 
Dynaſten; von Fol. 82 ab erſcheint dann eine fortlau⸗ 
fende Wappenreihe mit je vier auf einer Seite; dieſelbe 
beginnt mit den Markgrafen von Brandenburg u. Burg⸗ 
grafen v. Nürnberg, und füllt den Band bis 197. 
vorkommenden Geſchlechter namhaft zu machen, würde 
zu weit führen; nur ſei erwähnt, daß norddeutſche Na⸗ 
men darunter nicht vorkommen, dagegen die meiſten be⸗ 
kannteren ſüddeutſchen Familien. Auch 


Alle 


a usgeſtorbene 


3 ˙ —— ß RE VEREINE ANELEIR 


kommen vor; bei dieſen pflegt das Jahr ihres Erlöſch— 


ens angegeben zu ſein. Auch ſonſt ſind hie u. da kurze 


geneologiſche Notizen beigefügt; wir geben dieſelben hier 
im Nachſtehenden wieder, da dieſelben vielleicht den ei— 
nen oder anderen Leſer dieſer Blätter intereſſiren möchten. 
„Graff Henrich von Fuerſtuberg erilagen von 
Sweytzer 1469 die s. magdalene.“ 
„Meſſenhauſen Baiern Abgſtorben sepulti in ecclia. 
cadedrali frisingen.“ 


5 


„Herr von Laber abgeſtorben 1476 vltimus dec a- 


nus Saltzpurgensis nomine Hatmarus.“ 

„Leitenbach abgeſtorben 1528.“ 

„Wolffgang von Tannberg decanus 
nicus... obijt 1531.“ 

„Ulrich von Schwent, zu S. Merthe der l. 
des namen ſtarb 1464 am Sambſtag vor Mart .. 
Wiſpeck Jörg Hector der leſt diß Namens iſt im ſep— 
tember des 1574 in gott entſchlaffen.“ 

„Wolffgangus Schwartzuſtainer 
pat. et mgr. fabrice obijt 1511.“ 

„Hanns von Schonnſtein canonicus pat. re- 
signauit et iterum fortis Laicus.“ 


2 2 602 5 


.. 
17 
. 


canonicus 


„Wolffhardus von Ramſeyt canonicus pat. 
obijt 1530.“ 
„Dietiſſaw abgſtorbn 1499 vltimus sepultus jn 


traubing.“ 

„Jennger zw Adalmanſtain Echardus 
gius Zennger canonici pat.“ 

„Echardus Leoroder canonicus 
pat. Capituli An.) 1528.“ 

„Weyſſenpach meichſner. Der vier Ritter des 
reichs anſtat der von melding, actum per Cesarem ma- 
ximilianum 1510 Auguste.“ 

„Erasmus von Hohenueld Canonicus et custos 
pat.“ 

„Hanns von Taxſperg Canonicus et magister 
fabrice pat. Ecclie.“ 

„Ottlinger Sepulti in monasterio munichmunster. 

„De Lapide alias dieti von Hipolſtein Funda- 
tores monaſterij jn Biburgk. 1051.“ 

„Lamerſhein Fundator monaſterij Maulbronn.“ 

„Henrich von Pholing Ritter Fundator monas— 
terij jn Gotzell.“ 

„Waltkircher vltimus est canonicus Augustensis.“ 
„Mathias Prannt Canonicus pat. obijt 1531.“ 
Am Schluſſe ſind mehrere größere Bogen einge— 

heftet, anſcheinend die Diarien des Wappenbuchs, denn 
man erblickt darauf eine große Anzahl derſelben Wappen 
als im eigentlichen Manuſcript, jedoch nur flüchtig (ohne 
Helm und Helmdecken, mit unmittelbar auf dem Schilde 
ruhenden Kleinoden) entworfen. 


7 et Geor- 


(et cellarius 


cano- 


— U — ͤ œ—ͤU—— r . —. — 


Hinſichtlich der techniſchen Ausführung wäre zu be- 


merken, daß der Styl der Wappen, ſoweit er ſich na— 
mentlich in den vorgedruckten Schablonen der Schilde, 
Helme und Decken ausſpricht, der der Uebergangsperiode 


zwiſchen Gothik und Renaiſſance iſt; Die Zeichnung 
der Figuren dagegen, die offenbar von zwei oder drei 
verſchiedenen Händen herrührt, iſt größtentheils nur ganz 
mittelmäßig. Die ſtets geſtem pelten Löwen find gut. 
Die Farben ſind völlig erhalten; ſie ſind außerdem noch 
durch die Buchſtaben g. w. R. p. (plab⸗blau) ß. be⸗ 
zeichnet. Säumtliche Wappen erſcheinen rechtsgewendet, 
mit Ansnahme der Alliancewappen der erſten Blätter, 
wo je zwei und zwei einander zugekehrt ſind. (Auch 
die Figuren der Schilde.) 


Eortſetzung folgt.) 


Anfrage I. 


In einer früheren Sitzung des Münzforſcher-Ver— 
eins zu Hannover wurde der in der königl. Bibliothek 
daſelbſt befindliche Originalſtempel eines Landfriedens— 
ſiegels Kaiſer Wenzel's zu dem Zweck vorgelegt, über 
die Bedeutung eines auf dem Siegel ſich zeigenden Fi- 
ſches Aufklärung zu erhalten. 


Der wohl erhaltene meſſingene Stempel wurde in 
Schwaben in der Nähe der Stadt Giengen auf einem 
Ackerfelde gefunden und von dem Staatsamtmann und 
Verwalter des benachbarten Kloſters Königsbronn an . 
ſich gebracht, von dieſem aber dem bekannten J. J. Moſer 
überlaſſen, durch welchen die erwähnte Bibliothek in Beſitz 
des Stempels kam. 


Das etwa 72 Meter im Durchmeſſer haltende 
runde Siegel mit der Umſchrift in gothiſcher Majuskel: 
„+ S. PACIS. PER. DOM. WENZESLAUM. 
ROMANORUM. ET. BOEMIE. REGEM ORDI- 
NATE.“ zeigt die Figur des Königs als Knieſtück in 
einem gothiſch damaszirten Felde. Zu beiden Seiten 
des mit einer fünfblättrigen Krone bedeckten Hauptes 
ſind zwei dreieckige Wappenſchilde befindlich, von denen 
der vordere den einköpfigen Reichsadler, der hintere 
den gekrönten böhmiſchen Löwen zeigt. 

Mit der Rechten hält der König das entblößte 
Schwert quer über Leib, in der Linken den Reichsapfel. 
Unterhalb des Schwertes endlich, wo der ſehr natürlich 
dargeſtellte Bauch des Königs aufhört, zeigt ſich ein 
rechtsgewendeter frei liegender Fiſch. Vermuthlich hat 
derſelbe als Unterſcheidungszeichen dieſes Landfriedens— 
ſiegels von einem andern ähnlichen dienen ſollen, und 
bleibt es dahingeſtellt, ob dieſes dem im Jahre 1389 
nach Eger zuſammenberufenen allgemeinen Landfrieden 
gedient hat. Ueber die eigentliche Bedeutung des 
Fiſches hat ſich bisher aber noch nichts Genaues ermit— 
teln laſſen. Der obengenannte Moſer meint: „zu Wen⸗ 
zels Zeiten haben allerlei Geſellſchaften ihren Namen 
von Thieren entlehnt, jo die Löwengeſellſchaften, und 
1484 jet u. A. in Schwaben eine Geſellſchaft von Gra⸗ 


fen, Herren, Rittern und Knechten die „vom Fiſch“ ge— 
nannt. Ob nun etwa dieſelbe ſchon zu Wenzels Zeiten 
in Wirkſamkeit geweſen und ſich dieſes als ihres eige⸗ 
nen Landfriedensſiegels bedient habe, getraue er ſich nicht 
zu entſcheiden.“ 


6 


u. Familienkunde bezieht, als auch aus den bereits er⸗ 
wähnten Publicationen das in unſer Fach Einſchlagende 
in Kürze mittheilen. Der Herold hat bereits zu dieſem 


Zwecke Schritte gethan, um einen Schriftenaustauſch 


Für dieſe Annahme könnte allenfalls der Umſtand 


ſprechen, daß der Stempel in Schwaben aufgefunden 
wurde. 


Es wurde ferner in der erwähnten Sitzung noch 
angeführt, daß der Fiſch möglicherweiſe eine örtliche Be⸗ 
deutung habe und ſich auf den mittelalterlichen Gebrauch 
zurückfuͤhren laſſe, die Lage von Städten an Flüſſen 
oder Seen durch Wellen und darin ſchwimmende Fiſche 
auf ihren Siegeln anzudeuten. Eine befriedigende Lö— 
ſung der Frage ward jedoch nicht erzielt. 


Die geſchätzten Leſer dieſes Blattes, welche über die 
Bedeutung des Fiſches Etwas anzuführen in der Lage 
ſind, werden um gütige Mittheilung ihrer Anſicht er— 
ſucht. 

Berlin. 


a 


10% 
RW 


Das Spanifche Wappen, 


wie es gegenwärtig, nach der Entthronung der Königin 
Iſabella, geführt wird, iſt, zufolge den Darſtellungen 
auf den neueſten ſpaniſchen Münzen, in nachſtehender 
Weiſe componirt: 

Gevierteter Schild mit eingepfropfter Spi 

I. Caſtilien. (g. Caſtell in r.) 

II. Leon. (gekrönter r. Löwe in W.) 

III. Arragonien. (in g. drei r. Pfähle.) 

IV. Navarra. (g. Schildbeſchlag in r.) ö 

V. (Spitze: (gr. Granatapfel mit r. Saamen in w.) 


Der mit einer fünfzinnigen Mauerkrone bedeckte 
Schild iſt unten von zwei gekreuzten Palmzweigen um— 
geben und wird von zwei W. Säulen gehalten; an jede 
der letzteren iſt ein w. Band geheftet, worauf man vorn 
„PLUS“ hinten „ULTRA“ lieſt. — 


6 


* 


) 


32 * * 
CLileralur. 

Da ſich in neuerer Zeit nicht nur das Erſcheinen 
ſelbſtändiger genealogiſcher und heraldiſcher Werke in 
ſehr erfreulicher Weiſe mehrt, ſondern anch in den Be⸗ 


richten der beſtehenden Geſchichts- und Alterthumsver⸗ 
eine, ſowie in den verſchiedenen archäologiſchen Zeit— 
ſchriften, häufig Artikel heraldiſchen Inhalts veröffent⸗ 
licht werden (mehrere dieſer Publicationen haben dafür 
in anerkennenswerther Weiſe eine ſtehende Rubrik) f 
dürfte es eine der Hauptaufgaben des „Deutſchen He⸗ 
rold“ ſein, ſeine Leſer ſtets in Bekanntſchaft mit allen 
dergleichen Erſcheinungen zu erhalten. Wir werden daher 
unter der Ueberſchrift „Literatur“ ſowohl Beſprechungen 
größerer Werke bringen, deren Inhalt ſich auf Wappen⸗ 


turen, würden erwünſcht ſein. 


zwiſchen ihm und den übrigen deutſchen Geſchichtsver— 
einen reſp. Redactionen hiſtoriſcher Zeitſchriften herbei⸗ 
zuführen. 


„Correſpondenzblatt des Geſammtver⸗ 
eins der Deutſchen Geſchichts- und Alter- 
thumsvereine 1870 Nr 1.“ enthält: 


S. 7. Anzeige und Recenſion der kürzlich er⸗ 
ſchienenen, von A. Frauſtadt herausgegebenen Geſchlechts⸗ 
Geſchichte derer von Schönberg meißniſchen Stammes. 
(Eingehendes über dieſe Arbeit in einer der nächſten 
Nrn. d. Bl.) 


S. 8: Eine Bitte an Freunde der Heraldik von 
H. Weininger, Secretär des hiſtoriſchen Vereins zu Re⸗ 
gensburg, Wappenſagen betreffend; ſpeciell wünſcht Hr. 
W. Auskunft über etwaige Sagen, welche ſich an die 
Wappen der Grafen Cettner, Gr. Bethlen, Fürſten 
Palffy, F. Schwarzburg, (Gabel und Kamm) Gra⸗ 
fen Bubena, Frhru. Hotowetz, Grafen Gollalto etc. 
knüpfen. (Wir wiederholen hier gern die Anfrage, 
können jedoch nicht umhin gleichzeitig zu bemerkeu, daß 
der „Deutſche Herold“ in feinen Veröffentlichungen ſtets 
auf den Boden der geſchichtlichen Thatſachen bleiben wird 
und daher ſich auf Publikation von Wappenſag en 
nicht wird einlaſſen können.) 


„Numismatiſche Zeitung, Blätterfür Mün z⸗ 
Ft q J . — 
Wappen⸗ und Siegelkun de. Nr. 2. 1870,“ ent⸗ 


hält S. 19 einen Aufſatß von G. Seyler über das be⸗ 
kannte Wappen in Grünenbergs Wappenbuch, den drei- 
köpfigen gelben Adler im ſchwarzen Felde als Wappen 
des deutſchen Kaiſers, ſo lange ſich das heilige Grab zu 
Jeruſalem in den Händen der Chriſtenheit befinde. Hr. 
Seyler weiſt den Vorwurf v. Hefner's, daß dieſe Angabe 
eine Phantaſie Grünenbergs ſei, zurück, geſtützt auf eine 
bezügliche Mittheilung des Nürnberger Chroniſten Se— 
bald Schreyer. — Weitere Aufklärungen in dieſer An⸗ 
gelegenheit, namentlich Mittheilungen über etwaiges 
Vorkommen des Reichsadlers mit verwechſelten Tine— 


„Numismatiſch⸗ſphragiſtiſcher Anzeiger 


(Organ des Münzforſcher-Vereins zu Hannover) Nr. 1.“ 


S. 3. Beantwortung einer früheren Anfrage im Num. 


Anzeiger, das bekannte Sigillum Vini betreffend. Zu den 
0 ' to) 


vielfachen Erklärungen, welche dieſes Siegel, deſſen Ur- 
ſprung noch nicht ermittelt iſt, bereits erfahren hat, 
tritt hier die Hypotheſe, daß die Umſchrift urſprünglich 
„sigillum (comitis s. regis Bald) vini gelautet haben 
möge, — und mithin etwa ein Graf von Flandern (bei 
denen der Vorname Balduin im Mittelalter ſtehend iſt) 
oder einer der aus dieſem Geſchlecht ſtammenden Könige 

von Jeruſalem ſich dieſes Siegels bedient haben könne. 


Die von demſelben courſirenden Abdrücke laſſen offen— 
bar erkennen, daß ſie vom Originalſtempel genommen 
ſind, der alſo noch vorhanden ſein muß. Wo? Eine 
Unterſuchung deſſelben würde wohl erkennen laſſen, ob 
ein Falſificat vorliegt oder nicht. 

„Mittheilungen des Vereins für Münz⸗ 
Wappen⸗ und Siegelkunde in Dresden.“ 1. 
Heft. Dresden, 1869. 

Mit Freuden begrüßen wir dieſe am Schluſſe des 
vorigen Jahres veröffentlichte erſte Publication eines faſt 
dieſelben Zwecke als der „Herold“ verfolgenden Vereins. 

Aus dem Berichte entnehmen wir, daß der Dres— 
dener Verein ſich am 8. November 1867 conſtituirte, 
in drei Abtheilungen — für Numismatik, Heraldik und 
Sphragiſtik — geſchieden iſt, und mit einer Anzahl hi— 
ſtoriſcher Vereine in Verbindung ſteht. Er zählt gegen— 
wärtig 24 Mitglieder, welche eine äußerſt rege Thätigkeit 
entwickeln, indem ſeit dem Beſtehen des Vereins bereits 
78 Sitzungen ftattgefunden haben und in denſelben 37 
Vorträge gehalten worden ſind. 

An heraldiſchen Arbeiten enthalten die Mittheilun— 
gen: 1) „Die Wappen und Siegel der Städte Sachſens, 
Thüringen's nud der angrenzenden Provinzen.“ Mit 
Recht hebt der Verfaſſer es als nothwendig hervor, daß 
auch den Städte wappen u. Siegeln Aufmerkſamkeit 
geſchenkt werde, wie dies ja auch bereits vielfach ge— 
ſchehen iſt. Es iſt natürlich nicht möglich, hier über 
jedes einzelne der beſprochenen Städtewappen Genanes 
zu wiederholen; wir beſchränken uns darauf, nur zu er⸗ 
wähnen, daß folgende Sächſiſche Ortſchaften: Adorf, 
Altenberg, Annaberg, Aue, Auerbach, Bärenſtein, Bautzen, 
Berggießhübel, Bernſtedt, Biſchofswerda, Borna, Brand, 
Brandis, Buchholz und Burgſtädt zur Beſprechung 
kommen, und daß die Behandlung des Stoffes ähn— 
lichen Abhandlungen zum Muſter dienen kann. Dan— 
kenswerth ſind die Hinweiſe darauf, wie (was auch leider 
anderwärts in reichlichem Maaße der Fall iſt) manches 
alte ſchöne Wappen durch Unwiſſenheit oder Unacht— 
ſamkeit verdorben iſt. 

Eine photolithographirte Tafel mit einer Anzahl 
von Siegelabbildungen, welche die Originale (wie eine 
Vergleichung der erſteren mit einigen vorliegenden Ab— 
güſſen zeigt) getreu wiedergeben, gereicht dem Hefte 
zu beſonderer Zierde. In der Erläuterung dazu wird 
mit Recht der Unterſchied zwiſchen Städte -Wappen u. 
Städte⸗Siegeln, in Bezug worauf manche Heraldiker 
oft fehlen, betont. Von Städte-Wappen imeigent⸗ 
lichen Sinne kann man überhaupt kaum reden, ebenſo 


wenig als von Länderwappen. Die ſ. g. Städte wappen 1 
f 6 AM l aufbewahrten, Exemplare vorhanden . find, an— 
die Contour eines Schildes begrenzte, und erſtere ſowohl 


entſtanden faſt immer indem man die Siegelbilder durch 


als letztere, wo es nöthig, heraldiſch tingirte. Bei far- 
bigen Darſtellungen von Städtewappen die natürliche 


| Farbe der. Siegelbilder zu wählen, (falls nicht die Tine 


turen durch Ueberlieferung feſtſtehen) wie a. a. O. vorge» 
ſchlagen wird, ſcheint nicht zu empfehlen; wo es ſich 

um heraldiſche Darſtellungen handelt, ſollten ſtets auch 
nur die heraldiſchen Farben gewählt und benutzt werden. 
Die ſogenannte Naturfarbe iſt von der neueren Heral⸗ 
dik gar zu oft mißbräuchlich angewendet worden. 


TE ER, ST ETTERNTENR 


2) Verſuch eines Nomenclators des ſächſiſchen Adels.“ 
Ein mit großem Fleiße auf Grund zahlreicher Quellen 
des Dres dener Archivs, der dortigen Bibliothek u. einer 
Reihe älterer u. neuerer Druckwerke zuſammengeſtelltes 
Verzeichniß der Adelsfamilien Sachſens, ſowohl der 
eingeborenen als der eingewanderten; als Grundlage 
für ſpätere Arbeiten über ſächſiſche Adelsgeſchichte und 
Heraldik ſehr brauchbar. 

Zur Beachtung für Sammler möge nicht uner— 
wähnt bleiben, daß der Verein eine große Anzahl Siegel— 
Doubletten beſitzt und dieſelben gegen andere auszu— 


tauſchen geneigt iſt. 


Heraldifche Technik. 
Ueber das Abformen der Siegel. 


Höchſt nothwendig, faſt unentbehrlich iſt für 
jeden Heraldiker der Beſitz einer möglichſt reich— 
haltigen Wappen- und Siegel-Sammlung — ſo 
nothwendig wie dem Botaniker ſein Herbarium, 
dem Numismatiker die Münzſammlung ete. Zwar 
verfolgen die Freunde unſerer Wiſſenſchaft in 
dieſer Beziehung ſehr mannigfaltige Ziele: Der 
Eine ſammelt nur mittelalterliche, der Andere 
nur neuere Wappen; der Eine richtet fein Haupt⸗ 
augenmerk nur auf fürſtliche, der Andere auf 
geiſtliche, der Dritte auf Städte-Siegel, u. ſ. w. 
Allen aber liegt es natürlicher Weiſe am Herzen, 
ihre Sammlungen ſo viel als möglich zu ver— 
größern, um durch ſorgfältige Beobachtung und 
Vergleichung des vorliegenden Materials ihre 
Kenntniß zu erweitern. 

Unſtreitig darf Niemand, der für einen 
wiſſenſchaftlichen Heraldiker zu gelten beanſprucht, 
es verſäumen, eifrig und eingehend die Siegel 
des Mittelalters zu ſtudiren, welche eine uner— 
ſchöpfliche Fundgrube des Intereſſanten darbieten 
und für jede heraldiſche Arbeit unentbehrlich ſind. 
Da nun aber einestheils viele höchſt wichtige alte 
Siegel nur in einem, in irgend welchem Archive 


dererſeits die Anzahl der alten Originalſiegel, 
welche Sammler auf dem Wege des Kaufes oder 
Tauſches erwerben können, eine geringe iſt (glück— 
licherweiſe — denn die Wachsſiegel gehören an 
ihre Urkunden und die Urkunden gehören in's 
Archiv; jedes abgeriſſene alte Siegel erinnert in 
trauriger Weiſe an Pietätloſigkeit oder Verun⸗ 
treuung;) ſo würde den ſphragiſtiſchen Forſchun⸗ 


gen eine enge Grenze gezogen fein, hätte man 
nicht verſucht dieſem Mangel dadurch abzuhelfen, 
daß man von den in Archiven aufbewahrten 
oder überhaupt ſeltenen alten Siegeln Abgüſſe 
anfertigt, um dieſe, als die Stelle der. Drigi- 
nale vertretend, in Sammlungen aufzunehmen. 
Zeichnungen würden zwar auch verwendbar ſein, 
allein theils ſteht nicht jedem Sammler ein 
Zeichentalent zu Gebote, theils iſt auch die beſte 
Zeichnung oft ungenügend, wenn es ſich, wie dies 
jo häufig der Fall, um ſphragiſtiſche Darſtell— 
ungen handelt, die dem bloßen Auge kaum er⸗ 
kennbar und in ihrer eigenthümlichen Form von 
äußerſter Wichtigkeit ſind. 

Die Anforderungen, welche man an einen 
guten Abguß ſtellt, ſind: er muß das Original 
in ſeiner Größe und den darauf befindlichen 
Darſtellungen bis in's Kleinſte getreu wieder— 
geben, kurz daſſelbe vollſtändig erſetzen; ſeine 
Anfertigung darf in keiner Weiſe eine Beſchädi— 
gung des Originals herbeiführen; er muß dau— 
erhaft und nicht zu ſchwierig aufzubewahren ſein. 

Man hat behufs der Siegel- Vervielfälti⸗ 
gung verſchiedene Methoden in Anwendung ge— 
bracht; die hauptſächlichſten ſind: Abgießen in 
Gyps oder Schwefel; Abformen in Guttapercha 
oder Thon; Gewinnung eines Stempels durch 
galvaniſchen Niederſchlag und demnächſtiges Ab— 
drücken deſſelben in Wachs, Guttapercha oder 
Siegellack. Jede dieſer Methoden hat ihre größeren 
oder geringeren Vortheile und Nachtheile. 

Wir beabſichtigen hier zum Nutzen der 
ſammelnden Leſer die verſchiedenen Verfahren ſo 
zu beſchreiben, wie ſie ſich durch langjährigen 
Gebrauch als zweckentſprechend herausgeſtellt haben, 
es den Leſern anheim ſtellend, die ihnen als die 
geeignetſte erſcheinende Methode zu wählen. 

(Fortſetzung folgt.) 


Zur Noliz. 


Für das laufende Jahr iſt die Einrichtung getrof— 
fen, daß der „Deutſche Herold“ den geehrten Abonnen— 
ten direct franco zugeſendet wird; dieſelben werden hin— 
gegen erſucht, die Abonnementsgebühren im Betrage von 
„1 Thlr. 5 Sgr.“ bis zum 1. Mai d. J. an den 
Vereins⸗Schatzmeiſter, Herrn Geheimen exped. Secretair 
Warnecke zu Berlin, welcher bis zum 1. April 

J. Wilhelmsſtraße Nr. 39, ., von da ab aber 


D. J. 


— —— —.cCᷣ. — — — —-—- — a ͤꝓ⏑W—w— —— — — — 
EEE EEE NEE EEE NT ENTER NEE EEE . ww... 


Steglitzer Straße Nr. 58, III. wohnt, gleichfalls 
franco einſenden zu wollen. Vom 1. Januar 1871 ab 
wird der Vertrieb dieſes Blattes vorausſichtlich der Poſt 
reſp. dem Buchhandel übergeben werden. 

Die Mitglieder des Herold erhalten das Vereins— 
Organ zum ermäßigten Preiſe von 20 Sgr. 
Ehrenmitglieder erhalten die Zeitſchrift gratis. 


Anzeige. 


Nachbenannte Bücher ſind zu verhältnißmäßig billigen Preiſen 
zu erſtehen: 


Der durchlauchtigen Welt Wappenbuch. Nürnberg 1767. 2 
Bde. Octav. 

Hübner's geneal. Tabellen. Leipzig 1725. Querfol. Schwldrbd. 

Scheidt, hiſt. und diplom. Nachrichten vom deutſchen Adel. 
Hannover 1754. Quart. 

Fürſt's Wappenbuch, 1 Theil. Theilweiſe colorirt. 

Bagmihl's pommeriſches Wappenbuch. I. u. II. Theil. 

Svea Rikes Ridderskaps Bok, Mit Holzichnitten. Stockholm 


1746 Fol. 
Silvester Petra Sancta, tesserae gentilitiae, 


. Rom 1638. (Sel⸗ 
ten.) Fol. mit vielen Kupfern. 


Insignia gentilitia equitum ordinis velleris aurei von J. J. 
Chifflettius. Antwerpen 1632. Selten. 
La Nobilta Veneta, v. Casimir Freschot. Venet. 1707. Mit 


Holzſchnitten; kl. Oetav. Sehr ſelten; das ganze Venetianiſche 
Patriziat enthaltend. * 

Maſch, Wappenalmanach der ſouver. Regenten Europgs. Quart. 

Oetter's Wappenbeluſtigungeu, 2 Bde. Augsburg und Nürnberg 
1761 —1763. Quart mit vielen Abbildungen. 

Tyroff, Neues adl. Wappenwerk Band J., Abtheil. 1—3 in drei 
Bänden und ein Band Tert. 

Becmani Syntagma digpitatum illustrium ete. Lipsiae 1646. 
Selten. ' | 

Ménestier, nouvelle methode du Blason Lyon 1710. Kl. Oct, 
Ldrb. Selten. 

M£nestrier, Origine des Armoiries, Paris 1684. Kl. Det. Selten. 

Wölckern, Beſchreibung der bairiſchen u. ſ. w. Wappen. Nürnberg 
1821-1829. Brochirt. 4 Bde. 

Wappengallerie des höheren Adels des Oeſterreichiſchen Kaiſerſtaates. 
Wien. Gr. Oet. n 

Dorſt, ſchleſ. Wappenbuch; über 300 Wappen in Buntdruck. Com⸗ 
plet. 9 Hefte; Quart. Ungeb. 

Caſt, Süddeutſcher Adelsheros. 2 Bände, 
temberg. 1 . 

The present Peerage of the United kingdom. London 1810 Kl. 

Octav. 

and her. Dictionary of the Peerage etc, of the British 


Baden und Wuͤr⸗ 


Gen. 


Empire. London 1840. Gr. Octav Lederbd. 

The peerage of the british Empire. London 1847. Gr. Detav. 
Prachtband. 

Chriſtian von Stromberg, das Haus Bathory in ſeinen Verzwei— 
gungen. 1853. 


Alexander Frhr. v. Simolin, Stammtafeln der Bathory-Simolin. 
"1855 


Diverſe Staats-Handbücher von Europa auf die Jahre 1722, 1773, 
1809, 1811, 1812, 1834, 1838, 1841, 1848 x. . 
Gefällige Anfragen und Angebote auf vorſtehende Bücher 

wolle man frankirt richten an Herrn Pr. Lieut. M. Gritzner, 

Berlin, Victoriaſtraße Nr. 11, woſelbſt ſie auch zur Anſicht ſtehen. 


Inhalt der erſten Nr.: 

Vorwort. — Statut des Herold. — Ueber zwei heral⸗ 
diſche Manuſeripte aus dem 16. und 17. Jahrhundert. — 
Anfrage J. — Das Spaniſche Wappen. — Literatur. — 
Heraldiſche Technik. — Notiz. — Anzeige. N 


Im Auftrage des obengen. Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Reg.⸗Bez. Magdeburg. Druck von A. Keller in Gardelegen. 


* 


aus dem Protocol der Sitzung des „Herold“ 


— 


Monatsſchriſt für Heraldik, N 
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin. 


Erſcheint monatlich einmal 4—1 Bogen ſtark. Jährlicher Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene 
Petitzeile — r 


1 Jahrgang. 


Ar. 2. FF Berlin, im März 1870. aD 


— une un se en == 2 — — 


„Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller⸗ Contrahenten ihr Wappen resp. Siegel den 
gaädiglt e 1 85 Nit e ih D. ih Urkunden anhingen. Die Annahme, daß AL 
Eduard Oscar Kerſtan, Rittergutsbeſitzer auf Kriſchütz, n e f 70 
Kr. Wohlau, unter dem Namen „von Lüttwitz⸗ bero ein Brunckow geweſen ſei⸗ wurde beſtrit⸗ 
Kerſtan“ in den Adelſtand zu erheben. (Publ. 13. Febr.) ten, und behauptet, daß er der Familie Schnet⸗ 

Den Landrath a. D. und Rittergutsbeſitzer Bernhard ling i und mit dem in der Vor⸗ 
Paul Friedrich Hugo v. Scheibler') zu Aachen in den | rede zum Sachſenſpiegel aufgeführten Voigt von 
Freiherruſtand zu erheben. (Publ. 4. März.) Spandau, Albrecht de Snetlinge, identiſch ſei.“ 

Die zweite Frage: welches Wappen die 

bis mindeſtens in's 14. Jahrhundert in der Neu— 

Aus U mark anſäſſig geweſene Familie von Brunckow 
Auszug geführt habe, ließ ſich, da die Recherchen noch 
nicht beendet ſind, vorläufig nicht beantworten. 

Die dritte Frage: ob die Familien Senar- 
clens de Vüfflers u. Senarclens de Graney 
ein und dieſelbe ſei, führte zu keiner definitiven 


vom 2. März 1870. 


Nach Erledigung der geſchäftlichen Ange- Entſcheidung. 
legenheiten und Aufnahme neuer Mitglieder, ge— , „ 
langten folgende an den Verein gerichtete An⸗ Die vierte Frage: wo zur Zeit die Acten 


nn des ehemaligen Schöppenftuhls in Brandenburg 
fragen nd een f aufbewahrt werden, ob darüber Regiſter exiſtiren 
Die erſte Frage: Welches Wappen Albero, und ob Abſchriften daraus zu erlangen ſeien, 
a 5 Markgrafen er 85 a wurde durch die Mittheilung erledigt, 
von Brandenburg, im 13. Jahrhundert geführt |, Ar 0 f i ee 
und welcher Familie derſelbe angehört habe? |“ Gerte 11 1 Ti bei 1 0 söngt. Pets 
wurde dahin beantwortet: | i ericht zu Brandenburg befänden, der dort 
WIRD J . anſäſſige Prof. Dr. Heffter ein ſehr genaues 
Daß, da derſelbe nur als Zeuge in den Ur Namen- und Sach⸗Regiſter derſelben angefer- 
kunden aufgeführt wird, ein Wappen deſſelben tigt habe, und Abſchriften durch Vermittlung 
ſich ſchon um deshalb nicht habe ermitteln | des Kreis-Gerichts-Kanzlei-Director's v. d. 
laſſen, als nach damaligem Gebrauche nur die Blechen zu erhalten ſeien.“ | 


) Aus der 1783 nobilitirten Familie in der Rreinpropinz. Herr Premierlieutenant a. D. Gritzner, Bib- 


5 


— 


liothekar des Vereins, verlas demnächf 


von ihm verfaßten Aufſatz über die „Heraldik 


als Hülfswiſſenſchaft der Geſchichte.“ Nachdem 
ſodann der Schriftführer des Vereins, Hr. Geh. 
Regiſtrator Dr. Brecht, noch einige Mittheilun— 
gen aus ſeiner Arbeit: „Nachrichten über die 
Familie Grieben“ (Berliner Patricier) gemacht 
hatte, wurde die Sitzung geſchloſſen. 


Ueber Plaſonirung. 


Ein Umſtand, welcher für die Heraldik in 
unſerm Deutſchen Vaterlande ſtets recht hinder⸗ 
lich geweſen iſt und noch immer zu vielen Irr⸗ 
thümern u. Mißverſtändniſſen Veranlaſſung giebt, 
iſt der Mangel einer gleichmäßigen, allgemein 
angenommenen und leicht verſtändlichen Blaſo⸗ 
nirungsweiſe. Wenn wir ein Wappen beſchrei⸗ 
ben wollen, fehlt es uns oft an geeigneten Aus⸗ 
drücken; wir entlehnen dieſelben dann dieſem 
oder jenem Schriftſteller, der für die gewöhnlich— 
ſten Figuren neue Ausdrücke erfunden hat. Die 
Franzoſen ſind uns Deutſchen in dieſer Bezieh⸗ 
ung weit voraus; ihre Blaſonirung iſt jo all- 
gemein angenommen, ſo kurz und beſtimmt, daf 
ſie im Stande ſind, ein Wappen mit kaum halb 
ſo vielen Worten, als ein Deutſcher gebrauchen 
würde, zu beſchreiben, und zwar ſo zu beſchreiben, 
daß es einem Jeden, der ſich nur ein wenig mit 
Heraldik beſchäftigt hat, ſofort klar vor Augen 
ſteht. Außerdem haben fie ihre dictionnaires 
heraldiques, worin fie, im Fall ihnen ein Aus- 
druck nicht geläufig iſt, nur nachzuſchlagen brau- 
chen. Dabei ſind noch ſo viele allgemein übliche 
Ausdrücke eingeführt, daß es wohl unmöglich 
ſcheint, eine noch größere Präciſion zu erreichen. 

Vielfach hat dies allerdings ſeinen Grund 
in beſonderen Eigenthümlichkeiten der franzöſiſchen 
Sprache, vermöge deren man durch ein oder zwei 
Worte etwas ausdrücken kann, was im Deutſchen 
durch einen Satz umſchrieben werden muß; z. B. 
deux lions adosses — zwei mit dem Rücken 
gegen einander gewendete Löwen; vielleicht ließe 
ſich überſetzen „abgewendet,“ im Gegenſatz mit 
„zugewendet,“ [)( und ()] ähnliche Ausdrücke ſind 
z. B. arme, adextré, senestre, u. f. w.) Indeß 


| 


t einen wollen wir es uns zur Aufgabe machen, in un— 


ſerer Sprache wenigſtens eine gleich große Kürze 
u. Beſtimmtheit bei der Beſchreibung von Wappen 
zu erzielen, und es verſuchen, in den ſpätern 
Nummern dieſes Blattes Vorſchläge zur Erreich— 
ung dieſes Zweckes zu machen; wir geben uns 
der Hoffnung hin daß dieſelben von den deut⸗ 
ſchen Heraldikern acceptirt, oder daß uns abän⸗ 
dernde Vorſchläge zugeſandt werden, die wir gern 
prüfen und event. annehmen wollen, um dann 
ein „Deutſches heraldiſches Wörterbuch“ zus 


rn 


| Sammenftellen zu können. 


Regeſten 


einiger Urkunden zur Geſchichte mehrerer 
niederſächſiſcher Geſchlechter. 
Mitgetheilt von F. Warnecke. 


Die nachſtehend im Auszuge mitgetheilten, 
ſeither noch unbekannt gebliebenen Urkunden, 
welche ſich gegenwärtig im Beſitz des Obenge— 
nannten befinden und als älteſte Schriftſtücke 
zum Theil von großem Intereſſe ſind (da ſie auch 
zur Erklärung noch nicht recht gedeuteter Ver⸗ 
hältniſſe des Amts Lauenſtein beitragen) erhielt 
derſelbe unlängſt von dem Beſitzer des von Münch⸗ 
hauſen'ſchen Gutes Schwöbber im Fürſtenthum 
Calenberg, wohin ſie vor längerer Zeit von dem 
ebenfalls von Münchhauſen'ſchen Gute Voldagſen 
translocirt worden waren. 


1) 1313, 9. November. (feria sexta ante fest. 
b. Martini conf.) 


Simon, Graf von Daſſel, belehnt die Rit- 
ter Arnold von Haversvorde und Wasmod 
von Hagen mit den Gütern zu Calverdal, 
welche vorher Conrad von Amelunxen und 
ſein Sohn Ravenus zu Lehn gehabt. 


Zeugen: nobilis vir Luthardus de Mey- 
nerssem, Beseco de Woldershusen, Grubo 
de Grubenhagen, Johannes de Beseken- 


C TE REDE TEE 


dorph, Ecbertus de Stocheim, milites, 
Albertus de Wallenstede, famulus, etc. 
Das abhängende runde Siegel, im Schilde 
das von Kugeln begleitete Daſſel'ſche Hirſch— 
geweih und die Umſchrift: „+ Sigillum... 
oni, comitis de. D. s..“ zeigend, iſt ſtark 
lädirt. i 


2) 1316, 22. Auguſt (in octava assumpt. b. 


Marie virg.) 


Albert von Amelunxen, Canonicus zu Pa— 
derborn, verpfändet, mit Zuſtimmung ſeiner 
Brudersſöhne Otto und Ecbert, ſeine Be— 
ſitzungen zu Calverdal an den Ritter Was⸗ 


modus von Hagen und deſſen Sohn Hein- 


rich für 34 Mark Höxterſcher Denare. 


Zeugen: Johannes de Marxsen, miles, 
Gozwin Blicke, Conradus Grope, Her- 
boldus de Amelungessen, Henricus de 
Helderssen, Conradus de Meyngodessen, 
famuli, etc. 

Das abhängende dreieckige Siegel mit der 
Umſchrift: „S' Alberti de Amelungessen“ 
zeigt zwei Veh⸗Pfähle. 


3) 1348, 24. Juni (in sunte Johannesestage 


to middensomere.) 


Ernſt, Herzog zu Braunſchweig, des ſeligen 
Herzog Albrechts Sohn, belehnt Heinrich, 
Ernſt und Arnold, Gebrüder von dem Ha— 
gen, mit einem Burglehn auf dem Hauſe 
Lauenförde und 4 daſelbſt belegenen Hufen. 
Das etwas lädirte, abhängende große Sie— 
gel zeigt den bekannten ſchreitenden Löwen 
im mit kleinen Lilien beſtreuten Felde. 
Umſchrift: „+ Sigillvm. dei gr. cia. 
Ernesti, dveis. in brvneswich.“ 


4) 1418, 2. März (to Middeffasten.) 


Bernd, Otto und Wilhelm, Herzöge zu 
Braunſchweig und Lüneburg, belehnen den 
Ritter Hermann Bock von Northolz, zu 
Hand ſeines Bruders Herrn Bertold, mit 
Ländereien und Hebungen zu Oldendorf, 
Esbeck, Verdebeke, (Wüſtung im Amte Lauen⸗ 
ſtein) Hemmendorf und Komeringehuſen, 
welche vor Zeiten Wulbrand von Dudingen 


U 


— — ͤ ͤ—́—ͤꝓ ͤ ö-—ĩꝛ — I ů ů ů QA 


. 


von der Herrſchaft Homburg und den Her— 
zögen durch Richard und Hermann von Man⸗ 
delsloh zu Lehn gehabt hat. 

Von den anhängenden 3 runden Siegeln 
von grünem Wachs in gelber Schüſſel iſt 
das des Herzogs Bernd zerbrochen. 


5) 1429, 19. März (an dem h. Palmendage 


abende.) 


Otto, Herzog zu Braunſchweig, des ſeligen 
Herzog Otten Sohn, belehnt Hinrik vom 
Hagen, als den älteſten, und Ernſt, ſeinen 
Bruder, mit dem Burglehn und vier Hufen 
zu Lauenförde, ſowie mit Ländereien und 


Zehnten zu Vahle, Sohlingen, (beide im 


Amt Uslar) Schönhagen, Benstorpe, Nort⸗ 
bergen, Würrigſen und Calverdal, wie ſolche 
ihr Vater Hinrik vom Hagen vom Herzog 
Otto ſel. zu Lehn gehabt. 

Das anhängende, herzogliche Siegel von 
grünem Wachs in gelber Schüſſel, zeigt im 
Schilde die Leoparden, auf dem Helm das 
Pferd vor der mit Pfauenfedern beſteckten 
Säule. 

Umſchrift (in Minuskeln): 


dv-cis-in bryswik.“ 


„S' Ottonis 


6) 1434, 28. März (in den hilgen dagen to 


Ostern.) 


Heimbert von Helverſſen und Diederich, 
ſein Sohn, verpfänden mit Genehmigung 
des Herzogs Otto ihr Burglehn zu Fürſten— 
berg nebſt dem Hauſe daſelbſt auf der Burg, 
ſowie ihre Beſitzungen zu Eylerssen (Eilen⸗ 
ſen bei Daſſel?) und Meinbrexen für 100 
Rheiniſche Gulden, welche ſie Heinemann 
Krakouw und Alheyd, ſeiner Hausfrau, 
ſchulden. 

Die anhängenden runden Siegel der bei— 
den Brüder, — von grünem Wachs in gel- 
ber Schüſſel, je einen mit vier rechts wehen⸗ 
den Fähnlein beſteckten Helm zeigend — 
ſind gut erhalten. 


7) 1439, 8. December (1. d. concept. b. Marie 


virg.) 


Otto, Herzog zu Braunſchweig, des ſeligen 


8) 1488, 9. Juni (Montag nach St. Bonifacii.) 


12 


1 


Herzog Otto Sohn, belehnt Henrik von dem 
Hagen, als den älteſten, und Ernſt, ſeinen 
Bruder, mit einem Sattelhof und drei Hu— 
fen in Thudinghauſen, einer Hufe zu Lutte⸗ 
ringhauſen, einem Sattelhof und einer Hufe 
mit Zehnten und Gerechtſamen zu Aſche, 
wie ſolches ſeinem Schreiber Johann Gro— 
tejan zu Lehn gegeben war, für eine, dem 
Herzog geliehene, Summe Geld, die ihm 
die von Hagen wieder gegeben haben; un: 
beſchadet der Rechte, welche Geſe von Yitorp- 
pe, Hildebrands von Halthuſen Wittwe, an 
den genannten Gütern, als ihrer Leibzucht, 
bei ihren Lebzeiten hat. 


Das anhängende, herzogliche Siegel von 
gelbem Wachs iſt mittelmäßig erhalten. Im 
Schilde: die Leoparden; auf dem Helm: 
Pferd, vor der mit Pfauenfedern beſteckten 
Säule. Umſchrift: „Sigillum Ottonis — 
ducis in brunswik.“ 


Mauritius, Graf zu Spiegelberg, belehnt 
Hermann Bock von Northolz mit Gütern 
und Hebungen zu Verdebeke, Leede (beide Wü⸗ 
ſtungen im Amte Lauenſtein) Oldendorf und 
Voldagſen. 


Das mittelmäßig erhaltene Siegel von 
grünem Wachs in gelber Schale zeigt das 
Spiegelbergſche Wappen: im Schilde einen 
aufſpringenden Hirſch und auf dem Helm 
denſelben vor einer mit Pfauenfedern be⸗ 
ſteckten Säule ſtehend. 


——— —— — 


(Die Urkunde iſt in zwei Exemplaren aus⸗ 
gefertigt.) 


9) 1488, 3. März (Montag nach Reminiscere.) 


Hermann und Brun, Gebrüder von Be— 
vern, Knappen, verkaufen eine „die niedere“ 
genannte Mühle nebſt Land an den Müller 
Bartold für 30 vollwichtige Rheiniſche Gul- 
den. Doch ſoll er, falls er dieſelbe wieder 
verkaufen wolle, ſie den genannten Brüdern 
zuerſt feil bieten; auch ſoll er gehalten ſein 
für dieſelben zu mahlen zur Nothdurft auf 
dem Hauſe Brack, ſowie alljährlich zu Oſtern 
ein Pfund Geldes zahlen, ablöslich gegen 
15 Pfund Bodenwerderſcher Währung. 


Zwei anhängende Siegel von grünem 
Wachs in gelber Schüſſel: \ 
1) „S' herman v. Beveren.“ Schild: 3 
Büffelköpfe 2, 1. Helm: 2 Büffelhörner. 
2) zerdrückt. 


10) 1499, 21. September (am Tage St. Mat- 
thäi.) 

Bartold, Biſchof von Hildesheim und Ad⸗ 

miniſtrator von Verden, belehnt Bartold 


Bock von Northolz mit Gütern und Hebun⸗ 
gen zu Ockenſen, Deinſen, Lübbrechtſen, 
Duingen, Eime, Banteln, Gronau, Leede, 
Sehlde, Yerdeſſen, Hoſſingeſſen (beide Wü⸗ 


ſtungen im Amte Lauenſtein) Salzhemmen⸗ 
dorf,“) Reynſſen, (die Wüſtung Reinſen bei 
Salzhemmendorf) Deilmiſſen, Weſtfeld, Ed⸗ 
dinghauſen, Thüſte, Esbeck und Oldendorf; 
mit dem ehemaligen Beſitz derer von Bolt⸗ 
ſem zu Oldendorf, Benſtorf, Giften, Elze, 
Steller, (Wüſtung im Amte Lauenſtein) 
Hackenrott. 


Das ziemlich gut erhaltene Siegel von ro- 


them Wachs in gelber Schale zeigt einen 
quadrirten Schild mit Mittelſchild; in letz⸗ 


6 2 ˙ 


terem ſchrägrechts aufſteigender Zaun, darü- 
ber ein laufender Fuchs; (von Lan desberg, 
Familienwappen des Biſchofs) I und 4: ge⸗ 


ſpalten; (Hildesheim) 12 und 3: Gabelkreuz 


(Verden.) 


Umſchrift: „S' bertold’ epi' hildens ad- 


mistrator' verd'.“ 


ueber zwei heraldiſche Manuferipte aus 
dem 16. und Se eee 
(Schluß.) 


Das andere der erwähnten Manuſeripte iſt um ca. 


60 Jahre jünger. Obwohl es nicht datirt iſt, ſo läßt 


fi) doch die Zeit ſeiner Entſtehung unſchwer beſtimmen.“ 


Das vordere Drittheil des 446 bemalte Folioſeiten 


) Die Urkunde liest: „twein sestich waters in 


jowelker weken ute dem Soltborne tom Solte to Hem- 


mendorp.“ Es ift da zwiſchen „sestich“ und dem Genitiv 


4 
| 


„waters““ — durch ein Verſehen des Schreibers ein Wort 


ausgelaſſen. Aber nicht „eimer“ wie die faſt gleichlautende, 


1 


ſpätere Urkunde von 1632 (Baring, Beſchreibung der Saala 
im Amt Lauenſtein, Anlage XXVI.) ergänzt, ſondern „20“ 
oder „soc,“ d. h. ein Zug. (Erklärung und Beiſpiele ſiehe 
bei Rudorffs Beſchreibung und Geſchichte des Amts Lauenſtein 
in der Zeitſchrift des hiſtor. Vereins für Niederſachſen, Jahr⸗ 


gang 1858, Seite 323.) a 


1 


Herrſcher, als z. 


203 des niederen (meiſt jüddeutſchen) Adels. 


13 


ſtarken Bandes iſt ganz nach dem Muſter der bekannten 
Wappenſammlungen des 15. und 16. Jahrhunderts an⸗ 
gelegt. Es enthält zunächſt eine Reihe von Wappen 
mythiſcher Königreiche, altteſtamentlicher Helden u. dgl.; 
ſodann folgen die Europäiſchen Königreiche und Fürſten— 
thümer, ſowie die Porträts zahlreicher Monarchen und 
z. B. Kaiſer Friedrich, Albrecht von Oeſter— 
reich, Graf Leonhard v. Görtz u. ſ. w. S. 68 ff 
„Allerley Stand und Aembter deß heil. Röm. Reichs“ 
(die vier Herzöge u. |. w.) 

S. 96 ff.: die Schilde deutſcher Dynaſtengeſchlechter, 
darunter von Norddeutſchen u. A.: Lippe, Ravensberg, 
Schaumburg, Hoya, Tecklenburg, Dohna, Blankenhein, 
Holſtein, Bentheim. Hierauf folgen wieder deutſche 
und außerdeutſche Monarchieen, größtentheils mit dem 
vollen Namen des damaligen Regenten; z. B. Joachi- 
mus Fridericus Marchio Brandenburgensis; Henricus 
Julius Episc. Halberstadensis dux Bruusvicensis; 
Sigismundus der 3te König in Pohlen; Chriſtian der 
ite Kön. in Dennemark, Jacobus I. ej. nom. Angliae 
rex u. ſ. w. 

Seite 167 beginnen die Wappen des Adels (je 9 
auf einer Seite) und zwar bis S. 187 des hohen, bis 
Darnach 
folgen eine große Anzahl „vermehrte“ gräfliche und 
freiherrliche Wappen, worauf von Seite 281 ab bis zu 
Ende wieder eine bedeutende Menge des niederen Adels 
ſich findet; vorzugsweiſe ſüddeutſche, ſteiriſche und ſchwei— 
zeriſche Geſchlechter. Von Intereſſe iſt der Umſtand, 
daß bei vielen Wappen auch der Vorname des damals 
lebenden Beſitzers angegeben iſt. 
ſchlechtern wären zu erwähnen: 

Carl von Alfeldt. (Ahlefeldt.) — Georg von Auers— 
waldt. — Alphonſus Boye holsatus. (geſpaltener Schild 
vorn # Stern in w., hinten w. halbe Lilien am Spalt 
in u) Nicolaus Boy. (3 g. Walzen in b.) Wickhardus 
von Bardeleben. (b. Beil mit g. Griff, darunter r. Roſe, 
in w.) Gotfridt von Brandenſtein. — Friedrich Ludwig 
Britzke saxo. — Joannes Behr livonus. — Schaccarius 
Blome, Dietrich Blome holsatus. — Ru dolpb von Car- 
lowit. — Dietrich von During — Graf von Illen— 


| burg. (Eulenburg) — Hainrich Dönhoff. — Hank Chri— 


ſtoph von Ebeleben. — Erich Falckh marchiacus. (drei 
r. Hämmer in w. Helm: r.-w. geſchachte Büffelhörner.) 
— Graf von Gleichen. — von Gherſtorff. — Johann 
Chriſtoph v. Güellen. (Gühlen.) — Chriſtoph vom Ha— 
gen zu Duntt Maltheſer Ritter — Joſt Hackh, alte 
Brandenburger auch im Land ob d. Enß. — Levin Lud— 
wig Hahn. — Die von Hanſtein. — Gertus Hobe. — 
Wilhelm von Hopfgarten. — Joh. Chriſtian Haußmann 
zu Stetten und Länegg (Schild: w. Mauer mit w. 
Zinnenthurm und 4 r. gedeckten Zinnen in b., Schil⸗ 
deshaupt: geſpalten w.-r. mit zwei geſtürzten Halbmon— 
den gewechſelter Tinetur. Helm: w. Engel mit b. Schärpe 
und von r. und w. getheilten Flügeln, jeder Theil mit 
Halbmond belegt; der Kopf mit r.-w. Wulſt belegt und 
mit g. Kreuz beſetzt.) — Buſo von Köckſts. — (Köckte.) 
— Kalckreiter v. Labßiz. — Die v. Kitlitz Frhr. — 
von KönigsEckh (= Königsmark, drei r. rechte Spitzen 
in w. H.: r. Rumpf gekrönt und mit vier w. Federn 


Von norddeutſchen Ge- 


beſteckt.) — Joh. Ludolff Lariſch; — Lariſch von Elgott. 


(erſteres mit b. Schild, letzteres mit r.) — Auguſtus 
Löſer. — Cbriſtoph von der Kühe. — Hainrich von Loß. 


— Claus von Marenholtz. — Friedrich Metſch. — Die 
Nimptſch. — Wolff von Prädole. (Predöhl; ſchräglinks. 
getheilt, oben b. unten ſchräg geſchacht r.-g. Helm: zwei 
Straußfedern, die vordere g.-r., die hintere r.-J. geſpal⸗ 
ten; dazwiſcheu r. Tblättrige Blume an w. Stengel. 
Decken r-g., g.-b.) — Von Quitzow, Mechelburger. — 
Benedict Ranzou holsatus. — Die v. Redern. — Hanß Rei— 
bolt auf Leßniz. — Hank Sigmund von Reizenſtein. — Lud— 
wig Sackh. — Carl von Sackhen. — Lucas Schachmann. 
— Herr von Schönberg — Adam Friedrich von Schlie— 
ben. — Sigmund von Schkopp. — Johann Schack, 
saxo. — Graf und Herr zu Stollberg. Andre von 
Stralendorff. — Georg von Stöttersheim. (Stutter— 
heim.) — Johannes Tore Westphalus. — Die von Trau— 
pit. — Elias Truchſaß (v. Wellerswalden.) — Apffel- 
vitzdum. (Vitzthum v. Apolda.) — Watzdorff. — Georg 


Werthmann Liuonus. — Julius Adolph Weiters heim. 
(b. Balken mit zwei g. Lilien belegt in r. H.: g. Lilie. 
Decken: g.-b.) — von Budenau (S Wuthenow) — 


Die von Zedlitz. — Von Zinzendorff.“) 

Sämmtliche Wappen ſind einfach, mit ſehr wenig 
Helmdecken, in lebhaften Farben ſilhouettenartig — ohne 
Schattirung — gemalt. Die Conturen find durchweg 
ächt heraldiſch, kraftig und ſchön, dem Gothiſchen zu— 
neigend, und bieten eine Fülle trefflicher Muſter. 

Ein am Schluſſe beigegebenes Regiſter erhöht den 
Werth dieſes äußerſt brauchbaren Manuſcriptes. 

1 Ad. M. H. 


Sigillum vini. 


Zur Anfrage 30 in Nr. 22 des Numisma⸗ 
tiſchen Anzeigers von 1869, die Bedeutung des 
„sigillum vini“ betreffend, über welche in Nr. 
24 deſſelben Blattes und Nr. 1. des Numisma⸗ 
tiſch⸗ſphragiſtiſchen Anzeigers von 1870 eine Er- 
klärung zu geben verſucht wird, ſind wir im 
Stande, — den Stempel ſelbſt anlangend, — 
Beſtimmtes mitzutheilen. Derſelbe iſt nämlich 
durch den Geheimen Rath Lepſius zu Naum⸗ 
burg mit mehreren anderen, theilweiſe ſehr inter⸗ 
eſſanten, mittelalterlichen Typaren in den Be- 
ſitz des Appellations-Raths von Arnſtedt ebenda⸗ 
ſelbſt gelangt, dem wir einen gut ausgeprägten 
| Abdruck dieſes dubiöſen Siegels verdanken. Lep⸗ 
ſius hat den Stempel, deſſen Echtheit übrigens 
von einem Sachverſtändigen, welcher denſelben 
| feiner Zeit einer genauen Prüfung unterzog, con- 
ſtatirt iſt, aus Italien erhalten. Ob aber dieſes 


*) Copien dieſer 


Wappen find durch die Redactien d. Bl. 
zu erhalten. VV 


räthſelhafte Siegel, über welches nun ſchon ſo— 
vielerlei Anſichten ausgeſprochen ſind, noch ein— 
mal richtig beſtimmt werden, oder das Schickſal 
des Steins der Weiſen haben wird, muß die Zeit 
lehren. Wir möchten uns weit eher der in Nr. 
24 des N. A. von F.-K. ausgeſprochenen An— 
ſicht: das Siegel habe ſeinen Urſprung einem 
Scherz aus dem 17. oder 18. Jahrhundert zu 
verdanken, als der in Nr. 1 mehrfach verſuchten 
Deutung anſchließen. Daß daſſelbe das Wappen 
der ſogenannten Weinreiter darſtellen ſolle, iſt — 
wie auch ganz richtig bemerkt worden — ſchon 
der abſonderlichen Umſchrift wegen, kaum anzu— 
nehmen; außerdem würde aber dann noch das 
im Schilde und der Fahne befindliche Kreuz zu 
deuten bleiben, was ſchwerlich mit den Wein— 
kreuzzügen in Einklang zu bringen ſein möchte. 

Die „beſte Vermuthung“ aber, welche Dr. 
Schäfer dadurch gegeben hat, daß er meint, die 
Stelle, wo das Steingerölle erſichtlich, ſei auf 
dem Abdruck oder Stempel undeutlich(?) und es 
könne dafür urſprünglich geſtanden haben: Co- 
mitis Bald(vini), muß ebenfalls als unhaltbar 
bezeichnet werden, aber aus weſentlich anderen 
Gründen, als in Nr. 1 angeführt ſind. 


Wir haben es hier mit einem Ori ginal-Stem⸗ 


pel zu thun. Sollte alſo an der Stelle, wo ſich 
das Steingerölle befindet, wirklich „comitis Bald“ 
geſtanden haben, ſo würde das Obertheil einer 
Lilie — welches ſich vor dem Worte vini be 
findet — ſpäter aus dem Buchſtaben B. herge— 
ſtellt ſein müſſen; was auf den erſten Blick als 
unwahrſcheinlich, um nicht zu ſagen unmöglich 
erſcheint. 

Die Hypotheſe: das Siegel könne das eines 
Grafen Balduin (von Flandern) ſein, welcher 
das Kreuzfahrer-Kreuz in den Schild und die 
Fahne aufgenommen habe, ſcheint nicht minder 
gewagt, nicht jedoch, weil ſich dafür auf dem 
Siegel durch den gaͤnzlichen Mangel einer An— 
gabe über Land und Beſitz des Grafen kein An— 
halt findet,“) ſondern weil es im Mittelalter ges 
bräuchlich war, den Namen nicht 


anzugeben. 


benen Grafen von Lindau und Ruppin mit der Unter: 
ſchrift: „Sigillvm nicolai comitis“ vor, was über den aus⸗ 
geiprochenen Zweifel hinweghilft. 


am Schluß 
ſondern hinter Sigillum und erſt dann den Stand 


IE 


Beweiſe dafür und daß ein Siegel vielbe⸗ 
ſprochener Art niemals von dem Grafen Bal- 
duin von Flandern geführt worden, iſt am beſten 
aus dem vortrefflichen Werke des Olivarius 
Vredius, Brügge 1639 — „Sigilla comitum 
Flandriae et inscriptiones diplomatum etc.“ 
betitelt — zu erſehen. Daſelbſt findet ſich wun⸗ 
derbarer Weiſe jedoch pag. 4 ein Siegel mit der 
Unterſchrift: „Sigillum Baldvini Comitis“ vom 
Jahre 1607 abgebildet, das genau die Größe 
des Sigillum vini hat, und den Grafen, reitend, 
mit einem Schwert in der Rechten und einem 


Schilde — vielleicht weil nach innen gewen⸗ 


det ohne Wappen — in der Linken zeigt.“) 


A. Voßberg 5. 


Am 26. Januar dieſes Jahres verſchied zu 


Berlin der Kgl. Kanzleirath a. D. Auguſt Voß⸗ 
berg, in weiten Kreiſen rühmlich bekannt durch 
ſeine Thätigkeit auf dem Gebiete der Alterthums⸗ 
kunde, ſpeciell der Numismatik und Sphragiſtik, 
und als Autorität in dieſen Wiſſenſchaften all⸗ 


gemein anerkannt. 


Der Entſchlafene war geboren am 31. De= 9 
tober 1800 zu Strzelno im Großherzogthum Po- 
Als Knabe beſuchte er das Gymnaſium zu 
Marienwerder, verließ daſſelbe jedoch im Jahre 


ſen. 


1815, um bei dem Wiederausbruch der Feindſe⸗ 


ligkeiten gegen Frankreich als Freiwilliger (bei 
der Artillerie) in die Reihen der Vertheidiger des 
Nach Beendigung des 
Krieges verblieb er noch mehre Jahre im Mili- 
tairſtande, trat alsdann im Jahre 1823 in den 
Civildienſt über, und war zunächſt für die Kgl. 
Bank bei der Güterverwaltung in den Polni⸗ 
Seit 1828 blieb er 
in feſter Anſtellung an der Kgl. Bank in Ber⸗ 
lin, zuletzt als Kanzleirath und Chef der Geh. 
treuen Dienſte im Amt 
wurden vielfach anerkannt und ihm als beſondere 
Auszeichnungen mehrere Ordensverleihungen zu 


Vaterlandes zu treten. 


ſchen Landestheilen thätig. 
Regiſtratur. Seine 


Theil. 


) Letzterer Umſtand ſcheint doch für die Schäfer ' ſche 
Vermuthung zu ſprechen. 


Se Wegen zunehmender Kränklichkeit ſeit dem 
) Es liegt uns z. B. ein Siegel der 1524 ausgeſtor⸗ 1. Juli 1869 penſionirt, konnte er ſich leider der 


erſehnten und wohlverdienten Ruhe nur kurze Schätze iſt teſtamentariſch nicht verfügt worden; 
Zeit erfreuen. Nachdem verſchiedene Kuren fehl- ausgenommen die Siegel der Mark Brandenburg 


geſchlagen waren, fteigerte ſich fein Leiden immer | nebft dazu gehörigen Manuſeripten, welche laut 


mehr, bis er, wie bereits erwähnt, den 26. Ja- ausdrücklicher Beſtimmung dem Kgl. Geb: Staats: 


nuar d. J. an völliger Entkräftung ſanft entichlief. | Archiv überwieſen wurden; es find ca. 29005alte 


viſcher Theile der Preuß. Monarchie, (Polen, 


thums Poſen. 1866. 
rung I. 1868. 


ſich äußerſt werthvolle Sammlungen, welche der— 
ſelbe für die Zwecke ſeiner Forſchungen mit großer 
Sachkenntniß unter Aufwand vieler Mühe und 
Koſten anlegte. Außer der Münzſammlung ſind 
zu erwähnen die Collectionen von alten Siegeln 
und Abgüſſen, beſiegelten Urkunden, alten und 


plomen und anderen — vorzugsweiſe mittelalter- | 


000 größten Theil feiner Mußezeit verwen- Siegel, ſowie mehrere hundert Zeichnungen und 
dete der Verewigte auf boch gründliches Studi-] Holzſtöcke. (Material für fernere Lieferungen des 
um der Münz⸗ und Siegelkunde; fein Tod iſt e märkiſchen Siegelbuchs, über deſſen Fortſetzung 
für die Freunde dieſer Wiſſenſchaft ein ſchwerer jedoch noch Nichts feſtgeſtellt iſt.) Alles Uebrige 
Verluſt, insbeſondere auch für den „Herold,“ wird zwar wohl nicht zur öffentlichen Verſteige— 
deſſen Gründung er noch erlebte und beförderte. rung kommen, indeß ſollen Cataloge angefertigt wer: 
Werthvoll und ihm für alle Zeiten ein ehren- | den und wird man bei dem Einzelverkauf mög? 
volles Andenken ſichernd find die zahlreichen | lichſt darauf achten, daß jede Abtheilung 
Schriften, in denen V. die Reſultate ſeines großen | der Sammlung ihre paſſende Stelle erhält. Alle 
Fleißes niedergelegt hat. Abgeſehen von klei- bezüglichen Anfragen und Aufträge find an Hrn. 
neren Publicationen, Aufſätzen in Zeitſchriften[Paſtor Ragotzky zu Triglitz bei Pritzwalk zu 
u. drgl. find nachſtehende Werke — faſt ſämmt⸗ | richten, *) welcher jede gewünſchte Auskunft zu 
lich mit koſtbaren Kupfern oder Holzſchnitten — ertheilen ermächtigt iſt. 

im Druck erſchienen: 


Geſchichte der Münzen und Siegel der gro— a a 8 
ßen Preußiſchen Städte zur Ordenszeit. 1841. Heraldiſche Technik. 
Geſchichte der Preußiſchen Münzen und i 3 
. zur Ordenszeit. 1843. Ueber das Abformen der Siegel. 
Münggeſchichte der Stadt Elbing. 1844. (Fortſetzung.) . 
Münzggeſchichte der Stadt Thorn. 1845. Die am meiſten verbreitete und beliebteſte 
Fahnen des Deutſchen Ordens. 1849. Art, alte Siegel zu vervielfältigen, iſt das Abe 
Münzgeſchichte der Stadt Danzig. 1852. gießen in Gyps. 
Die Mittelalterlichen Siegel ehemals Sla— Bevor man dieſe Manipulation vornimmt, 


unterſuche man zunächſt (dieſe Regel gilt ein für 
Litthauen, Schleſien, Pommern) 1854. alle Mal, möge man nur mit Gyps, Thon, Gut⸗ 
Weinreichs Danziger Chronik. 1852. tapercha oder ſonſtigem Materiale operiren) aufs 
Wappenbuch der Städte des Großherzog ſorgfältigſte den Zuſtand der abzugießenden Siegel, 

um feſtzuſtellen, ob Letztere nicht etwa dadurch be— 

ſchädigt oder gar vernichtet werden können. Iſt 
das betreffende Siegel bröcklich, zieht Oel, mit 
welchem die Oberfläche zu beſtreichen iſt, ſchnell 
ein, oder iſt die eigentliche Stegelplatte, wenn 
ſie aus anderem Wachs beſteht als die Umhüll⸗ 
ung, ſehr dünn, ſo verzichte man jedenfalls auf 
die Anfertigung eines Abguſſes. Indeſſen kommt 

| dies nur ſelten vor: die größte Mehrzahl alter 
Siegel verträgt nicht nur das Abgießen ſehr gut, 
ſondern gewinnt ſogar dadurch, indem dieſelben 
nachher weit ſchöner und deutlicher auszuſehen 
pflegen. Die zum Abgießen tauglich befundenen 
Siegel L reinige man von dem darauf angeſammel— 


Die Siegel der Mark Brandenburg. Liefe— 


In dem Nachlaſſe des Verewigten befinden 


(bereits verkauften) neueren Siegelſtempeln, Di— 


lichen — Reliquien. Beſonders beachtenswerth 
iſt eine alphabetiſch geordnete, überaus koſtbare 
Sammlung von ca. 2000 Stammbuchblättern mit 
3 Wappen. Ueber den Verbleib dieſer 


) Deſſen Güte wir aerliende 1720 verdanken. 
i 55 D. Red. 


r 


16 


ten Staube mittelſt einer mäßig ſcharfen Bürſte, 
event. unter Anwendung von etwas Waſſer u. 
Seife; in letzterem Falle iſt darauf zu achten 


| 
| 
| 


daß ſie vor dem Abgießen wieder völlig trocken 


geworden ſeien. Hat ein Siegel einen nach innen 
überſtehenden Rand, ſo ſchneide man mit einem 
ſcharfen Federmeſſer innen ſo viel ab, daß der 
Abguß ſich ſpäter unbehindert abheben läßt. Dann 
beſtreiche man die abzugießende Siegelfläche mit 
feinem Oel oder mit zerlaſſenem Gänſefett (am 
beſten mittelſt eines weichen Schablonirpinſels) 
möglichſt gleichmäßig und zwar weder zu fett 
noch zu mager; erſteres würde die Deutlichkeit 
des Abguſſes beeinträchtigen, letzteres das Abhe— 
ben deſſelben erſchweren. Hierauf bringe man die 
Siegel, deren je 8 bis 10 auf einmal vorge— 
nommen werden können, in eine horinzontale 
Lage. 

Nun menge man in einem Porzellangefäß eine 
kleine Quantität Gyps mit kaltem Waſſer (Ver: 
hältniß — 2:3) zu einem dickflüſſigen Brei, den 
man mit einem Löffel langſam rührt. Sobald. 
die Maſſe gehörig durchgerührt iſt, fülle man da⸗ 
von langſam und vorſichtig auf die geölten Sie— 
gelflächen. Um das Entſtehen von Luftbläschen 
zu vermeiden, laſſe man den Gypsbrei langſam 
von einer Seite her über die Fläche ſich ausbrei- 
ten. Sollen mehrere Siegel gleichzeitig abge— 
goſſen werden, ſo empfiehlt es ſich, erſt auf jedes 
eine dünne Lage, dann in derſelben Reihenfolge 
eine etwas ſtärkere zu gießen. Die Höhe des 
Aufguſſes richtet ſich nach der Größe des Siegels; 
jedenfalls darf er nicht zu dünn aufgetragen 
werden, weil ſonſt das Ablöſen erſchwert iſt. 
Bleibt ſchließlich von der Gypsmaſſe noch etwas 
übrig, ſo gieße man, — was namentlich bei grö— 
ßeren Siegeln vortheilhaft iſt — davon auf jede 
Form eine Art Handhabe. Die ganze Verrich— 
tung muß mit möglichſter Schnelligkeit vorgenom— 
men werden, da der Gypsbrei ſich ſehr bald 
verhärtet und damit unbrauchbar wird. 

Nach Verlauf von ca. fünf Minuten hat 
ſich der Aufguß, wenn die Qualität des Gyp⸗ 
ſes eine gute war, hinreichend verhärtet. Nach- 
dem man jetzt auf demſelben das Datum der Ur— 


% 


kunde, an welchem das betreffende Siegel hängt, 


ſo wie den Namen deſſen der es führte, eingeritzt 


hat, hebe man ihn ſorgfältig ab. War das 


Im Auftrage des obengen. Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Reg.⸗Bez. Magdeburg. 


Technik. — Inſerate. 


Siegel gehörig angefettet und der Gyps genügend— 
erhärtet, ſo läßt ſich dies ohne Mühe bewerkſtel⸗ 
ligen; andernfalls muß man den Abguß vorſich⸗ 
tig klopfen oder von der Seite her ihn mit einer 
Meſſerklinge abſprengen. Gleich darauf reinige 
man das Original durch Abbürſten von den etwa 
darauf zurückgebliebenen Gypsſpuren. | 

Die auf ſolche Weile von dem Siegel ge 
wonnene Form, gleichſam ein Petſchaft, muß nun⸗ 
mehr (in der Sonne oder an einem mäßig war— 
men Ofen) völlig ausgetrocknet und ſodann in 
Wachs oder Stearin (oder einer Miſchung von 
beiden) welches man — am Beſten in einem irde⸗ 


nen Tigel — bis zum Sieden erhitzt, getränkt 


werden. Je größer und ſtärker der Abguß iſt, 

deſto länger muß er darin liegen bleiben; wie 

lange, das ergiebt ſich erſt durch öftere Uebung; 

im Allgemeinen genügt eine Zeit von 3 bis 4 

Minuten, nach deren Verlauf die Abgüſſe heraus⸗ 

genommen werden und wieder erkalten müſſen. 
(Fortſetzung folgt.) 


Anzeigen. 
J. Siebmacher's 
groſſes und allgemeines deutſches 
Wappenbuch. 
Zweite reich vermehrte und mit biſtoriſchen 
heraldiſchen Erläuterungen verſehene Ausgabe. 
Herausgegeben bis Lfg 66 
von 
Dr. O. T. v. Hefner, 


von da ab fortgeſetzt von A. Grenſer und Anderen, 


genealogiſchen und i 


iſt bis jetzt bis Lfg. 75 vorgeſchritten, und ſoll mit circa 100 Lie⸗ 


ferungen abgeſchloſſen werden. 


Soeben erichien: 
thümer Anhalt und Braunſchweig. 
herausgegeben von Ad. M. Hil⸗ 
debrandt. 
enthaltend Preußiſche Edelleute. 
Kiedrzynski — Krajewski, berausge⸗ 


Lfg. 74, enthaltend den Adel der Herzog⸗ 


geben von G. A. v. Mülverſtedt. 


Verlag von Bauer & Raspe, Nürnberg. 


Freunden werthvoller heraldiſcher und genealogiſcher 
Werke und Manufcripte empfehlen wir das fo eben von J. A. 
Stargardt, Berlin, Jägerſtraße Nr 53 part., ausgegebene Ver⸗ 
zeichniß Nr 91. Preis 5 Sgr. Daſſelbe kann als Führer in dieſem 
Zweige der Literatur dienen, — es enthält ca. 1000 Nummern. 


Inhalts-Verzeichniß: 


Nobilitirungen. — Sitzungsprotocoll des Herold. — ueber 


Blaſonirung. — Regeſten. — Ueber zwei herald. Manuſeripte. 
(Schluß.) — Sigillum vini. — A. Voßberg 7. 


Druck von A. Keller in Gardelegen. 


4 


— Heraldiſche 


ö 


J 2 


70 


ss 
„Ses 


ger von 


Muszug 
aus dem Protoeoll der Sitzung des „Herold“ 
vom 6. April 1870. 


In der heutigen, von 16 Mitgliedern beſuchten, Ver: 
ſammlung machte, nach Erledigung der geſchäftlichen 
Angelegenheiten, der Hr. Vorſitzende die Mittheilung, 
daß der Hr. Ober⸗Forſtmeiſter v. Graß zu Wiesbaden 
ſeine Wachsabdrücke und Siegel, und 
der Redacteur des Preußiſchen Volkskalenders, Hr. Dr. 
Gödſche, die Holzſtöcke der bisher in dieſem Kalender 
erſchienenen Wappen dem Vereine zur Dispoſition ge— 
ſtellt hätten. N 
Demnächſt theilte Hr. Lieut. Gritzner mit, daß für 
die Vereinsbibliothek an Geſchenken eingegangen ſeien: 
1) von Hrn. Alfr. Grenſer in Wien: „der Kärntb- 
ner Adel bis 1300, von Weiß.“ 
2) rom Hrn. Grafen Hoverden in München: 
deſſen Vortrag „über die Bedeutung der Heroldſtucke.“ 
3) vom Hrn. Grafen Uetterodt auf Scharffenberg: 
deſſen Werke: „Günther Gr. v. Schwarzburg, erwahlter 
Deutſcher König,“ und „Erneſt, Gr. zu Mansfeld 1580 — 
1626,“ nebſt einer photographiſchen Copie des im Beſitz 
des Hrn. Grafen befindlichen van Dyckſchen Original: 
Porträts des Mansfeld.“ 
4) ron Hrn. v. Rettberg in München: vier Zeich⸗ 
nungen nach Dürer, aus dem german. Muſeum zu 
Nürnberg, und zwar: die Wappen derer von Roggen⸗ 


1 


i 
| 


der deutſche 


5) von dem Verein für Münz⸗Wappen⸗ 
Kunde zu Dresden: deſſen „Miktheilungen;“ gegen Ein⸗ 
tauſch eines Jahrganges des „Deutſchen Herolds.“ 

6) von Hrn. F. Nitze in Dresden: zwei Hefte des 
von demſ. herausgegebenen Journals „Für Heraldik;“ 1859. 
7). Von Hrn. Dr. Ernſt Edl. v. Franzenshuld 
zu Wien: drei Aufſätze deſſelben: a) Ueber die Regene⸗ 
ration der Heraldik und den gegenwärtigen Standpunkt 
dieſer Wiſſenſchaft; b) Die Pirna; c) Die neuen Er⸗ 
ſcheinungen in Betreff der Heraldik. 

Durch Hrn. Geh. exp. Seer. Warnecke wurde ein 
demſelben von dem Grafen Ludwig v. Uetterodt auf 
Neuſcharffenberg überſandtes, durch ſeinen Inhalt inte: 
reſſantes und durch vier Zeichnungen erläutertes Pro⸗ 
memoria, die angebliche Wappenſage der Grafen zu 
Schwarzburg betreffend, vorgelegt. Allgemein ward für 
wünſchenswerth erachtet, daſſelbe in das Vereinsorgan 
aufgenommen zu ſehen, was jedoch — wegen der zur 
Beſchaffung lithographirter Beilagen fehlenden Geld- 
mittel — beanſtandet werden mußte. 

Es wurde die zu veröffentlichende Dankſa gung für 
die Schenkungen beſchloſſen. Gleichzeitig ward die ſehr 
erfreuliche Thatſache conſtatirt, daß der Verein in ganz 
Deutſchland bei den Betheiligten lebhaften Anklang und 
der „Deutſche Herold“ große Anerkennung finde, indem 
ſich die Abonnentenzahl täglich in kaum erwarteter Weiſe 
vermehre. N 

Zwei von Hrn. Warnecke vorgelegte Hefte des Leip⸗ 
ziger Repertoriums von Gersdorf, eine Beſprechun 
des O. T. v. Hefner'ſchen großen Wappenwerkes ent⸗ 
haltend, welche wegen mangelnder Zeit im Vereine nicht 
zur Beſprechung gelangen konnten, wurden zur Cireu⸗ 
lation bei den Mitgliedern zur Verfügung geftellt ; einige 


zur Auskunftsertheilung eingefandte Wappen dem Hrn. 


und Siegel: 


Sectionschef für Heraldik zur Prüfung übergeben, und 
in Betreff der Anfrage: 


116 


nnn 


welchen Namen die Familie Rivinus früher geführt 


habe, 
von Hrn. Dr. Brecht die Mittheilung gemacht, daß nach 
Dreyhaupt II. S. 698 der am 17. Detober 1601 in 
Halle geborene, als Dr. med. & phil. in Leipzig ver⸗ 
ſtorbene Andreas Rivinus den ehemaligen Namen ſeiner 
Familie, Bachmann, in „Rivinus“ latiniſirt habe. 

Eine anderweite Frage „wo, abgeſehen von den Staats— 
Archiven, noch actenmäßiges Material zu Familienfor— 
ſchungen vorhanden jet," wurde durch die Mittveilung 
erledigt, „daß ſich in dem, unter Aufſicht des Staatsan— 
walts Hiepe in Wetzlar ſtehenden, untrennbaren Theile 
des ehem. Reichskammergerichts daſelbſt, bedeutendes 
Material zu derartigen Forſchungen vorfände.“ 

Die übrigen, von den Herren Dr. Pyl zu Greifs— 


wald, v. Rettberg zu München, Graf Oeynhauſen zu | 


Hamburg und A. Kutter hierſelbſt ergangenen Anfragen 
konnten nicht zur Erledigung gelangen, da ſich dieſelben 
noch in der Circulation befanden. 

Nachdem ſodann der Schatzmeiſter über den gugen— 
blicklichen Stand der Vereinskaſſe referirt, und vt. Grig— 
ner den von ihm verfaßten Entwurf einer Geſchäfts— 
ordnung verleſen hatte, ehrte die Verſammlung, nachdem 
von dem ꝛc. Warnecke die großen Verdienſte des zu 
Leipzig verſtorbenen Profeſſors Dr. Heinrich Ernſt 
Kneſchke, des unverdroffenen langjährigen Forſchers im 
Gebiete der Heraldik, Sphragiſtik und Genealogie, her— 


vorgehoben waren, das Andenken des unvergeßlichen 


Todten durch Erheben von den Sitzen; hierauf folgte 
der Schluß der Sitzung. 


In Bezug auf die, in der Sitzung vom 2. März 
unerledigt gebliebene, Frage, ob die Familie Senar- 


clens de Vufflens (nicht Vufflers) und Senarclens de 


Grancy dieſelbe ſei, hat Hr. Graf E. v. Zeppelin, Kb 
nigl. Würtemb. Kammerherr u. |. w. die Gute gehabt, 
der Redaction d. Bl. nähere Auskunft zu ertheilen. 
Die genannten beiden Familien ſind allerdings gleichen 
Stammes, u. zwar find die beiden Linien Vukllens und 
Grancy, ſowie eine dritte, Senarclens de St. Denis, 
erſt ſeit drei Generationen, ſoviel bekannt, von einander 


getrennt. Alle drei führen daſſelbe Wappen, nämlich im 


gelben Schilde einen mit drei weißen Sporenrädchen 
belegten blauen Schrägbalken; Helmzier: Schwan mit 
erhobenen Flügeln; Schildhalter: Greife. Die Familie 
iſt neben den Gingins und den Blonays eine der, drei 


anerkannt älteſten Familien des althochburgundiſchen 


Landes, und beſitzt noch mehrere ihrer angeſtammten 
Seigneurien im Canton Waadt. Die bedeutendſten der⸗ 
ſelben ſind eben: Vulllens bei Morges am Genfer See, 
mit dem noch ganz den Aublick einer uralten Ritterburg 
bietenden mächtigen Schloſſe, in dem die noch heute in 
der Volksſage fortlebende „reine Berthe“ gehauſt haben 
ſoll; ſodann St. Denis, an der Eiſenbahn zwiſchen Lau— 
ſanne und Freiburg. Der Senior der Linie Grancy 
bekleidet eine hohe Hofcharge in Darmſtadt; die Seni⸗ 
oren der beiden anderen Linien leben auf den Schlöſſern, 
deren Namen ſie führen. a 


Das Spaniſche Siegel, 
mit welchem Serrano, Herzog de la Torre, als 
Präſident der proviſoriſchen Regierungs-Junta, 
ſeine Schreiben an die Fürſten Europa's beſiegelt 
(vorliegend iſt das a son Altesse Royale, le 
Grand Duc de Mecklenbourg-Strelitz gerich⸗ 
tete) iſt rund und hat 53 MM. im Durchmeſſer. 
Im Felde erblickt man in einem ovalen, mit der 
Königskrone bedeckten und von der Ordenskette 
des goldenen Vließes umgebenen Schilde das 
Wappen, wie es von K. Ferdinand VII. und K. 
Iſabella vollſtändig geführt ward, und ſo auch 
öfter, z. B. von mir im Wappen-Almanach der 
ſouverainen Regenten Europa's und in v. Hefner's 


Wappenbuch J. 2. Taf. 41 dargeſtellt iſt, nur 
daß hier der Herzſchild mit dem Stammwappen 


des Hauſes Bourbon (Anjou) fehlt. 

Im quadrirten Mittelſchilde find die Wap- 
penbilder von Caſtilien und Leon, und in einer 
Spitze das von Granada angebracht; im Haupt 
ſchild enthält die obere Reihe Arragonien, Sici— 
lien, Oeſterreich und Neuburgund; die zweite 
Reihe, neben dem Mittelſchilde, Parma und Tos- 
cana; die untere Reihe Altburgund und Brabant, 
dazwiſchen in eingepfropfter Spitze Flandern und 
Tirol. Ein feiner Perlenrand, unterbrochen von 


der Krone und dem Ordenszeichen, ſchließt das 
9 7 


Wappen ein. 
Rand iſt leer, als ſollte er eine Inſchrift auf— 
nehmen. Das Ganze iſt von einer mit Kronen— 
laub und Puncten verzierten Einfaſſung umgeben. 

In Bezug auf die S. 6 gegebene Beſchrei— 


bung möchte es doch fraglich ſein, ob die beiden 


Der darauf folgende 5 MM. breite 


Säulen und Palmzweige jetzt wirklich Nebenſtücke 


des Wappens geworden ſind. Auf den Münzen 
find erſtere ſeit lange gebräuchlich geweſen.“) 
C. Maſch. 


Graf von Saumagen. 


Eine der wunderbarſten „Nobilitirungen,“ 


welche jemals vorgekommen iſt, dürfte wol die 
des ſächſiſchen Hofnarren Joſeph Frölich ſein, 
und es intereſſirt vielleicht manchen Heraldiker, 
deſſen eurioſes Wappen, welches ſich mit der höchſt 


*) Vgl. v. Hefner a. a O. S. 6 und Til. 13. Die beiden 


Säulen, zwei weiße Kugeln begleitend, füllten während der Regie⸗ 
rung Joſeph 


niſchen Wappen's, und werden bald auf Gibraltar (die Säulen Dee 
Hereules) bald auf die Eroberung der neuen Welt bezogen. 


1 


Bonapartes das bte blaue Feld des damaligen Spa⸗ 


* 


eigenhändigen — anſcheinend in einem ſehr ani— 
mirten Zuſtande aufs Papier geworfenen — Un— 
terſchrift des edlen Herrn Grafen in unſerer 
Sammlung befindet, näher kennen zu lernen. 

Joſeph Frölich bat nämlich im Jahre 1730, | 
gelegentlich des Reichs-Vicariats, feinen könig— 
lichen Herrn, Friedrich Auguſt den Zweiten | 
von Polen und Sachſen, um eine Standeser: | 
höhung und Se. Majeſtät geruhten, ihn — in | 
Anerkennung feiner außerordentlichen Verdienſte 
— zum Grafen — von Saumagen zu ernennen. | 


fih von nun an: „Joſeph Frölich Graff Sau- 
magen“ ſchrieb) zu mehrerer Verherrlichung ſeines 
Standes und Namens, eines Wappens, womit 
er denn auch in folgender Weiſe „begnadigt“ 
wurde: Quadrirter Schild mit Mittelſchild; in 
letzterem drei Säcke (?geftürzte Becher?) und ein 
halbes Mühlen-(Galgen-?) Rad; wahrſcheinlich 
beides Attribute der früheren Beſchäftigung des 
„hochgeborenen“ Herrn. 

Im erſten goldenen Felde präſentirt ſich 
ein von rechts nach links gewendetes, ſpringendes, 
den Kindern Israels ſeit uralter Zeit verhaßtes | 
Thierchen, für das man den mit „Glück“ wunder: 
barer Weiſe gleichbedeutenden Namen „Schwein“ 
erfunden hat; alſo gewiß ein ſchönes, ſogar der 
Fortuna Concurrenz machendes Sinnbild! 

Das zweite und dritte rothe Feld iſt mit je 
einem Inſtrumente belegt, das ſich's gefallen 
laſſen mußte, für einen groben, ungeſchliffenen 
Menſchen den Namen herzugeben: ein (Dreich-) 
Flegel. 

Das vierte ſilberne? Feld endlich zeigt einen 
links gewendeten Hund mit eingeknickten Hinter— 
läufen, in der Situation à la Quitzow, vgl. die 
Helmzier, Siebm. I., 171, 1. 

An Stelle der Helme waren urſprünglich 
Schellen verliehen, auf welchen in höchſt ſinniger 
Weiſe rechts ein Ochs und links ein Eſel erſchie⸗ 
nen, denen ſich, als Dritte im Bunde, mitten 
zwiſchen beiden und einem Hirſchgeweih thronend, 
eine Eule zugeſellte. 

Unſere hochgräfliche Gnaden waren jedoch 


Natürlich bedurfte der neue Herr Graf, (welcher 
| 


verſtanden, ſondern ließen die Eule fort und 
ſubſtituirten dafür einen nicht aufrecht ſtehenden 
Mann, denjenigen Theil des Körpers zeigend, wo 
— mit Heine zu reden — das Rückgrat aufhört, 


ſeinen ehrlichen Namen zu führen. Die Chronik 
verſchweigt, ob's etwa der eigene Revers des 
Herrn Grafen ſein ſollte. 

Den Schild umgiebt, ſtatt der Helmdecken, 
eine ausgebreitete Narrenkappe mit zwei an den 
Seiten herabhängenden Schellen; auch iſt in la— 
teiniſcher Schrift unter demſelben der Name 
„Joſeph Frölich“ angebracht. 


Ein anderes, gleichfalls höchſt ſeltenes Sie— 
gel mit Autograph dieſes närriſchen Kauzes, was 
übrigens dem beſchriebenen im Weſentlichen gleicht, 
deſſen gute Ausführung aber, im Gegenſatz zu der 
mangelhaften des vorliegenden Abdrucks, uns 
ſehr gerühmt wird, befindet ſich in der reichhal— 
tigen Sammlung des Frhrn. v. L. zu S. 


Beantwortung der Anfrage 1. 


Der Fiſch auf dem Landfriedensſiegel Kaiſer 
Wenzels ſcheint eine Andeutung auf das Chri— 
ſtenthum zu ſein. Das Reichsoberhaupt gebietet 
oder beſtätigt den Frieden im Namen der Re— 
ligion und Kirche. Beide werden durch die äl— 
teſte Symbolik vermittelſt eines Fiſches darge— 
ſtellt, in dem Manche den Wallfiſch erkennen 
wollen, der in der Geſchichte des Jonas die Wie— 
dergeburt andeutet. 

Andere haben den Fiſch, vchthys, vielleicht 
in gleichem Sinne oder wenigſtens ohne von jener 
Erzählung zu abſtrahiren, durch die Worte ge— 
deutet: Jesus chrystos theou yios soter. 

Noch Andere wollen das Gleichniß bedacht 
ſehen, vermöge deſſen der Heiland ſeinem Jünger 
Petrus zuruft, er wolle ihn zu einem Menſchen— 


fiſcher machen. Gewiß iſt, daß an vielen alten 


kirchlichen Gegenſtänden und Gebäuden der Fiſch, 
als Ornament angebracht, ein Zeichen oder Sym⸗ 
bol der Kirche ſein ſoll. So z. B. am Erfurter 
Dom im Kreuzgange, ſowie am eiſernen Thür⸗ 
griffe des Hauptportals. Auch manche Klöſter 
und Abteien, z. B. Kloſter Roth in Schwaben, 
jetzt im Beſitz der Grafen zu Erbach, führen den 


are: ' och Fiſch in gleichem Sinne als Wappen. 
mit dieſer Wappenverleihung nicht ſo ganz ein— | 8 


) In der früheſten Zeit galt der Fiſch als Symbol der Perſon 
des Heilandes; man vermuthet eine Beziehung auf den Fiſch des 


Tobias. Die Deutung des Wortes jchthes iſt jedoch ſpäteren Ur⸗ 
ſprungs. Nicht ſelten findet man ihn in Verbindung auch mit einem 


Anker auf altchriſtlichen Grabmälern. 12955 2 
Als „pisciculi“ werden die Glieder der chriſtlichen Kirche von 


In der hier entwickelten Anſicht glaube ich 


um ſo mehr Grund zu finden, als bekanntlich 
weder auf den Majeſtätsſiegeln des Kaiſers Wen— 
zel, noch auf andern Siegeln der Herrſcher aus 
Luxemburgiſchen Stamme Fiſche anzutreffen ſind. 
Schloß Neuſcharffenberg in Thüringen. 
| Ludwig Graf Uetterodt. 

Nachdem Vorſtehendes bereits zum Druck befördert war, 
ging uns noch eine, in ihrem Endreſultate mit dem Vorigen 
übereinſtimmende, Antwort von Hrn. B. Schier in Leipzig 
zu. Um Wiederholungen zu vermeiden, theilen wir nur Fol— 
gendes mit: 

„Die Vermuthung, daß der Fiſch als Unterſcheidungs— 
zeichen dieſes Siegels von einem andern ähnlichen Siegel habe 
dienen ſollen, beruht m. E. auf hier nicht anwendbaren mo— 
dernen Begriffen. 

Die von J. J. Moſer ausgeſprochene Anſicht hat gleich— 
falls Nichts für ſich. Daß ritterliche und andere Genoſſen— 
ſchaften im Mittelalter ihre Namen von Thieren 2c entlehnten, 
hatte einen ganz andern Grund; ich erinnere dabei nur an die 
Züricher Geſellſchaft der Böcke, (nach ihrem Wappen) die ſich 
auch nach ihrem Geſellſchaftshauſe zur Schnecke die „Geſellſchaft 
zur Schnecke“ nannte. Für die Annahme endlich daß der Fiſch, 
wie angedeutet, eine örtliche Beziehung haben könnte, bietet ſich 
nirgend ein Anhalt. 

Krone, Kugel, Schwert und Fiſch ſind die vier Embleme, 
die uns in dem vorliegenden Siegel entgegentreten. Die erſten 
beiden ſind Attribute der königlichen Würde und kommen hier 
nicht weiter in Betracht; das Schwert aber deutet ſym oliſch 
darauf hin, daß der Bruch des Landfriedens durch das Schwert 
beftraft wird, und der Fiſch kann kaum etwas anderes ſein, als 
die ſchon auf den älteſten chriſtlichen Grabſteinen und Siegel— 
ringen vorkommende Allegorie für Chriſtus.“ 


Anfrage II. 


Behufs einer kleinen Arbeit bedarf ich der 
Beantwortung folgender Fragen, die Genealogie 
verſchiedener fürſtlichen und gräflichen Familien 
betreffend. 

J. Anhalt. 1) Wann wurde Frau Anna 
Fürſtin zu Anhalt, ſeit 1595 Gem. des Fürſten 
Chriſtian I. von Bernburg, geboren, und wer 
war ihre Mutter, die Gem. des Gfn. Arnold v. 
Bentheim? 

2) Welches iſt der Geburtstag im J. 1606 
des Fräulein Loyſe Amalie, T. des Fürſten 
Chriſtian J.? 


en Kirchenvätern bezeichnet, unzweifelhaft in Erinnerung an Matth. 
V. 19 


Noch im ſpäten Mittelalter findet man den (zuweilen als Delphin 
gebildeten) Fiſch in ſymboliſirender Weiſe oft verwendet. Er iſt 
außerdem Attribut des Jonas und Tobias, der Hl. Antonius von 
Padua, St. Arnold, St. Benno, St. Bartoldus ꝛc. jedoch zum 
Theil aus anderen nicht hierhergehörenden Gründen. . 


3) Wann wurde die Fürſtin Sophia, ſeit 
1626 Gem. des S. Ludwig v. Cöthen, geboren, 
und wer war ihre Frau Mutter, die Gem. des 
Gr. Simon v. d. Lippe? 

11. Reuß. 4) Welches tft die Geburts- und 
Todeszeit des Frl. Sibylla Maria Reuſſin v. 
Plauen? Wer waren ihre Eltern? die Geburts⸗ 
zeit muß vor 1629, die Todeszeit nach 1642 fallen. 

5) Dieſelben Fragen, in Bezug auf Frl. 
Eliſabeth Reußin von Plauen. Sie könnte viel⸗ 
leicht einige Jahre älter ſein als Frl. Sibylla 
Maria. Sind beide Schweſtern geweſen? 

6) Welches iſt die Geburtszeit von Frau 
Juliane Eliſabeth, geb. Rheingräfin, Reuſſin 
Wittwe um 1630? 1640? Weſſen Wittwe war 
ſie, und wann wurde ſie Wittwe? Als ihren 
Todestag finde ich 14. Mai 1653. a 

Il. Schönberg. 7) Wer waren die Eltern 
von Frl. Anna Dorothee v. Schönburg, welche 
1586 geboren und 1645 geſtorben ſein ſoll? 

IV. Naſſau. 8) Welches iſt die Geburts- 
und Todeszeit von Fräul. Catharina v. Naſſau? 
Wer waren ihre Eltern? In Betracht können 
hier nicht kommen die von Cohn Tf. 134 und 
137 aufgeführten Gräfinnen dieſes Namens, welche 
1624 reſp. 1631 ſtarben. Obiges Fräulein lebte 
nämlich noch 1637. 5 

V. Pfalz bei Rhein. 9) Welches iſt der 
Todestag der 1661 geſtorbenen Frau Sabina 
von Wartenberg, geb. Pfalzgräfin? | 

VI. Eberjtein- Tautenberg. 10) An 
welchem Tage des Jahres 1576 wurde Frau 
Agnes, geb. Gräfin zu Eberſtein, Schenkin zu 
Tautenberg (um 1629 Wwe.) geboren? 

VII. Solms-Dohna. 11) Wann im J. 
1657 ſtarb Frau Urſula, geb. Gräfin zu Solms, 
Burggräfin zu Dohna? | 

VIII. Walded-Lippe. 12) Welches ift die 
Geburts- und Todeszeit von Frau Maria Mag⸗ 
dalena, geb. Gfin. zu Waldeck, Gfin. zur Lippe 
(um 1629 Wwe.)? Wer waren ihre Eltern, 
und wer war ihr Gemahl? | 

IX. Weiſſenburg. 13) Dieſelben Fragen 
in Bezug auf Eltern, Geburt, Tod und Gemahl 
betr. Frau Urſula Marie, Gräfin zu Weiſſen⸗ 
burg, Erbmarſchallin, um 1630. | 

X. Radzivil. 14) und 15) dieſelben 
Fragen in Bezug auf Eltern, Geburt und Tod 
betr. Fräulein Eliſabeth Eleonore und Frl. Sophie 


21 


Agnes, Herzoginnen v. Radzivil, um 1630. 

XI) Kinsky- Stubenberg. Dieſelben 
Fragen betr. Frau Catharine, Herrin zu Stu— 
benberg, geb. Kinsky; 1630 Gemahlin des Gr. 


Wolfgang v. Stubenberg. 


Diejenigen Herren, welche die große Güte 


haben wollten, mir eine oder die andere der 


obigen Fragen möglichſt bald, direct oder in die— 
ſem Blatte, zu beantworten, würden mich zu 
herzlichſtem Danke und freudigſtem Gegendienſt 
verpflichten. f 
Nutha bei Zerbſt. (Anhalt.) 
Th. Stenzel, Paſtor. 


Litetatur. 

Jahrbücher des Vereins für Mecklenbur— 
giſche Geſchichte und Alterthumskunde, her— 
ausgegeben von Dr. G. C. F. Liſch. 34. Jahrg. 
Schwerin 1869. a 

Seite 55 u. ff: Ueber die Stammtafel der alten 

Grafen von Schwerin, von Dr. F. Wigger, Archivar. 

Seite 144. u. ff. Ueber die Wappen und Siegel der 
Grafen von Schwerin, von Dr. W. G. Beyer, Archtvrath. 
Seite 147. u. ff: Ueber die Wappen und Siegel der 

alten Grafen von Schwerin, von Dr. G. C. F. 

Liſch, Geh. Archivrath. 

In dieſen drei Arbeiten iſt eine Löſung des Pro- 


blems, wie die Grafen von Schwerin aus dem Geſchlecht 


der Edlen von Hagen zu ihren drei verſchiedenen Siegel— 
und Wappenbildern gekommen ſeien, verſucht. Es iſt 
hier die Rede von den „zwei Lindwurmern am Baum“, 
dem Roßſiegel, und dem eigentlichen Wappen, einem von 
Roth und Gelb quer getheilten Schilde. Wigger faßt 
die Lindwürmer als wikliches Wappenbild auf, und 
vermuthet, die Grafen möchten dasſelbe nach Erwerbung 
des Landes Wittenburg — welches nach einer weiteren 
Hypotheſe die Lindwurmer als Feldzeichen gefuhrt habe — 
angenommen haben. Er hat dafur keinen anderen Be— 
weis, als daß die Stadt in ihrem älteſten Siegel „die 
Lindwurmer auf der Burg führte.“ 

Herr Dr. Beyer ſagt mit Recht, daß die Beſchrei— 
bung „2 Lindwürmer am Baum“ viel zu unbeſtimmt 
ſei (man kann ſich in der That darnach von dem Siegel 
keine richtige Vorſtellung machen) und weiſt nach, daß 
der Baum, der ſich in der Mitte der Lindwürmer be— 
findet, nur durch irgend ein Mißverſtändniß entſtanden 
ſei; es habe urſprünglich die fragliche Pflanze eine Lilie 
vorſtellen ſollen. Das Siegelbild ſei demnach der chriſt— 
lich religiöfen Symbolik enknommen, und ſtelle — weil 
„die Lilie das Symbol der chriſtlichen Reinheit und des 
aus dem Blute ſeines Stifters erwachſenen Chriſten— 
thums ſelbſt iſt — den ſiegenden, mitten in das flie⸗ 
hende Heidenthum gepflanzten chriſtlichen Glauben“ dar. 
In Betreff des Roßſiegels iſt Beyer der Anſicht, die 
Grafen hätten durch Annahme deſſelben „im Gegenſatz 
zu ihrer gegenwärtigen Stellung im Slavenlande“ auf 


* 
‘ 


Roſtock, von Liſch. Genaue Beſchreibung 


ihre Herkunft von den alten ſächſiſchen Herzögen hin— 
weiſen wollen. In dem dritten Siegel — welches ich 
lieber ein Wappen nennen wurde — erblickt Dr. Beyer 
eine Hindeutung „auf die beiden Landestheile dies- und 
jenſeits der Elbe, alſo eine Vereinigung beider älterer 
Siegel, wobei man die Wappenbilder wegließ, weil na— 
mentlich die zuſammengeſetzte ſymboliſche Darſtellung 
auf dem älteren Siegel fur die Hälfte des an ſich nicht 
ſehr großen Schildes zu viel Raum erfordert hätte.“ 
Hierin beſtärkt ihn „noch der zweifache Umſtand, daß 
wirklich ſtatt des einen getheilten Schildes auch zwei 
zuſammengeſtellte Schilde vorkommen, und daß Heinrich 
III. von der alteren Schweriner Linie 1330 neben dem 
großen runden Roßſiegel in feinem Siegelringe auch den 
getheilten Schild fuhrte.“ 

Jaedenfalls ſcheint Herr Dr. Beyer die Begriffe 
Siegel“ und „Wappen“ nicht ſcharf genug zu trennen. 
Denn während oben das Lindwurmſiegel als ein der 
religiſen Symbolik entnommenes Bild bezeichnet iſt, 
welches folglich mit der Heraldik gar nichts zu thun 
haben kann, ſcheint er daſſelbe ſchließlich dochals Wappen⸗ 
Bild anzuerkennen? Ich für meine Perſon möchte 
Herrn Dr. Liſch beiſtimmen, welcher ſowohl das Lind— 
wurm⸗ als das Roßfſiegel nicht für Wappen- ſondern fur 
Bildſiegel halt. Eine ſehr wahrſcheinliche Deutung des 
Herrn Dr. Liſch verſucht die Lindwurmer auf eine Sym— 
boliſirung des deutſchen Stammnamens Hagen (Hain, 
Gehölz) und das Roß auf eine Symboliſirung des wen— 
diſchen Namens Schwerin (Thiergarten, Luſthain, Wild- 
part) zuruckzufuhren. f 
„Seite 249: Ueber das Siegel der Univerſität 
des runden 
Siegels nach einem noch vorhandenen Originalſtempel, 
der zuerſt au. 1443 benutzt wurde; Erklärung der Inſchrift. 
5 17775 250: Das Wappen des Geſchlechts Pritbur, 
Liſch. 
Berichtigung der Annahme, welche bisher gäng und 
gebe war, das Wappen dieſes alten, in der Gegend von 
Malchow anſäſſigen, adelichen Geſchlechts jet ein ge— 
ſtummelter Doppeladler mit zwei blutſpritzenden Hals— 
ſtummeln und ausgebreiteten Flügeln, auf Schild 
und Helm. Im Archiv des Kloſters Malchow fand 
namlich Dr. Liſch 4 verſchiedene Siegel aus dem 
14. Jahrhundert, theils rund, theils ſchildförmig, „auf 
denen ein vorwarts gekehrter Helm ſteht mit zwei aus— 
gebreiteten Flugeln, welche an den oberen Helmecken mit 
einem Rade belegt ſind.“ Beigegeben ſind die Abbil— 
dungen zweier Siegel, eines ſchildförmigen von 1333 
des „Pryscebur von Karghow“ eines runden von 1346 
u. 1341 des „Heunekin Pritzebur von Kutze.“ 
Dass gegenwartige Prigbur'ſche Wappen möchte — 
ſagt Dr. Liſch — auf einem Mißoerſtandniß beruhen, 
da ein alter Helm mit ausgebreiteten Flugeln wohl fur 
einen kopfloſen fliegenden Adler angeſehen werden könne.“) 
Ein der Pritzbur'ſchen Familie zugeſchriebenes ſchildför— 
miges Siegel, abgebildet bei Penz, Genealogie dieſes 
Hauſes, deſſen Original an der Landfriedensurkunde der 


von 


) Analoge Fälle, in denen durch mißverſtändliche Auffaſſung 
eines Helmſiegels die Helmzier zur Schildfigur geworden iſt, kommen 
öfters vor. | 


22 


Fürſten von Werle d. d. 8. Mai 1353 hängen ſoll, wird 
mit einem Siegel „Nicolai Belowe“, welches an der 
genannten Urkunde hängt und mit Penzens Abbildung 
übereinſtimmt, identificirt. 
Seite 252: Siegel des Hermann Kremer von Liſch. 
Hausmarke des ſonſt unbekannten Inhabers. 
Seite 253: Siegel des Marſchalls Heinrich von 
Pappenheim, von Liſch. N ! 
Nachtrag zum 33. Jahrgang, Seite 198. woſelbſt 
über einen im Jahre 1847 aufgefundenen Siegelſtempel 
des Genannten, ungefähr aus der Mitte des 14. Jahr— 
hunderts, mit dem Bilde eines Manneshauptes, berichtet 
wurde. Dazu bemerkt Dr. Herberger, Archivar zu Augs— 
burg, daß die Siegel der Marſchälle v. P. aus dem 13. 
Jahrhundert ſtets 4 Rethen Zinnen (2) im Schilde und 
nicht das Manneshaupt zeigen, und daß die erſten Siegel 
mit dem Manneshaupt erſt ſeit 1351 wieder erſcheinen. 
Dagegen conſtatirt Fuͤrſt Hohenlohe das Vorhandenſein 
folgender Siegel mit dem Manneshaupte: 1206 H; 
1214 Heinrich; (de Kallentin,) 1254, Heinrich; 1261 
u. 1263, Heinrich; 1289, Hildebrand; 12 . „Hildebrand; 


1312, Heinrich; 1336, Heinrich und Johann; (Pappen⸗ 
heim⸗Rechberg.) 1336, Hiltprandt und Wilhelm. (Pap— 
penheim⸗Biberbach.) Ä 
Siegel des Karthäuſer-Priorates in 


Seite 253: 
Cöln, von Liſch. € 
Beſchreibung des Siegels (Bild: Die hl. Urſula) 
nach einem ſilbernen Originalſtempel, wahrſcheinlich dem 
Anfange des 16. Jahrhunderts angehörig, von Herrn 
Fabricant Franck aus Cöln zu Boizenburg gekauft. 

Seite 254: Siegel der Freiherrn von Dietmar, 
von Liſch. Bi 

Beſchreibung eines dreieckigen Petſchaftſteines mit 
dem Wappen des mecklenburgiſchen Geh. Raths und 
RR. Friedrich v. D., + 1795. (Schild von b. undg. 
quer getheilt; 3 Helme, 1.) miteinem wachſenden Greifen, 
2) mit drei Straußfedern, 3.) mit einem wachſenden 
Löwen.“) 

Die Reichhaltigkeit dieſes Jahrganges der Mecklenb. 
Jahrbücher dürfte manchem anderen hiſtoriſchen Verein 
als Vorbild dienen! i 

Würzburg. G. Seyler. 

Zeitſchrift des Harz-Vereins für Ge⸗ 
ſchichte und Alterthumskun de. III. Jahrg. 
Heft 1. 1870. 

Wie faſt jedes Heft dieſer Zeitſchrift, ſo bringt auch 
das vorliegende eine Tafel Abbildungen mittelalterlicher 
noch unedirter Siegel, vom Archivrath v. Mülverſtedt 
in bekannter gründlicher und ſcharfſinniger Weiſe er⸗ 
läutert. Es kommen hier zur Beſprechung: 1) Siegel 
der Aebtiſſin des dem hl. Bartholomäus geweihten Gi- 
ſterzienſer-Nonnen-Kloſters zu Blankenburg. Während 
andere Siegel von Eiſterzienſer-Aebtiſſinnen nur das 
Bild der letzteren zeigen, erblicken wir hier dieſelbe 
knieend unter dem Bruſtbilde des Heilandes. Auch das 
gleichzeitig erwähnte Conventſiegel deſſelben Stiftes iſt 
in ſofern ungewöhnlich gebildet, als darauf außer dem 


„) Vgl. Maſch. Mekl. W- Buch, Nr. 46. 


Schutzheiligen auch das Wappenzeichen der Stifter (das 
Gräfl. Blankenburgiſche Hirſchhorn) angebracht iſt. 2) 
und 3) Zwei Siegel zweier v. Minsleben — das eine einen 
Baumſtamm mit Blättern, das andere eine Hausmarken— 
ähnliche Figur zeigend, erſteres eine adelige, letzteres eine 
bürgerliche Familie v. Minsleben repräſentirend; ein 
drittes gleichnamiges Geſchlecht führte im Schilde zwei 
geſtürzte halbe Pfähle. Anknüpfend hieran werden ge— 
nealogiſche Nachweiſe über alle drei Familien (welche, 
längſt erloſchen, der Grafſchaft Wernigerode angehörten) 
gegeben, worauf jedoch, da dieſelben mehr ein locales 
Intereſſe haben, hier nicht näher eingegangen werden— 
lann. 4) Siegel des Bürgers und Stadtvogts zu Gos— 
lar, Conrad Romolt; ſchildförmig und einen halben ſprin⸗ 
genden Bock zeigend, zugleich in ſo fern redend, als 
Ram einen Bock bezeichnet; Analoga: Rammingen, 
Rammelſtein, Ramsberg. — 5) Gewerkſiegel der Schulter: 
und Gerber-Innung zu Nordhauſen; nach dem noch 
vorhandenen Originalſtempel des 14. Jahrhunderts ge— 
zeichnet. Rund und etwa thalergroß, erblickt man 
darauf in getheiltem Schilde oben einen wachſenden 
Adler (Hälfte des Nordhauſener Stadtwappens) unten 
zwei Handwerkszeuge der genannten Innungen. Der 
Hr. Vf. knüpft daran die Bemerkung, daß mittelal— 
terliche Gildeſie zel der Regel nach rund, bisweilen pas 
raboliſch, wohl nie ſchildförmig erſcheinen; daß als Sie— 
gelbilder ſehr ſelten die Stadtwappen allein, häufiger 
dieſelben halbirt und mit Werkzeugen des betr. Hand— 
werks combinirt, ferner die Schutzheiligen der Stadt 
oder der Innung, endlich auch — bei Bäckern und 
Kürſchnern — Producte des Handwerks vorkommen. Die 
Fleiſcher führen in ihren Siegeln einen Stier. (Auch 
Widder: z. B. auf dem ſchönen großen paraboliſchen 
Siegel der Halberſtädter Schlächtergilde.) — 6) Schild— 
ſiegel des Hans v. Holbach (rund; 8. hans holbach; 
Schild: geſpalten, vorn mehrmalige Balkentheilung, hin— 
ten ein aufgerichteter nach außen gewendeter Wolf,) aus 
einer bisher faſt unbekannten, vom J. 1315 bis 1529 
urkundlich auftretenden Familie, deren gleichnamiger 
Stammfig unfern von Nordhauſen liegt. Die in die 
Augen fallende Aehnlichkeit dieſes W. mit dem der be- 
kannten Familie v. Wangenheim (der Umſtand, daß letz⸗ 
tere einen Hund, erſtere einen Wolf führt, wird durch 
Mittheilung eines Wangenheimſchen Siegels vom J. 
1312, welches einen Wolf zeigt, beſeitigt) läßt als ſehr 
wahrſcheinlich eine Stammesgemeinſchaft beider Ge— 
ſchlechter annehmen. Anknüpfend hieran werden ſehr 
intereſſante Mittheilungen (welche zum Theil noch wei— 
terer Ausführung harren) über die Familien v. Sund⸗ 
haufen (Siebm. J., 147) v. Werna (v. Ledebur, Pr. 
Ad.⸗Lex. III., 102) v. Wülferode (ibid. III., 143) und 
v. Holbach II. (Haube II. 460 und v. Hellbach I. 579) 
gemacht. 
Holbach J. und v. Wangenheim eine ſtammverwandte 
Gruppe zu bilden, wenigſtens deutet die Wappengemein⸗ 
ſchaft darauf hin, wobei zu beachten, daß das als Bin⸗ 
deglied dienende Wappen ein zuſammengezogenes iſt. 
Es führen: 

Die v. Wangenheim: im 13. Jahrh.: Schild 


mit Balkentheilung; ſeit 1312 (reſp. 1296) geſpalten, 


Erſtere drei ſcheinen mit den Familien v. 


—— 


23 


vorn Hund, hinten Balken. Helm: mit Flügeln be— 
ſteckter Hut. 

Die v. Holbach J.: geſpalten; vorn Balken, hin- 
ten Wolf ö 

Die v. Sundbauſen: geſpalten; vorn Wolf, 
hinten Balken. Helm: Flügel, dazwiſchen ein Manns— 
rumpf; fruher vermuthlich: nur Balkenſchild, Helm: 
Mannsrumpf. (Siebm. II, S. 95, unter den Schwä— 
biſchen; Hr. v. Mülverſtedt vermuthet, daß hier, wie 
öfters im Siebmacher der Fall iſt, ein Verſehen ſtatt— 
gefunden habe und das W. der Thüringiſch-Harziſchen 
v. Sundhauſen irrthümlich zwiſchen die Schwaben ge— 
rathen ſei. Wir möchten jedoch behaupten, daß in 
Schwaben wirklich ein Geſchlecht v. S. exiſtirt habe. 
Es findet ſich nämlich in einem Wappen-Manuſcript 
vom J. 1490, Band I., Fol. 153b., ganz daſſelbe W. 
welches Siebm. a. a. O. giebt — Schild: getheilt; oben: 
g. Balken in u, unten w. leer; Helm: Mannsrumpf, 
deſſen Kleidung die Schildfigur wiederholt, mit g. w. 
geſtülpter Mütze. Ueberſchrift: „von Sunnthausen“ — 
und zwar in Geſellſchaft anderer ſchwäbiſcher Wappen, 
wie denn dieſe Handſchrift faſt nur frankiſche, ſchwabiſche 
und rheiniſche Geſchlechter enthält. Immerhin bleibt 
die Aehnlichkeit beider Wappen merkwürdig.) 

Die v. d. Werna: Sundhauſen. 

Die v. Wülfferodt: Schild: ſechsmal querge— 
ſtreift; Helm: — Sundhauſen und Werna. 

Die v. Hollbach II. hingegen führen nach Siegeln 
des 14. u. 15. Jahrh. im Schilde zwei geſchrägte Li— 
lienſtäbe, auf dem Helm zwei Flügel. 

Der genealogiſche Zuſammenhang der erſterwähnten 
fünf Familien ſcheint demnach zwar keinem Zweifel zu 
unterliegen; doch bleibt derſelbe noch urkundlich zu be— 
ſtätigen. 

6. Siegel der Stadt Elrich im Harz. 13. Jahrh. 
Die nach einem ſehr beſchädigten Original gefertigte 
Abbildung zeigt das S. von mittlerer Größe; unter 


+ 
einem eckigen Portale erhebt ſich ein heraldiſch ſtyliſirter 
Baum, am Stamm mit einem von zwei unkenntlichen 
Figuren gehaltenen Schilde beheftet. Umſchrift: F Si- 
gillvm Elriche ciuitatis. (Majuskel.) Auf dem Schilde 
iſt keine Figur erkennbar, da indeſſen ſpätere Siegel 
dieſer Hauptſtadt der harziſchen Grafſchaft Hohnſtein 
ſtets das Wappen ihrer ehemaligen Herren, der Grafen 
von Hohnſtein (ein Schachfeld) zeigen, überdem die 
eine ſchildbaltende Figur den Hohnſtein'ſchen Helm in 
der Hand trägt, ſo kann unbedenklich angenommen werden, 
daß der lädirte Schild ebenfalls ein Schach zeigte. 
Den Baum in Mitten des Siegels erklärt Hr. v. 
M unter Bezugnahme auf das Wort Elrich für einen 
Ellernbaum. Dies hat viel für ſich, wie denn ganz 
analog ein uns vorliegendes secretvm bvrgensivm de 
danneberge zwei gegen einen Baum, der hier wohl als 
Tanne anzuſprechen ſein dürfte, (Val. Mecklenburgiſche 
Siegel J. Heft S. 25 die Siegel der Grafen von Danne— 
berg) aufſpringende Löwen zeigt. Anderſeits darf nicht 
überſeben werden, daß Bäume, vorzugsweiſe Linden, auf 
Städteſiegein des Mittelalters häufig vorkommen; faſt 


immer wenn der Name des Orts mit Wald zuſammen⸗ 


geſetzt iſt; z. B. Arenswalde (wird in dem in Rede 


„ 
} 


Gade buſch; 


——— —ͤ—ꝶãV ——ͤj˙—*r?0ßxß3ßÜ᷑æͥTe2ͤ —a-.ęu—ũ ÜaIs.·˙˙s:-xßé) ũU— 
— — ꝛ—e6 — —— — L — .n:mj0 . ] —— —b — —— — vBb — — 


| Freien walde; 
Greifswald; u. ſ. w Auf dem 
Hauptſiegel des letzteren wird der Wald freilich 
nur durch einen Zweig repräſentirt. — Nicht unerwähnt 
bleibe, daß die Schildhalter auf dieſem Siegel wohl zu 
den älteſten vorkommenden gehören möchten. — 

Die vorſtehend im Auszuge mitgetheilte Abhand— 
lung giebt Veranlaſſung zur Aufſtellung nachſtehender 
Fragen: 1 

a) Welche Siegel von Eiſterzienſer Aebtiſſinnen 
zeigen eine dem Blaukenburger ähnliche Darſtellung? 

b) Wo finden ſich Conventſiegel, auf denen das 
Wappenbild des Stifters erſcheint? 

c) Gildeſiegel, deren Bilder von 
wähnten Normen abweichen? f ö 

d) Läßt ſich Näheres über ein ſchwäbiſches Ge— 
ſchlecht v. Sundhauſen und einen etwaigen Zuſammen⸗ 
hang deſſelben mit der gleichnamigen Thüringiſchen Fa— 
milie nachweiſen? 


ſtehenden Aufſatze bereits erwähnt;) 


8 


den oben er: 


„Numismatiſche Zeitung. Nr. 4;“ enthält S. 
22 ff. eine günſtige Beſprechung und Empfehlung des 
Werkes: „Kärnthens Adel“ von A. Weiß, Archivar des 
Kärnthner Geſch.-Ver. (Wien 1869.) Die. am 
Schluſſe erwähnte Anſicht des Hrn. Vf., daß in der äl⸗ 
teſten Zeit die meiſten Wappen redende geweſen ſeien, 
ausgenommen diejenigen welche rein heraldiſcher Natur 
(d. h. doch wohl, ein ſ. g. Herolds- oder Ehren: Stud, 
einfache oder zuſammengeſetzte Sectionen, Balken, Pfähle 
uſw. enthaltend) ſino, leitet uns auf die ſoeben als Ma— 
nuſcript gedruckte Brochüre: 


„Zur Wappen⸗ Symbolik. Ueber die De; 
deutung der Herold-Stücke; von H. Graf von 
Hoverden; München 1870;“ in welcher auch den rein 
heraldiſchen Wappen eine ſymboliſche Bedeutung vindi— 
cirt wird. Der Hr. Bf. ſtellt die Frage auf, ob die ſpe⸗ 
eifiſch heraldiſchen Bilder, ebenſo wie die |. g. gemei⸗ 
nen Figuren, Symbole ſind? Nachdem die früher ſehr 
übliche Sucht, jeder Wappenfigur und Tinctur eine 
willkürlich erfundene Deutung zu geben, in gebührender 
Weiſe zurückgewieſen iſt, warnt der Hr. Vf. vor dem 
entgegengeſetzten Extrem, welches jedem „Urwappen“ (um 
dieſen dem Begriff „Uradel“ eutſprechenden Ausdruck zu 
gebrauchen) die Möglichkeit abſpricht, in Folge einer 
Einwirkung äußerer Umſtände, welche in ſymboliſcher 
Weile in dem Wappenbilde veranſchaulicht werden, ent— 
ſtanden zu ſein. Eine ſolche Anficht würde ja ſchen aus 
dem Grunde unhaltbar ſein, weil die Wappen mit He: 
roldsſtücken in der älteſten Zeit keineswegs überwiegen, 
ſondern — wie z. B. ein Blick in die Züricher Rolle 
lehrt — mindeſtens ebenſo viele W. mit gemeinen Fi— 
guren vorkommen, bei denen in zahlloſen Fällen eine ab— 
ſichtliche Beziehung zu dem Namen des Beſitzers auf 
der Hand liegt. Hinweiſend darauf, wie die mittel⸗ 
alterliche Kunſt es liebte, ihre Daxſtellungen natürlicher 
Figuren ornamental zu ſtyliſiren (z. B. die nie natür⸗ 
lich gebildeten Blumen in mittelalterlichen Miniaturen) 
ſtellt der Hr. Vf. den Satz auf, doß auch die heraldiſchen 
Seetionen und Heroldſtücke ornamentale Veranſchaulich— 
ungen natürlicher Objecte ſeien. Das zur Erläuterung 


24 


gewählte W. derer v. Dachenhauſen, in welchem der 
Schach von w. undes das (gemauerte) Haus, das er. 
Schildeshaupt das Dach vorſtelle, ſpricht ſehr dafür; 
intereſſant iſt ferner der Hinweis darauf, daß z. B. 
geſtänderte Schilde“) häufig von Geſchlechtern geführt 
werden, deren Namen mit „Wald“ zuſammenhängt, und 
wie in der Vorzeit Anſiedelungen in Wäldern dergeſtalt 
angelegt ſeien, daß von einem, die Wohnungen der An— 
ſiedler enthaltenden, Punkte aus das Land ſtrahlen— 
förmig vertheiit wurde, Jo daß jeder Plan die Form 
eines Dreiecks bildete, deſſen Spitze an die Wohnung 
ſeines Beſitzers im Centrum anſtieß.“) Einen ferneren 
Beweisgrund bilden die „gewellten Balken“ im Wappen 
ſolcher Familien, deren Name mit Bach oder einem 
gleichbedeutenden Worte zuſammengeſetzt iſt. 

Jedenfalls iſt die vom Hru. Vf. entwickelte Theorie 
neu und beachtenswerth; müſſen wir vorläufig bei der 
Anſicht beharren, daß dieſelbe nur auf einzelne Fälle 
anwendbar ſei, im Allgemeinen aber die Heroldſtücke in 
Urwappen auf die Grundform des Schildbeſchlags zu— 
rückzuführen fein würden,“) fo möchten wir doch die in 
Rede ſtehende Brochüre der Beachtung unſerer Leſer ſehr 
empfehlen, und fie veranlaſſen, die angeregte Frage weiter 
zu verfolgen. 


Vermiſchtes. 


Ueber den deutſchen Reichsadler mit verwechſelten Tincturen vgl. 
Heideloff, Ornamentik des Mittelalters, XIII. S. 1. ff. und die dazu 
gehörende Abbildung des Plafonds im Kaiſerzimmer der Königsburg 
zu Nürnberg. EA 

Die früher einmal ausgeſprochene Vermuthung, das Sigillum 
vini ſei das Hauptſiegel einer italieniſchen Stadt, iſt unhaltbar. In 
Geographiſchen Lericig findet ſich kein Ort des Namens Vini ode 
Vinum. Lines oder Vinets iſt ein Flecken in Frankreich, Vinon 
oder Vins desgl.; (in der Provence.) Viniolae ein Ort auf Sardinien. 

Die Bezeichnungen „Sigill“ für das Hauptſiegel und „Secret“ 
für das kleinere Siegel einer Stadt wurden nicht immer ſtreng ge⸗ 
nommen, ſondern oft beide Ausdrücke verwechſelt oder gleichzeitig 
für denſelben Gegenſtand gebraucht. So heißt es z. B. in verſchie⸗ 
denen vorliegenden Urkunden des Raths zu Wernigerode: „Wir Bür⸗ 
germeiſter — — — eine glaubhafft Uhrkund in gewöhnlicher form 
unter unſerm Stadt Secret auszuſtellen — — — haben wir 
vnſer Groß Inſiegell hieran hangen laſſen.“ (1651.) 

Letzteres, nicht das Secret, befindet ſich an den Urkunden. 


Correſpondenz. 


Mehrere Abonnenten: Ihr Wunſch, daß dem Deutſchen 
Herold Illuſtrationen beigegeben werden möchten, ſoll, ſobald nur 
durch die Zahl der Abonnenten die Herſtellungskoſten der Zeitſchrift 


) Zu den vom Hern. Vf. namhaft gemachten geſtänderten 
Wappen nennen wir hier noch das in unſerer Sammlung befind⸗ 
liche eiförmige S. des Grafen Otto von Grieben vom F. 1207; 


16 fach geſtändert mit der Umſchrift: T comes ot (to de 1) apide. 

) Noch heute iſt daſſelbe bei den Wendendörfern in Nord⸗ 
deutſchland erhalten. Vgl. z. B. XIII. Jahresbericht des Altmärki⸗ 
ſchen Vereins, Seite 27. 

%) Die fo häufig wiederkehrenden, mit Roſen, Sternen, 
Kugeln u. dgl. belegten Balken, Sparren, Schrägbalken etc. möchten 
wir einfach als ſtarke Spangen bezeichnen, welche auf dem Original⸗ 
Schilde zu mehrerer Befeſtigung deſſelben vermittelſt Nägel, deren 
Köpfe man in Form von Roſetten etc. ornamentirte, angebracht 
wurden. Vgl. u. A auch den „Lilienhaspel“ im Kleve ſchen de 
und die „Keiten“ im Navarreſiſchen. Anmerkungen d. Re 


* 


gedeckt find, erfüllt werden. Wünſchen Sie Ihren. Auffägen Zeich⸗ 
nungen beizufügen, ſo wollen Sie dieſelben gefälligſt einſenden, wir wer⸗ 
den für getreue Reproduction derſelben durch Lithographie Sorge tra,en. 

Hrn. P. S in N. Mitarbeitern am D. H. den ganzen Jahr⸗ 
gang gratis zugehen zu laſſen, iſt uns leider unmöglich; wohl aber 
erhält jeder Einſender eines brauchbaren größeren Auffatzes mehrere 
Freieremplare der Nummer, worin derſelbe erſcheint. 

Hrn. G. S in W. Von zahlreichen Beiſpielen ſchildförmiger 
Helmſiegel im Mittelalter in unſerer ſphragiſtiſchen Sammlung hier 
nur einige der älteſten: S.“ werneri de bertensleve 1337. (Helm 
in Profil, mit Federn in Form eines geſchloſſenen Flügels beſteckt.) 
F. tiderici de dalem, 1316. (Helm en fare, mit zwei gekreuzten 
Palmzweigen) S. johannis de dorstat, 1331. (Helm im Profil; 
vor einem mit ſechs Hahnfedern beſteckten Schaft ein querliegendes 
Grabſcheit.) S'. hermani de hertbecke, 1341. (Heim im Profil; 
vier links wehende Fahnen vor einer Anzahl Hahnfedern.) 85 bor- 
chardi militis d' marnholt (Marenholz) 1362. (Helm im Profit ; 
Federbuſch. S'. johannis eomitis de woldenberch, 1303. Helm 
en face, offener Flug.) Von Intereſſe find ferner drei Siegel dreier 
von Warmſtorf; (Urkunde des Kloſters Marienborn bei Helmſtedt 
d. d. Mittfaſten 1358.) Zwei derſelben, ſchildförmig, zeigen einen 
Helm en face mit zwei Eſelsohren beſteckt; das dritte, rund, enthält 
einen Schild und in demſelben den eben beſchriebenen 
Helm. Hier dürfte wohl anzunehmen fein, daß der Helm auch 
Schildfigur dieſes Geſchlechts war. Vgl. Hohenlohe, über den 
Gebrauch der heraldiſchen Helmzierden. S. 9 und 10. 

Hru. F. W. in B. Unſere Note zu dem Aufſatz über das 
Sig. vini (Nr. 2, Seite 14, Spalte 2) ſollte ſich nur auf den — 
wie wir gern zugeben, geringfügigen — Umſtand beziehen, daß das 
Sig. Balduini, welches Vredius giebt, dem Sig. vini in Bezug auf 
Größe und Darſtellung ähnelt. Eine weitere Beſtätigung der 
Schäfer'ſchen Anſicht läßt ſich aus dem genannten Werke keineswegs 
entnehmen; eine ſolche würde nur dann vorliegen, wenn das dort 
abgebildete Siegel die Umſchrift: „Sig. comitis Balduini‘ trüge. 


Anzeigen. 


Von Siebmacher's gr. u. allgem. Wappenbuch, neue 


Auflage, erſchien ſoeben: 


Lfg. 75, enthaltend Dalmatiner Adel (Tafel 43—60) herausgegeben 
vom Hauptmann F. Heyer. 
Lfg. 76, enthaltend Preußiſche Edelleute, Kiedrzynski — Krajewski, 
herausgegeben von G. A v. Mülverſtedt. 
Verlag von Bauer & Raſpe, Nürnberg. 
Subſcriptionspreis a Lieferung: 1 Thlr. 18 Sgr. (2 Fl. 40 Kr.) 
Einzelne Lieferungen: 2 Thlr. (3 Fl. 30 Kr.) 


Es wird zu kaufen geſucht: 
ein vollſtändiges Exemplar von Tyroff, Allgemeines Wap⸗ 
penwerk, 1. Band Text; 

3 Bände Abbildungen in je 3 Abtheilungen (der dritte Band 
nur 1 Abtheilung.) 

Gef. Offerten werden durch die Redaction des „Deutſchen 
Herold“ erbeten. 

H. v. Köckritz auf Mondſchütz bei Wohlau in Schleſien er⸗ 
ſucht um gefällige Mittheilung von, ihm vielleicht unbekannten (noch 
ungedruckten, in den Staatsarchiven nicht vorhandenen), Urkunden 
und anderweiten Nachrichten über fein Geſchlecht. Dagegen iſt der 
Genannte, im Beſitz einer reichen Wappen-Sammlung, gern bereit, 
etwaige Nachfragen in dieſer Richtung nach Möglichkeit zu beantworten. 


Inhalts⸗Verzeichniß: 

Nobilitirungen. — Vereinsbericht. — Das Spaniſche 

Siegel. — Graf Saumagen. — Antwort auf Anfrage I. — 

Anfrage II. — Literatur. — Vermiſchtes. — Correſpondenz. 
— Inſerate. 


en mm mn m mn nn nn mn m —————u 
Druckfehler in Nr. 2: S. 14, Spalte 1, 3. 15 v. u. lies D ftatt B. 
2, „ 10 v. o. „1067 ft. 1607. 


117 17 77 


Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗Bezirk Magdeburg. R 
Schnellpreſſendruck von A, Keller in Gardelegen. 5 


Ur. 4. 


S, Berlin, im Mai 1870. DI | 1. Jahrgang. 


Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller: 
gnädigſt geruht: Sr. Durchlaucht dem Prinzen Frederic 
von Schleswig⸗Holſtein⸗Noer auf deſſen Antrag den Titel 
eines Grafen von Noer für ihn und ſeine Descen— 
denz zu verleihen. (Publ. 12. April.) 


Auszug 
aus dem Protokoll der Sitzung des „Herold“ 

5 vom 4. Mai 1870. 

Nach erfolgter Mittheilung eingegangener 
Schreiben und Aufnahme neuer correſp. Mit⸗ 
glieder, wurde, um eine gleichmäßige Behan 
lung der an den Verein, deſſen Mitglieder, ref 
den Redakteur des Vereins-Organs, gelang: 
Anfragen herbeizuführen, beſchloſſen: 
Daß alle Anfragen, fie mögen bei der 

daktion oder einzelnen Mitgliedern einge 
ſtets dem Vorſitzenden zugeſtellt werden ſ. , 
von welchem demnächſt das Weitere verancaßt 
werden wird. 

Ferner wurde in Betreff des bisher beobach— 
teten Verfahrens, den Einſendern von Artikeln 
eine gewiſſe Anzahl von Exemplaren des Vereins⸗ 
Organs zuzuſtellen, beſtimmt: | 

Von dieſem Verfahren Abſtand zu nehmen, 
dagegen den Herrn Schriftſtellern, auf Verlan⸗ 
gen, Separat- Abzüge (bis zu 25 Ex.) ihrer 
Aufſätze zukommen zu laſſen. 

Nachdem ſchließlich der von Hrn. Gritzner 
redigirte Entwurf einer Geſchäfts⸗Ordnung zur 
Annahme gelangt war, wurde die Sitzung gegen 
9 Uhr geſchloſſen. f 


In Bezug auf den in Nr. 2 des „Herold“ mit⸗ 

getheilten Auszug aus dem Protocoll der Sitzung 

vom 2. März 1870, werden folgende Bemer⸗ 
kungen gemacht: 


„Die Meinung: der Marſchall Albero ſei mit Al⸗ 
brecht von Snetlingen, Voigt zu Spandau, identiſch, 
bedürfte jedenfalls eines urkundlichen Nachweiſes, ehe ſie 
als unzweifelhaft angenommen werden kann. Eine 
Autorität in mittelalterlicher Genealogie verneint es 
ſogar beſtimmt. 

In der Urkunde von 1261 (Riedel C. I. 13, S. 


211) ſteht: Albero marscalchs ac frater suus Johannes 


de Brunchow; es würde alſo kein Zweifel mehr jein 
können, daß Albero auch den Familiennamen von Brun- 
kow zu führen hatte, wenn nicht die Annahmen übrig 
blieben: Johannes de Brunchow ſei der Sohn aus 
einer zweiten Ehe von Albero's Mutter geweſen, ſo daß 
Albero einer anderen Familie angehören würde, oder der 
Name Brunchow ſei von dieſem Bruder erſt angenom- 
men worden, alſo der urſprüngliche Familienname doch 
noch unbekannt. 

In Bezug auf die erſte Annahme wäre anzuführen, 
daß der Marſchall Albero ſchon 1243 genannt wird; 
wenn alſo, trotz der hervorragenden Stellung, die er am 
Hofe der Markgrafen einnahm, ſein Bruder erſt 18 Jahr 
ſpäter auftritt, ſo iſt wol daraus zu ſchließen, daß dieſer 
ſehr viel jünger als der Marſchall war, und die Ver⸗ 
muthung möglich, er ſei ſein Stiefbruder geweſen. 

Für die zweite Annahme ſpricht, daß der Familien⸗ 
name von Brunkow in dieſer Urkunde von 1261 zum 
erſten Mal genannt wird (wenigſtens in den im Rie⸗ 
del'ſchen Codex geſammelten Urkunden.) In der Alt⸗ 


mark tritt der Familienname Brunkow zum erſten Mal 
1305 auf (Riedel I. 15. S. 52); und wenn es auch 
ſehr wahrſcheinlich, daß dieſe Familie hier nach der noch 
im Landbuch von 1375 ihr gehörigen wüſten Dorfſtätte 
Brunkowe den Namen führte, ſo iſt doch nicht erwieſen, 


26 


daß die ſchon 1261 als in der Neumark angeſeſſen bes ı 
kannt werdende Familie mit der Altmärkiſchen deſſelben 
Urſprungs iſt; denn in der Neumark lag auch ein Dorf 
Brunko, das 1298 bekannt wird. (Raumer, Landbuch 
d. Neumark S. 92.) Es kann hier nur das Wappen 
entſcheiden. Nach Haſſe's handſchriftlichem Wappenbuch 
S. 13b. zeigt das Wappen der von Brungkow in Sil⸗ 
ber Kopf und Hals eines ſchwarzen Widders, deſſen 
Hörner von Gold und Schwarz wechſeln. Den Helm 
ziert ein Pfauenwedel. Nach einer anderweitigen Mit: 
theilung iſt ein älteres Brunkowſches Siegel bekannt, 
das einen Querbalken im Schilde zeigt. 

An einer Urkunde vom 4. Mai 1389, die im 
Königl. Geheimen Staatsarchiv befindlich, (ſ. Riedel J. 
13. S. 270. Nr. 4) hat ein Siegel von Redeke Brun⸗ 
kow gehangen; ob es noch daran, iſt dieſſeits unbe— 
kannt. 

Das Siegel Albero's könnte vielleicht an der Ur⸗ 
kunde von 1267 hängen (Riedel I. 13. S. 213) in der 
die Markgrafen Johann, Otto, Conrad dem Klofter 
Marienſee ein Pfund brandenburgiſcher Pfennige aus 
der Lade des Dorfes Lubechowe (Hohen Lübbichow im 
Königsberger Kreiſe) beftätigen, die Albero dem Klofter 
als jährliche Gabe geſchenkt; denn es wird erwähnt, daß 
Albero perſönlich vor den Markgrafen erſchienen ſei, 
um dieſe Schenkung zu machen. 

An der im Meklbg. Urkundenbuch Nr. 3685 ver— 
öffentlichten Urkunde, in der ſich König Birger von 
Schweden d. d. Helſingborg 19. April 1314 zu einer 
Schuld gegen den Fürſten Heinrich von Meklenburg be— 
kennt, hängt noch das Siegel des ſich verbürgenden 
Knappen Johann Brunkow. Daſſelbe iſt rund und 
zeigt in einem ſtehenden Schilde einen Querbalken; 
Umſchrift: S. Johannis Bronfowe. 

| . KN. 


Das Wappen und die Siegel der H. R. 


Nürnberg. 17.382-24: 

Siebenkees bemerkt in ſeinen Materialien: „Nürn⸗ 
berg hat darin vor manchen andern Reichsſtädten einen 
Vorzug, daß es mehr als ein Wappen führt.“ Wenn 


N. Stadt 


man bei dieſer Behauptung die Zeit Siebenkees' im 
Auge hat, wo man ſelten ein Wappen von einem 
Siegel unterſcheiden konnte, ſo mag man ſeiner Be— 
merkung beiſtimmen. Im Mittelalter aber war es gewiß 
nicht ſo, und von einem Manne wie S. könnte man 
faſt verlangen, ſich correcter auszudrücken. Richtiger 
hieße der Satz jedenfalls: Nürnberg hat außer ſeinen 
beiden Siegeln, — dem Secret und dem Gerichts⸗ 
ſiegel — noch ein wirkliches Wappen, welches in den 
eigentlichen Stadtſiegeln nicht gebraucht wurde; denn 
es iſt einleuchtend, daß man das Bild des Secretſiegels, 
noch weniger aber das des Gerichtsſiegels, nicht für ein 
Wappen halten kann, obwohl beide Siegel Bilder ent⸗ 
halten, die in Wappen ſehr häufig erſcheinen. Beide 
ſind wahrſcheinlich in einer Zeit entſtanden und gebraucht 
worden, wo es noch nicht üblich war, die Wappen in 
die Siegel zu ſetzen, wo noch keine Stadt, viel weniger 
ein Amt ein Wappen führen konnte und durfte. 


Ehe ich von dem Wappen und den Siegeln rede, 


welche Nürnberg wirklich führte, muß ich erſt einiger 


ſogenannter Wappen gedenken, welche die Stadt vorher 
geführt haben ſoll, was aber ſicherlich nie der Fall war. 

Zur Zeit des Grafen Adalbert von Bamberg, alſo 
im 9. — 10. Jahrhundert, ſoll Nürnbergdrei ſchwarze 
Wolfsangeln im weißen Felde oder drei weiße 
Wolfsangeln im ſchwarzen Felde geführt haben. 
Kaum iſt es nöthig, etwas zur Widerlegung dieſes erſt 
im 17. Jahrhundert ausgeheckten Märchens anzuführen, 
nachdem ſchon Müllner, der bekannte Rathſchreiber und 
Annaliſt, dasſelbe nach ſeinem wahren Werthe gewürdigt 
hat, indem er es für grundlos erklärt und dabei bemerkt, 
es ſei „nicht gar vor langer Zeit aus ſchlechten Ver— 
muthungen hergefloſſen.“ 

Dieſelbe Bewandtniß hat es mit dem weißen 
ausgebreiteten Adler im blauen Felde. Die⸗ 
jenigen Chroniſten, welche Nürnberg dem Grafen von 
Babenberg unterwerfen, geben der Stadt auch das Wappen 
dieſes Hauſes, nämlich im gelben Feld einen 
ſchwarzen Löwen mit einem weißen rechts 
ſchrägen ſchmalen Balken belegt. Jede dieſer 
Vermuthungen iſt aber nichts weiter als eine ſolche, 
verdient deshalb keine weitläufige Widerlegung. 


IJ. Das Wappen. 


Das Wappen der Stadt Nürnberg, welches ehehin 
auf Münzen, ferner in Siegeln welche den Staat, nicht 
die Stadt betrafen, gebraucht wurde, findet noch heu— 
tigen Tages bei ſtädtiſchen Bauten, z. B. den neueren 
Thoren, Anwendung. Auch die Fahnen der Stadt richten 
ſich nach den Farben des Wappens, ſie ſind nämlich 
roth⸗-weiß. Es hat aber daſſelbe folgende Geſtalt: 

Ein in die Länge getheilter Schild, zur Rechten im 
gelben Felde ein halber ſchwarzer Adler am Spalt, 
f 93 75 von Roth und Weiß ſechsmal ſchrägrechts 

eilt. 

Dieſes Wappen hat ein Heer von Chroniſten zu vagen 

üthungen veranlaßt, die weder nach geſchichtlichen 
Va ſachen noch heraldiſchen Grundſätzen irgend eine 
I Hricheinlichfeit für ſich haben. 

Dem linken Felde giebt man gewöhnlich den Namen 
„Schwabenfeld“ d. h. das Feld, welches die ehemalige 
Abhängigkeit Nürnbergs von den Herzögen von Schwaben 
anzeigen ſoll. Aber gerade die Farben dieſes Feldes — 
roth und weiß — deuten viel eher auf das fränkiſche 
Herzogthum, und nach den Erfahrungen, die man auf 
dem Gebiete der Heraldik gemacht hat, könnte man viel 
eher eine Abhängigkeit von den Herzögen von Franken 
annehmen. 

Wenn wir annehmen dürften, daß Nürnberg ſchon 
im 10. Jahrhundert beſtanden und ein Wappen ge⸗ 
führt habe, ſo wäre mit dem eben Geſagten leicht eine 
Sage zu vereinigen, nach welcher Kaiſer Konrad I., 
welcher bekanntlich ein Herzog von Oſtfranken war, der 
Stadt Nürnberg die roth⸗weiße Theilung des Schildes 
als Wappen verliehen habe. Müllner führt die Sage 
auch an, wobei er bemerkt, daß Nürnberg dies Wappen 
angenommen habe, nachdem es eine Reichsſtadt geworden 
ſei. Dieſe Angabe iſt jedenfalls aus dem „Ralhs⸗ und 


27 


Geſchlechterbuch der Stadt Nürnberg“ genommen, aus 
welchem Oetter in dem I. Verſuch ꝛc. Seite 66ff. folgende 
Stelle anführt: 

„Alß nun Nürnnberg alſo zu dem Römiſchen Reich 
kam, vnnd zu einer Reichsſtat wardt, vorließ es das alte 
Wapen, welcheß ſie zuvor unter Graff albrecht auß 
Francken gebraucht vnnd gefürt, vnnd Nam ſich eineß 
Newen Wapenns an, welches Ihnen Kaiſer Connradt 
beſtetiget, Priuilegirt vnnd Freyheit darüber gebe, unnd 
waß Nemblich drey Rott unnd weiß Strich, vberzwerch 
getaillt, das ſchwabenn Feld genanndt.“ 

Ob nun der Verfaſſer des Geſchlechterbuches oder 
irgend Jemand anders der Urheber dieſer Sage iſt — 
ſo viel iſt ſicher, daß der Betreffende entweder für ſeine 
Zeit ungewöhnliche heraldiſche Kenntniſſe hatte und die 
ganze Erzählung ſelbſt erfand; oder daß er ſich auf eine 
bereits vorhandene Tradition geſtützt und dieſelbe durch 
ſeine Phantaſie erweitert hat. Wie dem auch ſein mag, 
die Sage hat einen Kern, der nur aus dem Wuſte der 
unwahrſcheinlichen oder vielmehr erdichteten Nebenum— 
ſtände herausgeſchält zu werden braucht. 

Nach meiner Ueberzeugung war das urſprüngliche 
Wappen wirklich ein einfacher Schild, von Roth und 
Weiß ſechsmal ſchrägrechts getheilt. Nur iſt es nicht 
von Kaiſer Conrad, ſondern erſt viel ſpäter erlangt 
worden. In das nachmalige Wappen, welches, nach der 
Art in der es zuſammengeſetzt iſt, zu ſchließen, aus dem 
13. Jahrhundert herrühren möchte, würde die roth-weiße 
Theilung mit aufgenommen worden ſein, wenn es nicht 
bereits vorhanden geweſen wäre. Die Wappen aus 
jener Zeit ſind überall höchſt einfach, und ein ganz 
neues Wappen erhielt niegleichzeitig 2 Wappenbilder. 

Auch die Burggrafen von Nürnberg führten dies 
Wappen, jedenfalls deßwegen, weil ſie auf die Stadt 
gewiſſe Rechte hatten. Müllner ſagt hierüber: 

„Des Burggrafthums Wappen hat das Anſehen, als 
ob die Burggrafen vor Alters allein einen mit Farben 
roth und weiß abgetheilten Schild geführt, in welchen 
abgetheilten Schild hernach der Schild mit dem ſchwarzen 
Löwen hineingeſetzet, und damit die rothe und weiße 
Abtheilung bedeckt worden, daß dieſelbe nur am Rande 
noch zu ſehen.“ 

Jedenfalls deutet die roth-weiße Theilung im Burg— 
grafenwappen nicht auf das fränkiſche Herzogthum, 
ſondern auf die Stadt Nürnberg, und ſomit wäre auch 
entſchieden, daß wir hier das Characteriſtiſche, Urſprüng— 
liche des Nürnb. Stadtwappens vor uns haben. 

Alles was ſonſt von Schriftſtellern über das „Schwa— 
benfeld“ fabulirt wurde, beruht meiſtens auf Mißver— 
ſtändniſſen. Daß das Wort „feld“ ſich nur auf das 
Wappen, nicht aber auf einen Landesdiſtrict beziehe, iſt 
einleuchtend. Es iſt wunderlich, welche Mühe darauf 
verwandt wurde, eine Gegend um Nürnberg herauszu— 
düfteln, welche den Namen Schwabenfeld trägt. Vor⸗ 
ausgeſetzt, daß man nun wirklich ein ſolches Feld ge— 
funden hätte, was hätte dies für einen Nutzen gehabt, 
und wie hätte man daſſelbe mit dem Schwabenfeld des 
Wappens in Beziehung bringen wollen und können? 

Aber außer dem Schwabenfeld führt Nürnberg noch 
einen halben Adler im Wappen, und dieſer kam erſt 


dazu, als unſere Stadt reichsunmittelbar wurde, was 
im 13. Jahrhundert geſchah. Aus dieſem Grunde, d. 
h. weil der halbe Adler das kaiſerliche Wappen reprä⸗ 
ſentirt, nimmt er auch die Ehrenſtelle ein. Diejenigen, 
welche von dem halben Adler den Beweis herleiten 
wollen, daß Nürnberg ehemals eine Municipalftadt ge- 
weſen ſei, ſind daher gänzlich im Irrthum. Wie geſagt, 
iſt ja eben dieſer halbe Adler das Zeichen der Reichs- 
unmittelbarkeit und Nürnberg war von der Zeit an, 
als ſie dieſen im Wappen führte, eine Reichsſtadt. 

Siebenkees bemerkt in dem II. Bd. ſeiner Materi⸗ 
alien zur Geſch. d. St. Nürnberg p. 392: „Man hat 
noch nicht erwieſen, daß und welcher Unterſchied fei 
zwiſchen Reichsſtädten mit dem ganzen und halben Adler“. 

Dies iſt jedoch nach folgender Thatſache leicht zu 
entſcheiden: Es war die älteſte und beſonders im 13. 
Jahrh. ſehr gebräuchliche Methode, daß man, wenn man 
zwei Wappenbilder in einem Schilde vereinigen wollte, 
jedes Wappenbild blos halb darſtellte. Die zweite Hälfte 
muß man ſich als vorhanden und von der andern ver— 
deckt denken. Der halbe Adler wird demnach in den 
Wappen der Reichsſtädte nur dann vorkommen, wenn 
das Wappen außerdem noch ein Wappenbild enthält. 
Sollte es trotzdem den ganzen oder doppelten Adler 
führen, ſo weiſt dies darauf hin, daß es in einer ſpäteren 
Zeit eine Umänderung erfahren hat. Hat aber das 
Wappen den Adler als einziges Bild, ſo iſt er natür⸗ 
lich ganz dargeſtellt. 

Daraus geht hervor, daß der ganze oder halbe Adler 
keinen Rangunterſchied begründet. 


II. Die Siegel der Stadt Nürnberg. 


Bei den Siegelu der Stadt Nürnberg, welche 
insgemein Wappen genannt werden, iſt ein Unterſchied 
zu machen zwiſchen den Haupt- und Seecretſiegeln und bei 
den letzteren wiederum zwiſchen den Secretſiegeln älterer 
und neuerer Ordnung. Die erſteren wurden nur als 
Rückſiegel benutzt und hatten Anfangs fein eigentliches 
Bild, ſondern nur ein gothiſches gekröntes N.; ſpäter 
das Stadtwappen. Die Secretſiegel neuerer Ordnung 
waren dagegen von dem Hauptſiegel nur durch Größe 
und Umſchrift, ſowie auch dadurch verſchieden, daß ſie 


N 


nie ein Rückſiegel führten. 
1) Das Haupt- oder Stadt-Siegel. 


Daſſelbe ſtellt einen Adler mit ausgebreiteten Flügeln 
und einem gekrönten Frauenkopf vor, und hat folgende 
Umſchrift in gothiſcher Majuscel: 

„ + Sigillvm universitatis civivm de Nvrenberch.“ 

In dieſer Geſtalt findet ſich das alte Stadtſiegel be— 
reits an einer Urkunde des Kloſters Engelthal vom Jahre 
1243 und in den folgenden Jahren bis zu 1299, und 
zwar ohne Rückſiegel. Ein ſolches findet ſich erſt auf 
einem Siegel, welches an zwei Waldſtromeriſche Urkunden 
vom Jahre 1347 gehängt iſt. Das hier befindliche Rück⸗ 
ſiegel ſtellt, wie oben bemerkt, ein gothiſches gekröntes 
N. vor, mit der Umſchrift: „Sig. Sv. Nyr.“ Ein an⸗ 
deres Rückſiegel aus eben dieſem Jahre hat die einfache 
Umſchrift: „S. Nvra“., 

Im Jahre 1349 finden wir endlich ein Rückſiegel 


mit dem Stadtwappen, von welcher Zeit an ſich daſſelbe 
beſtändig im Gebrauch erhalten hat. 

Das alte Stadtſiegel wurde im Jahre 1368 außer 

Gebrauch geſetzt, in Leder verwahrt und verſiegelt, und 
in der Loſungſtube reponirt. Dagegen wurde ein neues 

angefertigt, mit welchem am St. Michgelstag zu ſiegeln 

angefangen wurde; von dieſem iſt mir aber weder ein 

Abdruck noch eine Beſchreibung zu Geſichte gekommen. 

Die Tinctur des Siegelbildes kam jedenfalls erſt in 
einer ſpäteren Zeit auf, als das Verſtändniß der heral— 
diſchen und ſphragiſtiſchen Gebräuche des Mittelalters 
bereits abhanden gekommen war. Genau läßt ſich ſelbſt⸗ 
redend der Zeitpunkt dieſer Neuerung nicht beſtimmen. 

Wie man dem Siegelbilde Schild und Tinctur 
(Feld: Blau; Adler: Gelb.) gab, und es dadurch gleich⸗ 
ſam in ein Wappen umwandelte, ſo ſuchte man dem 
Bilde eine beſondere Deutung zu geben. man 
darauf kam, es für das Wappen des Grafen Adalbert 
von Babenberg auszugeben, iſt mir eben ſo wenig be— 
greiflich, als daß die Nachricht Glauben finden konnte, 
es ſei der Reichsveſte von Kaiſer Heinrich V. oder Conrad 
III. ertheilt worden, „weil fie bei der von erſterem vor 
genommenen Belagerung und Zerſtörung der Stadt nicht 
erobert worden, ſondern ihre Jungferſchaft behalten.“ 
(Siebenkees II. 393). — Die Deutung, daß der Jung⸗ 
fernadler das zu Nürnberg herrſchende Weiberregiment 
anzeige, iſt ein Beweis, daß ſich der berühmte „Nürn— 
berger Witz“ auch auf geiſtigem, ſogar auf dem Gebie— 
te der Heraldik verſucht habe, freilich mit viel weniger 
Glück als auf dem der Technik. 

Schon in den älteſten Zeiten wurde rothes Wachs 
zu den Stadtſiegeln benützt, wie das älteſte vorhande⸗ 
ne Siegel an der oben bereits erwähnten Engelthali— 
ſchen Urkunde vom Jahre 1243 beweiſt. 

Urſprünglich bediente man ſich des Stadtſiegels nicht 
nur bei allen im Namen des Rathes und der Stadt 
ausgefertigten Urkunden, ſondern auch zur Beglaubigung 
von Privatdocumenten. Im vorigen Jahrhundert wur⸗ 
den vorzüglich die in der Teſtamentsregiſtratur gefertig— 
ten Abſchriften der Teſtamente mit dem Stadtſiegel 


verſehen. 
2) Das Seeret⸗-Siegel. 

Der Unterſchied zwiſchen dem Stadt- und dem 
Secretſiegel iſt bereits Eingangs dieſes Abſchnittes ange— 
zeig 4 

; Das Kgl. Archiv zu Nürnberg verwahrt 3 Siegel: 
ftempel,von denen 

a. Der älteſte aus Meſſing beſteht und folgende 
Umſchrift führt: 

„ Secretvm * Civivm * De * Nvremberch”“ 

dieſer Siegelſtock möchte derjenige 


Wie 


Ich vermuthe, 
ſein, welcher im Jahre 1449 am Sonntag Mil. Dni. 
auf eine unerklärt gebliebene Weiſe abhanden kam, 
der aber noch in demſelben Jahre in der Frauenkirche 
von einer „Betſchweſter“ wieder gefunden wurde, wofür 
dieſe letztere 12 Fl. zur Verehrung bekam. Nachdem aber 
inzwiſchen ein neues Secret vom Goldſchmid Hochbrant 
angefertigt worden war, hat man das wiedergefundene 
in ein Schächtelchen verſiegelt und in der Loſungsſtube 
verwahrt. Aber auch das neue Secret wurde ſchon im 


28 


Jahre 1452 zum Siegeln untauglich, deßhalb außer 
Gebrauch geſetzt, ebenfalls verſiegelt und in der Loſungs— 
ſtube verwahrt, und durch ein Neues erſetzt; dieſes möchte 

b. mit dem zweiten im Kgl. Archive befindlichen 
Stempel identiſch ſein. Derſelbe iſt mit vieler Kunſt 
und gutem Geſchmack in Meſſing ausgeführt, und von 
dem zuerſt angeführten Secret auch dadurch verſchieden, 
daß hier „Nyrenberch“ ſtatt Nyremberch geſeßt iſt. 

c. Das dritte auf dem Archive befindliche Siegel 
iſt in Silber ausgeführt und möchte, der Arbeit nach 
zu urtheilen, dem 16. Jahrhundert angehören. der Orts— 
name iſt hier „Nyrmberge“ geſchrieben. 

d. Außerdem war noch ein kleines Secret vorhanden 
mit der Umſchrift: „*Secretvm. Reipub. Norinbergensis.“ 

Die Vermuthung, daß das Seeret vom Kaiſer Carl 
IV. im Jahre 1350 verliehen worden ſei, iſt wohl eben 
jo unbegründet, als die Behauptung, daß die Einfüh— 
rung in Folge einer Verordnung des Kaiſers Sigmund 
geſchehen ſei. Beide Zeitangaben ſtimmen nicht, da 
Nürnberg erſt oder ſchon im Jahre 1386 ein Seeret 
geführt hat. Die Einführung wird eben darin ihren 
Grund gehabt haben, weil zu jener Zeit der Gebrauch 
der Secrete aufkam; eine kaiſerliche Verleihung oder 
Beſtätigung war jedenfalls gar nicht nothwendig, da 
Nurnberg zu ihrem Secret kein neues Bild annahm 
ſondern das im Stadtſiegel bereits Vorhandene hierzu 
benutzte. 

Auch das Secretſiegel wurde in rothes Wachs, je— 
doch ohne Rückſiegel abgedrückt. Der dritte oberſte Haupt— 
mann war Bewahrer deſſelben. Es wurde gebraucht: 

a. bei Schreiben an den Kaiſer, Könige, Reichs— 
ſtände; an Reichsglieder und Standesperſonen, welche 
nicht in Nürnbergiſchen Dienſten ſtanden, ferner an 
auswärtige Fürſten und Regierungen; 

b. bei allen in der Canzlei im Namen des Raths 
ausgefertigten Urkunden und gemeiner Stadt Schuldbriefen. 

Das eben sub lit. d. bemerkte kleinere Secret be— 


nützte man bei allen Miſſiven ohne Unterſchied, die 


von dem älteren geheimen Rath erlaſſen wurde. 

Schreiben des Rathes an Nürnbergiſche Abgeord— 
nete, Dienſtleute und auswärtige Beamte, wurden mit 
dem Geſchlechtsſiegel des älteren regierenden Bürgermeiſters 
beſiegelt. 


3) Das Gerichtsſiegel. 


Das Gerichtsſiegel, welches Nürnberg bis zum Ende 
der Reichsunmittelbarkeit führte, iſt daſſelbe, welches ur— 
ſprünglich von dem Reichsſchultheißen daſelbſt bei ſei— 
nen amtlichen Ausfertigungen geführt wurde. Das Reichs— 
ſchultheißenamt oder Gericht wurde der Stadt Nürn— 
berg im Jahre 1385 verpfändet. 

Das Schultheißenſiegel ſtellte anfangs einen links— 
ſpäter aber immer rechtsſehenden einfachen Adler mit 
ausgebreiteten Flügeln vor, mit der Umſchrift: „t Si- 
gillvm. Scvlteti * De. Nyremberc *“. Zuweilen trifft 
man auch Siegel, bei denen der Ortsname Nurinberc 
oder Nurnberc lautet. Das letztere iſt der Fall bei Sie⸗ 
geln a. d. J. 1300. 1307, das erſtere im Jahre 1325. 5 

Von dem Jahre 1336 an lautet die Umſchrift: 
„+ Sigillvu. * Ivdicii. De. Nvrenberch.“ Ein ſehr 


alter Siegelſtempel, welcher dieſe Umſchrift führt, iſt im 
Kgl. Archive zu Nürnberg aufbewahrt. 


zuerſt an einem Siegel vom Jahre 1345 vor, während ein 


29 


Ein Rückſiegel mit einem lateiniſchen N. kommt 


Rückſiegel vom J. 1350 ein gothiſches N. zeigt, in deſſen 
innerem Raume ein kleines gothiſches E. zu ſehen iſt. 
Wie mit dem Stadt- ſo ging es auch mit dem 
Gerichtsſiegel, es wurde nämlich im Laufe der Zeiten in 
ein Wappen umgewandelt und erhielt Schild und Zines 
tur, und zwar, da das Reichsſchultheißenamt ein kaiſer— 
liches Officium war, die Reichsfarben, was nahe genug 
lag. e e 
Bei den Gerichtsſiegeln war gelbes Wachs in Gebrauch. 
Bis in die letzte Zeit war der Reichsſchultheiß nebſt 
dem zweiten Loſunger Verwahrer des Gerichtsſiegels. 
Würzburg. Seyber. 


Einige Anmerkungen und Berichtigungen 
u „Tr. G. Voigtel's Stammtafeln zur 
Geſchichte der europäiſchen Staaten, neu 
herausgegeben von Eudwig Adolf Cohn.“ 


Das eben angeführte Werk, von welchem ſeit 
1864 bei C. A. Schwetſchke u. Sohn (M. Bruhn) 
in Braunſchweig 3 Hefte mit 156 Tafeln er— 
ſchienen ſind, gehört ohne allen Zweifel zu den 
verdienſtvollſten auf dem Gebiete der geſammten 
Genealogie. Wie es auf den rühmlichſt bekannten 
Erſtlingsarbejten auf dieſem Felde, nämlich den 
Werken von Lohmeier, Hübner, Pütter, ruht, ſo 
zeigt es in der neuen Ausgabe, welche bedeutenden 
Fortſchritte hier gemacht worden ſind. Obgleich 
wir weit entfernt ſind, die Verdienſte zu mindern, 
welche ſich die Königin von Dänemark, Varren— 
trapp, Klüber (Vater u. Sohn), Gottſchalk, Oertel 
u. A. durch ihre Arbeiten erworben haben; die 
Palme unſerer Tage gebührt doch Herrn Dr. 
L. A. Cohn, Privatdocenten der Geſchichte zu 
Göttingen. Wer ſich mit Genealogie beſchäftigt, 
wird ſtets nicht nur Hübner u. Pütter, ſondern 
auch Voigtel u. Cohn mit dankbarer Verehrung 
nennen. Ebenſo wird er's auch der Verlags: 
Buchhandlung von Schwetſchke u. Sohn aufrichtig 
Dank wiſſen, daß ſie die neue Herausgabe des 
Voigtel'ſchen Werkes beſchloſſen und dieſelbe ſo 
wackeren Händen anvertraut hat. Jeder Gene— 
aloge wird aber auch dem Herrn Verleger für 
die ſchöne typographiſche Ausſtattung danken, denn 


auch in dieſer Hinſicht bemerken wir mit Freuden 


einen bedeutenden Fortſchritt. — 

Wenn ich nun hier den Freunden der Ge— 
nealogie einige „Anmerkungen und Berichtigun-⸗ 
zu Cohn's Stammtafeln“ biete: ſo geſchieht das 


weder um die Brauchbarkeit des Werkes zwei: 
felhaft zu machen, noch auch um mein perjön- 
liches Intereſſe an der Genealogie zu bekunden, 
ſondern um mit meinen ſchwachen Kräften Herrn 
Cohn und ſeiner Arbeit zu dienen, ſowie um die 
geehrten Leſer d. Bl. zu reizen, daß auch ſie ihre 
Notizen und Berichtigungen zu dieſem verdienſt— 
vollen Werke veröffentlichen. Einer muß dem 
Andern dienen und Handreichung thun. Einer 
kann nicht Alles wiſſen, denn unſer Aller Wiſſen 
iſt Stückwerk. In Bezug auf dieſe genealogiſchen 


Tafeln kann Herr Cohn ja auch das Wort an- 


wenden, welches Joſ. Mader in feinen Kritiſchen 
Beiträgen zur Münzkunde Bd. 4. S. 121 aus⸗ 
ſpricht: „Der Stoff iſt zu reich — wenigſtens 
für mich — um ihn zu erſchöpfen! wer kann 
Alles leſen? Alles anmerken? oder auf Alles, 
was er geleſen hat, ſich beſinnen? — und wer 
kann vollends Alles prüfen?“ | 

Ich gebe nun im Folgenden, was ich mir 
beim Gebrauch der Cohn'ſchen Tafeln, wenigſtens 
denen von Nr. 51—152, notirt habe, und be- 
merke ausdrücklich, daß ich nicht lauter Berich- 
tigungen biete, ſondern hier und da nur auf 
Widerſprüche verweiſe, die meine Wenigkeit nicht 
zu löſen vermag, deren Aufklärung aber Herr“ 
Cohn und Andere ch werden angelegen ſein laſſen. 


1) Tfl. 51. Pfalz-Simmern. Als Todestag 
der Dorothee, geb. 6. Januar 1581, To. v. 
Joh. Caſimir, ſteht hier 8. Sept. 1631; da⸗ 
gegen zeigt Tfl. 152 den 18. Sept. Die 
letztere Angabe iſt die richtige, denn nach der 
Inſchrift an ihrem Sarge in der Gruft der 
Schloß⸗ u. St. Marien⸗Kirche zu Deſſau lebte 
ſie 50 Jahr 8 Mon. 12 Tage. Dieſe genaue 
Altersangabe verbietet uns die Annahme, der 
8. Sept. ſei nach altem Stil gerechnet; gälte 
beim Todestag der alte Stil, müßten wir ja 
ihren Geburtstag auf den 26. Dec. 1580 ſetzen. 

2) Til. 54. Pfalz⸗Zweibrücken. Sabine, To. 
des Pfalzgrafen Otto Heinrich, wird als 1661 
geſtorben aufgeführt. 

Dagegen bemerke ich, daß ſie in den mir 
vorliegenden ſchriftlichen Akten über die tugend— 
liche Geſellſchaft als „vor 1650 geſtorben“ er⸗ 
wähnt wird. Entſcheiden kann ich nicht. 

3) Tfl. 55. Pfalz- Birkenfeld. Dorothee 
Katharine, To. v. Chriſtian I., F 7. Dee. 


1710; aber nach Tfl. 130 bei Joh. Ludwig 
+ 7. Dec. 1715. f 

4) Tfl. 55. — Alexander Berthier, Schwieger⸗ 
ſohn Wilh., Hzgs. in Bayern, wurde erſt 1809 
Herzog von Wagram, nicht ſchon 1807. 

NB. Iſt der dem Hzg. Maximilian am 8. 
1845 todtgeborene Sohn abſichtlich ausgelaſſen? 

5) Tfl. 62 u. 63. Sachſen. Die Anm., daß 
nach Hoffmeiſter der Vermählungstag Herzog 
Wilhelms der 23. Mai, nicht der auf beiden 
Tafeln notirte 25. Mai 1625, ſei, iſt richtig. 
Die Trauung war am 23. Mai Abends 10 
Uhr, ef. Tenzel, Saxon. num. III. S. 561, 
ib. Tfl. 47, Nr. 6 u. 7. S. 639. 

60) — — Sachſen. Als Todestag 
der 2. Gem. des Herzogs Joh. Ernſt v. Ei⸗ 
ſenach ſteht hier 19. Aug., Tfl. 117 aber 
18119. Aug. 1658. Ich fand — ich weiß nicht 
mehr, wo? — den 19. Juni. Was iſt richtig? 

7) Tfl. 67. Sachſen. Als Geburtstag von Hzg. 
Joſeph ſteht hier 26. (Aug. 1789), dagegen 
Tfl. 96 bei ſeiner Gem. Amalie 27. Aug. 
Oertel hat an beiden Stellen 27. Aug. 

8) Til. 68. Sachſen. Des Hzgs. Ernſt J. Gem., 


Dec. 


arie v. Württemberg, iſt wohl nicht im Dec. 
ſondern im Sept. geb., ef. Tfl. 97. Klüber im 


geneal. Staats⸗Handbuch und Oertel haben an 
beiden Stellen Sept. In der Anm. zu Tfl. 68 
iſt der Irrthum unberückſichtigt geblieben. 
Sollte aber Dec. richtig ſein, jo möchte Tl. 
97 a. a. O. berichtigt werden. 

9) Tfl. 77. Brandenburg. Die jüngſte Tochter 
des Kurfürſten Joachim Friedrich, Marie Ele- 
onore, verm. ſich nicht 1651, ſondern 1631; 
Die letztere Angabe ſteht richtig Tfl. 51 bei 
Ludwig Philipp. Die Abweichung 8. u. 18. 
Fbr. bei Angabe ihres Todestages beruht wohl 
nur in der verſchiedenen Stil-Rechnung. 

10) Tfl. 86. Braunſchweig. Als Monat des 
Todes der Eliſabeth, To. des Herzogs Julius, 
ſteht hier Oct. (1618), Tfl. 87 aber bei ihrem 
Gem. Hzg. Chriſtoph (24.) Nov. — Daſelbſt 
iſt auch ein von mir nicht zu löſender Wider⸗ 
ſpruch in Bezug auf den Tod Hzg. Chriſtoph's; 
nach Tfl. 86 iſt er am 7. Juli, nach Tfl. 87 
am 12. März (1606) geſtorben. 

11) Tfl. 86. Bei Hedwig, der jüngſten 1580 
geb. Do. des Herzogs Julius, ſteht als Todes⸗ 
jahr 1641; Tfl. 87 aber finden wir bei ihrem 
Gem. Otto III. die Angabe: 11. März 1657. 


Die (wahrſcheinlich irrige) Angabe v. 1641 
ſtammt wohl aus Hübner, cf. Tfl. 188 u. 187. 
Auf die unbedeutende Abweichung bei Angabe 
des Vermählungstages von Hedwig und Otto 
III., 15. u. 14. Apr. 1621, will ich kein Ge⸗ 
wicht legen. (Fortſetzung folgt.) 


Zur Statiſtik der Wappenbildet. 


Der Mangel eines genügenden (wiſſenſchaftlichen) 
heraldiſchen Syſtems als Grundlage zur Aufſtellung von 
Siegel- wie überhaupt von Wappenſammlungen bewog 
mich, ein ſolches auszuarbeiten und zuſammenzuſtellen.“ 
Um nun bei dieſer Gelegenheit auch angeben zu können, 


wie viel Platz die verſchiedenen Categorien des Syſtems 


unter ſich verhältnißmäßig beanſpruchen, unternahm ich 
es, aus einer Sammlung von über 7000 Stück Wap⸗ 


pen jene Verhältnißzahlen herauszuſuchen. 


Iſt auch dieſe Anzahl keine ſo große, daß man das 
erlangte Reſultat als ein ſolches betrachten könnte, wel- 
ches mit mathematiſcher Richtigkeit auf die geſammten 
bekannten Wappen anzuwenden wäre, ſo iſt ſie doch im» 
merhin groß genug, um aus dem gefundenen Ergebniß 
ein annähernd richtiges Zahlenverhältnß des Vorkommens 
der verſchiedenen Wappenfiguren abnehmen zu können. 
Da man weiß, wie ſolche gegenfeitige Verhältniſſe faſt 
immer ihren conftanten Werth behalten, (z. B. die 
Buchſtaben im Buchdruckerfach, wie überhaupt ſtatiſtiſche 
Zuſammenſtellungen) ſo glaubte ich auch hier auf die 
Richtigkeit dieſer Erfahrung bauen zu können. Eine 
Probe, die ich machte indem ich eine zweite Spezial— 


ſammlung von 700 Stück ebenfalls durchzählte, ergab, 


daß meine Vorausſetzung mich nicht getäuſcht hatte, 
und daß die Verhältniſſe unter ſich ziemlich dieſelben 
blieben. — 

Mir iſt bis jetzt eine ſolche Auf- und Auszählung 
nicht bekannt geworden; ich erlaube mir deshalb, in 
Nachſtehendem meine Ergebniſſe zu veröffentlichen, um 
dadurch auf ein neues Feld ſphragiſtiſcher Studien hin⸗ 
zuweiſen. 

Vorausſchicken muß ich, daß ich faſt nur deutſche 
Wappen in meiner Sammlung habe, und daß ſich das 
Verhältniß in jedem Lande anders herausſtellen würde. 
Bei uns ſind Löwen und Adler die am häufigſten wie⸗ 
derkehrenden Wappenbilder; bei den Polen würden die 
Waffen (Pfeile, Säbel), bei den Engländern die Kreuze 
überwiegen; je nach den auch in den Wappen ſich aus⸗ 
ſprechenden Eigenthümlichkeiten der betr. Länder.“) 

Das Prinzip, nach welchem ich die Felder und Fi- 
uren beſtimmte, kann ich hier allerdings nicht näher 
*) Daſſelbe wird in den nächſten Wochen in der Buchhand— 
lung von Lehmann u. Liebel zu Dresden erſcheinen unter dem Titel: 
„Neues heraldiſches Syſtem vom Frhru. v. Biedermann.“ 

*) So findet man gewiſſe heraldiſche Figuren oft in einem be⸗ 


ſtimmten Diftriet außerordentlich zahlreich, während fie in anderen 


Theilen deſſelben Landes gar nicht oder doch nur ſporadiſch erſcheinen; 
z. B. der Turnierkragen bei den Rheiniſchen Geſchlechtern (vgl. v. 
Ledebur Archiv Heft I. 1863 S. 1 ff.) die Schachfelder und Greife 
in Pommern'ſchen Wappen. 5 8 a 


erläutern, und verweiſe deshalb auf die oben erwähnte 
Schrift. 
Ich fand folgende Verhältniſſe: 
Leere Felder 45 (incl. 2 mit Pelzwerk.) 
6 5 mit Einfaſſung 1. 
Geſpaltene Schilde 70 incl. 10 mit krummen Linien. 


Getheilte %ͤ&; ß 10 47 5 5 

Durchſchnittene, „ 5 5 

Geviertete 34 

Combinirte Schnitte 50 

Pfähle 41 

Balken ö 228 incl. 39 mit krummen Linien. 

Schrägbalken / 'a Se 4 5 
Sr ee an l 

Freiviertel 3 

Sparren 63 

Spitzen 58 

Rauten 64 

Schindeln u. Schildlein 28 

Gitter 10 

Eiſenhüte 9 

Kugeln 58 

Ringe 34 

Kreuze 112 

Sterne 289 

Monde 89 

Sonnen 26 


Kometen, Regenbogen, Blitze, Flammen 16 
Berge 49 


Blätter, Klee⸗, 58 

„ dive 36 
Zweige 37 incl. 6 Kränze. 
Blumen 464 


(Lilien: 167; Roſen: 241; diverſe: 56.) 
Aeſte (Baumſtämme) 49. incl. 3 Brände. 
89. 


Früchte 
Bäume i 123. 
Ganze Menſchen 302 


Menſchliche Theile 158, (darunter 110 Arme.) 

Engel und Heilige 31. 

Ganze u. halbe Thiere 511, darunter 47 Hunde, 45 
Pferde, 123 Raubthiere, 28 Stiere, 
38 Widder, 65 Böcke, 101 Hirſche, 
5 ausländiſche. 

Löwen 643, darunter 68 halbirte. 

Thierköpfe 157, darunter 32 Löwenköpfe. 

Theile von Vierfüßlern 99. i 

Ganze Vögel, diverſe, 311; darunter 11 Sittige, 15 
Sträuße, 41 Schwäne, 7 Pfauen, 
29 Hähne, 27 Tauben, 27 Raben, 
10 Falken, 44 Störche und Reiher, 
17 Uhus. 


Adler 393. (281 ganze, 112 halbe.) 
Vögeltheile 133. (Krallen, Flügel 95; Köpfe 


38, darunter 35 Adlerköpfe.) 
1 


Fiſche IR 
Kleines Gethier 64, incl. 20 Muſcheln, 20 


Schlangen. 
Chimären 308; incl. 108 Doppeladler. 
Gebäude 


220; darunter 19 Schiffe. 


31 


| 


Hausgeräthe 123. 
Kleidungsſtücke 81. 
Spiele und Inſtrumente 73. 


Arbeitsgeräthe 295. 
Waffen 202. 
Attribute 53. 
Schmuckſachen 79. 
Buchſtaben 35. 
Marken 10 


Hieran würde ſich die nicht unintereſſante Arbeit 
knüpfen, daß man, ſo weit dies möglich iſt, die Zeit der 
Wappenverleihungen mit den Wappenfiguren in Be— 
ziehung brächte, um daraus zu finden, ob gewiſſe „Moden“ 
auch bei den Wappenbriefen ſtattfanden, und ob nicht 
zu der einen oder anderen Figur irgend welche äußere 
Veranlaſſung vorzüglich maßgebend wurde, wie z. B. 
unbeſtritten die Zeit der Kreuzzüge. Es würde ſich 
vielleicht dabei herausſtellen, warum einzelne Thiere faſt 


immer mit denſelben Attributen vorkommen, z. B. der 


Kranich mit dem Stein, der Strauß mit dem Hufeiſen, 
Sittiche mit Halsbäudern, Raben mit Ringen, u. orgl. 
Wurden dieſe Beigaben nur gegeben, um die ſonſt un— 
förmlich gezeichneten Thiere dadurch leichter kenntlich zu 
machen, oder hatten fie eine tiefere, reſp. hiſtoriſche Be— 
deutung”) a 5 
Zur Löſung ſolcher und ähnlicher Fragen würde die 
hier angeregte Arbeit viel beitragen; abgeſehen von dem 
hohen Intereſſe, welches ſie für die Geſchichte der Wappen 
haben würde. 
Blafewig. Detlev Freiherr von Biedermann. 
*) Der Kranich iſt das, beſonders bei neueren Wappenver- 
leihungen ſehr beliebte, Symbol der Wachſamkeit; man ſagt, daß 
dieſer Vogel, wenn er Wache hält, um munter zu bleiben, auf einem 
Beine ſteht, und mit der anderen Kralle einen Stein emporhält. Der 
Strauß frißt der Sage nach gern Eiſen, und wird daher ſtets (3. 
B. ſchon 1297 auf dem Siegel Arnolds Struz und auf alten 
Darſtellungen des von Haydeck'ſchen Helmſchmucks) mit einem Huf⸗ 
eiſen im Schnabel abgebildet. Der Ring im Schnabel des Raben 
bezieht ſich wohl jedenfalls auf das bekannte diebiſche Gelüſt dieſes 
Vogels nach glänzenden Dingen und Geſchmeiden. Er kommt in⸗ 
deſſen auch ohne das genannte Attribut vor. Das Halsband des 
Sittichs ſoll vielleicht darauf hinweiſen, daß dieſes Thier im Abend⸗ 
lande nicht in der Freiheit, ſondern nur in der Gefangenſchaft, im 
Käfig u. an der Kette, vorkommt. So erſcheinen auch Affen u. 
Meerkatzen mit Leibgurt und Kette. Anm. d. Red. 


Anfrage III. 

Für geneigte Auskunft über folgende Familien, deren 
Wappen im Preuß. Wappenbuch von Köhne (Tyroff) 
verzeichnet find, uber deren Nobilitirungs- oder Anerken— 
nungs-Diplome aber Nichts bekannt iſt, würde der Fra— 
geſteller, Lieut. M. Gritzner, Berlin Victoriaſtr. 11., ſehr 
dankbar ſein. i 

1) v. Baner. (Preuß. Wappenbuch II., 77.) Preuß. 
Adelſtand vom Jahre 1761; Datum? 

2) Becker, auch Becker-Gotkowski. (Pr. Wb. II., 
77.) wer und wann nobilitirt? wohl vor 1741! 

3) Bonin von Möllendorf. (Pr. Wb. II., 86.) 
Wer war der Diplom-Empfänger? Datum des Diploms? 

4) Bord. (Pr. Wb. II., 86.) Pr. Ad. d. d. 20. 9. 
1794. für wen? 

5) Crayen. (Pr. Wb. II., 100; dieſe Linie +.) 


Reichsadelſtand dd. 11. 1. 
kennung? 

6) Droſte. (Pr. Wb. III., 9.) 
bilitirt reſp. anerkannt? Aus dieſer Familie ſtammen, 
wie es ſcheint, auch die von Droſte-Knobloch mit 
geſpaltenem Wappenſchilde, vorn der Fiſch, hinten von 
Knobloch, (3 Kannen 2 Helme: 1) Droſte (Flug,) 2) 
. 1 und Fahnen.) ex sig. — Much über 

Nobilitirung dieſer Linie iſt Nichts bekannt. 

7) Krockow. (Pr. Wb. III. 74.) Otto Adolph auf 
Guhren (Steinau) in Schleſien nob. Wann? 

Krüger. (Pr. Wi HI. ohn In 
ſchon 1763 mit adl. Prädicat angeſeſſen. 
wann nob.? 

a Kunowski. (Pr. Wb. III., 77.) Pr. 
18. Für Otto Friedrich Wilhelm 
im Kalbe Inf.-Agt (nach Ledebur Archiv J. 
der Nobilitirung? 

10) Kurnatows ki. (WeLodzia, Pr. Wb. HL, 77.) 
Wann 0 wer anerkannt und nobilitirt 

11) Langermaun. (Pr. Wb. III., 79.) Reichs- A. 
d. d. 15. 4.1643. Wann von Kurbrand . anerkannt? 

12) Montmollin. (Pr. Wb. ) Pr. 270 
Anerkennung für 9 „Herren v. M. 1 NS 1 
9 I., 321.) Datum und Jahr? 

3) Pfeiffer (v. „ (Pr. Wb. IV, 
R. A. 11 Prädicat „v. P.“ d. 1719; 
erfannt in Preußen 0 

14) Rentzel. (Pr. Wb. IV., 31) 
in Preußen anerkannt? 

15) Splitger ber, (Pr. Wb. IV., 
meiſter des Prinzen Ferdinand v. 
in Pr. nobilirt. Jahr? Datum? 


1788; wann Preuß. Aner 


Pommern 
Wer und 


Ad. d. d. 


K. Lieut. 
311.) Jahr 


19.) 
An⸗ 


Wann und wer 


65 9 5 
Preußen, 


Der Jäger⸗ 
David 


I 
ee 
eo 


Anfrage IV. 


1) Was bedeutet das Wort theuorutum, durch welches 
im W. des Fſtth. Rügen der Mauer rgiebel bezeichnet 
wird? (Koſegarten Pomm. Geſch. I., p. 350 — 351: 
„Leo Ener theuorutum.“) Das Wort kann, nach Prüf: 
ung der Originalhandſchrift, auch thenorutum geleſen 
werden. Rutum kommt wohl von ruere. 

2) Auf einer Münze findet ſich ‚ein Wappen: 
kreuzte Schlüſſel, darüber eine Lilie. 
3 erhalten: „IV — GIIE 

W. iſt dies? 

3) Wachsſiegel; Biſchof mit Krummſtab. 
(Minuskeln) „sigilum ulrici stett . 57 
Herzog Ulrich von Pommern als 
ſolches Siegel geführt? 

4) Wappen auf einer viereckigen Silbermünze: im 
ausgebogten Fchilde ein ſchräggegitterter Pfahl; darüber 
ein Fürſtenhut; daneben die Buchſtaben: V — 8 und 
die Zahl: 15 — 78. Ringsherum ein Perlenkreis: 
außerhalb deſſelben, ſchräg links über der Krone, eine 
dem Meklenburgiſchen Stierkopf ähnliche Figur. Wem 
gehörte dies Wappen? 

Gr. . 


ge: 
Von der Umſchrift 
„ SL .“ Weſſen 


Umſchrift: 
Hat etwa 
Biſchof v. Camin ein 


. 


Schnellpreſſendruck von A. K 


Wer und wann no⸗ 


f 
a 
| 


Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. 


Anzeigen. 

Bebufs einer literar. Arbeit werden Siegel (oder Abgüſſe davon) 
nachſtel hender Grafen und Gräfinnen von Holſtein⸗Schaumburg e 
wünſcht; leihweiſe Ueberlaſſung derſelben auf einige Wochen würd 
genügen; auch können Tauſchobjecte dafür a werden. 

Albrecht, 1265, Hamb Domprobſt. Heylwig, Gemahlin Otto's 

Pfeil v. Brandenburg. Agnes, Gem. Waldemar's v Roſtock. 
1 5 geb. 1253, Dompr. z. Hamb. Albrecht, 1272. Mechtild. 
127 Bruno, 1281. Otto, 1290. N., Gem. Niclot's Gr. v. 
Wittenburg, F 1318. Katharina, 1296 Gem. Hz. Otto's v. Stettin. 
Agnes, 1313, Gem. Hz. Erich's v. Schleswig. N. 1341, Gem. 
Nicolaus Hrn. v. Wenden. N., 1341, Gem. Bernhard's Hrn. v. 
Wenden. Gerhard Biſch. zu Minden, + 1366. Simon, + 1361. 
Bernhard, Hamb. Domprobſt, F 1416—19. Eliſabeth, Aebtiſſin zu 
Elten, um 1370. Heinrich, Biſch. v. Osnabrück 1402—1404, 5 
1421. Sophia, Gem. Hz. Bogislaw's v. Pommern. Elifabeth, 
Gem. 1) Albrecht s III. v. Mecklenburg, 2) Erich's v. Sachſen⸗ 
Lauenburg. Otio II., geb. 1400, 7 1464. Ingeborg, Aebtiſſin des 
Kl. Waſtena. Heilwig, Gem. 1) 1416 Balthaſar's Fſtn. v. Wen⸗ 
den, 2) Diedrichs Gr zu Oldenb. Erich 11. 14201492. Hein⸗ 
rich V., Bild. v. Minden, 7 1508 Antonius J., + 1526. Jo⸗ 
hann IV., geb. c. 1450, + 1527. Bernhard Il. + vor 1464. Anna, 
Gem. Gr. Bernhards b. d. Lippe. Chriſtian I., ſeit 1448 Kön. 
v. Dänemark. Otto IV. B. v. Hildesheim 1531 37. Adolf X. 
Erzb. v. Köln, + 1556. Johann II. (in Bückeburg 1533) + 1560. 
Antonius II., Erzb. v. Köln, F 1558. Heinrich VI 1529. 
Wilhelm II. Pr. in Hildesheim, + 1580. Jobſt II., 11581. Adolf 
ʒrk Hermann 1, B. v. Minden, 11 1592. Anton III., 
B. v. Minden, + 1599. ‚Marin, Gem. Zobit's v. Limburg⸗ Styrum, 
+ 1616. Heinrich VII, + 1593. Georg Hermann, 15811616. 
Hermann II., 1581—1634. 

Auch Nachrichten darüber, wo dieſe Siegel etwa zu finden, 
werden dankbarſt entgegen genommen Gütige N kachweiſe wolle man 
der Red. d. Bl. geneigteſt einſenden. | 


mit d 


,, 
f . . 


Für Wappen Sammler und Zeichner. 
Wappen⸗Conturen in vorſtehender Form ſind durch die Red. d. 
Bl. zu beziehen. Preis à Buch (384 Conturen) 1 Thlr. 


| Inhaltsverzeichniß. f 

Amtl. Nachricht. — Vereinsbericht. — Die Wappen und 

Siegel der Stadt Nürnberg. — Berichtigungen zu Cohn's 

Stammtafeln. — Zur Statiſtik der Wappenbilder. An⸗ 
fragen. — Anzeigen. 5 


Hilde rundt zu Mieſte, Regierungs⸗Bezirk Magdeburg. 
Teller in Gardelegen. 3 
Hierzu eine Beilage. 


Beilage zu? ar des „Deulſchen Herold. 


der Mitglieder des „Herold.“ 


Verein für Siegel⸗ und Wappenkunde zu Berlin. 


A. Vorſtand: 


Vorſitzender: Baron H. von Linſtow, Haupt⸗ Schatzmeiſter: F. Warnecke, Geheimer expediren⸗ 
mann z. D., Bendler⸗Str. 23. der Sekretair, Steglitzer⸗Str. 58. 
Schriftführer: Dr. C. Brecht, Geheimer Regi⸗ 
ſtrator, Moritz⸗Str. 9. 


B. Ehren: litglieder: 


3) Se. Durchlaucht der Fürſt Friedrich Karl zu 3) Freiherr von Ledebur, Hauptmann a. D. und 
Hohenlohe-Waldenburg auf Kupferzell im Direktor der Königlichen Kunſtkammer in 
„Königreiche Württemberg. Berlin, Belle-Alliance⸗Str. 5. 

2) Se. Excellenz der Staats-Minifter und Mi- 4) Maſch, C., Archiv⸗Rath und Paſtor in Demern. 
niſter für die landwirthſchaftlichen Angele- 5) Dr. Carl Ritter von Mayerfels in München. 
genheiten von Selchow in Berlin, Schügen- 6) von Mülverſtedt, G. A., Archiv⸗Rath in 
Str. 26. Magdeburg. 


C. Wirkliche und correſpondirende Milglieder: 


1) von Ahlefeldt⸗Dehn, L., Baron in Weimar. 15) Dornbuſch, J. B., Kaplan zu Schloß Frens, 
2) Bartholomäus, Fr., Buchhändler in Erfurt. Station Horrens via Cöln. 
3) Birnböck, Th., Kai. Ruſſiſcher Hof⸗Graveur 16) Ebel, L., Gerichts-Acceſſiſt in Gießen. 


in München. 17) Eger, Dr. L., in Wien, Tabor:Str. 27. 
4) Bodemann, Ed., Rath in Hannover. 18) Dr. E. Edler v. Franzenshuld, in Wien, 
5) v. Bohlen, J 95 Freiherr, Erb⸗Kämmerer auf Hofburg. 

Bohlendorf und Streu, Inſel Rügen. 19) Galliſch, E, Rentier in Berlin, Leipziger⸗ 
6) Burſian, Dr., in Freiburg im Breisgau. Str. 122. 


7) Brecht, G., Bürgermeister in Quedlinburg. 20) von Görne, Lieutenant zur See. 

8) von Bülow, G., in Berlin, Puttkammer. 21) von Graß, Ober⸗ Forſtmeiſter in Wiesbaden. 
Str. 9. 22) Grenſer, A., in Wien, Waiſenhaus⸗Gaſſe 10. 

9) von Buttlar, R., auf Elberberg bei Fritzlar. 23) Gritzner, M., Lieutenant a. D. und Bi⸗ 


10) Clericus, L., Maler und Literat in Berlin, blioth ekar des Vereins, in Berlin, 
Simeon⸗Str. 11 Miktovig Str. 11. 


8 f 24) Grotefendt, H., Dr. phil. in Breslau. 

11) Culemann, F., Senator in Hannover. W ; 

12) Damcke, G., in Bernburg. Eu oe ee le e 

13) Dimmling, Wappenſtecher in Berlin, Jäger: 26) Heſekiel, Dr. phil., Hofrath in Berlin, Hal⸗ 
Str. 65. | le'ſche Str. 27. 

14) von Donop, H., Premier⸗Lieutenant im 3. 27) Hildebrandt, Ad. M., Archäolog in Mieſte 
Garde⸗Regiment zu Fuß und Flügel-Adju⸗ Reg.-Bez. Magdeburg, Redakteur des 
tant in Detmold. Vereins-Blattes. 


28) Himly, Regierungs⸗Aſſeſſor in Hannover. 

29) Hötzel, Edelſteinſchneider in Berlin, Gr. 
Friedrich⸗Str. 157. 

30) Kindler, Prem.⸗Lieutenant im Niederſchle⸗ 
ſiſchen Feld⸗Artillerie-Regiment Nr. 5 in 
Poſen. 

31) von König, Eliſe, Freiin, auf Warthauſen. 

32) Korn, F., Buchhändler in Nürnberg. 

33) v. Ledebur, H. Freiherr, Hauptmann und 
Compagnie⸗Chef im 4. Garderegiment zu 
Fuß in Spandau. 

34) Liſch, Dr. phil., Geheimer Archiv⸗Rath in 
Schwerin. 

35) Löffelholz von Kolberg, E. Freiherr, in 
Nürnberg, Pilatus⸗Haus. | 

36) von Löhneyſen, F. Freiherr, Geheimer Lega⸗ 
tionsrath und Kammerherr in Braunſchweig. 

37) Odebrecht, H., Rentier in Greifswald. 

38) von Oeynhauſen, J., Graf, Lieutenant im 2. 
Hanſeatiſchen Infanterie-Regiment Nr. 76 
in Hamburg. 

39) Printz von Buchau, H. Freiherr, Major z. 

D. in Dresden. 

40) von Prittwitz⸗Gaffron, H. Hauptmann a. D. 
auf Randow⸗Hof bei Oels. 

41) Pyl, Th. Dr. phil., Vorſtand des Geſchichts⸗ 
Vereins für Neuvorpommern und Rügen 

zu Greifswald. 

42) Ragotzky, B., Paſtor in Triglitz bei Pritzwalk. 

43) Rantzau, P., Studioſus in Berlin, Fried- 
richs⸗Gracht 49. 

44) von Redern, H., General⸗Major und Comman⸗ 
deur der 20. Savallerie-Brigade in Hannover. 

45) von Retberg, R. auf Wettbergen, in München. 

46) Rietſtap, J. B., Profeſſor im Haag. 

47) von Roſen, G., Regierungs⸗Rath in Werni⸗ 

gerode. 

48) von Saurma, Baron, Lieutenant im Garde⸗ 
Küraſſier⸗Regiment in Berlin, Alexandrinen⸗ 
Str. 128. 


49) von Schmidt, E., Ober⸗Poſt⸗Commiſſar in 
Frankfurt a. M. 


50) Schmidt, G. Dr. phil. und Kaplan zu Vet⸗ 


ſchau i. d. Niederlauſitz. 

51) Schröder, Geheimer Kanzlei-Inſpektor in 
Berlin, Nauenburger Str. 33. 

52) Schmitzberger, J., Kaiſ. Ruſſiſcher Hof⸗Stein⸗ 

ſchneider in München. 

53) Keck von Schwarzbach, Obrift - Lieutenant z. 
D. in Warmbrunn. 

54) von Seydlitz, Hauptmann a. D. in Berlin, 
Louiſen⸗Str. 


| 55) Seyler, G., Buchhändler in Würzburg (Sta⸗ 


hel'ſche Buchhdlg.) 

56) Siebigk, Kabinets⸗Rath in Deſſau. 

57) Starke, P., Senator und Rittergutsbeſitzer 
in Sorau. 

58) von Starkloff, Obriſt⸗Lieutenant a. D., in 
Cannſtadt. 

59) Steinmann, C. G., in Braunſchweig. 

60) von Strombeck, Kammerherr und Finanz⸗ 
Rath in Braunſchweig. 

61) von Uetterodt, L. Graf, auf Neu-Scharffen⸗ 
berg bei Eiſenach. 

62) Voigt, C., Wappenſtecher und academiſcher 
Künſtler in Berlin, Gr. Friedrich⸗Str. 138. 

63) v. Vorſt⸗Gudenau, Frhr., zu Ziadlowitz in 
Mähren. 

64) Wahl, Graveur in Berlin, Prinzen⸗Str. 9. 

65) von Werlhof, P., Baron Dr. phil. auf Ud⸗ 
vard bei Neuhäuſel in Ungarn. 

66) von zur Weſten, Stadtgerichts-Rath in Ber⸗ 
lin, Puttkammer⸗Str. 22. 

67) Winkler, Wappenmaler in Berlin, Oranien⸗ 
Str. 135. 

68) von Zeppelin, Graf, Kgl. Würtembergiſcher 
Kammerherr und Geh. Legationsſekretair in 
Stuttgart. 


Die Verſammlungen des Vereins finden am 
erſten Mittwoch jeden Monats, Abends 7 Uhr, 
Potsdamer ⸗Str. 20 im Café Jacobi ſtatt. 


Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


— 0 


Monatsſchrift für Heraldik, 2 Sy Sppragitik und Genealogie. 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Runde zu Berlin. 


Erſcheint monatl. einmal 1 —1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile. 


Ur. 5. SS, Berlin, im Juni 1870. S 1. Jahrgang. 


Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller— Nachdem noch der Druck der Geſchäfts-Ordnung 
gnädigſt geruht: Dem Grafen Alfred v. Hatzfeld beſchloſſen und Herr Dr. Brecht auf ſeinen Wunſch 
die erbliche Fürſtenwürde mit dem Prädicat „Durch- des Amts als Schriftführer des Vereins enthoben, ſowie 
laucht“ zu verleihen; (publ. 3. Juni;) die Neuwahl auf die nächſte Sitzung anberaumt und 

Die Beſitzer des Schickler'ſchen Bankhauſes zu Ber- bis dahin die Uebernahme der Geſchäfte ſeitens des Hrn. 
lin, Gebrüder George Henry David Arthur und Schagmeiſters angeordnet wurde, ward die Sitzung ges 
Fernand David George Schickler, ſowie deren ſchloſſen. 

Mutter, die Wittwe Davida Schickler geb. Schick- f 
ler zu Paris, in den Adels- und Freiherrnſtand zu 
erheben; (publ. 4. Juni.) 


Aleber die Einrichtung einer Adelsmatrikel, 


Auszug mit beſonderer Nerückſichtigung preußiſcher 
aus dem Protokoll der Sitzung des „Herold“ Verhältniſſe.) 
vom 1. Juni 1870. Ungeachtet aller ſeit Jahrzehnten gegen den Adel und deſſen 


A 5 5 3 Fortbeſtand gerichteten Declamationen, und wiewohl durch die 

Nach Vorleſung und Genehmigung des Protokolls he Geſeßgebung die ſtaatsrechtlichen Privilegien deſſelben 
der letzten Sitzung, Aufnahme eines neuen Mitglieds aufgehoben find, wird derſelbe doch niemals aufhören, im Be⸗ 
und Erledigung geſchäftlicher Angelegenheiten, theilte der | wußtſein des Volkes als ein bevorzugter Stand zu gelten, und 
wett „Bibliothekar des Vereins, unter Ueberreichung der man wird nicht umbin können, ihn als einen wichtigen Factor 
47. Lieferung des neuen Siebmacher ſchen Wappen⸗ im Staatsleben anzuerkennen. Trotz aller Gleichheits⸗Theorieen 
buchs für die Bibliothek, mit, daß dem Vereine nach- erblickt das Volk noch immer in der Ariſtocratie eben die ari- 


ſtehende Geſchenke zugegangen ſeien: Fe dee ihr 

08, h a 1 8 ; z. B. hervorragende Führer aller 

a. vom Fürſten zu Hohenlohe; 1 „Das Siegelrecht Parteien, ſelbſt ſolcher die gerade dem Adel jeden Vorzug ab- 
des Mittelalters, ſprechen, adeligen Standes find. Die Erhebung in den Adel— 


b. vom Hauptmann twee Saffron; 6 Denk ſtand wird jetzt mehr als je als hohes Zeichen königlicher Gnade, 
ſchrift über die Sachs von Löwen⸗ als werthvolle und bedeutende Standeserhöhung betrachtet, um 


1 heimb'ſche Familien⸗Stiftung,“ die ſich Viele mit Eifer bemühen. 
und durch Tauſch 55 15 5 Wenn nun der Adel als eine vom Staate anerkannte und 
der 16. Jahresbericht des Germaniſchen National— in deſſen Grundlagen eingewurzelte Einrichtung beſteht, jo er⸗ 
Muſeums in Nürnberg giebt ſich für den Staat, reſp. die dazu verordnete Behörde, 
erworben jet. 8 3 . die nothwendige Verpflichtung, die Verhältniſſe des Adels zu 
3 Hierauf verlas derſelbe einen von ihm verfaßten ordnen, eine gewiſſe Controlle über den jeweiligen Beſtand 
Aufſatz: deſſelben zu führen, darüber zu wachen, daß nicht einzelne Per⸗ 


Beitrag zu einer Statiſtik der Seitens der branden: \ ; ili ine hö 

4 Ö, . fonen oder ganze Familien ſich den Adel oder eine höhere Stufe 

burg⸗preußiſchen Regenten ſeit dem Jahre 1600 er⸗ deſſelben anmaßen, ohne nachweislich dazu berechtigt zu ſein. 
theilten Standeserhöhungen N. % f 5 al um 0 0 ch daz Hit zu f 

welcher Aufſatz demnächſt zum Abdruck im Deutſchen ) Unter Benutzung mehrerer uns aus dem Nachlaß eines 

Herold gebracht werden wird. unlängſt verſtorbenen Freundes der Adelskunde übergebener Papiere. 


34 


Hierzu iſt die Anlegung einer Adels-Matrikel (eines fy 
ſtematiſch aufgeſtellten, ſtets fortgeführten Verzeichniſſes, in welches 
jeder Unterthan, welcher in dem betr. Staate ſich des adeligen 
Prädicates bedienen und ſein Recht dazu anerkannt wiſſen will, 
ſich eintragen laſſen muß — ) unbedingt nöthig. Die Pflicht, 
ſolche Adelsmatrikel anzufertigen und auf dem Laufenden zu 
erhalten, liegt unbeſtreitbar dem Hexroldsamte ob. Freilich darf 
man die Schwierigkeiten nicht verkennen, die ſich dabei — wie 
faſt immer, wenn es gilt eine neue Einrichtung ins Leben zu 
rufen — finden werden; manches Vorurtheil bei dem Adel 
ſelbſt wird zu beſeitigen, manche laue Gleichgültigkeit zu be⸗ 
leben ſein; allein durch Ausdauer wird ſich bald Alles heben 
laſſen, ſobald nur Diejenigen, denen von Amts wegen die Pflicht 
gebührt, mit warmen Eifer und wirklichem Intereſſe ſich ernſt— 
lich bemühen, ein Werk zu ſchaffen, welches, abgeſehen von 
ſeinen ſtaatsrechtlichen und politiſchen Nutzen, (welchen zu er— 
örtern hier nicht der Ort iſt) in hiſtoriſcher Beziehung von 
außerordentlicher Wichtigkeit iſt. 

Wir haben zu erörtern: 

1) in welcher Art und Weiſe iſt die Adelsmatrikel zu— 
ſammenzuſtellen; 

2) auf welchem Wege wird der benöthigte Stoff zu einer 

ſolchen zu erlangen ſein? 

A. Es iſt die Anſicht ausgeſprochen worden, die Adels— 
matrikel ſolle ſich nur auf die im Gebiete des (Preußiſchen) 
Staates anſäſſigen Familien erſtrecken, da der Grundbe- 
ſitzende Adel die Grundlage des Adels überhaupt ſei und erſt 
die Begüterung einer Familie die wirkliche Heimath im Staate 
gebe. Dagegen iſt jedoch einzuwenden, daß auch wieder nur 
einzelne grundſäſſige Geſchlechter Prärogative bezüglich des 
Herrenhauſes und der Provinziallandtage beſitzen; daß Standes— 
eigenſchaften gegenwärtig vom Beſitz unabhängig ſind, wie die 
große Zahl bürgerlicher Rittergutsbeſitzer ergiebt; daß der Grund— 
beſitz ſo äußerſt häufig wechſelt, ja daß manche Familien, die 
unbeſtreitbar zu den beſten des Landes gehören, deſſelben gänzlich 
entbehren. Es ſcheint daher unumgänglich nothwendig, daß 
jeder im Unterthanenverbande ſtehende Adlige in 
die Matrikel aufgenommen werde; erſt dann kann dieſelbe als 
ein vollſtändig abgeſchloſſenes Werk betrachtet werden und nach 
den angedeuteten Richtungen hin von Nutzen ſein; ſie würde 
immer ein Stückwerk bleiben, wollte man einzelne Ka: 
tegorien von Adeligen ganz ausſchließen, oder überhaupt bez 
ſchränkende Grundſätze in Anwendung bringen. 

Da aber der Adel bekannter Maaßen in verſchiedene Rang- 
und Standesabſtufungen zerfällt, ſo wird man nicht umhin 
können, dieſelben bei Anlegung der Matrikel zu berückſichtigen, 
und letztere in verſchiedene Unterabtheilungen zu zerlegen, wobei 
der geſchichtliche Urſprung der betr. Familie als Kriterium zu 
betrachten ſein würde. Jedenfalls würde eine Gliederung 
zwiſchen Uradel und neuem Adel ſtattfinden müſſen. Man 
könnte etwa ſo claſſifieiren: 

A. Eingeborene (ſeit mindeſtens 300 Jahren innerhalb 
der heutigen Staatsgrenzen auftretende) Familien. 

J. Uradel; (notoriſch alte, vor dem Jahre 1400 als 
adelig urkundlich vorkommende Gefchlechter.) 

II. Patrieier; (ſeit 1400 oder früher urkundl. be⸗ 
kannte Stadtgeſchlechter, denen ſpäter eine Adelsaner⸗ 
kennung ertheilt worden iſt.) 

III. aden; Nobilitirungen der römiſch⸗ deutſchen 

aiſer. 


IV. Briefadel; vom Landesherrn, reſp. von den früh— 
eren Regenten jetzt einverleibter Provinzen, geadelte 
Familien. 

V. Verjährungsadel; Familien, die nicht zum Ur⸗ 
adel gehören, aber für ihren Adel keinen anderen Be— 
weis beibringen können, als daß ſie ſich deſſelben ſeit 
einem gewiſſen Zeitraum — etwa ſeit 50 Jahren — 
unangefochten bedient haben. 

B. Eingewanderte Familien. 

Dieſelben Abtheilungen. 
Bei jeder Abtheilung sub A. und B. find ferner 
trennen: 
a) begüterte, 
b) unbegüterte 
Geſchlechter; bei a) wäre vielleicht noch zu unterſcheiden: 
1) mit erblicher Viril- oder Colleetivſtimme im 
Herrenhauſe, 
2) ohne dieſelbe. 

Weniger paſſend als das hiſtoriſche Syſtem, ſcheint die 
Ordnung nach Rangſtufen, da letztere zum größten Theil neuen 
Urſprungs ſind und einer Familie bei weitem nicht den Vorzug 
geben können, den das Alter gewährt. Ein einfacher Edelmann, 
der ſeine Vorfahren bis ao. 1200 nachweiſen kann, ſteht un- 
bedingt im Range höher, als ein Graf, deſſen Afcendenten erft 
im vorigen Jahrhundert den Adel erwarben. 

Uns wenigſtens ſcheint die Eintheilung: 

J. Jure 

1) Reichs⸗ 4 
12) 1 75 Fürſten 

II. Grafen; (incl. marquis, vicomtes.) 

III. Freiherrn; 

IV. Edelleute; 
mit Unterabtheilungen: 

a) begütert, 

b) unbegütert — 
für eine Matrikel, ſofort fie wiſſenſchaftlich- hiſtoriſchen Werth 
haben ſoll, nicht geeignet. Immerhin könnten jedoch die Standes— 
erhöhungen durch fernere Unterabtheilungen zum Ausdruck 
kommen; das Schema wird dann, freilich etwas complieirt, 
folgendes ſein: 


A. Eingeborene Familien; 
Uradel; 
1) Fürſten; 
a) Reichsfürſten; 
1) begüterte; 
2) unbegüterte ; 
b) Titularfürſten; 
11 2 
2) Grafen; 


a) vormals reichsunmittelbare; fe 


b) Titulargrafen; ie 


RW. u. , w. 

Auch möchte es wünſchenswerth oder vielmehr nothwendig 
ſein, daß wenigſtens den Dynaſten eine beſondere Rubrik ge⸗ 
geben würde. 

Eine Sonderung der Familien nach den Provinzen, denen 
ſie gegenwärtig durch ihren Beſitz oder ihre Stellung angehören, 


L oder nach den Landestheilen, in denen ihr Urſprung wurzelt, 


35 


wird ſchwer ausführbar ſein. Einerſeits ſind viele Fami⸗ 
lien ohne Grundbeſitz, daher ohne feſte Heimath, und ihre Mit⸗ 
glieder werden, wenn ſie bedienſtet ſind, aus einer Provinz in 
die andere verſetzt; andererſeits überwiegt der neuere Adel an 
Zahl faſt ſchon den alten; bei erſterem wird es in den meiſten 
Fällen unmöglich ſein, ihn einem beſtimmten Landestheil zuzu— 
weiſen — bei dem anderen iſt auch im Laufe der Jahrhun⸗ 
derte die hiſtoriſche Zugehörigkeit zu dieſem oder jenem Diftrict 
durch Ueberſiedelung oder Verzweigung nach anderen Gegenden 
derartig verwiſcht, daß es ſchwer oder ganz unmöglich iſt, dieſes 
oder jenes Geſchlecht als aus einer beſtimmten Landſchaft ent⸗ 
ſproſſen zu bezeichnen. Damit ſoll jedoch nicht ausgeſchloſſen 
ſein, daß in der Matrikel ſoviel als möglich bei jeder Familie 
vermerkt werde, woher ſie (beſtimmt oder muthmaßlich) ſtamme, 
und in welcher Provinz ihre Mitglieder ſich gegenwärtig auf— 
alten. — 

f In Betracht der großen Bedeutung des grundſäſſigen 
Adels, iſt von beachtenswerther Seite der Vorſchlag gemacht 
worden, die Matrikel in zwei Haupttheile zu zerlegen, eine 
Perſonal- und eine Real-Matrikel. Erſtere würde in der be— 
reits beſprochenen Weiſe alle Familien des Landes enthalten, 
letztere würde dagegen ein nach den Provinzen geordnetes Ver— 
zeichniß aller in der Händen des Adels befindlichen Güter ſein, 
welche letztere nach ihrer Eigenſchaft als Fürſtenthum, Graf— 
ſchaft, Baronie, Herrſchaft u. |. w. zu bezeichnen wären. Gleich— 
zeitig muß natürlich die beſitzende Familie unter Hinweiſung 
auf ihre bezügliche Nr. in der Perſonalmatrikel namhaft gemacht 
werden; auch dürfte zu bemerken ſein, ob die qu. Beſitzung 
Allodium, Lehn oder Fideicommiß iſt, ſowie ob ſich irgend welche 
politiſche Rechte an dieſelbe knüpfen. Dagegen würde es zu 
weit führen, wollte man auch über das Areal, den jährlichen 
Ertrag, die Succeſſionsordnung u. drgl. Nachweiſe geben. 

Sit die (Perſonal-) Matrikel nach dem oben mitgetheilten 
Schema eingerichtet, ſo ſind unter jeder Rubrik die dahin ge⸗ 
hörenden Familien in alphabetiſcher Reihenfolge aufzuführen. 
Dabei iſt anzugeben: 

1) Geſchlechtsname; 

2) Angabe des hiſtor. Urſprungs, reſp. der Data etwaiger 
Nobilitirungs-, Anerkennungs⸗ oder Standeserhöhungs⸗ 
Diplome; 

3) Genaue Blaſonirung des Wappen's mit Angabe der 
ſtattgehabten Vermehrungen deſſelben; 

4) Vorname der ſelbſtändigen männlichen Familienmitglieder; 

5) Deren Stand, Wohnorte, Beſitzungen; vielleicht auch ihre 
Geburtstage, perſönliche Auszeichnungen ꝛc. 

Die Nachweiſe ad 4) und 5) können natürlich nur dann 
gegeben werden, wenn die Matrikel nicht blos ein Verzeichniß der 
verſchiedenen Geſchlechter, ſondern überhaupt aller adeligen 
Unterthanen iſt. Vorläufig würde ſchon eine bloſe officielle 
Familienmatrikel ein großer Gewinn ſein. i 

Ein Geſchlecht iſt zu löſchen, ſobald es, oder die im Staate 
domieilirende Linie, ausſtirbt; wenn feine im Unterthanenver— 
bande befindlichen Mitglieder auswandern, oder wenn ſie des 
Adels verluſtig gehen. 

IB. Eine unbedingte Verpflichtung der Unterthanen, der Staats⸗ 
regierung auf deren Verlangen über ihre Standesverhältniſſe 
und über ihre Berechtigung, das Adelsprädicat zu führen, Aus⸗ 
kunft zu ertheilen, liegt geſetzlich nicht vor. Da jedoch ange 


ſtellte Ermittelungen, denen jeder amtliche Character abgeht, 
ſchwerlich zu einem günſtigen Reſultate führen würden, — ſchon 


deshalb, weil ſolche Recherchen nicht blos dem zweifelhaften 
Adel ſehr unwillkommen ſein, ſondern auch vielen alten Fa⸗ 
milien geradezu als beleidigend erſcheinen werden —, ſo wäre 
es nothwendig, ein Geſetz oder eine Verordnung zu geben, durch 
welche jede adelige Familie reſp. jedes Mitglied einer ſolchen 
verpflichtet wird, ſich in die Adelsmatrikel eintragen zu laſſen, 
und gleichzeitig dem Heroldsamte gegenüber den Beweis des Adels 
zu führen. Um dem Geſetze Nachdruck zu geben, muß in dem⸗ 
ſelben zugleich die Verwarnung ausgeſprochen werden, daß im 
Weigerungsfalle die Vermuthung des unredlichen Beſitzes Platz 
greifen und die Landesregierung ſich veranlaßt finden werde, dem 
Betreffenden den Gebrauch des Adels⸗Prädicats fo lange zu unter- 
ſagen, bis der geforderte Berechtigungsnachweis geliefert ſein 
wird. 

Ob der Erlaß eines ſolchen Geſetzes vom politiſchen 
Standpunkte aus zweckmäßig iſt, oder ob die Anlage der Ma⸗ 
trikel nur einen halbofficiellen Character zu tragen habe, bleibt 
höheren Erwägungen anheimgeſtellt. 

Jedenfalls muß zunächſt feſtgeſtellt werden, welche Organe 
im Lande vorhanden oder zu gewinnen ſind, um das Material 
zur Aufſtellung und ſpäteren Fortführung der Matrikel zu er⸗ 
langen; auch dürfte es unumgänglich ſein, den Staat in Be— 
zirke zu theilen, in deren jedem die erforderlichen Erhebungen 
ſtattzufinden haben. Dieſe Bezirke können entweder mit den 
adminiſtrativen Eintheilungen zuſammenfallen, oder nach hiſto⸗ 
riſchen Erwägungen begrenzt werden; alſo muß entweder in 
jeder Provinz, oder in jeder Landſchaft die Ermittelung vor- 
genommen werden. Erſteres möchte vom practiſchen Stand— 
punkte aus das Zweckmäßigſte ſein, wiewohl dagegen eingewendet 
werden kann, daß der Adel in den einzelnen Provinzen aus den 
heterogenſten Elementen zuſammengeſetzt iſt. Wollte man aber 
z. B. in Preußen eine Sonderung nach den ehemaligen Marken 
und Fürſtenthümern eintreten laſſen, ſo würden ſich da auch 
nicht geringe Schwierigkeiten erheben, weil der allgemeine Ge- 
ſchäftsgang einmal nach der modernen Eintheilung geregelt iſt. 

In jeder Provinz müſſen nun diejenigen Organe aufge— 
ſucht werden, welche man bei der Einrichtung der Provinzial⸗ 
matrikeln verwenden kann; als geeignete Anknüpfungspunkte 
bieten ſich z. B. der Johanniter⸗Orden, die Erbämter, Familien⸗ 
ſtifter u. dgl. Nur wenn die adeligen Elemente ſelbſt mit- 
wirken, kann man befriedigende Reſultate erwarten. Dies zu 
erreichen, würden Provinzial⸗Heroldskommiſſionen, für welche 
die Bezeichnung „Ritterbank“ in Vorſchlag gebracht iſt, einzu- 
richten ſein. Dieſelben beſtehen aus einem Vorſitzenden, etwa 
mit dem Titel „Adelsmarſchall,“ ſowie aus mindeſtens dreien, 
im Bezirk anſäſſigen, Edelleuten aus notoriſch alten Familien, 
von denen anzunehmen iſt, daß fie mit den Verhältn iſſen des 
umwohnenden Adels einigermaßen vertraut ſind. Denſelben ſind, 
um mögliche Irrthümer zu verhüten, den Arbeiten der 
Ritterbank eine wiſſenſchaftliche Form zu geben, und in zweifel- 
haften Fällen Rathſchläge zu ertheilen, Sachverſtändige beizugeben, 
die in Sachen der Genealogie und Heraldik als Autoritäten zu 
betrachten find. Auch müßten die Staatsarchivare der betr. 
Provinzen jedenfalls dazu herangezogen werden. 

Den Mitgliedern der Herolds-⸗Commiſſion, welche ihr Amt 
als Ehrenpoſten zu verwalten haben werden, liegt es nun ob, 
in der sub A. bezeichneten Weiſe eine Matrikel der in ihrem 
Bezirk domieilirenden adeligen Perſonen anzufertigen. Zu dem 
Ende wird zuvörderſt von ſämmtlichen Landrathsämtern und 
den Magiſtraten der größeren Städte ein Verzeichniß aller in 


36 


ihrem Geſchäftskreiſe ſich aufhaltenden Unterthanen, die ſich trikel zu beſorgen, von denen das Heroldsamt von Zeit zu, 


eines adeligen Prädicates bedienen, einzufordern ſein. Dieſe 
Perſonen müſſen alsdann von der Heroldscommiſſion aufge— 
fordert werden, ſich bei derſelben Behufs ihrer Immatriculation 
zu melden, und gleichzeitig — oder innerhalb eines feſtzu— 
ftellenden. Termins — einzureichen: 
a) einen Nachweis ihres 
Rechtes auf den Adel 
bez. einer höheren 
Stufe deſſelben, un⸗ 
ter Beifügung etwai⸗ 
ger Diplome; (ori- 
ginaliter oder ab⸗ 
ſchriftlich.) 
eine genaue Beſchrei— 
bung des vollſtändi⸗ 
gen Wappeus, erläus 
tert durch Beifügung 
zweier guter Abdrücke 
des Petſchafts und 
womöglich einer Zeich— 
nung; 
eventuell: Angaben 
über Stand, Begüte⸗ 
rung ꝛc. der einzelnen 
Perſonen. 
Der Commiſſion liegt 
es ob, die gelieferten Nach- 
weiſe zu prüfen und zu 
begutachten, auch bei noto— 
riſchem Adel die Qualität 
deſſelben als ſolchen nach 
beſtem Gewiſſen auf Ehre 
und Pflicht zu atteſtiren. 
Die Prüfung der hi⸗ 
ſtoriſchen Nachweiſe wird 
ganz beſonders Sache der 
gelehrten Beiſitzer des 
Collegiums ſein. Sobald 
dieſelbe beendigt iſt, wird 
die Bezirks- reſp. Provin⸗ 
zial-Adelsmatrikel nach 
dem oben gegebenen Sche— 
ma zuſammengeſtellt und 
abſchriftlich an das He— 
roldsamt eingeſandt, wel— 
ches nun ſeinerſeits aus 1 A 
dem vorgelegten Material E 
eine Generalmatrikel au: N 
fertigt und in etwaigen % D 
zweifelhaften Fällen eine a I 7 
Entſcheidung trifft. 
Die Provinzial-He⸗ 
rolds-Commiſſionen oder 
Ritterbänke bleiben per⸗ 
manent und treten in periodiſchen Zwiſchenräumen zuſammen, 
um von den inzwiſchen bei dem Adel ihres Bezirks vorge: 
fallenen Veränderungen im Perſonal- oder Beſitzſtande aus den 
von den betreffenden Familien einzuſendenden Mittheilungen 
Kenntniß zu nehmen, und die nöthigen Abänderungen der Ma- 


Zeit in Kenntniß geſetzt werden muß. 


Was die abzulegende Adelsprobe anbetrifft, ſo dürften die 


ehemals reichsunmittelbaren Geſchlechter von derſelben zu diſpen— 
ſiren fein; ebenſo die uradeligen Familien, ſofern nicht der Herolds— 
kommiſſion 


der Notorietät des alten Adels 
aufſteigen. Sobald es ſich 
bei letzteren aber um hö— 
here Rangſtufen handelt, 
iſt der Beweis der Bes 
rechtigung dazu durch Vor⸗ 
legung der Diplome zu 
zu führen; andernfalls 
müßte die Anerkennung 
des betr. Titels verweigert 
reſp. ſuspendirt werden. 
Man vergleiche hierzu: 
1) die Kgl. Bavriſche 
Declaration vom 19. 
März 1807. 
das Kgl. Bayriſche 
Ediet vom 28. Juli 
1808. 
die Kgl. Würtember— 
giſche Verordnung vom. 
11. Januar 1818. 
die Großherzogl. Ba— 
den'ſche Kabinets-Or— 
dre vom 23. November 
1808. 
die Großherzogl. Ba— 
den'ſche Verordnung 
vom 3. Juli 1815. 
Das Ediet sub 2 lautet 
im Auszuge wie folgt: ") 
„Wir Maximilian Joſeph, 
v. G. Gn. König von 
Baiern. — 
„Wir haben 
„ſchloſſen und verordnet 
„was folgt: 


Zweifel an 


5. Kapitel. 
„Matricel für ſämmtliche 
„Adeliche des Königreichs. 

„. 14. Sämmtliche 
Adeliche Unſeres König— 
„reiches, ſowohl die alten 
„Geſchlechter als auch die— 
„jenigen, welche erſt in 
„neueren Zeiten die Adels— 
„Titel erhalten haben, 
„ſollen in eine beſondere 

„Matricel eingetragen 
„werden. g 

„F. 15. Zu dem Ende find alle adeliche Familien ge 
„halten, innerhalb 6 Monaten nach der Publication des gegen⸗ 
„wärtigen Edicts, bei Unſerm Miniſterium der auswärtigen 


2 8 
E 
* N PN; 


*) Siehe: Kgl. Bayr. Regierungsblatt, 1808, S. 2032 ff. 


3 


7 


— — — 


„Angelegenheiten in beglaubten (sic) Abſchriften einzugeben: 


„a) ihre Adels⸗Titel und die Diplome oder ſonſtigen Ur— 
„kunden, durch welche derſelbe bewieſen wird; 

„b) ihre Familienwappen; 

„e) den Vor- und Zunamen aller Familien-Glieder, ihr 
„Alter, ihren gegenwärtigen Wohnort, mit einer An— 
„zeige der Stellen, die ſie bekleiden. 


„§. 16. Bei jeder adelichen Familie werden dieſe An— 
„gaben, nachdem ihre Beglaubigung unterſucht und richtig ge— 
„funden worden iſt, 
„in die Matricel ein 
„getragen. 


„§. 17. Ebenſo 
„werden in der näm— 
„lichen Matricel alle 
„Veränderungen vor— 


„gemerkt, die mit 
„einer Familie ſich 
„ergeben. 


„F. 18. Wer in dieſe 
„Matricel nicht ein— 
„getragen iſt, wird in 
„Unſerm Königreiche 
„in den öffentlichen 
„Acten nicht als ade— 
„lich erkannt. 


19 Die Ex⸗ 
„tracte aus dieſer 
„Matricel geben voll— 
„kommenen Beweis 


„für den Adelstitel. 


AU 
„F. 20. Die Ma⸗ 
„tricel wird unter der 
„Aufſicht Unſeres 
„Miniſteriums der 
„auswärtigen Ange— 
„legenheiten geführt. 


„„ 21. Die über 
„den Adel vorkom— 
„mende ſtreitige (Sic) 
„Fälle aber werden 
„bei den einſchlägigen 
„Avellations-Gerich⸗ 
„ten verhandelt und entſchieden. 


„F. 22. Sollte das gerichtliche Erkenntniß Verände⸗ 
„rungen in dem Adels-Titel zur Folge haben, ſo müſſen 
„dieſe dem genannten Miniſterium angezeigt werden, damit durch 
„dasſelbe die den Vorſchriften gemäßen Verfügungen veranlaßt 
„werden können.“ — 


Ob eine amtliche Veröffentlichung des geſammten Inhalts 
der Adelsmatrikel opportun iſt, ſei dahingeſtellt. Mindeſtens 
müßte aber ein Verzeichniß aller im Staate wohnhaften, zur 
Führung von Adelsprädicaten berechtigten Familien publieirt 


| 


werden. Vorgefallene neue Immatriculirungen und Löſchungen 
ſind gleichfalls durch das officielle Organ zur allgemeinen Kennt— 
niß zu bringen. 


Um den Inhalt der Matrikel für die Wiſſenſchaft nutzbar 
zu machen, muß Jedem, der ſich über ſeine Qualification dem 
Heroldsamte gegenüber hinreichend legitimirt, der Einblick in 
dieſelbe und die Entnahme von Auszügen geſtattet ſein. 


Die im Vorſtehenden gemachten Vorſchläge auch practiſch 
durchzuführen, dürfte vielleicht Manchem bedenklich erſcheinen. 
Ohne, wie ſchon geſagt, die zu überwindenden Schwierigkeiten ver— 
kennen zu wollen, 
ſind wir doch über⸗ 
zeugt, daß das an⸗ 
geregte Unternehmen 
ſehr wohl im Bereiche 
der Möglichkeit liegt, 
wofern nur die Po- 
ſten der in erſter 
Reihe zum Betriebe 
der Sache verpflich- 
teten Behörden mit 
friſchen tüchtigen 
Kräften beſetzt ſind, 
die, von Begeiſterung 
für Heraldik und Ge: 
nealogie erfüllt, voll 
regen Eifers die Hand 
an's Werk legen.“) 

Ad. M. H. 
) Was darf man 
freilich erwarten, wenn, 
wie dies vor einiger 
Zeit in einem befann- 
ten Staate geſchehen 
ſein ſoll, ein Mitglied 
des Heroldsamtes er- 
klärt: „Ich begreife 
nicht wie man ſich für 
eine ſo langweilige 
Sache, wie die Heraldik, 
intereſſiren kann!“ 


Pro memoria, 
eine angebliche „Wappen- und Schildſage“ 
der Grafen zu Schwarzburg betreffend. 


Es darf wohl als bekannt angenommen werden, 
daß man Wiege oder Urſprung des Schwarzburgiſchen 
Hauſes Theils in Rom, Theils beim Stamme Witte— 
kinds des Schwarzen, eines Vetters des bekannten Sach⸗ 
ſenhäuptlings, geſucht hat, der im J. 779 in der Schlacht 
bei Buchholz an der Lippe gefangen genommen, erſt nach 


Frankreich geführt, nach fünfjähriger Haft getauft und 
mit einem Theile des thüringer Waldes, 20 Meilen in 
der Länge, 10 in der Breite, von den Carolingern be— 
gabt worden ſei. Wittekind der Schwarze, ſo geht die 
Sage, habe dort eine Burg erbaut, die man die Schwar- 
burg benannt habe. — Dieſe Sage hat keinen hiſtori⸗ 
ſchen Werth, wie man auf den erſten Blick erkennt. 
Wittekind wurde erſt 784 getauft, ſeine Stammesange— 
hörigen find gewiß erft ſpäter zum Chriſtenthum übers 
getreten. 

Glaubhafter dagegen iſt die Anſicht mehrerer Hiſto— 
riker, welche die Grafen zu Schwartzburg mit den Kä⸗ 
fernburgern identificirt, welche fe vom galliſchen Könige 
Lothar ableiten, deſſen Sohn Gundar das Schloß 
Chevremont in Frankreich verließ, und bei Arnſtadt in 
Thüringen die Käfernburg erbaute. — Später erbaute 
einer ſeiner Nachkommen Schwarzburg und nannte ſich, 
wie früher allgemein üblich, nach demſelben. 

Die Exiſtenz eines Gemäldes, das im Archive zu 
Arnſtadt aufbewahrt wird und die Käfernburg in der 
Zeit der Erbauung, im Vordergrunde aber drei Männer 
nebſt ihren Frauen in galliſcher Tracht, vorſtellt, ſowie 
das Führen von Lilien (Cleven) neben dem Wappen⸗ 
ſchilde — mag jene Hypotheſen unterſtützen, eine Wap⸗ 
peuſage iſt unſeres Wiſſens völlig unbekannt, oder hat 
vielmehr nie eriſtirt. 

Beide Grafen, die Käfernburger wie die Schwartz 
burger, führten oder führen noch in Blau den gelben, 
aufgerichteten gekrönten Leu, als Stammwappen, ein 
Enblem, das fie mit den meiſten thüringer Dynaſten⸗ 
geſchlechtern, wie den Gleichen, den Blankenhaynern, den 
Orlamündern, den Kirchbergern, Frankenſteinern u. A. m. 
gemein haben. 

In ſehr früher Zeit dagegen erhielten die Schwartz— 
burger das Erb⸗Stallmeiſteramt von den Kaiſern und 
führten den Titel: „imperatoris stabullarii;“ demgemäß 
nahmen ſie erſt den Striegel, dann den Pferdekamm 
im Wappen auf. Noch jetzo iſt derſelbe im Schildes⸗ 
fuße nebſt der Heugabel zu erblicken, indeß im 13. Jahr⸗ 
hundert das Helmkleinod davon begleitet wurde. Man 
vergleiche hierzu die beigefügte Siegeltafel.) 

Schloß Neuſcharffenberg. 

Ludwig Graf Uetterodt. 


Einige Anmerkungen und Verichtigungen zu 

„Tr. G. Voigtel's Stammtafeln zur Ge- 

ſchichte der europäiſchen Staaten, neu heraus- 
gegeben von e Adolf Cohn.“ 

Schluß.) 

12) Tfl. 90. Lüneburg. 

Tfl. 90 ſteht wohl in Bezug auf Clara (geb. 


In der Anm. zu 


*) ]) Sigillum Reyneri Domini, Imperatoris stabularii; 
copirt aus der Schrift über Schwarzburgiſche Geſchichte: Syllogae 
Ayermanni, 2) Sigillum Guntheri comitis de Schwartzburge, 
appensum literis Guntheri comitis de Keuernberg, Bertholdi 
filii ejus, comitis Alberti de Rabinswald, Heinrici et prono- | 
minati Guntheri comitum de Swarzburg, 


comitis Friderici | 


18. Jan. 1571) irrthümlich: „den 16. Mai als 
ihren Todestag nennt König, Schwarzburg 
TH. 7.“ Muß es nicht heißen: „Vermäh⸗ 
lungstag?“ 

Wenn aber Königs Angabe richtig iſt, 
müßte wohl die Einklammerung (16. Mai?) 
neben dem 7. März, dem Vermählungstage, 
wegfallen und eine Zeile höher eingeſchoben 
werden? Iſts von Hübner ein Irrthum, als 
Clara's Geburtstag den 16. Jan. anzugeben? 

13) Tfl. 95. Wirtemberg (it nicht „Württem⸗ 
berg“ officielle Schreibart?). Bei Wilhelm, 
Sohn v. Herzog Friedrich, iſt der Druckfehler 
1845 durch 1848 zu verbeſſern. 

14) Til. 96 u. 97. — Hzg. Friedrich iſt nicht 
1732, ſondern 1752 geboren. 

15) — — Die zweite Gemahlin des 
Hzg. Ludwig, Henriette, iſt nicht 1770, ſondern 
1780 geb.; ef. Tfl. 132. 

16) — — —. Bei Heinrich (Graf v. Sontheim), 
jüngſtem Sohn von Hzg. Friedrich, begegnen 
wir zweien Druckfehlern, 1722 ſtatt 1772, u. 
1833 ſtatt 1838; wenigſtens finde ich ſo bei 
Klüber u. Oertel. 

17) — — Iſt Gräfin Eugenie Amalie, Tochter 
von Graf Wilhelm, wirklich im December 1848 
geb.? Wäre dem alſo, dann beruhete eine mir 
vorliegende handſchriftliche Notiz meines ſonſt 
ſehr gewiſſenhaften ſeligen Vaters, der ein ei) 
riger Genealog war, auf einem Irrthum. Ich 
vermag nicht, das Richtige feſtzuſtellen. 

18) Tfl. 102. Baden. Bei Katharina Urſula, 
To. von Georg Friedrich, ſteht als Todestag 
ihres Gem. Otto: 4. Aug. 1607; nach Til. 
117 fer ober am 7. Aug. 

19) Tfl. 103. — — Anna Amalie, v. Ge⸗ 
org Friedrich, T 18. Dec. 1651; Tl. 130 
aber ſteht bei ihrem Gem. Wilh. 18. Nov. 
Welche Angabe iſt die richtige? — Ihr Verm.⸗ 
Tag iſt nach der Anm. 15. Nov. 

20) TH. 117. Heſſen⸗Caſſel. Philipp II. 
verm. ſich 19. Jan. 1569; bei ſeiner Gem. 
Anna Eliſab. auf Tfl. 51 ſteht aber 17. Juni 


de Stolberg, Heinriei de Heldrungen, Lutolfi et Heinrici de Al- 
ristete, Lutolfi de Bendeleiben, et Ditmari de Willerstetin, 
datis apud Wizenfels A. D. M. CC. XLVIIII. Nach dem Ori⸗ 
ginal auf dem K. S. Hauptſtaatsarchiv in Dresden copirt. 3) Si- 
gillum Guntheri senioris — 4) Sigillum Guntheri junioris — 
comitis in Kevernberg. Nach den in der Thuringia Sacra befind- 
lichen Copieen der Originalſiegel, an Dotations⸗Urkunden zu Guniten 
des ehemaligen Kloſters Georgenthal, gezeichnet. f 


E 


u. 


39 
nommene Angabe richtig fein ſollte, worüber 


| 1567. (Hübner hat Tfl. 139 u. 208: 1 a . 
3 die Genealogen in Mecklenburg Auskunft werden 


7 
| Juni 1567, reſp. nur das Jahr.) Was 11 
richtig? g „ 
21) Tfl. 117. — Die 2. Gem. des Landgrafen | 

| 


geben können, ift Uebereinſtimmung herzuſtellen. 
28) — — . Sit feines jüngſten Stiefbruders 
Otto (geb. 1594) hieß Agnes Magdalene. Ihr Karl Ludwig Friedrich Verm.⸗Tag der 15. 
Vermählungstag ift nach Lenz 15. Juni. Febr. 1735, oder, wie Tfl. 67 bei ſeiner Gem. 
(Tubing u. Hübner haben mit Unrecht 14. Eliſabeth Albert. ſteht, der 5. Febr? 
Juli). Danach wäre auch auf Tfl. 152 eine 29) Tfl. 144. Mecklenburg-Schwerin. Als 
kleine Berichtigung nöthig. | Scheidungsjahr der Charlotte von ihrem Gem. 
22) — — Agnes, To. des Landgrafen Moritz, König Chriſtian VIII. v. Dänemark, ſinde ich 
iſt nach der Inſchrift an ihrem Sarge nicht 1812, ſtatt 1814. | 
„14. (13.) März“, ſondern am 14. Mai 1606 30) Tfl. 152. Anhalt⸗Deſſau. Die erſte 


geb. und am 28. Mai 1650 geſtorben. Hier⸗ Gem. des Fürſten Johann Georg J., Dorothee 
nach würden auch die bezüglichen Angaben auf von Mansfeld, geb. 1562, F nicht am 18. 


Tfl. 152 zu berichtigen ſein. Sept., ſondern am 23. Febr. 1594. So be⸗ 
Richtig iſt hier 18. Mai 1623 als Verm.⸗ richtet die Inſchrift an ihrem Sarge mit dem 
Tag bezeichnet, denn die Angaben aus Ritters⸗ ausdrücklichen Zuſatz, daß ſie im Kindbett ge— 
hus, Tubing u. Hübner „23. Fbr.“ auf Tfl. ſtorben ſei. Ihr Sohn Chriſtian wurde be— 
152 iſt falſch. kanntlich am 23. Fbr. 1594 geb. — Als ihren 
23) — — Barbara, To. Phil. I., 8. Juni Verm.⸗Tag finden wir a. a. O. den 12. Febr., 
1597; dieſer Angabe widerſpricht „11. Juni alſo wohl hier die Rechnung alten Stils, 
1595“, was wir Tfl. 93 bei Georg, ihrem während bei Cohn 22. Febr. neuen St. an⸗ 


Gemahl, finden. — Die Anm. erwähnt nur geſetzt iſt. 

das Jahr nach Heyl. 31) — — Sophie Eliſabeth, ält. To. von Joh. 
24) — — Friedrich, Logrf. zu Heſſen- Eſch⸗ Georg 13 beſtimmt 9. Fbr. 1622, wie 2 

wege, T 24. Sept. 1655; dagegen Tfl. 54 bei] Medaillen ausweiſen. 

ſeiner Gem. Eleon. Cath. 1658. Auf leßterer ) de die Todeszeit der Fürſtin 

Tafel fehlt nicht nur die Angabe ſeines Todes, Sophie Magd., 2. Gem. des Fürſten Joh. 

ſondern auch die des Vermählungs⸗Tages. Caſimir, wiſſen wir Beſtimmtes. Sie T 27 


25) Tfl. 122. Heſſen-Darmſtadt. Eliſabeth,, Dec. 1673, Nachts zwiſchen 11 u. 12 Uhr u. 
To. Georg's J., + nicht, wie auch Hübner Tfl. wurde am 3. Jan. 1674 beigeſetzt. Daß der 
211 hat, 1625, denn erſt am 5. Febr. 1630 1. Verm.⸗Tag dieſes Fürſten nicht 23. Fbr., 
wurde ſie als Mitglied der tugendlichen Ge- | ſondern 18. Mai 1623 iſt, haben wir ſchon 
ſellſchaft aufgenommen. Ob die Angabe 1655, oben bei 22. erwähnt, woſelbſt auch als der 
welche wir auf Tfl. 129 bei ihrem Gem. Joh. Todestag einer 1. Gem., Agnes, 28. Mai 
Caſimir finden, richtig ſei, weiß ich nicht, doch | als feſtſtehend bezeichnet wurde. 


will ich erwähnen, daß mir, ich weiß nicht, | 33) — — Eva Kathar., jüngſte To. Joh. Ge⸗ 

wo? 1635 als ihr Todesjahr begegnet iſt. org's J. wurde 10. Sept. 1613 geb. lt. Inſchrift 
Auf dieſer Tafel könnte auch ihr Verm.⸗ an ihrem Sarge. 

Tag, 9. Mai, noch notirt werden. 34) — — Moritz, der älteſte Prinz des F. Joh. 


26) Tfl. 129. Naſſau. Iſt Ludwig II. 8. Caſimir, wurde nicht 17., ſondern, wie zu 
Nov. 1627 geſtorben? Tfl. 117 bei ſeiner zweien Malen die Inſchrift an ſeinem Sarge 
Gem. Anna Marie ſteht 8. Nov. 1625. Auf zeigt, ſchon „Sonntags 7. Nov. 1624 kurz 
welcher Tafel iſt der Druckfehler? nach 5 Uhr Morgens geb. u. lebte 7 Wochen 

17) Tfl. 143. Medlenburg-Strelit. Her- 4 Tage 7 Stunden.“ Nach Cohn's Angabe 

zog Adolf Frorch. III. verm. 16. Apr. 1709; würde er aber nur 6 Wochen 1 Tag alt ge⸗ 
nach Tl. 113 aber bei ſeiner Gem. Dor. worden fein. 

Sophie am 11. April. Wenn die letztere, der 35) — — Emilie Luiſe (eigentlich Amalia Lu⸗ 
Anm. zu Tfl. 113 nach, aus Hanſen ent⸗ dovica), ält. To. des F. Johann Georg II. iſt 


a 


nach Angabe der Inſchrift an ihrem Sarge den 
7. Sept. 1660 geb., wie ſchon Hübner ſagt, 
indem er der richtigen Angabe Becm. S. 
565. nicht der irrigen S. 252 folgt. 

36) — — Amalie, die 4. To. dieſes Fürſten, 
verm. ſich 16. Nov. 1683 (nicht 26. Nov. 1684). 

37) — — Quile Sophie, der Vorigen jüngere 
Schweſter, wurde 15. Sept. 1667 geb. u. f 
18. Apr. 1678 „in der Mitternacht vor dem 
19. Apr.“ 1667 ſteht auch als ihr Geburts⸗ 


jahr an ihrer Mutter Sarge, ſowie auf einer 


Medaille, welche allerdings den 19. Apr. als 3 


Todestag hat. 


38) — — Eleonore. To. des Prinzen Georg Ari⸗ 


bert, iſt nach einer mir vorliegenden handſchrift⸗ 
lichen Notiz 16. Mai 1642 geb., was nachzu⸗ 
tragen wäre. | 

39) — — Statt Leopold (Friedrich Franz), 
wie auch Oertel ſchon fälſchlich hat, muß es 
heißen (Leop. Froͤrch.) Franz. Derſelbe 
nahm — meines Wiſſens — erſt am 30. Apr. 
1807 den Herzogstitel an. 

40) — (Marie) Leopoldine, die Schweſter 
von „Vater Franz“, wurde 1746 geb. | 


4 


41) — — Paul (Chriftian) +4 Mai 1797 


ſo finde ich wenigſtens in dem Exemplar Sr. 

Hoheit des Herzogs von deſſen eigener Hand 

bei Voigtel den Todestag des jüngeren Bruders 

notirt. 

— — Dem Hzg. Leopold Friedrich wurden 
vor dem jetzigen Erbprinzen Friedrich ſchon 2 
Prinzen geboren, welche ungetauft ſtarben: 
a) geb. u. f 4. Aug. 1825. b) geb. u. f 
3. Nov. 1827. 

43) — — Dem Erbprinzen (Leop.) Friedrich 
(Franz Nicolaus) iſt noch eine Prinzeſſin geb. 
Alexandra (Thereſe Maria) 4. April 1868. 

Nutha bei Zerbſt. Th. Stenzel. 


42 


— ämöm—m—U—ũ . —ä3 d — 


Titeratur. 


„Demmin, die Kriegswaffen in ihrer hiſto⸗ 
riſchen Entwicklung von der Steinzeit bis 
zur Erfindung des Zündnadelgewehrs. 
Ein Handbuch der Waffenkunde. Leipzig 1869, E. A. 
Seemann.“ 

Wenn ich heute ein Werk über Kriegswaffen zur 
Anzeige bringe, ſo glaube ich nicht, daß dies einer be⸗ 
ſonderen Motivirung bedürfen wird. Es iſt gewiß ſehr 


Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. 
Schnellpreſſendruck von A. 


40 


begreiflich, daß ein Freund der Wappenkunde auch 
Waffenkunde treiben müſſe. Dies hat uns ſ. 3. 
Herr Dr. Grote in eiuer Reihe von Anecdoten bewieſen, 
von denen z. B. eine erzählt, daß der Topfhelm der 
Grafen von Woldenberg von Letzner als „ein Wap⸗ 
penſchild, worin ein Patriarchenkreuz“ — die Augen⸗ 
löcher nämlich — blaſonirt worden ſei. — Bei einem 
Handbuch der Waffenkunde wird auch kein großes Ge⸗ 
wicht darauf zu legen ſein, welche Stellung der Ver⸗ 
faſſer in Betreff der Heraldik einnimmt. Iſt dies der 
Fall, ſo können wir das vorliegende Buch als ſeinem 
Zwecke vollkommen genügend empfehlen. Der uns be- 
ſonders wichtige Zeitabſchnitt, das Mittelalter, iſt ſehr 
ut vertreten, und der Verfaſſer bietet eine große Menge 
von Abbildungen aller Arten von Schilden und Helmen. 
Eine ſpezificirte Angabe des Juhalts dürfte hier zu weit 
führen und aus doppelten Gründen unzuläſſig ſein. Ich 
kann daher nur ſagen, daß das Buch verhältnißmäßig 
compendiös, reichhaltig und erſchöpfend und bei einer 
ſplendiden Ausſtattung mit 2000 Illuſtrationen ſehr 
billig iſt. Ich wenigſtens möchte daſſelbe bei meinen 
Studien nicht gerne entbehren, und ſo wird es auch 
noch vielen Heraldikern ein vielbenütztes Handbuch wer⸗ 
den. Im Sonſtigen iſt — was aus dem vorangeſchick⸗ 
ten Abriß der Geſchichte der Waffen bervorgeht — der 
Verfaſſer ein Anhänger des Gatterer'ſchen Syſtems, doch 
dürfte dies hier, wie geſagt, von keinem Belange ſein. 
Würzburg. Seyler. 


ſch 

Heraldik zu beſchäftigen 

Leſer auf das vorſtehende 

muſſen wegen des nahen Zul 

lande mit Deutſchland, und we 

Familien Niederländiſchen Urſprungs 

kehrt. Der vor Kurzem ausgegebene Proſpec 

die Abſicht des Hrn. Vf., jährlich im November ein 

genealogiſch-heraldiſches Handbuch des Niederländiſchen 

Adels zu publiciren. Der Inhalt deſſelben wird in Ge⸗ 

nealogieen der lebenden und erloſchenen Geſchlechter des 

Königreichs, ſowie ſolcher Familien beſtehen, deren Ur⸗ 

ſprung dort zu ſuchen iſt, oder die in der Geſchichte der 

Niederlande eine Rolle geſpielt haben; ferner in Nach⸗ 

richten über die alljährlich innerhalb derſelben ſtattge⸗ 

fundenen Geburten, Vermählungen und Todesfälle, ſowie 

in Abbildungen der Wappen. Preis à Jahrgang (300 

Seiten. Gr. 8.) 3 Fl. = 6 fr. 35 cent. “ 
Wenn der Herr Vf. im Proſpecte ſagt: „Quels 

sujets pourraient offrir un plus grand intérét, qu 0 

Porigine et le développement des familles de nos 

contrees, depuis la feodalite jusqu’a nos jours“ 

ſo iſt er gewiß der freudigen Zuſtimmung unſerer Leſe 

ſicher; denſelben möchten wir auch ſeine Bitte „nous 


(Fortſetzung in der Beilage.) 


Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗ Bezirk Magdeburg. | 
Keller in Gardelegen. ö 


Beilage zu Ur. 5 des „Deutſchen Herold.“ 


invitons tous les intéressés à nous envoyer affranchies 
les copies ou les fragments de genealogies qu’ils 
croiront utiles a notre ouvrage“ zur Beachtung 
empfehlen. 


„Anzeiger für Kunde der Deutſchen Vor⸗ 
zeit, 1870 Nr. 3“ — Seite 80 ff.: Sphragiſtiſche 
Aphorismen von F.-K. Abbildungen und Erläuterungen 
mittelalterlicher Siegel zur Geſchichte des früheſten Vor— 


kommens von Schildhaltern, unter denen das älteſte 


bisher bekannte das S. Heinrichs von Scharfeneck v. J. 
1292 iſt. Außerdem zeigen die S. Burchard's v. Wefer⸗ 
lingen (um 1300) Heinrich's v. Voß 1284, Friedrich's 
v. Truhendingen 1296, Johann's Grafen v. Eberſtein 
1361, Wolfgang's Grafen v. Veringen 1262 u. a. m. 
ſo zu ſagen uneigentliche Schildhalter. Ein näheres 
Eingehen darauf geſtattet hier der Raum nicht. 


Nr. 4. S. 121 ff: Beſchreibung und Abbildung 


eines Büchereinbandes (Nr. 1736 der Bibliothek des 
Germaniſchen Muſeum's) mit dem in Leder geſchnittenen 


Wappen der Löffel holz in ſpätgothiſchem Styl. 


„Numismatiſch⸗ſphragiſtiſcher Anzeiger, 
Nr. 2, S. 11:“ Beſchreibung eines in der Sammlung 
des hiſtoriſchen Vereins für Niederſachſen befindlichen 
Siegelſtempels: S'. Scabinor”. sci.“ iohis. evangeliste 
in räcovrt.“ — Anfrage in Betreff des Alters und 
Urſprunges des am En de'ſchen Familienwappen's. (In 
g. zwei n Adlerfüße; Helm: drei Straußfedern, r. g. x., 
davor die Adlerfüße geſtürzt.) S. 12: Anfrage: wohin 
gehört ein ſechseckiges mittelalterliches Siegel, den hl. 
Narciſſus zeigend, mit der Umſchrift: „Sigillvm. bylle 
salis. clugle.“ Nr. 3—4, S. 20: Ueber biſchöfliche 
Siegelringe, deren früheſtes Vorkommen, ihren Gebrauch 
und ihre Bilder. S. Anfrage: welchem Adelsge— 
ſchlechte gehörte Nicolaus, Biſchof von Meiſſen 1379— 
1392 an? Die ausgeſprochene Vermuthung, daß eine 
auf ſeinem Siegel vorkommende geflügelte Scheere, unter 
Bezugnahme auf die volksthümliche Bezeichnung der 
Schneider, mit dem, dem Biſchof ſpäter beigelegten, Na⸗ 
men Caper (Ziegenbock) in Verbindung zu bringen ſei, 
ſcheint gewagt; eine geflügelte (vielmehr mit Flügeln 
beſteckte) Scheere (richtiger Bremſe) kommt als Wap⸗ 
penbild vor, z. B. ſchrägrechts gelegt auf alten Siegeln 
der v. Brüſewitz. (s' gherardi * brysevitzen in uns 
ſerer Sammlung.)“) S. 26: Notiz betr. den Verkauf 
der heraldiſchen Sammlungen des verſt. Profeſſors Dr. 
Kneſchke zu Leipzig. Bezügl. Anfragen find an den 
Polizeicommiſſar Kneſchke in Leipzig zu richten. Nr. 5, 
S. 36: Anzeige des D. Herold. 


2 
23: 


ſoll allerdings gewiß „weiler“ heißen — es ſteht aber 
„weder“ in dem betr. Original. Nr. 6, S. 43: Anfrage 


betr. den Beſitzer eines ſpitzovalen Siegels, welches im 


Felde einen knieenden Geiſtlichen unter einer Heiligen— 
Figur, darunter eine Greifenklaue zeigt, mit der Um⸗ 
ſchrift: s. iohis d castro i sculen can cysonien (9) 
Nr. 7, S. 49: Zur Anfrage S. 12. Das fragl. 


0) Desgl. „S. alberti rasoris;“ 14. Jahrhundert. 


Das als Druckfehler 
gerügte Wort, Nr. 1, S. 4, Zeile 19 v. u. „weder“ 


Siegel iſt wahrſcheinlich nicht ein eigentliches Siegel, 
vielmehr ein Stempel, auf eine mit sal clugie gefüllte 
bulla (Gefäß) als Beglaubigung der Echtheit gedrückt. 
Was iſt sal clugie? Wo liegt clugia (s. clunia,)? St. 
Nareiſſus genießt in Spanien beſondere Verehrung. — 


„Geſchichte des Geſchlechts von Schönberg, 
meiſſniſchen Stammes, von A. Trauftadt, 
Pfarrer zu Luppa, 1. Band. Leipzig, Gieſeke & 
Devrient, 1869.“ 

Indem wir dies Werk 
hier zur Anzeige bringen 
und Freunden der Adels— 
geſchichte aufrichtig em⸗ 
pfehlen, bedauern wir leb⸗ 
haft, daß der Raum un⸗ 
ſeres Blattes zu knapp 
bemeſſen iſt, um eine ſo 
große, ausführliche Arbeit 
eingehend zu beſprechen. 
Es kann hier nur mit⸗ 
getheilt werden, daß der 
kürzlich erſchienene erſte 
Band die Geſchichte der 
hochangeſehenen Familie 
von Schönberg — mit dem r.-gr. getheilten Löwen in 
g. — ſeit ihrem erſten urkundlichen Auftreten mit Tuto 
de Sconenberg 1254 bis auf 
Chriſtoph von Schonberg, + 
1575, enthält, und zwar in 
gründlicher, auf urkundlichen 
Nachrichten beruhender, dabei 
doch feſſelnd anziehender Dar: 
ftellung, die bei jedem Hiſtoriker 
Intereſſe erwecken wird. Ein 
Anhang giebt kurze Nachweiſe 
über Familien, die entweder 
einen ähnlichen Namen oder ein ähnliches Wappen führen, 
unterftügt durch zahlreiche Abbildungen älterer Siegel 
und Wappen. In dieſem ſpeciell 
heraldiſchen Theile — der vielleicht 
etwas zuſammenhängender und bes 
züglich der nicht-meiſſniſchen Fa⸗ 
milien eingehender hätte gegeben 
werden können, — bemerken wir 
mit Vergnügen manche ſehr richtige 
allgemeine Bemerkungen, z. B. daß 
für die Darſtellung der Wappen 
des Uradels ſtets nur der Styl des 
14. Jahrh. gewählt werden ſollte. 

Die typographiſche Ausſtattung 
des Buches iſt eine ſehr zu lobende; 

zu beſonderer Zierde gereichen ihm 
zahlreiche Abbildungen — Anſichten 
der Schlöſſer, Porträts, Siegel und Wappen. Die Ver⸗ 
lagshandlung hat die dankbarſt anzuerkennende Güte 
gebabt, hier den Wiederabdruck mehrerer Holzſchnitte zu 
geſtatten: es find dies: 1) Grabdenkmal Caſpar's v. S, 
Biſchofs von Meiſſen, + 1463; 2) Hans Dietrich von 


42 


S. auf Gelenau 1659 — 1727. 3) Siegel Dietrichs 
v. S. 1396. 4) Siegel Caſpar's v. S. 1437. 5) Wappen 
des Biſchofs v. Naumburg, Dietrich v. S., 1487. 


Hoffentlich läßt der zweite Band nicht lange auf 


ſich warten. Derſelbe bringt denn auch wohl eine ſehr 
erwünſchte Ueberſicht der mit anderen Familien ſtattge⸗ 
habten Alliancen. 

„Die Sachs v. Löwenheimb'ſche Familien⸗ 
ſtiftung; eine Denkſchrift. Von H. v. Prittwig und Gaff⸗ 
ron. Oels, 1870.“ — Der i. J. 1799 als letzter ſeines 
Stammes verſtorbene RGbeſ. Ernſt Samuel Sachs v. 
Löwenheimb errichtete teſtamentariſch ein Stipendium 
(zunächſt für Studirende aus ſeiner Verwandſchaft) mit 
einem Capital von 3000 Thlrn. 


Stipendium Berechtigten — ſämmtlich Nachkommen 
der Univerſalerbin des Stifters, Frau v. Koſchembar 
geb. v. Wuttgenau, und der Töchter derſelben, Frau v. 
Forcade, v. Roſenberg⸗Lipinski und v. Randow, — auf 
52 genealogiſchen Tabellen, 
Familien vorkommen. — b 

„Verzeichniß einer ausgewählten Bibliothek, 
zu verkaufen durch J. A. Stargardt, Berlin 1870“ — 
enthält auch diverſe heraldica; darunter eine Novität: 

„Stammtafel der Familie v. Wedel, heraus— 
gegeben v. Baron Ferd. v. Wedel-Jarsberg; Chriſti— 
ania 1870.“ (6 Thlr.) 


) Leider zeigt das übrigens ſehr hübſch ausgeführte Titelbild — 
das farbige Geſchlechtswappen — einen jedem Kenner auffallenden 
Anachronismus, indem Schild und Helm dem Styl des 14. Jahrh. 
nachgebildet ſind, hingegen der Löwenkopf auf dem Helm völlig im 
Rengiſſancegeſchmack gehalten iſt. 


Anzeigen. 


Von Siebmacher's 
groſſem und allgemeinen deutſchen 


Wappenbuch 


iſt ſoeben die Lieferung 77, enthaltend den Adel der Herzogthümer 
Schleswig⸗Holſtein und Lauen burg von M. Gritzner 
und Ad. M. Hildebrandt, verſendet worden. Subſcriptions⸗ 
preis Thlr. 1. 18 Sgr. Desgleichen Lieferung 78, enthaltend „Außer: 
deutſche Staatenwappen.“ 
Nürnberg, Mai 1870. 


— —— 


Geſuch. 


Behufs einer hiſtoriſchen Arbeit werden Beſitzer von Wappen⸗ 
ſammlungen freundlichſt um gefällige Mittheilung älterer von 
Bülow'ſcher Siegel oder Wappen (aus der Zeit vor 1550) 
erſucht. Bei Copien oder Abgüſſen (deren Koſten der Unterzeichnete 
ſelbſtverſtändlich gern tragen wird) wird um möglichſt genaue Aus⸗ 
kunft über den Ort, wo ſich das Original urſprünglich befand, ge⸗ 
beten. — Beſitzer von Stammbuchblättern oder ähnlichen Zeichnun⸗ 
gen mit dem Bülow'ſchen Wappen werden um gefällige leihweiſe 
Ueberlaſſung des Exemplars auf kurze Zeit ganz ergebenſt erſucht 
gegen das Verſprechen, daß das Geliehene prompt und unbeſchädigt 
. werden wird. 

bgleich der Unterzeichnete die einſchlagende Literatur an Wap⸗ 
penbüchern und ähnlichen Werken ſämmtlich berückſichtigt zu haben 
glaubt, wird er es dankbar erkennen, wenn er auf ein vielleicht be⸗ 

ſonders ſeltenes Werk ſpeciell aufmerkſam gemacht wird. 
G. v. Bülow, Berlin, Puttkamer Str. 9. 


Bauer & Raspe. 


Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs-Bezirk Magdeburg. 


Obige Broſchüre 
giebt nun eine vollſtändige Ueberſicht aller zu dieſem 


in welchen 65 verſchiedene 


Für Genealogen, Heraldiker, Numismatiker 
ꝛc. wichtig! 
Des hohen deutſchen Ritterordens 
Münz Sammlung 
in 
NN. 


Mit ſteter Rückſicht auf das Central-Archiv des hohen 
Ordens, geſchichtlich dargeſtellt und beſchrieben 


O. S. B. 
Mit 21 Kupfer⸗ und 1 Holztafel. 
Gr. 4. Wien 1858. (XII und 267 S.) Eleg. geh. Früherer 
Ladenpreis 22 Fl. jetzt a 10 Fl. = 6 Thlr. 20 Sgr. 


Deutſche Adelsproben 
aus deu deutschen Ordens - Central -Archine, 
mit Genehmigung Sr. k. k. Hoheit des hochwürdigſt durch⸗ 
lauchtigſten Herrn Erzherzogs 
Wilbelm von Oesterreich, 
Hoch- und Deutſchmeiſters, k. k. Feldzeugmeiſters und 
General⸗Artillerie-Inſpectors. 
Bearbeitet von 
Leopold Wedopil, 
Prieſter und Archivar des hohen deutſchen Ritterordens. 
3 Bände. gr. 8. Wien 1868. Eleg. geh. 
Früherer Ladenpreis 10 Fl., jetzt a 8 Fl. 40 Kr. 
5 Thlr. 20 Sgr. 

. Zu beziehen von Karl Czermak, 
Buchhandlung und Antiquariat in Wien, Schottengaſſe 6, 
ſowie durch alle Buch⸗ und Antiquar⸗Handlun⸗ 

gen des In: und Auslandes. 


Von den 


Grabſteinen und Epitaphien 

adeliger Perſonen in und bei den Kirchen der Altmark, 
herausgegeben von Ad. M. Hildebrandt, 

(123 Seiten mit 8 Abbild. Octav. 1868. Nur in 250 Exemplaren 

abgezogen) find noch Exemplare a 20 Sgr. durch FJ. A. Stargardts 
Buchhandlung in Berlin zu beziehen. 


Inhalts⸗Verzeichniß: 


Amtl. Nachrichten. — Ueber die Einrichtung einer Adels 
matrikel. Promemoria. Anmerkungen zu Voigtels 
Stammtafeln. (Schluß.) — Literatur. — Anzeigen. — 


Berichtigung. In den Aufſatz über die Wappen 
und Siegel der Stadt Nürnberg hat ſich ein Irrthum einge⸗ 
ſchlichen. S. 27a. iſt nach: „würde die roth⸗weiße Theilung“ 
einzuſchalten: „nicht.“ Ich wollte dort beweiſen, daß das 
Wappen von Nürnberg wenigſtens in Bezug auf die roth⸗ 
weiße Theilung älter iſt, als ſonſt angenommen wird. f 
Seyler. 

Die Eiſenbahnſtation bei Schloß Frens (Beilage zu Nr. 
4, C. 15) heißt nicht Horrens, ſondern Horrem. — 


Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


SEIN 
—.— N N } 


N 


N 


aa 


Lith.v. Jul. Könecke in Gardelegen. 


Gez v. I. Gr von Ütterodt. 


Se Fyhragiſtik und Genealogie. 


9 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin. 


Erſcheint monatl. einmal 4—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile. 


Nr. 6. 


„Se. Majeſtät der König von Bayern haben ſich 
mittelſt allerhöchſter Entſchließung vom 1. Januar l. J. 
allergnädigſt bewogen gefunden, den K. Kämmerer und 


Major à la suite Ernſt Franz Molitor von Mühl⸗ 


feld in den erblichen Freiherrnſtand des Königreichs zu 
erheben. 


Auszug 


aus dem Protofioll der Sitzung des „Herold“ 


vom 6. Juli 1870. 


„Nach Vorleſung des Protokolls vom 1. Juni d. Is. 
theilte der Herr Vorſitzende mit, daß die von den Herren 
Grafen v. Oeynhausen zu Hamburg und G. Kutter 
hierſelbſt ergangenen Anfragen nicht in gewünſchter 
Weiſe haben erledigt werden können, namentlich die des 
Letzteren ganz reſultatlos geblieben ſei. Ferner wurde 
bemerkt, daß die von dem Herrn Ritter v. Mayerfels 
zu München angeregte Frage: 

„ob die von dem Geſchlecht der Reichenbach geführ⸗ 
ten drei Figuren als Morgenſterne oder Hämmer 
ſich erwieſen“ 
— angeſtellten Nachforſchungen zufolge — dahin zu 
beantworten ſei, daß dieſe Figuren Hämmer vorzu: 
ſtellen haben. 

Sodann wurden die von dem Herrn Freiherrn v. 
Pettenegg zu Wien und dem Herrn Kammerjunker 
von Frölich auf Gr. Bellmannsdorf eingegangenen, 
genealogilge Anfragen betreffenden, Schreiben zum 
Vortrag gebracht, dem qu. Sections⸗Chef zur Er⸗ 
ledigung übergeben, und beſchloſſen, die von dem Herrn 
Freiherrn v. Gudenau zu Ziadlowitz überſandten Bei⸗ 
träge zur Familien⸗Geſchichte der v. Mirbach, Bertolf 
von Belven, Baſtenach, Brakel, Engelsdorf und Gül⸗ 
pen demnächſt durch das Vereinsblatt zu veröffentlichen. 

An Geſchenken waren für den Verein eingegangen: 


1) von dem Herrn G. v. Bülow hierſelbſt: Ge⸗ 


— 
0 


S, Berlin, im Juli 1870. Ds 1. Jahrgang. 
ſchichtliche Nachrichten über die von Bülow zu 
Oebisfelde; 
2) von dem Verein für ſiebenbürgiſche 
Landeskunde zu Hermannsſtadt: gegen 
Archiv des Vereins für ſiebenbür⸗ Austauſch 
giſche Landeskunde, Band 9, Heft I; des 
3) vom Germaniſchen Muſeum zu Nürn⸗ Verei 
berg: ereins⸗ 
blattes. 


Anzeiger für Kunde der deutſchen 
Vorzeit, Jahrgang 1870, Nr. 5; 
4) von dem Herrn Redacteur des „Herold“ die Photo— 
graphie eines in großartigem Maßſtabe von dem⸗ 
ſelben gemalten von Kröcher'ſchen Stammbau- 
mes, und 
5) von dem zeitigen Schriftführer des „Herold“: eine 

Anzahl mittelalterlicher Siegel-Abdrücke. 

Ein dem Vereine von dem Herrn Grafen von 
Uetterodt auf Neu⸗Scharffenberg eingeſandtes, mit 
vielen vortrefflichen Wappenzeichnungen begleitetes Ma⸗ 
nuſcript über Thüringiſche Geſchlechter ward demnächſt 
vorgelegt und damit die Mittheilung verknüpft, daß der 
Autor dieſes umfaſſenden Werks ſich, in Rückſicht auf 
die dem Verein zur Zeit noch fehlenden Geldmittel, be⸗ 
reit erklärt habe, ſowohl die Herſtellungskoſten der zu 
Nr. 5 erſcheinenden Beilage — die Schwarzburgiche 
Schildſage betreffend — zu übernehmen, als auch die 
Koſten der Herſtellung von Wappen⸗ und Grabſtein⸗ 
Abbildungen zu tragen, welche zur Erläuterung eines 
von dem Herrn Grafen verfaßten, in Nr. 8 erſcheinen⸗ 
den, Artikels zur Geſchichte des Dynaſten-Geſchlechts 
Lobdeburg dienen. 

Es wurde dem genannten Herrn der zu veröffent⸗ 
lichende Dank votirt und einſtimmig beſchloſſen, denſel⸗ 
ben — in Anerkennung der beſonderen Verdienſte um 
den Verein — zum Ehrenmitgliede zu ernennen. 

Nach erfolgter Aufnahme neuer correſpondirender 
Mitglieder, Beſprechung von Vereins- Angelegenheiten 
und über die erforderliche Veröffentlichung ſüddeutſcher 


+4 


Standeserhebungen ꝛc. wurde die heutige, von 14 Mit- 
gliedern beſuchte, Verſammlung geſchloſſen. 

Nach dem Rücktritt des Hrn. Dr. Brecht find, bis 
zur Neuwahl eines Schriftführer's, die Geſchäfte deſſel⸗ 
ben proviſoriſch dem Hrn. Vereins⸗Schatzmeiſter, Geh. 
Miniſt.⸗Secretär F. Warnecke zu Berlin, Steglitzer 
Str. 58, übertragen, und ſind bis auf Weiteres alle den 
Verein betreffenden Schreiben an denſelben zu adreſſiren. 


Ueber die Veſitzer des Schloſſes Wart- 
hauſen und deren Wappen. 


Wer die Bahnſtrecke zwiſchen Ulm und dem Bodenſee be 
fährt, dem wird unter manchen alterthümlichen Schlöſſern 
dieſer Gegend vielleicht als eins der ſchönſt gelegenen Wart⸗ 
hauſen in's Auge fallen. Im Kriege und durch Blitzſchlag 
öfters beſchädigt, trägt es zwar nicht mehr das äußere An⸗ 
ſehen hohen Alters — Thürme und Zinnen gehören dem 
ſpäten Mittelalter an — aber die unterirdiſchen Theile find 
ſtets dieſelben geblieben. Die Erbauung des Schloſſes ſtreift 
in's Sagenhafte hinüber; ſpäter hatte Warthauſen gleichnamige 
Beſitzer. Im vor. Jahrh. erhielt W. durch Sophie v. Laroche 
und andere Celebritäten, die dort Graf Friedrich Stadion's 


Gaſtfreundſchaft genoſſen, eine gewiſſe Berühmtheit, die noch 


in mancher Erinnerung lebt. Doch es iſt hier nicht Zweck, 
eine Geſchichte des Schloſſes zu ſchreiben, oder zu wiederholen 
was Andere bereits beſſer erzählt; es ſollen nur, wenn auch 
lückenhaft, Notizen über einige Beſitzer und ihre Familien, 
über welche noch Weniges bekannt ſein dürfte, gegeben werden. 

Zunächſt Einiges über die „Grafen von Keſſelburg— 
Warthauſen“ und ihr apokryphes Wappen. 

Das kaiſerliche, gefürftete, freiweltliche Auguſtiner-Chor⸗ 
frauen⸗Reichsſtift Buchau am Federſee in Schwaben, welches 
einſt mit Sitz und Stimme bei den Reichstagen auf der Rhei— 
niſchen Prälatenbank, wegen der Herrſchaft Straßberg auf der 
ſchwäbiſchen Grafen⸗, bei den Kreistagen aber auf der weltlichen 
Fürſtenbank eingeführt war, kam 1803 durch Reichsdeputations— 
ſchluß nebſt dem gleichnamigen Reichsſtädtchen an das fürſt⸗ 
liche Haus Thurn und Taxis und 1806 unter würtembergiſche 
Landeshoheit. Neben dem Familienwappen der jeweiligen 
Fürſtäbtiſſin führt Buchau als „Stiftswappen“ (außer dem 
ſchwäbiſchen Löwen) einen grünen Schild mit ausgerundetem, 
durchlaufendem rothen Kreuz, oben rechts von einer gelben Sonne, 
links von einem desgl. Halbmond, die Hörner einwärts, beſeitet. 

Gatterer's Wappenkalender auf d. Jahr 1764 nennt dies 
Feld ausdrücklich das Wappen der aus dem Hauſe Keſſelberg 
entſproſſenen Stifterin Adelinde. 

Der Codex germ. Nr. 932 der königl. bayr. Hof und 
Staatsbibliothek zu München, ein ikonographiſches Werk, das 
dem Ende des 15. Jahrhunderts angehört und keinen Text hat, 
enthält in ſeinem erſten, größten, eine allgemeine Wappenſamm⸗ 
lung darſtellenden Theil Fol. 132 daſſelbe Wappen als dasjenige 
der Grafen zu „Wardhawſen“ in folgender Abweichung: im 
rechten oberen Quartier des durch ein rothes Kreuz gevierteten 
weißen Schildes eine gelbe Sonne, im linken oberen ein 
blauer Halbmond; auf dem Helm ein weißer Flügel, zwiſchen 
ſeinen Schwingen mit Pfauenfedern beſteckt; Decken roth und weiß. 

Eine Federzeichnung im Jahr 1752 vom Biberacher Pa⸗ 
trizier Auguſt Fidel Scherriſch von Aurdorf aus den Annales 
Biberacenses de anno 1619 des berühmten Hiſtoriker's 


Johann Ernſt von Pflummern ausgezogen, weicht darin ab, 
daß der Mond als ganze Scheibe dargeſtellt und die Helnzier 
ein „Keſſel“ iſt, d. h. ein becherartiges Gefäß mit hohem, kan⸗ 
tigem, zugeſpitztem Deckel, der oben als Handhabe in einem 
Ring endigt. Eine Fahne, vermuthlich um den Dynaſtenſtand an⸗ 
zudeuten, iſt ſchräg hinter den Helm geſteckt. Was waren dieſe 
Grafen und was iſt von ihrem Wappen zu halten? 

Die Grafen vom Keſſelberg („Comites de Caldario,“ 
Caldarienses Comites) oder von Keſſelburg⸗Warthauſen ſind, 
ſowenig auch die hiſtoriſche Baſis der Sage ſelbſt angezweifelt 
werden ſoll, ſagenhafte Geſtalten; ihr in eine vorheraldiſche 
Zeit einzuweiſendes Wappen iſt eine mittelalterliche Fiktion, 
(wie andere heraldiſche Phantome aus jener Zeit, z. B. die 
Wappen König Davids u. |. w.) nur mit dem wejentlichen 
Unterſchiede, daß dieſes Wappen durch feine Aufnahme in das 
des Buchauer Stifts und von da in das große der Fürſten 
Thurn und Tapis, hintendrein legaliſirt worden iſt; dieſer Um⸗ 


ſtand mag ſeine Erwähnung hier rechtfertigen. 


(Fortſetzung folgt.) 


Aleber das Anlegen einer Siegel- Sammlung. 


Wenngleich die Siegel-Sammlungen — (in 
den meiſten Fällen ſchon im Knabenalter unter⸗ 
nommen) — Anfangs Spielereien ſind, denen die 
wiſſenſchaftliche Richtung fern liegt, ſo haben 
dieſelben der Heraldik doch ſchon manchen weſent— 
lichen Nutzen geſchafft; — ja es läßt ſich aus 
mancher dieſer Sammlungen mehr Intereſſantes 
ſchöpfen, als aus vielen Wappenbüchern. — Man 
thut deshalb unrecht, wenn man das Siegel⸗ 
Sammeln im Allgemeinen als „Spielerei“ be⸗ 
trachtet; daſſelbe kann vielmehr allen Freunden 
der Heraldik recht ſehr empfohlen werden, — 
wenn ihnen die dazu erforderliche Zeit zur Ver⸗ 
fügung ſteht. 

Was nun die Anlage einer Siegel-Samm- ? 
lung betrifft, ſo wollen wir zunächſt die Ord⸗ 
nung derſelben ins Auge faſſen. — Die meiſten 
Sammlungen ſind nach dem Alphabet geordnet; — 
zuweilen ſind hierbei die Fürſten, Grafen, Frei⸗ 
herrn 2c., zuweilen die Nationalitäten getrennt. — 
Es hat dieſe Ordnung Manches für ſich: man 
braucht kein beſonderes namentliches Verzeichniß 
anzulegen, und kann die Wappen- Ver⸗ 
mehrungen, — (im Fall der neuere Zweig der 
Familie keinen anderen Namen angenommen hat, — 
neben einander geordnet — ſchnell überſehen. 


Indeß ſtößt man bei dieſer Ordnung doch ſehr 


häufig auf Schwierigkeiten, die oft zu Irrthümern 
Veranlaſſung geben. Z. B. führen ja viele Fa⸗ 


milien 2 oder noch mehr Namen, von welchen 


liche Familienname iſt ꝛc. — Bei Trennung der 
Nationalitäten iſt wieder der Umſtand ſchwierig 
zu überwinden, daß oft Familien ſchon ſeit Jahr⸗ 
hunderten in dem Lande nicht mehr ver— 
treten ſind, aus welchem ſie ſtammen — oder 
daß ihr Vaterland ſehr zweifelhaft iſt. 

Weit vorzuziehen erſcheint die Ordnung: 
„Nach den Wappenbildern.“ — Hierbei iſt es 
freilich nöthig, daß man ein namentliches Ver⸗ 
zeichniß (nach dem Alphabet geordnet) beſonders 
führt. — Die Vortheile dieſes Syſtem's ſind 
folgende: 

1) Kann man jedes Wappen, welches ſich 
in der Sammlung befindet, augenblicklich 
finden — wenn man auch den Namen deſſelben 
nicht im Gedächtniß hat. — Es bildet die 
Sammlung ſomit gewiſſermaßen ein Regiſter, 
aus welchem man den Namen einer Familie 
nach dem ihr angehörenden Wappen heraus- 
finden kann, wenn daſſelbe in der Sammlung 
vorhanden iſt. 

2) Fallen die kleineren Verſchiedenheiten 
der ſich faſt gleichenden Wappen viel mehr 
in's Auge und prägen ſich dem Gedächtniß 
mehr ein; und 

3) Finden ſich darin ſtammverwandte Fa⸗ 
milien, die verſchiedene Namen angenommen 
haben, leichter heraus.“) 

Was nun dieſe Ordnung nach den Wappen⸗ 
bildern ſelbſt betrifft, ſo würde eine Herzählung 
aller möglichen ſolcher Bilder zu viel Raum für 
dieſen Aufſatz erfordern; — der Verfaſſer iſt 
gern bereit, im Fall es die geehrten Leſer in- 
tereſſirt, in einer ſpäteren Nummer dieſes Blattes 
das Syſtem dieſer Ordnung, welches er nach 
längerem Forſchen für das zweckmäßigſte be— 
funden hat, mitzutheilen. — Im Allgemeinen 
ſei nur erwähnt, daß, — welches Syſtem der 
Sammler auch wählen möge, — es haupt— 
ſächlich darauf ankömmt, daß er ganz genau 
an dieſem Syſtem feſthält, jo daß nicht der ge— 
ringſte Zweifel entſtehen kann, wo ein Wappen 
nach ſeinem Bilde hingehört; — das Wappen 
J Ju dem in Nr. 2 enthaltenen Aufſatze „Ueber Blaſonirung“ 
iſt irriger Weiſe in der 24. Zeile ſtatt des Wortes „Abkürzungen“ 
das Wort „Ausdrücke“ geſetzt, — welches hier den Satz ganz un⸗ 
verſtändlich macht. — Ich hatte bei den qu. Abkürzungen die Ab⸗ 


bréviaturen der Wörter, z. B. ſtatt écartelé „ec.“ — oder ſtatt 
casqué „eg“. im Auge. H. v. L. 


45 


ſich oft ſchwer ermitteln läßt, welcher der eigent- 


geben. 


muß alſo ſeinen ganz beſtimmten Platz haben. 
Natürlich wird durch jedes neu erworbene Siegel 
ein Weiterrücken der dahinter folgenden noth- 
wendig, und es iſt deshalb wünſchenswerth, 
dieſes Rücken ſo leicht als möglich bewerkſtelligen 
zu können. — Zu dieſem Zwecke erſcheint es am 
praktiſchſten, jedes Siegel für ſich auf ein kleines 
Papp⸗Täfelchen mit Gummi⸗arabikum zu be⸗ 
feſtigen, und dieſe Täfelchen dann in der qu. 
Ordnung auf größeren Tafeln — mit gehörig 
erhöhtem Rande — neben einander zu legen. 
Die Namen ſchreibt man am beſten unmittelbar 
unter die Siegel auf die kleinen Täfelchen, — 
und zwar deshalb darunter, weil man dann 
die Namen beſſer ſchreiben und auch beſſer leſen 
kann, als wenn man ſie darüber 5 

n 


Die Freiherrn von Gumppenberg. 


Die Nachrichten, welche uns Herr von Hefner im 
neuen Siebmacher (Bayriſcher Adel S. 38) mit Bezug 
auf obiges Geſchlecht giebt ſind theils ſo karg, theils — 
in Bezug auf das Wappen — ſo ungenau, ja irrig, 
daß ich es für mehr als gerechtfertigt halte, wenn ich 
es verſuche, eine Berichtigung und Ergänzung zu liefern. 
Als Hauptquelle dient mir dabei eine Würzburg 1856 
erſchienene, von einem Mitglied der Familie verfaßte, 
durch und durch gediegene Geſchichte des Geſchlechtes,“) 
welche leider nur als Manuſcript gedruckt wurde und 
deßhalb den meiſten Forſchern unzugänglich iſt. 

„Unter dem Stande der Miniſterialen“, ſo ſagt 
der Herr Verfaſſer, „und namentlich unter den Miniſte— 
rialen der mächtigen Grafen von Vohburg haben wir 
die Stammväter der Familie Gumppenberg zu ſuchen 
und zwar unter den Burgſaſſen von Vohburg ſelbſt.“ 
Die Geſchichte dieſer Burgſaſſen von Vohburg findet 
einen unmittelbaren Anknüpfungspunkt an die Gump⸗ 
penbergiſche Geſchichte in Hiltebrand von Vohburg. Im 
Jahre 1280 nämlich urkundet Graf Berthold von Graifs— 
bach, daß er dem „Hiltprandus de Voburch“ die Vogtei 
Pöttmes verkauft habe, und im folgenden Jahre ertheilt 
er dem „Hiltprandus de Gumppenberg“ die Inveſtitur 
über die „villa in Bettmos cum omnibus suis perti- 
nentiis.“ Hildebrand muß alſo feine neue Beſitzung 
inzwiſchen bezogen und nach dem — wahrſcheinlich be- 
reits vorhandenen — Schloße ſeinen neuen Namen ans 
genommen haben. 

Hiemit ſteht eine alte Sage, nach welcher die Gump- 
penberger aus Böhmen ins Land gekommen und deſſelben 
Stammes mit denen von Seeberg ſeien, uur in ſchein⸗ 
barem Widerſpruche, welchen die älteren Genealogen aus 


*) L. A. Freiherr von Gumppenberg, Geſchichte der Familie 
von Gumpyenbeeg. Für die Familie als Manuſcript in Druck ge⸗ 
ürzburg, 1856. 


Unverſtand nicht aufzulöſen vermochten und ſich deßhalb 
theils für die erſtere Annahme entſchieden, theils die G. 
direct von den S. ableiten. 

„Seeberg nämlich, das Stammhaus der Seeberger, 
liegt nahe bei Franzensbrunn, im Egerer⸗Lande, das den 
Grafen von Vohburg unterthänig war, und ohne Zweifel 
ſtanden die Beſitzer dieſer Burg ebenfalls im Verhält— 
niſſe der Miniſterialität zu Dicken Grafen, ſo daß, bei 
der rein perſönlichen und erblichen Natur der dadurch 
begründeten Abhängigkeit, die Möglichkeit gemeinſamer 
Abſtammung der Miniſterialen zu Seeberg und jener 
zu Vohburg ſehr nahe liegt.“ 

Der Verfaſſer weiſt ferner nach, daß die Seeberger 
ſich wirklich zu Anfang des 12. Jahrh. unter den Voh— 
burgiſchen Miniſterialen finden, während die mit den 
Burgſaſſen von Vohburg ſtammverwandten Miniſteri— 
alen von Wettenfeldt mit urſprünglichem Eigenthum der 
Markgrafen von Vohburg in der Gegend von Eger be— 
lehnt waren. 

Die Farben (roth und weiß) des Gumppenbergiſchen 
Wappens, — welches dem Seeberger ſehr ähnlich iſt — 
ſprechen eher für als gegen dieſe Annahme, da wir in 
den Wappen der urbayriſchen Geſchlechter dieſe Farben 
vielleicht gar nicht, bei den bömiſchen dagegen ſehr häufig 
finden. Als Beiſpiel brauche ich blos das böhmiſche 
Wappen ſelbſt, und das der jetzigen Fürſten von Lob— 
kowitz') anzuführen. 

Nach einer ſpäteren Darſtellung iſt das Gumppen— 
bergiſche Wappen fo zu beſchreiben: im einfachen r. 
Schilde ein rechtsſchräger w. Balken mit 3 gr. See— 
blättern, die mit den Spitzen abwärts an einander ge— 
reiht find. Helm: 2 Büffelhörner, w. mit u Flecken, 
und daran hängenden r. Ohren. Helmdecken: r. und w. 

Die alte Sage, daß das Helmkleinod durch Heiratb 
aus dem Wappen der Sandizell in das Geſche Wappen 
übergegangen ſei, iſt nicht ſo unwahrſcheinlich; wenig— 
ſtens iſt die Tinctur deſſelben den ſonſtigen Wappen: 
farben nicht analog. 

Das eigentliche Wappenbild, die 3 Seeblätter, war 
wie ſo manches andere den alten Heraldikern ein Räthſel. 
Der eine nennt ſie Schröterhörner (auch Herr v. Hefner!) 
Nürner dagegen Ortbänder, der dritte richtig Seeblätter. 
Der Herr Verfaſſer theilt alte Siegel und Wappendar— 
ſtellungen mit, aus denen hervorgeht, daß die Seeblätter 
urſprünglich eine herzförmige Form hatten wie Linden— 
blätter, ohne Stiel und Einſchnitt. Erſt allmählich er— 
hielten ſie einen kleeblatt⸗ ring⸗ oder herzförmigen Ein⸗ 
ſchnitt und entwickelten ſich zu den durchgeſchlagenen 
Seeblättern, die allerdings den Schröterhörnern nicht 
unähnlich ſind. 5 

Als Kaiſer Maximilian s. d. Prag d. 16. Jan. 
1571 Georg von G. in den Stand der Banner- und 
Freiherrn des heiligen römiſchen Reichs und der kaiſer⸗ 
lichen Erblande erhob, war damit wie gewöhnlich eine, 
diesmal freilich blos vermeintliche, Beſſerung des Wappens 
verbunden. Folgendes iſt die Beſchreibung: 

Schild: quadrirt; 1 und 4. Seeberg; r. mit rechts⸗ 


) Nach einem Aufſatze, welchen ich im Leitzmanns N. Z. 
1869 Nr. 5 mitgetheilt habe, iſt das Stammwappen dieſes Hauſes 
ein weißer Schild mit rothem Schildeshaupt. 


46 


ſchrägen w. Fluß, der mit drei gr. Lindenblättern hinter 
einander mit der Spitze nach oben beſetzt iſt. 2. und 3: 
Gumppenberg. 2 Helme: 1) gekrönt mit r. geſchloſſenem 
Flug, der mit dem Wappenbild des 1. Feldes, jedoch 
linksſchräg, bezeichnet iſt. 2) Gumppenberg. Helmdecken: 
r. und w. 


Mit Recht rügt der Herr Verfaſſer den Umſtand, 
daß das Stammwappen den zweiten Platz erhalten habe, 
als eine Verkehrtheit. Es iſt überhaupt nicht begreiflich, 
warum man das G'ſche Wappen mit dem Seebergiſchen 
vermehrte, da es ja bekannt war, daß beide Wappen 
urſprünglich ganz gleichartig waren. Der Unterſchied 
zwiſchen Balken und Fluß, See- und Lindenblättern iſt 
erſt im Laufe der Zeit entſtanden und hätte in dieſem 
Falle gar nicht berückſichtigt werden dürfen. Aber außer⸗ 
dem enthält das Wappen in feiner rein techniſchen An⸗ 
ordnung noch manche Fehler und Gebrechen. Die Qua— 
drirung iſt in einem Falle, wo alle Felder gleich tingirt 
find, — wie hier — ganz widerſinnig und undenkbar,“) 
da eine Schildestheilung nur durch ein Zuſammen— 
treffen von verſchiedenen Farben entſtehen kann. Der 
Fluß hätte deßhalb durch den Schild durchlaufend dar— 
geſtellt werden, oder man hätte die Balken und Flüſſe 
in Form von Sparren oder eines Andreaskreuzes grup— 
piren müſſen. 


„Eben die erwähnte Verwechſelung in der Anord- 
uung der Felder und Helme“ ſagt der Herr Verfaſſer, 
„hat indeſſen zur Folge gehabt, daß häufig und fchon 
in den nächſtfolgenden Jahren von dieſer Ordnung ab— 
gewichen wurde und erſt ſpäter iſt mit mehr Conſequenz. 
an dem Vorbilde feſtgehalten worden, welches das Diplom 
giebt.“ — ö 

Wenn ſchon im Allgemeinen zu beklagen iſt, daß ſo 
viele genealogiſche Werke nur als Manuſcript gedruckt 
werden und dadurch dem Forſcher die wiſſenſchaftliche⸗ 
Ausbeutung unmöglich gemacht iſt. jo iſt dies insbe— 
ſondere bei ſolchen Werken der Fall, die jo reichhaltig. 
und vortrefflich geſchrieben ſind, wie das vorliegende. 
Wenn ein Edelmann die Geſchichte ſeines Geſchlechtes 
veröffentlicht, ſo bringt er ein Opfer, welches er dem 
Vaterlande, der Wiſſenſchaft und ſich ſelbſt ſchuldig iſt; 
Der Adel ſollte ſich dem nicht entziehen, umſomehr als 
die herrſchaftlichen Archive faſt noch unzugänglicher ſind 
als die Staatsarchive, bei welchen letzteren die Benutz— 
ung meiſt nur von der Erfüllung einer ſehr unſchwie⸗ 
rigen Formalität abhängig gemacht iſt. N 


Würzburg. Seyler. 


Dr. Otto Titan von Hefner 7. 


Am 10. Januar 1870 verblich zu München, 
erſt zweiundvierzig Jahre alt, unerwartet ſchnell 
dieſer bekannte Heraldiker, vorzugsweiſe verdient 
durch ſeine Bemühungen, das Studium der 


*) Doch find ähnliche Fälle nicht ſelten. A. d. R. 


47 


Wappenwiſſenſchaft wieder zur Geltung zu bringen. 
Zahlreiche Werke zeugen davon. | 

Um nur das Hauptſächlichſte zu berühren, 
ſo verdankt man Hefner das unter dem Namen 
„Neuer Siebmacher“ bekannte Stamm: und 
Wappenbuch (von ihm jedoch nicht vollendet), ein 
hiſtor. Wappenbuch der europäiſchen Städte, eine 
Geſchichte Herzog Albrecht's IV. v. Bayern, eine 
Chronik der Stadt Roſenheim, ein durch über 
1400 Figuren erläutertes Handbuch der theore— 
tiſchen und practiſchen Heraldik, ein Siegel- und 
Wappenbuch der alten Geſchlechter München's, 
die Wappen der bayriſchen Städte und Märkte 
in Farbendruck, Originalbilder aus der Vorzeit 
München's, heraldiſche Bilderbogen, ein heral⸗ 
diſches Originalmuſterbuch für Künſtler, eine 
Heraldik von Altbayern unter Zugrundelegung 
eines neuen allgemeinen Syſtem's, ſchließlich den 
Bayriſchen Antiquarius. Noch nicht vollſtändig 
erſchien das Neue allgemeine Wappenbuch, in 
Lieferungen zu 16 Tafeln und 1 Bogen Text. 

Des Verſtorbenen Vater verwaltete etwa 
20 Jahre lang die Stelle eines Adjuncten im 
Antiquarium zu München, war in der gelehrten 
Welt durch ſeine Schriften ein bekannter und 
angeſehener Mann, dann Gründer der ſ. g. Klein⸗ 
kinderbewahranſtalten. Er ſtarb am 16. Sep⸗ 
tember 1862. 

Dr. O. T. v. Hefner wurde zu München 
den 18. Januar 1827 geboren, vollendete ſeine 
Studien auf der dortigen Univerſität, wanderte 
aber 1849 nach Amerika aus. Was er dort in 
den anderthalb Jahren ſeines Aufenthaltes er⸗ 
lebte, ließ er 1852 bei Becher in Stuttgart durch 
den Druck veröffentlichen. Auch correſpondirte 
er damals von Philadelphia ꝛc. aus fleißig in 
die Augsburger Allgemeine, ſowie andere Deutſche 
Blätter. 

Zurückgekehrt, vermählte ſich DH. am 26. 
Juli 1853 mit Fräulein Sophie von Ziegler⸗ 
Pürgen, Tochter des verſtorbenen Hofraths und 
Gutsbeſitzers v. Z. zu Pürgen. 

Im April 1864 begann H. den Vaterlands⸗ 
Freund erſcheinen zu laſſen als Organ für bay⸗ 
riſche Geſchichte, Kunſt und Literatur. Derſelbe 
bot eine große Fülle kulturhiſtoriſcher Stoffe, 
ging jedoch leider aus Mangel an Theilnahme 
nach Jahresfriſt wieder ein. 

Bereits der erſte Band des Bayriſchen Anti⸗ 


quars wurde bei ſeinem Erſcheinen ſehr günſtig 
beurtheilt. Das Werk iſt eine Culturgeſchichte 
des Bayriſchen Adels, worin ſeiner Abſtammung, 
Fehden, Turnire, Liebeshändel, Beſitzungen und 
Wappen in unterhaltender Weiſe gedacht wird. 

Wenn es darum zuthun iſt, Mehreres über 
den Verblichenen zu erfahren, der beliebe eine ge— 
nealogiſche Seizze unter dem Titel „Die Hefner 
mit dem Winzer“ im 2. Bande des Bayr. An⸗ 
tiqu. zu leſen. 

Am Schluſſe ſei noch erwähnt, daß der Ver⸗ 
blichene der Gründer des ſ. g. „Heraldiſchen 
Inſtituts“ iſt, autoriſirt von der Kgl. Bayriſchen 
Regierung unter dem 19. Juni 1861. Die 
Sammlungen umfaſſen mehr als 40,000 Wappen 
und Siegel mit urkundlichen Nachweiſen. Die 
gelieferten Arbeiten umfaſſen alle Zweige der 
Genealogie, Heraldik, Sphragiſtik und Diplo⸗ 
matik, und werden dahin gehörende Aufträge, 
als Anfertigung von Stammbäumen u. Ahnen⸗ 
tafeln, Familiengeſchichten, Entwerfen von Wappen, 
Facſimilirung von Urkunden ꝛc. pünktlich er: 


ledigt. 


Ueber Wappenbilder auf Krügen. 


Unter den ornamentirten Töpferarbeiten der 
ſpätgothiſchen und Renaiſſance-⸗Zeit gehören die 
mit Reliefbildern verzierten Steingutfabrikate des 
Niederrheines zu dem Beſten, was in dieſem Ge⸗ 
biete jemals iſt geleiſtet worden. Die auf den⸗ 
ſelben angebrachten Verzierungen und Inſchriften 
in erhabener Arbeit ſind ſowohl in künſtleriſcher 
Beziehung als auch für Sittengeſchichte, Volks⸗ 
poeſie, Koſtümkunde und Heraldik von Intereſſe 
und Bedeutung. Auffallender Weiſe hat man 
den niederrheiniſchen Töpfergilden und ihren 
trefflichen Fabrikaten von Seiten der Geſchichts⸗ 
und Alterthumsforſchung bisher nur eine ſehr 
geringe Aufmerkſamkeit geſchenkt. Und doch ver⸗ 
dienen dieſe Innungen wegen ihrer eigenthüm⸗ 
lichen und von denen der anderen Zünfte ganz 
verſchiedenen Verfaſſungen und wegen ihrer Jahr⸗ 
hunderte andauernden Blüthe die Aufmerkſamkeit 
des Geſchichtsforſchers in ebenſo hohem Grade, 
wie die reichen, ornamentirten Fabrikate derſelben 
die Beachtung des Archäologen. Das, was dar⸗ 


48 


über bisher iſt veröffentlicht worden, verdient 


kaum der Erwähnung. 

Nachforſchungen, die ich über die bedeu⸗ 
tendſte dieſer Töpfergilden, nämlich über die 
Siegburger Ulnerzunft,*) angeſtellt habe, und die 
inſoweit erfolgreich waren, als ich die Perga- 
mentbriefe der Lade jener Innung auffand, und 
umfangreiche Ausgrabungen in den Scherben— 
lagern, in denen die brüchige Waare Jahrhun⸗ 
derte hindurch aufgeſchüttet worden iſt, mir ein 
ein reiches Material zur Beurtheilung der Fa⸗ 
brikate dieſer Zunft an die Hand gaben, haben 
unter Anderem auch für die Wappenkunde ein 
nicht unintereſſantes Reſultat geliefert. 


Ein auf Krügen vielfach angewandter Schmuck 
ſind bekanntlich die Wappenbilder. Man findet 
auf den Steingutfabrikaten des Niederrheines 
Wappen der verſchiedenen Länder und Regenten, 
dann auch Städte, Zunft⸗ und Adelswappen. 
Beſonders häufig kommen die Wappen rheiniſcher 
und weſtphäliſcher Adelsgeſchlechter auf denſelben 
vor. Dieſe, wie auch die Wappen der Städte 
und Zünfte, ſind in der Regel durch Jahrzahl und 
Namen der Inhaber näher beſtimmt. Die ſo— 
wohl auf Krügen in Sammlungen als auch auf 
Bruchſtücken in den Scherbenlagern ſich in großer 
Zahl vorfindenden Wappenbilder ſind aber für 
Heraldik und Genealogie in ſoweit eine reiche 
Quelle, als ſich aus denſelben vielfach Ergän— 
zungen und Berichtigungen für die Stammtafeln 
und die Wappenkunde der genannten Adelöge- 
ſchlechter ergeben. Man mußte aber bisher von 
einer wiſſenſchaftlichen Verwerthung des aus 
dieſer Quelle ſich Ergebenden abſtehen, weil man 
nicht wußte, inwieweit dieſe Wappenbilder au⸗ 
thentiſch ſeien, ob nicht die Töpfer dieſelben will⸗ 
kürlich, mit beliebigen Zuſätzen und Verände⸗ 
rungen verſehen, als bloßen Schmuck ihrer Fa⸗ 
brikate angewandt haben. Hierüber geben nun 
die erwähnten Urkunden den erwünſchten Auf⸗ 
ſchluß. Aus einem Zunftbriefe vom Jahre 1552 
ergiebt ſich, daß die Magiſtrate der Städte und 
die Edelleute für ihren Bedarf bei den Sieg⸗ 
burger Töpfern mitunter größere Partien von 
Steingut zu beſtellen pflegten, dabei ihre Wappen 
im Bilde einſandten und beſtimmten, wie die 
Krüge mit denſelben ſollten verziert werden. Die⸗ 


9) In den Urkunden ſo genannt von dem altdeutſchen ul, dem 
lateiniſchen ulla⸗Topf. e n 


jenigen Meiſter, welche mit ſolchen Aufträgen 
zumeiſt beehrt wurden, führten den Namen 
„herrenwerkluide“ und erfreuten ſich beſonderer 
Privilegien. Wie ſehr die Beſteller auf eine ge⸗ 
naue Abbildung des eingeſendeten Wappens 
hielten, ergiebt ſich aus einer im Kirchenarchive 
zur Siegburg vorhandenen Urkunde. Ein Adolf, 
Herr zu Gymnich führt 1597 Klage beim freiade⸗ 
ligen Scheffengerichte gegen den Ulnermeiſter 
Daniel Vlach, weil derſelbe eine bei ihm beſtellte 
Anzahl von Krügen nicht mit dem ihm damals, 
ſondern mit einem anderen, 7 Jahre früher ein⸗ 
geſandten und datirten Wappenbilde der Fa⸗ 
milie von Gymnich ausgeſchmückt habe. Er ver⸗ 
langt Zurücknahme der überſandten und Liefe⸗ 
rung der beſtellten Waare. Dieſe Beweiſe ge⸗ 
nügen meiner Anſicht nach, um darzuthun, daß 
den auf den Fabrikaten der Siegburger Töpfer 
und unzweifelhaft auch der übrigen niederrhei⸗ 
niſchen Töpfergilden ſich vorfindenden Adels⸗ 
wappen eine wiſſenſchaftliche Bedeutung beizu⸗ 
legen iſt, und daß einer wiſſenſchaftlichen Ver⸗ 
werthung der ſich daher ergebenden Ergänzungen 
und Berichtigungen fortan Nichts im Wege ſteht. 
Schloß Frens. 
J. B. Dornbuſch, Kaplan. 


Titeratur. 


„Neues heraldiſehes Syſtem für Wappen- 
Sammlungen, nebft Anleitung zur Anlage vou Sammlun⸗ 
gen, von Detlev Frhr. v. Biedermann. Dresden 1870.“ 


Seit längerer Zeit iſt von verſchiedenen Sammlern auf 
die Unzuträglichkeiten hingewieſen, welche ſich durch das Ord⸗ 
nen der Siegel nach dem Alphabet ergeben; (Vgl. obigen Ar⸗ 
tikel von H. v. L.) Im Bezug auf Sammlungen alter Sie⸗ 
gel iſt das ſphragiſtiſche Syſtem F.-K. “s bisher noch von keinem 
anderen verdrängt worden; hinſichtlich neuerer Abdrücke hat 
der Hr. Vf. der eben genannten Brochüre das Verdienſt, die 
Ordnung derſelben nach Wappenbildern zuerſt in detail⸗ 
lirteſter Weiſe in ein Syſtem gebracht und letzteres durch den 
Druck publicirt zu haben. Die Vortheile, welche dies Syſtem 
vor der alphabetiſchen Ordnung voraus hat, beſtehen darin, daß 
man in einer ſo eingerichteten Sammlung jedes Wappen, deſſen 
Figur man ſich erinnert, auffinden, und demgemäß oftmals 
Anderen unbekannte Siegel leicht beſtimmen kann; daß ſich die 
Wappen und ihre Figuren, ſowie namenlich unterſcheidende 
Merkmale ähnlicher Wappen, dem Gedächtniſſe gut einprägen; 
daß ſich, wie der Hr. Vf. bereits in feinem Artikel (Nr. 4 
d. Bl.) andeutete, Schlüſſe auf die Abſtammung und auf mög- 
liche Stammesgemeinſchaft der Familien gleichartiger Schildfi⸗ 
guren ziehen laſſen, u. drgl. m. Nur etwas zeitraubender iſt 


| 


| 


49 


dieſe Methode, indem der Sammler ſtets ein alphabetifches ] Geſchlecht v. Kappelle oder v. d. Kappell in Oberfranken von 


Regiſter mit größter Sorgfalt zu führen hat. 

Vorliegendes Werk bringt auf Seite 1 bis 7 practiſche 
Bemerkungen über die Anlegung einer Lackſiegel-Sammlung. 
Zu Seite 5 möchten wir hinzufügen, daß Lackabdrücke großer 
Stempel ſich am Beſten herſtellen laſſen, wenn man den Lack 
in einem großen Löffel oder einer Blechkanne über einer Spi— 
ritusflamme ſchmelzen läßt und auf Cartonpapier gießt. Seite 8. ff: 
Erläuterung des Syſtenms — Aufzählung der in Wappen 
vorkommenden Figuren. Eines näheren Eingehens darauf ent⸗ 
halten wir uns, um die ſammelnden Leſer zur Anſchaffung des 
Werkes und zu eigener Prüfung anzuregen. — 


„Numismatiſch-ſphragiſtiſcher Verkehr des Dr. 
L. Eger, Wien, Taborſtraße 27.“ Katalog von Münzen 
und Siegeln, Abdrücken alter und neuer Stempel ꝛc., zu 
beziehen durch das Bureau des Herausgebers, welches den Ein— 
und Verkauf genannter Gegenſtände vermittelt. 


„Prospectus L' Alsace noble, sui vie 
de: Lelivre d'or du patriciat de Strasbourg, 
d' apres des documents authentiques et en grande par- 
tie inedits par M. Ernest Lehr, docteur en droit 
etc. — 3 vols., impression de luxe, contenant 31 plan- 
ches d’armoiries chromolithographiées, 200 gra- 
vares, etc.“ Prix, broche: 200 fr. Reliure: 25 Fr. 
(Veuve Berger- Levrault et fils, libr.- edit:, Paris.) 

Das angekündigte Werk wird, dem Proſpect zufolge, 
auf dem Grunde hiſtoriſcher — großentheils unedirter — Do— 
eumente ruhend, Nachrichten über Geſchichte, Genealogie und 
Heraldik der Elſäſſiſchen Familien geben. Es find 6 ſou⸗ 
veraine, 3 mediatiſirte, 4 nicht ſouveraine Fürſtenhäuſer und 
129 Adelsfamilien vertreten. Darunter Deutſche: Baden, 
Heſſen, Naſſau, Pfalz, Würtemberg; Hohenlohe, Salm; And— 
lau, Bärenfels, Barbier v. Hegenheim, Berckheim, Bernhold, 
Berſtett. Birckwald, Bock, Bodeck v. Elgau, Böcklin v. Böck⸗ 
linsau, Coehorn, Dartein, Dettlingen, Dietrich, Eckbrecht v. 
Dürkheim, Eggs, Eptingen, Eſebeck, Falkenhain, Flachslanden, 
Franck, Gail, Gayling v. Altheim, Gemmingen, Glaubitz, 
Gohr, Gottesheim, Güntzer, Haffner v. Wasslenheim, Haindel, 
Hauſen, Hell, Hoen v. Dillenburg, Ichtratzheim, Joham v. 
Mundolsheim, Kageneck, Kempf v. Angreth, Kempfer, Kent⸗ 
zinger, Kesling von Berg, Kirchheim, Klinglin, Klöckler v. 
Veldegg⸗Münchenſtein, Landenberg, Landſperg, Lewenhaupt, 
Lückner, Lützelburg, Mackau, Malſen v. Tilborch, Mayerhoffen, 
Müllenheim, Munck, Neuenſtein, Oberkirch, Peyerimhoff, Rath⸗ 
ſamhauſen, Reinach, Reiſet, Reiſſenbach, Reuttner v. Weyl, 


Rinck v. Baldenſtein, Röder v. Diersburg, Roggenbach, Roſen, 


Rotberg, Salomon, Schauenburg, Schmidburg, Schönau, 
Schramm, Sickingen, Strahlenheim, Streitt v. Immendingen, 
Truchſeß v. Rheinfelden, Türkheim, Voltz v. Altenau, Waldner 
v. Freundſtein. Wangen v. Geroldseck, Weitersheim, Waſſenberg, 
Wetzel v. Marſilien, Wimpffen, Wreden, Wurmſer, Zorn, 
Zuckmantel, zu Rhein, u. A. 5 

Zu bedauern iſt — bei der überwiegenden Mehrzahl 
deutſcher Geſchlechter die zur Beſprechung kommen, — daß das 
Werk nicht in deutſcher, ſondern franzöſiſcher Sprache erſcheint. 


„Cor reſpondenzblatt“, Nr. 4: Die Bambergiſchen 
Erbämter, von K. Chl. von Reitzenſtein. — Nr. 5: das 


demſelben. 


„Numismat:⸗ſphragiſtiſcher Anzeiger“ Nr. 9 
Seite 65: Beſchreibung des großen Siegel's der Canadiſchen 
Conföderation. S. 60: Ueber das Wappen des Joseph 
Chevalier de Saxe, von F. Nitze. Nr. 11, S. 82. Heral⸗ 
diſche Notiz, betr. die älteſte Form des Holſteiniſchen Wappens, 
des ſ. g. „Neſſelblattes“, — die ſich, zufolge dem Siegel der 
Gebr. Grafen Johann und Gernhardt v. H., als gezackter 
Schildrand ausweiſt; Nr. 12, S. 89: in Bezug auf daſſelbe 
Hinweiſung auf die ähnlichen Siegel Walthers v. Dileberg 
und Ditmar's v. Willerſtedt. S. 91: Anfrage betr. das Biſchöf⸗ 
liche Verden ſche Wappen — bekanntlich ein Nagelſpitzkreuz. 
ſtatt deſſen jedoch im 17. Jahrh. Schweden das bei Sieb⸗ 
macher J, 19, Nr. 14. abgebildete Wappen führt, r.- w. ge⸗ 
ſchachter Schrägbalken in b. Woher ſtammt dies W.? Wie 
lange iſt es officiell gebraucht? 


„Numismatiſche Zeitung“ Nr. 11. Beſprechung der 
Schönberg'ſchen Familiengeſchichte, von Seyler. 


Heral diſche Techniß. 
Ueber das Abformen der Siegel. 
(Fortſetzung.) 

Iſt dies geſchehen, ſo ſchneide man die Formen rings⸗ 
herum gleichmäßig glatt, bürſte die Oberfläche mit einer 
weichen Sammtbürfte ab, und lege einen durch Siegel— 
lack oder Klebewachs zu befeſtigenden Streifen ſtarken 
Cartonpapiers als erhöhten Rand um jede Form; dadurch 
wird bei dem nunmehrigen Reproduciren das Abfließen 
des Gypſes verhütet und den Abgüſſen eine ebenmäßige 
Geſtalt gegeben. Jetzt beſtreiche man die Formen, in 
gleicher Weiſe wie vorher die Originale, mit Oel oder 
Fett, und wiederhole dann die Manipulation des Ab— 
gießens mit flüſſigem Gyps wie oben beſchrieben. 

Zieht das Fett ſehr ſchnell in die Formen ein, fo 
iſt das ein Zeichen, daß letztere ſich nicht lange genug 
in dem ſiedenden Wachs befunden haben; ſie müſ— 
ſen dann nochmals auf kurze Zeit hineingelegt werden. 


Hebt man nach hinreichender Verhärtung des Gyp— 
ſes den Abguß ab, ſo hat man nun ein vollkommen 
getreues Abbild des Originals. Der Abguß muß wie— 
derum völlig austrocknen und gleichfalls behufs beſſerer 
Haltbarkeit in Wachs geſiedet werden. Nach dem Er: 
kalten kann man ihm durch ganz ſanftes Reiben mit 
weichem weißen Flanell einen marmorartigen Glanz 
verleihen. 

Ein ſolcher Abguß bietet die Vortheile großer Deut⸗ 
lichkeit les läßt ſich nach Gypsabdrücken z. B. weit 
leichter zeichnen als nach den dunkeln Originalen) und 
Haltbarkeit. Eine größere Sammlung von ſolchen Stücken 
erfordert jedoch viel Raum, denn die Abgüſſe können, 
da fie mindeſtens 4 Zoll ſtark fein müſſen, nicht gut 
auf Papptafeln geklebt — ſondern nur in hinreichend 
hohen Käſten verwahrt werden. 


. 


Zum Anfertigen der Formen verwendet man am 
Beſten guten ſ. g. Stuccatur- oder Geſchwind-Gyps, a 
Metze gewöhnlich 5 Sgr. Zu den eigentlichen Abgüſſen 
empfiehlt es ſich aber feineren Gyps zu gebrauchen; 
beſonders eignet ſich Alabaſter- oder Pariſer Gyps, à 
Pfd. 5 Sgr. Man darf demſelben, um dem Abguß ei: 
ne angenehme gelbliche Färbung zu geben, eine kleine 
Quantität feinen gelben Ocker zuſetzen. 

Anſtatt die Formen in Wachs oder Stearin zu ſie⸗ 
den, kann man auch die Oberfläche mit einer dünnen 
Auflöſung von Schellack in Spiritus beſtreichen; dies 
empfiehlt ſich namentlich bei größeren Exemplaren. 


(Fortſetzung folgt.) 


Vermiſchtes. 


Obwohl auf den alten Grabſteinen meiſtentheils die nor— 
male Stellung der Ahnenwappen beobachtet zu ſein pflegt, ſo 
kommen doch Fälle vor, welche dem Genealogen nicht wenig 
Kopfzerbrechen verurſachen. So befindet ſich in der Kirche zu 
Schkortleben bei Weißenfels ein Leichenſtein, auf welchem eine 
weibliche Geſtalt in ganzer Figur ausgehauen iſt, mit der 
Umſchrift: 

„Anno domini 1578 iſt die edle und tugendſame Frau 
Eliſabeth geb. Marſchalk, Joſt von Bieſenrodt ehelige Haus⸗ 
frau zu Schkortleben in Gott ſeligen verſchieden,“ 
und begleitet von vier bemalten Wappen: Oben rechts: v. 
Bieſenrodt mit der Umſchrift J. v. B. 
(Der Ehemann Jobſt.) 

Oben links: v. Landwüſt: A. v. L. (die Schwie⸗ 
germutter Agnes v. L.) 

Unten rechts: v. Marſchall (die Thüringer: 2 r. Schaf⸗ 
ſcheeren in w.) Umſchrift: E. v. S. Soll heißen? Die 
Mutter — geb. v. S.? 

Unten links: im r. Schilde ein ſechseckiger w. Stern: 
Helm: Wulſt; Büffelhörner, r. und w. „D. v. G.“ Heißt —2 
Großmutter väterlicher Seite? Von Rechts wegen mußten an⸗ 
gebracht ſein: 

Der Vater 
(v. Marſchall.) 

Die Großmutter Die Großmutter 

väterl. Seite. mütterl. Seite. 

Welcher Familie mag das Wappen mit dem Stern ange⸗ 
hören? Das D. v. G. iſt kaum ein Fingerzeig, da das 
Marſchall'ſche W. mit E. v. S. bezeichnet iſt. 

Der Oeſterreichiſche Reichskanzler Graf Beuſt hat die Er⸗ 
laubniß erhalten, den kaiſerlichen Adler und das ungariſche 
Landeswappen in ſein Wappen aufzunehmen. Wiener Blätter 
machen darauf aufmerkſam, daß die Verleihung des Reichsadlers, 
als Gnadenzeichen, nicht ſelten iſt, dagegen die Vermehrung 
eines Privatwappens durch die Ungariſchen Embleme bisher 
nicht vorgekommen ſei. 

Wie durchaus nothwendig iſt, daß Schriftſteller, die über 
Zuſtände des Mittelalters ſchreiben, in der Heraldik Beſcheid 
wiſſen, davon hier ein Beiſpiel von Vielen. In dem, 1869 


Die Mutter. 


zu Paris erſchienenen, Prachtwerke: „Les arts au moyen 
age et à l'époque de la renaissance, par Paul La- 
croix etc.; deuxieme édition“ findet ſich S. 28 die Ab⸗ 
bildung eines edelherrlichen Gemaches aus dem 14. Jahrh. 
(tire du Dictionnaire du mobilier francais.) Da erblickt man 
über dem hohen Kamin ein in Stein gehauenes Wappen: Dreied- 
ſchild mit Adler; über demſelben ein offener Helm im Ge⸗ 
ſchmack des 18. Jahrh., beſteckt mit zwei natürlichen Flügeln, 
zwiſchen denen ſich eine unbeſchreibbare Figur zeigt; daneben 
als Schildhalter (U) rechts natürlicher Löwe mit eingeklemmten 
Schwanz, links ſitzender Eisbär. Müſſen nicht ſolche Unge⸗ 
heuerlichkeiten auch gegen die übrige Zuverläſſigkeit derartiger — 
ſonſt gediegener — Werke Verdacht erregen? 


Anfrage v. 

Jedem Siegelſammler ſind ſicherlich Ab- 
drücke in Birkenrinde bekannt, welche neben 
großer Haltbarkeit die Vorzüge außerordentlicher 
Schärfe und ſchönen Ausſehens vereinen, mit 
deren Anfertigung jedoch die Graveure heut' zu 
Tage ſich nicht mehr zu beſchäftigen ſcheinen. 
Es wird hierdurch eine gefällige Auskunft darü- 
ber erbeten, in welcher Weiſe dieſe — mei⸗ 
ſtens als Probe-Abdrücke fortgegebenen — Sie⸗ 
gel in Birkenrinde hergeſtellt wurden, da der 
Einſender etwas Genaues ſowohl über die er— 
forderliche Auswahl des Materials, als auch 
über die Manipulation des Abdrückens, nicht 
hat in Erfahrung bringen können. Gütige Aus⸗ 
kunft wolle man der Redaction d. Bl. zur Ver⸗ 
öffentlichung geneigteſt einſenden. 


Anzeige. 


Von Siebmacher's 


großem und allgemeinen Wappenbuch 


iſt ſoeben Lieferung 79, enthaltend preußiſchen Adel Krainski — 
Lemmers, bearbeitet von G. A. v. Mülverſtedt und Ad. M. 
„ ausgegeben worden. Subſeriptionspreis Thlr. 1. 
18 


gr. 2 
Nürnberg, Juli 1870. - Bauer & Raspe. 


Inhalts⸗Verzeichniß: 
Amtl. Nachricht. — Protocoll. — Schloß Warthaufen. 
— ueber das Anlegen einer Siegelſammlung. — Die Frei⸗ 
herrn v. Gumppenberg. — Dr. O. T. v. Hefner. — Ueber 
Wappenbilder auf Krügen. — Literatur. — Herald. Technik. 
— Vermiſchtes. — Anfrage. — Anzeige. 


Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗Bezirk Magdeburg. 
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 5 


RL 


a? Sppragifik und Genealogie. 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin. 


Erſcheint monatl. einmal 11 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile. 


Ur. 7. I Berlin, im Anguſt 1870. SS 1. Jahrgang. 
Auszug Jahres-Beiträgen der torreſpondirenden Mitglieder, ſowie von 


R 7 e 0 % den Abonnenten des Vereinsorgans noch beträchtliche Summen 
aus dem Protokoll der Sitzung des Herold im Rückſtande ſeien und man über die Art der erforderlich 


vom 3. Auguſt 1870. werdenden Einziehung der Gelder Bedenken habe. Es wurde 
Anweſend 10 Mitglieder. empfohlen, die Reſtanten durch den „Deutſchen Herold“ an die 
Nach ſtattgehabter Vorleſung des Protocolls der letzten baldige Einzahlung der noch rückſtändigen Beträge zu erinnern, 
Sitzung, welches in allen Theilen genehmigt ward, wurden auf widrigenfalls die Entnahme derſelben durch Poſtvorſchuß als 
den Vorſchlag des Präſidenten der Freiherr Carl v. Reigen: | dem Wunſche der Debenten entſprechend angeſehen werden 
fein hierſelbſt, ſowie der Gerichtsamtsactuar Carl Apetz zu ſolle. 
Roda im Herzogthum Sachſen-Altenburg reſp. zu wirklichen Eine Beſprechung älterer Siegel veranlaßte den Herrn 
und correſpondirenden Mitgliedern aufgenommen. Freiherrn v. Reitzenſtein in einem längeren, intereſſanten 
Darauf ward dem Lieut. Herrn Gritzner das Wort Vortrage über das erſte Erſcheinen der heraldiſchen Ehrenſtücke, 
ertheilt und von demſelben vorgetragen, daß es zu Unzuträg- die Art derſelben und deren in ſpäterer Zeit ſehr oft erfolgte 
lichkeiten führen müſſe, das Amt des Schriftführers und Schatz Corruption ze. ſich zu äußern, wobei der Wunſch ausgeſprochen 


meiſters — wie das jetzt, wenn auch nur proviſoriſch, ‚beliebt | ward, den Vortrag auch den auswärtigen Vereins-Mitgliedern 
worden ſei — in einer Perſon zu vereinigen; auch müſſe eine | durch Bearbeitung für den D. Herold zur Kenntniß zu bringen. 
Vertheilung der Geſchäfte wünſchenswerth und es daher rath— Vom Herrn Lieutenant Gritzner wurde eine Schrift 


ſam erſcheinen, die Neuwahl eines Schriftführers vorzunehmen. über die Siegel des Ratzeburger Dom-Capitels, vom Archiv⸗ 
Nachdem dieſer Antrag die Zuſtimmung der Anweſenden ge- Rath Paſtor Maſch zu Demern verfaßt und für die Bibliothek 
funden hatte, ward von dem Herrn Lieutenant Gritzner der beſtimmt, überreicht, und dem Geber der zu veröffentlichende 
Geh. exped. Secretair Warnecke, Steglitzer Str. 58, III. Dank des Vereins ausgedrückt. 

und ſeitens des Vorſitzenden die Uebertragung des Schatzmeiſter— Schließlich ſprach der Unterzeichnete — in der Hoffnung 
Amtes auf den bisherigen Bibliothekar, Lieutenant Gritzner, auf den glücklichen Erfolg unſerer Waffen in dem gegenwärtigen 
Victoria-Straße Nr. 11, III. in Vorſchlag gebracht, auch die Kriege und den Einzug unſerer ſiegreichen Truppen in Paris 
Verwaltung der Bibliothek dem Wappenmaler Herrn Winckler, — den Wunſch aus, daß mit dem Sturze des verhaßten Aben— 
Oranje. Straße 135 parterre, übertragen. Einſtimmig er⸗ teurers auch die berüchtigte Napoleoniſche Heraldik — dieſe 
folgte die Billigung dieſer Wahlen und waren auch die betreffen- | Ausgeburt des Corſen — ihrem Untergange nicht entgehen 
den Mitglieder mit Uebernahme der ihnen zugewieſenen Aemter möge, ein Wunſch, welcher allſeitig mit Beifall begrüßt wurde. 
einverſtanden. Schluß der Sitzung 94 Uhr. 

Der Schriftführer erftattete ſodann Bericht über den zei- Zur Beglaubigung: F. Warnecke. 

tigen Stand der Vereinscaſſe, legte Rechnung über die von 1. 


Januar bis ult. Juli er. gehabten Einnahmen (151 Thlr. 5 Peilräge zur Henealogie 

Sgr.; außerdem noch rückſtändig pptr. 71 Thlr.) und Au- File 4.5 2 . 

gaben (95 Thlr. 7 Sgr. 3 Pf.) und überlieferte den Saldo einiger Rheiniſch⸗Riederländiſcher 

im Betrage von 55 Thlr. 27 Sgr. 9 Pf. an den Schatz⸗ familien Eu 

meiſter, welcher — nach Prüfung der Beläge und Durchſicht ii “ 

der Rechnung — für den bisherigen Rechnungsführer die ſta⸗ Baſtogne, zu deutſch Baftenad). 

tutenmäßig zu ertheilende Decharge erwirkte. Dieſes alte und reiche Geſchlecht fehlt bei Fahne gänzlich. 
Ber dieſer Gelegenheit kam es zur Sprache, daß von den Einige Perſonen kommen in den verſchiedenen Schriften des 


52 


Oberlehrers Anix vor; ſo z. B. 1442 Emmerich von B. 
und ſeine Frau Johanne, Tochter von N. von Buck und 
Johanne von der Roitzſchen. — Folgendes genealogiſche 
Bruchſtück iſt aus dem Staatsarchiv zu Lüttich zu documentiren: 

Heinrich von Baſtenach Herr zu Vogelſanck, 

heirathete Beatrix de Clermont de Harzee (Tochter von 
Wery de Clermont de Harzee, hautvoué de Fran- 
chimont + 1365 und Johanna von Julemont.) — 
Beide lebten 1382. Nach Hein rich's Tode vermählte ſich Be⸗ 
atrix mit Dietrich von Engelsdorf, und ſtarb vor 
1415. — Der Name Harzee erſcheint nun dieſe Zeit gewöhnlich 
in Henste corrumpirt. Hein ich und Beatriz hinterließen: 

Gerhard von Baſtenach Herrn zu Vogelſanck, der 

ſich mit Eliſabeth Gräfin von der Marck vermählte. 
Sie war die Tochter des Grafen Engelbert von der Marck 
und der Eliſabeth von Hamal zu Lauvirval und ſtarb 
vor 1420. Ihre Kinder: 

1) Johanna von Baſtogne heirathete vor 1420 
Johann von Orley. — 

2) Heinrich von Baſtogne Herr zu Vogelſanck 
lebte noch 1438 und war mit Eli ſabeth von 
Merode-Frankenberg (der Tochter Andreas des 
erſten u. der Gertrudis von Frankenberg) 
verheirathet. Er hinterließ nur folgende zwei Töchter: 


1) Iſabella, welche den Freiherrn Richard von 
Merode-Frentz heirathete, aber am 11. November 
1445 kinderlos ſtarb und im Kreuzgange des Kloſters 
zu Burtſcheidt begraben liegt; — 

2) Bona, erhielt in der Folge Vogelſanck und hei⸗ 


rathete 1436 Gaub in (S Gobelinus, Göbel) 

von Elter (franzöſiſch d’Autel) zu Sterpen ich. — 

Das Wappen der Baſtogne zeigt zwei weiße Leoparden 

in roth und im weißen Oberwinkel einen ſchwarzen Hahn. — 


Vertolf von Belven. 

Die Familie ſchrieb ſich ſpäterhin Belven von Bertolf 
und noch ſpäter Beelen von Bertolf. Ich finde folgendes 
Bruchſtück: Johann Bertolf von Belven, Ritter, 1460 
Schöffe zu Aachen, heirathete Agnes von dem Panhus 
genannt von Kettenis, und hinterließ: 

1) Johann Bertolf von Belven, der um 1493 lebte 
und Margaretha von Birgel heirathete; ſeine Kinder 
waren: Johann, der keine Nachkommen von Eliſabeth 
von Schwarzenberg hinterließ, und Johan na, die 
ſich mit Johann von Crümmel genannt Nechters⸗ 
heim vermählte. — 

2) Odilia, heirathete Johann von Dobbelſtein zu 
Eynen burg. — 

3) Simon, 1482 — 1493, zeugte mit Agnes von 
Crümmel: 

1) Achilles. In Bezug auf ihre und ſeine Nachkommen 
verweiſe ich auf Fahne 1. u. II., bemerke jedoch, daß 
ſein Enkel Simon nicht mit Margaretha Schall 
von Bell, ſondern mit Eliſabeth Schuyl von 
Wallhorn (Tochter von Wynaud u. Eliſabeth von 
Tiffelt) vermählt war. — 

2) Reinhard, welcher 1533 noch lebte aber 1538 todt 
war, heirathete Chriſtina von Rolandswerth. 
Seine Descendenz ſteht bei Fahne I. 

3) Everhard, von welchem unten. 

4 Simon. f 


5) Scheiffart. 

6) Agnes. Die drei letzteren find bei Fahne I. erwähnt. 
Everhard Bertolf von Belven, Mitherr zu Ruyff— 

lebte noch 1533. Er hatte zweimal geheirathet; erſtens Marie 
von Sanect⸗Vith und zweitens Margarethe von 
Doenrath (Tochter von Ghis lain und Margarethe 
von Hoven). Die erſte Ehe war unfruchtbar, aus der 
zweiten entſproſſen: 

1) Ever hard, fiel bei Thionville. 

2) Baltaſſar, ſtarb unverheirathet. 

3) Agnes, heirathete Leonhard von Gül pen, Sohn 
von Frambach u. Marie von Eys genannt von 
Beusdael. — 

4) Johann, Mitherr zu Ruff, ſtarb im hohen Alter 
1630 am 18. Dezember. Er hatte ſich am 4. November 
1598 mit Franziska von Sainte-Fontaine (Tochter 
von Olivier und Angelique Radoux des Pre) ver⸗ 
mählt und hinterließ folgende Kinder: 

1) Jo hann, von dem hernach. — 

2) Adolf, Domherr zu Aachen. 

3) Agnes, heirathete 20. Juni 1621 Chriſtian von 
Woeſtenrath, Sohn von Chriſtian u. Maria 
von Haultepenne. — 

A) Angelique, ſtarb unvermählt. — 

5) Maria, Nonne zu Aachen. — 

Johann Bertolf von Belven, Herr zu Ruyff und 
Baelen, vermählte ſich am 28. Februar 1634 mit Maria 
Iſabella von Haultepenne (Tochter von Philipp u. 
Suſanna de Frerot genannt von Guyencourt) u. hinterließ: 

1) Johann Philipp Bertolf von Belven Herr zu 
Ruyff und Baelen, hinterließ von Charlotte von 
Boccop (Tochter von Ernſt und Anna Veronica 
von der Ehren genannt von Birgel) Erbin zu Birgel: 
Johann Chriſtof Bertolf von Belven, Herr zu 
Ruyff, Baelen und Birgel, präſentirte folgende 
ſechszehn Ahnen: Bertolf v. Bel ven, Doenrath, 
St. Fontaine, Raboux des Prez, Haultepenne, Zoute 
genannt Lacy, Frerot de Guyencourt, Haynin, 
Boccop, Oldenbarnevelt, Spiering, Konnen 
von Segenwerp, von der Ehren, Birgel, 
Kolff von Vettelhofen, Spies von Büllesheim. — 

2) Wilhelm, heirathete Anna Catharina von 
Schwarzenberg und hinterließ eine Tochter Mar ia 
Magdalena (geboren 1675 geſtorben 1745) welche ſich 
1709 mit Johann Siegmund von Lamboy de 
Rave (geboren 1656 geſtorben 1722) vermählte. — 
Weiter vermochte ich die Abſtammung nicht fortzuführen. 

In Azevedos großem Werke „Genealogie de la maison 
van der Noot“, in dem „Nobiliaire“ von Vegiano nnd 
in den „Tombes“ von Hercken rode, findet ſich noch 
Manches über dieſe Familie, was ich aber leider an das Obige 
nicht anzuſchließen vermochte. — f 


Brakel. | 

Franz Georg Ignaz von Brakel, mit welchem Fahne 

ſeine Genealogie dieſes Hauſes beſchließt, ſtarb 1791 und 
hinterließ von Wilhelmine Thereſe von Haxthauſen. 
einen Sohn Ferdinand, deſſen weitere Descendenz das frei 
herrliche Taſchenbuch aufführt. — Franz Georg Ignaz 
hatte noch zwei Brüder, die bei Fahne fehlen, nämlich Georg 
u. Wilhelm. — | 


53 


Engelsdorf. 

Wir haben oben (ſub Baſtogne) geſehen, daß 
Beatrix von Harzee in zweiter Ehe den Dietrich von 
Engels dorf heirathete und vor 1415 ſtarb; im genannten 
Jahre vermählte ſich Dietrich nämlich zum zweiten Male mit 
Alize von Malberg und hinterließ aus dieſer Ehe unter 
anderen Kindern eine Tochter Margarethe, vermählt mit Johann 
von Fiſchbach, deſſen Vorfahren bereits im 11. saec. im 
Luxemburgiſchen ſeßhaft waren. — Das Wappen der Harzee 
findet ſich in Veſſel's armorial du Luxempourg, Arlon 
1868. — Der erfte Harzee den ich auffinden konnte tft 
Louis de Walcourt, dit de Clermont-Harzée, der im 
Jahre 1321 ſtarb und mit Jsabella de Bellestre (geſtorben 
1350) vermählt war. Er iſt der Großvater der Beatrix; 
ihre mütterlichen Großeltern waren Simon de Julemont 
und N. N. d’Ouffey. — Beatrix hatte eine Schweſter 
Eliſabeth, vermählt mit Wilhelm von Mombeck, der in 
erſter Ehe Beatrix von Pittingen, Tochter des Herrn von 
Sevenborn, geheirathet hatte. — 

Johanna von Clermont-Harzee, wie es ſcheint die letzte 
der Hauptlinie, heirathete um 1420 Jacob von Beaufort- 
Celles, deſſen Nachkommen ſich auch mitunter Beaufort- 


Harzee ſchrieben. 1 
Gülpen. 


Die Genealogie dieſes ſehr weit verzweigten Geſchlechtes 
iſt noch äußerſt unklar und finden ſich ſehr wenige authentiſche 
Quellen darüber vor: 

Alard von Gülpen Herr zu Rosmelle (= Roſ⸗ 
müblen) ſtarb vor 1512, in welchem Jahre feine Gattin 
Catharina von Neufchateau mit Johann von Beau- 
fort de Celles dit de Harzee (geſtorben 1520, in zweiter 
Ehe 1519 mit Philippine von Bouzenton, Wittwe des 
Johann von Spontin, vermählt) zur zweiten Ehe ſchritt. 
Sie ſtarb 1516. Ihre Eltern waren Johann von Neuf- 
chateau und Catharina von Xhénémont, deren Mutter 
eine Bergh von Trips war. — Alard und Catharina 
hinterließen einen Sohn Frambach und eine Tochter Catha— 
rina. Erſterer heirathete Anna Pfingſten“) von Al- 
ſteren, Tochter von Johann von Alſteren, der mehre- 
male Bürgermeiſter von Lüttich war, und von Margarete 
von Hamal zu Soi je. Fahne hat irrthümlich den Namen 
der Mutter auf die Tochter übertragen. Frambach beſaß Ros- 
melle, Neufchateau und Wodemont (deutſch Walden: 
burg.) Seine Kinder waren: 


1) Frambach, vor dem hernach. 

2) Wilhelm, deſſen Nachkommen ich nach denen Fram— 
bachs anführen werde. 

3) Adolf Herr zu Neufchateau war mit Joſina von 
Oultremont vermählt und ſtarb am 1. Mai 1557. 
Sein gleichnamiger Sohn war erſtens mit Catharina 
von Schwarzenberg und zweitens mit Maria von 
Waes verheirathet. Er hat jedenfalls Nachkommen gehabt 
über die jedoch bisher nichts Sicheres aufzufinden war. 
Mar ia von Waes vermählte ſich in zweiter Ehe mit 
Gerhardt von Ans, Bürgermeiſter von Lüttich. — 


(Fortſetzung folgt.) 
*) Ein merkwürdiger Taufname. In franzöſiſchen Urkunden 


wird er ſtets Pentecote geſchrieben, iſt alſo keine Abart von 
Philippine wie Fahne glaubt. 


Betr. die Adelsmatrikel. 


Zu der ſehr intereſſanten und wichtigen Abhandlung 
unſers Herrn Redacteurs in Nr. 5 dieſer Blätter, 
„Ueber die Errichtung einer Adelsmatrikel,“ erlaube ich 
mir folgende Bemerkungen. 

Von den bereits beſtehenden Adelsmatrikeln kommt 
die Kgl. Württembergiſche der in Vorſchlag gebrachten 
am naͤchſten. Dieſelbe tft angeordnet durch kgl. Decret 
vom 15. Januar 1818, R. Bl. Nr. 6; vom 3. Januar 
180% , DE Nr ;; pom 4, Juli 1825, R Bl. Ne. 
37. Sie zerfällt in eine Perſonal- und Real-Matrikel. 
In erſterer wird unter folgenden 8 Rubriken der Stand 
der ſämmtlichen perſönlichen Verhältniſſe eingetragen: 
1) Familien⸗Name; 2) Vorname (aller Familienglieder); 
3) Geburtstag und bei Minderjährigen Bezeichnung des 
Vormundes; 4) Dienſtverhältniſſe, Titel u. ſ. w.; 5) 
Wohnort in- und außerhalb des Königreiches; 6) An- 
gabe, welchem Staate jedes einzelne Mitglied als Staats— 
bürger angehört; 7) Hinweiſung auf die Realmatrikel; 
Beſitzungen im Auslande und ſonſtige Verbindungen 
mit fremden Staaten. Immer richtig erhalten wird die 
Perſonal-Matrikel durch die von den Gerichtshöfen und 
den Oberämtern jährlich zu liefernden Notizen über vor— 
gekommene Veränderungen. S. (ungedr.) Miniſt. Erlaſſe 
vom 19. April 1832; 29. Sept. 1834; 23. Juli 1836. 
IJgn der Real-Matrikel find nur enthalten ſolche Be— 
ſitzungen, auf denen ehemals eine Reichs- oder Kreis— 
tagsſtimme ruhte, und Rittergüter; andere liegende 
Gründe werden nicht aufgenommen. Die genannten aber 
ſind unter folgenden 9 Rubriken beſchrieben: 1) Name 
und Beſchreibung des Gutes; 2) politiſche Zutheilung 
nach Oberamt und Kreis; 3) auf dem Gute ruhende 
Rechte; 4) Steueranſchlag; 5) ungefährer reiner Ertrag; 
6) ob Lehen oder Allod? 7) Succeſſions- und Familien- 
rechte; 8) Name des Beſitzers; 9) Hinweiſung auf die 
Perſonalmatrikel. Conf. R. von Mohl, das Staatsrecht 
des Königreiches Württemberg, I. 6 S. 468. 

Was unſere bayriſchen Verhältniſſe betrifft, ſo be— 
merke ich vor Allem, daß die kgl. Declaration vom 19. 
März 1807 nur Beſtimmungen enthält über die ſtaats⸗ 
rechtlichen Verhältniſſe derjenigen vormals reichsunmit— 
telbaren Häuſer, welche kurz vorher der Krone Bayerns 
unterworfen worden waren. 

Wie ſchon aus dem Wortlaute des im Auszuge 
mitgetheilten Adels⸗Edictes von 1808 hervorgeht, haben 
wir nur eine Perſonal-Matrikel, welche ihre Unterab- 
theilungen nach den bei uns beſtehenden 5 Adelsklaſſen 
(Fürsten, Grafen, Freiherrn, Ritter, Edle) erhalten hat. 

Die Adels-Matrikel ſcheint bei dem bayr. Adel 
keinen beſondern Anklang gefunden zu haben, da die 
Friſt zur Einſendung des Materials unter energiſcher 
Bedrohung der Säumigen öfters verlängert werden mußte. 

Da in Bayern nur diejenigen als adelig anerkannt 
ſind, welche in die Adels-Matrikel aufgenommen wur⸗ 
den, ſo müſſen alle fremde Adelige, welche in bayriſche 
Dienſte treten, ſich immatriculiren laſſen. Jeder neue 
Eintrag wird durch das Regierungsblatt veröffentlicht. 

Die Matrikel wird durch die von ſämmtlichen kgl. 
Pfarrämtern und den Familien einzuſendenden Tabellen 
über etwaige Veränderungen ergänzt. 


Wenn ich mir nun erlaube, bezüglich der in Vor: 
ſchlag gebrachten Matrikel einige Modificationen vorzu⸗ 
ſchlagen, ſo geſchieht dies in der Hoffnung, daß Deutſch— 
land in kurzer Zeit nicht mehr in den norddeutſchen 
Bund und die ſüddeutſchen Staaten abgegrenzt, ſondern 
ein deutſcher Bundesſtaat ſein wird. Hierauf allein 
gründen ſich meine Vorſchlägeee 

Nach meiner Anſicht mußte die künftige Adelsma— 
trikel abgetheilt werden in 1., eine Central- 2., eine 
Provinzial-Matrikel. 

Die Führung der erſteren wird von einem Depar— 
tement des Bundeskanzleramtes beſorgt, iſt gleichſam ein 
Repertorium über die Provinzial-Matrikeln, und enthält 
daher blos Allgemeines. i N 

Die Provinzial⸗Matrikel wird von der betr. Nitter: 
bank beſorgt und erſtreckt ſich auf jedes einzelne Samt: 
lienglied, unter genauer Angabe der Geburts- und Todes⸗ 
zeit, Würde, Titel, Vermählung u. ſ. w. Es wurde 
hierbei Bedacht darauf zu nehmen ſein, die alte, auf 
hiſtoriſcher Abſtammung und Stammesgenoſſenſchaſt be⸗ 
beruhende Eintheilung Deutſchlands in Kreiſe (Ober— 
ſachſen, Niederſachſen, Franken, Bayern, Schwaben u. |. w.) 
. 5 En 

ie deutſchen Bundesfürſten könnten hierin jeden⸗ 
falls keine Kränkung ihrer Regalien, ſondern blos eine 
Conſequenz des für Norddeutſchland bereits beſtehenden 
gemeinſamen Indigenates erblicken. Nach meiner Auſicht 
müßte aus demſelben ferner hervorgehen, daß in Zukunft 
die einzelnen Regierungen nicht mehr das Recht haben, 
zu nobilitiren, ſondern blos die betr. Perſönlichkeiten bei 
der Bundesregierung in Vorſchlag zu bringen. 

Haben wir dies erreicht, jo müſſen von ſelbſt unſere 
Reichsheroldenämter eine beſſere Verfaſſung bekommen. 
Sollte ſelbſt der Reichsherold keine genügenden heraldiſch— 
wiſſenſchaftliche Kenntniſſe beſitzen, was noch öfters der 
Fall ſein könnte, wo dieſes Amt nur als Nebenamt 
betrachtet wird, ſo würde er von den Sachverſtändigen 
der Ritterbänke gegebenen Falles ſich Rath erholen 
müſſen. i x 
| Vorläufig müſſen wir uns eine freiwillige Controlle 
über die Herolden-Aemter aneignen und die meiſt ſehr (2) 
ſinnigen Wappenmalereienſchonungsloskritiſiren. Vielleicht 
wird dadurch manchem Stümper ſein Amt verleidet, 
oder er ſiebt ſich wenigſkens veranlaßt, gründlichere 
Studien zu machen, als in den heraldiſchen Bädekers: 
Gatterer u. ſ. w. 

Würzburg, im Juli, in 
einigen Deutſchlands. 


2 
2 


den Tagen des 
Seyler. 


Eine Bitte an Freunde der Heraldik. 


Schon ſeit Jahren beſchäftige ich mit damit, vereinzelte 


Wappen⸗Sagen zu ſammeln. Einige der deutſchen Städte er— 
ſchienen bereits vor geraumer Zeit in Weſtermanns illuſtrirten 
Monatsheften, jene der Ritter und Edlen, der Freiherrn und 
Grafen in der illuſtrirten Zeitung zu Leipzig. An dieſe ſollen 
ſich dann jene fürſtlicher Häuſer reihen, welche ins Reine ge— 
ſchrieben bei der Redaction ſchon vorliegen. 


Der Schreiber weiß recht gut, daß eine Menge dieſer 
Sagen erſt entſtanden, nachdem ein Wappen ſchon weiß Gott 
wie lang im Gebrauche war. Irgend eine eigenthümliche Schil⸗ 
desfigur ſuchte ſich das Volk nach ſeiner Art zu deuten und 
ſo bildete ſich manche Wappenſage. Damit kann aber noch 
nicht der Wunſch mancher Heraldiker Platz greifen, die Wappen⸗ 
ſagen alle über Bord zu werfen und für leere Erfindungen 
auszugeben. Es exiſtiren deren genug, welche das Gegentheil 
hievon gerade darthun. 

Man wird es mir nicht verargen, daß ich mich ſchon län— 
ger mit dem Gedanken vertraut machte, feiner Zeit dieſe Wap— 
penſagen alle in einem Werke für ſich erſcheinen zu laſſen. 
Um aber entweder Lücken auszufüllen oder manches mir noch 
Unbekannte zu erfahren, erlaube ich mir an Freunde der He. 
raldik nachſtehende Fragen zu richten: 

Aus welchem Grunde führen die Grafen von Cettner 
in Roth eine gelbe Heer-(Regiments-) Fahne, deren Spitze 
nach rechts oben gewendet und deren Schaftende abgehauen iſt? 

Wie kommt es, daß im blauen Wappenſchilde der Grafen 
von Bethlen eine gekrönte und aufwärts ſteigende grüne 
Schlange einen Reichsapfel im Munde hält? 

Warum hat der Fürſt Palffy von Erdöd in ſeinem 
blauen Wappenſchilde ein halbes gelbes Rad (mit fünf Spei⸗ 
chen), das dem grünen Dreiberg am Fuße entſteigt und warum 
wächſt ein ſtattlicher gelber Hirſch aus dieſem Rade hervor? 
Derſelbe Edelhirſch erſcheint gleichfalls im Herzſchild der Gra— 
fen von Erdödy. 

Was erzählt man ſich davon, daß im blauen Schilde der 
Grafen von Csaky das vom Rumpf getrennte blutige Haupt 
eines noch jugendlichen Mannes zu ſehen? Eine rothe mit 
weißem Pelz verbrämte Mütze ziert ſein Haupt und dicke Bluts⸗ 
tropfen entquellen dem Halſe. 

Wie läßt ſich das erklären, daß die Grafen von Bub na 
im erſten gelben Halbfeld ihres Wappens eine Trommel 
führen, deren Sarg gelb, blau und roth iſt. Wir wiſſen 
wohl, daß der Ausdruck Bubna im Slaviſchen eine Trommel 
bezeichnet, wie kommt aber die genannte Familie dazu, ſich 
dieſen Namen beizulegen? 

Das Schild der Freiherrn von Hotowetz, von Huſſenitz 
und Loewenhaus iſt ſchräg in Schwarz und Roth durch einen 
weißen Bach getheilt. Im unteren Felde vertheidiget ein gel— 
ber Löwe mit einem Banner in den Pranken auf das Ent⸗ 
ſchiedenſte einen zuſammen ſtürzenden Wall. Hinter dem Löwen 
erblicken wir eine Stadt in hellen Flammen. Warum das? 

„Aus Zufall,“ antwortet mancher, dem Wappenſagen und 
Wappendeutungen ein Gräuel ſind. 

Ich hätte noch mehrere derartige Kümmerniſſe am Herzen, 
allein ich will mich für diesmal beſcheiden. Etwaige Auf— 
ſchlüſſe oder Mittheilungen könnten entweder in der Correſpon— 
denz des „Deutſchen Herolds“ ihre Erledigung finden, oder nach 
Regensburg an den Bittſteller geſandt werden, an den Sekretär 
des hiſtoriſchen Vereins der Oberpfalz Herrn 

Hans Weininger. 


Inhalts-Verzeichniß: 
Protokoll. — Beiträge zur Genealogie einiger Rheiniſch⸗ 
Niederländiſcher Familien. — Betr. die Adelsmatrikel. — Eine 
Bitte an Freunde der Heraldik. — 


Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs-Bezirk Magdeburg. 
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


a 


5 us 


== 


Fyphtagiſtik und Genealogie. 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde Zu Berlin. 


Erſcheint monatl. einmal 1—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile. 
2 1 p p ee 


Ar. 8. u. 9. 


Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller— 
gnädigſt geruht: den Major und Commandeur des 
Schleswig⸗Holſtein'ſchen Pionierbataillon's Nr. 9, 
Johann Heinrich Cöleſtin Hutter, in den Adel— 
ſtand zu erheben. (Publ. 20. Aug.) 


Auszug aus dem Sitzungs-Vrotoſtolle des 

„Gerold“ vom 7. September 1870. 

Es hatten ſich 11 Mitglieder eingefunden. 

Zunächſt wurden mit dem Protokolle der letzten 
Sitzung die zahlreich von verſchiedenen correfpon- 
direnden Mitgliedern eingegangenen Zuſchriften 
vorgeleſen, nach welchen der Verein das beſte 
Gedeihen ſeiner Thätigkeit hoffen darf. Zugleich 
gab der Schriftführer auf eine an denſelben ge— 
richtete Anfrage über den Zweck der Zutheilung 
auswärtiger Mitglieder in eine der drei Seeti— 
onen, im Einverſtändniß der Anweſenden, die 
Erklärung ab, daß damit weder eine Theilnahme 
dieſer Mitglieder an den Berathungen, noch die 
Verpflichtung des Vereins zur Zuſendung der 
Acten — wie dies als erforderlich in dem qu. 
Schreiben dargeſtellt ſei — ausgeſprochen ſein 
könne. Allerdings habe der Verein bei der Auf— 
nahme correſpondirender Mitglieder ſtillſchweigend 
vorausgeſetzt, daß dieſelben nach beſten Kräften 
jenem ihre Unterſtützung angedeihen laſſen werden, 
und bis jetzt habe ſich auch dafür das lebhafteſte 
Intereſſe durch Zuſendung von Artikeln ze. ge⸗ 
zeigt. Die Aufforderung zum Eintritt in eine der 
Sectionen habe aber zunächſt den Zweck, zu er⸗ 


S, Berlin, im September 1870. D 


1. Jahrgang. 
fahren, nach welcher Richtung hin das aufgenommene 

Mitglied thätig geweſen und erforderlichen Falls 
im Stande ſei, etwa wünſchenswerthe Aufſchlüſſe 
in dieſer oder jener Weiſe zu ertheilen. Die 
Zweckmäßigkeit dieſer Einrichtung ſei auch bereits 
erwieſen, und erſcheine es ſogar wünſchenswerth, 
daß die auswärtigen Mitglieder über die in 
ihrem Beſitz befindlichen Sammlungen ꝛc. dem 


Vereine Mittheilungen machten. Um dies nach⸗ 


träglich vielleicht noch zu erreichen, wurde bean⸗ 
tragt, die vorgenannte Erklärung auch in dem 
Protokoll⸗Auszug für den „Herold“ aufzunehmen 
und ſo in weiteren Kreiſen zur Kenntniß zu 
bringen. 755 
Sodann erfolgte die Aufnahme folgender 
Herren zu correſpondirenden Mitgliedern; auf den 
Antrag: 
a) des Herrn Guſtav Seyler zu Offen— 
hauſen: 
1) Oscar Ritter v. Schellerer, kgl. bair. Kammer⸗ 
herr und Oberpoſtmeiſter zu Würzburg; 
b) des Herrn Schatzmeiſters: 
2) Paſtor und Superintendent Ludw. Aug. Th. 
Holſcher zu Horka bei Nieſky und 
c) des Schriftführers: 
3) der Kgl. Oberförſter v. Bernuth zu Jäger⸗ 
hof bei Wolgaſt. 
Der Herr Vorſitzende überreichte eine Samm⸗ 
lung von 502 etwa zu Ende des 17. Jahrhun⸗ 
derts gemalten Wappen verſchiedener Patricier⸗ 
Geſchlechter zu Nürnberg als Geſchenk für die 


Bibliothek; dann legte der Herr Lieutenant Gritz⸗ 
ner das Statut eines unter dem Namen „Adler“ 
in Wien gegründeten heraldiſchen Vereins den 
Anweſenden zur Kenntnißnahme vor. Allgemein 
wurde das Inslebentreten dieſes Vereins begrüßt 
und die ſehr erfreuliche Thatſache conſtatirt, daß 
man für Heraldik, Sphragiſtik und Genealogie 
immermehr Sympathien finde und daher die 
Zeit wohl nicht mehr fern ſei, wo dieſe ſo oft 
verkannten Hülfswiſſenſchaften der Geſchichte 
überall die verdiente Anerkennung finden werden. 

Mehrfach auch von auswärts geäußerten 
Wünſchen entſprechend wurde beſchloſſen, die letzte 
Seite des Vereinsblattes neben anderen Inſer⸗ 
tionen auch durch Mittheilungen von Geburts-, 
Heiraths⸗ und Todes⸗Anzeigen, im genealogiſchen 
und pecuniären Intereſſe, auszufüllen. Der Hr. 
Lieutenant Gritzner erbot ſich ſofort, aus mehreren 
hieſigen Zeitungen das Material zu ſammeln, 
da nicht anzunehmen ſei, daß von Seiten der betr. 
Familien, wenigſtens im Anfange, unſer Blatt 
Unterſtützung und Benutzung finden werde; wobei 
die geringe Verbreitung der Annonce ein weſent⸗ 
liches Moment bilde. Der practiſche Nutzen 
ſolcher Veröffentlichungen wurde vereinsſeitig an⸗ 
erkannt, und — unbeſchadet wichtigerer Zwecke 
des Blattes — die Ausführung dadurch für ge: 
ſichert erachtet, daß ſtatt der großen, bis jetzt zur 
Verwendung gekommenen Typen, kleinere ge⸗ 
nommen werden möchten. Der Schriftführer 
wurde veranlaßt, mit der Redaction ſich dieſer⸗ 
halb in Verbindung zu ſetzen und die nöthigen 
Anordnungen wegen Ausführung des Beſchluſſes 
zu treffen. 

Schließlich ſtellte man noch zur Erwä⸗ 
gung, ob es nicht in Rückſicht auf die faſt in 
jeder Zeitung ſich jetzt findenden Vorſchläge über 
Wappen und Flagge des zukünftigen Deutſchen 
Reichs und jenen zum Theil ohne alle Sach⸗ 
kenntniß geſchriebenen Artikeln gegenüber, 
gewiſſermaßen Pflicht eines heraldiſchen Vereins 
ſei, ſeine Meinung zu äußern. Da man mit, 
Stimmenmehrheit dieſem Antrage die Zweck- 
mäßigkeit zuſprach, ſo wurde, zur Berathung 
des Gegenſtandes, auf Mittwoch, den 14. d. Mts. 


eine außerordentliche Zuſammenkunft anberaumt 


und damit die heutige Sitzung geſchloſſen. 


Zur Beglaubigung: 
F. Warnecke. 


. 


Bereits im vorigen Jahre war von zahlrei⸗ 
chen Mitgliedern der damals in Regensburg ta- 
genden Generalverſammlung des Geſammtverein's 
der deutſchen Geſchichts⸗ und Alterthums⸗Vereine 
unter reger Betheiligung eine ſpecielle Section 
für Numismatik, Sphragiſtik und He⸗ 
raldik gebildet. Da viele der Mitglieder dieſer 
Section jetzt dem „Herold“ angehören und Abon⸗ 
nenten unſeres Vereinsblattes ſind, ſo hatten 
wir die Abſicht, zu der diesjährigen Generalver⸗ 
ſammlung, welche durch den Verwaltungs⸗Ausſchuß 
(ſiehe Correſpondenzblatt Nr. 6 d. J.) zum Sep⸗ 
tember nach Naumburg a. S. einberufen war, 
unſere Leſer einzuladen, um als Mitglieder der 
heraldiſchen Section dieſes Congreſſes der Deut⸗ 
ſchen Archäologen, unter denen ſich ſo zahlreiche 
Heraldiker finden, über verſchiedene Fragen und 
Angelegenheiten unſerer Wiſſenſchaft zu berathen. 
Bereits waren, auf vertrauliche Anfragen, mehr⸗ 
ſeitig zuſtimmende Antworten eingelaufen, als 
der Krieg ausbrach, und in Folge deſſen der 
Verwaltungsausſchuß es für rathſam erachtete, 
die Verſammlung auf das nächſte Jahr zu ver⸗ 
ſchieben. f 

Eine der wichtigſten für die heraldiſche See⸗ 
tion zur Berathung zu ſtellenden Angelegenheiten 
war die Frage über Erzielung einer einheitlichen 
deutſchen heraldiſchen Terminologie. In Bezug 
hierauf ging uns, als Vorlage für den Naum⸗ 
burger Congreß, der untenſtehende Aufſatz eines 
eifrigen Mitarbeiters zu; wiewohl die mehrer⸗ 
wähnte Verſammlung nun erſt im folgenden Jahre 
ſtattfinden wird, glauben wir dennoch denſelben 
hier mittheilen zu müſſen, da es nur gut ſein 
kann, wenn die angeregte Frage allſeitig reiflich 
erwogen, und Jedem Gelegenheit gegeben wird, 
ſeine wohl durchdachte Anſicht geltend zu machen. 
Bezüglich hierauf verweiſen wir auf den nach⸗ 
folgenden „Aufruf.“ 

Die endgültige Entſcheidung über einzelne 
Meinungsverſchiedenheiten dürfte wohl am Beſten 
auf einer Zuſammenkunft der Deutſchen Hera 
diker, wie ſolche uns das nächſte Jahr hoffent⸗ 
lich bringen wird, herbeigeführt werden. | 


Aufruf 


an die Deutſchen Heraldiker. 
Es iſt wohl keinem der Jünger der Heraldik 


welche ſich mit Beſchreibung gezeichneter oder 
Zeichnung beſchriebener Wappen befaſſen, unbe: 
kannt, wie ſehr ſchwer es oft iſt, Wappenblaſo⸗ 
nirungen zu verſtehen, und andererſeits, ſelbſt 
bei ziemlicher Kenntniß alter Waffen und Ge⸗ 
räthſchaften, manche Wappenfigur zu enträthſeln 
und richtig zu benennen, oder den beſten Aus⸗ 
druck für ein Heroldſtück zu finden. 
unzähligen Anleitungen zur Heroldskunſt von 
Spener bis Hefner, ſind wir einer zugleich deut⸗ 
lichen und kurzen Blaſonirungsweiſe, wie ſie z. 
B. die alt franzöſiſche Heraldik ganz vorzüglich 
beſitzt, nicht um ein Haar näher gekommen; ja 
gerade dieſe Heraldiker von ſo diverſen Schulen 
und Anſchauungen haben die Blaſonirungskunſt 
wohl bereichert, aber um nichts deutlicher gemacht. 
f Um nun allen dieſen Uebelſtänden abzuhelfen, 

hat unſer Verein ſich die Aufgabe geſtellt, eine 
Beſchreibungsweiſe zu componiren, welche kurz 
und bündig aber durchaus klar jedes Wappen 
auch dem Laien vor Augen führen ſoll. 

„Von dem Guten das Beſte“ und: „viribus 
unitis“ ſollen hierbei unſere Deviſen ſein, und 
indem wir von allen den bekannten Anleitungen 
zur Wappenbeſchreibung das Paſſendſte heraus⸗ 
nehmen, fordern wir alle ſich dafür In- 
tereſſirenden, namentlich die heraldi— 
ſchen Schriftſteller, auf, beſondere kurze 
Ausdrücke für Heroldsfiguren ꝛc. uns 
einzuſenden und hierdurch unſer ſchwieriges 
Werk fördern zu helfen. 

Die termini technici ſollen alsdann geordnet, 
und (wenn es die Vereinskaſſe geſtattet auch mit 
Abbildungen verſehen) den einzelnen Nummern 


des „Deutſchen Herold“ als Beilage gradatim 


beigegeben werden. 

Gefällige ſchriftliche Beiträge werden vom 
Unterzeichneten mit größtem Danke entgegenge⸗ 
nommen; wir hegen die Hoffnung, daß die als⸗ 
dann von uns aufgeſtellte Blaſonirungsmethode 
von allen deutſchen Heraldikern angenom⸗ 
men und auch in dieſer Hinſicht die Einigkeit Deutſch⸗ 
land's hergeſtellt werden wird. 

Berlin, am 20. Auguſt 1870. 


Im Auftrage des heraldiſchen Vereins⸗Ausſchuſſes: 
Max Gritzner, 
Lieutenant a. D., 


Schatzmeiſter des Verein's „Herold“ und Vorſtand der 
Section für Heraldik. 


Trotz der 


57 


Ein Beiſpiel: „abgeledigt“ — Ausdruck für einen 
Balken, Schrägbalken ꝛc. deſſen Enden die Schildesrän⸗ 
der nicht berühren. — 


Die heraldiſche Terminologie. 


Die Wiſſenſchaft der Heraldik Hr nicht allein eine 
rein hiſtoriſche, eine Kultur- und Kunſt⸗hiſtoriſche, ſondern 
auch eine rein techniſche Seite. Die Wichtigkeit der er⸗ 
ſteren und letzteren Seite hat man erkannt, ſeitdem die 
Heraldik als Wiſſenſchaft beſteht. Da dieſer Zeitpunkt 
mit dem Verfall der Heraldik Hand in Hand geht, ſo 
iſt unſerm Zeitalter eine Menge von Ungenauigkeiten, 
ſinnloſem und überflüſſigem Zeuge überliefert worden, 
das uns mehr Mühe koſtet, wegzuſchaffen, als es unſern 
Vorfahren ſchwer war, es zu erſinnen. Während nun 
die hiſtoriſche Seite in den letzten Jahrzehnten viele und 
tüchtige Arbeiter gefunden hat, welche mit dem alten 
Wuſte Kehraus machten, ſo iſt die techniſche Seite noch 
faſt ganz auf dem alten troſtloſen Standpunkte. Es liegt 
dies in der Natur der Sache. Während die hiſtoriſche 
Seite einem jeden Einzelnen ein ſelbſtändiges, unab⸗ 
hängiges Arbeitsfeld bietet, ſo fordert die Technik eine 
conventionelle Behandlung und Regelung. Da aber noch 
vor Kurzem eine heraldiſche Convention ſehr illuſoriſcher 
Natur war, fo konnten wir natürlich hierin keine er⸗ 
heblichen Fortſchritte machen. 

Die techniſche Seite der Heraldik, ſoweit ſie hier 
in Betracht kommt, erſtreckt ſich auf die Kenntniß der 
in der Heraldik vorkommenden Figuren, und die Fertig⸗ 
keit, dieſelben richtig und verſtändlich zu beſchreiben, oder 
mit anderen Worten auf die Blaſonirung der Wappen. 

Da eine ſolche Beſchreibung kurz und bündig ſein 
muß, ſo erfordert ſie eine eigene Terminologie. Es iſt 
dabei eine Reihe von Regeln zu beachten, welche theils 
in dem urſpünglichen Wappenweſen begründet, großen⸗ 
theils aber durch die Willkür vergangener Jahrhunderte 
entſtanden ſind. Die nachmittelalterliche Zeit, welcher 
der Verfall der Heraldik angehört, iſt die Urheberin einer 
Reihe von Ausdrücken, die den Zweck der Terminologie 
gänzlich verfehlen, da es ſich bei dieſem nicht um Schaff⸗ 
ung von geheimnißvollen (lächerlich -) myſteriöſen Be⸗ 
zeichnungen, ſondern wie geſagt um ſolche handelt, die 
ebenſo kurz als deutlich ſind. 

Andererſeits wußten unſere Vorfahren die Grenze, 
welche der Terminologie angewieſen iſt, nicht wahrzu⸗ 
nehmen, indem ſie nicht allein für die Formen, ſondern 
auch für die Eigenſchaft (welche nicht mehr der Technik 
angehört!) eines Körpers einen ganz überflüſſigen Kunſt⸗ 
Ausdruck erfanden. Ich erwähne in dieſer Beziehung 
nur den Ausdruck „amphibiſch“ für die Eigenſchaft des 
Pelzwerkes, daß auf ſolches jede beliebige Farbe oder 
Metall geſetzt werden kann. 

In der letzen Zeit haben einzelne Heraldiker ange⸗ 
fangen, in der Terminologie Beben anzubringen, 
aber leider nur zu häufig „Verbeſſerungen“ im Sinne 
der kaiſerlichen Wappenbriefe des 17. und 18. Jahr⸗ 
hunderts In anderen Fällen hat man mit vielem Rechte 
einen der herkömmlichen Ausdrücke umgangen, und half 


58 


ſich mit Umſchreibungen oder durch einen andern, beſſern 
oder deutlicheren Ausdruck, jedoch meiſt auf Koſten der 
Bündigkeit. a 

Es fehlen auch nicht Abweichungen da, wo es ſich 
um Fundamentalregeln handelt (z. B. bei der Bezeich⸗ 
nung von rechts und links) die jedoch höchſt ſtörend ſind. 
Wir haben aber auch wirkliche Verbeſſerungen erhalten, 
und erwähne ich in dieſer Beziehung nur Herrn Dr. 
Grote, der ſtatt „geſpalten“ und „getheilt“ die nicht 
mißzuverſtehenden Bezeichnungen „hochgetheilt“ und 
„quergetheilt“ eingeführt hat.“ 

Thatſache iſt es jedenfalls, daß wir unter Fortdauer 
der dermaligen Verhältniſſe in wenigen Jahren unter 
der Scheinherrſchaft der Zopf⸗Terminologie einige 
Dutzend ſectireriſche Heraldiker zählen würden, von denen 
jeder ſeine eigene Terminologie erfunden hat. Kurz: 
wir brauchen eine verbeſſerte Kunſtſprache, 
aber wir wollen fie nicht auf dem Wege der Revo— 
lution, ſondern der Reformation. Eine ſolche her— 
zuſtellen, iſt nicht Sache der Einzelnen, ſondern der 
Geſammtheit. Und es wäre dies vor Allem eine 
Aufgabe des Naumburger Arhäotogen- Tages; 
ich meine nicht daß derſelbe eiue Terminologie ex abrupto 
feſtſtellen ſoll, aber es wäre ſeine Sache die Angelegenheit 
zu berathen und eine Comiſſion oder eine Perſönlichkeit 
mit den Vorarbeiten zur nächſten Verſammlung zu be— 
auftragen. f . 

Alle Heraldiker und Freunde der Sache möchte ich 
freundlichſt bitten, die Angelegenheit in reifliche Ueber⸗ 
legung zu ziehen. 


Würzburg, im Juni 1870. Seyler. 


„Adler,“ 
heraldiſcher Verein in Wien. 

Es iſt uns eine beſondere Freude, über einen 
wichtigen Fortſchritt unſerer Wiſſenſchaft berichten 
zu können, welcher von Neuem bekundet, wie 
dieſelbe mehr und mehr zu der ihr gebührenden 
Anerkennung gelangt. 

Am 10. Mai d. J. hat ſich zu Wien unter 
obigem Namen ein Verein gebildet, welcher als 
ſeinen Zweck die Pflege der Heraldik, Sphragiſtik 
und Genealogie verfolgt; derſelbe hat ſoeben 
ſeine Statuten und Beitritts⸗Einladungen ver⸗ 
ſandt. 

Gewiß wird dies Unternehmen allſeitig freudig 
anerkannt und in den betreffenden Kreiſen ge⸗ 
würdigt werden. Wohl darf man demſelben 


) Sollte dies wohl eine Verbeſſerung ſein? Einerſeits iſt der 
5 


Ausdruck „geſpalten“ im Gegenſatz zu „getheilt“ nicht mißzuverſtehen; 
„ſpalten“ bedeutet nach allgemeinem Sprachgebrauch: von Oben nach 
Unten (der Länge nach) theilen; andererſeits ſcheint uns der Aus⸗ 
druck: „längsgetheilt“ beſſer als „hochgetheilt.“ Andere ſagen da⸗ 
für „gelängt“ und „gequert.“ a a 

ö A. d. Red. 


ein günſtiges Prognoſticon ſtellen — fehlt es doch 
weder in Wien ſelbſt, noch in Oeſterreich über⸗ 
haupt an Männern, denen die Pflege dieſer Hülfs⸗ 
wiſſenſchaften am Herzen liegt — darunter nicht 
wenige, welche als heraldiſche Schriftſteller rühm⸗ 
lichſt bekannt ſind. 

Wir entnehmen den Statuten, daß der 
Verein aus ordentlichen, correſpondirenden und 
Ehrenmitgliedern beſteht, von denen die beiden 
erſteren einen Jahresbeitrag von 5 Fl. ö. W. 
zu zahlen haben, ſowie 2 Thlr. für das Diplom; 
dieſelben ſind verpflichtet, nach Kräften die Zwecke 
des Vereins zu fördern, gewünſchte Auskünfte 
zu ertheilen ꝛc.; der aus ſechs Mitgliedern be⸗ 
ſtehende Vorſtand wird für die Dauer von 2 
Jahren gewählt. Vereins⸗Verſammlungen finden 
während des Winters monatlich einmal, General- 
Verſammlungen am 10. Mai ſtatt. Der Verein 
legt eine Sammlung und Bibliothek an, deren 
Benutzung den Mitgliedern frei ſteht. Demnächſt 
beabſichtigt der Verein eine Zeitſchrift heraus⸗ 
zugeben, welche, in ähnlicher Weiſe wie der 
„Deutſche Herold,“ Abhandlungen über heraldiſche 
Gegenſtände, namentlich die K. K. Oeſterreichiſche 
Monarchie betreffend, bringen, ſowie über die 
Thätigkeit des Vereins Mittheilungen machen 
wird. Näheres in Bezug hierauf werden wir 
1. Z. berichten, ebenſo über die Publicationen peri⸗ 
odiſch referiren. i 

Somit wünſchen wir dem „Adler“ ein fröh⸗ 
liches Gedeihen und eine reiche Wirkſamkeit! 

Ad. M. H. 


Die von Gotfart. 

(Zu dem Artikel „Vermiſchtes“ in Nr. 6 d. BL) 

Die Frage des Herrn Referenten in dem obigen 
Artikel nach dem Beſitzer des mit „D. v. G.“ über⸗ 
ſchriebenen Wappens kann ſofort dahin beantwortet werden, 
daß daſſelbe der — freilich in der gedruckten Literatur 
ſehr ſelten, kurz u. oberflächlich berührten — altadeligen 
Familie v. Gotfart, deren Name auch Gottfahrt, Gött— 
fahrt u. ſ. w. geſchrieben wird, angehöre. Ihr Wappen, 
bei Siebmacher J. 179. befindlich, zeigt (wie find auf 
dem qu. Leichenſtein die Farben erkennbar?!) auf Bl. 
einen w. achtſtrahligen Stern, in deſſen jedem Strahlen⸗ 
winkel ſich ein kleiner desgl. Stern befindet, während 
den Helm zwei von Bl. und W. quergetheilte Büffel⸗ 
hörner zieren. Vielleicht läßt eine nochmalige genauere 
Beſichtigung des Leichenſteins auch das Schild-Emblem 
ſo wie es ſein ſoll, erkennen. So wurde es auch von 
jeher geführt. Ein vorl. Siegel de 1441 des Hans 


„Gotefart, (in der Umſchrift heißt er Hans von G.) 


zeigt das vollſtändige Wappen, im Schilde den großen die v. Gotfarth eine Zeit lang begütert waren und welche 


mie die kleinen Sterne und auf dem Helm die Büffel⸗ 
hörner, an deren Außenſeite von Unten her auf Sten⸗ 
geln zwei Blumen (Dijteln?) emporſchießen. Aeltere 
Siegel der Gebrüder Johann und Göge genannt von 
Gotfordes (zu Buttelſtedt geſeſſen) de 1362 und des 
Hans Gottforde (zu B. geſeſſen) de 1388 ſind nur 
Helmſiegel und laſſen die Büffelhörner, an deren Außen- 
ſeiten auf kurzen Stengeln 2 Blumen ſtehen, erblicken. 

Die Herren v. G. ſind eine alte thuringiſche Fa— 
milie, die ſtets in der Nähe der von Marſchall wohnte 
und daher auch eine Alliance mit ihnen ſehr wohl ein- 
gehen konnte. Ich finde auch eine ſolche, aber aus etwas 
ſpäterer Zeit als der Leichenſtein datirt, nämlich eine 
v. M. a. d. H. Goſſerſtedt (T. Heinrichs v. M.) als 
Gemahlin Andreas' v. G. auf Buttelſtedt und Erdeborn, 
das er 1613 verkaufte. 

Iſt hiernach anch das 2. Wappen auf dem qu⸗ 
Leichenſtein richtig überſchrieben, ſo müßte man dies 
wohl auch in Betreff des 4. Wappens mit den Schaaf— 
ſcheeren erwarten; vielleicht daß eine genauere Inſpection 
auch das S. oder V. S als einen anderen Buchſtaben 
erkennen läßt; ſonſt könnte zur Deutung des letzteren 
Wappens nur angeführt werden, daß die alten ausge⸗ 
ſtorbenen Herren v. Schlotheim die Schafſcheeren 
führten, deren Name aber nicht paßt, da das Geſchlecht 
v. Marſchalk ausdrücklich exprimirt iſt. 

Die Güter des Geſchlechts v. G., deſſen Namen wir 
trotz der ſchon früh vorkommenden Präpoſition für 


einen appellativiſchen, von einem nomen personale (wie 


Bröſigke u. la. m.) hergenommenen halten, lagen zu 
Artern, Alt⸗Beichlingen, Buttelſtedt, Erdeborn, Freyen⸗ 
Beſſingen, Guttmannöhaufen, Loberſchitz, Lodersleben, 
Lütgendorff, Ollendorf, Preiſſitz und Wundersleben. Es 
erloſch nicht, wie in Adelslexieis zu finden iſt, im 17., 
ſondern blühte noch im folgenden Jahrhundert. Im J. 
1720 lebten der F. S.⸗ Weimar'ſche Oberſtlieutenant 
Chriſtoph Friedrich v. G. (verm. mit Wilh. Dorothee 
v. Mandelsloh) und der Major Ernſt Heinrich v. G. 
auf Erdeborn (verm. mit Chriſtiane Eliſab. v. Geuſau) 
und 1724 Ludwig Gruft v. G. (verm. mit Dorothea 
Tugendreich v. Germar.) 

Der uns vorliegende Stammbaum der Familie weiſt 
Alliancen mit den Geſchlechtern v. Brühl, Dernbach, 
Germar, Geuſau, Halck, Harras, Lohm, Mandelsloh, 
Töpfer, Tümpling, Wettin, Werder und Wurmb auf. 

In einer gedruckten Leichenpredigt auf Johanna 
Sibylla v. Minckwig geb. v. Bieſenrodt (+ 6. 
November 1707) heißt deren Ururgroßmutter Anna v. 
Landwüſt, Gemahlin Heinrich's v. Bieſenrodt auf 
Schkortleben. 

Uebrigens ſaß nicht fern von denen v. Gotfarth ein 
anderes Geſchlecht v. Marſchall, das öfter mit den Thü⸗ 
ringiſchen Erbmarſchällen zu Goſſerſtedt, Alten⸗Gottern 
dc. verwechſelt wird und im Schilde einen Querbalken, 
auf dem Helm zwei auswärts mit Federchen beſteckte 
Büffelhörner führte, wie mehrere vorliegende Siegel aus⸗ 
weiſen. Dieſer Familie gehörten im 16. u. 17. Jahrh. 
Rittergüter zu Querfurt, Brücken und an anderen Orten. 
Die Herren v. Guttmannshauſen, in deren Urſitz 


zu, und laſſen wir 


nicht mit den Marſchällen von Gutmannshauſen, d. h. 
den Thüringiſchen Erbmarſchällen auf Holzhauſen, Alten: 


Gottern, Herrengoſſerſtedt ꝛc. zu verwechſeln ſind, führten 
nach Ausweis eines Siegels aus dem 17. Jahrh. ein 
Wappen, deſſen Schild ſchräglinks wellenförmig getheilt 
iſt mit daraus hervorſpringendem Löwen, während der 
Helm (nach einem Siegel des 14. Jahrh.) einen Buſch 
Reiherfedern zeigt. G. A. v. M. 


Faſt gleichzeitig mit Vorſtehendem ging uns, die⸗ 
Angelegenheit betreffend, der nachſtehende Artikel 
denſelben hier unmittelbar ſich an⸗ 


ſelbe 
ſchließen. 


In Nro. 6 uunſeres Vereinsblattes iſt unter der 
Rubrik: „Vermiſchtes“ eine Frage angeregt, welche ich 
mich verpflichtet halte, kurzer Hand dahin zu beant⸗ 
worten: g 
Im blauen Schilde führt das alte Geſchlecht derer 
von Göttfahrt in Thüringen den weißen ſechsſtrahligen 
Stern, als Kleinod dagegen, den Farben des erwähnten 
Bildes entſprechend, weiß⸗ blau und blau⸗weiß gewech— 
ſelte Büffelhörner, (ein Hülfskleinod.) Die auf dem ge⸗ 
ſchilderten Grabmonumente gemeinte D. mag Dorothee 
oder Deborah von Göttfahrt geheißen haben, da dieſe 
Namen unter den Thüringer Familien zn Ende des ſechs⸗ 
zehnten Jahrhunderts faſt allgemein verbreitet waren. 
Als bekannt darf ich annehmen, daß das Göttfahttiſche 
Geſchlecht, welches zu Buttelſtädt bei Weimar begütert 
war, in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts 
erloſch. Hans Chriſtoph und Hans Georg, Weimariſche 
Räthe, unterſchrieben ums Jahr 1590 mit Anderen von 
der Brüderſchaft ein Gelöbniß wider das Fluchen. Cas⸗ 
par von Göttfahrt war zur nämlichen Zeit ein angeſe⸗ 
hener Herr am Hofe Herzog Caſimirs von Coburg, ver⸗ 
mochte aber in die damals zerrütteten Finanzverhältniſſe 
jenes Fürſten keine Ordnung zu bringen und überließ 
jene Aufgabe dem herzoglichen Stallmeiſter Ulrich von 
Lichtenſtein, der auf eine ſo traurige Weiſe in die durch 
den Magier und Alchymiſten Jeronimo Scoto ge⸗ 
ſpielte Intrigue mit der unglücklichen Herzogin Anna 
verwickelt war, und ſeinen Unbedacht mit 36 jähriger 
Kerkerhaft in einem dem Coburger Kirchhof benachbar⸗ 
ten Thurme büßte, bis erſt Wallenſtein den inzwiſchen 
ſtumpfſinnig gewordenen wieder in Freiheit ſetzen ließ. 

Ein Göttfahrtiſches Grabmonument befindet ſich im 
Dom zu Naumburg und liegt eine Copie deſſelben dem 
Verein im Manuſcripte vor; daſſelbe zeigt einen ſchwer— 
gepanzerten Ritter, jedoch ohne Helm, zu Häupten das 
Wort: „Auferſtehung.“ 

as nun die Frage wegen der Buchſtaben oder 
Namens⸗Abbreviationen, „E. v. S.;“ unter dem Mar: 
ſchalliſchen Schilde anbelangt, jo iſt darauf Folgendes 
zu antworten: 

Das alte Dynaſtengeſchlecht derer von Ebersberg 
am Harz theilte ſich ſchon früh in verſchiedene Linien 
und zog ſich durch ganz Thüringen bis nach Franken, 
auf achtzehn bis zwanzig verſchiedenen Punkten anſehn⸗ 
lichen Grundbeſitz erwerbend. 


60 


Zur Regierungszeit des 
in den beiden thüringiſchen 
würde und das Erbtruchſeſſenamt am 
auf der Wartburg übertragen N 

Die Linien zu Herrengoſſerſtädt (nachmals Alten⸗ 
gottern und Burgholzhauſen, bekleideten das Marſchall⸗ 
amt, ein jüngerer Zweig gehörte zu den erſten dapiferis 
de Slatheim oder Schlotheim. 

Erſt ſpäter find den Letzteren anderweite 
Herren von Schlotheim gefolgt, welche nicht in Weiß 
die beiden rothen Schaafſcheeren führten, ſondern in glei» 
chem Felde den geſtürzten Schild, nach Andern ein mit 
Schlöten geziertes ſchwarzes Schloß oder Caſtell. 

ö Unbezweifelt iſt es, daß die erwähnte jüngere Linie 
der Ebersberger Dynaſten in Schlotheim bei Mühlhau⸗ 
ſen in Thüringen das Münzrecht beſaß. 

Sie ließen Bracteaten prägen, welche, nach Sitte 
der Zeit, einen geharniſchten Ritter zu Roß darſtellten, 
der eine erhobene Rennfahne oder Banner führt, indeß 
ſein Dreieckſchild eine der Marſchalliſchen Schaaf⸗ 
ſcheeren weiſt. 

(Man vergleiche v. Poſern⸗Klett, Sachſens 
Münzen im Mittelalter, Leipzig 1846, Band J., Tafel J.) 

Um dem Cours ihrer Münzen Vorſchub zu leiſten, 
ahmten die Schlotheimer Münzherren die Gepräge der 
benachbarten Reichsſtadt Mühlbauſen nach und beglei⸗ 
teten das Bild des reiſigen Bannerträgers mit einem 
Mühleiſen, das wie ſchwebend über der Croupe des Pfer— 
des angebracht wurde. 

Hierdurch wurden die Bracteaten denen der erwähn⸗ 
ten Reichsſtadt ungemein ähnlich, — das einzige Un⸗ 
terſcheidungszeichen bildeten die Schaafſcheeren, dergeſtalt, 
daß der Magiſtrat ſich zur Erhebung einer Klage beim 
Thüringiſchen Landesgerichte, (unſeres Wiſſens zu Mit⸗ 
telhauſen bei Erfurt, nach v. Poſern a. a. O. S. 153 
jedoch zu Erfurt ſelbſt.) veranlaßt ſah. Die Folge war, 
daß den erwähnten Herren von Schlotheim geboten wur: 
de, in Zukunft nur das Marſchalliſche Familienwappen, 
die Schafſcheere, dem Reiter in den Schild zu ſetzen, bei 
ſchwerer Strafe aber ſich hinfort des Mühlhäuſer Stadt⸗ 
wappens auf ihren Münzen zu enthalten. 

Merkwürdig iſt, daß die Schlotheimer Herren noch 
den Zunamen Slune (Schlaun) führten, und ſich urkund⸗ 
lich noch bis ins J. 1330 N. N. Slune de Slatheim 
ſchrieben, in welchem Zeitraum ſie Schloß, Münze und 
Güter an die Grafen Hohenſtein verkauften, von wel⸗ 
chen daſſelbe auf die Herren von Hopffgarten gekommen 
iſt, die jedoch vom fraglichen Münzrecht nie Gebrauch 
gemacht haben, während die thüringer Marſchälle noch 
zu Eckartsberge eine anderweite Münzſtätte lang im 
Gange erhielten. 

Pietätsvoll hat dieſe letzte Linie den vollen Namen 
Marſchall von Eckartsberge geführt, wie überhaupt die 
18 in Thüringen bis nach der Mayngegend zerſtreuten 
Zweige der Geſammtfamilie, unter Letzteren die Mar⸗ 
ſchälle von Sonnenfeld und die Marſchälle von der 
Schney, ſich jenes Epithetons nimmer entäußerten. 

Nur die Grafen Giech zu Hohenthurnau, haben, 
trotz Beibehaltung des Wappens, der beiden Schaafſchee— 
ren, den Namen oder Marſchallstitel nicht weiter ge⸗ 


Kaiſers Lothar ward ihnen führt, erkennen dagegen den gemeinſamen Stammvater 
Hauptlinien die Marſchalls⸗ 
Lan dgrafenhofe 


x 


Chonimundus oder Kühnemund auch als Begründer ihres 


Hauſes an. 

Ob nun die im erwähnten Artikel des Vereins⸗ 
blattes erwähnten drei Buchſtaben E. v. S. den Namen 
Slune, Schlaun, von Schlotheim, von Sonnenfeld oder 
von der Schney bedeuten ſollen, vermag ich nicht anzu⸗ 
geben, glaube aber auf die mit außerordentlicher Ge⸗ 
wiſſenhaftigkeit geführten Familienregiſter und Stamm⸗ 
tafeln meines verehrten ſeeligen Freundes, des Königl. 
Kammerherrn Julius Auguſt Marſchall zu Schloß Alten⸗ 
gottern bei Langenſalza, hinweiſen zu dürfen, die deſſen 
älteſter Sohn, der Königl. Landrath daſelbſt, gewiß zur 
Einſicht offen halten wird. 

Schloß Neuſcharffenberg in Thüringen, den 15. 
Auguſt 1870. Ludwig Graf Uetterodt. 


Beiträge zur Genealogie einiger Aheiniſch- 
Niederländiſcher Jamil ien.) 
(Fortſetzung.) 

4) Catharina, heirathete erſtens Hermann von Eys 
genannt Beusdael und zweitens Leonhard von dem 
Hofe. Aus erſter Ehe ſtammt Johanna von Eys ge⸗ 
nannt Beus dael, Gemahlin des Johann von Eynatten 
zu Obſinnig und Mutter der Barbara von Eynatten 
die ſich, wie wir unten ſehen werden, mit Fram bach von 
Gülpen, Herrn zu Wode mont, vermählte. — 
Frambach von Gül pen, ältefter Sohn Fram b ach's 

und der Anna Pfingſten von Alſteren, erhielt das Gut 
Rosmelle und heirathete Marie von Eys genannt Beusd ael. 
Sein Sohn Leonhard Herr zu Neuharen und Rosmelle 
hinterließ von Agnes Bertolf von Belven nur eine Tochter, 
welche 1624 dem Heinrich von St. Fontaine und Geneffe 
ehelichte. Rosmelle aber fiel, wahrſcheinlich als Mannlehen 
an die jüngere Linie. — 

Wilhelm von Guͤlpen, zweiter Sohn des älteren 
Frambach, beſaß Wodemont u. war Gouverneur von 
Limburg. Seine Frau war Anna von der Heyden ge⸗ 
nannt von Belderbuſch, deren Mutter eine Cortenbach. 
Wilhelm's Sohn: N 

Fram bach von Gülpen Herr zu Wo dem ont und 
Präſident des Lehnshofes von Lim burg, heirathete ſeine Ver⸗ 
wandte Barbara von Eynatten lefr. oben) und zeugte 
mit ihr: 

1) Johanna, vermählt mit Johann Hoen von Cartils 
Herrn zu Rummen. — | 

2) Hermann Friedrich von Gülpen Herr zu Har- 
lue, As, Rosmelle und Stockem, welcher am 16. 
Jauuar 1652 ſtarb; ſeine Gattin Anna von Heyen⸗ 
ho ve (Tochter von Werner und N. von Gülpen) 
war ihm bereits am 19. April 1641 vorausgegangen. 

Beide liegen zu Harlue begraben. Ihre Ruheſtätte war 
mit 64 Ahnenwappen geziert, die aber leider theils an und 
für ſich falſch, theils ſo regellos geſtellt ſind, daß es ſchwer 
halten dürfte ſie jemals zu rectificiren. — n 

*) In Folge einer Reife des Hrn. Bf. hatte ſich die Correctur des 

erſten Theils dieſes Artikels in Nr. 7 perſpätet und ſind in Folge deſſen 
einige Druckfehler ſtehen geblieben. Man leſe S. 52, I., 3. 1: Ruir 
ft. Anix; 3 7: Hautvoué ſt. hautvoué; II. 24 v. u. Radoux ft. Raboux. 


61 


Hermann Frie drich's Tochter Anna Margaretha 
von Gülpen Erbin zu Harlue heirathete am 16. März 
1654 Philipp Anton von Gavre-Lidekercke, vicomte 
de Bailleul. 

Zu der Linie zu Rochet bemerke ich noch, daß die 
Mutter der Margarethe von Gülpen, vermäblten von 
Reuſchen berg, eine Argenteau war. — 

Einzelne finde ich noch: Anna von Argenteau hei⸗ 
rathete Jakob von Gülpen, beide ſtarben vor 1624 mit 
Hinterlaſſung einer Tochter Marie von Gülpen Erbin zu 
Ramioule, die ſich gegen 1595 mit Antou de Fulloise 
vermählte, durch deſſen Tochter Ramioule an die Familien 
Brinfhem, Wases, und Hostellerie kam. — 

Johann von Gülpen heirathete circa 1490 Mar- 
gareth von Burbure. — 


Mirbach. 

Strange hat in dem ſechſten Hefte ſeiner Beiträge die 
Genealogie der Herren von Mirbach zu Haneffe mitgetheilt, 
wie fie ſich aus dem vortreflichen Werke des Herrn Stanis⸗ 
laus Bormans „Les seigneuries allodiales du pays 
de Liege“ ergiebt. Dieſe Genealogie iſt nicht vollſtändig, 
da her ich fie biermit erweitert folgen laſſe. Thiery von 
Mirbach, Herr zu Willich, Haneffe & Donchierf, 
heirathete Eleonore von Roeuer, Tochter von Johann 
u. Maria von Guidegoven („Guykhoven.) Er ſtarb 
1536 u. wurde von ſeiner Frau überlebt. Seine Kinder waren: 

1) Gottfried, vor dem hernach. 

2) Johann, ſtarb ohne Kinder, wahrſcheinlich jung. 

3) Aleydis, heirathete Nikolaus von Miche; beide 
Eheleute finden ſich in einer Urkunde von 1553. — 

4) Margareth, beirathet Euſtachius von Strailes zu 
Othée, Sohn von Euſtachius u. Margareth von 
Hosden. 

Gottfried von Mirbach Herr zu Hanef fe, Don⸗ 
cherf, Nuyenhem und Aldenhoven, heirathete zwei⸗ 
mal; erſtens Iſabella de la Falloise (Tochtervon Jo hann 
de la Falloise, Bürgermeiſter von Lüttich, und Margareth 
von Krickenbeck) und zweitens am 30. Juni 1526 An na 
von Wihogne Tochter von Andreas v. Wihogne, zu Vel- 
roux und Lexhy, und Margareth von Cors warem.) 
Sie wird am 30. October 1571 als Wittwe erwähnt. — 
Gottfried hinterließ folgende Kinder erſter Ehe: 

1) Ludwig J., von dem hernach. 

2) Maria, heirathet vor 1570 Andreas von Ans, 
Bürgermeiſter von Lüttich. 5 

3) Margarethe, Nonne zu Herkenr ode. — 

4) Eleonore, Erbin zu Aldenhoven, heirathete vor 
ah Wilhelm von Merode Herr zu Heusden u. 
Sard. 

Ludwig J. von Mirbach Herr zu Haneffe, Don⸗ 
chier f, Harduemont, Nu yen hem, Stier c. Großbailly 
von Looz und Montenac. lebte noch 1636 und heirathete be⸗ 
kanntlich Maria von Merode⸗Waraux (Tochter von Wil hel m 
und deſſen dritter Gemahlin Johanna von Thiant, ver⸗ 


wittweten von der Gracht.) Aus dieſer Ehe ſtammen: 


1) Ludwig II, von dem hernach. 

2) Richard, Mitherr zu Haneffe, nannte ſich Baron 
de Ha neffe, und kommt in den Jahren 1624 — 1636 
öfters vor. Er heirathete Franziska Claudia de 


Groot (Tochter von Adrian u. Maria von dem 


Hofe zu Gottenrath) und zeugte eine Tochter Maria 
Alexandrina Nonne zu Millen, und einen Sohn 
Ludwig Franz, welcher von Maria Frey inn von 
Oſſorio einen Sohn hinterließ, der um 1700 lebte, und 
wahrſcheinlich ohne Nachkommen ſtarb. — 

3) eine Tochter vermählt mit N. d'Aquaviva. 

4) Johanna, heirathete 3. Juli 1605 Carl Caspar 
von Bentind. 

5) Lui ſe heirathete erſtens vor 1628 Charles baron 

de Crivelli und zweitens vor 1638 Philipp von 

Donceel. 

Ludwig II. von Mirbach, Herr zu Haneffe, 
Donchierf, Harduemont, Stier, Ferier c. heirathete 
am 6. Mai 1611 Hubertine de Druyn de Rosey, Erbin 
zu Ronchinnes, Carnier & Everhaille (Tochter von Rene 
Druyn de Rosey, grand bailly du Hesbaye und Jo- 
hanna von Montjoye Erbin zu Carnier & Everhaille) 
und hinterließ nur folgende zwei Töchter: 

1) Maria Anna Catharina Erbin zu Everhaille, 
Carnier und Harduemont, heirathete Chriſtof de 
Maillart, baron de Landre, Herr zu Som merange, 
Sohn von Charles und Luiſe von Beauveau. — 

2) Luiſe Erbin zu Ronchinnes heirathete 26. No vember 
1647 Hein rich von Vignacourt, zu Rilcourt, Ma- 
lene, Orbais, Lannoy und Villerval, ſpaniſchen 
Oberſten. — 

Frhr. Vorſt v. Gudenau. 


Das Wappen der v. Candwüſt, 


eine Warnung vor Sorgloſigkeit und man⸗ 
gelnder Beaufſichtigung der Petſchaftſtecher und 
Maler. | 


Wie zahllos oft Wappen durch Unverftand 
nicht heraldiſch gebildeter Künſtler corrumpirt 
werden, und dadurch Varianten entſtanden ſind, 
welche oftmals die Urform kaum noch ahnen 
laſſen, iſt zwar ſattſam bekannt; es kann aber 
nicht oft genug darauf aufmerkſam gemacht 
werden, da leider nur zu häufig die Wappen⸗ 
führer den Graveuren und Malern geſtatten, 
ihrer Phantaſie Spielraum zu laſſen. 


Zu denjenigen Wappen, welche ganz be⸗ 
ſonders zahlreiche Varianten aufzuweiſen haben, 
gehört u. a. das der alten Voigtländiſchen Fa⸗ 
milien v. Landwüſt, welches, — nebenbei ſei es er⸗ 
wähnt, — den Grund zur Annahme einer 
Stammesgemeinſchaft dieſes Geſchlechts mit dem 
gleichfalls voigtländiſchen v. Röder und weiter 
mit denen v. Feilitzſch, v. Zedtwitz ꝛc. giebt, wo⸗ 
rüber jedoch eingehendere Forſchungen zu machen 
bleiben. Wir geben im Folgenden ein Ver⸗ 
zeichniß der Veränderungen, welche dies im Ganzen 


62 


doch ziemlich einfache Wappen bisher erlebt hat. Joſeph in Naumburger Lehnsacten; ein 


Richtig wird daſſelbe ſo geführt: 


1) Weißer Balken, mit drei rothen gelb=be- 


ſaamten Roſen belegt, in Roth. Helm: roth⸗ 
weißer Wulſt, darüber ein rother, einem Pfauen⸗ 
wedel gleich geſtalteter, mit dem weißen Balken 
(ohne Roſen) belegter Becher, zwiſchen zwei 
Rennfähnlein, deren Schäfteroth⸗weiß gewunden, 
deren Flaggen roth und weiß ſenkrecht getheilt 
ſind. Helmdecken weiß und roth. 

(Wie aus Nachſtehendem erhellt, wurde die 
urſprüngliche Helmzier, ein Pfauenwedel, im 
Laufe der Zeit als Becher aufgefaßt, jedoch meiſt 
als Wedel gezeichnet. Um das Jahr 1700 wurde 
ein Farbenwechſel als Beizeichen beliebt.) 

2) 1497: 
den Balken andeutend. (Chriſtoph v. L.; Ar⸗ 
chiv zu Eger.) 

3) 1468: Schild: Der Balken mit den drei 
Roſen; Helm: der Wedel rechts und links ge 
theilt, hinter jedem Theil eine Fahne hervor⸗ 
ragend. (Heinrich und Chriſtoph; Archiv zu 
Bamberg.) 

4) 1470: Helm: Federkorb mit Wedel und 
Querſtrich ohne Fähnlein. (Eger.) 


5) 1472: Schild: Balken ohne Roſen; Helm: 


Wedel mit Balken ohne Fahnen. (Eger.) 

6) Der Wedel ohne Balken. (Heinrich; Eger.) 

7) 1534. r. Schild mit w. Balken ohne Roſen; 
Helm: r. Becher mit w. Balken; Lanzenſchäfte 
r. und w. gewunden; Flaggen r. und w. ſenk⸗ 
recht getheilt. (Agnes v. L.; farbig gemalter 
Grabſtein in Schkortleben.) 

8) 1550: wie vor., aber die Lanzenſchäfte 
ganz r., Flaggen r. mit dem w. Balken be⸗ 
legt. (Catharina, Agnes' Schweſter; in Farben 
gemalt an der Emporkirche zu Salſitz.) 

9) 1571; wie vor., aber die Flaggen ohne 
Balken; (Leichenſtein von Herrmann v. Atzen⸗ 
dorf, Catharina's Sohn, in Salſitz.) 

10) 1595: wie 8., doch der Balken im Schilde 
mit den 3 Roſen belegt; der Becher ohne 
Balken; die Flaggen getheilt. (Leichenſtein 
von Philipp v. Atzendorf, Catharina's an⸗ 
derem Sohn, in Hainichen.) 

11) 1549 bis 1662: ſchwarzer Balken ohne 
Roſen im w. Schilde; Becher und Fahne ohne 
Figur oder Theilung. (Herrmann, Heinrich, 


Helm: Pfauenwedel, mit Querlinie, 


Petſchaft.) 

12) 1553 — 1641: Der Balken ohne Roſen; 
Becher uud Fahne ohne Figur; keine Tinc⸗ 
turen angedeutet. (Joſeph, Friedrich Wilhelm, 
Lehnsacten; ein Petſchaft.) 

13) 1602 — 1646: ſtatt des Balkens im Schilde 
ein wagerecht ſchwebender, jederſeits einmal 
geaſteter Stamm; Becher und Fahnen ohne 
Figur. Farben fehlen. (Herrmann, Lehnsacten.) 

14) 1646: Schild: ein ſchräglinks geſtellter, 
jederſeits einmal geſtümmelter Aſt natürlicher 
Farbe im gelben damascirten Felde. Hel n: 
gelber Becher in Form eines Spitzglaſes, ohne 
Figur; gelbe Lanzenſchäfte; Flaggen roth und 
gelb wagerecht getheilt, Helmdecken gelb und 
roth. (Epitaph Hermann's in der Kirche zu Guben.) 

15) 1602 — 1670: Der Balken ohne Roſen; 
Helmzier und Tincturen fehlen. (Caſpar, 
Lehnsacten.) 

16) 1685: Der Balken mit drei Roſen; der 
Becher mit Balken. Die Fahne ſenkrecht ge⸗ 
theilt. (Grabmal in Geſtewitz.) 

17) 1655 — 1689: wie 1685; Tincturen 
fehlen. (Hans Chriſtoph, Lehnsacten. 

18) 1655 — 1689: wie 1685, aber ohne die 
Rennfähnlein. (Hans Friedrich, des Vorigen 
Bruder, Lehnsacten.) 

19) 1693 — 1733. Im r. Schilde der w. 
Balken mit 3 w. Roſen; der Becher in Form 
eines Spitzglaſes mit Fuß (Sanduhr) r. mit 
w. Balken im Obertheil, w. Knopf in der 
Mitte, w. Pfahl im Untertheil. Lanzenſchäfte 
r., Fahnen r. mit w. Balken belegt. Decken 
w. und r. (Gemalter aufgeſchworner Stamm⸗ 
baum Georg Adam's auf Geſtewitz, Archiv in 
Dresden.) 

20) 1795: wie vorſtehend ohne Helmzier, mit 
w. und r. Bauſch. (Georg Adam, in Farben 
an der Emporkirche in Geſtewitz.) 

21) 1705: wie vorſtehend ohne Helmzier, mit 
Krone. (Georg Adam, in Farben, Kanzel zu 
Geſtewitz.) 

22) 1716 bis 1776: im w. Schilde ein r. 
Balken mit drei w. Roſen belegt. Der Becher 
auf dem Helm w. ohne Balken: Die Lanzen⸗ 
ſchäfte r., die Fahne ſenkrecht r. u. w. getheilt. 
(Gemalter Stammbaum Gottlieb's, auf Gla⸗ 
ditz, Archiv zu Dresden.) 


23) 1754: wie vorſtehend 1716; die Lanzen— 
ſchäfte gelb. (Gemalter Stammbaum Friedrich 
Hartmann's auf Gladitz; Domcapitel zu 

Naumburg.) 

234) 1720: ſchwarzer Balken mit drei r. Roſen 
im r. Schilde. Lanzenſchäfte ſch. und r. ge⸗ 
wunden, Fahnen ſch. und r. ſenkrecht getheilt. 
Becher ſchwarz mit einer r. Roſe belegt. Decken 
r. und ſch. (Entwurf zu Val. Königs Adels— 
hiſtorie IV. Bd.; von der einen Linie her: 
rührend. Wohl irrthümlich durch eine Malerei 
entſtanden, auf der das Silber ſchwarz ange: 


laufen.) 

25) 1720: im w. Schilde ein ſch. Balken mit 
drei r. Roſen. Lanzenſchäfte ſch. und r. ge⸗ 
wunden, Fahnen r. und ſch. ſenkrecht getheilt. 
Bauſch w. und r. Decken w. r. und ſch. (bid. 
von der anderen Linie herrührend.) 

26) 2 1720: wie vorſtehend; der Bauſch r. w. 
und ſch. Decken w.⸗ſch. (Stammbaum der v. 
Klüx in Dresden.) 

27) 1759: im blauen Schilde der w. Balken 
mit 3 r. Roſen. Becher w. ohne Figur; 
Lanzenſchäfte und Fahnen ganz r.; Helmdecken 
w. und bl. (Gemaltes W. Johann Friedrich's 
im Univerſitäts⸗Album zu Halle.) 

28) 2 Bei Haſſe: wie vorſtehend, aber der 
Becher g. die Lanzenſchäfte w.⸗r gewunden, die 

Fahnen blau, Decken r. w. und bl. 

29) 2 (1830 bei v. Zedlitz-Neukirch:) Schild 

wie vorſtehend; Helmzier nicht erwähnt. 

30) 1770 — 1844: Schild bl. mit Balken 
und 3 Roſen; Becher als Urne mit einem 
Henkel jederſeits; ſonſt Tincturen nicht er⸗ 
kennbar. (Friedrich, Hartmann in vorhan— 
denem Petſchaften.) 

1840 — 1870: Rückkehr zum alten Wappen 
mit r. Schilde ꝛc. — L 


. wo 


Auffindung alter Arkundenbücher zu 
Siegburg. 
| Bei Gelegenheit einer im Mai dieſes Jahres von 
mir vorgenommenen Durchforſchung des Kirchenarchives 
zu Siegburg wurde mir mitgetheilt, daß auf dem Speicher 
des dortigen Hypothekenamtes eine Menge alter geſchrie— 
bener Bücher und Urkunden ſich befänden, die mit dem 
unlängſt erfolgten Tode des Hypothekenbewahrers mit 
den übrigen Acten nach einem anderen Locale ſollten 
transportirt werden. Bei Durchſuchung dieſer Bücher 


63 


| 
| 
EL A 


fand ich nun, daß dieſelben die von unſeren Geſchichtsforſchern 
für verloren gehaltenen Gerichtsurkunden mehrerer Aemter 
der niederen Sieg enthielten. Es ſind außer einigen 
loſen Pergamentbriefen Kölniſcher Erzbiſchöfe und päpſt— 
lichen Breven aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert 
im Ganzen 223 Bände, welche Urkunden folgender Ges- 
richtsbezirke enthalten: 

der Aemter Porz, Blankenberg, Löwenburg, Wol— 

fenburg, Lütsdorf, Vilich, Steinbach, Mülheim und 

Deutz; dann 15 

der Gerichte Odenthal, Schwarz-Rheindorf und der 

Vogtei Siegburg. 

Unter dieſen befinden ſich die Schreinsurkunden der 
Stadt Deutz in ununterbrochener Reihenfolge vom Jahre 
1350 bis 1809. Außerdem führt ein dazu gehöriges 
Inventar-Actenſtück noch 6 weitere Bände auf Deutz be- 
züglicher Urkunden, vom 16. bis zum 19. Jahrhundert 
reichend, auf, über deren Vorhandenſein ich mich jedoch 
nicht habe vergewiſſern können. Die übrigen Urkunden⸗ 
bücher find aus der Zeit des 17., 18. und 19. Jahr⸗ 
hunderts und gehen falt alle bis zum Jahre 1809. Gr: 
mäß dem beiliegenden Inventarium wurden dieſe Urs 
kunden im Jahre 1810 von der franzöſiſchen Regierung 
dem damals in Mühlheim befindlichen und nachher nach 
Siegburg verlegten Hypothekenamte überwieſen. Ihr 
Aufbewahrungsort ſcheint nach der Vertreibung der 
Franzoſen unſerer Regierung nicht bekannt geworden zu 
ſein, und ſo haben ſie denn bis heute unbeachtet und 
unbenutzt auf Speichern geruht, obgleich über ihren Ver⸗ 
bleib zumal betreffs der Schreinsbücher der Stadt Deutz 
vielfach Nachforſchungen ſind angeſtellt worden. 

Für die Geſchichtsforſchung verſpricht dieſer Ur— 
kundenſchatz eine reiche Ausbeute, welche den Hiſtorikern 
um ſo willkommener ſein dürfte, weil die bisher be— 
kannten archivaliſchen Nachrichten über die Geſchichte der 
Gegenden, auf welche jene Urkunden Bezug haben, zum 
Theil nur unbedeutend und mangelhaft ſind Zumal iſt 
dies der Fall rückſichtlich der Geſchichte der Stadt Deutz. 
Die auf dieſelbe ſich beziehenden archivaliſchen Quellen 
ſind äußerſt dürftig, und es mag dies wohl vorzüglich 
ſeinen Grund darin haben, daß das bedeutende Archiv 
der vormals dort befindlichen St. Heriberts-Abtei ver— 
loren gegangen iſt. Im dreißigjährigen Kriege zündete 
einer der in der Kirche der genannten Abtei eingeſperrten 
gefangenen ſchwediſchen Soldaten das dort lagernde 
Pulver an und ſprengte die Kirche und anliegenden Ge⸗ 
bäude in die Luft. Bei dem dabei ausgebrochenen Brande 
ſoll auch das Archiv und die Bibliothek des Kloſters 
ein Raub der Flammen geworden ſein. Wie gering 
und ſpörlich die Anzahl der bekannten auf Deuß be⸗ 
züglichen älteren Originalurkunden bis zur Auffindung 
der beſprochenen Schreinsbücher geweſen iſt, mag man 
auch ſchon daraus ermeſſen, daß in den letzteren Jabren 
ein die ältere Geſchichte der St. Geriberts-Abtei behan⸗ 
delndes Pergament-Manuſcript und einige wenige alte 
Deutzer Urkunden als Raritäten von Sammlern zu ganz 
enormen Preiſen ſind angeſteigert worden. i 

Auch für die Geſchichte der übrigen vormals be— 
deutenden Ortſchaften des Siegthales, zumal der ehe— 
maligen Feſtungen, dürften die beſprochenen Urkunden 


64 


bücher vielfach Neues und Unbekanntes zu Tage fördern. 
Bis zum Jahre 1632 erfreuten ſich die Bewohner der 
niederen Sieg durch ihren großen Handel und regen Ge— 
werbfleiß eines blühenden Wohlſtandes, und einzelne 
Ortſchaften, wie die Feſtungen Siegburg und Blanken— 
berg, gebörten damals zu den bedeutenderen kleineren 
Städten des Rheinlandes. Im Jahre 1632 fielen die 
Schweden unter dem General Baudiſſin in das Sieg— 
thal ein, eroberten die Feſtungen Siegburg, Blankenberg 
und Windeck, und hauſten dort drei Jahre lang in einer 
ſo barbariſchen Weiſe, daß jene Gegenden faſt entvölkert 
und der einſt ſo blühende Wohlſtand derſelben für die 
folgenden Jahrhunderte bis in die Neuzeit hinein gänzlich 
vernichtet wurde. Ueber jene für die Bewohner des 
Siegthales ſo verhängnißvollen Ereigniſſe iſt aber bis 
heute äußerſt wenig bekannt, und der Mangel an darauf 
bezüglichen archivaliſchen Quellen iſt jo groß, daß ſich 
nicht einmal die Jahreszahlen einzelner wichtiger Vor— 
fälle, z. B. der totalen Zerſtörung der Feſtung Blan— 
kenburg, mit Sicherheit feſtſtellen laſſen. Wahrſcheinlich 
werden die genannten wieder aufgefundenen Urkunden 
über dieſen Abſchnitt der Geſchichte des Siegthales mehr 
Licht verbreiten. 

Schließlich werden dieſelben aber auch 
unzweifelhaft eine reiche Quelle für die Ge— 
ſchichte der adeligen Geſchlechter und Burgen 
jener Gegenden ergeben, auf welche ſie Bezug 
haben. 

Der jetzige Aufbewahrungsort des beſprochenen ars 
chivaliſchen Schatzes iſt durchaus unpaſſend, und es find 
bereits an zuſtändiger Stelle die nöthigen Schritte ge— 
ſchehen, um eine Unterbringung deſſelben an einem für 
die Conſervirung und Benutzung geeigneteren Orte zu 
veranlaſſen. Aber „inter arma silent musae“, und es 
werden wohl ruhigere Zeiten abgewartet werden müſſen, 
bevor man daran denken darf, jene Uebertragung nach 
dem Provinzial-Archive vorzunehmen, und den Hiſto— 
rikern die Möglichkeit wird, das inhaltreiche Material 
der 223 Foliobände für die Geſchichtsforſchung auszubeuten. 

Schloß Frens. J. B. Dornbuſch, Kaplan. 


Einige Bemerkungen über die in Nr. 5 vor- 
geſchlagene Einrichtung einer Adelsmatrikel 
für das Königreich Preußen. 

So ſehr auch Schreiber dieſer Zeilen die Ein⸗ 
richtung einer Adelsmatrikel für das Königreich 
Preußen mit Freuden begrüßen würde, und lebhaft 
bedauert, daß eine ſolche bis jetzt noch nicht ange— 


legt worden, ſo möge es ihm doch geſtattet ſein, 


einige Punkte des in Rede ſtehenden Aufſatzes näher 
zu beleuchten, und in Folgenden ſeine unmaßgeb— 
liche Anſicht und Bemerkungen niederzulegen. 
Die vorgeſchlagene Eintheilung in Uradel, 
Patriciat, Reichsadel, Briefadel ze. iſt von einem 
gewiſſen Standpunkt aus recht ſchön gedacht, doch 


kaum ausführbar, da ſie ſich nicht ſo an die Ge⸗ 
genwart hält, wie die naturgemäße Eintheilung nach 
den Rangſtufen: Fürſten, Grafen, Freiherrn ꝛc. 
Ueberdies iſt in erſterer Eintheilung überſehen, daß 
zwei getrennte Abtheilungen, nämlich Reichs adel 
u. Briefadel, für ein und dieſelbe Klaſſe 
von Adel gemacht ſind. Iſt denn der Reichsadel, 
von Kaiſern und Reichsvicaren verliehen, kein Brief- 
adel? Es müßte alſo III. u. IV. in eine Klaſſe 
kommen, nämlich Briefadel, u. dieſe dann viel⸗ 
leicht die Unterabtheilungen: Reichsadel und an⸗ 
derer landesherrlicher Adel haben, obwohl dies auch 
nicht zu rechtfertigen iſt, denn eine 1806 kurz 
vor Schluß des deutſchen Reiches verliehene Reichs⸗ 
adelserhebung iſt doch unmöglich nachdieſer Rang— 


ordnung, wo man das Alter einer Familie vor— 
zugsweiſe berückſichtigen will, vor eine z. B. 
1740 von König Friedrich dem Großen verliehene 
preußiſche Adelserhebung zu ſetzen? Allerdings glau- 
ben namentlich die Reichsgrafen und Reichsfreiherrn, 
vornehmer zu ſein als andere, z. B. preußiſche und 
öſterreichiſche, Grafen und Freiherren, dies beruht 
doch aber offenbar in einem Ueberſchätzen der Reichs- 
erhebungen. 


Die wirklichen Reichsgrafen und 
Reichsbaroneſind längſt entweder ſouverain gewor⸗ 
deu oder doch mindeſtens zur Fürſtenwürde überge- 
gangen, und die ſpäteren diplommäßig verliehenen 


Reichsgrafen- und⸗Freiherruſtands-Erhebungen ha- 
ben nichts anderes zu bedeuten, als daß ſie eben vom. 
Kaiſer für das ganze deutſche Reich verliehen worden! 


ſind. Es iſt demnach eigentlich lächerlich, wenn ſich 
Jemand „Herr Reichsgraf“ tituliren läßt; es fällt 
doch gewiß keinem preußiſchen oder öſterreichiſchen 


oder bayriſchen Grafen ein, ſich „Herr preußiſcher 


Graf“ oder „öſterreichiſcher Graf“ oder „bayriſcher 
Graf“ zu nennen, oder die Adreſſen in dieſer Weiſe 
ſich zu erbitten. Daſſelbe gilt natürlich von Frei- 
herrn, Rittern und einfachem Adel. 


Ex iſtſchon richtig, daß im Grunde genommen 
ein zum Adel gehörender einfacher Edelmann in 
gewißer Art vornehmer iſt, als ein Graf, deſſen 
Familie erſt im vorigen Jahrhundert geadelt wurde; 
aber auf anderer Seite ſteht doch ein ſolcher Graf 
immer im Range höher als jener Edelmann, denn 
Graf iſt doch mehr wie Herr von, und wenn zwei 
ſonſt in ihren bürgerlichen Stellungen gleichſtehende 
Herren zu placiren wären, ſo würde man ſtets dem 
Grafen den Vorrang vor dem Edelmann geben, 
wenn auch Letzterer zehnmal aus viel älterer Familie 


* 


65 


Es giebt übrigens noch eine andere Beurtheil- 


iſt. 
ung der Vornehmheit eines Adlichen; dies ſind die 


Ahnen. Ein uralter Edelmann kann keine 
Ahnen haben, wenn ſeine Mutter eine Bürgerliche 
war, wohingegen ein ſolcher aus einer vor 100 
Jahren geadelten Familie ſehr gut 8 auch 16 Ahnen 
haben kann, und dadurch doch gewiß viel mehr von 
adlicher Abſtammung iſt als erſterer, außerdem aber 
zu Ehren und Würden gelangen kann, die einem 
ahnenloſen Edelmann, und mag er Graf oder Fürſt 
ſein, nie offen ſtehen; z. B. Ritter des Malteſer 
Ordens, k. k. öſterr. Kämmerer, u. ſ. w. Nach all' 
dieſem ſcheint mir daher die vorgeſchlagene Rang— 
Ordnung nicht practiſch zu ſein, abgeſehen davon, 
daß manche Familie ſich in ihrer Vornehmheit zu— 
rückgeſetzt fühlen würde. Deshalb iſt allein die Ein— 
theilung nach dem jeweiligen Standestitel der 
Familien die einzig richtige und practiſche, wie 
ſie überall und auch im Kgr. Bayern gewählt 
worden iſt. “) v. F. 


Die öſtreichiſchen Grafen v. Veuſt. 

Der „Herold“ bringt in Nr. 6 S. 50 eine Notiz 
über das Wappen des Oeſtreich. Reichskanzlers Grafen Beuſt, 
die zu berichtigen und zu vervollſtändigen ich in der Lage bin. 

Friedrich Ferdinand Frhr. v. Beuft, k. k. Geh. 
Rath und Reichskanzler, Reichsminiſter des kaiſerl. Hauſes 
und des Aeußeren, ward mittelſt kaiſerl. Handſchreibens 
d. d. Ofen 5. December 1868, in erneuerter Anerkennung 
ſeiner Verdienſte und zum Beweiſe beſonderen Wohl— 
wollens, von S. M. Kaiſer Franz Joſeph 1. von Oeſt— 
reich, König von Ungarn, in den erblichen öſtreichiſchen 
Grafenſtand erhoben. 

Die Ausfertigung des Diplomes und Feſtſtellung 
des Wappens hat ſich bis medio 1870 verzögert. Das 
Wappen iſt jetzt vom kk. Adelsamte folgendermaßen feſt— 
geſtellt und von Sr. Maj. ſanctionirt worden: 

Schild: quergetheilt mit Mittelſchild, den eine 
Blätterkrone bedeckt. Derſelbe zeigt das Beuſt'ſche 
Stammwappen: zwei und eine halbe von der Rechten 
zur Linken gehende r. Spitzen in w. Das Hauptſchild 
hat oben in Gelb einen wachſenden ſchwarzen, gekrönten 
Doppeladler, (als kaiſerliches Gnadenzeichen;) die untere 
Schildeshälfte iſt geſpalten; vorn in w. ein ſchrägrechts 
gelegter gr. Oelzweig, die Friedensmiſſion des Reichs— 
kanzlers andeutend, () hinten auf grünem gekrönten 
Dreiberg ein weißes Doppelkreuz. (Patriarchenkreuz, 
das Neu⸗Ungariſche Wappen.) — Den Hauptſchild 
deckt die G. perlige Grafenkrone, über welcher ſich ein 
gekrönter Helm mit rechts ſchwarz-gelben, links roth— 


*) Es kann uns nur angenehm fein, wenn, wie im obigen Ar⸗ 
tikel, auch abweichende Anſichten über die in Rede ſtehende Angelegen— 
heit ausgeſprochen werden. Wir bitten die geehrten Leſer um weitere 


Mittheilungen in dieſer Hinſicht, und werden ſpäter darüber reſumiren. 


D. Red. 


| 


die linke von Roth, Weiß und Grun 
ungariſchen Farben.) 


weißen Decken erhebt. Derſelbe trägt die zum Beuſt'⸗ 
ſchen Stammwappen gehörige, vorwärtsgekehrte, aufs 
wachſende Jungfrau, das weiße Kleid mit 5 rothen 
Querſtreifen belegt, die weißen enganliegenden Aermel 
mit roth-weiß geſtreiften Bauſchen. Das abfliegende 
blonde Haar iſt mit einem Kranz roth und weißer Roſen 
hält. Jede Hand hält eine auf dem Helm ruhende 
etwas ſchräggekehrte abwärtsfliegende rückwärts einmal 
um die Stange geſchlagene lange Fahne an gelbem Schaft. 
Die rechte iſt von Schwarz über Gelb (die öſtreich. Farben), 
quergetheilt (die 
Den Schild hält rechts ein gelber Löwe, links ein 
brauner Bär, beide widerſehend und auf einer Ver— 
zierung von Arabesken ſtehend. Unter dem Schilde auf 
gelbem Band die Deviſe in ſchwarzen Lapidarbuchſtaben: 
Furchtlos und treu. 

Der Herold a. a. O. erwähnt, daß die Vermehrung 
eines Privatwappens durch Ungariſche Embleme bisher 
nicht vorgekommen ſei. Wenn auch nicht in dem Um— 
fang wie die Verleihung des kaiſerlichen Adels an tau— 
ſende von Familien, ſo laſſen ſich doch Beiſpiele bei— 
bringen, die auch für erſteren Fall den Beweis führen. 
Bon den ungariſchen Familien, die allgemein bekannt 
find, führe ich nur die Grafen Szöéchenyi, die das 
ung. Patriarchenkreuz im Feld 1 u. 4 führen, dann die 
Grafen Pejäcevich an, deren einer Schildhalter das 
das vollſtändige ungar. Wappen auf der Bruſt trägt. 

Wien, 20. Auguſt 1870 Alfred Grenſer. 


Titeratur. 

Genealogiſches Taſchenbuch der Ritter- und 
Adelsgeſchlechter. J. Jahrgang. Brünn, Buſchak 
und Irrgang. 

Heute habe ich das Vergnügen, über ein Unter⸗ 
nehmen zu berichten, welches nach ſeiner Anlage ganz 
dazu geeignet iſt, eine Lücke in der genealogiſch-heral⸗ 
diſchen Literatur auszufüllen, und als Ergänzung der 


Gothaiſchen Taſchenbücher zu dienen. Begegnen wir 


auch in dem vorliegenden Jahrgang nur öſterreichiſchen 
Geſchlechtern, ſo iſt deswegen nicht zu ſchließen, daß die 
übrigen deutſchen Geſchlechter von der Aufnahme aus— 
geſchloſſen ſeien. Der Grund hierzu wird eben in den 
enormen Schwierigkeiten, mit denen der Anfang eines 
ſolchen Unternehmens zu kämpfen hat, zu ſuchen ſein. 
Eben deswegen ſollte Jeder, der hierzu im Stande iſt, 
beitragen, die Lücken auszufüllen. 

Nur bezüglich der Wappenbeſchreibungen habe ich 
Einiges zu bemerken gefunden. Dieſelben könnten ohne 
Schaden auf ein kleines Volumen zurückgeführt werden 
und es dürfte der Redaction zu empfehlen ſein, das— 
jenige, was ſich auf eine Wappen darſtellung bezieht, 
auszuſcheiden; z. B. die Beſchreibung der Conturen des 
Wappens, wie: „Ein aufrecht oblonger, unten rund in 
Spitz auslaufender Schild;“ überflüſſig iſt ferner: 
„Ueber demſelben (zwei) gegeneinander gekehrte (Tur⸗ 
nierhelme).“ Nicht gemäß der Kunſtſprache ſind die 
Bezeichnungen „Ein von Gold und blauer Farbe ver— 
zierter Schild“ „Ein von blauer und rother Farbe 
beſtehender .. . Schild.“ „Ein gezierter Schild“ S. 


66 


50 iſt jedenfalls blos Druckfehler und ſoll, wie aus der 
nachfolgenden Beſchreibung hervorgeht, „gevierter“ heißen. 
Es würde überhaupt zweckentſprechend ſein, bei der Bla— 
ſonirung mehr ſchablonenmäßig zu verfahren und alles 
dasjenige, was ſich überall gleichbleibt und eigentlich von 
ſelbſt verſteht, ganz wegzulaſſen oder ſo kurz als möglich 
zu faſſen. Dadurch würde die Ungleichmäßigkeit in 
der Beſchreibung, welche bei einem bloßen Abdruck der 
von den Familien gelieferten Beſchreibungen ſehr er— 
klärlich iſt, vermieden werden. Als Muſter könnte in 
dieſer Beziehung der „neue Siebmacher“ empfohlen werden. 

Die genealogiſchen Notizen ſind ſo vollſtändig, als 
man fie wünſchen kann. Bei einzelnen Familien find 
vollſtändige, auf den Urſprung des Geſchlechts zurückge— 
hende Ahnentafeln beigegeben, z. B. Benkner S. 19; 
Greiſſing S. 138; Lange S. 233; Wayda S. 443. 

Ohne Schaden könnten die, den Turnirbüchern und 
alten Genealogen entnommenen, Mythen hinweglaſſen 
werden. (Alvensleben S. 6.) 

Eine Anpreifung bedarf das Werk nicht; es wird 
ſich von ſelbſt einführen und bald neben den gothaiſchen 
Taſchenbüchern als unentbehrliches Handbuch eingebürzert 
haben. 

Beſonders intereſſant war mir der vorliegende Band 
auch deswegen, weil er eine reichhaltige Quelle zur Ge— 
ſchichte der neueren öſterreichiſchen Heraldik iſt. 

Würzburg. Seyler. 

Wappenbuch der Schleſiſchen Städte und 
Städtel, herausgegeben von Hugo Saurma Frhrn. 
v. und zu der Jeltſch, illuſtrirt von L. Clericus. 
Berlin 1870; in Commiſſion bei Görlich und Koch, 
Breslau. 426 Seiten mit zahlreichen Holzſchnitten und 
11 photolithographirten Tafeln. i 

Ein vorzügliches Werk, deſſen Titel „Wappenbuch“ 
ein faſt zu beſcheidener iſt, denn es enthält nicht nur 
die Wappen von 241 ſchleſiſchen Städten und Flecken 
in genauen, die Entſtehung der Bilder erklärenden Be— 
ſchreibungen und beigedruckten Zeichnungen, ſondern auch 
in gedrängter aber völlig genügender Weiſe einen Ab— 
riß der Geſchichte jeder Ortſchaft. Nicht nur wird das 
Buch jedem, der ſich ſpeciell mit Städtewappen beſchäftigt, 
eine wichtige Quelle ſein — es bietet auch für die Ge— 
ſchichte des Adels dieſer Provinz manches Intereſſante, 
deſſen Auffindung ein Regiſter über die vorkommenden 
Familien erleichtert. 

Die Holzſchnitte find kräftig und deutlich; dieſelben 
find? — was Manchem recht lieb ſein wird — am 
Schluſſe auf mehreren Tafeln wiederholt, in der Ord— 
nung nach den Wappenbildern — wobei wir uns nur 
die Bemerkung erlauben, daß die Heroldſtücke wohl den 
ſ. g. natürlichen Figuren hätten voraufgehen müſſen. 
Die Siegeltafeln ſind eine nöthige und wichtige Zugabe — 
vielleicht hätten ſich dieſelben indeß beſſer ausgenommen 
wenn ſie, ſtatt in Photolithographie, in einfacher Litho— 
graphie oder in Holzſchnitten ausgeführt wären; theil— 
weiſe genügen die Abbildungen in künſtleriſcher 
Hinſicht nicht ganz. 

Jedenfalls kann aber Schleſien vor anderen Pro— 


vinzen um ſolches Werk beneidet werden. — 

Correſpondenzblatt Nr. 6. S. 41 ff: „Bei⸗ 
träge zur mittelalterlichen Stegelkunde. I. Siegel der 
Stadt Brieg, von G. A. v. Mülverſtedt, Archivrath ꝛc.“ 

In Verfolg des Umſtandes, daß Hr. Dr. C. Grün⸗ 
hagen den im IX. Bande des cod. dipl. Silesiae edirten 
Urkunden der Stadt Brieg die älteſten Stadtſiegel der— 
ſelben beifügt — und in ſeiner Erläuterung dazu, ab— 
weichend von Anderen, das Wappenbild nicht für drei 
ſchächerkreuzförmig geſtellte Anker, ſondern Wolfseiſen 
erklärt, ſpricht ſich Hr. v. M. in längerer Abhandlung 
dahin aus, daß die erwähnten Figuren doch als Anker 
zu betrachten ſeien, indem er nachweiſt, daß Anker auf 
ſehr zahlreichen Siegeln des Mittelalters ſtets der Merk— 
male entbehren, welche Hr. Dr. G. an den Ankern des 
Bieger Wappens vermißt, vielmehr immer in ziemlich 
primitiver Weiſe dargeſtellt werden, ſo daß allerdings 
bisweilen eine Verwechſelung mit Wolfseiſen möglich 
ware. Unterſcheidendes Merkmal bleibt der lange Stiel 
des Ankers, der dem Wolfseiſen fehlt. Man vergleiche 
in dem vorſtehend angezeigten Saurma'ſchen Werke die 
auf Tf. 1 abgebildeten Siegel nnd die Erläuterung 
dazu. — Beachtenswerth iſt der gleichzeitig erwähnte 
Umſtand, daß die Gabel- oder Schächerkreuz-förmige 
Stellung dreier Figuren in einem Schilde in Wappen 
ſlaviſchen Urſprungs beſonders beliebt iſt. 

S. 42 wird bemerkt, daß die Anker u. A. auch 
dadurch erklärt würden, daß der Patron der Hauptkirche 
von Brieg, St. Nicolaus v. Bari, einen Anker als 
Attribut führe, es wird jedoch ein Beleg hierfür ver— 
mißt. Ein ſolcher findet ſich in dem Werke „Chriſtliche 
Kunſtſymbolik und Ikonographie“ (vom Frhrn. v. M.) 
Frankfurt 1839 Seite 7. der Anker iſt jedoch nicht 
alleiniges Attribut dieſes Heiligen. 


Im Hinweis auf den bezügl. Perein's-Beſchluß 
vom 3. Aug. erſuchen wir diejenigen geehrten Abon- 
nenten d. Zl., welche den Abonncmentsbetrag für das 
laufende Jahr noch nicht berichtigt haben, denſelben 
gefälligſt bis zum 1. November d. Js. an den Schatz 
meiſter, Herrn Lieutenant Gritzner, Berlin, Victoria- 
Str. 11, einſenden zu wollen; andernfalls würden wir 
uns erlauben, nach Ablauf dieſes Termin's den Be- 
trag durch Poſt-Nachnahme zu erheben. Ein Gleiches 
gilt in Zetreff der noch reſtirenden Beiträge corre- 
ſpondirender Mitglieder des „Herold.“ 


Inhalts- Verzeichniß: 

Nobilitirung. — Protocoll. — Aufruf. — Die herald. 
Terminologie. — Verein „Adler“. — Die v. Sotfart. — Bei⸗ 
träge zur Genealogie Rheiniſch-Niederländiſcher Familien. — 
Das Wappen der v. Landwuſt. — Auffindung alter Urkunden⸗ 
bücher zu Siegburg. — Bemerkungen zur Adelsmatrikel. — 
Die Oeſterreichiſchen Grafen v. Beuſt. — Literatur. — An⸗ 
zeige. — 


Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs-Bezirk Magdeburg. 
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


UT 


— aa 


, Monatsſchtiſt für Heraldik, 
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen -Kunde zu Berlin. 


Erſcheint monatl. einmal 4—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile 


Ur. 10. DD Berlin, im October 1870. D 1. Jahrgang. 


Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller- ſandt waren, vor, und brachte auch ein ihm von Letz⸗ 
gnädigſt geruht, den Secondelieutenant im Rheiniſchen | terem zugegangenes, die qu. Wappenfrage behandelndes 
Küraſſierregiment Nr. 8, Georg Robert Kun hardt, Schriftſtück') zur Kenntniß der Anweſenden. Außerdem 
unter den Namen: „Kunhardt von Schmidt“ in wurde eine Anzahl Blätter Durchzeichnungen alter colo— 
den Adelſtand zu erheben. rirter Städte-Wappen aus der Sachſen⸗Chronik vor⸗ 
gezeigt und daran vom Schriftführer die Mittheilung 
Auszug aus dem Protoſiolle der Sitzung des geknüpft, daß der Hr. Redakteur wegen der Seltenheit 

ld 5. October 1870 farbiger Städte - Wappen aus jener Zeit und weil das 
„Hero vom 5. f a alte Buch nur in größeren Bibliotheken befindlich, nicht 

Das vorgeleſene Protokoll der Sitzung vom 7. v. Jedem alſo zugänglich ſei, die Abſicht habe, dieſe Zeich⸗ 
Mis. gab dem Herrn Schasmeiſter zu der Bemerkung nunz lithographiren and dem Herold beifügen zu laſſen. 
Veranlaſſung, daß die beſchloſſene Aufnahme von Geburts- (55 wurde dabei vom Schriftführer erwähnt, daß es die 
2c. Anzeigen zweckmäßig erſt am 1. Januar 1871 ab in's Abſicht des Hrn. H. ſei, nicht allein auf eine Reproduk⸗ 
Leben treten möge; was auch ſeitens der Verſammlung tion dieſer Wappen, ſondern auch darauf Bedacht zu 
gebilligt wurde. a nehmen, anknüpfend an jene alten Abbildungen eine Be⸗ 

Sodann theilte der Hr. Vorſitzende der Verſamm⸗ ſchreibung der Wappen zu geben, wie dieſelben in ſpäterer 
lung mit, daß der „Adler“ zu Wien ihn in ſeiner Eis | Zeit bis jegt von den betreffenden Städten geführt wurden, 
genſchaft als Präſident des hieſigen Vereins zum Ehren⸗ und ſtellte zu dem Ende das umfangreiche Material 
mitglied ernannt habe, und knüpfte daran den von meh⸗ ſeiner Sammlung, ſowie jeine Mitwirkung bei der Aus⸗ 
reren Seiten unterftügten Vorſchlag, den durch feine | führung des Projects in Ausſicht. Vereinsſeitig ging 
Leiſtungen im Gebiete der Heraldik rühmlichſt bekannten man um ſo bereitwilliger auf den gemachten Vorſchlag 
Präſidenten des Wiener Vereins, den Hauptmann Hrn. F. ein, als der Hr. H. ſich in anerkennenswerther Weiſe 
Hever, gleichfalls durch Ernennung zum Ehrenmitglied erboten hatte, die Hälfte der Lithographirungskoſten zu 
auszuzeichnen; ein Vorſchlag, welchem allerſeits zuge- beſtreiten, falls der Verein die andere Hälfte trage. 
ſtimmt wurde. g : 7 Damit wurde die heutige Verſammlung nach Er— 
| Der Staatsarchivar und Archiv⸗Rath Hr. v. Mül⸗ ledigung ſonſtiger weder für die auswärtigen Mitglieder 
verſtedt zu Magdeburg hatte eine Schrift über die noch für die Abonnenten des Blattes irgendwie der Mit⸗ 
zwiſchen den Jahren 1500 und 1800 erloſchenen Adels: theilung werthen Angelegenheiten gegen 94 Uhr geſchloſſen. 
geſchlechter des Stifts und Fürſtenthums Halberſtadt! Anweſend waren 11 Perſonen. Z. Bl.: F. Warneke. 
eingeſandt. aum waren von um BO 
Hildebrandt ſämmtliche Siegel der Gewerke zu Gardelegen ie 7 ; 

Su Vereine zum Geſchenk gemacht und ſeitens des Hrn. i Die Heutſchen Jarben. ö 
Wappenſtechers Dimmling ein Bibliotheksſtempel gear⸗ Die alten deutſchen Reichs farben 
beitet, für welche Geſchenke den genannten Herren der | find als Symbol der deutſchen Einigkeit nun viel⸗ 
Dank des Vereins ausgeſprochen wurde. fach der Gegenſtand litterariſcher Erörterung ge⸗ 
kü n Darnach legte der Schriftführer einige auf das zus | worden. Wir ſtehen vor Ereigniſſen, welche 
künftige deutſche Reichs-⸗Wappen und Banner bezügliche, „„ En 2 

3 ; nr ste: *) Daſſelbe wird binnen Kurzem als Brochüre unter dem Titel: 
colorirte Zeichnungen, welche von Sr. bochfürſtlichen neter Wappen und Banner des Deutſchen Reiches“ bei Mitſcher 
Durchlaucht v. Hohenlohe und Hrn. Hildebrandt einge- Röſtell in Berlin erſcheinen. 


68 


endlich die Zukunft unſeres Vaterlandes begründen 
und die Wiederherſtellung Deutſchlands in alter 
Kraft und Herrlichkeit ſichern ſollen. Wie der 
Phönix aus der Aſche ſoll das Reich aus der 
Schmach der Schwäche und Zerriſſenheit ſich wieder 
erheben und eine feſte Geſtalt gewinnen. 

Da heißt es denn Deutſchlands Farben be⸗ 
kennen, und Sache desjenigen wiſſenſchaftlichen 
Vereins, welcher den Namen Herold angenommen 
hat, dürfte es vorzugsweiſe ſein, die Beſchaffenheit u. 
Autorität dieſer Farben wiſſenſchaftlich zu unter⸗ 
ſuchen. Wir ſind weder ein naturwiſſenſchaftlicher, 
noch ein Kunſtverein, die optiſche Farbenlehre geht 
unsſo wenig an, als dieäſthetiſche Schönheit der Zu⸗ 
ſammenſtellung; die Heraldik iſt eine Hülfswiſſen⸗ 
ſchaft der Geſchichte. Unſer Vaterland iſt keine Ent 
deckung in den neuen Welttheilen, ſondern hat eine 
glorreiche Vorzeit, und an dieſe wollen wir unſere 
Farbenlehre anknüpfen. 8 

Vor Allem muß man nach unſeren Grund— 
ſätzen davon abſtrahiren, ſolche Farben als Landes⸗ 
farben anzuſprechen, welche nicht die des Wappens 
ſind, oder mit anderen Worten die Farben des 


Landes geſondert von denen des Wappens zu 


behandeln. Eine ſolche Doetrin iſt der Heraldik 
fremd. Wir müſſen den Vorwurf dieſes Ab: 
weges leider den meiſten derjenigen Schriften 
machen, welche dieſe Frage behandelt haben, und 
hievon ſelbſt die uns hier vorliegende faſt mit 
unſern Anſichten harmonirende Schrift: „die 
Farben des Norddeutſchen Bundes Schwarz, Weiß, 
Roth“ des durchlauchtigen Heraldikers F. K. nicht 
ganz frei ſprechen, wenn der hochgeſtellte Herr 
Verfaſſer auch ſchließlich zu dem Satze gelangt, 
daß die genannten Farben als Wappen nicht 
gelten dürfen und ihre Zuſammenſtel⸗ 
lung als Schild unſtatthaft ſei. 

Gemäß der oben entwickelten Anſicht müſſen 
wir die Meinung als unberechtigt zurückweiſen, 
daß die deutſchen Landesfarben insbeſondere ſich 
aus Zuſammenſtellung der Reichswappenfarben mit 
der Reichsſturmfahne neu zuſammen ſetzen und auf 
dieſe Weiſe hiſtoriſch begründen laſſen. Die angeblich 
aus dem Anfange des 14. Jahrhunderts ſtammende 
Gloſſe zu Art. 60. des 3. Buchs des Sachſenſpiegels, 
welcher wir dieſes Alter durchaus nicht zuſprechen 
können, ſagt zwar: „zum dritten hat das Reich eine 
Fahne, die iſt forne roth und hinden gelb.“ 
Auch hat der durchlauchtige Herr F. K. aus 


dem Balduineum oder Trierer Bildercoder uns 
gelehrt, daß König Heinrich VII. in der Schlacht 
von Ancifa im September 1312 unter ſeinen 
Bannern auch eine Fahne (eigentlich einen Wimpel) 
vorn roth und hinten gelb im Kampf habe 
flatteru laſſen, es iſt aber aus dieſer Belehrung 
zugleich erſichtlich, daß dieſe Fahne die „Reichs⸗ 
ſturmfahne“ war, ein Feldzeichen, welches eben 
nur in der Schlacht gebraucht wurde und lediglich 
den Character einer „Sonderfahne“ hat, 
während als eigentliche Reichspaniere die ſchwarzen 
Adler im gelben Felde erſchienen. Dieſe Reichs⸗ 
ſturmfahne nun als Landesfahne erklären reſp. 
ihre Farben in die deutſchen Reichsfarben auf⸗ 
nehmen, heißt, abgeſehen von der Willkür, welche 
in ſolchen Uebertragungen liegt, den Waffenſtreit 
ſymboliſch für permanent erklären. Aus dieſem 
Grunde müſſen wir die rothe Farbe ſowohl aus 
der 1830 entſtandenen Tricolore Schwarz, Roth, 
Gold, als aus der 1866 etablirten Zuſammen⸗ 
ſtellung Schwarz⸗weiß⸗roth entfernen, wenn wir 
die deutſchen Farben heraldiſch beſtimmen wollen. 
Das deutſche Reichswappen iſt urſprünglich, wie wir 
aus Siegeln und Malereien des Mittelalters 
kennen, der einköpfige ſchwarze unbewehrte Adler 

im gelben Felde. Deſſen bedienten ſich die deutſchen 
Könige und römischen Kaiſer bis auf Kaiſer Karl 
IV. welcher gleichzeitig auch König von Böhmen 
war. Vor Karl IV. kennen wir nur dieſen ein- 
köpfigen ſchwarzen Adler als Wappen⸗ 
bild. Karls Sohn war Wenzeslaw oder Wenzel 

als böhmiſcher König der 4te feines Namens. 
Dieſer war es, welcher, als König von Böhmen 
auch zugleich Herzog von Schleſien, anfangs 
pfandweiſe, dann erblich durch Vertrag v. 18. 
Auguſt 1373 vom Pfalzgrafen u. Herzog Otto 
v. Bayern die Mark Brandenburg erwarb. Er 
iſt es, welcher ſich zuerſt und zwar lediglich als 
König von Böhmen, Markgraf von Brandenburg 
u. zur Lauſitz und Herzog zu Schleſien z. B. in 
Urkunden v. 23. u. 24. März u. 7. April 1371 
eines Rückſiegels bedient, welches einen doppel⸗ 
köpfigen Adler mit dem doppelſchwänzigen 
Löwen als Bruſtſchild zeigt. Er braucht 
dieſes Siegel noch den 28. Dec. 1375, und als 
er am 7. Juli 1376 zum deutſchen König 


gewählt wurde, behielt erden Doppeladler ſtatt | 


des von Kaiſer Karl IV. gebrauchten ein⸗ 
köpfigen Adlers und erhob ihn nach Karls IV. Tode 
zum Reichswappen, was der Doppeladler auch unter 


lands. 
Farben würden ſich nur dann vermehren, wenn 
die Bruſt des deutſchen Aars ſich mit dem Schilde 
des Fürſten deckte, welcher heute Deutſchlands 


69 


den Habsburgern nnd Lothringern bis zur Auflöſung keinen bedeutenden Grundbeſitz mehr hatte und auch wenig in 


des Reichs geblieben. Als der Kaiſer Franz 1804 die 
deutſche Krone für herrenlos erklärte und ein öſtreichi⸗ 
ſches Kaiſerthum ſchuf, arrogirte das öſterreichiſche 
Kaiſerthum dieſen Doppelaar. Wiewohl das eigent- 
liche Wappen von Böhmen nur der doppelſchwänzige 
weiße gekrönte Löwe im rothen Felde iſt, ſo iſt der 
Doppeladler als Reichswappen⸗-Bild doch eine böh⸗ 
miſche Schöpfung, welche vom König Wenzel auf 
Deutſchland übertragen wurde. Hiefür führe ich noch 
den Umſtand an, daß die Nachkommen des Herzogs 
Wladislaw I. v. Böhmen (7 27. Sept. 1125) aus 
ſeiner Ehe mit Richza Tochter Diepolds III. Mark⸗ 
grafen v. Vohburg, die ſogenannte Diepoldiſche oder 
Theobaldiſche Linie der Przemisliden an einer Ur⸗ 
kunde vom 9. Mai 1225, im Archiv in Breslau be⸗ 
findlich, ſichbereits dieſes doppelköpfigen Aars als 
bedienten. Da mit den Luxemburgern für das Siegel 
deutſche Reich die Zeit der Schwächung begann 
und unter den letzten Habsburg⸗Lothringern faſt 
zum Cretinismus ausartete, ſo iſt dieſer Doppel⸗ 
aar in der That kein Wappen, um welches wir 
das Kaiſerthum Oeſterreich beneiden. Wollen wir 
an die Zeit der Größe und Herrlichkeit unſeres 
Vaterlandes anknüpfen, ſo bleiben wir bei dem 
einköpfigen Aar im gelben oder goldnen Feld. 
Schwarz und Gold ſind daher die einzigen hi⸗ 
ſtoriſch und heraldiſch berechtigten Farben Deutſch⸗ 
Honny soit qui mal y pense. Dieſe 


Schwert und Fahne führt; dann würden aber 
dieſe Farben weder Schwarz, gelb, roth noch 
Schwarz, weiß, roth ſein, ſondern es würde ſich 
die Rangordnung der Farben nach der heral- 
diſchen Regel bedingen, daß Metall nicht Metall 
decken darf, und die ſchwarze Farbe würde 
zwiſchen den beiden Edelfarben die Mitte bilden. 


K. Chl. Frh. v. Reitzenſtein. 


Schloß Warthauſen und feine Newohner. 
(Fortſetzung.) 
Was nun das Geſchlecht derer von Warthauſen be⸗ 


trifft, ſo datiren leider die meiſten Nachrichten darüber aus der 


Zeit, nachdem ihr Stammſitz bereits von ihnen veräußert war 
und ſie ſich in dem nahen Alberweiler angeſiedelt hatten. 
Daß ſie dem ſchwäbiſchen Uradel angehört, iſt ſicher, dagegen 
erhellt aus neueren Forſchungen, daß das Geſchlecht nach 1200 


„HFF Z:!!! a u ie a N a a 


| 


urkundlichem Verkehr mit dem nachbarlichen guten Adel geftan- 
den, nur wenig mit demſelben verſchwägert war. Die älteften 
Daten find: Adelbertus Warthuſiä dominus 1108 
derſelbe zeugt in einer Schenkung an Ochſenhauſen für Albert 
von Oberſtetten 1129. 1168 verkauft das Geſchlecht feinen 
Stammſitz an das Hohenſtaufen'ſche Haus, doch erſcheint es nach 
dieſer Zeit noch mehrfach, außer Alberweiler, in Warthauſen 
begütert. 

Ueber die Warthauſen in Alberweiler iſt Folgendes bekannt: 
Frater Sifridus de Warthuſen, Canonicus zu 

Marchtall um 1230. 

Henricus de Albernwilar 1258. 

Benz von Warthauſen 1407. 

Junker Hans Ulrich v. W. + 1412. 

Conrad von W,, begütert zu W. u. am Windberg 1445. 

Hans v. W. „der Alt“, ebendaſelbſt 1445 und 1446; 
+ vor 1453. 

Gallus Warthuſen, Hanſen ſeligen Bürgers zu Bi- 
berach Sohn 1467, ſein Schweſtermann Martin Strigel. 

Wilhelm der Warthauſer 1464. 

Michael v. W. vel Warthauſer (zu Alberweiler) 
Bartlome's Vetter 1464. + zu Aichach in Oberbaiern 1505 
am Samſtag nach Allerheiligen. 

Drei übel hauſende anonyme Brüder 1487 
welche, als der ſchwäbiſche Bund ſich ihnen näherte, ihr eigenes 
Schloß zu Alberweiler einäſcherten, acht Mann erſtachen und 
ſieben Gefangene machten, welche zu Weißenhorn durch den 
Henker ertränkt wurden. 

(1379 ward Alberweiler im Städtekrieg niedergebrannt.) 
Görig Warthawſer, Heiligenpfleger zu A. 1498. 
Junkher Caspar Gerhart und 

‚Hanns Bos. (Beide in des Nachfolgenden Jahrtags⸗ 
Stiftung genannt, doch von anderen Eltern als dieſer.) 

Bartlome von Warthuſen, Lehensherr und Er⸗ 
bauer der Pfarrkirche zu Alberweiler 1498, 1503. + ebendort 
1512 am Samſtag nach St. Ulrich. Uxor Anna, hatte meh⸗ 
rere Kinder. 

Hans Stephan v. W. + vor 1552. 

Hans Jakob v. W., Philipp's Vater, + 7. Juli 1565 
Gerichts⸗ u. Lehensherr der Kirche zu A. 

Philipps v. W. zu A. 1558, 1567. + in A. 4. 
Aug. 1575. Uxor: Magdalena von Mußlow. + 17. 
October 1575. 

Deren Kinder: 

1) Hanns-Jerg (geiſtlich.) 

2) Felix Friedrich, 7 als Letzter des Stammes zu 

A. 27. Juli 1584. 

3) Hanns Ulrich, F zu Maynz 29. Juli 1583. 

4) Hans Ulrich (geiftlic.) 

5) Filius non baptizatus. 

6) Margrett J. 

7) Barbara, in virginitate mortuae. 

8) Magtalena F 1585, maritus Schantz. (Siebm. 

I., 109.) 

9) Margrett II. quae obiit virgo. 

Das Wappen des Geſchlechtes zeigt einen ſchwarzen Schild 
mit weißem Balken, der mit zwei gelben, bewurzelten Lilien⸗ 
ſtäben kreuzweiſe überlegt iſt. 

Auf dem Helme Lilienſtäbe in mehrfach abwechſelnder An⸗ 


70 


ordnung: bald zwei gelbe durch die Helmdecken geſteckt, bald ! fen nebſt ihrem Wappen, hat Bucelin „Germaniae No- 


drei, wovon der mittlere, ſchwarze, in ein Kiſſen auf dem Helm 
geſteckt iſt und deßhalb unbewurzelt erſcheint, während zwei be⸗ 
wurzelte, gelbe, darüber gekreuzt ſind. Auch alle drei Stäbe 
in ein rothes oder ſchwarzes Kiſſen, mit gelben Quaſten ver⸗ 
ziert, geſteckt, kommt vor. Helmdecken ſchwarz und gelb. 

Varianten am Schilde kommen derart vor, daß die Li— 
lienſtäbe ſtatt der Wurzeln in Ringe endigen, auch geſchuppt 
erſcheinen. 

Kaiſer Friedrich's I., des Rothbart's, Sohn Philipp, oder 
Friedrich II., ſein Enkel, belehnt ſeinen Truchſeſſen, den Grafen 
Eberhard von Waldburg, mit der Herrſchaft Warthauſen. Eber⸗ 
hard's Sohn Ulrich erſcheint zuſammen mit ſeinem Bruder 
Heinrich 1234 erſtmals als „Truchſeß von Warthauſen“ 
und ohne ſeinen Bruder in der Beſtätigungsurkunde des Klo— 
ſters Schuſſenried, durch Kaiſer Conrad 1240, als Herr zu 
Warthauſen „Ulricus Dapifer de Warthusin.“ Von 
ſeinen Nachfolgern ſind urkundlich nachgewieſen: 

1251 Walter Truchſeß von Warthauſen. 

1258 Heinrich T. v. W. 

1272 Burkard u. Conrad v. W. 

1294 u. 1299 Walter v. W. 

1309 Werner Truchſeß v. W., um welche Zeit dieſe 
Linie der Waldburg erloſch und Warthauſen an 
die Linie der Truchſeſſen zu Waldſee kam. 

Die Gebrüder von Waldſee verkaufen 1331 die Herrſchaft 
den Herzogen Albrecht und Otto zu Oeſterreich, und bald darauf 
erſcheinen die von Freyberg als die Beſitzer; jedoch erhellt 
aus einer dem Berthold vom Stein zu Ronsperg, Ritter, er- 
theilten Erlaubniß, Warthauſen von Conrad von Freyberg ein— 
löſen zu dürfen, daß die Freyberg den Beſitz nur pfandweiſe 
hatten. Näheres hat ſich darüber nicht feſtſtellen laſſen. In 
Urkunden von 1396 findet ſich ein Eberhard v. F. zu Achſtetten 
und Warthauſen und 1419 wird Junker Conrad von Freiberg, 
zu W. geſeſſen, urkundlich genannt. And Paulus v. Stein 
hatte W. pfandweiſe von Oeſterreich inne, er blieb 1446 bei 
Ragatz in einem Treffen gegen die Schweizer. Seine drei Söhne, 
Berthold, Conrad und Hans, erhalten vom Erzherzog Albrecht 
(als Adminiſtrator der Oberöſterr. Lande) die Erlaubniß, dieſe 
Pfandſchaͤft an die Stadt Biberach zu veräußern. was aber 
nur theilweiſe geſchah und verſchiedene Complikationen zwiſchen 
der Stadt und Erzherzog Albrecht zur Folge hatte. 


von Ulm von Erzherzog Sigismund die Herrſchaft zu erhalten, 
was ihm gegen Erlegung von 1200 Fl. bewilligt wurde; der 
Herzog aber beſtätigte den Contrakt nicht, gab die Summe 
zurück, und Biberach verblieb, jedoch immer nur pfandweiſe, in 
deren Beſitz. 1474 brannte das Schloß vom Blitz getroffen 
ab und von dieſer Zeit bis 1528, wo Oeſterreich die Pfand— 
ſchaft kündigte, gab es zwiſchen der Stadt, dem Haus Oeſter⸗ 
reich und einem Michel von Freiberg, der ſich in den Beſitz 
von Warthauſen drängen wollte, neue Streitigkeiten. Endlich 
1529 wurde Warthauſen dem Dr. Hans Schad von Mittel: 
biberach, einem gewandten und am kaiſerlichen Hofe hochgeach— 
teten Manne. um 18000 Fl. verſetzt. Schon 1532 wurde die 
Veſte und Herrſchaft W. mit aller Herrlichkeit, hohen und 
niederen Gerichten ꝛe. dem Hans Schad und feinem Mann: 
ſtamm von Oeſterreich zu Mannlehen verliehen, wozu 1544 
noch der Blutbann kam. 

Die freiherrliche Linie der Schad von Warthau— 


Darüber! 
ſtarb der Erzherzog 1461 und nachher ſuchte Hanns Harſcher 


titin“ etc. pars II. behandelt, fo daß nur beizufügen iſt, daß 
nach Leopold Schad's Tod, der 15. Dechr. 1695 feine Linie 
ſchloß, Warthauſen an Oeſterreich heimfſiel. Den 18. Januar 
1696 wurde Johann Philipp Joſeph von Stadion damit bes 
lehnt, und die Linie Stadion⸗Warthauſen, die noch in Defterreich: 
blüht, beſaß die Herrſchaft bis 1826, in welchem Jahre ſie 
Graf Johann Philipp Eduard Stadion an Württemberg ver- 
kaufte. Freiherr Friedrich König erwarb wiederum Schloß und- 
Schloßgut nebſt Patronatsrecht ze. Anno 1829 vom Staate, 
und laut Diplom vom 25. Febr. 1867 führt der Majorats⸗ 
herr Frh. König von und zu Warthauſen fein Familienwappen. 
mit dem (oben beſchriebenen) der + von Warthauſen vereinigt. 
a E v. K.⸗W. 


Beiträge zur Genealogie rheiniſcher 
Jamilien. 
Vom Frhn. v. Vorſt⸗Gudenau. 
Bock von Lichtenberg. 


Rainer Bock zu Lichtenberg (Fahne II. p. 14) 
hatte einen Bruder Rudolf. Dieſer hinterließ von Margareth 
von Eys genannt Beusdael eine Tochter Veronika, welche ſich! 
vor 1585 mit Johann von Holtrop vermählte. — 

Rainer hatte folgende Kinder: 

1) die von Fahne angeführte Veronica, Ehefrau des Caspar 
von Cortenbach (geſtorben 1605) welche noch 1625 lebte. 

2) Frambach, Comthur des deutſchen Ordens, geſtorben gleich- 
falls 1605. | 

3) Reinhard. — 

Die Eltern des Frambach, mit dem Fahne II. 14, feine 
Genealogie beginnt, waren N. von Bock und N. von Bade ge— 
nannt Kempel. — 


Diamantſtein. 


Dieſe Familie, die ſich auch Diemantſtein ſchrieb, ſtammt 
aus Schwaben, kam jedoch ſpäter in Folge von Hofdienſten in 


das Kölniſche und Bergiſche. 
logiſche Bruchſtück: 
IJ. N. von Diamantſtein heirathete N. von Köllwarth. 
II. N. von Diamantſtein heirathete N. von Freyen-Sei⸗ 
boldstorff. ö 
III. Johann Heinrich von Diamantſtein geboren ca. 1580, 
geſtorben 19. October 1652, heirathete Anna Maria. 
von Weichs. 
IV. 1) Franz von Diamantſtein, hinterließ von Clara von 
Berlichingen (geſtorben 1659) eine Tochter Anna Sofia 
Maria, vormählt mit Johann Stefan von Stauding und 
einen Sohn Johann Chriſtof von Diamantſtein, über 
den nichts Näheres vorliegt. | 
2) Johann Conrad. 
3) Chriſtof Leonhard. g 
4) Johann Stefan, geſtorben 1669, heirathete Magdalena 
Freyinn von Ratſchin, und hinterließ: 1 
V. 1) Adam Freiherr, ſpäter Graf, von Diamantſtein, heira⸗ 
thete Maria Eliſabeth Gräfin von Velbrück zu Lan⸗ 
quit. Er ſtarb 1730, ſie 1740. — 5 | 
2) Sofie Magdalena ſtarb 1731. 


Fortlaufend iſt folgendes genea— 


71 


3) Maria Eleonore heirathete 10. November 1679 Fried⸗ 
rich Chriſtof Leutrum von Ertringen. 
4) Anna Thereſia heirathete 7. Mai 1679 Hans Wolf 
von Weichs. 
5) Johann Stefan. — 
Bei Hattſtein und Zedler findet ſich auch noch Einiges 
über dieſes Geſchlecht. — 


Dornick. 


Der bei Fahne II. 32 erwähnte Johann von Dornick 
hinterließ von Sofia von der Capellen folgende Kinder: 

1) Wilhelm, deſſen Descendenz uns Fahne mittheilt. Nur fehlt 
bei ihm Wilhelm's zweiter Sohn: Theodor Johann von 
Dornick geboren 1666. — 

2) Johanna Maria heirathete Dietrich von Steprath zu Walbeck 
und Twiſtede. 

3) Der bei Fahne ſchon erwähnte Johann Herr zu Wohnungen, 
heirathete N. von Erwille Erbin zu Oeffte, und hinterließ 
Johann Dietrich von Dornick, Herrn zu Oeffte. — 


Eys genannt Beusdael. 


Die Genealogie dieſes weit verbreiteten Geſchlechtes liegt 
noch ſehr im Dunkeln. Im Staatsarchiv zu Lüttich findet ſich 
folgender Stammbaum: 


ofe 


1 & 

Er 2 

* = en 5 

ur D 2 == 25 

2 2 = Ss 

S 2 5%) eo 6 

— — — — 

Eys v. B. Broiſch Koſſelaer Ophem 

— — — 

Eys von Beusdael Koſſelaer. 
— 


Maria von Eys, genannt Beusdael heirathete Frambach von 
Gülpen. — 

Genannte Maria hatte noch zwei Geſchwiſter: eine Schweſter 
Margareth, vermählt mit Rudolf Bock von Lichtenberg, und einen 
Bruder, vermählt mit N. von Ellerborn, deren Mutter eine 
Huyn von Amſtenrath war. —- 

Der Vater der oben erwähnten Marie hatte einen Bruder 
Heinrich von Eys genannt Beusdael, der ſich mit Eliſabeth 
von Alſteren (Tochter Johann's VI. von Alſteren, öfters Bürger⸗ 
meiſter von Lüttich, und der Jacobe von Hamal genannt Soije) 
Erbin zu Bruſthem vermählte. Seine Tochter Mechtildis hei— 
rathete Arnold von Spee zu Altendorf. — 


Friemersdorſ genannt Pütz feld. 
I. Conrad von Frieuersdorf genannt Pützfeld lebte 1474. 
II. Dietrich von F. genannt P. kommt urkundlich in den 
Jahren 1489 — 1510 vor. Im Jahre 1504 war er 
mit Margaretha von Lyſur vermählt, welche in erſter Ehe 
1488 den Arnold von Schmidtheim zum Manne gehabt 
hatte. — 
Conrad von F. genannt P. lebte noch 1571. Im Jahre 
1561 heirathete er Catharina von Mirbach, Tochter von 
Nikolaus zu Arloff und Eliſabeth vom Steyne. 


III. 


rina hatte in erſter Ehe 1555 Conrad von Blankart zu 


Male mit Heinrich von der Horſt. Sie lebte noch 1600. — 


IV. 1) Magdalena von F. genannt P. heirathete Rainer 
Scheiffart von Merode Herrn zu Wylerſchwiſt. 
2) Dietrich von F. genannt P. ſteht mit ſeiner Frau 
(Anna von Blankart) und Descendenz bei Fahne I. p. 105. 
Ich bemerke hier nur noch, daß Werner Dietrich von Frie⸗ 
mersdorf genannt Pützfeld und Maria Magdalena Scheiffart 
von Merode außer den bei Fahne erwähnten zwei Söhnen noch 
eine Tochter Maria Catharina hinterließen, welche ſich 1708 
mit Engelbert Hubert Freiherrn von Waha (geſtorben 1717) 
vermählte. (Efr. Goethals III). — 5 


(Fortſetzung folgt.) 


CTiteratur. 


Correſpondenzblatt Nr. 7, S. 49 ff. „Siegel der 
Stadt Wenden;“ (in Lievland.) Beſchreibung und Er⸗ 
läuterung eines von dem noch (wo?) vorhandenen äl— 
teſten Siegelſtempel dieſer Stadt genommenen Abdrucks; 
Derſelbe (2“ Dm.) zeigt über einen niedrigen ſechsthür— 
migen Mauer einen zum Kampf geſchickten „Wenden.“ 
Dieſe Figur wird auf ſpäteren Darſtellungen des Wappens 
als Ritter oder Ordensbruder angegeben — völlig miß— 
verſtändlich, da der ganze Anzug und Habitus derſelben, 
wie man ſie auf dieſem (a. a. O. abgebildeten) Siegel 
erblickt, einen Wenden kennzeichnet, der hier als redendes 
Wappenbild gewählt wurde. In Vergleich gezogen wird 
das hier ebenfalls mit abgebildete, durch Voßberg's 
„Siegel der Mark Brandenburg“ bekannt gewordene 
Sigillum Hennekini Wendes, deſſen Urſprung noch nicht 
ermittelt iſt. 


Bezüglich der als ſelten erwähnten Ausdrucksweiſe 
in der Umſchrift: „ ... civitatis de Wenda“ jet be⸗ 
merkt, daß Schreiber dieſes außer den ſchon genannten 
Siegeln von Neu-Kalen und Dömitz nur noch ein sig. 
civitatis de La in ſeiner Sammlung fand; die Um- 
ſchrift civitatis in ꝛc. iſt dagegen ziemlich häufig ver: 
treten. Noch erwähne ich: „sigillum civitatis civium 
de Gmunden;“ „sig. civitatensium in Egele;“ „sigil- 
lum de Kothene;“ „s', ban nove civitatis ducis de 
Luneborch.“ 

Ibid. S. 53: „Die Bambergiſchen Erbämter; Fort- 
ſetzung aus Nr. 4 deſſ. Bl. Vor K. C. Frhn. v. Reit⸗ 
zenſtein. 


„Numismatiſch- ſphragiſtiſcher Anzeiger.“ Nr. 
13, S. 99: Notiz über heraldiſch⸗ſphragiſtiſche Be⸗ 
ſtrebungen in Schleſien: Anlegung einer Sammlung 
von Abgüſſen der Siegel des Breslauer Staats-Archivs 
durch den Verein f. ſchleſ. Alterthümer; Herausgabe des 
Städte-Wappenbuch's vom Frhrn. Saurma desgl. eines 
die Abbildungen der ſchleſiſchen Siegel des Mittelalters 


Catha⸗ enthaltenden, noch in Vorbereitung begriffenen Werkes. 


— Nr. 16, ©. 117: über antike Gemmen als Siegel— 


Ahrweiler geheirathet und vermählte ſich ſpäter zum dritten! ſtempel. 


72 


„Geſchichts-II. Blätter f. Stadt u. Land Mag⸗ 
deburg.“ 1870, Heft. S. 276: Magdeburgiſche 
Siegel (mit Abb.) von G. A. v. Mülverſtedt. 1) Stadt 
Burg, Secret, 14. Jahrh.; unter einem dreibogigen 
Portal die Mutter Gottes; Umſchrift: 4 Secretum. bor- 
gensivm. de. Borgh.“ 2) Heinemann v. Grabow; 
Fragment eines Siegels (unicum) v. J. 1282, zugleich 
einzige Quelle für die Kenntniß des Wappens dieſes Ge⸗ 
ſchlechtes; (quergetheilter Schild, oben leer, unten 3 —4 
Pfähle.) Es ſind diverſe Familien dieſes Namens zu 
unterſcheiden: die v. G. im Magdeburgiſchen und der 
Priegnitz (Wappen: Krebs,) die 1660 reſp. 1760 erloſch; 
die v. G. in der Priegnig, (wachſender Löwe über Schach;) 
die v. G. in Mecklenburg, (Balken mit drei Sternen.) 
Eine vierte Familie v. G. iſt die, der der ebengenannte 
Heinemann angehörte; ſie entſtammt dem gleichnamigen 
Orte im Jerichow'ſchen und tritt zuerſt mit Heinrich v. 
G. 1144 auf, erloſch aber bereits zu Anfang des 14. 
Jahrhunderts mit Alverich v. G., Dechant zu St. Ni⸗ 
colai in Halberſtadt. 3) Gertrud v. Alvensleben ; thaler- 
großes Siegel, die Dame in ganzer Figur ſtehend dar⸗ 
ſtellend, wie fie in der Linken den Alvensleben'ſchen 
Schild, in der Rechten den dazu gehörenden Helm trägt. 
Umſchrift: „ S. dnae (sic) ghertrudis d' Alvesleve. 
Höchſt wahrſcheinlich die zweite Gemahlin Friedrich's v. 
A. auf Erxleben ꝛc. 

Dieſes Siegel verdient (cf. ibid. III. S. 414) in 
ſo fern beſondere Beachtung, als es an einer vom 12. 
Juli 1361 datirten Urkunde des Kloſters Hadmersleben 
hängt, und Eingangs derſelben die Gertrud v. A. als 
Aebtiſſin bezeichnet wird; eine derartige Darſtellung 
eines Aebtiſſinſiegels muß aber zu den größten Selten— 
heiten gezählt werden. Möglich wäre, daß Gertrud v. 
A. dies Siegel vor ihrem Eintritt in den geiſtlichen 
Stand geführt und fortgefahren habe, daſſelbe auch 
nachher zu gebrauchen.“ 

4) Arnold v. Ammendorf; dreieckiges Siegel, geſpalten, 
vorn adlerartig gebildete, an den Spalt geſchobene halbe 
Gans, hinten vier Reihen Pelzwerk. Urk. v. J. 1343 u. 1358 
im Archiv des Kloſters Marienborn. Die v. A. erſcheinen 
Nen auf ihrem gleichnamigen Stammſitz im Kreiſe 

euhaldensleben mit Erlewin v. U. 1239, blühten 
mehrere Jahrhunderte lang, und ſtarben im 14. saec. 
aus. Faſt ganz daſſelbe W. führten die v. Deben im 
Magdeburgiſchen. — 5) Werner v. Gudenberg. Wappen⸗ 
ſiegel: Schild, aufwärtsgekehrter Halbmond; Helm: 
derfelbe vor einem, oben mit einem Stern beſetzten, 
Stabe. Umſchrift: S'. Werner d (e) Gvdenberg. Urk. 
d. a. 1410. Die Familie, welcher der Siegler angehörte, 
iſt von der v. Gutenberg im Saalkreiſe zu unterſcheiden. — 
6) Hans Gerbrecht, Bürger zu Magdeburg; aus einer 
angeſehenen Patricierfamilie dieſer Stadt. Rundes 
Schildſiegel: zwei gegeneinander gewendete Löwen; im 
Schildesfuße eine Lilie; U.: „S' Johannis Gerebrechti .“ 

— S. 304: Erläuterung einer beigegebenen Lito⸗ 
graphie, darſtellend einen am Trinitatis⸗Hoſpital zu 
Egeln befindlichen Gedenkſtein des Mageburger Dom— 


) Sind den verehrl. Leſern ähnliche Beiſpiele bekannt? dann 
würden Sie uns durch Mittheilungen darüber ſehr berze 
D. Red. 


herrn Albrecht v. Kracht mit dem Wappen der einen Li⸗ 

nie dieſes Geſchlechts: im getheilten Schilde zwei Naub- 

vogelfüße gewechſelter Tinckur; Helm: off. Flug. Die 

andere Linie führt bekanntlich auf Schild und Helm 

einen, in eine Vogelkralle endigenden, Flügel. 
Ad. M. H. 

Der IV. Band der „Seriptores rerum Prussicarum“ 
enthält die für Heraldik wichtige alte Schrift von Jo- 
hannes Dlugoſz: „Banderia Prutenorum“ welche bisher 
blos in verſchiedenen Handſchriften und in den Aus- 
gaben von Paprocki 1584, Bielski 1597, Voßberg 
1850, Meckelburg 1850 vorhanden war, herausgegeben 
und mit Anmerkungen verſehen von Dr. E. Strehlke. Die 
Schrift enthält bekanntlich eine Beſchreibung der Banner, 
welche die Polen unter König Wladislaus Jagiello 
in der Schlacht bei Tannenberg (1410) ihren Feinden 
abgenommen hatten. Dlugoſz war ein Krakauer 
Domherr und lebte 1413-1480; hiernach iſt leicht der 
Werth der Schrift zu beurtheilen. Die Redigirung iſt 
ſo gediegen wie es ſich von Dr. Strehlke erwarten 
läßt. Gute Holzſchnitte ſind in den Text gedruckt. 

Der kürzlich erſchienene IV. Bd. der Quellen zur 
Geſchichte der Stadt Köln hrsgg. von Dr. L. En nen 
enthält 20 ſehr intereſſante Siegelabbildungen aus dem 
Zeitraum von 1311—1372. Mit einer Ausnahme 
(Erzherzog Rudolf IV. von Oeſterreich, prachtvolles 
Reiterſiegel) betreffen ſie ſämmtlich die Stadt Köln: 

Wappenſiegel: Wollenamt; Ritterzunft Schwarz— 
haus; Ritterzunft Aren; Steinmetzzunft; Bäckerzunft; 
Gürtelmacher; Goldſchmiede; Fiſchamt; Schröder; Sar— 
wörter; Kannengießer; Ziechenweber. 

Bildſiegel: Ritterzunft Eiſenmarkt; Ritterzunft 
Himmelreich; Schuhmacher (ſpitzoval;) Faßbinder. 
Bl.ildſiegel mit Wappen: Ritterzunft Windeck; Maler 
(ſpigoval;z) Schmiede. 

Berichtigungen 
zu „Heideloffs Fürſten⸗ und Ritteralbum mit genealo⸗ 
Bien Notizen von Herrn Dr. A. v. Eye. Stuttgart, 
1868.“ 

Stralenfels S. 39. 

Das Geſchlecht dieſes Namens gehört nicht dem 
öſterreichiſchen, ſondern dem altfränkiſchen Adel an. Ihr 
Stammſitz gleichen Namens lag zwiſchen Hilpoltſtein 
und Velden im nachmalig Nürnbergiſchen Gebiete. 
Glieder des Geſchlechtes kommen häufig in Urkunden 
des 14. u. 15. Jahrh. vor, und werden auch in geiſt⸗ 
lichen Würden gefunden. Johann war von 1394— 1417 
Abt von Reichenbach; Margaretha 1454 1465 Priorin 
des adeligen Nonnenkloſters Engelthal. 

Adelram wurde nach anderen Mittheilungen nicht 
von Friedrich dem Schönen, ſodern von Kaiſer Ludwig 
zum Ritter geſchlagen. 

Trimberg S. 68. 

Der Dichter Hugo von Trimberg. hörte nicht dem 
Dynaſtengeſchlechte dieſes Namens an; er war bekannt⸗ 
lich Rector der Collegiat⸗Stifts⸗Schule zur heil. Maria 
und St. Gangolf in Bamberg, und ſchrieb ſich wahr⸗ 
ſcheinlich blos wegen eines zeitweiligen Aufenthalts von 


der Burg Trimberg; deren Beſitzer ſcheinen überhaupt 


1 
ö 
i 


kömmlich. 


73 


Gaſtfreunde der Dichter geweſen zu ſein, denn noch ein 
anderer, ebenfalls berühmter Meiſterſänger (deſſen Lieder 
in der Maneſſiſchen Sammlung aufbewahrt ſind) Meiſter 
Süßkind, ein jüdiſcher Arzt, ſchrieb ſich von Trimberg. 
Die Helmzier der Grafen von Trimberg wird an— 
gegeben: ein niedriger rother Hut (mit rothen Krämpen) 
der mit drei Pfauenfedern beſteckt iſt. Decken: roth u. 
weiß. Guſt. Seyler. 


Kritik über „Kärnthens Adel bis 1300,“ heraus— 
gegeben von A. Weiß. 5 

Herr H—b bringt in Nr. 9 des literariſchen Cen⸗ 
tralblattes für Deutſchland von Prof. Dr. Zarnke eine 
Kritik über das genannte Buch, welche allerdings, wie 
man es verlangt hat, ſchonungslos tft, aber in jeder an- 
deren Beziehung vieles zu wünſchen übrig läßt. So 
ſagt er, daß die Einleitung über die Standesverhältniſſe 
und das ſociale Leben des Mittelalters mit manchen 
Irrthümern behaftet ſei, ohne dieſe Mängel zum Beſten 
den Leſeru jenes Buches, die er alſo wiſſenlich auf 
dem Irrwege läßt, zu verbeſſern, oder auch nur anzu— 
deuten! Das trifft jeder. 

Weiter bemerkt Hb., der Verfaſſer müſſe über Küche 
und Keller unſerer Zeit eingehende Studien gemacht 
haben. Gewiß! Nicht blos bei dieſem, ſondern auch bei 
jedem anderen Gegenſtande, deſſen mittelalterliche Bes 
ſchaffenheit der Darſteller ſeinen Zeitgenoſſen zu erklären 
wünſcht, muß er an die jetzigen Verhältniſſe anknüpfen, 
und wenn er dieſe nicht oder mur unvollkommen kennt, 
ſo dürfte ſein Verſtändniß mangelhaft und ſeine Dar— 
ſtellung nicht beſonders anſchaulich ausfallen. 

Hb. ſpricht den Studien über Kärnthens Adel, da 
kein gelehrter Apparat angebracht iſt, allen wiſſenſchaft— 
lichen Werth ab. Wir wollen darüber nicht ſtreiten, 
da die Vorrede ohnehin Plan und Zweck des anſpruch— 
loſen Werkes deutlich auseinanderſetzt. Doch bleibt es 
fraglich, ob die Angabe einiger Tauſend Archiv— 
nummern zur Wiſſenſchaftlichkeit der Sache weſentlich 
beigetragen hätte, eine ſolche Anſchwellung wäre für 
außerkärnthneriſche Leſer völlig nutzlos. Diejenigen hin— 
gegen, die in den Fall kommen können, neue Studien 
auf dem Grund jener Unterſuchungen zu beginnen, werden 
in einer Menge eingeſtreuter Bemerkungen, die man ſo 
unſcheinbar als möglich anbrachte, Rath finden, wo die 
Urkunden einzuſehen ſind und mit dem Aufſuchen nicht 
mehr Zeit verlieren, als die Sache nothwendig erheiſcht. 


Vermiſchtes. 
— Nach einem in Hamm eingegangenen Reſeript 
des königlichen Heroldsamts zu Berlin, iſt die 
Reihenfolge der Farben beim Fahnenſchmuck folgende: 


von oben — nämlich von der Spitze der Stange ab | 
gerechnet, bei der preußiſchen Fahne: „Schwarz, Weiß“, 


bei der norddeutſchen Flagge: „Schwarz, Weiß, Roth“. 
Quaſten ſind an den gleichfarbigen. Streifen anzu— 
bringen. Das Auszacken iſt nur bei Schiffsflaggen her— 
() Die Anſicht, daß als Zeichen der Trauer 
irgend welche Aenderung in der Farbenſtellung anwend— 
bar ſei, (l) muß nach heraldiſchen Grundſätzen als eine 


durchaus irrige bezeichnet werden. Die preußiſchen Na— 
tionalfarben ſind unter allen Umſtänden „Schwarz— 
Weiß“ und beſteht das Zeichen der Trauer bei Fahnen 
lediglich im Umfloren derjelben. - (Nordd. A. 3.) 

Der berühmte Dr. Joh. Friedr. v. Meyer ſagt in 
ſeinen „Blättern für höhere Wahrheit:“ Es giebt nur 


zwei Grundfarben, Blau und Roth; — — Blau iſt 
die horizontale Linie oder das Leidende, Roth die per- 
pendikulare oder das Wirkende; — — Es war eine 


ſinnreiche Wahl der Heraldiker, daß fie Roth mit per- 
pendikularen, und Blau mit horizontalen Strichen an— 
zudeuten (zu ſchraffiren) verordneten, ſowie Purpur und 
Grün beide mit Diagonalen in verſchiedener Richtung.“ 


Zur Anfrage Nr. I. 
Das Landfriedensſiegel betr. 

Nicht weil ich Werth darauf lege, ſondern blos um 
die Literatur zu vervollſtändigen, theile ich hier mit, daß 
auch Joh. Andr. Severin Henrici eine Abhandlung über 
dieſes Siegel geſchrieben und der Societät der Wiſſen— 
ſchaften in Göttingen im Jahre 1756 überreicht hat. 
Ob ſie gedruckt iſt, weiß ich nicht, wohl aber iſt ſie un— 
günſtig recenſirt worden (Gött. gel. Anz. 1756 ©. 1323.) 
Henrici ſoll der Fiſch ein Denkmal der Befreiung K. 
Wenzels aus feiner Gefangenſchaft zu Wien durch den 
Fiſcher Hans Grundel ao. 1394 fein. (Hiſt. dipl. Maga⸗ 
zin. 1. 241. Nbg. 1781.) Seyler— 


Zur Anfrage Nr. II. 

Ad 1) Die Mutter der Fürſtin Anna zu Anhalt 
war Magdalena, Tochter des Grafen Humbert 
von Nuenar und Limburg, welche dem Arnold 
die Grafſchaft Limburg zubrachte. 

Ad 2) Fräulein Loyſe Amalie v. Anhalt iſt 
geb. 14. Jan. 1606; f 17. Octob. 1635. 
Ad 3) Die Fürſtin Sophie iſt geboren 16. 
Auguſt 1599. Ihre Mutter, die zweite Ge⸗ 
mahlin des Grafen v. d. Lippe-Bieſterfeld, war 
Eliſabeth, Tochter des Grafen Otto v. Holſtein⸗ 

Schaumburg, verm. 13. Nov. 1585. 

Ad 4) Frl. Sibylla Maria Ruthena v. Plauen 
iſt geb. 4. April 1625. Sie wurde vermählt 
24. Oct. 1647 an Heinrich X. jun. v. Plauen⸗ 
Lobenſtein und ſtarb 17. Mai 1675. 

Ad 5) Beide waren Schweſtern. Eliſabeth 
wurde die Gemahlin des Freiherrn Chr. v. 
Schönburg und ſtarb 24. Febr. 1667. 

Ad 6) Juliane Eliſabeth v. Reuß war Tochter 
des Rhein⸗ und Wildgrafen Friedrich zu 
Daun und der Sibylla Juliane, Tochter des 
Grafen Philipp von Yſenburg; Gemahlin des 
Grafen Heinrich IV. v. Plauen. ( 25. Aug. 
1659.) Sie ſtarb 16. Mai 1653. 

J. F. Heß. 


Zur heraldiſchen Terminologie. 

Bezüglich der Redactionsnote zu meinem Aufſatz in 
Nr. 8 u. 9 S. 58 d. Bl. bemerke ich, daß ich Dr. 
Grote's hoch⸗ und quergetheilt wiklich für eine Ver— 
beſſerung halte. 

Nach meiner Anſicht muß der terminus techn. 1) 
kurz aber auch deutlich ſein, 2) darf er der Gramatik 
keinen zu großen Zwang anthun; ad 1) gehören die 
Bezeichnungen „geſpalten“ und „getheilt“ nicht zu den 
deutlichen; ſelbſt die Anhänger derſelben verwechſeln ſie 
häufig, natürlich, weil die Bedeutung der Worte an 
und für ſich, durch nichts an den heraldiſchen Sprach— 
gebrauch erinnert; ad 2) gehören die Bezeichnungen 
„gelängt“ und „gequert,“ welche Niemand im Ernſte 
empfehlen wird. 

Bei dieſer Gelegenheit möchte ich auf die Bezeich— 
nungen „linksſchräg“ und „rechtsſchräg“ aufmerkſam 
machen, welche als declinirbare Adjectiva vor „ſchräglinks“ 
ꝛc. den Vorzug. verdienen. Seyler. 


Anzeigen. 


Der mangelhafte Zuſtand der Genealogieen unſerer Deut⸗ 
ſchen Dynaſtengeſchlechter erheiſcht dringend Abhülfe, welche von 
allen Freunden unſerer Vaterländiſchen Geſchichte ſehnſüchtig 
gewünſcht wird. Für die Deutſchen regierenden Häuſer hat 
Adolf Cohn in Göttingen mit unſäglicher Arbeit und geift- 
reicher Kritik das Mögliche geleiſtet. Die Fortſetzung dieſes 
Werks rückſichtlich der ausgeſtorbenen und noch blühenden ehe: 
maligen landesherrlichen Geſchlechter iſt für die Kräfte eines 
Einzelnen oder einiger Weniger eine zu große Aufgabe, um 
dieſelbe löſen zu können. Tüchtige Arbeiten können hier auch 
nur von den Specialhiſtorikern geliefert werden. Ich erlaube 
mir daher, zur Abfaſſung eines Werkes: 

„Stammtafeln Deutſcher Dynaſtenhäuſer mit 

Siegeln und Wappen“ 
aufzufordern, und bitte alle Geſchichtsforſcher, Genealogen und 
Heraldiker Deutſchlands, welche Theile dieſer Arbeit übernehmen 
wollen, Anmeldungen beim „Herold“ einzureichen. Ich ſelbſt 
bin erbötig, die Orlamünde, Tannrode, Gleisberg, Waldenburg, 
Schönburg, Beichlingen, wie überhaupt Dynaſtieen des Oſter⸗ 
landes, Erzgebirges, Frankenwaldes, und Oſt⸗Thüringens zu 
übernehmen, für welche ich bereits ſeit 10 Jahren geſammelt 
habe. 

Berlin, den 23. September 1870. 


K. Chl. Ihr. v. Veitzenſtein. 


Soeben erſcheinen antiqu. Verzeichniſſe:“) 
Nr 95. Manuſcripte, Adelsdiplome, Urkunden. 
Nr. 96. Numismatik, Sphragiſtik. 
Nr. 97. Geſchichte, Heraldik. 5 
Die meiften Werke ſtammen aus dem Nachlaſſe Voßbergs. 
— Ferner debitire ich: 
Saurma, Wappenbuch der Schleſiſchen Städte und Städtel, 


m. Wappen u. Siegelabbildungen. 4 Thlr. 
Berlin, Jägerſtr. 53. J. A. Stargardt. 


) Näheres über dieſelben in Nr. 11 d. Bl. 


Bi fte. 

Der Unterzeichnete, ſeit längerer Zeit damit beſchäftigt, eine 
„Bibliotheka genealogico - beraldica“ für den Druck vorzubereiten, 
iſt jetzt mit der Benutzung der buchhändleriſchen Hülfsmittel fertig 
geworden und richtet nunmehr an die Herren Autoren ſolcher heral⸗ 
diſcher, genealogiſcher und ſphragiſtiſcher Werke, welche N 

im Selbſtverlage der Verfaſſer erſchienen, ad Mar 
nuſeript gedruckt, oder aus Zeitſchriften ſeparat abgedruckt 
worden ſind 
die freundliche Bitte, ſein Unternehmen durch Ueberſendung der 
betreff. Werke gefälligſt unterſtützen zu wollen. Es erfolgen dieſe 
— wenn die Adreſſe des Abſenders genau angegeben und der Wunſch 
um Rückſendung durch Unterſtreichung mit farbigem Stifte ausge⸗ 
ſprochen wird — nach gemachtem Gebrauche wieder zurück. 
Offenhauſen bei Hersbruck in Mittelfranken. 
Gust. Seyler. 


Soeben erſchien im Verlage von Ferd. Schöningh in Pa⸗ 


derborn: 
„Geſchichte des Geſchlechts von Oeynhauſen. Aus 
gedruckten und ungedruckten Quellen bearbeitet von Julius 
Grafen von Oeynhauſen. — Erſter Theil: Uegeſten und 
Urkunden von 1036 bis 1605. — Mit vier Siegeltafeln 
und zwei Abbildungen.“ in gr. 8 


Das Buch enthält in 570 Urkunden das Material zur Geſchichte 
des alten weſtfäliſchen Geſchlechts von Oeynhauſen ſeit dem erſten 
Auftauchen ſeines Stammſitzes gleichen Namens bis zum Jahre 1605, 
der Zeit der Verzweigung in die noch jetzt blühenden Hauptlinien. 
Die aus der lithographiſchen Kunſtanſtalt von Fr. Bartholomäus in 
Erfurt hervorgegangenen Siegeltafeln mit 15 Siegeln, ſowie die 
Anſichten eines Grabſteins und des älteſten Stammſitzes ſind ſehr 
ſorgfältig ausgeführt. Ein genaues Perſonen⸗, Orts- und Sach⸗ 
regiſter erleichtern die Benutzung des Urkundenſtoffes. 


Von Siebmachers 


„Großem und Allgemeinen Wappenbuch“ 


erſchien ſoeben: 

Lieferung 80, „Außerdeutſche Staatenwappen“ bearbeitet von 
M. Gritzner und Ad. M. Hildebrandt⸗Mieſte. — Schluß⸗ 
lieferung dieſer Abtheilung mit Titelblatt und Regiſter. 

Die Abtheilung „Hannoveriſcher Adel“ befindet ſich in der Preſſe. 

Nürnberg. Bauer & Raspe. 


Eine ſehr bedeutende Autographenſammlung, 
ca. 3400 Nummern enthaltend, iſt wegen zunehmenden 
Alters des Befigers zu verkaufen. Dieſelbe enthält Au- 
tographen (nicht nur Unterſchriſten, ſondern auch ganze 
Briefe, zum Theil von hohem hiſtoriſchen Werth) der euro- 
päiſchen Staatsmänner, Helden und Gelehrten aus der 
Zeit vom Ende des Mittelalters bis ca. 1700. Jedem 
Blatt iſt ein hiſtoriſcher Nachweis mit Angabe der bezüg- 
lichen Quellenwerke beigefügt. Den Werth der Sammlung 
erhöhen forgfältig geführte Wegifter. 

Nähere Auskunft ertheilt die Wedaction d. Bl. 
Beflectanten können event. den Katalog zur Einſicht 
erhalten. 


Inhalts⸗Verzeichniß: 
Nobilitirung. — Die Deutſchen Farben. — Schloß Wart⸗ 
hauſen, (Schluß). — Beiträge zur Genealogie rheiniſcher Fa⸗ 
milien. — Literatur. — Vermiſchtes. — Anzeigen. — 


S. 47, Z. 2 v. u. lies „reich ornamentirten“ ſtatt „reichen, 
ornamentirten“ S. 48. Anmerkung: „olla ft. ulla“ — 


Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗Bezirk Magdeburg. 
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. f 


IP 


I 


BER 


| Monatsſchriſt für Heraldik, 
Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin. 


Erſcheint monatl. einmal L—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 5 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile 


Nr. 11. DD Berlin, im November 1870. D 1. Jahrgang. 


Se. Majeſtät der König von Preußen haben aller: | auf Schloß Wollenburg in Kärnthen, die Geſtaltung 
gnädigſt geruht: den General der Infanterie, Chef des | der deutſchen Flagge betr. Auf eine von p. Göſchen an den 
Generalſtabes der Armee, Freiherrn Hellmuth von Moltke, Verein gerichtete (feinem Wunſche entſprechend hier zu 
in den Grafenſtand zu erheben. (Publ. 12. Nov.) beantwortende) Anfrage: ob die in Nr. 1 des „Herold“ be- 
ſchriebenen, höchſt intereſſanten heraldiſchen Manuſcripte 
aus den 19 1 105 1 1 zu erhalten 

35 y 7 ſeien, konnte keine Auskunft ertheilt werden, dahingegen 
Auszug HER dem Prokoſiolle der Sitzung des wurde auf eine anderweite Frage bemerkt, daß Briefe 
„Gerold“ vom 3. Nopbr. 1870. mit der Bezeichnung: Baron Schenk v. Flechtingen auf 

Der dritte November, an welchem Tage im ver- Flechtingen in der Altmark ihren Beſtimmungs-⸗Ort ſicher 
floſſenen Jahre zuerſt die Gründer des Vereins“) zur erreichen werden (Bgl. unter „Correſpondenz.“) 
Bildung einer, nun ſchon über ganz Deutſchland ver— Herr Lieutenant Schuch legte zur Anſicht eine An⸗ 
breiteten, heraldiſchen Geſellſchaft zuſammentraten, wird zahl ca. 200 Jahre alter, auf Leinwand und Papier 
— ben Statuten gemäß — als Stiftungstag gefeiert. gepreßter Wappen vor, welche ohne Zweifel zu Einband⸗ 


Demzufolge hatten ſich denn die Mitglieder am Abend Deckeln von Leichenpredigten verwendet geweſen find. 


dieſes Tages zahlreich im Sitzungslocal verſammelt. Als Geſchenke waren eingegangen: 5 

Der Herr Vorſitzende eröffnete die Zuſammenkunft | 1) vom Herrn Oberforſtmeiſter Freiherrn von Graß zu 
mit einem kurzen Rückblick auf das verfloſſene Jahr Wiesbaden: Gips⸗ und Lack⸗Abdrücke; g 
und die Thätigkeit des Vereins in demſelben. Letztere 2) vom Herrn Gerichts⸗Actuar Apetz zu Roda: Gips⸗ 
konnte als eine höchſt erfreuliche, über Erwarten rege und Wachsſiegel und 5 
bezeichnet werden; was zunächſt der uneigennützigen und | 3) vom Herrn G. v. Bülow: 1 Exemplar der Brochüre 
verdienſtvollen Leitung der Redaction des Vereins-Organs „die deutſche Fahne“ von Dr. Pallmann. 


zugeſchrieben werden mußte. Zum correſpondirenden Mitgliede wurde, auf den 


Sodann referirte der Schriftführer über eine dem Antrag des Oberſtlieutenants Keck v. Schwarzbach zu 
Verein zugegangene Offerte einer hieſigen Buchhandlung, Warmbrunn, der 
welche ſich bereit erklärt hatte, den Verlag des Vereins Herr Regierungs-Rath v. Bertouch zu Liegnitz ernannt. 


Blattes zu übernehmen. Dieſer Vorſchlag fand allge— Nach Schluß der Sitzung vereinigte ein Abendeſſen 
meinen Beifall. die Mitglieder noch mehrere Stunden lang in feſtlicher 
Ein vom Präſidenten des „Wiener Adler“ einge— Stimmung. Zur Begl. F. Warnecke. 


laufenes Schreiben, Antwort auf das demſelben über— 
ſandte Ehrenmitglieds⸗Diplom, wurde verleſen; des— 


gleichen eine Zuſchrift des Hrn. Hauptmann Göſchen Aeiträge zur Genealogie rheiniſcher 
N ) Die Herren: Hauptm. z. D. v. Linſtow, Geh. Regiſtr. Dr. 717 
Brecht, Geh. exped. Secket Warnecke, Lieutenant Gritzner und Jamilien. 
Ct. Voigt. Erſten Anlaß zur Gründung des Vereins gab Herr ꝛc. Vom Frhn. v. Vorſt Gudenau. 
Warnecke dadurch, daß er dem Anfangs October 1869 in Berlin zum (Fortſetzung.) 
Beſuch anweſenden Herrn Paſtor Ragotzky feine Idee mittheilte, den- Von der Heyden genannt Bel derbuſch. 


ſelben ſofort dafür gewann und letzterer die ihm dekannten Sammler , 5 * l 
einlud. g ag a 5 D. Red. Die Genealogie der Linie zu Streversdorf bei Fahne I. 


76 


ift nicht ganz vollftändig. 
dopil leicht ergänzen. — 
Aus einem in Lüttich aufbewahrten Stammbaum ergiebt 
ſich noch folgendes Fragment: 
. N. von Belderbuſch, heirathete N. von Birgel. — 
II. N. von Belderbuſch heirathete N. von Gevenich (deren 
III. 


Sie läßt ſich nach Krohne und Ne⸗ 


Mutter eine von Ooſthorn war). 
Johann von Belderbuſch (auch von Fahne eitirt) lebte 
um 1450. Durch ſeine Frau, eine Tochter Jakob's von 
Broich“) und einer von Schwarz⸗Bongart, erhielt er das 
Gut Broich bei Vaels. — 
. a) Adelhaid heirathete Wilhelm von Colyn. (Nedopil hat 
irrig Wöhlerbuſch ſtatt Belderbuſch). 
b) Tochter N. N. heirathete Peter von Cortenbach. — 
e) Sohn N. N. heirathete feine Schwägerin N. von Cor⸗ 
tenbach. i 
. a) Anna von Belderbuſch heirathete Wilhelm von Gülpen. — 
b) Sohn N. von Belderbuſch; von ihm ſtammt jedenfalls 
der Peter von Belderbuſch, der mit ſeiner weiteren 
Descendenz bei Fahne I. p. 22 angeführt iſt. — 


Lutzerode. 


Johann von Lutzerode, mit dem Fahne ſeine Genealogie 
dieſer Familie beginnt, hinterließ noch einen zweiten Sohn, der 
ſich mit N. Hall von Ophoven vermählte. 

Aus dieſer Ehe ſtammt jener Johann von Lutzerode, 
Gatte der Margaretha von Gymnich, der bei Fahne an der 
Spitze des zweiten genealogiſchen Fragmentes ſteht. — 

Die Mutter der oben erwähnten Hall von Ophoven war 
eine von Vorſt, und zwar aus dem Geſchlechte welches ſich nach 
dem Forſterhof bei Liedberg (Kreis Gladbach) ſchrieb, und be— 
kanntlich einen Zinnenbalken im Wappen führte. — 


Mylendonk. 


Was Dumont in ſeinen Fragments über den Ausgang 
der älteren Linie der Herren von Mylendonk zu Mylendonk 
ſagt, ſcheint mir der Beſtätigung zu bedürfen. — Zu dem 
was Fahne I., 283 über die jüngere Linie zu Peſch mittheilt, 
habe ich Folgendes hinzuzufügen: 

Johann Craffto von Mylendonk Herr zu Peſch lebte noch 
im Juni 1616, war aber im September 1617 nicht mehr am 
Leben. a 

Seine zweite Gemahlin und Wittwe Margaretha Gräfin 
von Joyenſe (Tochter von Claudius und Philiberta de Saulx) 
vermählte ſich 1624 in zweiter Ehe mit ihrem Verwandten 
Franz Anton von Joyenſe. Johann Craffto's einziger Sohn 
Hermann Claudius von Mylendonk Herr zu Peſch hinterließ 
von Maria von Failly zu Berniſart (Tochter von Johann und 
Maria von Gognies) folgende Finder: 

1) Ludwig Hermann v. M. heirathete Iſabella Philippine von 
Mailly (Tochter von Wilhelm vom Mailly Marquis von 
Quesnoy und Iſabella von Croy⸗Solre). Aus dieſer Ehe 
ſtammt nur eine Tochter. Maria Margaretha Luiſe, die ſich 


1716 mit Philipp Emmanuel Fürſten von Croy⸗Solre ver⸗ 


mählte. - 

2) Maximilian Heinrich, war 1688 Major in der ſpaniſchen 
Kavallerie. — 

3) Eine Tochter, vermählt mit dem Fürſten von Rache. — 

4) Eine Tochter, vermählt mit dem Marquis du Forèét. — 


5) Dieſe Familie Broich führte 3 (2. 1) Rauten im Wappen. — 


1 


und Ooſterwyk, heirathete Sophia von 


Nuland. 


Auch Neuland, Nieuland, früher zum Unterſchiede von 
anderen Familien dieſes Namens Ingennieuland geſchrieben. — 
Fahne J. 307 hat von dieſem Geſchlecht einige Nachrichten, 
denen ich Folgendes beifüge: 

Adrian Freiher von Nieuland, mit welchem Fahne ſeine 
Genealogie beginnt, war der Sohn Peter's von N. und der 
Aleydis von Aßendelfft (Tochter von Heinrich und N. von der 
Laen genannt Alkmaede) und der Enkel von N. von Nieuland 
und N. von Mohr zu Rothenthurm. — 

Adrian hatte folgende Geſchwiſter: 

1) Arnold, heirathete Catharina von Nieuveldt und hinterließ: 
a) Dieuwer (merkwürdiger Name; noch dazu bezeichnet hier 
Dieuwer eine Frau; ich halte es für Johanna Baptiſta. 

(Baptiſta⸗Täufer⸗Dieuwer). 

b) Johann. — 
c) Berthold. — 
d) Agatha. — | 
2) Henriette, heirathete Franz Freiherrn von Spiering, jülich'ſchen 
Marſchall — 
3) Gerhard Amtmann zu Pullenberg, heirathete N. N. 
Hieranda. — 
4) Heinrich, Rittmeiſter. — 
5) Eduarda, heirathete Johann Freiherrn von Wewelinghofen. — 

Andere Nieuland führten einen Helm im Wappen (Du⸗ 
mont, Fragments J., 48 ff. und Vegiano, Nobiliaire Suppl. 
VI., 18 ff.) noch andere 3 (2, 1) Roſen. Von Letzteren 
kommen mehrere bei Herkenrode vor. — ö 


Ripperda. 
J. Berthold Egger (Edgar) von Ripperda heirathete Aleydis 
van den Boekhorſt Erbin zu Boxbergen. — 
II. Unico J. Herr zu Boxbergen, 1537 Droſte zu Zallandt, 
1563 auf dem Reichstage zu Deventer, heirathete Judith 
von Twickelo zu Wudam. — 
III. 1) Edgar, ſtarb ohne Kinder. — 

2) Balthaſſar, folgt unten. — 

3) Hermann, deſſen Descendenz nach der ſeines Bruders 
Balthaſſar folgt. — 

4) Aleydis, heirathete N. von Scheele. — N 

Balthaſſar Freiherr von Ripperda, Mitherr zu Boxbergen 

(welches ſpäter ganz auf Hermann überging) Herr zu Vorden 
Valcke, Erbin zu Ven⸗ 
huſen. (Ihre Mutter war eine von Scheele). i 
IV. 1) Eleonore, heirathete Wilhelm von Hugenpot. — 

2) Carl Victor Freiherr von Ripperda, Herr zu Vorden 
und Ooſterwyk, heirathete 1623 Petronella Eliſabeth 
von Schade, Tochter von Otto und Petronella von Budde. 

1) Carl Wilhelm Freiherr von Ripperda, über den keine 
Nachrichten vorliegen. Doch ſcheint er Kinder gehabt 
zu haben. — 

2) Gerhard Moritz, folgt unten. — 

3) Joachim Heidenreich Adolf. — a 

4) Gisbert Hermann. — a | 

Gerhard Moritz Freiherr v. Ripperda, Herr zu Dickhaus, 

heirathete Anna Lucia von Münnich, Erbin zu Ellerburg, 
Tochter von Johann und Eliſabeth von den Brincken. — 
VI. 1) Eliſabeth Auguſte, geboren 1667, heirathete erſtens 
1684 Chriſtoph von Hesler, zweitens 1690 Hannibal 
Germanus Freiherrn von Schmertzing. ö 


von 


77 


2) Johann Chriſtoph Heinrich, war 1669 kurbrandenbur⸗ Ueberflüſſiges, wenn nicht ein nonsens. In beiden 


giſcher Oberſtlieutenant. — 


| 


Bänden finde ich kaum einige Characterbilder, die 


3) Margarethe Chriſtine, heirathete Achaz Joachim von Mörner. ı richtig gezeichnet find, dagegen eine Menge von ſoge— 


Wir gehen nun über auf: 

Hermann von Ripperda; derſelbe wurde ausſchließlicher 

Beſitzer von Boxbergen und trat als ſolcher 1578 bei 

dem Landtage zu Zwolle auf. Er ſtarb circa 1620 

in hohem Alter. Seine Gemahlin war Maria vonHeiden. — 

1) Unico II. folgt unten. 

2) Dietrich Adrian ertrank 1617. Von Sibylla von Plet⸗ 
tenberg (in zweiter Ehe mit Friedrich von Schwarzen— 
berg vermählt) hinterließ er eine Tochter Adriana Si— 
bylla von Ripperda, Erbin zu Olderſom, Papenburg 
und Ooſterweede, die ſich mit Johann von Gent zu 
Oyen verheirathete und 1679 ſtarb. 

Unico II. von Ripperda, Herr zu Boxbergen, Hengelo, 
Boenloe, Droſte zu Twente und Rittmeiſter, ſtarb um 
das Jahr 1625. Seine Gemahlin Anna von Doe— 
tinghen (Tochter von Wilhelm und Johanna Pipenpoy) 
folgte ihm 1636. — 

Wilhelm I. von Ripperda, Herr zu Borbergen, Boenlo 

und Solmsburg, Rittmeiſter, Deputirter des Deutſchen 

Ordens bei dem weſtphäliſchen Frieden, heirathete 

Aleydis von Bouchorſt Erbin zu Wummenum. 

1) Unico III. von Ripperda, Herr zu Hengelo, Wum— 
menum, Boenloe und Boxbergen, Mitglied der Stände 
von Ober⸗Yſel, Oberſt ꝛc. ſtarb ohne Kinder von 
Margareth von Merode. — 

2) Wilhelm II. folgt unten. — 

3) Aleydis Eliſabeth, heirathete 1655 Armand 
Gouffier Grafen von Caravas. — 

4) Anna, heirathete Wilhelm von Lintelo. — 

5) Nicolaſina, heirathete Jakob von Coevorden. — 
Wilhelm II. von Ripperda Herr zu Hengelo heirathete 
ſeine Schwiegerin Anna Maria von Gouffier-Caravas. 

VII. Ludwig Wilhelm von Ripperda Herr zu Hengelo, hei— 

rathete Maria Vivina de Bouron de Saint-Gilles. — 

VIII. I) Anna Charlotte heirathete Karl Iſaak du Pleſſis 

Herr zu Bavoge, franzöſiſchen und kaiſerlichen Oberſten. 
2) Noél Ludwig k. k. Kämmerer und Oberſt, hinterließ 
von Joſefa von Monti drei Söhne: Joſef, Franz und 
Karl, über welche mir keine Nachrichten vorliegen. — 

3) Luiſe Thereſe. 

4) Wilhelmine Marie. 

5) Anna Thereſe, ſtarb 16. October 1777. — 


(Fortſetzung folgt.) 


O. FT. von Hefner 
als Culturhiſtoriker. 


In Nr. 6 des Herold behauptet Herr H. W. der 
Adelige Antiquarius“ des Herrn Dr. O. T. von Hefner 
‚jet eine Culturgeſchichte des bayriſchen Adels! Ich habe 
bis, jetzt zugewartet, ob vielleicht von einer anderen 
Seite dagegen Proteſt erhoben werden würde. Bis jetzt 
hat ein ſolcher auf ſich warten laſſen, weßhalb ich es 
als meine Pflicht betrachte, dies ſtatt Anderer zu thun. 
Wenn der „Antiquarius“ wirklich eine Culturgeſchichte, 
ſo wäre wahrlich die Geſchichtsphiloſophie etwas ſehr 


III. 


IV. 


Louis 


{ 


Bayern.“) 


nannten „Meidingern,“ und vor Allem eine wahre Blu: 
menleſe (auch Diſteln geben Blüthen!) von ſolchen Ge— 
ſchichtchen, welche den bayriſchen Adel gerade nicht in 
ein günſtiges Licht ſetzen. Dies Alles, mit dem nöthi— 
gen Quantum „Senf“ und „Hefe“ vielleicht auch Galle, 
(womit H. v. H. ſeine Gerichte zu würzen gewohnt war), 
dies Alles, was man z. Th. in jedem Lehrbuch der bayr. 
Geſchichte, z. Th. in den Aneedoten⸗-Sammlungen des Qued⸗ 
linburger Verlages oder auch bei Herrn Leibrock findet, 
— dies Zeug, ſoll eine Culturgeſchichte des bayriſchen 
Adels ſein? — So wenig, als die Trödelbude eines 
Kleiderjuden eine Antiquitätenſammlung iſt, auf die er 
ſonderlich ſtolz ſein könnte, wo man freilich unter alten 
zerfetzten Kleidungsſtücken auch einmal eine Pergament- 
Urkunde finden kann. 

Gottlob! Auch in Bayern kennt man den Beruf 
des Adels, welcher vor Allem darin beſteht „die edlere 
Sitte zu bewahren, den Ruhm der Geſchlechter und die 
Ehre der Familie zu erhalten, aller Roheit zu wider- 
ſtehen und die höhere Bildung und Kultur zur Blüthe 
und zu Früchten zu bringen.“ Dieſe herrlichen Worte 
eines großen Gelehrten möchten jedem Kulturhiſtoriker 
des Adels als Maßſtab dienen, und er hat jedenfalls 
nur dann Anſpruch auf dieſen Titel, wenn er das Für 
und Wider gewiſſenhaft abwägt. 

Da aber Herr v. H. ein Vergnügen darin gefun— 
den, nur alles dasjenige anzuführen, was der Adel ſeit 
Jahrhunderten gegen ſeinen Beruf gethan hat, und nur 
gezwungen dazwiſchen einmal das Für berückſichtigt, ſo 
iſt ſein Machwerk keine Culturgeſchichte, ſondern eine 
Parteiſchrift, jo ſonderbar dies auch bei H. v H., dem 
ſtolzen Edelmann, klingen mag. Freilich, in feinem Al— 
phabete kommt das utile vor dem uodal (dem geiſtigen, 
oben bezeichneten uodal nämlich!). Man lebt nicht von 
dem Ruhme, die „umfaſſendſten“ Werke geſchrieben zu 
haben, man muß auch dazwiſchen „Geſchäfte“ machen. 

Im übrigen verweiſe ich auf Leitzmanns N. 3. 
welche in einer ihrer nächſten Nrn. etwas Weitläufige⸗ 
res über den Antiquarius bringen wird. Dies ſind 
perſönliche Gedanken und Anſichten eines Deutſchen in 
Seyler. 


Das neue Jürſtlich Hatzfeldt'ſche Wappen. 

Der älteſte Sohn des Grafen Eduard von Hatzfeld-Wil⸗ 
denburg⸗Weisweiler zu Trachenberg und der Gräfin Sophie, 
Tochter des weiland Fürſten Franz Ludwig von Hatzfeldt-Wal⸗ 
denburg⸗Schönſtein, Graf Alfred von Hatzfeldt, vermählt mit 
Gabriele geb. Gräfin Dietrichſtein (Herrin der früher fürſtlich 
Dietrichſtein'ſchen Herrſchaften Leipnik und Weißkirchen in 
Mähren, erhielt im April 1870 den Preußiſchen Fürſtenſtand. 

Das ihm bei dieſer Gelegenheit verliehene fürſtliche Wappen 


*) Man vergleiche mit dem „Antiquarius“ das ſchöne Werk 
des Archiver Weiß: „Kärnthens Adel.“ Welcher Contraſt bei man⸗ 
cher Aehnlichkeit, — nach dem Antiquarius geleſen, eine wahre Er⸗ 
quickung, gleich anziehend als Lecture, wie reichhaltig an Material 

. 


zur Kunde unſerer Wiſſenſchaft. 


78 


ift: ein durch eine Spaltung und zwei Querlinien in ſechs 
Felder getheilter Wappenſchild, mit einem dem Ganzen aufge⸗ 
legten, mit einem Fürſtenhute bedeckten. Mittelſchilde.“) 

Letzteres iſt geſpalten und enthält vorn das v. Hatzfeldt' ſche 
Stammwappeu, den ſchwarzen Feuerbock (Hausanker) in G., 
Hinten das W. der Herrſchaft von Wildenburg: drei (2. 1.) 
rothe „Miſpelblüthen“ mit g. Saamen und gr. Kelchblättern. 

Hauptſchild, Feld I.: fünfmal von ſch. und g. (6 Plätze) 
quergetheilt. (Herzſchild des gräflich Hatzfeld-Wildenburg⸗Weis⸗ 
weiler'ſchen Wappens.) 

Feld II.: in W. ſchrägrechtsgeſtellt ein ſonderbares ſch. In⸗ 
ſtrument, ſogenanntes Theerkranzeiſen, in Geſtalt eines Wein⸗ 
glaſes, deſſen Stiel, ähnlich einem Schlüſſelgriff, kleeblattartig 
geformt ift.**) 

III.: in B. (sic) ein ſch. Doppeladler. 

IV.: in ſch. ein gekrönter r. doppelſchweifiger Löwe. (II. 
ſoll das Wappen einer verwandten Familie, III. und IV. 
werden wahrſcheinlich die (neuscreirten?) Figuren der mähri— 
ſchen Herrſchaften ſein. 

V.: in w. eine r. Roſe mit gr. 
(Feld VI. des älteren fürſtl. Wappens.) 

VI.: ſchrägrechtsgetheilt von g. über r., darin neben⸗ 
einander aufgerichtet, die Haken oben und abgewendet, 2 65 
begriffte w. Winzermeſſer. (Heppen.) 

Ueber dem Schilde ſchweben () — parademäßig gerichtet — 
ſieben () gekrönte Helme, von denen nur der mittlere und die 
beiden zu deſſen Seiten etwas den oberen Schildesrand berühren. 

Der erſte Helm (zur Rechten) trägt zwiſchen zwei von 
w. und r. über Eck getheilten Büffelhörnern die Roſe des 
V. Feldes ſchwebend. () Helm II.: zwiſchen offenem w. Fluge 
ein Schildchen, in Zeichnung und Farben des 1. Feldes des 
Hauptſchildes. III. ein beiderſeits wie das vordere Feld des 
Mittelſchildes bezeichneter Flug; v. Hatzfeldt'ſcher Stammhelm. 
(Warum nimmt dieſer Helm nicht die ihm gebührende Stelle 
als mittelſter Helm ein?) VI. gekrönter ſch. Doppeladler. 
V. bärtiger Mannsrumpf im ſch. Kleide, mit 6 g. Knöpfen 
und g. Kragen, bedeckt mit g. geſtülptem ſch. Barett. (Zum 
Wildenburgiſchen W. gehörig.) VI. zwiſchen offenem w. Fluge 
ein gekröntes Schildchen, bezeichnet wie Feld 2 des Haupt⸗ 
ſchildes. VII. vor 3 ſch. Straußfedern die Heppen wie in Feld 6. 

Die Decken find bei Helm I.: w.-r; bei II.: g.-ſch; 
III.: g.-ſch; IV.: b.-ſch. () V.: g.-ſch. VI.: w.-r. VII. g. -r. 

Schildhalter: zwei von ſch. über g. getheilte Greifen mit 
erhobenem, ausgebreitetem Fluge und untergeſchlagenen Schweifen, 
ſtehend auf w. Bande mit der Deviſe „Virtus et konos“ in 
ſch. Lapidarſchrift.““) 

Das Ganze umgiebt ein purpurner Fürſtenmantel, veh⸗ 
gefüttert, mit g. Schnüren, Franzen und Troddeln verziert, 
oben zuſammengehalten durch einen Fürſtenhut, dem der vor⸗ 
dere Bügel (ebenfo wie dem das Hauptſchild krönenden) 
fehlt. — Sollte dieſer auffallende Umſtand vielleicht eine neue 
heraldiſche Regel für „jüngere Fürſtenlinie“ ſein?! 


Saamen und Kelch. 


„) Wann wird doch endlich einmal der heraldiſche Nonſens der 
gekrönten Herz und Mittelſchilde aufhören?! A. d. Red. 

) Wappen der letzten Gräfin v. Winkelhauſen, (aus dem 
rheiniſchen, am 27. Oct. 1711 in den Reichsgrafenſtand erhobenen, 
1737 bereits in Mannsſtamm erloſchenen Geſchlecht,) Iſabella Maria 
Anna, verm. mit Edmund Florenz Cornelius Grafen v. Hatzfeldt, 
Urältervater des genannten Grafen Alfred. 

e) Die in der Farbe veränderten fürſtlich Dietrichſtein'ſchen, 
urſprünglich freiherrl. Leslie ſchen Schildhalter. — X. — 


Die Stellung der Helme muß, wenn auch im Ganzen die 
Zuſammenſtellung (bis auf einige kleine heraldiſche Schnitzer) 
als ziemlich gelungen bezeichnet werden kann, als durchaus un⸗ 
ſchön bemerkt werden. Es iſt doch fo altheraldiſch und ſchön, 
die Köpfe der Schildhalter bei Helmhäufungen mit den äußeren 
Helmen zu beſtülpen; — weshalb umging man das hier ſo 
krampfhaft? Wollte man wohl dabei vermeiden, die Anordnung 
der K. K. Adelskammer nachzuahmen, welche dem Gemahl der 
älteren Schweſter oben genannter Gabriele, Grafen Mensdorf, 
bei deſſen am 23. Dez. 1868 erfolgten Erhebung zum Fürſten 
von Dietrichſtein obige Anordnung beliebte? — X. 


Zu den „Beiträgen zur Genealogie rhei- 
niſcher Familien vom Freiherrn v. Vorſt- 
Gudenau,“ in Nr. 10 d. Bl. 

In meiner Urkundenſammlung finden ſich folgende fünf auf 
die „Bock von Lichtenberg“ bezügliche Originaldokumente: 

1) 1505, am nächſten Sonntag nach St. Pauli Be⸗ 
kehrung. Johann Beiſſel von Gymmich bezeugt vor dem Scheffen⸗ 
Gerichte zu Friesheim, daß Reinhard Bock von Lichtenberg zu 
Irnich u. Johann v. Heimbach zu Virnich einen Vertrag über 
den Vorgang beim Eintritte, Opfer, Friedenskuſſe und bei der 
Weihwaſſerſpende in der Kirche zu Schwerfen geſchloſſen haben. 

2) 1559, 21. Febrnar. 

Johann von Holtorp und Veronica Bock von Lichtenberg, 
Eheleute, leihen von Peter von Kirberg und Chriſtina von 
Stommelen, Eheleuten, 60 Joachimsthaler. 

3) 1550, 26. März. 

Wilheim, Herzog von Jülich ꝛc. ernennt den Johann von 
Holtorp, Gemahl der Veronica Bock von L., zum Amtmann in. 
Münſtereifel, Euskirchen und Tomberg. 

4) 1559, 31. März. 

j Johann von Holtorp und Veronica Bock v. L., Eheleute, 
tauſchen mit den Conventsjungfern des Kloſters Bürvenich 
Wieſen aus. 

50% 1575, 28. Juni. | 

Erbtheilung zwiſchen Anna von Hochkirchen, Wittwe des 
Reinhold Bock von Lichtenberg, und deren Kindern: Frambach, 
Deutſchordens-Ritter, Reinhard, Michael und Veronica, Ehefrau 
des Caſpar von Cortenbach, auf der einen — und den Kindern 
der kurz vor der Beſiegelung der Erbſcheidung verſtorbenen 
Veronica Bock von Lichtenberg, Wittwe des Johann von Hol⸗ 
torp, (von den Kindern wird in der Urkunde nur der älteſte 
großjährige Sohn Reinhard genannt) auf der anderen Seite, 
betreffend die Güter, welche Reinhard Bock v. L., Vater des 
Reinhard, Gemahls der Anna von Hochkirchen, und der Ve⸗ 
ronica, Gemahlin des Johann von Holtorp, zu Irnich, Reif 
feld, Vuſchenich, Düren und Zülpich hinterlaſſen hat. 

Daraus ergeben ſich alſo für die in Nr. 10 d. Bl. er⸗ 
brachten Nachrichten über die Bock von Lichtenberg fol⸗ 
gende Berichtigungen und Ergänzungen: 
I. 1505 Reinhard Bock von Lichtenberg zu Irnich. ö 
II. Reinhard Bock v. L., Herr zu Irnich, Reiffeld, Vuſchenich, 

Düren und Zülpich, hatte 2 Kinder: i 

1) Reinhard, h. Anna von Hochkirchen. Kinder: 1. Fram⸗ 

bach, 2. Reinhard, 3. Michael, 4. Veronica, h. Caſpar 
von Cortenbach. 

2) Veronica + 1575, h. Johann von Holtorp (vor 1559). 

Aelteſter, 1575 großjähriger Sohn derſelben: Reinhard. 


79 


Die Nachricht bei Fahne, Geſchichte der Kölniſchen ac. 
Geſchlechter I., 167, es ſei der vorher genannte Johann von 
Holtorp 1585 auf der jülichſchen Hochzeit geweſen, iſt unrichtig, 
da derſelbe bereits 1575 nicht mehr lebte. Nach Robens I., 
157 war es deſſen Sohn Reinhard, welcher jener Hochzeit bei— 
wohnte. J. B. Dornbuſch. 


Anfrage VII. 

1) Welches Wappen führten die van der Lype 
oder v. d. Liepen im Teltow, welche dort ſchon 1370 exi— 
ſtirten, und noch 1541 zu Bonſtorf, Blankenfelde, lutken 
Kynitz ſaßen? und iſt eine Verbindung derſelben mit 
dem gleichnamigen Geſchlecht in Mecklenburg und Vor— 
pommern (Kreis Grimmen), welches dort ſeit 1260 bis 
gegen 1600 exiſtirte, nachzuweiſen? 

2) Welches Wappen führte die pommerſche Familie 
dieſes Namens? die Mecklenburgiſche führte eine Pfeil— 
oder Lanzenſpitze im Wappen. 

3) Was enthalten die dortigen Quellen über die 
Familie dieſes Namens, oder was iſt dort anderweitig 
über ſie bekannt? In Druckſchriften wird ſie nur in 
Bagmihls pommerſchem Wappenbuch bei der Familie 
Küßow erwähnt, welche ſpäter ihre Güter erhielt. Sie 
hatten Quitzin, Müggenwalde, Lehmhagen, und wohnten 
auch in Grimmen. 

4) Was enthalten die dortigen Quellen über die 
pommerſche Familie Hagemeiſter? 


VIII. 

Mit wem war Chriſtoph Georg von Ziegen— 
horn vermählt, und wer waren die Eltern ſeiner Gattin? 
Ebenſo handelt es ſich um die Lebensdata ſeiner Tochter 
Chriſtine, verm. v. d. Oſten⸗Sacken. Die Königsberger 
Wallenrodt'ſche Sammlung giebt keine Kunde. 


Anton Chriſtoph Anna 
von Maria 
Ziegenhorn, von FVV 
Mansfeld'ſcher Weſtern⸗ 
Hofmeiſter. hagen 


Anton Chriſtoph 

v. Ziegenhorn, 

Hofgerichtsadvocat 2 ? ? 
zu Mitau, geb. 

Eisleben 1675, + ? 


— — 
Chriſtoph Georg v. 
Ziegenhorn, 
Geh. Juſtizrath ꝛc. zu ? 
Königsberg i. Pr. geb. 
1714, 9. Sept., + 1783, 20. Dez. 
nr 


Chriſtine v. Ziegenhorn, 
e an Peter 
Ernſt v. d. Oſten-Sacken, Dragonerlieutenant, 
ſpäter auf Santen in Kurland. 


IX. 
Freundliche Bitte an Genealogen: Man wünſcht: 
1) Die 16 Ahnen des preußiſchen Miniſters 

v. Schlabrendorf, 


2) Die acht Ahnen des preußiſchen Miniſters 
Ludwig v. Blumenthal + 1760. 
3) Die 8 Ahnen der Gemahlin des letzteren, 
Sophie Eſther Suſanna von Hoym a. d. 
H. Poblotz. 
Gefällige Aufſchlüſſe wird die Redaction des D. H. 
gern beſorgen. — 


Titeratur. 


„Geſchichte des Geſchlechts von Oeynhauſen. 
Aus gedruckten und ungedruckten Quellen bear- 
beitet von Julius Gr. v. Oeynhauſen. Erſter 
Theil: Regeſten und Urkunden von 1013 — 1685 
Mit 4 Siegeltafeln und 2 Abbildungen. Pader— 
born, Druck und Verlag von F. Schöningh. 1870. 
VI. und 271 S. und 5 Stammtafeln.“ 

Familiengeſchichtliche Werke werden in neuerer Zeit anders 
herausgegeben als früher. Während die erſten Autoren der— 
ſelben ſich begnügten, nach einer „Sectio generalis“ über 
die einzelnen Mitglieder des Geſchlechts biographiſch in ge— 
drängter Kürze und faſt nur aus gedruckten Quellen zu refe— 
riren, hat man ſchon vor faſt hundert Jahren begonnen, nicht 
nur auch ungedrucktes Material aus Archiven und Bibliotheken 
zu benutzen, ſondern auch meiſtens ſehr genau die Quellen ſelbſt, 
beſonders für die fpeciellen Angaben und Ausführungen in der 
Darſtellung, angezeigt und vermerkt. Es iſt dies die allein 
richtige und empfehlenswerthe Art der Familiengeſchichtsſchrei— 
bung, für die uns Wohlbrück in ſeinem Alvensleben'ſchen Werk 
ein noch nicht erreichtes Muſter hinterlaſſen hat, das auch den 
hohen Vorzug beſitzt, dem Leſer unmittelbar unter dem Text in 
Form von Noten die Beweisſtellen für das Gegebene darzu— 
bieten, ſo daß eine Prüfung der gemachten Angaben auf das 
Leichteſte und Schnellſte ſtattfinden kann. 

Aus dem wohlberechtigten Wunſche aber, auch die der 
Familie eigenſten, nur ſehr ſelten in eine gut lesbare 
und gefällige Darſtellung aufnehmbaren Urkunden in ihrem 
völligen Wortlaute ſprechen zu laſſen, und alle auf die 
Familie oder ihre einzelnen Mitglieder bezüglichen wichtigen 
Schriftſtücke in einer Sammlung vereint zu ſehen, welche die 
Geſchlechtsangehörigen handelnd vorführt und Alles enthält, was 
auf die Rechte und Freiheiten, oder Pflichten und Grund» 
beſitz derſelben Bezug hat, entſtand diejenige Art von Familien⸗ 
geſchichten, welche ſich nicht kritiſchen Biographien und allge 
meinen Darſtellungen über die Familie als Ganzes begnügen, 
ſondern auch Urkundenſammlungen hinzufügten als einen codex 
probationum, der die Fundamente der Familiengeſchichte zu 
enthalten habe. In dieſer Art ſind die Arbeiten über die 
Geſchlechter v. d. Schulenburg, (von Danneil) v. Oertzen. v. 
Hahn, v. Maltzan, (von Liſch,) v. Kleiſt, (von Kratz,) v. Kar⸗ 
dorff, (von Maſch,) angelegt, und dabei eine lange Reihe von 
Urkunden nicht nur zum erſten Male, ſondern auch ſolche pu⸗ 
blicirt worden, deren Bedeutung über die der betr. Familien 
ausgeht. 

Allein nicht überall war es thunlich und räthlich, den ge— 
ſammten urkundlichen Stoff in ſeinem ganzen Wortlant zum 
Abdruck gelangen zu laſſen. Die übergroße Fülle ſolchen Ma⸗ 
terials, die Höhe der Koſten, das überwiegende Verhältniß der 
bereits anderweit publicirten Urkunden, der verhältnißmäßig 
ſpäte Beginn derſelben oder die geringere Bedeutung der Fa⸗ 


80 


milie ließen es ausreichend erſcheinen, an Stelle des voll: 
kommenen Tenors der Urkunden, Auszüge und Regeſten zu 
ſetzen, welche unbeſchadet des eigentlichen Urkundeninhaltes Alles 
das hervorheben, was ſich auf die Familie und ihre Ange— 
hörigen bezieht. In dieſer Form hat die genealogiſche Literatur 
gleichfalls mehrere Werke (über die v. Salza von einem Mit- 
gliede der Familie, v. Wangenheim desgleichen, v. Kotze von 
G. A. v. Mülverſtedt) aufzuweiſen, von denen jedoch nur das 
letztere die einem ſolchen Buche, wenn darin die einzige familien- 
geſchichtliche Publication beſtehen ſoll, unentbehrliche Einleitung 
und allgemeinen Capitel mit enthält, während das i. J. 1865 
über die v. Bodenhauſen erſchienene Werk Regeſten mit vollſtän⸗ 
digen Urkunden untermiſcht bringt, deren wir viele mit dem 
Wortlaute der regeſtirten Schriftſtücke vertauſcht geſehen hätten, 
wenn gleich letztere auch bereits früher gedruckt ſind. 

Zu derjenigen Art familiengeſchichtlicher Werke, welche, in 
zweitheiliger Form angelegt, neben einer biographiſch-hiſtoriſchen 
Darſtellung (oder eigentlichen Familiengeſchichte) auch ein Ur⸗ 
kundenbuch bringen ſollen, zählt das vorliegende, deſſen Er— 
ſcheinen wir hier anzeigen, und zwar iſt das Urkundenbuch 
durchweg nicht aus Urkunden in ihrem ganzen Wortlaute, 
ſondern nur aus Regeſten derſelben zuſammengeſetzt. Ein 
zweiter demnächſt erſcheinender Band ſoll dann die eigentliche 
Geſchichte des Geſchlechts v. Oeynhauſen enthalten. 

Seine Abſicht bei dem Unternehmen des ganzen Werkes 
ſpricht der Herr Vf. im Vorworte in dem Satze aus: 

„Die Geſchichte einer Familie iſt ſtets nur von engerem 
„Intereſſe, und eine Arbeit, wie die vorliegende, will daher 
„auch von dieſem Standpunkte aus betrachtet ſein, ſie ſoll den 


„Gliedern der Familie v. Oeynhauſen die Geſchichte ihrer Vor— 
„fahren nach allen Seiten hin, guten wie ſchlechten, vor die 
„Augen führen, zugleich aber auch den Freunden Weſtphäliſcher 
„Geſchichte einen Einblick in das Thun und Treiben eines 
„Paderborn'ſchen Adelsgeſchlechtes gewähren.“ 

In Uebereinſtimmung mit der Abſicht des Herrn Pf. 
können wir dieſelbe durch das vorliegende Werk nur erreicht 


erachten. Denn wir ſehen vor uns das Leben und die Thaten 
eines alten ritterlichen Geſchlechtes der rothen Erde von ſeiner 
Wiege bis faſt zum Beginn jener Schreckenszeit des dreißig⸗ 
jährigen deutſchen Krieges, der die Axt von Neuem an die 
Wurzel der alten Zuſtände Dentſchlands in Staat, Kirche und 
Recht legte. Nicht früher freilich als im Jahre 1345 tritt der 
erſte ritterliche Träger des Namens v. Oeynhauſen aus dem 
Dunkel hervor, aber es wird im ferneren Verlauf der Dar- 
ſtellung ſich ergeben, daß dies ſeinen Grund in der Abſtamm— 
ung des Geſchlechts aus der alten Sippe derer v. Barkhauſen 
habe, bei welchen wir den gleichen Taufnamen und gleichem 
Wappen begegnen. Der Ort, dem die v. O. ihren Namen 
entlehnten, iſt viel älter, die Kunde über ihn und einige andere 
Familiengüter geben die erſten zehn Regeſten, die mit dem 
Jahre 1036 beginnen. N 

Das Leben des Geſchlechts v. O. nimmt im Ganzen den— 
ſelben Verlauf wie bei den meiſten Adelsgeſchlechtern des Mittel⸗ 
alters. Auf ritterlichen Höfen wohnen ſie auf dem Lande, ſind 
midthätig gegen die Kirche und ihre Prieſter, und geben 
ihr reichlich von ihrem alten Gut und Erbe, nicht achtend 
das Schwinden ihres Grundbeſitzes, dem ſie um Gottes willen 
entſagen, die Seele im Jenſeits vor ſchwerer Strafe zu retten 
oder vergoſſenes Blut zu ſühnen. Beſonders dem Kloſter 
Marienmünſter erwies ſich das Geſchlecht hold. Doch gab es 


auch manchen Streit zwiſchen beiden Theilen zu ſchlichten, wie 
ihn die nahe Nachbarſchaft und die vielen Gutsübertragungen 
wohl oft mit ſich führten. Gar manche Mitglieder des Ge— 
ſchlechts wählteu den geiſtlichen Stand; Den Töchtern ſchloſſen 
ſich die Klöſter Quernheim, Baringhauſen, Willebadeſſen und 
Heerſe auf, den Männern die Domcapitel zu Minden 
und Paderborn, oder ſie ſchwuren ihre Gelübde der Gottes— 
Mutter zum Eintritt in den ritterlichen Orden der Deutſchen 
vom Spital zu Jeruſalem. Zahlreich iſt der Name Oeynhauſen 
vertreten in der Reihe der Paderborniſchen und Lippeſchen 
Droſten und Räthe, und nicht ſelten zeugen die Urkunden 
des 16. Jahrhunderts von dem Anſehen und den hohen Würden, 
welche Mitglieder des Geſchlechts im Dienſt geiſtlicher und welt- 
licher Fürſten ſich errungen haben, und von der Wichtigkeit der 
Staatsgeſchäfte, die auf ihren Schultern laſteten. 

Ergiebt ſich nun aus den Regeſten mit großer Klarheit 
die Stammreihe des Geſchlechts, welche die Schlußtabellen 
des Buches veranſchaulichen und zur Ueberſicht bringen, ſo 
wird das Intereſſe an dem Gegebenen durch die Fülle von 
Nachrichten erweitert, welche über eine ſehr große Zahl 
alter Weſtphäliſcher Adelsfamilien aus authentiſchen Quellen 
überliefert find. Ein ſehr genau gearbeitetes Regiſter macht 
in letzterer Beziehung die Benutzung des Vuches äußerſt leicht 
und ein Anhang von 18 Seiten giebt dem ſtrengen Genealogen 
ſicherlich erwünſchtes und neues Material in zahlreichen Ahnen— 
tafeln und Grabſtein-Inſchriften, wobei intereſſante Wappenbe⸗ 
ſchreibungen nicht fehlen. 

Auch in mangelhafter und unwiſſenſchaftlicher Form und 
in übler Diſpoſition kann Gutes und für lange Zeit Brauch— 
bares geboten werden, und es iſt dies bei genealogiſch-hiſto⸗ 
riſchen Werken nicht ſelten der Fall, weil die Bearbeitung der— 
ſelben oftmals Familiengliedern ſelbſt zufällt, die an die Stelle 
gründlicher hiſtoriſcher Vorbildung und der Vorübung 
in der Darſtellung des Geſchichtlichen nur ihre Liebe oder gar 
Begeiſterung für die Sache zu ſetzen vermögen. 

Ganz das Gegentheil iſt hier der Fall. Der Herr Ver— 
faſſer excellirt nicht nur durch den aus feinem Buche erlicht- 
lichen ſorgſamen Fleiß im Sammeln des zahlreichen Materials 
(für welches die Familien-Archive zu Grevenburg und Reelſen, 
das Archiv zu Münſter und die „Lippiſchen Regeſten“ von 
Preuß und Folkann die Hauptquellen waren,) ſondern er hat die 
nicht leichte Kunſt des Regeſtirens ſo gut verſtanden und aus— 
geübt, daß er überall den Inhalt der Urkunden richtig auf 
faſſend ihren Kern dem Leſer in ſchmuckloſer, präciſer und an⸗ 
gemeſſener Form vorführt. Neben jedesmaliger Angabe der 
Quelle, bei denen wir aber rückſichtlich des Münſterſchen Ar⸗ 
chivs und des Copiars von Marienmünſter eine genauere Ci⸗ 
tirung (mit Angabe des Locats reſp. des Foliums) gewünſcht 
hätten. Verſtändigerweiſe werden einige Urkunden (aber nur 
wenige) in ihrem vollen Wortlaute gegeben, ſo der eine der 
Fehdebriefe von 1439 (Regg. Nr. 112. 113.) ein Schreiben 
des Domherrn Herrmann v. O. 1440 (Nr. 114.), die ſehr 
intereſſanten Briefe des Helmſtedter Studenten Moritz v. O. 
1583 ff. (Nr. 451 ff.) u. A. m. Kurz, es iſt nur ein ver⸗ 
dientes Lob, welches wir dem Talent, der Sorgfalt und dem 
Maaß des Hrn. Vf. ſpenden müſſen, die er bei ſeiner Arbeit, 
welche muſtergültig zu nennen iſt, bewieſen hat. Seinen rechten 
Werth wird dieſer Theil des Werkes erſt durch den ungleich 
ſchwierigeren zweiten erhalten, welcher die aus den Urkunden 


gewonnenen Reſultate in den Lebensbeſchreibungen der einzelnen 


5 


Mitglieder vorführen und das Allgemeine über den Urſprung, 
die Heimath, den Grundbeſitz und das Wappen der Familie ent— 
halten ſoll. 

Daß zu einem familiengeſchichtlichen Werk auch Abbil- 
dungen der Familienſiegel gehören, zumal der älteſten, verſteht 
ſich von ſelbſt. So iſt das Werk auch mit 4 Siegeltafeln 
verſehen, die 15 Familienſiegel (3 aus dem 14., 4 aus dem 
15. und 8 aus dem 16. Jahrh. enthalten. So trefflich auch 
die für dieſe Art von Arbeiten ſehr zu empfehlende lithogra⸗ 
phiſche Anſtalt von Fr. Bartholomäus in Erfurt ihre Aufgabe 
gelöſt hat, ſo möchte uns doch ſcheinen, daß die Zeichnungen 
auf den drei erſten Tafeln nicht den Ductus mittelalter— 
licher Buchſtaben in der Form der Originale wiedergeben. Wir 
ſehen wohl alterthümliche Buchſtaben, doch fehlt ihnen ſo zu 
ſagen der Hauch, der Timbre des Mittelalters. Das Gleiche 
gilt auch von der Umſchrift der Abbildung des ſchönen, dem 
Titel vorgehefteten Leichenſteins Werners v. O. zu Sommerſell 
v. J. 1568. Die Buchſtaben der curſiven Umſchrift haben 
nicht den Character der Zeit, der ſie angehören. Nicht min— 
dere Ehre macht der genannten Anſtalt die dem Buche zu fernerer 
Zierde gereichende Abbildung der Oldenburg, eines alten Oeyn— 
hauſen'ſchen Schloſſes, und der Verlagshandlung die vorzügliche 
Ausſtattung durch die Güte des Papiers und Klarheit des 
Druckes. ER 


„Regeſten der Grafen von Orlamünde aus 


Babenberger und Ascaniſchem Stamm mit 
Stammtafeln, Siegelbildern, Monumenten und 
Wappen, verfaßt von C. Chl. Freih. v. Reitzen⸗ 


ſtein, herausgeg. vom hiſtoriſch. Verein für Oberfranken zu 
Bayreuth. 4°. Bayreuth 1869, 70.“ 

Der hiſtoriſche Verein zu Bayreuth hat das verdienſtliche 
Werk unternommen, Regeſten der Grafen von Orlamünde zu 
ediren. In welch' vielfacher Hinſicht ſolche Unternehmungen 
nutzbringend ſein müſſen, iſt allen Leſern des Herold bekannt. 
Das vorliegende Werk iſt aber für jeden fränkiſchen, voigtlän— 
diſchen und thüringiſchen Genealogen geradezu unentbehrlich, 
umſomehr, als bisher über den Gegenſtand Vollſtändiges nicht 
vorhanden war. Es freut mich, mittheilen zu können, daß der 
Verfaſſer auch den Siegeln ſeine Beachtung geſchenkt hat. Die 
beigegebenen Stammtafeln ſind: 1) Haus THE 2) 
Haus Babenberg zu Weimar und Orlamünde. 3) Haus As⸗ 
canien⸗Orlamünde. 4) Haus Ascanien-Orlamünde zu Weimar 
und in Franken. 5) Haus 2 5 Orlamünde zu Orlamünde 
und auf dem fränkiſchen Walde. 6) Haus Andechs und Me— 
ranien. Sodann folgen 6 Tafeln mit Grabſteinen. Daß der 
Grabſtein des Pfalzgrafen Siegfried II. + 1124, begraben in 
Kl. Herrenbreitungen, einer bedeutend ſpäteren Zeit angehört, 
bedarf wohl kaum der Erwähnung. (Während ich dieſes 
ſchreibe, iſt die Vorrede, welche jedenfalls zu Mittheilungen 
über die Beilagen mit verwendet werden wird, noch nicht ge⸗ 
druckt.) Es beweiſt dies unter Anderem der große Reichthum 
des Schildes an Bildern. — 41 Siegel- und 3 Wappen⸗Ab⸗ 
bildungen. 1 Tafel Münzen. Die typographiſche Ausſtattung 
iſt vortrefflich. 

Der hiſtoriſche Verein zu Bayreuth hat für das vor: 
liegende Werk, welches doch vorzugsweiſe unſerer Wiſſenſchaft 
dient, unſeren beſonders lebhaften Dank verdient. Daß aber 
demſelben mit zahlreichen Beſtellungen beſſer gedient iſt, als 
mit leeren Worten, begreift ſich wohl von ſelbſt. Es iſt zum 


buchhändleriſchen Vertrieb des Werkes Veranſtaltung getroffen, 
doch können auch jetzt ſchon Beſtellungen bei dem hiſtoriſchen 
Verein angemeldet werden. Seyler. 

J. A. Stargardt (Berlin Jägerſtr 53) hat ſoeben ein 
Verzeichniß von Manuſeripten, Adelsdiplomen, Wappenbriefen, 
Urkunden u. ſ. w. veröffentlicht, welches in ca. 300 Nummern 
— meiſt aus dem Nachlaß des Numismatikers und Sphra⸗ 
giſtikers, Kanzleir. Voßberg, viel Intereſſantes zum Kauf dar— 
bietet. Die prächtigen Pergament-Diplome, z. Th. calligra- 
phiſche Meiſterwerke, ſind größtentheils Originale der deutſchen 
Kaiſer des 15. bis 18. Jahrhunderts; die Urkunden reichen 
hinauf bis zum 14. Jahrh. Wir finden darunter ſolche, welche 
ſich auf Pommern, Polen, Rußland, Schweden ꝛe., andere, die 
fh auf die Geſchichte der Städte Cöln, Straßburg, 
Dortmund, Thorn u. ſ. w. beziehen. Sehr bedeutend iſt 
die Zahl der in dieſen Schriftſtücken genannten Familien, wir 
führen z. B. folgende Namen an: Alvensleben, Arnſtedt, Aulogk, 
Berlichingen, Berswordt, Bredow, Buch, Calcheim, Firks, Flemm⸗ 
ing, Frieſen, Fugger, Gleichen, Hardenberg,, Herwarden, Kall— 
heim, Kleiſt, Königsmark, Kotze, Lützow, Mansfeld, Quitzow, 
Rochow, Schulenburg, Sydow, Schlieben, Spee, Stolberg, Za- 
ſtrow ꝛc. — Gleichzeitig wurden ausgegeben: Verz. Nr. 96, 
700 Nrn. numismatiſche Werke. — Nr. 97: Geſchichte und 
Heraldik, 2000 Nrn. Auch dieſe ſtammen zum größten Theil 
aus dem Nachlaß des als eifriger Sammler bekannten Voß⸗ 
berg. Darunter auch intereſſante Straß burger und El⸗ 
ſäſſer Ineunabeln. — 


„Zeitſchrift des Harzvereins für Geſchichte und Alterthums— 
kunde. 1870. II. Heft.“ S. 427 ff: Die zwiſchen den Jah⸗ 
ren 1500 u. 1800 erloſchenen Adels-Geſchlechter des Stifts 
und Fürſtenthums Halberſtadt, von G. A. v. Mülverſtedt. 

Eins der auffallendſten Beiſpiele der Vergänglichkeit ir⸗ 
diſcher Größe bildet der ehemalige Halberſtädter Stiftsadel. 
Hunderte edler Namen zeigt das Lehenregiſter des Stiftes im 
Jahre 1311 auf, deren Träger aber ſchon ums Jahr 1500 
bis auf 83 dahingeſunken waren, von denen jedoch nur 54 
zum eingebornen Halberſtädter Adel zu rechnen find. Auch 
dieſe ſanken im Laufe der Zeit ſeither ins Grab, ſo daß zu 
Anfang dieſes Jahrh. nur noch neun alte Halberſtädter Fami⸗ 
lien in ihrer Heimath zu finden ſind. 

Wir erblicken unter jenen dreiunda chtzig Geſchlechtern 
viele weit und breit bekannte hochangeſehene Namen — viele 
aber auch, deren Auftreten auf engere Kreiſe beſchränkt blieb. 
Jedenfalls dürften nicht nur die Leſer der Harzvereins-Zeitſchrift, 
ſondern überhaupt alle für Adelsgeſchichte ſich Intereſſirenden 
dem Herrn Verfaſſer zu großem Dank verpflichtet ſein für die 
a. a. O. gegebenen hiſtoriſch-heraldiſchen Nachweiſe über die 
ſeit 1500 erloſchenen Halberſtädter Ritterfamilien; es ſind dies 
folgende, zum Theil in Adelslexieis nicht zu findende: 1) von 
Alstorf; bei Aſchersleben ehedem anſäſſig, um 1550 7. 2) 
von Ammendorf, Geſchlecht des Saalkreiſes, 7 nach 1514. 3) 
von Arnſtedt — W.: g. Leuchter in b., Helm: 3 w. Strauß⸗ 
federn zwiſchen je 3 ſch. Hahnfedern; + 1611. 4) von Borch⸗ 
torf: anſcheinend zwei verſchiedene Geſchlechter, wenigſtens kom⸗ 
men zwei verſchiedene Wappen vor; a) Schrägrechtsbalken; Helm: 
off. Flug, je mit demſelben, nach oben convergirend, belegt; b) 
Bärenkopf: Helm: Büffelhörner. Erſteres + nach 1511, letzte⸗ 
res nach 1610. 5) von Bortefeld, Braunſchweigiſcher Adel. + 
1676. (W. Siebm. I. 171.) 6) von Bugenrode; Aſcherslebe⸗ 
ner Familie, Anfang 16. saeculi T. W.: Rad; Helm ſechs 


Fähnlein. 7) von Meyendorf, Magdeburger Stiftsadel; + 1634. 
Wi k. 1 Hut mit verſchlungenen Schnüren in w. 
Helm: 3 Straußfedern r. w. r 8) von Beyer, (von Trau⸗ 
tenburg) im Mannsſtamm + 1786; Stammſitz Ottleben. W.: 
aus einem Buſch hervorſpringender Wolf oder Hund; Helm.: 
Pfaufedern. 9) von Berwinkel; zur Sippe der Bartensleben 
zc. gehörig. Der gleichnamige Stammſitz bei Oſterwiek. T 1662. 
W.: zum Sprung geſchickter Wolf über zwei Garben; Helm: 
Federbuſch, al. Fähnlein. 10) von Benzingerode; Stammſitz gl. 
N. bei Wernigerode; F um 1500. W.: Querbalken. 11) v. 
d. Danne, nach 1480 Staßfurter Pfänner, im 16. Jahrh. 
auch im Mansfeld'ſchen anſäſſig; F im 17. saec. W.: Tan⸗ 
nenzweig mit Tannäpfeln auf Schild und Helm. 12) von 
Dewen, Stammſitz Düben bei Schönebeck; Magdeburger Fa— 
milie, T Ende 16. saec. W.: geſpalt. Schild, vorn halber Adler 
oder Pfau am Spalt, hinten Pelz; H. offener Flug; — alſo 
zu unterſcheiden von der gleichnamigen Familien welche einen 
Querbalken mit einem Aſt belegt, reſp. das bei Siebm. 1. 
159 gegebene Wappen führten. 13) von Deben — anſcheinend 
zu dem Meißen'ſchen Geſchlechte gehörend. 14) v. Dorſtadt; 
drei verſchiedene Familien: a) die Edlen v. D.; W.: getheilt, 
darüber geſchachter Schrägbalken; b) ſchrägrechts aufwärts gelegter 
Spaten, am Rande von Kleeblättern begleitet; H: derſelbe vor 
einem Hahnfederbuſch querliegend. c) (hier vorzugsweiſe in Be— 
tracht kommend) drei ſitzende w. Bracken in r: H; ein ſolcher 
mit Federn beſteckt; + 1661. 15) v. Eisleben: Magdeburger 
Geſchlecht, Stammſitz bei Neuhaldensleben; 1 Hälfte 17. 
snec. Wappen nach alten Siegeln: drei Halbmonde 2. 1.4 
(⸗Hanſtein ꝛc.); ſpäter ganz anders: Schild geſpalten von g. 
ſch. und r., darüber ſchräglinks aufwärts gekehrter g. Pfeil 
mit w. Federn; H.: zwei geſtürzte Pfeile. 


Vermiſchtes. 


Der gegenwärtige Krieg hat uns bereits 2 fränkiſche 
l gekoſtet. Nachdem erſt vor kurzem der letzte 
Peller v. Schoppershof vor dem Feinde gefallen, 
ſtarb am 25. Sept. zu Meſſincourt im Diſtrict Sedan 
Johann Carl Leo Joſeph Auguſt Freiherr Heußlein 
v. Eußenheim als der Letzte ſeines Hauſes. Er hatte 
ſich, um den deutſchen Truppen in der Schlacht bei 
Sedan die Nachricht von herannahendem Succurs zu 
bringen, durch einen äußerſt forcirten Ritt eine Lungen⸗ 
entzündung zugezogen, an deren Folgen er ſtarb. Sei— 
nen Vater hatte er erſt vor 6 Wochen verloren. 

Siegelrecht. 1450. Heinz, Anton, und Mi— 
chael, Gebrüder die Kottenauer von Kottenau, fertigen 
einen Kaufbrief und „ gebeten die Erbern vnd 
veſten Hannſen von Beyer hochtritt genannt vnd Fritzen 
im Hoffe, daß fie ihr Inſigel an dieſem Brieff gehengt 
haben, wann ſie in dieſen Zeiten nicht eigenes In— 
ſigel gegroben hatten.“ — 

Um auch einmal dem Humor ein Plätzchen zu 
gönnen, theilen wir nachſtehend eine uns kürzlich in 
Bezug auf die Anfrage I. (den Fiſch auf dem Land⸗ 
friedensſiegel Wenzels betreffend) zugegangene Antwort mit. 
Darnach bedeutet der Fiſch „auf Freiheit fußende Wach— 
ſamkeit. Bei den älteren Wappen bedeutet Grün Freiheit, 


82 


bei den ſpäteren oder neueren Wappen bedeutet Gold nicht 
nur Vorzüßglichkeit, ſondern auch Freiheit. Im Kampfe 
für Unabhängigkeit des Volkes oder auch des Staates 
bedeutet Weiß nicht nur 1 Reinheit, ſondern auch 
Freiheit. Der goldene (2) Karpfen im 0 oder 
grünen (2) Felde bedeutet vorzügliche Wachſamkeit 
in Wohlſtand, im blauen Felde auf Grund der Wiſſen— 
ſchaft.“ (2) 

Dieſe, von den bisherigen Antworten allerdings 
ſehr abweichende, Erklärung, welche jedenfalls weiter 
bekannt zu werden verdient, glaubten wir unſeren Leſern 
nicht vorenthalten zu dürfen. 


Eorrefpondenz: 

Herrn v. A. auf E Das Werk „L' Alsace noble,“ 
deſſen Proſpect wir in einer frieren Nummer mittheilten, iſt wes 
nige Tage vor dem Ausbruch des Krieges in Straßburg erſchienen; 
einige Exemplare ſind nach Deutſchland gekommen, weit mebr were 
den vermuthlich durch das Bombardement vernichtet fein. Das ges 
wünſchte Except, die v. Klinglin betreffend, ſoll binnen Kurzem 
beſchafft werden. 


Herrn Hptm. G. — Schloß Flechtingen liegt im preußiſchen 
Regierungs bezirk Magdeburg, Kreis Gardelegen, ca. 5 Meilen von 
erſterer, 4 M. von letzterer Stadt entfernt; an einem kleinen See 
gelegen, gewährt es in ſeiner theilweiſe alterthümlichen Bauart und 
durch ſchöne landſchaftliche Umgebungen einen prächtigen Anblick. — 
Beſitzer iſt der Hr. Baron v. Schenk Flechtingen, an welchen 
Euer ꝛc. ſich event. wenden wollen. 


Anzeigen. 


Soeben it bei Mitſcher & Vöſtell in Berlin (Leip- 
ziger Str. 129) erſchienen und durch alle Buchhandlungen 
zu beziehen: 


„Aeber Wappen und Vanner des 


Deutſchen Reiche“ 


von Ad. M. Hildebrandt -Mieſte. 
In farbigem Umſchlag geh. mit 2 Tafeln. Preis 10 Sgr. 


Nen! 
Geſchichte der Familie v. Blücher, 


von Dr. Friedrich Wigger. I. Band; mit 6 lithogr. Tafeln. 
(1 3 Siegel-, 2 Leichenſtein⸗Tafeln.) 8. XI. und 379 


Text, 540 S. Urkunden. Schwerin 1870. 
Von Siebmachers 


„Großem und Allgemeinem Wappenbuch“ 
erſchien ſoeben: 
Lieferung 81: „Städtewappen“ bearbeitet vom Advocaten 
e in Dresden. 
Die erſte Lieferung des Hannöveriſchen Adels wird noch 
vor Ablauf dieſes Monats ausgegeben werden. 
Nürnberg, den 5. November 1870. 
Bauer & Raspe. 


Inhalts- Verzeichniß: 
Amtl. Nachricht. — Protocoll. — Beiträge zur Gene⸗ 
alogie Rheiniſcher Familien; Zuſatz dazu. — Anfragen. — 
Literatur. — Vermiſchtes. — Freiheit, Literatur. — Vermiſchtes. — Correſpondenz. — A — Anzeigen. — 


Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗ von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗Bezirk Magdebı Magdeburg. 
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


r 
7 


Monatsſchrift für Heraldik, “ 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin. 
Erscheint monatl. einmal —1 Bogen ſtark. Jährl. e 1 Thlr. 5 95 Inſertionspreis 1 Sgr für die geſpaltene Petitzeile 


Ur. 12. f S, Berlin, im Dezember 1870. D 1. Jahrgang. 


An die Abonnenten des „Deutſchen Herold.“ des , ke een dir 

Mit vorliegender Nummer ſchließt der erjte | Jahresbeitrages gleichzeitig den Abonne⸗ 
Jahrgang des „Deutſchen Herold“, auf deſſen mentsbetrag von 1 Thlr. 10 Sgr. für den 
Thätigkeit wir — und hoffentlich auch, bei bil- Jahrgang 1871 an den Schatzmeiſter, Hrn. 


ligen Anſprüchen, die geehrten Abonnenten, — Lieut. Gritzner, Vietoriaſtr. 11 hierſelbſt, 
befriedigt glauben zurückblicken zu dürfen. portofrei einſenden. 
Um den verehrl. Abonnenten des Blattes, Neu hinzutretende Abonnenten können 


welches unter der bisherigen Redaction zu bei jeder zunächſt liegenden Buchhandlung 
erſcheinen fortfährt und Vereinseigenthum oder Poſtanſtalt auf den „Deutſchen Herold“ 
bleibt, aber mit dem 1. Jauuar 1871 in ſubſeribiren. 
den Commiſſions⸗Verlag der Buchhandlung Bereits liegt der Redaction intereſſantes 
von Mitſcher 8 Röſtell, Berlin, Leipziger⸗ Material für den nächſten Jahrgang vor. Wir 
ſtraße Nr. 129 übergeht, unnöthige Umſtände erwähnen u A. als beſonders für Freunde der 
zu erſparen wird denſelben, falls nicht eine ent⸗ neuen Adelsgeſchichte wichtig: eine chronologiſch 
gegengeſetzte Erklärung bis zum 31. December mit großem Fleiß zuſammengeſtellte Matrikel 
er. ſchriftlich an den Schriftführer Fru. Geh. der geſammten Brandenburgiſch-Preußiſchen 
Seer. F. Warnecke hierſelbſt (Steglitzer Str. Standeserhöhungen, Anerkennungen ꝛc. von 1600 
58) erfolgen ſollte, das Blatt auch fernerhin bis auf die neuſte Zeit, verſehen mit Hinwei⸗ 
regelmäßig zugeſandt werden. ſungen auf bereits exiſtirende Wappenbücher 
Durch den zwiſchen den Herren Mitſcher oder kurzer Wappenangabe, ſowie Berichtigungen 
E Röſtell und dem Vereine geſchloſſenen Vertrag irriger Diplomdaten in früheren Werken nach 
und andere Umſtände ſehen wir uns genöthigt, den Originalen. Nr. 1 wird bereits den Anfang 
den Preis (auch für die Vereinsmitglieder) auf enthalten. 
1 Thlr. 10 Sgr. (alſo um nur 5 Sgr.) zu er⸗ Um den auswärtigen Vereinsmitgliedern 
höhen, werden aber bemüht ſein, den verehrl. ein Aquivalent für die eingetretene Preiser⸗ 
Abonnenten dieſe geringe Mehrausgabe dadurch höhung zu bieten, wird der Jahresbeitrag, 
zu vergüten, daß das at in Zukunft möglichft | ſofern dieſelben Abonnenten der Monatſchrift 
ſtets in der Stärke eines Bogens und, wenn — | find, auf 20 Sgr. herabgeſetzt. 
wie wir erwarten — ſich die Zahl der Leſer in — 
dieſem Jahre noch ſteigert, auch öfters mit Kunſt⸗ Das Sigungsprotocoll findet der Leſer in der 
beilagen verſehen erſcheinen wird. nächſten Nr. d. Bl. 


Zur Beantwortung der Anfrage II. 


deiner auf S. 21 d. Bl. ausgeſprochenen Bitte 
um freundliche Beantwortung von 16 genealogiſchen 
Fragen ſind mehrere Herren aus den verſchiedenſten Ge⸗ 
genden nachgekommen, und erlaube ich mir hierdurch den⸗ 
ſelben meinen verbindlichſten Dank zu ſagen Die letzte 
indirekte Antwort auf die erſten 6 Fragen hat Herr J. 
F. Heß auf S. 73 d. Bl. gegeben. 

Sämmtliche Beantwortungen find mehr oder min- 
der ausführlich und zutreffend ſowohl, als auch von 
einander abweichend, ſo daß hier und da noch manche 
Frage offen bleibt, oder einzelne Beantwortungen genau— 
erer Prüfung unterzogen werden müſſen. 

Da Letzteres mir nicht möglich iſt, mögen Andere 
verſuchen, das Richtige feſtzuſtellen. Zu dieſem Ende 
gebe ich hier eine Zuſammenſtellung der mir geſendeten 
Antworten und erlaube mir dazu einzelne Bemerkungen, 

1) Als Mutter der Fürſtin Anna von Anhalt wird 
übereinſtimmend angegeben Magdalene, Tochter und Er— 
bin Humberts (alias Gumprechts), Grafen von Nuenar 
und Limburg. Herr B. in S. nennt ausdrücklich Hum— 
pert III., welcher 1589 geſtorben, wie Hr. B. und Hr. 
Graf v. W. in H. angeben. Es ſcheint mir alſo die 
Angabe des Herrn Freiherrn v. P. in W. „ſie, Mag⸗ 
dalene, ſei 1589 geſtorben,“ auf einem Irrthum zu be— 
ruhen. 

Im Jahre 1589 (B. „8. Oct.“) ſtarb auch außer 
Magdal. Vater noch ihr Bruder Adolf, der letzte Graf 
v. Nuenar, nach deſſen Tode ſie die Baronie Lenep eben— 
ſo erbte, wie ſie vom Vater zum Brautſchatz die drei 
Herrſchaften Bedburn, Alpen und Helfenſtein mitbekam 
und die Grafſchaft Nuenar und Limburg an der Lahn 
erbte. 

Als Todesjabr des Gemahls dieſer Gräfin Magd., 
des Grafen Arnold v. Bentheim (mit Tecklenburg und 
Steinfurt — v. P.) wird 1606 übereinſtimmend ange— 
geben; H. v. P. notirt als Todestag 11. Januar und 
führt als Geburtszeit Arnold's 11. Det. 1554 an. 

Als Todeszeit der Fürſtin Anna wird 9. December 
1624 notirt; die Frage nach ihrer Geburtszeit 
iſt unbeantwortet geblieben. 

2) Als Geburtstag des Fräulein Loyſe Amalie von 
Anhalt ſteht feſt 14. Januar 1606. 

3) Als Geburtsjahr der Fürſtin Sophie von Anh., 
To. des nach H. v. W. am 17. Dee. 1613 (nach Cohn 
Tfl. 165: 7. Dec.) verſtorbenen Grafen Simon VI. 
von der Lippe, wird übereinſtimmend 1599 genannt; als 
Geburtstag derſelben notiren die Herren B., v. P. und 
Heß 16. Auguſt, was nach Cohn fl. 165 richtig iſt. 
Ihre Mutter war nach übereinſtimmenden Angaben Frau 
Eliſabeth, Tochter Otto's V., Grafen v. Holſtein-Schaum⸗ 
burg (- Pinneberg — v. P.) geb. 1566, verm. 13. 
Nov. 1585. ö 
Als dieſer Gräfin Eliſabeth Todeszeit notirt Hr. B. 
irriger Weiſe den Tod ihres Gemahls, 17. Dec. 1613; 
fie ſtarb nach Cohn am 7. Sept. 1638. — Als Todesjahr 
der Fürſtin Sophie ſteht 1654, 19. März feſt, wie die 
Inſchrift an ihrem Sarge zeigt. Cohn hat deshalb irr⸗ 


thümlich 1653. Als ihren Vermählungstag fand ich 


den 16. Sept. 1626, nicht 12. Sept., wie Cohn hat. 


4) In Bezug auf Fräulein Sibylla Maria, Reußin 
von Plauen, ſtimmen alle Angaben darin überein, daß 
ſie die älteſte Tochter Graf Heinrichs XXXIX. (IV.) zu 
Reuß älterer Linie, Ober-Greiz, und der Frau Juliane 
Eliſab., geb. Rheingräfin v. Neufville (Salm-Daun) ge⸗ 
weſen, 1625 geb. ſei, ſich mit Heinr. X. v. Reuß-Loben⸗ 
ſtein verm. habe und 1675 geſtorben ſei. 

Nur über die Tage ihrer Geburt und ihres Todes, 
ſowie über die Zeit ihrer Vermählung lauten die Angaben 
verſchieden. 

Die Herren v. W., v. d. G. u. B. haben in Uebereinſtimm— 
ung mit Cohn als Geburtstag 4 Aug., während Hr. Heß 
S. 73 4. April ſetzt; ferner geben jene drei Herren als 
Todestag den 21. Mai, während Hr. Heß und Cohn 
17. Mat anführen. In Bezug auf das Vermählungs— 
jahr ſtehen letztere Herren mit dem 24. October 1647 
jenen Dreien gegenüber, welche 1646 haben. 

Ich vermag nicht zu entſcheiden, auf weſſen Seite 
das Richtige zu ſuchen ſei. 

5) Ueber Frl. Eliſabeth, Reußin von Plauen, kommen 
alle Angaben darin überein, daß ſie die jüngere Schwe⸗ 
ſter der vorigen geweſen, am 29. September 1629 geb. 
ſei, und ſich am 30. November 1645 mit Chriſtian, 
Herrn von Schönburg - (Rochsburg ) „Penig verm. 
habe. Von vier Seiten wird 1675 als ihr Todesjahr 


angeſehen, ſo daß ſie alſo in einem Jahre mit ihrer 
ältern Schweſter Sib. Marie geſtorben wäre, während 
Herr Heß notirt 24. Februar 1667. 

Meiner unmaßgeblichen Auſicht nach dürfte letztere 


Angabe die richtige ſein, wofür Herr Heß hoffentlich gern 
den Beweis beibringen wird, indem er die Quelle 
angiebt, aus welcher er geſchöpft. 

6) Von Frau Juliane Eliſabeth, geb. Rheingräfin, Reu— 
hin Wittwe, iſt die Geburtszeit noch zu erforſchen. Ueber 
ihren Todestag im Jahre 1653 ſchwanken die Angaben 
zwiſchen dem 14. Mai und 16. Mai, welchen allein Herr 
Heß vertritt. — Wittwe wurde dieſe Dame zuerſt am 25. 
Auguſt 1629 (1659 Seite 73 d. Blattes iſt wobl nur 
ein Druckfehler) von Graf Heinrich XXXIX. (IV.) in 
Reuß⸗Obergreiz. Nachdem fie ſich am 4. Mai 1637 
wieder vermählt hatte mit Graf Heinrich XLIII. (III.) 
von Reuß-Gera, wurde fie durch deſſen am 12. Juni 
1640 erfolgten Tod abermals Wittwe. 

7) Bei Fräulein Anna Dorothea, Gräfin zu Schön⸗ 
burg (Seite 20 iſt der Druckfehler Schönberg) iſt Fol⸗ 
gendes zu bemerken. Sie war die 2. Tochter von Hugo II. 
Herrn von Schönburg-Hartenſtein und Frau Anna 
(Cohn: Agnes) geb. Gräfin zu Reuß-Gera (geb. 26. 
Juni 1567. + 1. Auguſt 1588). Sie wurde geboren 28. 
December 1586 u. + den 20. Januar 1645 als Pröp⸗ 
ſtin zu Quedlinburg, cf. Zedler XXXV. Sp. 769. | 

Letztere Angabe notire ich beſonders für die Herren 
v. d. G. und v. W., welche, ſich auf Hübner II., 645 
ff. ſtützend, ſagen: „Anna Dorothea, geb. 1586, ſoll 
als Kind geſtorben ſein und eine andere findet ſich nicht.“ 
Nach Zedler wurde eine ältere Schweſter der Anna 
Dorothea Namens Agnes Dorothea im Jahre 1584 ge⸗ 
boren und 7 1586 5 

Hiernach wäre alſo Hübners Angabe zu berichtigen. 

8) Ueber Fräulein Catharine, Gräfin von Nassau, | 


hat keiner der freundlichen und gefälligen Herren die Frau Urſula, geb. Gräfin zu 


nöthige Auskunft geben können. 

Herr Graf von Wein H. bei R. bemerkt mit Recht: 
„Dieſe Frage läßt ſich nicht leicht beantworten; man 
müſſte da vor allem den ganzen Zuſammenhang u. Zweck 
der Frage und die Quellen kennen; übrigens diene Nach— 
folgendes zur Notiz. 

Wilhelm, Graf von Naſſau, Fürſt zu Oranien, 
erſchoſſen 1584, hatte von ſeiner 3. Gemahlin Charlotte von 
Bourbon eine Tochter Catharine, welche 1648 ſtarb. 
Ihr Gemahl war ſeit 1596 der am 9. Auguſt 1612 + 
Graf Ludwig von Hanau-Münzenberg. 

Ferner hatte Heinrich Friedrich, Prinz zu Oranien, 
Graf von Naſſau (des Obigen Sohn), von ſeiner Ge— 
mablin Amalie, Gräfin zu Solms (+ 18. März 1675) 


eine Tochter Henriette Catharine, geb. 10. Februar 1634 


j den 4. November 1708, die nachmalige Gemahlin 


des Fürſten Johann Georg von Anhalt-Deſſau“ 


Bei meiner Arbeit, welche ſich auf die „tugendliche 
Geſellſchaft“ bezieht, kann jene erſte Catharine deshalb 


nicht in Betracht kommen, weil dieſelbe um 1637—40 


nicht „Fräulein,“ ſondern „Wittwe“ war. 


Zwiſchen 1637 —40, höchſtens 42 iſt aber „Fräu— 


lein Catharine, Gräfin von Naſſau“ in jenen Damen- 


orden aufgenammen worden, und zwar an Stelle des 
am 7. Juli 1637 verſtorbenen Fränlein „Anna Marie, 
Fürſtin zu Anhalt“. Die von mir ſorgfältig durchforſchten 
Schriftſtücke über beſagten Orden geben durchaus keinen 
weitern Anhaltepunkt zur Beantwortung der von mir 
geſtellten Frage. a 

Wäre anzunehmen, daß das Mitglieder-Verzeich— 
niß ungenau ſei, dann könnte Fräulein Henriette Ca— 
tharine, Gräfin von Naſſau, unſere nachmalige Anhaltiſche 
Fürſtin, gemeint ſein. Für dieſe Annahme möchte ich 
mich eher entſcheiden, als für die, daß die in jenem 
Mitglieder-Verzeichniß aufgeführte Naſſau'ſche Prinzeſſin 
in den ſeitherigen Stammtafeln fehle, und daſelbſt noch 
eingeſchoben werden müſſe. Es kann doch in dem Ver— 
zeichniß eher der bloße Vorname „Henriette“ neben 
Catharina weggelaſſen ſein, als in den Stammtafeln 
eine — meines Erachtens — gar nicht unterzubringende 
Prinzeſſin. 

Daß dieſe Dame zu jung geweſen ſei für die 
Aufnahme in den Orden, läßt ſich nicht einwenden, da 
wir dem allerdings auffallenden Beiſpiel ſchon früher 
wiederholt begegnet ſind. Doch das und Weiteres hier— 
über gehört nicht in dieſes Blatt. 

9) Die Frage nach dem Todestage von Frau Sa— 


bina, geb. Pfalzgräfin beim Rhein, Frau zu Warten— 


berg, iſt unbeantwortet geblieben. 

Herr Graf von W. giebt den ſchätzenswerthen 
Wink, daß über dieſe Frage vielleicht etwas zu finden 
ſei in dem jüngſt erſchienenen Buche von Dr. Hautle 
über die Genealogie des Wittelbach'ſchen Hauſes. 

Wer das Werk zur Hand hat, iſt vielleicht ſo 


freundlich, nachzuſehen und das Ergebniß mitzutheilen. 


10) Unerledigt iſt ferner geblieben die Frage nach 
dem Geburtstage der 1576 geborenen Frau Agnes, geb. 
Gräfin zu Eberſtein, Schenkin v. Tautenberg. 

11) Ebenſo hat der Todestag der 1657 geſtorbenen 


85 


| 
| 


\ Solms, Burggräfin zu 
Dohna, nicht feſtgeſtellt werden können. 

12) Dagegen ſind die Fragen in Bezug auf Frau 
Maria Magdalene, geb. Gräfin zu Waldeck, Gräfin zur 
Lippe, völlig erledigt worden 

Ihre Eltern waren nämlich: Graf Chriſtian (v. 
W.: Chriſtoph, was wohl nur ein Schreibfehler) von 
Waldeck-Eiſenberg (neue wildunger Linie) und Frau 
Eliſabeth geb. Gräfin v. Naſſau-Siegen, als deren älte— 
ſtes Kind Maria Magd. am 27. April 1606 (nach Cohn 
Tfl. 160) geb. wurde. Sie wurde an ihrem Geburts- 
tage 27. Apr. 1623 die 2. Gem. von Simon VII., 
Grafen von Lippe, durch deſſen am 26. März 1627 
erfolgten Tod ſie Wittwe wurde. Sie ſtarb, was den 
freundlichen Berichterſtattern unbekannt geblieben, am 
28. Mai 1671, (ef. Cohn Tfl. 160.) 

Ich erlaube mir hier noch die Bemerkung, daß in 
Bezug auf der Maria Magd. Mutter, Eliſab. Gräfin v. 
Naſſau-Siegen, auf Tfl. 136 bei Cohn Folgendes nach— 
zutragen iſt: Der Eliſabeth Vermählungstag iſt nach 
Tfl. 160 der 18. Novbr. 1604; ihr Tod fällt auf den 
26. Juli 1064, 

Ebenſo iſt in Bezug auf ihren Gemahl Graf Chri— 
ſtian die auf Tfl. 136 ſich findende Angabe, er ſei im 
März 1638 geſtorben, zu berichtigen, da er nach Ffl. 
160 am 31. Dec. 1637 ſtarb. 


13) Die Fragen hinſichtlich „Frau Urſula Marie, 
Gräfin zu Weißenburg, Erbmarſchallin“ find unbeant— 
wortet geblieben. Herr v. d. G. ſchreibt: „Grafen von 
Weißenburg ſind mir nicht bekannt,“ und' Herr Graf 
v. W. ſagt: „Dieſe Frage wird Niemand beantworten 
können, da es Grafen von Weißenburg gar nie gege— 
ben hat.“ 5 \ 

Somit haben wir anzunehmen, daß der Titel „Grä⸗ 
fin“ in dem Mitglieder⸗Verzeichniß der tugendlichen Ge— 
ſellſchaft dieſer Dame irriger Weiſe gegeben, folglich zu 
ſtreichen iſt. 

Die von Herrn Grafen v. W. notirte „Erbmar— 
ſchallin Urſula Maria, geb. 1558, Schweſter des Kriegs⸗ 
helden Gottfried Heinrich von Pappenheim“ dürfte hier 
wohl nicht in Betracht kommen. Oder läßt ſich nach— 
weiſen, daß dieſe Dame nach dem 4. Juli 1630 geſtor⸗ 
ben iſt? An dieſem Tage erfolgte nämlich die Auf⸗ 
nahme der Erbmarſchallin Urſula Maria v. Weißenburg 
in jenen Damenorden, und letztere muß etwa um 1640 
— 1642 geſtorben ſein, da an ihre Stelle die 1627 ge⸗ 
borene Fürſtin Sophie von Anhalt-Plötzkau trat, deren 
Erwählung 1643, ſpäteſtens 1644 erfolgte. 


14 und 15) Ueber die Fürſtinnen Eliſab. Eleonore 
und Sophie Agnes v. Radzivil hat ſich Nichts feſtſtellen 
laſſen. Hr. Graf v. W. u. Hr. B. notiren als Kinder 
Nicolaus IV. + 1596 und feiner Gemahlin Eliſabeth 
Szialowicka eine Eliſabeth, deren Gemahl Nicolaus 
Mielecky und eine Sophia deren Gemahl Achaz Zema 
war. Dieſe dürften aber hier unberückſichtig bleiben 
müſſen. — Das gilt ſicherlich auch von den beiden anderen 
Fürſtinnen Eliſabeth, der Tochter des F. Chriſtoph (+ 
1604) und des F. Nic. Chriſtoph (+ 1616.) 

16) Auch die Frage über „Frau Catharina, Herrin 


86 


zu Stubenberg, geb. Kinski,“ welche am 14. 
in den Orden aufgenommen wurde, iſt noch unerledigt. 
Weitere freundliche Mittheilungen werde ich mit 
herzlichſtem Dank entgegen nehmen. i 
Nutha bei Zerbſt. (Anhalt.) 
Th. Stenzel, Paſtor. 


Titeratur. 


Fortſetzung aus Nr 11. 


16) v. Embden: urkundlich ſeit 1162; Stammſitz gl. 
Namens bei Neuhaldensleben; ein Zweig nach Livland gezogen. 
+ anſcheinend im 17. Jahrh. W.: Spitze, darin eine geſpaltene 
Lilie; begleitet von 2 Roſen; Helm: Schaft mit Hahnfedern, 
begleitet von einer Roſe und der halben Lilie. 17) v. Gittelde. 
Drei Familien zu unterſcheiden; a) Magdeburger Patrizier; 
W.;: Zelt auf Schild und Helm. b) Die mit den Schlüſſeln 
im W. (Siebm. I. 181.) + 1614 iſt nicht zum Halberſtädter 
Stiftsadel zu rechnen, wohl aber c) die mit folgendem W.: 
Schild geſpalten, vorn viermal quergetheilt, hinten halbe Roſe; 
+ 14. oder 15. Jahrh. 18) v. Hacke — die Merſeburger, im 
18. Jahrh. ausgeſtorbene Familie. W.: Schrägbalken, mit 3 
Eicheln (Eiſenhütchen?) belegt.) 19) v. Hagen gen. Geiſt, ſeit 
Anf. des 15. Jahrh. im Halberſtädtiſchen begütert; + Ende 
vor saec.®.: 3 ſch. Widderhörner in g; Helm: Pfauenſchweif. 
20. v. d. Helle. W.: Sonne oder Roſe; + Mitte 16. saec. 
20) Grafen v. Hohnſtein, T 1593. W.: Schach von r. und 
w; Helm: r. Hirſchgeweih. 22) v. Hordorf; Stammſitz im 
Stift Halberſtadt, urkundlich ſeit dem 12. Jahrh., + 1649. 
Wappen: eine Ente auf Schild u. Helm. 23) v. Hornhauſen; 
Stammſitz gleichen Namens ebendaſelbſt; urk ſeit 1102, 7 
um 1612, W.: drei ſch. Widderhörner auf g. (v. Geiſt, v. 
Neindorf.) 24) v. Kißleben; Stammſitz gl. N. im Braun⸗ 
ſchweigiſchen; + 1782 W.: Siebm. I. 152. 25) v. Kneit— 


lingen; Stammſitz gl. N. ebenda; 1 1739. W.: Schild: zwei 


w. Balken in ſch. Helm: 6 Aehren oder Pfeile. 26) v. Knup⸗ 
lau: urkundl. ſeit 1363; + 1706. W.: halber Lowe im Schilde, 
und auf dem Helm vor 3 Straußfedern 27) v. Krebs; 
Halberſtädter Stiftsritter ſeit dem Anf. des 14 Jahrh. Urk 
ſeit 1273. + Anfang dieſes Jahrh., worauf Stamm und 
Wappen an die v. Dewitz überging. W.: ſehr variirend: 
bald zwei r. Krebsſcheeren in w., bald ein aufgerichteter r 
Krebs, bald eine Krebsſcheere in verſchiedenen Stellungen, 
bald zwei ſch. Krebſe übereinander in g. Zuletzt: im Sch. 1 
Krebs, auf dem Helm fünf Strauß'edern. — 28) v. Kreyen- 
dorf, (Crendorp) urkundl. ſeit 1289, 1 im 17. saec. W.: 
Pfahl (oft nach innen ausgeſchweift) von zwei klimmenden 
Krähen beſeitet. 


Schluß im 3. Heft derſelben Zeitſchrift. 

29) von Knipping; urk ſeit 1312, auch im Magdeburgiſchen. 
+ um 1650. Verſchieden von denen von Kn. in der Grafſch Mark, 
obwohl das W. weſtphäliſchen Typus hat: ſchräggegitterter Schild; 
derſelbe auf dem Helm zwiſchen 2 Buffelhörnern 30) die Grafen 
von Mansfeld; T 1780 — 31) von Meiſtorf; Stammſitz Meisdorf 
am Harz; urf. ſeit Mitte des 12. Jahrhunderts; r um 1500 W: 
im Sch. ein Federwedel, H.: drei ſolche. 32) von Mortz; Lünebur- 
giſchen Urſprungs + im 16. Jahrh indert. W.: Zwei querlie⸗ 
gende Jagdhörner im Schilde. 33) v. Moſigkau; Stammſitz gl. 
N. in Anhalt; urk. ſeit 1363 + 1743. W.: urſprünglich ein Pfahl 


„) Helm: auf eine Ecke geſtelltes rautenförmiges Kiffen. 


Juli 1630 ſpäter (als Vaſallen der Edlen von Barby) Hundekopf im Schilde 


und — zwiſchen 2 Federn — auf dem Helm. 34) von Neuſtadt; 
Merſeburgiſcher Abkunft, ſeit dem 14. Jahrhundert urf, bek.; 

Anf. des 17. Jahrh. W.: im Sch. ein Schrägbalken; H.: 3 Stäbe 
mit Schellen oder Ringen beſetzt, oder drei Spieße. 35) v. Ochlitz, 
urk. ſeit 1291. + nach 1571. W.: 3 Wolfsköpfe; H.: Wolf. 36) 
von Odeleben; nicht genau feſtzuſtellen zu welcher der verſchiedenen 
Familien d. N. die von 1481 bis zum 16. Jahrhundert im Halber⸗ 
ſtädtiſchen vorkommenden v. O. zu zählen find. 37) von Rath⸗ 
gebe; ſeit dem 14. Jahrhundert am Harze auftretend; T um 1515. 
W.: ähnlich wie das von Barſewiſch; ein von 3 Kleeblättern bes 
gleiteter, mit einem Fiſch belegter Schrägbalken; al. nur der Fiſch 
im Schilde. 38) von Rautenberg, Braunſchweiger Abſtammung, urk. 
ſeit dem 12 Jahrhundert; + 1647. W. Siebm. I., 182. 39) von 
Rottorff; urk. 1182; ein Zweig im Mansfeldiſchenz + End. 17. Jahrh. 
W.: Anker H.: Haynfederbuſch. 40) von Ruſteleben, Stammſitz 
Roßleben in Thüringen; dort ſeit Anfang des 13. Jahrh. im Hal⸗ 
berſtädtiſchen ſeit dem 15. Jahrh. F 1. Hälfte 16. saec. W.: Ro⸗ 
ſenkranz, darüber drei mit den Spitzen zuſammenſtoßende Schwer— 
ter; dieſelben (in variirender Stellung) auf dem Helm. 41) von 
Sampleben; Braunſchw. Uradel; 7 1587. W.: Siebm. I. 183. 
42) Schenk (von Flechtingeu) Erbſchenken im Stift Halberſtadt; 
urk. ſeit 1196; 7 in der 1. Hälfte dieſes Jahrh.; aber durch Adop⸗ 
tion fortgeſetzt. W.: Siebm. I. 175. 44) von Schladen; urk. ſeit 
1429. W.: 2 geſtürzte Biſchofsſtäbe; H.: Kreuz. 45) von Schlan⸗ 
newitz; wüſter Stammſitz bei Calbe a. S. urk. ſeit 1288, + 1583 
W.: Schweinerumpf im Schilde. 46) von Seggerde; Stammſitz gl. N. 
bei Heumſtedt; urk. ſeit 1224; J nach 1614. W: im Schilde ein 
halber Löwe, Helm: 3 Federn. 47) v. Spiegel: nicht die Weſtfä⸗ 
liſchen, die noch Meiſſen ſchen v. S., ſondern die eingebornen, ſeit 
dem 12 bis 16. Jahrh. blühenden; W : Siebm. I. 179. 48) v 
Stockheim, im 15. Jahrh. im Halberſtädtiſchen belehnt, ſpäter im 
Erzſtift Magdeburg. W.: vermuthlich: zwei geſchrägte Pfeile; 
H.: 2 Straußfedern. 49) v Thaus (Daus, Taus,) urk. 1247, + 
um 1570. W.: a) zwei Flügel, b) eine Pickelhaube neben hohem 
Hute mit abhangender Schnur; alſo vielleicht zwei verſchiedene 
Familien. 50) v. Tobel: dunkeln Urſprun s; ſeit dem 15. 
Jahrh im Stift Halberſtadt, von dort anſcheinend nach der Neumark ge⸗ 
zogen, daſelbſt 1639 7 W.: im Sch ein Flügel; H.: hoher Hut mit 
Hahnfederbuſch. 51) v. Vitzenhagen: der Gfeſch. Falkenſtein entſproſſen; 
urk. ſeit 1299, F um 1700. W.: w. Pfahl in r. H. r. hoher 
Hut, mit dem Pfahl belegt und w. geſtülpt, mit Hahnfederbuſch 
52) v. Wed dingen; Magdeb: Adel; urk. 1197, F 1651. W. im 
Schilde ſchrägr. aufwärts gelegter Pfeil, beiderſeits mit herabhan⸗ 
gendem Flügel beſteckt. H.: geſchl. Flug 53. v. Weferlingen; 
Stammſitz gl. N. bei Schöppenſtedt in Braunſchweig; urk. ſeit Ende 
12. saee., 7 in der 2. Hälfte des vor. Jahrh. W.: Siebm' J. 181. 
54) v. Wegeleben; Stammſitz gl. N. bei Quedlinburg; urk. 1259, 
+ um 1500. W : Siebm. J. 159, aber richtiger Helm: 3 Strauß⸗ 
federn. 55) v. Wenden, Braunſch: Uradel; urk. ſeit Mitte des 12. 
Jahrh., + 1595. W.: Siebm. 1. 181; auch variirend. 56) Edle v. 
Warberg; gleichsfalls Braunſchweiger; urk. ſeit dem 12. Jahrh; 9 5 


1654 W.: Haſelwurzſtaude mit zwei emporſtehenden Blättern; H.: 


variirend: 3 Straußfedern, Schirmbrett, Pfauenſchweif. 57) von 
Werle; ebenfalls Braunſchw. Urſprungs, urk. 1211 7 1587. W.: 3 
g. Anker in 1 3 H.: drei oder vier Straußfedern 58) von Wobeck; 
Seit 1334 — 1641 im Halberſtädtiſchen. W.: urſprünglich querliegen⸗ 
des Büffelhorn, oben mit Federchen oder Knöpfchen beſteckt; Helm: 2 
dergleichen; ſpäter unter dem Horn ein oben mit 4 Straußfedern be⸗ 
ſteckter Ring; H.: 8 Straußfedern 59) von Wranpe; Urſp. unbekannt; — 
im Halberſtädtiſchen ſeit 1420, + Anf. 17 Jahrh W.: verſchieden⸗ 
artig; im Sch. drei 2zinkige Gabeleiſen 2. 1. al. 1. 2., al. drei⸗ 
zinkige, al. ganze Gabeln; H.: aufgerichtete Gabel, oder dieſelbe 
zwiſchen 2 Büffelhörnern; al. 4 oder 5 Hahnfedern. 


Inhalts⸗Verzeichniß: 


An die Abonnenten. — Zur Beantwortung der An⸗ 


frage . — Beiträge zur Genealogie Rheiniſcher Familien. — 
Literatur. — 


Beiträge zur Genealogie rheiniſcher 
Familien. 


Vom Frhrn. v. Vorſt⸗Gudenau. 
Fortſetzung. 

Roiſt von Weers. 

Es iſt ein ganz allgemein verbreiteter und ſelbſt noch von 
neueren Genealogen (auch Fahne I) feſtgehaltener Irrthum, daß 
die heutigen Grafen Sweerts von Sporck eines Stammes mit 
den Roiſt von Weers ſeien. — Ihr urſprünglicher Name iſt 
aber nicht Roiſt ſondern Reiſt, und da die von Reiſt ſich auch 
Reiſt von Weert ſchrieben, hat dieſe doppelte Namensähnlichkeit 
um ſo ſicherer zu obigem Irrthume geführt. — Des Namens 
Sweerts gab es übrigens, ſoviel mir bekannt, zwei Familien in 
den Niederlanden: die Genealogie der einen hat Dumont im 
zweiten Bande ſeiner „Fragments“ gegeben, von der anderen 
habe ich nur einzelne Perſonen finden können. In die Familie 
Reiſt kam der Name Sweerts erſt gegen 1625 durch Heirath 
reſp. Adoption. — 

Die Genealogie der Roiſt von Weers, wie fie Fahne mit- 
theilt, iſt nicht ganz Ban fie iſt nach Lacomblet's „Archiv“ 
Band V. Abtheilung 2 zu ergänzen und zu berichtigen. — 

In dem genannten vortrefflichen Buche finden ſich außer⸗ 
dem ſehr viele wichtige bisher unbekannte genealogiſche Notizen 
namentlich über die Familien Caleum genannt Lohauſen, 
Gruithauſen, Spies von Büllesheim und Weiß. — 


Segrath. 

Von dieſem wohl urſprünglich Aachener, ſpäter in Lüttich 
und Limburg weit verbreiteten Geſchlecht, finde ich folgendes 
genealogiſche Bruchſtück: 

I. N. von Segrath, heirathete N. von Eyll. — 

II. Alard von Segrath, heirathete Anna von Hochkirchen, — 
Tochter von Edmund von Hochkirchen zu Schirzel aus 
erſter Ehe mit N. von Zievel. — Beide lebten 1580. — 
Heinrich von Segrath, heirathete Anna von Kerchem, 
Tochter von Adam und Anna von Horion. 

Alexander von Segrath, heirathete um 1630 Eliſabeth 
von Eynatten, Tochter von Ludwig und Johanna von 
Thys, Erbin zu Thys. Alexanders acht Ahnen ſind: 
Segrath, Eyll, Hochkirchen, Zievel, Kerken, Wald, Ho: 
rion, Merode. 

V. a) Eliſabeth von Segrath, heirathete N. 

Wilbringhoven. 

b) Stefan Theodor Freiherr von Segrath, Herr zu Rus 
lingen, grand bailli de Hesbaye, lebte 1680 u. 
heirathete Anna Franziska von Hemricourt, Tochter von 
Richard und Maria Eliſabeth Royer genannt von Bous 
vegniſter. 

VI. a) Maria Angelica von Segrath vermählt mit Franz Johann 
von Lonein Herr zu Flémalle. — 

b) Thereſe, heirathete Chriſtian Friedrich von Bonloun. — 

c) Anna Margaretha, heirathete Johann Hyaeinth von 
Couwenhoven zu Winxelles. 

d) Richard Freiherr von Segrath, Herr zu Rulingen, hei⸗ 
rathete Chriſtine Margaretha von Voordt, Tochter von 


III. 


IV. 


von Orjo zu 


87 


VII. a) Conſtanzia von Segrath, 


0/00/00 / T ll ee 


Peter Nikolaus von Voordt und Eva Sibylla von Pütlynck. 


ſtarb 1774 als Nonne im 
Kloſter Herckenrode. — 

b) N. N. Sohn, Herr zu Rulingen; von dem ich nicht 
weiß ob er verheirathet war u. Nachkommen hatte. 

c) Anna Franziska, heirathete Peter Anton von Thiribu; 
aus dieſer Ehe ſtammt unter anderen eine Tochter Iſa⸗ 
bella Thereſe Erneſtine, vermählt mit Philipp Robert 
Ernft Grafen von Arſchot-Schoonhoven, deſſen Tochter 
Thereſe Angelica Philippine (geboren 1767 geſtorben 
1836) ſich 1794 mit Ludwig Grafen von Hompeſch⸗ 
Rurich vermählte. — 

Die Ahnen des sub. VI. erwähnten Freiherrn Richard 
von Segrath ſind: Segrath, Kerckem, Eynatten, Thys, Hem⸗ 
ricourt, Nollens, Bouvegniſter u. Noiron. — 

Ich bemerke noch, daß in den letzteren Zeiten die Schreib- 
art Zegraedt die gewöhnliche war. — Das Wappen zeigt drei 
(2, 1) gelbe Ringe in ſchwarz. 


Steprath. 
J. N. von Steprath, heirathete N. von Wylich. 
II. N. von Steprath, heirathete Sibylla von Schidderich. 
III. N. von Steprath, heirathete Agnes von Dornick, deren 
Mutter eine Bemmel. 
IV. ) Sibylla, heirathete Johann von Sallant. 
2) Heinrich Herr zu Dodenthal, heirathete Catharina von 
Geldern zu Argen, Tochter von Rainer und Aleydis 
Schenk von Nidecken. 


V. Rainer von Steprath Herr zu Dodenthal, Indornick, 
Walbeck, Twiſtede und Gruntfort, heirathete Johanna 
Vorſt von Dorrenwerth, Töchter von Johann u. Maria 
von Wittenhorſt. — 


VI. 1) Johann, deſſen Descendenz unten folgt. — 


2) Dietrich; ſeine Descendenz folgt nach der ſeines Bruders 
Johann. — 


3) Joſt, heirathete Johanna von Biſſen. 
4) Agnes, heirathete Johann von Rechtern genannt Voorſt. 
bee heirathete Caspar von Meerwyk Herrn zu 


Keſſel. — 
6) Alexandrine, Deirathete 1611 Anton von Lynden zu 
Croonenburg, Loenen ee. 


Johann von Steprath, Herr zu Indornick und Dodenthal, 
hinterließ von Maria von Dorth (Tochter von Johann und 
Johanna von Weeze) folgenden Sohn: 

VII. Dietrich von Steprath, Herr zu Indornick und Doden⸗ 
thal, heirathete Sofia von Iſendoorn, Erbin zu Lathum 
und Loo, Tochter von Walter von Iſendoorn zu Lathum 
und Margareth von Rechtern genannt Voorſt Erbin zu 
Schoonderbeeck und Loo. 

VIII. 1) Margaretha Erbin zu Indornick heirathete Franz von 
Lynden zu Croonenburg, Loenen ꝛc. Ihre Tochter Sofia 
Helwigh von Lynden, Erbin zu Indornick (geſtorben 1717) 
heirathete Rainer Johann von Steprath, Herrn zu Twi⸗ 
ſtede und Walbeck, (ſiehe unten). — 

2) Johanna Maria heirathete Wilhelm von Dornick; ihr 

Sohn Johann Carſilius heirathete Sm Maria von 

Steprath zu Walbeck, (ſiehe unten). 

Dietrich von Steprath, zweiter Sohn Rainer's, (fiehe oben) 


3% 


— ä— —ů—k 


| 
| 


V.) erhielt Walbeck und Twiſtede und heirathete Johanna 
Maria von Dornick (Tochter von Johann und Sofia von 
der Capellen). Sein Sohn: 


VII. Rainer Johann von Steprath, Herr z Walbeck und 


Twiſtede, geldriſcher Rath, heirathete Sofia Helwigh von | 


Lynden, (geftorben 1717) Erbin zu Indornick, (ſiehe oben). — 


VIII. 1) Johanna Maria von Steprath, Erbin zu Walbeck, 
heirathete Johann Carſilius von Dornick, (ſiehe oben). 
2) Margareth Eliſabeth Sofia, Stiftsdame zu Münſter⸗ 
bilſen, heirathete Maximilian Heinrich von Rneſſe zu 
S'Heeren -Eldern, Masnuy ſtarb 31. Mai 
6 


Bergh von Trips. 


Der Anfang der Genealogie dieſes Hauſes wie Fahne J. 
429 denſelben giebt, iſt nicht ganz vollſtändig und außerdem 
durch einige Druckfehler entſtellt. 

1. N. von Bergh. — 

II. 1) Goswin folgt unten. — 

2) Heinrich, 1323 Schöffe zu Maeſtricht. hinterließ: 

a) Dietrich, erſter Geiſtlicher an einer von ſeinen Schweſtern 

zu Maeſtricht gegründeten Capelle. Er lebte noch 1360. 
b) Caeeilia senior. — 
c) Caeeilia junior. — 
Goswin von Bergh lebte 1319 und heirathete eine von 
Schönforſt. — 
III. 1) Rainer folgt unten. — 
2) Tholet von Bergh genannt von der Gracht. 
3) Gottfried lebte 1361. 
4) Tochter N. N. heirathete Arnold von Zievel. 
5) Catharina. — 
Rainer von Bergh kommt in den Jahren 1346 — 1383 ſehr 
häufig in verſchiedenen Urkunden vor. Von N. von Greven— 
broich hinterließ er: 
IV. 1) Adam, heirathete erſtens N. N. (von Grevenbroich?) 
und zweitens Agnes von Palant, Tochter von Daniel u. 
Eliſabeth de la Saulx. Aus zweiter Ehe ſtammen: 
a) Catharina, heirathete am 26. Juni 1383 Arnold von 
Merwede, Mitherrn zu Limburg bei Sittard. 

b) Agnes, heirathete am 23. Dezember 1388 Johann von 
Hülsberg genannt von Schlaun. — 

2) Dietrich, folgt unten. — 

3) Tochter N. N. heirathete Werner von Dave, Herrn zu 
Ligny, (Sohn von Guy u. Jutta von Wewelinghofen). — 

4) Rainer, kommt zuerſt 1387 vor, zuletzt 1418, in welchem 
Jahre er ſtarb. 404 beſaß er mit ſeiner Frau Jo— 
hanna von Wedergraet das Haus Hardenſtein, welches 
beiden Eheleuten durch Rainer von Schönforſt über— 
tragen worden war. Rainer von Bergh und Johanna 
von Wedergraet hinterließen einen Sohn Bernhard, über 
den Nichts vorliegt. — 

Dietrich von Bergh, Herr zu Mertzenhoven, Burgvogt zu 
Limburg (bei Sittard) und Daelheim wird in Urkunden von 
1376 — 1394 häufig erwähnt. Seine Gemahlin war eine 
Tochter Gerhard's von Fraypont, u. der Aleydis von Maton. — 
V. 1) Adam von Bergh, folgt unten. 


2 
2c, Ole 


2) Rainer von Bergh, Herr zu Mertzenhoven, 
1394, zuletzt 1441 erwähnt; 1451 war er nicht mehr am 
Leben. Er hat zweimal geheirathet; erſteus Catharina von 
Dongelberghe, Erbin zu Libermé und Mareinelle, und 
zweitens Johanna von Drongelen. Dieſe behielt als Wittwe 
Mertzenhoven, verkaufte es aber 1451 an Faſtré Surlet de 
Chokier. (Cfr. unten). — 

Rainer's von Bergh Kinder erſter Ehe: 

a) ) Dietrich, ſtarb vor 1451. — 

b) Sohn N. N., ſtarb jung. — 

c) Tochter N. N., heirathete circa 1440 Wil helm (nicht 
Gottfried) von Khenemont, 


3) Tochter N. N., heirathete Rolmann von Arenthal. Aus 
dieſer Ehe au unter Anderem Iſabella von Arenthal, 
welche ſich mit Faſtré Surlet de Chokier, nachmaligem Herrn 
zu Mertzenhoven und mehrmaligem Bürgermeiſter von Lüttich, 
vermählte. 


Adam von Bergh heirathete Johanna von Lynden, Tochter 
von Stefan Herr zu Alſt und Iſabella von Hoewen zu Boe⸗ 
delenham und Muſſenberg. Adam lieh dem Arnold von Mer: 
wede u. Steyn, Herrn zu Limburg, große Summen Geldes u. 
wurde ſo anfangs Pfandherr und ſpäter gegen 1423 wirklicher 
Beſitzer des genannten Schloſſes Limburg. — 


VI. 1) Wilhelm von Bergh, hetvathete am 4. Jänner 1446 
Margaretha von Palant, Erbin zu Trips, Tochter von 
Carſil u. Agnes von Hoemen. In Bezug auf ihre Descen⸗ 
denz verweiſe ich auf Fahne. — 

2) Reinhard, 1446 Deutſchordens⸗Ritter. 

3) Agnes, heirathete vor 1426 Heinrich von Welkenhauſen, 
Herrn zu Clermont, und brachte ihm Limburg zu. Beide 
Eheleute lebten noch 1441. 


Gülpen. 

Nachträglich finde ich noch: 

Alard von Gülpen, der an der Spitze des genealogiſchen 
Fragments auf pag. 53 ſteht, hatte eine Schweſter Anna, die 
ſich mit einem von Hochkirchen vermählte. — Alard's Eltern 
waren Frambach von Gülpen, Herr zu Rosmelle, Ritter, und 
Maria von Smitſen. Alard ſtarb am 4. Februar 1495. Die 
Familie von Smitſen iſt ein ſehr wenig bekanntes Aachener Geſchlecht; 
es führte über einem leeren (gelben?) Felde ein, weißes 
Schildeshaupt und darin drei rothe Pfähle. — Jalheau hat 
ſtatt Smitſen „delle Smet“; dies iſt aber ein ganz anderes 
Geſchlecht. — 

Einzelne finde ich noch: Johann von Gülpen heirathete 
Johanna von Berlo. Letztere ſtarb 1389 mit Hinterlaſſung 
einer Tochter Henriette von Gülpen, welche ſich um 1370 mit 
einem von Mulken zu Hartfeld vermählte. Aus dieſer Ehe 
ſtammt Johanna Catharina von Mulken, Ehefrau des Peter 
von Cortenbach. Beide lebten 1415. 


wird zuerſt 


—— ESSENER 
Berichtigungen. S. 70. b., Z. 
Ibid. Z. 37 l. Wöttwarth ſt. 
Erwitte ſt. Erwille. Ibid. 
Altenhof ſt. Altendorf. 3. 12: 


30 v. o. l. Rade ſtatt Bade. 
Köllwarth. S. A 4 v. 9% J. 

3. 26 v. u. Broich ſt. Broiſch. 13: 

Friemerdorf ſt. Friemerdors. 


— 


Im Auftrage des obengenannten Vereins redigirt von Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, Regierungs⸗ Bezirk Magdeburg. 
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


| 
3 
| 
| 
j 
| 


“| 
| | 
| | 
DDeutſcher Herold, 

5 | J | 
| Monatsſchrift für Heraldik, Sphragiftik und Genealogie, | 
| | | | 
j Organ des Vereins für Siegel- und Wappenkunde zu Berlin. | 
| 
| 

Im Auftrage des Vereins redigirt 

Ad. M. Sidebrandt. 

2. Jahrgang. 

ee ee een — | 


Berlin. 
| 1871. 
Z:; ᷑̃ F f P» „ . „ 


Zu dem 2. Jahrgange des „Deutſchen Herold“ haben literariſche Beiträge gegeben 
die Herren: | 
Dr. A. Berger, Wien. 

Dr. A. Cohn, Göttingen. 

Dr. jur. Baron v. Fock, Berlin. 

M. Gritzner, Königl. Preuß. Lieutenant, Berlin. 

J. Grote, Kfhr., a. Schauen. 

Ad. M. Hildebrandt, Mieſte. 

Dr. C. Ritter v. Mayerfels, München. 

G. A. v. Mülverſtedt, Königl. Preuß. Archivrath und 

Staats⸗Archivar, Magdeburg. 

Dr. Th. Pyl, Greifswald. 

Dr. v. Querfurth, Oſchatz. 

K. Chl. Fhr. v. Reitzenſtein, St. Amarin im Elſaß. 
O. Ritter v. Schellerer, München. 

G. Seyler, Offenhauſen bei Hersbruck. 

F. Warnecke, Geh. Miniſt.⸗Secretair, Berlin. 


Ferner die Herren: F.-K., G. in Dresden, H., H. W., W. H. in Stralſund, H. v. 2, 
V., welche nicht näher genannt zu werden wünſchten. | 

Allen verehrten Mitarbeitern den herzlichſten Dank und die freundliche Bitte um ihre fer⸗ 
nere Thätigkeit! | 


Vach-Regiſter 


des zweiten Jahrgangs. 


1 


1) Nobilitirungen und Standeserhöhungen: — 
S. 21. 55. 61. 


2 Protokolle der Sitzungen des „Herold“: 


vom 7. Dezember 1870: LER 
„ 3 Januar 18717 5 A 
„ 7. Februar 8 ; OL, 
Mirz; . „„ 
„ 4. April „ 41. 
Nai . 5 . 
„ 6. Juni \ ; > 5 . 56. 
„ 5. September 8 ; 5 STIL 
o Pa 
„ 7. November. a N “87, 


3) Größere Auffäge und Abhandlungen: 


Altenberg, Wappen der Stadt . 0 \ 8 5 
Blaſonirung, über —, 

Deutſchen Farben, die, und der Reichzadler 

Berichtigung dazu ; 
Erwiderung auf Th. Stenzels 1 e 5 
Formen und Maaße der Siegel des Mittelalters . 89. 
Goslar, Siegel im Archiv zu —, 

Hagemeiſter, Urſprung und Wappen der Familien von, 05 
Hatzfeldſche Wappen, das —, 

Erwiderung darauf 

Fund alter Wappen⸗Holzſchnitz⸗ Arbeiten zu ae E 
Hausgenoſſen, die, in Bamberg 

Hund, Bayriſch Stammbuch, III. Th. 


Landeshoheiten. 5 f ; 5 1 i . 56 
Erwiderung darauf 99725 
Matrikel der Brandenb.⸗ Preußiſchen Standezer 

höhungen. 4. 17. 29. 50. 5 69. 74. 84. 


Schwarzenberg und Seinsheim 


Seinsheim und Schwarzenberg . . 69. 


Erwiderung dam, 33. 
Sigillum laudabilis muneris roraffici . 8 36. 
Städtewappen, deutſche in der Sachſenchronik. 6. 12. 23. 58. 80. 
Verzeichniß der Mitglieder des Herold 1 85. 
Vorwort. 55 15 
Waldſtromer und Peller von Schopperäbef, PR 
der Geſchlechter W g . 14. 
Wappen, die einfachiten . A - a 
Wappen» oder Siegelentſtellungen 45. 
Erwider ungdarauf (Anticritica) . ; 5 4 70. 
Wittekinds des Großen Wappen 44. 
naß dan Te De) 


4) Kleine Artikel und Miscellen: 


Deutſches Reichs-Wappen 
Heraldiſche Technik 


Heußlein v. Euſſenheim und Pellet von Schopperehof 


Kriege erloſchene Geſchlechter . g 4 
Redende Wappen . 
v. Schönberg'ſche Stammbuchblätter 
Siegelrecht 5 5 5 
Smitner⸗Löſchner'ſche Seesen 5 5 


Städtewappen in der Sachſenchronik, Bemerkungen dazu 


Standeserhebungen, die letzten im alten Deutſcheu Reich 
Steengracht, Frhr., Abſtammung der —, 1 5 
Tiſch mit Wappen des D. Reiches 
Wappenbücher und heraldiſche Manuſcripte 
Zuſatz zum Protocoll vom 2. März 1870. 


5) Necrologe: 


Dr. A. Kohn + . . „ * * * * * 
Thomas Birnböck . „ ; 5 Ce 


34. 
35. 


6) Literatur, Auszüge aus Zeitſchriften und 
Beſprechungen neuer Werke: 


Anzeiger für Kunde der Deutſchen Vorzeit. 
Archiv f. Geſchichte ꝛc. von Oberfranken. 

5 ij von Unterfranken. g 
Bülow, Geſch. des Wappens des Geſchlechts v. —, 
Correſpondenzblatt. 

Deutſches Kaiſerwappen. 

Doppeladler und Schwarz-Gold- Roth 
Geſchichts⸗Blätter für Stadt u. Land Magdeburg 
Heraldiſch⸗Genealogiſche Zeitſchrift. 

Homeyer, Haus- und Hofmarken 

Illkirch und Königshofen 

Mittheilungen d. voigtl. alterth. Vereins 
Mittelalter⸗Siegel aus dem Erzſtift Magdeburg 
Neue Mittheilungen ꝛc. 

Numismat. Zeitung. 4 ; 
Oſterland, die en. Adels: Familie dein . 


Antworten auf Anfragen: 


Prittwitz, das Adelsgeſchlecht v.—, 
Röder, Stammbaum derer v. —, . 
Saurma, Geſchichte des Geſchlechts v. —, 

„ Stammtafeln der v.—, 
Staatsanzeiger, Königl. Preuß., 
Staatswappen aller Länder der Erde 8 
Stillfried⸗Rattonitz, Geſch. Nachr. vom Geſchlecht ı v.—, 
Tſchammer, Geſch der freiherrl. Familie v —, 
Verzeichniß von Monographien z. Geſch. adl. Geſchl. 
Vorſt, Genealogie der Familie v. d. —, 


Weber, die Kunſt des Bildformens und Gypegießens 
| Wochenblatt des Sohanniter-Drdend 


Wappentafel Deutſcher Städte 


Würtembergiſche Jahrbücher 
Zeitſchrift d. Geſellſch. f. d. Geſch. d. 1 Schleswig Holſtein 48. 


7) Anfragen: S. 14. 27. 38. 40. 60. 78. 83. 97.98. 
15. 39. 60. 70. 


8) Herald. Bibliographie: S. 8. 15. 28. 40.49. 78. 


ſchehen. 


2 


Monatsſchriſt für Heraldik, e 


ET Sphragiſtik und Genealogie. 


Organ des Vereins für Siegel- und Mappen-Kunde zu Berlin. 


Erſcheint monatl. einmal 2—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile 


Ar. 1. 


SF Berlin, im Januar 1871. SIG 


2. Jahrgang. 


Vorwort. 
Mit vorliegender Nr. beginnt der „Deutſche Herold“ 


ſeinen zweiten Jahrgang. Als wir im Februar des nun 


verfloſſenen Jahres mit der Herausgabe eines ſpeciell 
den Intereſſen der Heraldik gewidmeten Organes vor— 
gingen, konnte dies nicht ohne manche Beſorgniß ge— 
n. Das dringende Bedürfniß nach einem Organ 
für die deutſchen Heraldiker war zwaroft geäußert; doch ſchien 
es bedenklich, ob man ſich allgemein ſo dafür intereſſiren werde, 
um ſowohl die Exiſtenz des Blattes zu ſichern, als auch 
die nöthige Verſchiedenartigkeit des Inhalts zu ermög— 
lichen. Zu unſerer großen Freude ſind dieſe Befürch— 
tungen nicht gerechtfertigt worden; die Probenummer 


war binnen kurzer Zeit vergriffen, ſo daß eine zweite 
8 5 


Auflage derſelben erforderlich ward, und bald hatte ſich 
der „D. H“. eines Kreiſes von Abonnenten zu erfreuen, 
der die gehegten Erwartungen übertraf, und aus deſſen 
Mitte der Nedaction zahlreiche beiſtimmende und ermun— 
ternde Zuſchriften zugingen. Auch Mitarbeiter fanden 
ſich bald ein, ſo daß es möglich wurde, im Inhalt den 
verſchiedenen Wünſchen der Leſer entgegenzukommen; 
wie das Inhaltsverzeichniß der letzten Nr. zeigt. 

Im Ganzen kann überhaupt das verfloſſene Jahr 
als ein unſeren Beſtrebungen förderliches bezeichnet werden: 
auf allen Gebieten zeigte ſich reger Eifer und frucht— 

bringendes Gedeihen! Die beſtehenden Vereine, welche 
ganz oder theilweiſe der Pflege unſerer Wiſſenſchaft ſich 
widmen, — die Neubildung eines heraldiſchen Vereins 
für die Oeſterreichiſch⸗Ungariſche Monarchie haben wir be: 
reits vor einigen Monaten mit Freuden begrüßt — ent— 
wickelten eine lebhafte und gedeihliche Thätigkeit, und die 
Zahl der Mitglieder war bisher ſtets im Zunehmen be— 


griffen; die heraldiſche Literatur iſt durch zahlreiche neue, 
größtentheils gediegene Werke vermehrt worden, von 
denen wir beſonders die Geſchichten der alten Geſchlechter 
v. Schönberg, v. Oeynhauſen und v. Blücher, ſowie 
das „Siegelrecht des Mittelalters“ von Dr. K. L. und 
das Wappenbuch der Städte Schleſiens vom Frhn. Saurmg 


erwähnen; über dieſe und ähnliche literariſche Erſchek n 


nungen iſt bereits in eingehenderer Weiſe berichtet worden. 
Wir dürfen feſt erwarten, daß auch das jetzt anbrechende 
Jahr ein dem Stande unſerer Wiſſenſchaft günſtiges ſein 
wird; verſchiedene Publicationen von Wichtigkeit ſtehen in 
Ausſicht. Möge denn anch unſerem Herold eine gedeihliche 
Zukunft beſchieden ſein! 

Allen bisherigen Gönnern u. Freunden dieſer Zeit— 
ſchrift jet die dringende Bitte freundlich ans Herz ge— 
legt, auch fernerhin derſelben ihr Wohlwollen zu erhalten 
und ſie namentlich durch Mittheilungen aller Art 
zu unterſtützen. Letztere Bitte ergeht namentlich an 
die geehrten Vorſtände der deutſchen Geſchichts- und 
Alterthumsvereine, von denen leider bisher nur wenige 
auf den ihnen vorgeſchlagenen Schriftenaustauſch einge— 
gangen ſind, der von jetzt ab, nachdem der buchhändle— 
riſche Vertrieb unſeres Vereinsblattes begonnen hat, um 
ſo mehr erleichtert iſt. 


Auszug aus dem Sitzungs-Vrotoſtoll des 
„Herold“ vom 7. Dezember 1870. 


Nachdem der Vorſitzende, Baron von Linſtow, angezeigt 
hatte, der heutigen Verſammlung nicht beiwohnen zu können, 
wurde die Sitzung vom Schriftführer eröffnet. 5 

Zunächſt erfolgte die Vorleſung des Protokolls vom 3. 
v. Mts., die der eingegangenen Schreiben neu aufgenommener 


Mitglieder und anderweiter Eingänge, von denen mehrere zur 
näheren Beſprechung Veranlaſſung gaben. So war von dem 
Kreis⸗Gerichtsrath Hagemeiſter zu Stralſund 

1) angefragt: Wie ſich die in Ledebur's Adelslexikon 
bei der Familie Hagemeiſter befindliche Notiz, dieſelbe ſei 1660 
im Beſitze von Steinfurth geweſen, beweiſen laſſe — eine 
Frage, deren genügende Beantwortung vorbehalten bleiben 
mußte, und 

2) bemerkt: daß ſich für den Forſcher als ein ſehr emp— 
findlicher Mangel die theilweiſe Unbrauchbarkeit der älteren 
Kirchenbücher herausſtelle. Einestheils exiſtirten dieſelben nur 
in einem Exemplare, kämen deshalb häufig abhanden, oder 
würden durch Feuer vernichtet, anderntheils entbehrten die vor- 
handenen meiſt der Regiſter und ſeien ſomit faſt unbenutzbar. 

Bei der größeren Bedeutung, welche die Beſchaffung kirch— 
licher Daten in Lehns⸗, Fideicommiß- und Stiftungs-Angele⸗ 
genheiten, ſowie bei einfachen Erbfällen hat, hielt man auch 
vereinsſeitig für höchſt wünſchenswerth, daß die alten Kirchen- 


bücher“) mit alphabetiſchen Regiſtern verſehen und abgeſchrieben, 


die Duplikate aber dann den Gerichten zur Aufbewahrung über— 
geben würden, wie dies im preußiſchen Staate ſchon ſeit De— 
cennien für die Zukunft vorgeſchrieben und ausgeführt ſei. 
Auf den erhobenen Einſpruch: es würden ſchwerlich die Mittel 
vorhanden ſein, die Koſten der Abſchriften zu beſtreiten, wurde 
entgegnet, daß die Ausgaben nicht ſo erheblich ſein möchten, 
um nicht von den Koſten der oft ſehr reichen Kirchengemeinden 
getragen werden zu können; zumal auf dem Lande, wo die 
Arbeit geringere Mühe verurſachen und dem Küſter oder Lehrer 
ein erwünſchter Verdienſt daraus erwachſen dürfte. 

Uebrigens erklärte ſich der Verein zu feinem großen Be- 
dauern außer Stande, zur Realiſirung des gemachten Vorſchlags 
beitragen zu können. 

Die ferner ſeitens des ꝛc. Hagemeiſter erfolgte Mittheilung, 
daß er einen für den „Herold“ bearbeiteten Artikel mit einer, 
auf ſeine Koſten herzuſtellenden, kolorirten Wappenbeilage ver— 
ſehen laſſen wolle, ward dankbar entgegengenommen. 

Auf den Antrag des Schriftführes wurde die Aufnahme 
des Dr. juris von Fock hierſelbſt zum wirklichen Mitgliede 
beſchloſſen. 5 

Der Schriftführer zeigte ſodann an, daß ihm ſeitens der 
hieſigen Haupt⸗Stadtpoſt⸗Expedition unterm 13. v. Mts. er⸗ 
öffnet worden ſei, daß die Beſtellung der mit der Bezeichnung: 

„An den Verein „Herold“ zu Berlin“ 
einlaufenden Briefe Schwierigkeiten habe und vorſchriftsmäßig 
alle betr. Sendungen folgendermaßen adreſſirt ſein müſſen: 

„An den Herold, Verein für x. 

z. Händen des Geh. exped. Seeret. F. Warnecke 

Berlin, 
Steglitzer Str. 58.“ 

Darauf erfolgte die nach §. 4 des Statuts vorgeſchriebene 
Neuwahl der Beamten des „Herold“ für das Jahr 1871, 
welche nachſtehendes Reſultat ergab: 


Vorſitzender: C. Chl. Freiherr v. Reitzenſtein, Vorſtand 
Schriftführer: Geh. exped. Secret. F. Warnecke, des 
Schatzmeiſter: Lieutenant Max Gritzner, Herold. 
Sections⸗ (Sphragiſtik: Geh. Archiv⸗Secretair G. von Bülow, 
Chefs Heraldik: Lieutenant M. Gritzner, 
für Genealogie: Stadt-Ger.⸗Rath v. Zur Weſten. 


*) D. h. doch wohl nur die adelige und patriziſche Familien be⸗ 
treffenden Theile. 


Dem Vorſitzenden Baron v. Linſtow, welcher eine Wider: 
wahl abgelehnt hatte, wurde auf mehrſeitigen Antrag ein Dank 
für die bisherige, erfolgreiche Leitung des Vereins votirt. 

An Geſchenken waren eingegangen von: 

Hermann, Freiherrn v. Reitzenſtein zu Bruckenau: 
„Die Waldboten von Zwernitz, ein Beitrag zur älteren 
fränkiſchen Dynaſten-Geſchichte u. Topographie des Nordgaues“; 


Oscar, Freiherrn von Schellerer, kgl. bayeriſchem Kammerherrn 


x. zu Würzburg: „Genealogiſche Notizen über die Freiberrn 
und Ritter von Schellerer; 

Jul. Grote, Erbſchenken, Reichsfreiherrn zu Schauen: 
2 Gyps⸗Abgüſſe der Siegel des Stifts-Marſchalls Ludwig 
von Dinklar und Dietrichs von Dyke (de Piscina) — 
deren Originale ſich an einer in deutſcher Sprache abge— 
faßten Urkunde von 1272 im ſtädtiſchen Archiv zu Hil⸗ 
desheim befinden — und 

dem Numismatiſchen Verein zu Hannover: 
gegen Austauſch des „Deutſchen Herold“, der Numismatiſch⸗ 
ſphragiſtiſche Anzeiger von 1870. 

Ein von dem Freiherrn v. Reitzenſtein über die „Seins⸗ 
heim u. Schwarzenberg oder die Freien u. die Herren“, verfaßter Auf⸗ 
jaß, welcher darlegt, daß die von erſterem Haufe in neuerer Zeit 
beanſpruchte Gewährung der Stellung und des Ranges der ehe— 
mals reichsſtändiſchen Grafen und Herren mit dem Titel 
„Erlaucht“ unmotivirt erſcheint, ward zur Veröffentlichung im 
Vereinsblatte beſtimmt. In gleicher Weiſe ſollen von dem ꝛc. 
v. Reitzenſtein die aus dem Staats-Anzeiger mitgetheilten Be⸗ 
richte über das Trabantenweſen in Preußen, deutſche Kriegs⸗ 
ausdrücke im Franzöſiſchen u. die geſtickte Altardecke im Kloſter 
Ribnitz (Mecklenburg) ſoweit dieſelben auf die Waffen- reſp. 
Wappen⸗Lehre Bezug haben, den Leſern des „Herold“ zur 
Kenntniß gebracht werden. 

Ferner legte der genannte Herr die bekanntlich unvolls 
ſtändig reproducirte Ausgabe des Conſtanzer Conrad Grüner 
bergſchen Wappenbuchs vor, damit den Wunſch verbindend, daß 
man vereinsſeitig dies anerkannt muſtergültige Wappenbuch in 
ſeiner zweiten, gerade intereffanteften Theile herausgeben und 
ſich dann zunächſt durch Einladung zur Subfeription über die 
Deckung der nicht unbedeutenden Koſten vergewiſſern möge; 
welcher Vorſchlag allgemein Billigung fand u. zur Ausführung 
beſtimmt wurde. 

Von verſchiedenen Seiten war bereits früher darauf hin— 
gewieſen, daß die Sitzungen des märkiſchen hiſtoriſchen Vereins 
mit denen des „Herold“ auf einen Tag fielen. Um mit er⸗ 
ſterem nicht zu collidiren, wurde vorgeſchlagen: 

von 1871 an die Sitzungen des „Herold“ auf den er ſten 


Dienſtag nach dem Erſten jeden Monats ſtattfinden 
zu laſſen. 


Der Vorſchlag fand die Zuſtimmung der Anweſenden, je— 
doch wurde es für zweckmäßig erachtet, die dadurch erforderlich 
werdende Abänderung des § 3 des Statuts bis zur nächſten 
Seſſion hinauszuſchieben. 

Schließlich holte der Hr. Schatzmeiſter die Genehmigung 
des Vereins ein für die von 1871 an einzuführenden Aende⸗ 
rungen in Betreff des Beitrags der Mitglieder und des Abon— 
nentsbetrages für das Vereinsorgan, dahin gehend, daß vom 
genannten Zeitpunkte an, der Beitrag für ſämmtliche Mitglieder 
auf 20 Sgr. pro Jahr erniedrigt, der Abonnementsbetrag aber 
auf 1 Thlr. 10 Sgr. erhöht, alſo nur eine, — des buchhänd⸗ 


leriſchen Verlags wegen nothwendige — Rechnungs⸗Manipula-⸗- 


tion erforderlich wird, welche den Geſammtbetrag der bis— 


herigen Leiſtungen in keiner Weiſe alterirt. Nachdem 


* 


gelegt waren, welche ihrer vollendeten Ausführung wegen den 
ungetheilteſten Beifall der Anweſenden fanden, — ward die 
letzte Vereins⸗Sitzung des laufenden Jahres geſchloſſen. 

Z. B. F. Warnecke. 


Die Hausgenoſſen in Bamberg. 


In der mittelalterlichen Geſchichte der ehrwürdigen Bi— 
ſchofsſtadt Bamberg erſcheint unter dem Namen „Hausge— 
noſſen“ ein bevorzugter Bürgerſtand, der in feiner 
Sonderſtellung dem Patriciate nicht unähnlich, grundverſchieden 
aber von dem Weſen deſſelben iſt. Die Hausgenoſſen behaup— 
teten als urſprünglich factiſche Hausgenoſſen der im klöſterli— 
chen Verbande lebenden Domherren, deren Hausdiener ſie 
waren, und ohnedem als Angehörige der 1. Claſſe der Un— 
freien, eine angeſehene Stellung. Als Diener des Domkapitels 
hatten ſie nicht allein die Ausübung der weltlichen Rechte des 
Kapitels zu beſorgen (Münz meiſter), ſondern waren auch 
zu Dienſtleiſtungen im Innern des Domherrnhauſes verpflich— 
tet. Dies beweiſen uns die Namen: Hel ma iſter, Piſtor, 
Küchen meiſter und wahrſcheinlich auch Marſchall 
(Siehe unten.) 

Lebhaft wird die Geſchichte der Hausgenoſſen erſt im 2. 
Drittel des 13. Jahrhunderts. Sie erſcheinen nunmehr häu— 
fig bei Handlungen des Biſchofs oder des Domkapitels als 
Zeugen, und erhalten den Vorrang vor Bambergiſchen 
Rathsfamilien. Als im Jahre 1231 (25. April) Dom⸗ 
dechant Krafto dem Stifte ſeine beiden „servos“ Wigger 
und Heinrich ſchenkt, daß ſie denſelben jure domesticorum 
dienen ſollen, find folgende Hausgenoſſen (domestici) als 
Zeugen unterſchrieben: hainricus Helmaister, hartmudus, 
Gundeloch, hainricus pistor, hainricus stunphelin, Ru- 
degerus. 

Mit Veränderung der Lebensweiſe der Domherren, als 
das klöſterliche Zuſammenleben derſelben aufgehoben wurde, und 
fie — wie eine Chronik ſich ausdrückt — aus der Kutte ka— 
men und Weltgeiſtliche wurden, wurde auch die ſociale Stel— 
lung der Hausgenoſſen eine gänzlich veränderte. Daß ſich 
dies in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zugetragen haben 
muß, ſchließe ich aus dem Umſtande, daß gerade damals den 
Hausgenoſſen das Bedürfniß eines Beinamens erſt fühlbar 
wurde, und die Amts⸗ oder Eigennamen der damals lebenden 
Hausgenoſſen meiſt zu Familiennamen ihrer Descendenz wurden. 

Die Hausgenoſſen, welche ſich in der Folge des Domcapitels 
„erbliche Amtleute“ nennen, hatten nun mit vielleicht nur ei— 
ner Ausnahme, keine Hausdienſte mehr zu beſorgen, ſondern 
waren ausſchließlich dazu beſtellt, des Kapitels Rechte über die 
Münze, Maß und Gewicht auszuüben. Andere Mitglieder der 
Hausgenoſſen wurden auch wohl landſäſſig, oder in anderen 
Städten, z. B. die Münzmeiſter und Haller in Nürnberg, an⸗ 
ſäſſig und rathsfähig. 

Ueber die Betheiligung der Hausgenoſſen bei der Münze 
leſe ich folgendes: „Wollte ein Biſchof Münze oder Wechſel 
in der Stadt Bamberg haben, ſo mußte er es den Hausge— 
noſſen wiſſen laſſen, wie er ſeine Münze geſtellt haben wollte. 


[Waren nun die Hausgenoſſen geſonnen, das Geſchäft zu über⸗ 


nehmen, ſo hatten ſie vor allem ein Recht dazu. Unter ihrer 
Aufſicht wurde die Münze geprägt ꝛc. (Schweizer ſiehe am 
Schluſſe) Mein Gewährsmann bezieht dieſes Recht auf einen 
Act des Biſchofs Berthold v. J. 1275, der fich dem Domca⸗ 
pitel gegenüber verpflichtet, ohne deſſen Wiſſen und Willen die 
Münze nicht zu ändern. Indeſſen kann dies wohl nur eine 
Beſtätigung oder Wiederholung eines früheren Uebereinkommens 
oder auch wirklich in ſofern eine neue Verpflichtung ſein, als 
das urſprüngliche Recht des Domcapitels nunmehr förmlich 
auf die Hausgenoſſen übergegangen war. Denn es iſt wohl 
nicht zufällig, daß ſchon im Jahre 1250 ein Stammherr der 
Hausgenoſſen Conradus antiquus monetarius genannt wird. 

Die zweite Obliegenheit der Hausgenoſſen beſtand in der 
Aufſicht über Maß und Gewicht, und in ihrer Mitwirkung 
bei Unterſuchungen welche Schultheißen und Schöppen der 
Stadt Bamberg hierüber anſtellten. Dieſer Verpflichtung wird 
in dem alten Bamberger Stadtrechte §§. 84. 85. 88. ausführ⸗ 
lich Erwägung gethan. 

Für dieſe allerdings nicht ſehr erheblichen Verpflichtungen 
— denn ihre Betheiligung bei der Münze iſt eher ein Recht 
als eine Pflicht zu nennen — hatten die Hausgenoſſen keine 
Lehen inne, wie im Jahre 1412 ausdrücklich gefagt; wird, 
ſondern waren dagegen mit völliger Steuerfreiheit privilegirt. 
Dieſes Recht wurde im Jahre 1275, in dem Statute welches 
Biſchof Berthold mit dem Domaapitel abſchloß, beftätigt, die: 
jenigen jedoch, welche Münzen ſchlugen und Wechſelgeſchäfte 
betrieben, ausgeſchloſſen, und auch vom König Ruprecht an⸗ 
erkannt. Als dieſer im Jahre 1402 wegen des Stiftes Noth⸗ 
ſtand eine allgemeine Steuer für das ganze Bisthum ausſchrieb, 
wurden auf Verwendung des Domcapitels allein die Hausge— 
noſſen mit noch drei andern Bürgern von der Concurrenz aus⸗ 
genommen. 

Die Hausgenoſſen hatten wegen der Steuerfreiheit mit 
ihren Nachbarn, den Immunitäten, wiederholt Streitigkeiten 
auszufechten. Dieſelben führten endlich im Jahre 1412 zu ei⸗ 
ner Klage beim Domcapitel, bei welcher Gelegenheit die Im⸗ 
munitäten Alles zu Papier brachten, was fie gegen die Haus— 
genoſſen anzuführen wußten, woranf eine ebenſo weitläufige 
Verantwortung der Letzteren erfolgte. Das Domcapitel faßte 
zwar zunächſt keinen für die Hausgenoſſen ungünſtigen Ent⸗ 
ſchluß; indeß ſcheinen die Immunitäten doch im Kampfe ob⸗ 
geſiegt zu haben, wodurch ſich jene entweder zur Auswanderung 
veranlaßt ſehen mochten, oder, ſo weit ſie nicht dem Erlöſchen 
nahe waren, zum gewöhnlichen Bürgerſtand herabſanken, und 
in demſelben verſchwanden. Obige Streitigkeiten ſind die 
letzten Spuren, welche die Hausgenoſſen hinterließen. 

Die Anzahl der amtirenden Hausgenoſſen war im normalen 
Zuſtande 24, erſt wenn dieſe bis auf 12 geſchmolzen war, 
mußten die übrigen zu einer Neuwahl ſchreiten; wobei jeder 
aus ſeiner Verwandtſchaft ein neues Mitglied wählen konnte. 

Die zum Hausgenoſſenamte berechtigten Geſchlechter waren 
folgende: 

1) Die Münz meiſter, von denen verſchiedene Seiten⸗ 
linien ausgingen. Urkundlich werden erwähnt: 1250 Günther 
Sohn des alten Münzmeiſters Conrad. 1257 Brunwardus 
filius antiqui monetarii. 1268 Brunwardus, frater 
suus Güntherus. 1272 Güntherus magister monetae, 
civis Bambergensis. Dieſer Günther ſcheint die Hauptlinie 
fortgepflanzt zu haben. 1308 Reimar ein Sohn Günthers. Zu 


+ 
Zeiten Biſchof Ludwigs (1366-74): Conrad Münz⸗ erhielten. Er ſelbſt bekleidete das Küchenmeiſteramt, und wird 
meiſter. 1411 Fritz mit feinem gleichnamigen Sohn, ferner als ſolcher i. J. 1299 (Brunwardus, quondam magister 
zwei Heinz, Vater und Sohn; Günther und deſſen Better | coquinae) erwähnt. Unter dem J. 1290 iſt im Necrologe 
Heinz Münzmeiſter von Hallſtadt. der Franziskaner ein Braunwart aufgeführt, mit dem unſrigen 
Von Braunwart, dem Bruder Günthers, gingen vier ver- wahrſcheinlich eine Perſon. Seine vier Söhne find die Stamm⸗ 
ſchiedene Familien aus, welche den Sivpenamen „Braunwarte“ | väter folgender Linien. (Schluß folgt.) 


Chronologiſche Malrikel 


der geſammten, durch die Brandenburgiſch-Preußiſchen Regenten vom Jahre 1600 bis auf die neuſte 

Zeit ertheilten Diplome, enthaltend: Standeserhöhungen, Adelsbeſtätigungen (Anerkennungen, 

Confirmationen) Adelserneuerungen (Renovationen), ſowie Vereinigungen von Namen und Wappen, 
Prädicate und Erbämter. 


Wenn, unter obigem Titel, ich es unternommen habe, die mir. durch langjährige Forſchungen auf dieſem Geſchichts⸗ 
felde bekannt gewordenen, aus gedruckten und ungedruckten Quellen entnommenen, vom Regentenhauſe Brandenburg-Preußen 
ertheilten Diplome obigen Inhalts chronologiſch zu ordnen und zu publiziren, ſo waren die mich beſtimmenden Gründe die 
folgenden: 

1) Iſt es für den Statiſtiker auf dem Felde der Adelsgeſchichte von entſchiedenem Werthe, die Anzahl und die 
Art der, ſowohl in den einzelnen Jahren, als auch von einzelnen Regenten und auf beſondere Veranlaſſung 
oder bei beſonderen Gelegenheiten verliehenen Diplome überſichtlich geordnet zu finden, was bei Adelslexieis nicht 
möglich iſt. 

2) Sind nicht allein in früheren Werken, ſondern auch in dem von Ledebur'ſchen Adelslexikon (übrigens einem, mit 
Unrecht, auch in neuerer Zeit wieder, geſchmähten, in ſeiner Art und als Grundlage für weitere Forſchungen vorzüglichem Werke) 
nicht immer die im Diplom verzeichneten, von faſt allen Genealogen, ſo auch von mir, als für die Erhebung ꝛc. allein 
maaßgeben den Daten angeführt, fondern bei älteren Standeserhöhungen vielfach das Datum der A. C. O.,, bei den 
neueren das der amtlichen Bublicirung Nach guten Quellen hoffe ich nunmehr etwas Licht in den bisherigen oft 
großen Wirrwarr und Widerſpruch gebracht zu haben, wenn auch Irrthümer hierbei leicht untergelaufen fein mögen. Wo Zei⸗ 
tungen aufzutreiben waren, habe ich mich bemüht, dieſe zu erhalten und (ſeit 1834) wo es möglich war das Datum der Publi⸗ 
zirung beigeſetzt, um nicht noch mehr Irrthümer zu verbreiten, oder zur Aufklärung älterer beizutragen. 

3) Iſt das von Herrn von Ledebur als Nachtrag zu feinem Adelslexikon 1863465 herausgegebene Archiv für Ge⸗ 
nealogie ꝛc. (meiſtens entnommen den handſchriftlichen hinterlaſſenen werthvollen Nachrichten des T Geh. Archivraths Köhne) lei⸗ 
der wenig verbreitet, obgleich gerade der I. Band viele neue oder verbeſſernde Nachträge zu den Preußiſchen Diplomen liefert. 
Ich habe mich bemüht, denſelben gewiſſenhaft auszubeuten, wie ich denn überhaupt keine der entdeckten handſchriftlichen Quellen 
(coll. gen. König und Köhne ꝛc.) unbenützt gelaſſen haben dürfte. 

4) Sind die ſeit 1857 preußiſcher Seits erfolgten Standeserhöhungen ꝛc. noch nirgends zuſammenhängend erwähnt 
(da das von Led. Adelslexikon mit dem J. 1857 abſchließt) ebenſowenig deren Wappen, ſowie viele Wappen der in Led. Archiv 
na chgetragenen Familien. Gerade dieſe Wappen bilden aber eine fortdauernde Quelle der Fragezeichen und Irrthümer bei He— 
raldikern und Wappenſammlern und habe ich mich bemüht, möglichft alle dieſe Deſideranda durch kurze Andeutung des 
Wappens auszufüllen, was mir durch zahlreiche Familienmittheilungen und Notizen möglich war. Im Uebrigen habe ich auf 
bekannte Wappenbücher, vor Allem Köhne Wappenbuch der Preuß. Monarchie 4 Bände (deſſen Citirung im v. Led. Adels⸗ 
lexikon nicht überall durchgeführt iſt) ferner auf Siebmacher mit Supplementen, Berndt rheiniſches, Bagmihl pommerſches, Dorſt 
ſchleſiſches Wappenbuch ꝛc. verwieſen. 

Die Vornamen der Diplomempfänger habe ich meiſt, der Kürze halber, fortgelaſſen, oder nur mit den Initialen angedeutet. 

So hoffe ich denn, das Mögliche geleiſtet zu haben, indem ich zugleich durchaus von abſoluter Vollſtändigkeit 
abſtrahire, und bitte um eine milde Beurtheilung meiner mühevollen Arbeit. Für ev. Berichtigungen und Nachträge werde ich 
ſtets dankbar ſein. 

Berlin, im Dezember 1870. 


Gritzner, Lieut. a. D., Victoriaſtr. 11. 
Abbreviaturen-Verzeichniß: 


R. A. Reichsadelſtand. ren. renopirt. conf. confirmirt. Wm. Wappenvermehrung. Gev. gevierdtet. 
A. Adelſtand. beſt. beſtätigt. an. anerkannt. W. Wappenverbindung. geſp. geſpalten (ſenkrecht getheilt. ; 
Frh. A. Adelſtand mit Frei⸗ ad. in Folge Adoption. N. u. W. Namen und Wappen⸗ 1 getheilt (quer). 
berrntitel. Ws. im Weibsſtamm. Verbindung. Schrb. Schrägbalken. 
Frh. Freiherrnſtand. leg. legitimirt. nat. natürlich. l. A. C. O. laut Allerhöchſter | rt. lk. recht, link. 
V. Vicomtenſtand. N. Namenvereinigung. Cabinets⸗Ordre. # ſchwarz, b. blau. 
Grf. A. Adelſtand mit Gra— Wb. Wappenbeſſerung. r. roth, gr. grün. 
fentitel. ſ. ſilber, g. gold. 
G. Grafenſtand. Die Monate ſind mit: Jan., Febr., März, Apr., Mai, Jun., Jul., Bk. Querbalken. 
Fürſtenſtand. Aug., Sept., Oct., Nov., Dez. abbrevirt oder durch die Zahlen 1-12 | Hz. Herzichild. 


F. 
H. Herzogswürde. 
D. Prädikat „Durchlaucht.“ 


ausgedrückt. Led. Ledebur (Adelslexikon.) Siebm. Siebmacher. Bagm. 
Bagmihl. Tyr. Tyroff (Wappenbücher). Suppl. Supplement. 


wachf. wachſend. d. d. de date. 
Stw. Stammwappen. 


5 


Matrikel. 
Jahr Datum tan Inhalt Diplom 
e a Name. des 1 Wappen. Bemerkungen. 
des Diploms. Publie Diploms. 115 
1600 2 Geiſſendörfer. beſt. A. | Die ganze Familie. 2 Urſprung? 
1631 14. Mai. Kerſſenſtein. an. A. L. Ch. v. K. auf Praſſen. Led. III. 287 R. A. vom St. Gallustage des 
sub Kirſchen⸗ Jahres 1437. 
ein. 
1633 5. Febr. Brempt. an. Frh. Joh. v. Brempt. Siebm. J. 125. R. Frh. für But, d. d. 28. 12. 
1627. 
„ 5. Febr. Spiering. [an. Frh. Goswin Franz v. S. u. Siebm. J. 121. R. Sch. für Franz v. S. v. J. 
Erben Arnold's. 1623. 
% Nai Podchoczimski. an. A. Paul Cleophas v. P. Köhne IV. 22. Poln. A. für denf. d. d. 7. 3. 
ejd. 
1639 2. Juni. Winß. an. A. Nic. W. Gutsbeſ. Siebm. IV. [Sein Vater hatte (wann?) 
g 555 196. den R. A. erhalten. 
1645 4. Aug. Cuilla. conf. A. Gerh. Zephiris C. Hof⸗ 2 Des „alten“ Adels (2) ſteht im 
junker. Diplom. Urſprung? 
1646 24. Mai. Müch)lheim. an. A. Gebrüder Fr. u. R. v. M. Köhne IV. 7. Poln. A. d. d. 8. 8. 1569 für 
(Müllenheim.) Joh. M. 
1648 29. Juni. Dohna. an. G. Sämmtliche Burggrafen zu || Köhne 1. 33. R. Grf. 18. 3. ejd. für den⸗ 
Dohna. ſelben. 
„ 256. Aug. Grünberg. conf. A. Albr. v. G., Corporal || Siebm. I. 
im Leib.⸗-Regt. 57 oder 162? 
„ 120: Dez Neukirchen gen. an. A. Ganze Familie. Köhne IV. 2.] jetzt Freiherren quo jure? 
Nyvenheim. N. u W. n 
1649 30. Nov. Beringe. conf. A. Heinr. v. B., franz. Geh. Eber am Hals.] Des „alten Adels“ (2) ſteht im 
R. u. Ob.⸗Stallmeiſter. band gefeſſelt, Diplom. 
1651 12. Mai. Steinäcker. conf. A. Oberförſter Joachim S. W R. A. d. d. 12. 9. 1637 für 
352 denſelben. 
1652 | 5. Oct. Düren. an. A. Ganze Familie. 2 Des falten ( Adele ſteht im 
(nicht 2. Diplom. Urſprung? 
Juni. 0 
1654 3. Oct. Schwerin. an. Frh. u. Otto v. S. Köhne 11. 63. R. Frh. d. d. 24. 3. 1648 für 
Erbkäm⸗ denſelben. 
merer⸗Amt 
der Kur⸗ 
mark. Be 
1655 8. Mai. Grone. an. A. Joh. Fr. Ferd. v. G., Haupt⸗Siebm. IV. 74. Kaiſ. Nenov: d. Adels d. d. 11. . 
mann auf Holzhauſen. 1652 für denſelben (vgl. auch 
8. 8. 1712 ſowie v. Mayersthal 
5 25. 10. 1708.) 
„ 9. Juni. Somnitz. Wm. und Lorenz Chr. v. S., Geh. | Bagm. III. 


29. Aug. 


16. Juni 
15. Jan. 


„ 28. Sept. 


PR 15. Oct. 
7. 15. Oct. 


Erbkäm⸗ 
merer⸗Amt 
von Hinter: 


Pommern 
und 
FR Cammin. 
Lubnau v. Lilienklau [ an. A. 
(Lübenaw v. Lienklaw). 
Rockelfing. an. A. 
Weimann. (Weymann). an. A. 
Faſolt. an. A. 
Byland. conf. Frh. 
Diepenbrock. beſt. Frh. 


Tab. 10. — 
auch: geſp. vorn 
d. Schlüſſel 
hinten Stw. 


Rath, Hauptmann zu Neu⸗ 

ſtettin; für den Familien⸗ 

ſenior und jedesm. ält. 
Sohn. 


R. A. d. d. 9. 1. ejd. für den⸗ 
ſelben als Lübenaw von 
Lienklaw. 

(Led. III. 304.) 


Reinholt Lübbenaw. 


Ludw. v. R. 


Dan. W. Clev.⸗Märk. 

Kanzler u. Kurbr. Geh. R. 

Rudolf F., Rathsverw. 
zu Königsberg. 


Arn. Adr. und Roelmann 
Gebr. Frh. v. B. 
Joh. Herm. v. D. 


Siebm. Supp. 
VI. 18. 
7 R. A. d. d. 30. 9. 1659 für 


denſelben. 


Kaiſ. Adelsbeſtät. u. Wb. d. d. 

25. 3. 1655 für denſ. u. ſeinen 

5 Bruder. 

Siebm Supp.] Rfrh. für Otto v. B. v. J. 
XII. II. 1590. 


Siebm. II. 117, Rfrh. d. d. 5. 10. 1653 für denſ. 


Köhne III. 16. 


(Fortſetzung folgt.). 


Deutſche Städtewappen 


in der Sachſenchronik; 
erläutert von Ad. M. Hildebrandt und F. Warfre dk. 


Wenn ſchon farbig gemalte Adelswappen aus dem früheren 
und ſpäteren Mittelalter immerhin zu den Seltenheiten gehören 
und namentlich Behufs Feſtſtellung der Tincturen, wozu eben 
ältere Siegel keinen Anhalt bieten, ſehr geſchätzt werden, ſo iſt 
dies in noch höherem Grade bei Städtewappen der Fall. Hier 
fehlen die Farben theils oft ganz und gar, theils kennt man 
ſie durch die Tradition, ohne ihre Richtigkeit durch das 
Vorkommen in früheren Perioden erweiſen zu können. 

Eines der wenigen älteren Werke, in welchen ſich farbig 
gemalte Städtewappen befinden, iſt die in verſchiedenen Bibli- 
otheken aufbewahrte ſogenannte „Sachſenchronik“ eine im J. 
1492 gedruckte, mit zahlreichen colorirten Holzſchnitten ver— 
ſehene Geſchichte Niederſachſens.“) Die darin enthaltenen Nach— 
richten über Gründung verſchiedener Städte ſind ſtets von Ab— 
bildungen der letzteren begleitet, auf welchen dann gleichzeitig 
das Wappen colorirt angebracht iſt. Die beigefügten beiden 
Tafeln, (Tf. II. erfolgt mit der nächſten Nr.) geben ſehr ge— 
treu die betr. Holzſchnitte wieder; die Farben ſind hier durch 
die üblichen Schraffirungen angedeutet. 

Wir glauben den Wünſchen der Leſer entgegenzukommen, 
wenn wir uns nicht auf einfache Beſchreibung der Wappen be— 
ſchränken, ſondern hier auch kurz die Siegel der bez. Städte 
mittheilen, ſoweit ſich Exemplare derſelben in unſeren Samm— 
lungen vorfinden. 

f Tafel J. 

1. [Aken. (Aachen.) Im g. Schilde der ſch. 
Reichs⸗Doppeladler. i 

Das alte Hauptſiegel zeigt im Siegelfelde links auf Stufen 
die hl. Jungfrau mit dem Chriſtkinde; vor derſelben kniet rechts 
ein gekrönter, mit vehgefüttertem Mantel bekleideter, eine Kirche 
mit den Händen emporhaltender Kaiſer unter einem Baum. 

Umſchrift: „S'. regalis sedis aquensis.“ 14. Jahrh. 

2) Aluelde. (Alfeld) Von w. und r. geviertet, 
in der Mitte mit einer b. Kugel oder Scheibe be— 
Legt. 

a) Das Hauptfiegel zeigt — nach einen vorliegenden Ab— 
druck vom Originalſtempel — auf einer länglichen gothiſchen 
Bank ſitzend einen Biſchof mit Nimbus, in der Linken den 
Krummſtab haltend, mit der Rechten ſegnend. Der untere 
Theil der Figur iſt auffallend verkürzt. Unter der Bank neben 
einander zwei Wappenſchilde: vorn geſpalten (vorn leer, hinten 
ſchräg gegittert; hinten geviertet (1. u. 4. gegittert) ohne die 
Scheibe in der Mitte. Die Umſchrift (Majuskel) lautet: „Si- 
gillum . civitatis . in alvelde.“ 14. Jahrh. 

b) Secret v. J. 1363. Die Darſtellung ähnlich wie bei 


) Das uns vorliegende Exemplar gehört zur Hochgräflich Stol- 
bergiſchen Bibliothek zu Wernigerode, und befindet ſich daſelbſt s. 


r. Re. 22 m. fol. Am Ende des Werkes heißt es: geprent (ges 
druckt) Peter Schoffer von gernszheim Jn der eddelen Stat Meucz 
die eyn anefangk is der prentery. In deme jare na cristi ge- 
bort Dusent vierhundert. LXXXXII. vppe den Sesten dach des 
Merezen. 

Der (in dieſer erſten Ausgabe nicht genannte) Verfaſſer war der 
aus Wernigerode ſtammende Conrad Botho zu Braunſchweig; cf. 
Leibnitz, script. rer. Brunsvic. III. p. 277. 423. 594; Oberſäch⸗ 
ſiſche Bearbeitung von Pomarius, Wittenberg, 1589. — 


unten 


dem Hauptſiegel, nur kleiner; der Biſchof hier als „scs. ni- 


colaus“ bezeichnet; — ohne die Wappen. Umſchrift: „secre- 
tum civitatis alveldencis.“ 

c) Etwas kleineres Secret, ganz wie voriges, jedoch mit 
Wappen wie das Hauptſiegel, und zwar das Stadtwappen wie 
auf der Tafel. 15. Jahrh. 

d) „S'. consilum (sic) opidi in alvelde“; St. Ni⸗ 
colaus, hier von drei Wappenſchilden begleitet, rechts ein Ad⸗ 
lerflügel (2), links Hildesheim, unter Alfeld (— bei a) 1388. 

e) Ein ſpäteres ſehr ſchlecht gearbeitetes kleines Siegel 
hat den Biſchof über den beiden W. wie bei a) als Knieſtück. 

3. Brunswich. (Braunſchweig.) Zwei gegenein— 
ander gelehnte Schilde: 1) einwärts gekehrter r. Löwe in w.; 
2) r. Lilie in w. 

a) Das ſchöne Hauptſiegel (der Stempel iſt erhalten) zeigt 
eine um den inneren Perlrand ſich herumziehende, oben und 
mit einem offenen Thor verſehene Zinnenmauer; aus 
der ſelben erheben ſich zwei oben durch ein Dach verbundene 
runde vielfenſtrige romaniſche Thürme, zwiſchen welchen, den 
inneren Raum ausfüllend, über dem unteren Thor ein links 
(heraldiſch) gewendeter Löwe ſteht. Umſchrift: „ Sigillum. 
burgensium. in. bruneswic.“ 14. Jahrh. 

9) Das „secretu. burgensium i. bruneswic“ iſt in 
ſeiner Darſtellung ganz gleich, (natürlich wie alle Seerete, 
kleiner) aber der Löwe rechts gekehrt. 14. Jahrh. 
c) „secretum burgensium in bruneswik“ ſonſt wie 
voriges. 

d) „S' der meynheit (die von den Gilden, Haupt— 
leuten und Bürgern erwählten Vorſteher, die dem Rathe als 
beiräthig zur Seite ſtanden) to brunswik.“ (Minuskel.) Ein 
Biſchof, in der Rechten den Krummſtab, in der Linken das 
Modell des Braunſchweiger Doms haltend. Am Fuße der Löwe 
im Schilde. 

e) „signetum brunswi.“ Unter einem Portal der Löwe 
ohne Schild. 16. Jahrh. 

1) „secretum burgensium in brunswick.“ 

g) „sign. sen. brunsv.“ Im Siegelfelde der 
Rechts aufſpringende Löwe. 

h) Ein geſchmackvolles neueres Siegel zeigt das Wappen 
gothiſch ſtyliſirt: Schild: Löwe; Helm: derſelbe zwiſchen den 
Braunſchweiger Sicheln. — Die Lilie findet ſich auf keinem 
der Siegel, ſcheint daher auch mit dem Stadtwappen nichts ge⸗ 
mein, ſondern irgend eine Nebenbedeutung zu haben. 

4) Embeke. (Eimbeck, Einbeck.) Im g. Schilde 
ein großes gothiſches r. E. 

Ein altes Hauptſiegel befindet ſich nicht in unſerem 
Beſitz, wohl aber 

a) ein Secret v. J. 1385. Ueber Wellen zwei Zinnen⸗ 
thürme, dazwiſchen auf der gezinnten Thormauer ſtehend ein 
linksgewendeter Löwe. Umſchrift: „secretum civitatis 
Embicen. ad causas.“* 

b) Ganz ebenſo iſt die Darſtellung auf dem „secretum 
civitatis Embicen. ad causas 1540.“ ſowie auf dem 

c) „signetum reipub. Embecen 1558“, hier jedoch 
der Löwe rechts gewendet. 

d) „sigillum reipublicae (2) Embeccensis“, ca. 1680. 
Ueber Wellen die Thürme; zwiſchen denſelben zwei abgewendete 
aufgerichtete Greifen, darüber auf einer Krone (2) fihreitend der 
Löwe ebenfalls rechts gewendet. 

e) „sigillum civitatis Einbecensis.“ 19. Jahrh. Der 


nach 


7 


Löwe auf dem Stadtthor nach Rechts ſchreitend. 

Auf keinem Siegel begegnen wir dem E. Wir würden 
daher wohl zu der Annahme geneigt fein, daß der Verfaſſer 
der Chronik dieſen Anfangsbuchſtaben des Stadtnamens nur 
als Nothbehelf gewählt habe, weil ihm vielleicht das eigentliche 
Bild fehlte, wenn ſich nicht bei den Nachbarſtädten Northeim 
und Göttingen etc. gleichfalls Buchſtaben: N. Wes . 
wenn auch nur als Helmſchmuck, fänden; welch' letzterer auf 
den uns vorliegenden Siegeln vermißt wird. 

5. Vallersleue. (Fallersleben.) In Roth ein 
ſchwarzer Löwe, nach links gegen einen kleinen 
gemauerten w. Thurm (ohne Thür) aufſpringend. 

Von dieſem — in neuer Zeit durch den Dichter Hoff— 
mann bekannt gewordenen — Oertchen iſt uns nur ein Siegel be— 
kannt, welches dem 16. Jahrhundert angehört und im Siegel— 
felde einen nach Rechts ſpringenden Löwen zeigt: Umſchrift: 
„Sigillum . . .. ersleve“. 

6) Ganderſſem. (Gandersheim.) In Roth ein 
nach links aufſpringendes w. Pferd 

a) Das ſehr ſchön gearbeitete, aus dem 14. Jahrhundert 
ſtammende Hauptſiegel, deſſen Stempel noch exiſtirt, zeigt in 
einem Dreieckſchilde den Braunſchweiger Helm, mit Buüffelhör— 
nern die außen mit Pfauenfedern beſteckt ſind. Unter den 
abfliegenden Bändern des Topfhelms zeigt ſich im Fuße des 
Schildes eine kleine Lilie; — unter dem linken Büffelhorn, 
zwiſchen dieſem und dem Schildesrande, befindet ſich ein klei— 
ner Löwenkopf en face. Umſchrift: S'consulum in gan— 
derssem.“ — b) Ein etwas kleineres Siegel aus dem 16. 
Jahrhundert hat dieſelbe Umſchrift und Darſtellung; nur 
fehlt ſowohl die Lilie als der Löwenkopf im Schilde. c) 
Gleichfalls nur den Braunſchweigiſchen Helm im Schilde zeigt 
das „Sigill. civit. Gandersheim MDCCLIV.« Aus dem 
18. Jahrh. finden wir drei Siegel: d) „Sigill. civit. Gan- 
dersbeim“ und e) „F. B. L. (Fürſtl. Braunſchw. Lünebur⸗ 
giſche) Stad Gandersheim“ haben dieſelbe Darſtellung, wäh⸗ 
rend f. mit derſelben Umſchrift wie d. im blauen Schilde ein 
gekröntes G zeigt. Daſſelbe führt — in der Form alter 
Minuskel — die Stadt auch im 19. Jahrhundert auf ihrem 
Siegel g) mit der Legende: „Siegel der Stadt Ganders- 
Heim 


Das Braunſchweiger Pferd iſt wohl nur in Ermangelung 


des eigentlichen Wappens ſubſtituirt. 


7) Goſſeler. Goslar.) In G. der einköpfige 


ſch. Reichsadler, links ſehend, auf der Bruſt mit 
einer halbmondförmig gebogenen Spange belegt. 


(Fortſetzung folgt.) 


Vermiſchtes. 


Siegelrecht. „Vnd wand unſer Sweſter Gertraud, 
Eltzbet, Agnes, aigner Inſigel nit habent, und auch noch 
unvoitbar ſint, darumb nemen wir uns für ſeu an., — 
Donatio Puechpergensis, facta monasterio Zwehlensi. 


Ludewig Reliquiae T. IV. p. 166. — 


Das Wappen der Meiſſniſchen Shönberge wird in 
Frauſtadts vortrefflicher Geſchichte dieſes Geſchlechts folgender— 
maßen beſchrieben und abgebildet: in G. ein von r. und gr. 
getheilter Löwe; Helm: Rumpf deſſelben, ohne Pranken aus 


dem Helm (reſp. der Krone) wachſend; Decken g.⸗r. Zu den 
a. a. O. dazu gegebenen Varianten führe ich noch nachſtehende 
in meiner Sammlung befindliche an. 1) Eine Copie aus dem 
Wernigeröder Wappencodex von 1490; hier iſt der Schild von 
g. und w. quergetheilt, der Löwe darin wie ſonſt halb roth 
halb grün, ſo daß die r. Hälfte auf g., die gr. auf w. liegt. 
Aus dem gekrönten Helm wächſt ein w. Löwenrumpf mit ſehr 
lang ausgeſchlagener r. Zunge. Decken rechts r.-w., links 
g.⸗w. Die Ueberſchrift lautet „von Schönnberg.“ 2) In dem 
in Nr. 1 und 2 des vor. Jahrganges d. Bl. beſprochenen 
Flechtinger Manuſeript de a. 1600 iſt das Feld zwar g., 
der Löwe jedoch mehr ſchreitend als aufgerichtet, und von r. 
und bl. ſchräglinks getheilt; aus dem gekrönten Helm 
wächſt die r. Hälfte des Löwen, deſſen Kopf mit einer g. Krone 
gekrönt iſt, auf welcher eine bl. Kugel (ob Pfauenſchweif?) 
ruht. Decken g.⸗r. Ueberſchrift: „Herr von Schonberg.“ 3) 
Ein Stammbuchblatt Caſpar's v. Schönberg (10 1.) zeigt das 
W. innerhalb eines grünen Kranzes: der Löwe wie gewöhnlich 
aufgerichtet in g., jedoch links gekehrt; ebenſo auf dem gekr. 
Helme wachſend. Die Inſchrift des Blattes lautet; 


nt. 0, C. A 14. 
(verſchlungen.) 
T S. M. C. (Spes Mea Christus.) 
Obijt [Wappen.] 
Ao. 1629, 
9. Juni. 


Amicitiae et recordationis ergo ||scribebat haec Cas- 

parus à Schön berg e domo Pulsnicensi.“ 
Original im Stammbuch des Churf. Sächſiſchen Hofpredigers 
M. Chriſtoph Laurentius. 4) Der Oberſt Andreas v. S. 
(136.) führt das Wappen richtig, wie oben zu Anfang be⸗ 
ſchrieben; wenigſtens findet es ſich fo auf einem Blatte im 
Stammbuch Jobs von Bomſtorff, deſſen Inſchrift lautet: 
„Anno 1647 den 18 decem: 
alles was mit gott, wirdt gefangen an, 
Kann keinen böhſen auſgangk hahn. 
zu freundtlichen gedechtnis 
dieſes geſchrieben 
Andreas von Schönbergk Oberſter.“ 

Einen gleichen frommen Sinn bekunden die Inſchriften 
dreier anderer mir vorliegender Stammbuchblätter von Mit⸗ 
gliedern dieſer Familie: 

Jedenfalls Andreas Nr. 132 iſt es, von dem das Stamm⸗ 
buch Chriſtian Sigismunds v. Bila folgende Eintragung ent⸗ 
hält: 

„Andreas a Schönbergk 
Si Deus nobiscum, quis contra nos. 
V. V. V. 1989.“ 
Im Stammbuche Wilhelms von Hodenberg: 
145 8 
W. G, ͤ , W 69 
Hanns gorg von Schonbergk.“ 

Hans Dietrich v. S. ſchreibt im Stammbuch des Franz 
v. Domſtorff: 

„Omnibus in rebus foeliciter [omnia cedent 

Si statues ſinem priacipiumque Deum. i 

Joan. Theodoricus || a Schönbergk scri] bebat 
amicitiae et me||moriae ergo 29. IXbr i Ab. 79. Vi- 
cenza. i 


) Wer Gott Vertraut Hat Wohl Gebaut. 


Ob Hans Dietrich Nr. 140? Die Zeitangaben ſcheinen 
nicht zu paſſen. 

Im Stammbuch Wolf Albrechts v. d. Gabelenz findet 
ſich folgende Inſchrift von der Hand Moritz Chriſtophs v. S. 

„Plinius lib. 4. Ep. 15. 
Ad connectendas Amicitias vel tenacissimum Vinculum 
MORUM SIMILITU DO. 
Gleiche Sinnen, gleiche Herzen, Gleiche Freude, gleiche 
Schmerzen, 
Sind die nicht der Freundſchaft Band, [Welches ewig hat 
Beſtand? 
Symb: Mea Christus Uuica Salus. 

Seinem liebſten Freundt widmete dieſes wenige] Moritz 

Chriſtoph von Schönberg zu Auerswalde, den 9. Marty 

Ao. 1653.“ — Ad. M. H. 

Wir glauben den Leſern des „Herold,“ insbeſondere Den— 
jenigen, welche ſich für Gravirungen in Stein intereſſiren. 
einen Gefallen zu erweiſen, wenn wir dieſelben auf die Ar— 
beiten wohl eines der erſten Künſtler in dieſem Fache, des Hrn. 
Rudolf Otto“) aufmerkſam machen. Es liegen uns Arbeiten 
vor, die Alles bis jetzt Geſehene dieſer Art übertreffen und 
geradezu als unübertrefflich bezeichnet werden müſſen. Wappen 
ſind — ſelbſt auf ſehr beſchränktem Raume — bis in's kleinſte 
Detail erkennbar ausgeführt und ſo correct in der Zeichnung 
und im Styl, wie wir dies bei Siegeln unſerer eigenen, be— 
deutenden Sammlung und bei vielen anderen Stein-Gravirungen, 
welche wir zu ſehen Gelegenheit hatten, nirgends bemerkt haben. 
Mehr noch als die Wappen verdient jedoch die höchſt gelungene 
und meiſterhafte Ausführung von Portraits in Stein und die 
Darſtellung mythologiſcher Figuren erwähnt zu werden; ebenſo 
haben wir mit Wappen und Buchſtaben farbig geſtempelte Brief— 
bogen und Couverts geſehen, deren geſchmackvolle und ſinn— 
reiche Herſtellung gewiß überall Anklang finden wird. 

Wir dürfen uns Obigem nach Glück wünſchen, Herrn 
Otto für Deutſchland gewiſſermaßen auch erobert zu haben. 

W. 


*) Herr Otto, geborener Dresdener, gehört zu den aus Paris 
verwieſenen Deutſchen, war dort lange Jahre etablirt und hat ſich 
jetzt in Berlin (40 unter den Linden, Firma: Ant. Guerlin) nieder: 
gelaſſen. 


Heraldiſche Bibliographie.) 
Verzeichniß der im letzten Halbjahr 1870 auf dem Ge⸗ 
biet der Heraldik und der ihr verwandten Fächer erſchienenen 
neuen Werke. 
Almanach de Gotha, p. 1871. Gotha. 1 Thaler 20 
Silbergroſchen. 
v. Behr, Genealogie der in Europa regierenden Für⸗ 


ſtenhäuſer. Leipzig. 16 Thaler. 
Bruce, family records of the Bruces and the 
Cumyns. London. 18 Thaler 10 Sgr. 


*) Wir glauben dem Intereſſe unſerer Leſer zu dienen, wenn 
wir ihnen fortan ſtets an dieſer Stelle die neuen Erſcheinungen 
der einſchlagenden Literatur nebſt Preiſen namhaft machen. Ueber 
wichtigere Sachen werden wir nach wie vor sub „Literatur“ refe⸗ 
riren. Der für dieſe Nr. beſtimmte Literaturbericht muſſte wegen 
Raummangel für Nr. 2 erſpart werden. D. Red. 


Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R-B. Magdeburg. 
Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


Cappes urkundliche Münzgeſchichte der Stadt Coesfeld. 
Coesfeld. 1 Thlr. 10 Sgr. 

Codex diplomaticus Silesiae, herausgegeben von 
Verein für Geſchichte und Alterthümer Schleſiens. 9. Band. 
Breslau. 3 Thlr. 15 Sgr. 

Codex diplomaticus Saxon. regiae, ed. Gersdorff 
und von Posern-Klett. 2. Haupttheil 9. Band: Urkunden⸗ 
buch der Stadt Leipzig 2. Band. Leipzig. 6 Thlr. 20 Sgr. 

Geſchichtsquellen der Provinz Sachſen und angrenzender 
Gebiete. 1. Band: Erfurter Denkmäler. Halle. 2 Thlr. 

Grazebrook, the heraldry of Smith. London. 5 
Thaler 15 Sgr. 

Haan diplomatiarium Bekessiense, 
Thaler. 

Haentle, Genealogie des erlauchten Stammhauſes 
Wittelsbach vou deſſen Wiedereinſetzung in das Herzogthum 
Bayern (11. September 1180) bis herab auf unſere Tage. 
München. 2 Thaler 12 Sgr. 

Henfrey, a guide to the study and arrangment, 
of english coins. London. 2 Thaler 225 Sgr. e 

Hermens, der Orden vom heiligen Grabe. 2. 
Cöln. 2 Thlr. 

Hildebrandt - Mieſte, Ueber Wappen 
ner des deutſchen Reiches. Berlin. 10 Sgr. 

Hoffmann. Kurze Abhandlung über die Münzen, 
Medaillen und Orden der ſouveräuen Fürſten von Monaco. 
Homburg. 10 Sgr. 

Hoffmann, die Münzen und Medaillen der ſouveränen 
Landgrafen von Heſſen-Homburg. Nebſt einem Anhange: Die 
heſſen-homb. Militairauszeichnungen und Feldzugsdenkzeichen. 
Homburg. 10 Sgr. s a 

Hohen lohe-Waldenburg, F. K. Fürſt zu — 
Die deutſchen Farben Schwarz-Gold-Roth und die hiſtoriſche 
Berechtigung der rothen Farbe im Deutſchen Banner. 6 Sgr. 

Holſenbürger, die Herren von Deckenbrock (von 
Droſte-Hülshof) und ihre Beſitzungen. 1. Theil 2. Abtheilung. 
Münſter. 25 Sgr. i 

Hüſſen, Geſch. der ehemaligen 
Herrſchaft Homburg a. d. Mark. Barmen. 

Fortſetzung folgt. 


Pesth. 2 


Aufl. 


und Ban⸗ 


reichsunmittelbaren 
25 Sur, 


Anzeige. 

Von HY. Walte in Hannover, Canalſtraßſe 3, wird auf 
franco Beſtellung gratis und franco verſandt: Verzeich- 
niß von ca. 1200 verkäuflichen Abd rücken 
von Siegel-Stempeln des Mittelalters und 
der neueren Zeit.“) 


*) Dieſe Abdrücke können Sammlern wegen ihrer ſorgfältigen 
Anfertigung beſtens empfohlen werden. De, Red. 


Inhalts- Verzeichniß: 


Vorwort. — Protocoll. — Die Hausgenoſſen zu Bam⸗ 
berg. — Chronologiſche Matrikel der Preußiſchen Standeser⸗ 
höhungen. — Deutſche Städtewappen in der Sachſenchronik. 
— Vermiſchtes. — Heraldiſche Bibliographie. — Anzeige. 


Commiſſ.⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin.“ 


Hierzu eine lithogr. Tafel. 


* se | 


en | bannen Gosgeler. eee 


Palle. 
5 
e 

2 


ji 


Lith v J. Könecke in Gardelegen. 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin. 


Erſcheint monatl. einmal 4—1 Bogen ſtark. Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeil 


S, Berlin, im Februar 1871. DI 


2. Jahrgang. 


Auszug aus dem Sitzungs-Protokoll des 2) Vom Schatzmeiſter: auf Ertheilung einer Decharge über die 


„Herold“ vom 3. Januar 1871. 


Die erſte Sitzung im Jahre 1871 fand unter dem Bor: 
ſitz des Freiherrn von Reitzenſtein ſtatt. 

Nachdem zunächſt das Protokoll verleſen war, wurde im 
Anſchluß daran folgender in der vorigen Sitzung gemachter 
Vorſchlag zum Beſchluß erhoben: 

Die Sitzungen des Vereins ſollen, ſtatt am Mittwoch, am 
Dienſtag ſtattfinden, und zwar am J. Dienſtag jedes Monats 
die offizielle Sitzung, und am 3. Dienſtag die geſellige Zu— 
ſammenkunft. In letzterer wird jedoch die Feſtſtellung des 
Protokolls zu erfolgen haben. 

Den Hauptgegenſtand der Beſprechung bildete ſodann eine 
an den Verein gelangte Mittheilung des Herrn G. Seyler in 
Offenhauſen über die von demſelben beabſichtigte Herausgabe 
einer „Bibliotheca genealogico-heraldica,“ welche einen 
Catalog aller, Heraldik, Sphragiſtik und Genealogie betreffenden 
Bücher, Druckwerke und Manuferipte enthalten fol. — Von 
dem p. Seyler war dem Verein ein detaillirter Plan des zu 
edirenden Werkes zur Begutachtung vorgelegt, und gab derſelbe 
Gelegenheit, dem Einſender einige Veränderungen zu empfehlen. 
Allgemein wurde jedoch das Unternehmen mit großem Beifall 
begrüßt, und wird das Buch bei dem gänzlichen Mangel der— 
artiger Werke nicht nur jeder Bibliothek eine höchſt willkom— 
mene Acquiſition bieten, ſondern vorzugsweiſe auch des Forſchers 
langgehegten Wünſchen entgegenkommen. Es erklärte ſich daher 
der Verein gern bereit, das Unternehmen des Herrn Seyler in 
jeder Weiſe zu unterſtützen, und wurde der Wunſch ausge— 
ſprochen, denſelben zu veranlaſſen, im „Herold“ einen 
Aufruf zur Unterſtützung feines Unternehmens ſeitens der In— 


tereſſenten zu veranlaſſen. 


Sodann wurden folgende Anträge geſtellt und genehmigt: 

1) Vom Vorſitzenden, auf das Correſpondenzblatt des „Geſammt— 

Vereins der deutſchen hiſtoriſchen Vereine, Vorort Altenburg“ 

zu abonniren, dieſem Vereine ſich anzuſchließen und dem— 

ſelben ein Gratisexemplar des „Deutſchen Herold“ zu über: 
ſenden; 


— . ͤ EBůà! 4 — . —ñ—— — 


von demſelben vorgelegte Rechnung des „Herold“ vom 1. 
Auguſt bis ult. December v. J. Dabei wurde ſeitens des 
Schatzmeiſters bemerklich gemacht, daß die Einnahmen an 
Beiträgen und Abonnementsgeldern — trotz der größtmög⸗ 
lichen Sparſamkeit — die Ausgaben für das Vereins⸗ 
blatt nur nothdürftig decken. 

Von Herrn Clerieus: ihm die Geldmittel zu bewilligen, um 
von den Wappen der in Nr. 11 des „Herold“ vom 
vorigen Jahre erwähnten, in dem jetzigen Kriege erloſchenen, 
baieriſchen Adelsgeſchlechter: „Peller von Schoppershof“ u. 
„Heußlein von Eußenheim,“ eineu Holzſchnitt für das Ver— 
einsblatt anfertigen laſſen zu können. 

Der Antrag des Herrn Voigt: „die im „Herold“ erſchei⸗ 
nenden Artikel, bevor dieſelben zum Druck gelangen, einer noch 
zu ernennenden beſonderen Redactions-Commiſſion zur Reviſion 
zu übergeben,“ wurde zur Beſprechung für die nächſte Sitzung 
ausgeſetzt. 

Ferner theilte der Schriftführer mit, daß die Herren 
„Bürgermeiſter Brecht in Quedlinburg und Rentier Galliſch in 
Berlin“ aus dem Verein geſchieden ſeien. Schließlich gab der 
Herr Vorſitzende noch zu Protokoll, daß die in der Nr. 1 des 
„Herold“ ſeitens der Redaction gemachte Notiz zu dem Hage— 
meiſterſchen Antrage vereinsſeitig nicht als zutreffend anerkannt 
werden könne, und machte der Sections-Chef für Sphragiſtik, 
Hr. v. Bülow, darauf aufmerkſam, daß ihm der in dem Protokoll 
vom 7. v. Mts. ihm beigelegte Titel nicht gebühre, er vielmehr 
zur Zeit noch keinen ſolchen Titel führe. 

Die Sitzung, in welcher 7 Mitglieder anweſend waren, 
wurde um 92 Uhr geſchloſſen. 

Zur Beglaubigung: 
F. Warnecke. 


Seinsheim und Schwarzenberg, 
die Freien und die Herren. 


Neuerdings iſt das Geſchlecht der Grafen von Seinsheim 
mit dem Anſpruch auf Gewährung derſelben Stellung und des⸗ 


felben Ranges aufgetreten, welchen die ehemals reichsſtändiſchen 
Grafen und Herren mit dem Titel „Erlaucht“ durch die ehe— 
malige Bundesacte erhalten haben. Das Haupt des fürftlichen 
Hauſes Schwarzenberg, welches bekanntlich eine Linie des frän⸗ 
kiſchen freien Rittergeſchlechts von Seinsheim, auch Saunsheim“) 
genannt, iſt, und welches wegen der im Kreiſe Franken belegenen 
zuletzt zu einer gefürſteten Grafſchaft erhobenen Herrſchaft Schwar— 
zenberg, und wegen des zur Herrſchaft qualificirten fruheren 
freien Gerichts Seinsheim Reichs- und Kreisſtandſchaft hatte, 
beſtreitet in der desfallſig verſandten Publication dieſen Rechts⸗ 
anſpruch ſeiner Stammesgenoſſen auf das Entſchiedenſte. Die 
Unterſuchung der Rechtsverhältniſſe der beiden Linien Schwar⸗ 
zenberg und Seinsheim ſcheint uns dahin zu führen, daß der 
Anſchauung der Fürſten von Schwarzenberg völlig beizupflichten 
iſt. Vor dem Erwerb der Herrſchaft Schwarzenberg ſtand 
nämlich keinem ihrer gemeinſchaftlichen Vorfahren die Vertre— 
tung auf der fränkiſchen Grafen» oder Herrenbank oder auf 
das Prädicat Nobilis oder dominus de Seinsheim zu, 
ſondern die von Seinsheim gehörten zu dem freien Reichsadel, 
welcher ſpäter das erſte Element zur Bildung der freien Reichs⸗ 
ritterſchaft in Franken, Schwaben und am Rheinſtrom abgab, 
und welchem vom Kaiſer und Reich in ſeiner Geſammtheit im 
vorigen Jahrhundert zwar reichsſtändiſche Qualität, nicht aber 
Sitz und Stimme im Reichstage zuerkannt wurde. In der 
Eigenſchaft als freie Reichsritter wurden die Freyen von Seins⸗ 
heim keineswegs dadurch alterirt, daß ſie Ritterlehn auch von 
andern Reichsſtänden, z. B. von den Grafen v. Kaſtell u. v. Hohenlohe 
beſaßen, denn ſie hatten gewiſſe Beſitzungen und Gerichtsbarkeiten 
lediglich als Freieigen, und waren mit ſolchen nur Kaiſer und 
Reich als Eigner unterworfen, davon ſie auch dem Stand der 
Centbarfreien, Semperfreien oder Freyen (Frigen) angehörten; 
den fränkiſchen Herrenſtand aber erwarben ſie lediglich erſt 
mit dem Beſitz der früher Hohenlohe'ſchen Herrſchaft Schwar⸗ 
zenberg und derſelbe ging nach damaligen Grundſätzen nur auf den 
Zweig der Nachkommen Erckingers von Seinsheim, des 
erſten durch Diplom des König Sigismund v. 1429 ernannten 
Reichsfrei- und Banner-Herrn von Schwarzenberg, über, 
welcher im Beſitz und in der Vertretung von Schwarzenberg blieb, zu 
welcher ſich dann ſpäter auch die Vertretung des zu einer Herrſchaft 
qualificirt befundenen und dazu erhobenen freien Gerichts (oder 
der Mark) Seinsheim geſellte. Die andern Nachkommen Erchingers, 
welche weder den Beſitz noch den Namen Schwarzenberg er— 
hielten, haben als Seinsheime auch den Anſprüchen, welche dem Hauſe 
Schwarzenberg aus der Erhebung in den Reichsgrafenſtand v. 8. 
Juni 1599, aus der Verleihung des Reichsfürſtenſtandes v, 14. Juli 
1670 und aus der Einführung in das Reichsfürſtencollegium 
v. 22. Auguſt 1674 erwuchſen, früher durchaus ferngeſtanden, 
und haben vor und nach der Ertheilung des Reichsfreien⸗-Herren⸗ 
titels 1580 bis zum 17. Sept. 1705 im Freiherrenſtand 
geblüht, welcher in ſeinem eigentlichen Weſen durch Verleihung 
des Reichsgrafentitels unter dem genannten Datum keine 
Mehrung an politiſchen Rechten erhielt. Dieſen uralten Freiherrn⸗ 
ſtand aber, welcher auf dem Erbe freieigner Güter und freieigner 
Gerichtsbarkeit über Hals und Hand und anderer Regalien, als 
hoher Jagd und von Bergwerksrechten auf edle Metalle (d. h. 
ſofern dieſelben nicht lehnbarer Natur waren und ohne Mittel 


») Das Wappenbild des Geſchlechts iſt die gekrönte Sau, 
daher offenbar ein redendes. Das Kleinod, ein Menſchenhaupt, iſt 
in Dr. Carl Ritter v. Meyers heraldiſchem A-B⸗C-⸗Buch Tafel 
XVIII. nach alten Siegeln von 1360, 1369 und 1414 gegeben. 


10 


unter Kaiſer und Reich ſtanden) beruhte, theilte Seinsbeim 
mit andern deutſchen, vorzugsweiſe aber fränkiſchen, ſchwäbiſchen 
und rheiniſchen Geſchlechtern, welchen nach ihrer Mediatiſtrung, 
ſei es durch Lehnsauftragung einerſeits, ſei es nach ihrer Unter⸗ 
werfung unter die Gerichtsbarkeit anderer Reichsſtände oder 
ihrer Incorporation iu die Reichsritterſchaft andererſeits eine bes 
vorzugte Stellung vor dem niedern Adel nicht eingeräumt worden iſt. 
Nachweiſen läßt ſich zudem, daß der Stand der Freien und der 
Stand der Herren („nobiles domini‘‘) nicht einmal inſofern 
immer zuſammentraf, daß die „nobiles“ auch „Freie“ waren. 
Dies iſt der Fall bei den Schenken von Gaftell. (wohl zu unter— 
ſcheiden von den Alt-Grafen v. Caſtell), bei den Schenken von 
Limburg, den Marſchällen von Pappenheim, den Schenken von 
Tautenburg, und vielen anderen alten Geſchlechtern, 
denn ſchon ihr Amt bezeichnet ſie als Miniſteriales 
oder Edelknechte des Reiches. In den öſtlichen Reichs marken, 
begegnen uns ſogar Miniſterial⸗-Familien, welche nach ihrer 
Ueberſiedelung in die von Wenden und Slaven bewohnten Ge— 
biete, z. B aus dem Oſterlande nach der Lauſitz und Schleſien 
aus dem gemeinen Ritterſtand in den Herrenſtand übertraten, 
z. B. die von Pack und die von Veſta, welche bereits im 13. 
und 14. Jahrhundert in der Lauſitz und Schleſien, Erſtere al$ 
Herren vou Pack, Letztere als Grafen und Herren von Kamenz 
oder Bernhardsdorf (Bernſtadt) auftauchen. Andere, z. B. die 
Edlen Herren von Wildenfels, Edlen Herren von Waldenburg, 
Edlen Herrn von Ileburg oder Eulenburg (mit dem Vornamen 
Botho, böhmiſch Puota, und Wend), die Gans, Edlen Herrn 
von Putliz gehören dem Herrenſtand an, ohne daß bis 
jetztihre Reichsunmittelbarkeit erwieſen iſt. Andererſeits er— 
ſcheint der Stand der liberi, liberi milites, ingenui 
viri, Centbar⸗Freien (Semperfreien) bei Geſchlechtern, welchen 
eine beſondere politiſche Stellung niemals eingeräumt wurde. Die 
ehemalige Bundesacte hat nicht einmal diejenigen Familien alle 
berückſichtigt, bei welchen die Abſtammung aus den Nobiles u. 
Liberi keinem Zweifel unterliegt, während dagegen die Häuſer 
Lichtenſtein und Reuß durch den Rheinbund und die Bundesacte 
zum Stande der Souveränetät gelangten. Die Vorfahren von letz— 
terem Hauſe erhielten in den Urkunden des 13. u. 14. Jahrhunderts, 
obwohl ſie als domini de Wida, domini de Gera auftraten, 
gemeiniglich kein höheres Prädicat, als das von strenui viri 
(geſtreuge Mannen), was jeder andere Rittersmann auch hatte, 
niemals aber wird ihnen der Titel eines liber oder vir 
ingenuus beigelegt; als Zeugen erſcheinen ſie im 13. Jahrh. faſt 
immer unter den Miniſteriales oder Edelknechten. — Die heutige 
Stellung eines Geſchlechts oder Hauſes giebt alſo keinen Maß— 
ſtab für den Glanz der freien und erlauchten Geburt ſeiner 
Ahnen. Der verdiente Umarbeiter der Voigtelſchen genealogiſchen 
Tabellen der europ. Regentenhäuſer, Dr. A. Cohn zu Göttingen, 
hat in ſeiner muſterhaften und fleißigen Abhandlung „die Vor⸗ 
fahren des fürſtlichen Hauſes Reuß in der ſtaufiſchen Zeit, 
Band IX. Heft 3 Seite 529 der von der hiſtoriſchen Com⸗ 
miſſion zu München patronirten „Forſchungen zur deutſchen Ge⸗ 
ſchicht“ den Nachweis geführt, daß der Reußiſche Ahnherr 
Heinrich II. v. Weida aus dem Stand eines Miniſterialen 
der Herzogin Gertrud von Sachſen, dann Herzog Heinrichs des 
Löwen erſt ein Reichsminiſterial geworden iſt, als er durch 
Uebermacht beſiegt, ſich von Heinrich dem Löwen abwendete 
und dem Kaiſer Friedrich J. anſchloß.“) Durch unverdächtige 


„) Die Wiederlegung der Cohnſchen Abhandlung 


hat zwar G. 
A. Brückner in der im Auftrag geſchriebenen „Landes⸗ 


und Volks⸗ | 


N 
I 


vor Allem aus begreiflichen Gründen vermeiden follte. 


Urkunden ſteht feſt, daß die Stammſitze Weida und Gera im 
Elſtergebiet, (abgeſehen von den bei Nordhauſen gelegenen 
kleinen Ritterſitzen) eben landgräflich thüringiſches Territorium, 
Schleiz und Lobenſtein ein Arnshaugiſches Erbe, die Voigtei 
von Gera Lehn des Reichsſtifts Quedlinburg waren, und Plauen 
den niederſächſiſchen Grafen v. Eberſtein gehörig, erſt 1329 
von dieſen den Voigten v. Plauen aus dem Haufe Weida ei gen- 
thümlich überlaſſen, ſehr bald aber böhmiſches Kronlehn wurde, 
und daß das Haus Reuß bis in die letzte Zeit vor Entſtehen der ſeel. 
Bundesacte ſich nicht von der böhmiſchen und ſächſiſchen Lehns— 
hoheit befreien konnte. Die unechten Urkunden, aus welchen 
man früher das Gegentheil folgern wollte, ſind von Cohn ſorg— 
fältig ausgeſchieden. Dies möge als Beweis der obigen Be— 
hauptung dienen, daß die heutige Stellung von Geſchlechtern 
nicht immer auf urgeſchichtlicher Berechtigung beruht. Jedenfalls 
kann man annehmen, daß die Qualität der centbarfreien Ge— 
burt, welche die Deutſchen vor Alters als Erforderniß der 
Selbſtändigkeit des Mannes verlangten und von jeher hoch zu 
ſchätzen und zu betonen wußten, vom Ende des 15. Jahr- 
hunderts ab nicht mehr als Grundlage hoher Stellung galt, 
wenn nicht wirkliche Macht und geſchloſſener Grundbeſitz damit 
verbunden war. Daher mögen ſich die Träger des Namens und der 
Geſchichte ſolcher Geſchlechter, welche ſich dieſes Vorzugs freier Ab— 
ſtammung rühmen, und darunter auch die Grafen v. Seinsheim, mit 
der Pflege dieſes ſchönen Bewußtſeins begnügen. Hier mögen 
einige Regeſten folgen, aus welchen die Stellung Erckingers v. 
Seinsheim zur Zeit der Erwerbung der Herrſchaft Schwarzen— 
berg und deſſen Eigenſchaft als brandenburgiſcher Vaſall her— 
vorgeht, und aus welchen gleichzeitig die Auftragung einiger 
freieigner Güter zu brandenburgiſch⸗nürnbergiſchen Lehn, 
offenbar um Schutz und Schirmes willen, dargethan wird. 
C. Chl. Frh. v. R. 


Extract aus dem zu Bamberg befindlichen Lehn— 
buch des Kurfürſten Friedrich J. von Banberg. 


1421 den 17. November. Act. mergentheim feria II. 
post martini. Erkinger von Sawußheim hat empfangen 
das hawße weyſſenbrunn mit dem Innerſten gerichtegraben, 
das er vormals von Burggraf Johanns ſeliger zu Lehen 
gehabt hat. Item zween teil eines czehenden zu herbolcz— 
heim. Fol. 7. 

1426 den 13. Juli. Geben an ſant Margareten dag. Erkinger 
von Sawußheim macht ſeine eigenen Güter zu Genot— 
ſtat dem Marggrafen Fridrichen zu Lehen fuer andere von 
deſſen Vorfahren den von ihm geſtifteten Kloſter zu Oft 
heim geeignete Güter daſelbſt. Fol. 33b. 

1429 den 16. Februar. Geben zu Newenſtat an Mitwoch 
post dominicam Inuocavit. 

Friedrich Markgraf zu Brandenburg bekennt auf Anſuchen 


kunde des Fürſtenthums Reuß jüngerer Linie Gera 1870“ verfucht, 
dieſelbe iſt aber ſo mit Entſtellung der benützten Urkunden geſchrieben 
und ſo ſeicht begründet, daß der hiſtoriſche Theil dieſer Arbeit werth— 
los iſt. Nachdem der Verfaſſer ſelbſt einräumt, daß die friderician. 
Urk. v. 1232, welche die einzige iſt, wo ein Voigt von Plauen als 
Reichsvoigt bezeichnet wird, gefälſcht iſt, verändert derſelbe Verfaffer 
gleichwohl den Titel Reichsſtiftsvoigt im Laufe ſeiner Darſtellung 
ſtets in den eines Reichsvoigts, was doch zwei ſehr verſchiedene 
Stellungen ſind, welche mit einander zu verwechſeln ein Archivar 
Daß die Be⸗ 
deutung des Hauſes Reuß in ſeinen Thaten für den Deutſchen Orden 
in Preußen zu ſuchen iſt, hat ſchon Cohn betont. Der Obige. 


11 


des Erkinger von Sawnsheim Ritters zum Steffansperg 
deſſen Gemahlin Barbara gebornen von Abensperg“) VC. 
gulden reiniſch auf allen deſſen Lehnbaren gütern zu 
Gnotſtat. Fol. 34. 

1431 den 25. März. Geben zu Nuremberg am Palmtag. 
Friedrich Marggraf zu Brandenburg ꝛc., verleiht dem Er— 
finger von Sawußheim zu Weißenbrünn und Nicolaus 
Ammann zu rechtem Manlehen den Dritteil der Zehenden 
zu Helinezheim mit allen feinen Zugehorungen. Fol. 32b. 

1431 den 16. April. Geben zu Nuremberg am Montag 

nach dem Sontag Misericordias domini. 


Friedrich Markgraf zu Brandenburg bekennt, daß er Er- 
finger von Sawnßheim zu Beißenbrunn zu rechtem Manlehen 
verliehen hat ein Wiſſen „im alten See“ genant, eine „im neuen 
See“ genant und, die krummen wiſſen, alles zu Wiſſenbrunn 
gelegen und einen See im Rudenhaußer Felde gelegen. Fol. 8. 


eodem dato. Friedrich Marggraf zu Brandenburg und Burg— 
graf zu Nurenberg eignet dem Erkinger von Sawußheim 
zu Weyſenbrunn zwey Theile an dem Zehenden zu Helincz— 
heim. Fol. Sb. 

codem dato. Erkinger von Sawußheim zu Wiſſenbrunn 
macht dem Marggrafen Friedrich zu Brandenburg fuer 
zwei Theile ihm geeigneten Zehent zu Helinczheim andere 
eigene Güter zu Lehen nemlich: eine Wiſſen im alten 
See und eine im newen See genannt zu Wiſſenbrunn, 
einen See im Rudenhapſer Felde gelegen und die Krum— 
menwyſe zu Wiſſenbrunn. Fol. 9. 

1439 den 22. März. Geben zu Onolezpach an Sontag Judica. 
Fridrich Marggraf zu Brandenburg und Burggraf zu 
Nürnberg verleiht den Gebruedern Hanſen, Sigmunden, 
Erkinger, Ulrichen und Jobſt Herren zu Swarczenberg und 
von Sawnußheim Güter, Zins und Gült zu Wiſſenbrunn 
Kleinen-Lanckheim, Nenezenheim, Hernezheim und Sulcz⸗ 
dorf zu rechtem Mannlehen. Fol. 48h. — 51b. 


1439 den 22. März. Geben zu Onolczpach, 
Judica. 

Friedrich Markgraf zu Brandenburg u. Burggraf zu Nu— 
remberg eignet der Barbara Frau zu Schwarzenberg und 
von Sawnsheim gebornen von Abensberg, und ihren 
Söhnen Hanſen, Sigmunden, Erkinger, Ulrich u. Jobſt 
alle ihre Güter zu Gnotſtat, dagegen ſie alle ihre Güter, 
Zins und Gült zu Wiſenbrunn, Klein-Lanckheim, Nene⸗ 
zenheim, Hernczheim und Sulczdorff ihm zu Lehen gemacht. 
Fol. 51 b. 

sub eod. dato et anno. 
Derſelbe Marggraf bekennt genannter Barbara auf vor 
beſagten Gülten, Zinſen und Gütern zu Wiſenbrunn ꝛe. 
VC. rheiniſche Gulden. 


Fol. 52b. 


des Sontags 


) Barbara war die Tochter des Jodocus Herrn zu Abensperg, 
deſſen leibliche Schweſtertochter die Gemahlin König Sigismunds 
geweſen iſt. Barbara war die zweite Gemahlin Erckingers von 
Seinsheim und Ahnfrau der Freiherren von Schwarzenberg und 
Hohenlandsberg. In erſter Ehe war Erkinger mit Anna von Bibra 
vermählt, aus welcher die andere Seinsheimiſche Linie ſtammte. Die 
Kinder der Barbara waren 1443 nock nicht 14 Jahr alt, und ſind 
ſämmtlich erſt nach 1429 geboren. Die Kinder erſter Ehe waren in 
der Standeserhöhung v. 1429 nicht mitbegriffen. Der Obige. 


12 


Die Hausgenoſſen in Bamberg. 
(Fortſetzung.) 

2) Conrad, auf den ſich das Küchen meifter - Amt ver⸗ 
erbte, deſſen Descendenz dieſen Amtsnamen beibehielt. 1291 
und 1294 Chunradus et Walterus filii quondam Broun- 
wardi. 1301 Conrad Co qu ar ius. 1237 Brunward 
Küchenmeiſter. 1331 Friedrich K. mit ſeiner Gattin 
Eliſabeth. 1343 Ulrich. 1356 Conrad. 1411 Conrad 
der ältere; Ulrich u. Engelhard Vettern; Ulrich, Hein⸗ 
zens Sohn, mit ſeinem Vetter Hans. i 

3) Walter, erſcheint urkundlich bis zum Jahre 1298. 
Schweitzer iſt geneigt, ihn für den Stammvater der Haller 
zu halten; dieſe Angabe iſt nach meinem Dafürhalten jehr 
wahrſcheinlich, obwohl ich keinen weiteren Stützpunkt für die⸗ 
ſelbe gefunden habe. als daß die Haller von je zur Sippe 
der Braunwarte gezählt wurden. Nürnbergiſche Chroniken wiſ⸗ 
ſen zwar ſchon im Jahre 1240 einen Ulrich Haller, deſ⸗ 
ſen Wirthin „eine Edle Fuchſin“ geweſen ſei, anzuführen; in⸗ 
deſſen fehlt dazu nur der urkundliche Nachweis; außerdem wiſ⸗ 
ſen wir, wie überreich die Nürnbergiſchen Chroniken an genea⸗ 
logiſchen Märchen ſind. — Als Walters Söhne erſcheinen 
1308 Brun wardus; 1314 Conrad. Die Namen der 
bekannten Haller führe ich ſofort hier an: zu Biſchof Ludwigs 
Zeit (13661374) Conrad und Georg. 1411 Cunz 
Haller, Vetter des Conrad Küchen meiſter; Baltha⸗ 
far H. und fen Caspar; Lorenz u. deſſen Sohn Ge— 


org. 

f Als Brüder Conrads (Nr. 2.) und folglich auch als 
Söhne Bra unwarts erweiſen ſich im Jahre 1323 Hein⸗ 
rich genannt Sambach und Hein rich genannt v. Lies⸗ 
perk. Bekanntlich gab es zwei landſäſſige Geſchlechter ganz 
gleichen Namens, und iſt ſehr ſchwierig, die vorkommenden 
Namen richtig einzureihen. Wodurch ſich unſere Hausgenoſ— 
ſen das Recht auf dieſen Namen erwarben, ob — wie wahr⸗ 
ſcheinlich — durch Heirath, iſt dermalen noch fraglich. Nä⸗ 
here Unterſuchungen mir vorbehaltend, gebe ich hier nur eini⸗ 
ge Namen, die beſtimmt unſeren Geſchlechtern angehören: 

4) Liesberg: Zu Biſchof Ludwigs Zeiten: Hein rich 
Lisberger, Aelteſter der Hausgenoſſen und Erhard. 

5) Sambach: 1326 Heinrich. 1374 Braunwart 
und Heinrich. 1377 und 1382 Braunwart. 1411 
Braun S., „Dichter“ des Heinz Gun dloch. 

Die nachfolgenden Familien werden als Abkömmlinge 
Günthers des Münzmeiſters angegeben, was aber unerwie— 
ſen iſt, und mir irrig zu ſein ſcheint. 

6) Im Jahre 1298 erſcheinen Wicker u. Gundloch 
als Brüder. Der erſtere hatte einen Sohn Walter. Weiter— 
hin wird dieſe Familie nicht erwähnt. Dagegen ſein Bruder: 

7) Gun dloch hatte eine Reihe von Nachkommen. Ob 
die Brüder von dem i. J. 1231 namhaft gemachten „servus“ 
Wigger oder von dem gleichzeitig angeführten Gundeloch 
abſtammen, kann wohl nicht entſchieden werden. Im Jahre 
1237 erſcheint ein Gundelochus Marscalcus bei biſchöf⸗ 
lichen Handlungen als Zeuge (Oeſterreicher Denkwdgktn. III. 
26.) mit dem vorigen vielleicht eine Perſon. 1305 werden 
Sifried und Friedrich, 1314 Franz als Sohn 
Gun dlochs (des jüngeren) genannt. Zu Biſchof Ludwigs 
Zeiten: Dietterich und Fritz Gundloch. 1411 Heinz 
und Conrad. 


8) Ans halm. Für den Stammvater dieſer Familie 


halte ich den im Jahre 1291 unter den Hausgenoſſen zeu— 
genden Anſelmus. Es wird dies derſelbe jein. der im J. 
1257 Anshelmus filius Brunwardi quondam sculteti 
genannt wird. Dieſer Brunwart, der ſchon im Jahre 1231 
alter Schultheiß heißt, iſt von dem oben genannten Stamm— 
vater der Braunwarte natürlich gänzlich verſchieden. Zu Bi— 
ſchof Ludwigs Zeiten lebte noch ein Hausgenoſſe Carl 
Ans halm. 

Als Stammgenoſſen 
Familien angegeben: 

9) Nepf, von denen blos zu Biſchof Ludwigs Zei— 
ten ein Heinrich als Hausgenoſſe erwähnt wird. 

10) Berlein, die gar nicht hausgenöſſiſch waren. We— 
ntgſtens wurde Hans Berlein, der ein Hausgenoſſe zu 
ſein behauptete und die Steuer verweigerte, im Jahre 1380 
nicht als ſolcher anerkannt, da er keinen Beweis führen konnte. 

Die Angaben über das Wappen der Hausgenoſſen wei— 
chen von einander ab. Schweitzer theilt mit, fie hätten ſämmt⸗ 
lich einen Brackenkopf und 3 Kolben geführt. Die Quelle aus 
der er ſchöpfte, hielt indeſſen die Hausgenoſſen ſämmtlich für 
Abkömmlinge eines Stammvaters, und dürfte deßhalb nicht 
ganz zuverläſſig ſein. Nürnbergiſche Chroniken ſchreiben den 
Münzmeiſtern und Hallern drei Sporen als Wappenbild zu. 

Der mehrfach erwähnte Herr Curatus Schweitzer hat 
im Oberfränk⸗Archiv II. Bd. 2. Heft aus einer alten Hand- 
ſchrift und Urkunden ein intereſſantes Material zu Geſchichte 
der Hausgenoſſen mitgetheilt, aus dem ich vorzüglich geſchöpft 
habe. Seine Darſtellung iſt übrigens von der meinigen prin— 
cipiell und formell verſchieden. Abgeſchloſſen iſt der Ge— 
genſtand auch heute noch nicht: beſonders meine gegenwärtlgen. 
Zeilen ſollen nur als Anregung zu weiteren Forſchungen gelten. 

Offenhauſen. ehe n 


der Ans halm werden folgende 


Deutſche Städtewappen 
in der Sachſenchronik; 
erläutert von Ad. M. Hildebrandt und F. Warnecke. 

Das 1362 und noch 1537 in Gebrauch befindliche Secret 
zeigt den Adler rechtsſehend ohne die Spange, welche letztere 
wahrſcheinlich dadurch entſtand, daß ein Zeichner die (auf dem 
Secret ſehr ſichtbaren) Flügelſehnen irrthümlich auffaßte und- 
die Linie über die Bruſt des Adlers fortzog. — Legende: 
„ secretum. consulum. in. goslaria.“ 

Das 1476 noch benutzte Hauptſiegel mit der Umſchrift: 
„rt Sigillum burgensium in goslaria“ läßt auf unſerm 
Abdruck das Siegelbild nicht mehr recht erkennen, jedoch fcheint 
daſſelbe ebenfalls den Adler im Siegelfelde zu führen, welcher 
bei dem c.) „Signetnm civitatis Goslarie“ (16. Jahrh.) 
erſcheint; zwei fernere Siegel d) und e) beide mit der Umſchrift: 
„Signetum civitatis Goslariae,“ erſteres dem Anfange 
letzteres dem Ende des 18. Jahrhunderts angehörend, haben 
den Adler im Siegelfelde, ebenſo das f.) „Signetum civita- 
tis goslarih“ (sic) aus dem 17. saec. 

3) Jedenfalls aus der Zeit der preußiſchen Occupation 
um 1806 ſtammt das „Siegel der Königl. preußiſchen 
Stadt Goslar“ auf welchem der Reichsadler in den damals 
jo beliebten verunſtalteten ſchwebenden preußiſchen Aar mit Scepter 
und Reichsapfel verwandelt erſcheint. Späterhin trat der Reichs⸗ 
adler wieder in ſeine Rechte ein, wir finden ihn h.) auf 
dem neueren Stadtſiegel mit der Umſchrift: „Magistr. der 


Koen. hannov. Stadt Goslar.“ Ob etwa feit 1866 eine 
abermalige Veränderung ſtattgefunden hat, iſt uns nicht be— 
kannt. — 

8) Gottinge. (Göttingen.) In R. ein g. go⸗ 
thiſches G. 

Das G., welches wir ſoeben als zeitweiliges Wappenbild 
der Stadt Gandersheim fanden, ſcheint von Göttingen ſonſt 
nen Anhaltspunkt. Als Helmſchmuck dagegen tritt es im 16. 
Jahrh. auf. 

Es exiſtiren folgende Siegel in unſeren Sammlungen: 

a) „t Sigillum. Burgensium. in gotigen.“ 
einem halbkreisförmigen Bogen, welcher mit drei ſpitzbedachten 
Thürmen beſetzt iſt, ein nach links ſchreitender Löwe. Um 
1300. 

b) „ secretum. burgensium. in. gotigen.“ 
vorigen 
Löwe nach rechts ſchreitend. 

Wir glauben auf letzteren Umſtand beſonders aufmerkſam 
machen zu ſollen; ſchon oben bei Braunſchweig fand ſich die 
veränderte Stellung des Wappenbildes als Unterſcheidungs— 
merkmal zwiſchen Siegel und Seeret: weiter unten wird ſtich 
daſſelbe bei den Siegeln von Hannover und Lüneburg ergeben. 
Wir werden ſpäter einmal noch auf dieſe Erſcheinung zurück— 
kommen. 

c) „Sigillum burgensium in gotigen.“ Wappen⸗ 
ſiegel; der Löwe nach rechts ſchreitend unter dem Stadtthor 
im Schilde — auf dem Helm das gekrönte G. 16. Jahrh. 

d) „Secretum burgensium in gotigen,“ 17. Jahrh. 

e) „Sigillum civitatus Gottingensis,“ 18. Jahrh. 
Beide zeigen nur den nach rechts ſchreitenden Löwen im Sie— 
gelfelde. f 

) „Sigillum civitat. Gottingensis“ 

g) „Sigillum civitatus Goettingensis“ 
Beide in Darſtellung wie c. 

Endlich zeigen dieſelbe Darſtellung auch zwei neue Siegel, 
die ſich nur durch ihre Umſchriften unterſcheiden: h) „sigil- 
lum ciuitat. Gottingensis“ i) „sigillum civitatis Goettin- 
gensis.“ Jedoch erſcheinen hier die Thürme in b., der Löwe 
in r. Felde. 

9) Haluerſtadt (Halberſtadt.) 
geſpalten, darin eine ſchrägrechts 
Wolfsangel. 

Wann dies noch heutzutage geführte Stadtwappen zuerſt 
auftritt, iſt nicht mit Beſtimmtheit ermittelt. Auf den älteren 
Siegeln erſcheint es nicht. Von letzteren ſind zu erwähnen: 

a) das prachtvolle Hauptſiegel aus dem 14. Jahrhundert; 
unter einem ſchönen romaniſchen Portal der hl. Stephan in 
ganzer Figur, halb in die Knie ſinkend, mit betend erhobenen 
Händen, in geſticktem Ornat. Die Umſchrift in verzierten 
Majuskeln: „Sigillum burgensium, in, halberstat.“ 

Ueber dem Heiligen: „St. Stekanus.“ 

b) „S'consulum in halberstat.“ Der Heilige knieend, 
nach rechts gewendet; „St. Stephan.“ 14. saec. 

c) „S’consulum im (sic) halberstat.“ Ebenſo „St. 
Steffan.“ 16. Jahrh. 

d) „Sigillum consulum in halberstadt.“ — „St. 
Steffanus 1536.“ St. Stephan ebenfalls nach Rechts gewen⸗ 
det knieend; ihm zu Füßen der Wappenſchild, wie auf der Tafel. 


Dem 


18. Jahrh. 


Von w. undr. 
gelegte ſch. 


(abgeſehen von der Größe) ganz gleich, aber der 


13 


e) „Sigillum civitatis halb erstadiensis 1680,“ mit 


Perlenrand, 
1680, mit 


f) 29 272 29 


glattem Rand, 

g) „Sigill. Stat Halbstat“ (17. Jahrhundert) — zeigen 
das vollſtändige Wappen wie es noch jetzt geführt wird: Schild 
wie oben, Helm: hoher Hut, oben mit 3 Pfauenfedern beſteckt, 


: 1 fein, wenigſtens geben die Siegel dafür kei- von w. und r. geſpalten mit Aufſchlag wechſelnder Tinctur 
ie eee ; le zwiſchen zwei von w. und roth getheilten Fähnlein. — Daſſelbe 


W. enthalten auch die neuen Stadtſiegel h) das große und i) 
das kleine „Sigillum civitatis halberstadiensis“ während 


h ein der Umſchrift entbehrendes K) v. J. 1730 nur den Schild 
nter 


zeigt. — 

Halle (Halle a. d. Saale.) In W. ein flach ge— 
zogener geſtürzter, die äußeren Schildesränder be— 
rührender r. Halbmond, oben und unten von je einem 
ſechsſtrahligen Stern begleitet. 

a) Das alte Hauptſiegel mit der Umſchrift: „ Sigillum. 
burgensium. de. Halle“ zeigt, ziemlich roh gearbeitet, 
eine hohe von zwei romaniſchen Thürmen flanfirte oben runde 
bogige Mauer mit einem kleinen Thürchen; 14 Jahrhundert. 

Bereits im 15. Jahrh. begegnen wir dem eben beſchrie— 


benen Wappen, welches bis jetzt geführt wurde, jedoch mit dem 


Unterſchiede, daß der Mond aufwärts gekehrt iſt; zuerſt auf 
dem b) „secretum burgensium in hallis,“ welches unter 
einem Portal die hl. Jungfrau zeigt, rechts, links und unten 
von dem Wappenſchilde begleitet. — Aus ſpäterer Zeit liegen 
uns noch nachſtehende Siegel vor: 

c) „Stadt Hall; achteckig, ſehr klein; 
Mond und Sternen. 17. Jahrhundert. 

(Fortſetzung folgt) 


Schild mit 


Bemerkungen zu den Städte- Wappen in 
der Sadfendronik. 


Zu Tafel J. Nr. 3 Braunſchweig. Der Schild 
mit der Lilie wird das Wappen der Lilienwente ſein, 
einer 1384 geſchloſſenen Verbindung der angeſehenſten 


Stadt⸗Braunſchweigiſchen Geſchlechter zur Abwehr des fehde— 
und beuteluſtigen Adels der Umgegend. Das Wappen 
der Lilienwente, von welchem Rethmeier Braunſchw. Lüneb. 
Chronik S. 1851 eine Abbildung nach einem alten an einem 
Brückenpfeiler beim Michaelisthore in Braunſchweig befindlich 
geweſenen Stein giebt, zeigt eine Lilie. — Näheres über die 
Lilienwente ſchreibt Dr. H. Dürre in ſeiner muſterhaften Ges 
ſchichte der Stadt Braunſchweig. 

Zu Nr. 4 Einbeck. Ein in meinem Beſitze befindliches 
altes Hauptſiegel hat dieſelbe Darſtellung, wie das Secret v. 
J. 1385. — Das gothiſche E. erſcheint auf Bracteaten und 
ſpäteren Münzen der Stadt Einbeck faſt ausſchließlich. 

Zu Nr. 6. Gandersheim. Das weiße Pferd im rothen 
Felde iſt nicht das Braunſchweiger, welches erſt viel ſpäter im 
Wappen der Herzöge erſcheint. Das hier abgebildete hat wohl 
Bezug auf den Sachſen-Herzog Ludolf, den Stifter der Abtei 
Gandersheim, weil die Herzoͤge von Sachſen der Sage nach 
dieſes Wappen geführt haben ſollen. — In Harenberg hist.: 
Gandersheim. Tafel 25 iſt ein Siegel der Stadt Ganders⸗ 
heim abgebildet, welches den Rückenſchild nebſt Hörnern eines 
Hirſchkäfers zeigt: offenbar hat der Künſtler, welchem wohl ein 
verwiſchtes Exemplar des Siegels b. aus dem 16. Jahrhundert 


vorlag, den Topfhelm für das Rückenſchild und die Büffelhör⸗ 
ner für die Hörner eines Hirſchkäfers angeſehen. 

Wie unzuverläſſig die Siegelabbildungen in älteren Bi: 
chern find, zeigt in demſelben Werke die Tafel 36, wo das 
Siegel eines Otto v. Hohenbüchen (de Honboken, de Alta 
fago) abgebildet iſt, welcher nie exiſtirt hat. Harenberg hat 
dem Anſcheine nach dieſes falſche Siegel aus Weſtphalen 
Script. rer. Meklenburg. entnommen, um ſeine Kupfertafel 
auszufüllen. Die Folgerungen für die Vorfahren der Edel— 
herrn von Hohenbüchen, welche aus dieſem erfundenen Siegel 
gezogen ſind, ſ. v. Ledebur Arch. f. d. Adelsgeſch. II. S. 182. 

J. Grote Rörhr. 


Aufs en 


Bernd J. findet ſich die Notiz, daß Leyſer's „historia 
comitum Ebersteinensium etc.“ zwei Gegenſchriften von 
Conr. Barth. Behrens und zwei Vertheidigungsſchriften des 
Verf. zur Folge hatte. Wie lautet der genaue Titel dieſer 
Schriften, wie viele Seiten zählt jede derſelben? 

Wie lautet ferner der wortwörtliche Titel und wie viel 
Seiten, Tabb. ꝛc. zählen die Letzner'ſchen Stammbücher, die 
Geſchlechter: Berlepſch, Daſſel, Kerſtlingerode, Maltzburg, Stein⸗ 
berg, Schwanring und Pleſſe betr., ſämmtlich im 16. Jahrh. 
erſchienen? 

Daſſelbe von den Genealogien Mollers, folgende Geſchlechter 
betr.: Ahlefeldt, Baudiſſin, Brandt, Hapthauſen, Hieſten, Hol— 
ſtein, Nettelbladt, Strefow, Zaum und anderer, ſowie von 
Mollers Beiträgen zur Adelsgeſchichte? 

II 


„Exiſtirte außer der Familie von Köckritz noch ein an⸗ 
deres Geſchlecht, welches daſſelbe Wappen (3 goldene Lilien im 
blau und filbernen Felde, Helmzierde 2 Büffelhörner in den- 
ſelben Farben) führt, woraus ſich eine Stammesverwandtſchaft 
herleiten ließe?“ 

„Giebt es außer dem Dorf Köckeritz bei Waida noch einen 
zweiten Ort oder hat es einen ſolchen gleichen Namens ge 
geben?“ 


Der Heimgang der edlen Geſchlechter Wal d- 
ſtromer von Reichelsdorf und Beller 
von Schoppershof. 


Im Jahre 1748 beſtand nach Biedermann 's Ge⸗ 
ſchlechtsregiſter des hochadeligen Patriciats zu Nürnberg 
daſſelbe aus nachfolgenden Familien: 

1) die Herren Behaim Freiherrn v. Schwarzbach, 
2) die Herrn Dietherr v. Anwanden, 3) die Herren 
Ebner v. Eſchenbach, 4) die Herren Fürer v. Haimen⸗ 
dorf, 5) die Herren Geuder v. Heroldsberg, 6) die 
Herren Grun dherr v. Alten thann, 7) die Herren 
Gugel v. Diepolts dorf, 8) die Grafen, Freiherren und 
Herren v. Haller zu Haller ſtein, 9) die Herren Hars⸗ 
dörffer v. Fiſch bach, 10) die Herren Holzſchu her v. 
Asbach, 11) die Freiherren und Herren Im Hof, 12) die 
Herrn Kreß v. Kreſſenſtein, 13) die Freiherren u. Her⸗ 
ren Löffelholz v. Colberg, 14) die Herren Muffel 
v. Ermreuth u. Eſchen au, 15) die Herren Oelhafen 
v. Schöllen bach, 16) die Herren Peller v. Schoppers⸗ 
hof, 17) die Herrn Pfinzing v. Henfenfeld, 18) die 


. 


letzte 


14 


Herren Pömerv. Diepoldsdorf, 19) die Herren Sche url 
Defers dorf, 20) die Herrn Stromer v. Rei⸗ 
chenbach, 21) die Herren Hack v. Suhl gen. v. Thill 


22) die Herren Tu cher v. Simmelsdorf, 23) die Her⸗ 


ren Volckamer v. Kirchen⸗Sitten bach, 24) die Her⸗ 
ren Waldſtromer v. Reichels dorf, 25) die Grafen, 
Freiherren und Herren v. Welſer. 

Von dieſen 25 Familien ſind im vorigen Jahrhundert 
noch 2 erloſchen, und zwar ſtarb in der zweiten Hälfte deſſel— 
ben Herr Guſtav Gabriel Hack von Suhl genannt von 
Thill, Pfleger zu Betzenſtein, als der letzte feines edlen 
Geſchlechtes, und am 10. März 1764 erloſch die altadelige 
Familie der Pfinzing mit Herrn Johann Siegmund Pfin- 
zing von und zu Henfenfeld, Gründlach, Reutles 
und Kirchen-Sitten bach, Reichsſchuldheiß und Caſtellan. 

Im Anfang dieſes Jahrhunderts gingen die Gugel v. 
Diepolds dorf aus, dann folgte den 18. März 1814 Ge⸗ 
org Friedrich Wilhelm Pömer von Diepoldsdorf als 
der letzte ſeines altadeligen Geſchlechtes, und am 27. November 
1819 wurde Herrn Johann Friedrich Martin Dietherr v. 
Anwanden Helm und Schild ins Grab gegeben. 

Fünfundzwanzig Jahre ſpäter berührte der Todes-Herold 
den Wappenſchild eines der älteſten und vornehmſten Geſchlech— 
ter des Nürnbergiſchen Patric iats. Am 10. Auguſt 1844 
ftarb zu Fürſtenfeld Ale van der von Waldſtromer, 
Hauptmann bei der dortigen Königl. Bayriſchen Kommandant⸗ 
ſchaft des Invaliden-Hauſes als der letzte dieſer adeligen Fa— 
milie. Die Wal dſtromer waren ſchon im 12. Jahrhun⸗ 
dert des Heil. Römiſchen Reichs Erb-Obriſt-Forſt⸗ und Jäger⸗ 
meiſter und ſogar mit den Burggrafen von Nürnberg ver— 
wandt,, waren auf den Turnieren als berühmte Renner und 
Stecher bekannt, und ſchon im 15. Jahrhundert als Cavaliere 
an dem kaiſerlichen, dem ungariſchen und böhmiſchen Hofe zu 
treffen. Großer Grundbeſitz ſtand denſelben an, und ſchrieben 
ſich dieſelben auch im Laufe der Zeiten von circa 20 der be— 
deutenſten Burgen, Schlöſſern und Landgütern. Sic transit 
gloria mundi. 

Abermals nach einem Vierteljahrhundert wurde der Ge— 
nealoge tief betrübt durch den Heimgang eines ebenfalls 
ehrwürdigen altnürnberg'ſchen Adels- und Patriziergeſchlechtes: 
Am 15. Auguſt 1870 wurde mit Helm und Schild, begleitet 
von vielen Gliedern der noch blühenden Patrizier-Fami⸗ 
lien, der Garniſon Nürnbergs und den zur Heilung dort an— 
weſenden deutſchen Kriegern mit 3 Ehrenſalven Herr Chris 
ſtoph Carl Friedrich Peller von Schoppershof, Königl. 
Bayr. Hauptmann im 2. Infanterie-Regiment, in die Famili⸗ 
engruft geſenkt. Er ſtarb, würdig ſeiner Vorfahren, als der 
Peller, an ſeinen in der Schlacht bei Wörth erlittenen 
mehrfachen Verwundungen den Heldentod. 

Wenn auch der ſo ritterliche Ausgang einer edlen alten 
Familie, in ſofern wir uns dem Schickſalsſpruch in Demuth 
unterwerfen, einiges tröſtliches an ſich hat, ſo iſt der Schmerz 
bei dem Gedanken nicht ganz zu vermeiden, daß hier ein Ger 
ſchlecht verenden mußte, welches noch allen Anſpruch auf ein 
fröhliches Gedeihen hatte. Friedrich v. Peller war in der 
Blüthe feines Lebens, erſt 29 Jahr alt, geſund und kräftig. 
als tapferer Offizier vom Feldzug 1866 her, in welchem er 
auch ſchon verwundet wurde, in der bayriſchen Armee anerkannt, 
und noch überdieß nicht allein im Beſitz eines bedeutenden 
Vermögens, ſondern auch, was heut zu Tage ſo ſelten iſt, 


15 


maligen reichsritterſchaftlichen Beſitzungen in den Rittercantonen 
Rhön und Werra. 

Der letzte männliche Sproß des Geſchlechts war der Kgl. 
Bayr. Lieutenant im 6. Chev.-Leg.⸗Regt. Johann Carl Leo 
Joſeph Auguſt Donat Freiherr H. v. E., welcher in Folge 
eines forcirten Rittes farb. (Vgl. „D. Herold“ Nr. 11.) 

Sein Vater war Philipp Freiherr von H., ſeine Mutter 
Mathilde gb. Freiin von Syberg-Süinmern; — noch lebt eine Toch— 
ter derſelben. Adelheid, verm. Freifrau Lochner von Hüttenbach. 

Wappen: In G. drei r. Roſen mit g. Samen. Helm: 
ein g.⸗ geſtülpter r. Turnierhut mit fünf (2— 3) ſch. Hahnfe⸗ 
dern oben beſteckt. Decken: g.r. 

N Peller von Schoppershof. 
Martin P., ſtammend aus Feld— 
kirchen in Vorder-Oeſtreich, kam 
1582 nach Nürnberg und erhielt 
d. d. Prag 8. Januar 1588 den 
R.⸗Adelſtand mit „v. Schoppershof.“ 
In Bayern wurden immatriculirt: 
Johann Wilhelm Chriſtoph P. v. S., 
Kgl. Bayr. Caſſirer am Leihhaus⸗ 
amt in Nürnberg, und ſpäter deſſen 
Brudersſohn (Karl Guſtav Chriſtoph) der Kgl. Bayr. Haupt⸗ 
mann Chriſtoph Gottfried Wilhelm (geb. 1789). Wahrſcheinlich 
iſt dieſer der Vater des letzten P. v. S., welcher im jetzigen 
Kriege den Heldentod ſtarb. (Vgl. „D. Herold“ Rr. 1 

Wappen: Getheilter Schild; oben in G. ein ſchreitender 
ih, Steinbock, unten in R. eine w. Schleife. (Sparren.) Aus 


ſeines Stamm- und Herrenſitzes Schoppers hof. Und ſo 

bleibt uns nichts übrig, als dem Herold mit Wehmuth nachzu— 

rufen: 
„Heute Peller und nimmer mehr!“ 

Von dieſen letztgenannten Patrizier-Familien fügen wir 
die Ahnentafeln ihrer letzten Heimgegangen an. Beide, Alex— 
ander von Waldſtromer und Friedrich von Peller, 
ſtiegen, ebenfalls eine Seltenheit in unſerer Zeit, mit ihren je 
16 vollbürtigen Ahnen in das Grab. 

Oskar v. Schellerer a. d. H. Pettendorf 
Königl. Bayr. Kammerherr und Oberpoſtmeiſter. 


| 
| 
| 
Die im Kriege erloschenen Vayriſchen Ge- 
ſchlechter Heußlin von Euſſenheim und 
ö 

| 


Beller von Schoppershof. 


Heußlin von Euſſenheim. 
Unter dieſem Namen iſt Adam Jo⸗ 
ſeph Marie Valentin Donat, vor— 
mals F. Würzburgiſcher Domcapi— 
tular ꝛc. in Bayern als Freiherr 
immatriculirt worden. (29. März 
1819.) Das Geſchlecht iſt uradlig, 
ſtammt aus Franken und kommt 
daſelbſt als Heußlin ſchon um das 
Jahr 1100 urkundlich vor. Im 14. 
Jahrhundert erwarben ſie das Marſchallamt des Stifts Würz— b b . 
burg und Herzogthums Franken, und bald darauf das Gut der Helmkrone wächſt der ſch. Bock zwiſchen zwei ſchräg aus⸗ 
Euſſenheim im Landgericht Karlſtadt, wonach fie ſich ſeit der | wärts \/ getheilten Büffelhörnern, rechts Sch. über G., links 
Zeit ſchrieben. Die Immatrieulirung gründet ſich auf die vo- W. über R. Decken: g.⸗ſch., w. ⸗r. Gr. 


Betreffend die in Nr. 2 des „Deutſchen Herold“ unerörtert geblie— 
bene Anfrage, das Wappen der Familie Brunkow angehend, 


re 


Vermiſchtes. | 
er | iſt der Unterzeichnete jetzt in der Lage, daſſelbe a einem er 
N 3 lichem Wappenbuche zu beſchreiben. Daſelbſt iſt der Name: Brung⸗ 
Die letzten Standeserhebungen im alten ko w geſchrieben, und es zeigt in einem ſilbernen Felde einen ſchwarzen 
deutſchen Reich Widderrumpf, deſſen Gehörn von Schwarz und Gold gewunden iſt 
Es dürfte vielleicht gerade in der Jetztzeit nicht unintereſſant 
| 


und welches die Enden in die Höhe kehrt. Auf dem Helme ein 
ſchwarzfilberner Wulſt, 0 welchem drei grüne Pfauenfedern ſtehen. 
Decken: ſchwarzſilbern. (“ ielleich N it den Be⸗ 
fein, die letzten vom Deutſchen Kaiſer vollzogenen Reichs-Standeserhe⸗ 1 dorf) jj a ee 
bungen kennen zu lernen, zumal es unter den jetzigen Verhältniſſen Ferner ad Anfrage VII. (aus derſelben Quelle:) 
nicht unmöglich iſt, daß die nächſte Zukunft uns ſolche Erhebungen Die Familie v. d. Liepen oder Liepe im Brandenburgiſchen 
wieder bringt, ſodann aber auch weil mehrfach Unrichtiges über die führt einen doppelſchweifigen linksgewendeten ſilbernen Löwen im 
in Rede ſtehende Frage verbreitet iſt. ö 1 rothen Felde. Auf dem Helme ein rothſilberner Wulſt, darauf 3 Strauß— 
Am 6 Auguſt 1806 legte bekanntlich Kaiſer Franz II. die federn rotb, ſilbern, roth. Decken: rothſilbern. 
deutſche Kaiſerkrone nieder. ' n f Ebendaſelbſt iſt das Wappen einer Familie v. Hagemeiſter 
Am 23. Juli deſſelben Jahres unterzeichnete er die letzten Reichs- folgendermaßen erwähnt: Getheilt von Roth über Silber, oben zwei 
Erhebungsdiplome, laut welcher die Familien v. Grenus und Par⸗ filberne Sterne übereinander, zwei Spitzen aufwärtskehrend (ſechs⸗ 
tenſchlager v. Sonnenthal in den Reichsfreiherrnſtand erho⸗ ſtrahlig) unten aus grünem Boden an grünem zweiblättrigen Stiele 
ben wurden, wohingegen der Reichsadelſtand den Familien Heymann, wachſend eine rothe Roſe. Auf dem rothſilbernem Helmwulſte drei 
Hinsberg, Melzenheimer, Reichart, Rein, Rößler, See⸗ rothe Roſen an grünen Stielen mit je zwei grünen Blättern wadh- 
deck gen. Querfel d, und Winckler zu Theil wurde, letztere ſend, und zwar die beiden äußeren je außen mit einem großen, innen 
alle bis dahin bürgerliche Familien. Somit wurden an ein⸗ und dem mit einem kleinen Blatte, die mittlere mit 2 kleinen Blättern. Zwi⸗ 
ſelben Tage die letzten Reichsfreiherren⸗ und Adelsdiplome verliehen. | ſchen den Roſen je pfahlweis übereinander zwei filberne Sterne. 
Die letzte Reichsgrafenſtands⸗Erhebung geſchah an den Grafen Des⸗ Decken rothſilbern. 
en fans d'Avernas laut Diplom vom 13. April 1805, und der Berlin, Dezember 1870 M. Grigner, Lieut. 


letzte deutſche Reichsfürſtenſtand wurde der Familie Traut manns 
Heraldiſche Bibliographie. 


dorff laut Diplom vom 12. Januar deſſelben Jahres 1805 zu 
Theil, wenn man die am 9. April 1806 den Linien Reuß zu Schleiz, 

Durch die Buchhandlung von Mitfcher und Röſt ell, Berlin, 
Leipzigerſtraße 129, iſt zu beziehen: 


Köſtritz und Ebersdorf, am 5. Juli ej. a. der Linie Lobenſtein 
verliebene Erhebung in den Reichsfürſtenſtand in ſo fern nicht rech⸗ 

v. Kalckſtein, Robert der Tapfere, Markgraf von Anjou, der 
Stammvater des kapetingiſchen Hauſes. Berlin. 28 Sgr. 


net, als in deren Familie früher ſchon dieſe Standesvorzüge, nur 
für andere Linien, gekommen waren. — X. 


Klempin, die Exemption des Bisthums Cammin. Stettin. 
123 Sgr. b 

Krieger, die Burg Hornberg am Neckar. Beſchreibung und 
Geſchichte aus urkundlichen Quellen. Heilbronn. 15 Sgr 
v. Kyau, Familiengeſchichte des Geſchlechts v. Kyau. Leip⸗ 
2 Thlr. 20 Sgr. 
Lehr, L' Alsace noble. 3 vols. rel. Straßburg. 64 Thlr. 
Lehr, Seigneurie de Hohengeroldseck. Straßburg 20 Sgr 
Lehr, les dynastes de Geroldseck-es- Vosges. Straßburg. 20 
Sgr. 

i Lorent, Wimpfen am Neckar. Geſchichtlich und topographiſch 
nach hiſtor. Mittheilungen und archäolog. Studien dargeſtellt. Stutt— 
dark. 2 Thi „ 

Luchs, ſchleſiſche Fürſtenhäuſer des Mittelalters 
a 10 Sgr. Breslau. — 

Luſchin, Zur öſterreich. Münzkunde des 13. und 14 Jahr⸗ 
hunderts. Wien. 12 Sgr. 

Maggiulli, monografia numismatica della provineia d' 
Otranto. Lecce. 

Maiorca Numismatica contemporanea Sicula. 
Thlr. 20 Sgr. 

v. Mayerfels, 


zig 


5 —12. Heft 


Palermo. 1 


Doppel⸗Adler und Schwarz-Gold⸗Roth. 


München. 10 Sgr. g f | 
Morbio Opere storico-numismatiche. Bologna. 4 Thlr. 
5 Sgr. 


v. Mülverſtedt, die Münzen der ehemaligen freien Reichs— 
ſtadt Nordhauſen. Quedlinburg. 15 Sgr. 

Newald, Geſch. v. Gutenſtein in Nieder-Oeſterreich. 1. Theil. 
Wien. 1 Thlr. 10 Sgr 

Oertel, d. Jahr. 1869. 13. Nachtrag zur 2. Auflage der 
Genealogie des 19. Jahrh. Meiſſen. 10 Sgr. 

Oeynhauſen, Gr. v., Geſch. des Geſchlechts von Oeynhauſen. 
1. Theil: Regeſten und Urkunden von 10361605. Paderborn. 2 
Thlr. 

Palliser, historie 
London. 7 Thlr. 21 Sgr. 

Pallmann, zur Geſchichte der deutſchen Fahne und ihrer Farben. 
Berlin. 5 Sgr. 

Pyl, pommerſche Geſchichtsdenkmäler. 3. Band. Greifswald. 
1 Thlr. 10 Sgr. 

Quellen zur Geſch. d. Stadt Cöln. 4. Bd. Köln a. Rh. 5 
Thlr 20 Sgr. 

Reichskleinodien, die Deutſchen zur Kaiſerkrönung. Hiſtor. 
Nachweis und Beſchreibung derſelben, nebſt color. Abbild. Berlin. 
6 Sgr. 

Rei iquiae tabnlarum terrae regni Bohemiae anno M. D. XLII. 
igne consumptarum ed. Emler. tom. I. vol. 1—3. Prag. a 1 Thlr. 

Ricca, la nobilitä delle due. Sieilie Liefr. 42. Neapel. 1 


devices, badges and war — eries. 


Thlr. 

Rohde, Die Münzen des Kaiſers Aurelianus und ſeiner 
Frau Severina. Römiſche und griechiſche Prägungen. Weißenſee. 
15 Sgr. 


v. Sallet, die Daten der alexandriniſchen Kaiſermünzen. 
Berlin. 24 Sgr. 

v. Saurma⸗-⸗Jeltſch, Frhr. 
Städte. Breslau. 4 Thlr. 


(Fortſetzung folgt.) 


Wappenbuch der ſchleſiſchen 


Titeratur. 


Heraldiſch⸗geuealogiſche Zeitſchrift, Organ des 
heraldiſchen Vereins „Adler“ in Wien.“ 1. Jahrgang 
Nr. 1. — 12 S. Quart mit Holzſchnitten. Prän.⸗Preis 
für Vereins mitglieder 2% Thlr., für Nichtmitglieder 
45 Thlr. 

Bereits in einer früheren Nr. d. Bl. haben wir unſere Leſer 
auf das bevorſtehende Erſcheinen dieſer neuen Fachzeitſchrift aufmerf- 
ſam gemacht; von derſelben iſt nunmehr die hiermit angezeigte erſte 
Num mer erſchienen. Der Verein „Adler“ hat uns gütigſt eine ſo 


Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R.⸗B. Magdeburg. 


16 


reiche Anzahl Exemplare derſelben zur Verfügung geſtellt, daß wir 
in den Stand geſetzt ſind, den meiſten unſerer geehrten Abonnenten 1 
Exemplar beizulegen. Näheres über den Inhalt zu ſagen, iſt daher 
nicht nöthig; derſelbe iſt ebenſo intereſſant und vielſeitig, als die 
Ausſtattung elegant. Wir empfehlen die Zeitſchrift allen Intereſſen⸗ 
ten augelegentlichſt. Probenummern find auf frankirte Anfragen 
durch den Schriftführer des „Herold“ unentgeltlich zu beziehen. 


Anzeigen. 


Im Verlage der Stiller'ſchen Hofbuchhandlung in Schwerin er- 
ſchien ſoeben und iſt durch alle Buchhandlungen zu beziehen: 


Geſchichte der Familie von Blücher 
von 
Dr. Friedrich Wigger. 
Preis 5 Thlr. 


Laut Auftrag habe zu ſehr ermäßigten Preiſen abzugeben: 


Tyroffs verſchiedene Wappenhücher. 


Berlin, Jägerſtr. 53. part. J. 4. Stargardt. 


3 . 9 7 10 b 
Die Schletter'ſche Buchhandlung (H. Skutſch) 
in Breslau 
offerirt in tadelloſen neuen Exemplaren: 

Dorſt, Leonard, Schleſiſches Wappenbuch, oder die Wappen des 
Adels im ſouverain. Herzogthum Schleſien, der Grafſchaft Glatz 
und der Ober⸗Lauſitz. 3 Abtheilungen mit 180 Tafeln in 
Buntdruck, nebſt heraldiſcher Beſchreibung der Wappen u. kurzen 
hiſtoriſch-genealogiſchen Notizen. 4 Görlitz, 1842—48. Elegant. 
Leinwandband mit Godopreſſung. (Subſeriptionspreis ohne Ein⸗ 
band 30 Thlr.) Ermäß. Preis 20 Thlr. f 

Fragmente aus der Geſchichte der Klöſter und Stiftungen 
Schleſiens von ihrer Entitehung bis zur Zeit ihrer Aufhebung 
im November 1810. Mit 41 Tafeln colorirter Ordens-Ab⸗ 
bildungen. Breslau 1812. (4 Th) Ermäß. Preis 23 Thlr. 

Idzikowski, Franz, Geſchichte der Stadt und ehemaligen Herr— 
ſchaft Rybnik in Oberſchleſien. Mit einem Plane der Stadt 
und der nächſten Umgegend. Gr. 8. Breslau 1861. (1 Thlr. 
netto) Ermäß. Preis 20 Sgr. a 

Köhler, Guſtav, der Bund der Sechsſtädte der Ober-⸗Lauſitz. Eine 
Jubelſchrift. Lex. 8. Mit Titel in Buntdruck und 5 Tafeln 
bunter u. ſchwarzer Wappen⸗ und Siegel-Abbildungen (Bunt⸗ 
druck⸗Wappen von Bautzen, Görlitz, Zittau, Lauban, Camenz u. 
Löbau.) Görl tz, 1846. (2 Thlr.) Ermäß. Preis 20 Sgr. 

Paprocki, Bartoz, Herby Rycerstwa Polskiego. Wydanie 
Turowskiego. (Polniſches Wappenbuch mit Holzſchnitten. 
Krakau 1858. 4. 8 Thlr. 

Potthaſt, A, Seid. der ehem. Ciſtercienſerabtei Rauden in Ober⸗ 
aa Gr. 8. Leobſchütz 1858. (2 Thlr) Ermäß Preis 1 
Thlr. 

Schleſiſche Provinzialblätter. Jahrgang 1784-1849. 130 

60 N Pp. Schönes, gleichmäßig gebundenes Exemplar. 
50 Thlr. 
Vollſtändige Reihe dieſes äußerſt reichhaltigen Magazins für die 
Geſchichte Schleſiens. — Einzelne Hefte und Bände, ſoweit vor⸗ 
räthig, zu 5 reſp. 15 Sgr. — Dieſelben. Neue Folge, herausg. 
v. Th. Oelsner. Bd. 1—8. Glogau und Breslau 1862-69. 
Pp. (162 Thlr.) 8 Thlr. 


Inhalts- Verzeichniß. 

Protokoll. — Seinsheim und Schwarzenberg. — Die 
Hausgenoſſen. (Schluß.) — Deutſche Städtewappen. (Fortſ.) 
— Bemerkungen dazu. — Anfragen. — Die 1 Geſchlechter 
Waldſtromer, Peller und Heußlein. — Vermiſchtes. — Biblio⸗ 
graphie. — Literatur. — Anzeigen. 


Commiſſ.⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin. 


Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 
Hierzu eine lithogr. Tafel und zwei Beilagen. 


| 
| 
| 


2 2 2 S 8 3 8 S 2 2 — N us 8 
2 8 8 E EIG) 8 8 2 8 2 <:8 = 7 = 5 =) 
8 8 a S 23 1 + ara 3 2 — ar 2. 
8 80 8 S2 ER. = = 288 + 256; 2 3 3 S — 8 
. 8 8 98 cs S2 28 erg Ban: 2. 3787 E 2 2 Su + Eu 2 u+ 2%, 
E 0.28 82 S 2 383 2 8 2 8 mu: SS 25.” > = 85 S SS 8 S S 2 225 
S SS nr |5 5.8 S 2 © u 8 »- a2 _ 35-| 285°, 2 = S SES S 8 S 2 S8 3 ee 2 2 2 
„ „1 S 2 E 2 SOS „ 32 +3 — BA SSS Be 8 u EB 8228 Ss f S= Erg ED arm 
5 SSS T2 | 2 2888 2 2 2 25 E38 S 2 ou 2 2 825 S S S = 2 38 25 88 RR 2 2 5-9 3 
SS SA S 8 8 518 Seis 82 3 2 3 2 8 5 SSA S N S 8 F nn G 28 
S e e, e eee BP 5 e ee = 8 Se 2 BunssE e | 5.8: e ee eee e ee 
„ 33 3 3 1 388092 ME 5 m Seen 2580 0 | ERSE | son In, 8388| 2.5 SENSE | ES 53 
S A F g g= 2 2 2.8 train | IE — 5 S SUA > 775 — wram 55 E 5 2 5 3888 
S SSS E 13 5 „ SS S S 28 SE . = „„ ee A PR a re 8 3 = 
8 2 r 38” 2 FF 2 8 85 5 28 83 S „ 288 Fe En | eu“ 8 
28 2 Fi aa 72 2 a3 * SSS 3 ae — = 2 „0 Ne S were Se 
2 — = 2 + = ER; — — — — — u. — 5 2 5 
a»: & 35 + W 8 * 8 S, R 2 ME 7 S 8 . S 2 2 As 8 8 Br m 2 S 28 
— 2 2 2 Be. . 8 88 8 — . > 
— EEE * ae 2 © — A . 2 2 — ser is — nme 
a 8 8 8 RR Er 85 8 5 2 EN 85 8.8 
— — u — — — — — — — ER — — — — — —— — — — nn — — — 
er 1 8 ’- ’ uf } 8 5 2 1 1 Get * . * 2 
Chriſtoph Gottfried Chriſtoph Gottlieb Wilhelm Georg Friedrich Maria Philippine Sigmund Friedrich Freyherr Maria Sophie Clara 
N Helene Catharina Kurtenbach Margaretha Clara Zehaim v. Schwarzback 
Peller von Schoppershof, a n Scheidlin Zehaim von Schwarzbach, Kreſ v. Kreſſenſtein, ah Kreß von Kreſſenſtein, 
5 nchen W Ebner v. Eſchenbach, f Reichenſchwand, Oberndorf und 4 ra er 1 2 Alter Bürgermeiſter 
Nürnberg'ſcher Ober-Zoll- und Waag⸗ 8 auf Reich 10 bern verm. den 25. Mai 1762 4 d. 10. Aſſeſſor am Unter⸗Gericht, geb. den | geb. den 1. September 1743, verm. der Reichsſtadt Nürnber geb. den 15. Auguſt 1755, verm. d. 
Amtmann, geb. den 24. März 1733, verm. den bag Nes 1735 1 f Mär; 1776. 9. November 1737, + den 14. Juni den 31. Auguſt 1762, + den 23. eb de A Au ust 1749 17. Auguſt 1773, + den 9. Januar 
geb. den 16. Februar 1723, 7 den | 21. Mai 1753, + den 5. März 1782. geb. den 2. eh 172 + den 14. 3 . 1767. Februar 1820, 9 1 den 20. 2 il . 1821. 
22. December 1775. Mai 1782. 20. Ap 23. | 


—— Tr — —ůů —— — — — — —— . D 


Maria Magdalena Wilhelmina Carl Friedrich Maria Friederika Salome 
Carl Guſtav Chriſtoph von Kurtenbach auf Neichen- en“ Freyin 
Peller v. Schoppershof, ſchwand, 5 v. 2 ehaim, RE v. Behaim, 
17. October 1764 + den geb. den 9. Mai 1764, verm. d. 13. Stadt- und Ehegerichts⸗Aſſeſſor, geb. den 5. December 1774, + d. 14. 
. Nr: 1802 f Auguſt 1787, + den 18. December geb. den 29. April 1765, f den 11. Mai 1845, verm. den 28. Februar 
u; 5 1815. März 1833. 1792. 


— —— — ——— nn 


Chriſtoph Wilhelm Gottfried Sophie Marie Friederike Caroline Freyin von 
f 8 Peller von Schoppershof, Zehaim, 
Königl. Bayer. Oberſt, geboren den 11. November 1802, vermählt den 2. Mai 
geboren den 19. April 1789, 7 den 1859. 1822. 


Chriſtoph Carl Friedrich 
Peller von Schoppershof, 5 
Königl. Bayer. Hauptmann im 2. Infanterie⸗Regiment, 
geboren den 12. Januar 1841, F den 15. Auguſt 1870 an ſeiner in der 
chlacht bei Wörth erlittenen Verwundung als der letzte ſeines edlen 
Geſchlechts. 


Beilage zu Seite 14. 


8 2 
S 8.5 m ne 
8 5 8 RT Zen 2 
2 8 De S — — S — 
2888 355 S 
35 S oo 
u 2 2 2 IK 2 — 
2 SD * — = 2 — 
mn 25 — — 2 — 42 - DD u 2 
a 2 2222 2 m — — 28 
2 3 SSA 2 L 2. 3 SSS .S 833 
GASSE S a SS |38 59578 | SS S&S 
SS 2385 S 338,55 53228. S 38.8 
BSSEEBÜ 2 55 |„SEREEE| 88 
SSS SS ER SAO SA E: „ 
— 2 8 — = 
2 8 82 — VER Se © — S 2 
S S SS e, | 222 
2 2 ea 2 2.8 = 
a9 32 8 ” ER. 8 - 
5 8 8 8 388 SE 
22 88 S 8 3 S 
. 2 9) ER a 
22-8 8 4 7 
8 8 8 


Sabina Dorothea 
Dietherr 


zu Schwaig, 


Chriſtoph Jacob 
Waldfiromer 


von Reichelsdorf zu Schwaig, 
geb. den 26. October 1701, F den 
N 13. Mai 1764, ber 
w. Rath u. dritter obriſter Hauptmann. Juli 1738. 


——— — —-— — 


Chriſtoph Wilhelm 
von Waldſtromer, 


geb. den 15. Juni 1729, 1 den 21. 
Juli 1810. Reichsſchultheiß. 


geb. den 14. September 1695, verm. Senator und vorderſter Rugsherr, 
den 16. September 1727, + den 24. geb. den 10. März 1705, + 1771 


„ 22 2 we 2 8 . * 
5 Leb! 5,8 Er 2 a 1 = SER “3 8 8 
= a S SS S a — so * s 88 g 2 m 
2 es 2D ar 2 5 en 2 2 — Be 2 ; — 
= 88 Bei, 2 3 5 — 2 a] > S .8 Nis 
2 5 — Fuaq =] u = . S — Sm Aa 2 
Dr „ 8 8 2 828 a5 2 850 28 S 2 5 „SE 5 8 
— — 2 2 2 — 2 e 2 a 2 = en m fe 2 a. 2 5 8 S8 5 — 
ase , i885 | 8 
— 8 en. > 2 — * ae 2 XR 2 4 = — 
J . e di jsgee, |Esriis| di 
a Oo — 8328 fe?) am , oo = fe re x > 2 38 3 E 2 — 2 > — 8 S SS 2 — 
BEE e e ee, e eee ee ee e 
Ze 55.198 55% S. SEES 3 SRB OS Es SS o 8 2278 eu 8 83 SSE SA 825 ET 
= 5 2855 & S S 8 e . 20 E88: $ — 
„ ITI! . ,,. . 
S — e an — ga . 2 = 2 8 "co — an = = = > = 8 > 2 5 2 
— — = 8 og © 4 — 3 = -BıD no m 4 I} a 
= 2 = 4 EN Pr a 1 2 SW 2 sa”? — = = 2 — g Be 
8 2 eb. = 5 2 So 2 Di a .B8 85 2 m [I > Wei 
Pag 2 ch ae 22 8 8 875 5 . S “a 2 + = 
SE 1629 2 2 l N 2 582 8 8 38 — 3 
2 8 1659. SS 800 gs 9 85 8 8 Es © 8. 
Carl Alexander Bien Backaen Johann Carl ARE ah Carl Chriſtoph Maria Philippina 
Suſanna Maria . 
Grundherr Wi Grundherr Kreß von Kreſſenſtein Volkammer 
Minkler Gref 
Imhof, 3 A 2 
von Altenthann u. Weyerhaus, Mohrenfels von Altenthann, i Imhof, auf Räzelsdorf, Kaſtenamts⸗Pfleger von Kirchſittenbach, 
de mom, Kriegs- Obriſt b. den 9. Februar 1703, verm. d i ). Decem 
geb. den 8. Januar 1712, verm. den i riegs-Obriſt, geb. den 9. Februar 703, verm. d. zu Engelthal, geb. d. 10. December 1704, verm. d. 
7 12. Juni 1731, + 1764 d. 3. April. geb. den 4. Auguſt 1690, F den 18. | 10. Auguſt 1728, + d. 6. April 1735. geb. den 4. Nov. 1697, + den 23. 5. October 1723, + 1754 den 23. 
den 28. März. ö Juni 1760. April 1754. April. 


. — —e — 


) von Altenthann und Weyerhaus, 
geb. den 8. April 1732, verm. den 
26. April 1754, + den 23. Dez. 1786. 


Anna Maria 
Grundherr 


— — , pp —— 


Carl Alexander 


von Waldſtromer, 


7, + den 16. Auguſt 1834 
Aſſeſſor a. D. des Stadt⸗ 


geb. den 30. Janne 
als Reichsſtadt⸗ Nürnberg. 
1 und Ehegerichts. 


. 5ꝛ.- 1 


Chriſtoph Carl 
Grundherr von Altenthann, 


Aſſeſſor am Stadt⸗ und Ehegericht, 
geb. den 16. Juli 1729, + den 21. 
Mai 1775. 


1 ‚ 


. —— ———— 


Anna Maria 


Kreß von Kreſſenſtein, 
geb. den 19. Mai 1733, verm. den 
7. November 1758, + den 21. No⸗ 

vember 1768. 


Anna Maria 


von Grundherr 


auf Altenthann, 
geb. den 9. Auguſt 1761, + den 31. März 1836, 
verm. den 16. November 1784. 


— — —ññññ -. rr 


Chriſtoph Carl Alexander 


von Wald ſtromer, 


geb. den 29. October 1787, + den 10. Auguſt 1844 zu Fürſtenfeld 
als königl. bayr. Hauptmann bei der Commandantſchaft des Invaliden⸗ 
hauſes — der letzte ſeines altadelichen Geſchlechtes. 


| 


Beilage zu Nr. 2 des „Deutſchen Herold.“ 


17 


Matrikel. ortſetzuug“) 


& 
ahr Datum 
Jahr] Datum | 1 


Aa er 


des Diploms. 


amtl. 
Public. 


1661 | 15. Oct. 

„ 15. Oct. 

[7 15. Oct. 
1662 | 4. Apr. 

7 4. Apr. 
1662 3. Sept. 

Mm 2: Nov. 

„ 20. Dez. 


166320. März 
„ T7. Mai 


Name. 


Heiden. 
Los. 


Wylich und Lottum. 


Spaen. 


Sparr. 


Ludwig(s). 


Siebert (nicht Seibert) 
von Cronenfels. 
Schlieben (Linie Bir⸗ 
kenfeld; + 1816). 
Derſchau. 


Kalau vom Hofe. 


Krinz. 
Drachſtedt. 


(Hellmich) v. Gottburg. 
Scharff von Werth. 


Schnürling von 
Aweyden. 


(Die erſte 
bekannte 
Kurbrand. 


Inhalt Diplom 


des 2% 
Diploms. THE 


an. Frh. Georg v. H. 
beſt. Frh. 


an. Frh. 


Gefreieten. 


Lottumb. 


an. Frh. 
beſt. Frh. 


Alex. v. S. 


vgl. nebenan.) 


an. A. Peter L., Kurbrand. Neu⸗ 
märk. Amts⸗Kammerrath. 


an. A. Casp. S., Major. 
an. G. Joh. Dietrich v. S. 
ren. A. Reinhold Derſchow. 
u. Wb. 

A. Kurbr. Rath und Geh. 


Extrak⸗ 
tion. 
A. Gebr. Th., Joh. u. H. Kr. 
an. A. || Diverfe Brüder u. Bet: 
tern von Drachſtet. 
A. || Oberfil. der Artill. An; 
dreas H. als „v. G.“ 
beſt. A. Gebr. S. v. W. 
beſt. A. Fr. S. auf Molſehnen 


(Königsb. i. Pr). 


Die Nachkommen des 


Joh. Sig. v. Willich zu 


Kurbr. Gen.⸗Feldm. 


Alex. v. S., Reg.⸗Rath, 
Gen.⸗Wachtmeiſter, Käm⸗ 
merer und Landdroſt. 
(Vielleicht muß es hier: 
Otto Chriſtoph heißen, 


Lehnsſekr. Fabian K. v. H. 


Wappen. | Bemerkungen. 


Siebm. III. 44. Afrh. d. d. 13. 9. 1655 für 3 


Gebr. v. H. 
Rfrh. d. d. 20 10. 1629 für 
Degenhardt Bertram v. L. 
4 Felder mit Spaniſcher Frh. d. d. 1. 7. 1608 
Hz. (D. Kreuz) für denſelben. 
+ Stw., 3 
Schildchen u 
3 Lilien, 3 


Helme. f 
Köhne II. 64. R. Frh. d. d. 25. 5. 1661 
für denſelben. 


7 R. Frh. d. d. 25. 5. 1661 für 
denſelben (ſo nach Led. Archiv 
I. 341). Nach meiner (unmaß⸗ 
(gebl. Meinung iſt dies eine 
wahrſcheinlich durch undeutliche 
Schrift entſtandene Verwechslung 
mit der vorigen Familie (v. 
Spaen); die Sparr's waren 
früher ſchon Freiherren, denn 
der Kurbr. Generalfeldmarſchall 
Otto Chriſtoph Frh. v S. 
r bereits 1668; jedenfalls wäre 
die gleiche Charge und Name, 
gleiches Reichsfreiherrn⸗ und An⸗ 
erkennungs⸗Diplom an einem 
Tage ein wunderbares Zuſam⸗ 
mentreffen. 
Kaiſ. Renov. d. d. 26. Auguſt 
1661 für denſ. Derſelbe wurde 
13. Aug. 1668 nach dem Kam⸗ 
mergericht empfohlen. 
A. mit „v. C.“ für denſ., 
d. d. 19. 12. 1661. 


R. Grf. d. d. 11. 1. 1660 für 
denſelben. 


R. A. d. d. 15. 12. 1602 für 
denſ. u. Brüder Bernh. u. Joh. 


Das Diplom iſt doch wohl nur 
eine Anerkennung des Adels?! 
obgleich die folgende Erhebung 
dafür ſpricht, daß mit dem Jahre 
1663 die Extractionen bei Kur⸗ 
brandenburg begonnen haben. 


Hallenſer Pfännergeſchlecht. Auch 

Chr Fr. v. D., Hallenſer Pfän⸗ 

nere, rhielt v. K. Fr. I. (wann ?) 
eine Anerkennung. 

Köhne III. 30. 1 


Berndt !. Tab. 
EXRV. 


Köhne ll. 91. 


Köhne 1.1. 
Köhne J. 89. 
Köhne III. 4. 


Köhne III. 52. 


Köhne III. 74. 
Köhne III. S. 


7 R. A. für dieſelben (wann?) (Be⸗ 
reits Hans S. v. W. 1537 R. A.) 
Köhne IV. 53. Vgl. Led. 11. S. 390 
oben sub Schnürling. 
R. A d. d. 18. 5, 1579 für 
Joh. S. auf Aweyden (übrigens 
nicht zu verwechſeln mit den 
Herren v. Aweyde (Wappen: 
Stierrumpf) ebenfalls in Oſt⸗ 
preußen begütert, 


Jahr | Datum 
des Diplome. 
1664 22. Apr. 


1665 | 18. San. 


13. Juni 


9. Nov. 


21. Febr. 
8. Nov. 


1. Febr. 
17. März 


24. Apr. 


15. Juli 
(alias 22 
Febr. 
25. Juli 


12. Febr. 


20. März 


5. Apr. 
5. Aug. 


14/24. 
Jan. 


30. März 


26. Juli 


(5. Aug.) 


27. Juli 


Kalſow. | 
Enckevort. A. 
Heiſter. 1. Frh. 
N Rehberg. beſt. A. 


atum 
u. Jahr 

der 
amtl. 
ꝙCͤcV%ĩl ]1]ʃ¼.,!l!.! . 8 


Diplom 


Name. Wappen. 


Diploms. für 


al: Chriſtian K. Köhne III. 62. 


Daniel Enckevort, kurbr. 
Gen.⸗Proviant⸗Meiſter u. 
Oberſalzfaktor. 
Gottfried v. H., kaiſ. 
Feld⸗Marſchall⸗Lieut. 
Amtmann C. G. Rehe⸗ 
berg zu Neuhoff. 
Joh. v. N., Landeshaupt⸗ 
mann von Samogitien. 


Köhne III. 14. 


? (St.⸗W. 
mit Sonne.) 
lauf. Reh. 
Näheres fehlt. 
Led. II. 146. 


Neuſtadt. . 


Wilh. Thomas Q. v. 
Hüchtenbruch zu Wykradt. 


Quadt-Hüchtenbruch. an. Frh. Köhne II. 55. 


A. Kurbrand. Hof: u. Leg. 
Rath Andreas. 

Achatz v. S 
Kurbr. Geh.⸗R. Stier 
Joh. Jae. v. C. . 


Conrad Oscar. Grote B. 

Siebm. S 
IV. 18. 

Khöne IV. 90. 


Wichert. Köhne IV. 91. 


Schulenburg (Lie an. Frh. 
beroſe.) 


Cratz. 
Marenholz. 


An., . 


an. Frh. 


Braunſchweig. an. Ganze Familie. 


Mudersbach. Joh. Wilh. v. M. 
richter. 


Andreas v. C., Kurbrd. 
Kamm.⸗Ger.⸗Rath. 
Mich. Leersz, Pfalz⸗ 

Neuenb. Geh.- u. Kammer⸗ 

Rath. 

Joh. Frh. v. H. (ſeit 
1. 12. 1654) Erbtruchſeß 
der Kurmark. 

Joh. D. kurbrand. 
Capitain. 

Joh. B, kurbrand. Sekt. aufge: 

Oberſtlt. richteter Bär. 

kurbrand. Oberſt der 1 

Artillerie. 


Ernſt, nat. Sohn des 
Herzogs Ernſt Bogus⸗ 
lav v. Croy⸗Arſchot und 
der Dorothea Levins, als 
„v. Croyengreiff“ 
Joh. Philipp v. Z. 


an. 


Coſſel. 


an. 


Leers. conf. A. 


Hoverbeck. an. Frh. Köhne II. 41. 


Köhne III. 4. 


Dennemark. an. A. 


Berents. A. 
Bruſtorf v. Schohrdt. 


Croyengreiff. Köhne III. 1. 


Zweiffel. 


Bachſtein von Fran⸗ 
ckendorff. 


Led. 1. 29. 


Kanzler Elias Michael 
B. 


B. 


. auf Lieberoſe Gev. v. St.⸗W. 


Sab 


Land⸗ Siebm. l. 133. 


Köhne II. 100. 


Köhne III. 82. 


Siebm. 1. 121. 


Bemerkungen. 


R. A. d. 30. 1. 1635 für 
denſelben ct 20. 11. 1636.) 
R A. als „v. E.“ (die Abſtam⸗ 
mung von der älteren Familie 
unerwieſen präſumirend) für 
Daniel Ingkefort. 
R. Frh. d. d. 24. 7. 1664 für 
denſelben. 


R. A. d. d. 27. 1. 1661 für 
at 
Nicht 6. 3. 1660; im Diplom 
ſteht, daß er einem adl. Ge⸗ 
ſchlechte A Grafſch. Mark ent⸗ 
ſtamme Doch gab es dort nie⸗ 
mals Familien d. N. Er erhielt 
auch d. d. 20. 4. 1673 eine k. 
polniſche cas reſp. Re⸗ 
ception in d. poln. Adel. 
R. Frh. d. d. 14. Febr. 1664 
für 5 1 Thomas Q. v WB 
Joh. Ad. Q. von L. u. Wilh. 
Rolemann Q. zu Meiderich. 
Eine Renov dieſer Familie 
ſ. 19. 10. 1804. 
‚Sch. d. d. 21. 3. ejd. für 
denſelben. 
A. d. d. 25. 2. 1662 für 
denſelben. 
t. Frh. d. d. 26. 15 1667 für 
e (auch 2. 11. 1682 für 
ſeine Brüder 
Anerk. v. 1. 7. 1570. 


R. 


Kaiſ. 


R. Ritterſtand d. d. 5. Aug. 1646 
für deſſen Vater. 


A. 23. 3. 1667 für denſelben. 


d. d. 20. 8. 1663 
denſelben. 


für 


R. A. d. d. 5. Juni 1661 1 für 
. ey er chohrdt“ 
1. 


R. A. d. d. 27. 6. ej. für 
denſelben. mit „v. F.“ 


Datum 


Diplom 


| Jahr Datum u Tah Inhalt 
ö — der Name. des 10 
| des Diploms. . Diploms. für 
| 1671 a Sept. du Plessis-Gouret. | an. N. | Iſaac, kurbrd. Oberſtlt. 
u. Indi⸗ 
; genat in 
| Kurbrd. 
Det Venediger. an. A. Wolf Heinr. v. V. 
1672 22. Jan Sparr. beſt. G. | Georg Fr. Grf. v. S. 
„eben Aug Boyen. A. Andr. B. Poln. Kam⸗ 
merherr. 
„ Megelin von Wieſen⸗ A. Joach. Fr. M. k. Poln. 
Oct. feld. 5 Oberſtlieut. mit „v. W.“ 
1673 | A. Juli Syberg zum Buſch. an. A Linie zum Buſch. 
ei dv. Werminghauſen. conf. A. Linie zum Kluſenſtein. 
„ 19. Dez. Lippig. N A. Gebrüder G. Fr., Capi⸗ 
tain u. Paul, Lieut. in 
kurbrd. Dienſten. 
1674 26. Juni Derfflinger. an. Frh. Georg v. D., kurbrd. 
Feldm. 
1675 14. Apr. Plotho. an. Frh. 4 Gebr. Frh. v. P. u. 
Engelmünſter. 
„ 48 Juni Henning von Treffen A. Joachim H. mit „v. T.“ 
feld. als Oberſt der Cavallerie. 
167614. Febr. Pöllnitz. conf Frh. G. B. Frh. v. P., Gen.⸗ 
s Maj u. Oberſtallmeiſter 
und H. Ch. Frh. v. P, 
Oberſt und Gouv. von 
| Lippſtadt. 
„ 8. März Weber. beſt. A. David W. 
1877 12½2. Frieſendorf. an. A. Arn. H. von Freſendorf. 
März 
1678 | 8/12. Meere. an. Frh.] Georg Joh. zu Wallen- 
Jan. burg. 
Det. Ruhenſtein. beſt. Ws Tochter des Kaufmann 
b. 14. Dez. A. Rauen, Frau des Hans 
Ad. v. Saldern. 
1679 12. Febr. Heuſinger von beſt. A. 3 Gebr. H. v. W. 
(nicht Waldegg. 
27 2 
1678.) 
a ER.ND, Schimmelpfennig. an. A. Ludwig v. S. 
März | 
680 16. Jan Hanenfeld. an. A. Paul W. v. H., fürſtl. 
Radziwill'ſcher Capit.⸗ 
Lieut. 
„15. Mai Burgsdorff. conf. A. Fr. O. v. B., Pfälz. 
Kammerherr, Oberſt u. 
j Comm. v. Düffeldorf. 
15 23. Dez. Pötter. an. A. Jacob v. P., kurbrand. 
A Rath und Amtmann zu 
16810 Draheim. 
1681 vacat. 


Wappen. 


Köhne IV. 21. 


Köhne IV. 81. 


Köhne II. 2. 


Köhne II. 89 
das W. ohne 
Hz. 


Köhne III. 97. 


Siebm. II. 
115. 
Siebm. II. 
11. 
Köhne III. 87. 


Köhne II. 33. 


Siebm. Supp 
1. 2, mit Herz⸗ 
ſchild worin 
Hirſchrumpf. 
Köhne II. 77. 
(sub J.) 


Köhne II. 53. 


Led. III. 85. 
Led. J. 235 
6 r. Lilien 


3% 2, ine 
2 


Köhne IV. 85. 


Köhne IV. 47. 


Köhne III. 30. 


Siebm. 1. 178. 


Köhne IV. 22. 


Bemerkungen. 


„Des alten Adels behufs Auf⸗ 
nahme in den böhm. Ritter⸗ 


ſtand.“ 


R. Grf. d. d. 23. 10. 1670 


für denſelben. 


vgl. die der Familie d. d. 18. 1. 
1701 und 12. 7. 


1705 ertheil⸗ 
ten Diplome. 


R. Frh. d d. 10. 3. ejd. für 


denſelben. 
R. Frh. für deren Vater 


Wolfram v. 13. Sept. 1673. 


Wegen großer Auszeichnung in 


1 


der Schlacht bei Fehrbellin. 
R. Frh. d. d. 9. 2. 1670 für 


denſelben. 


R. A. d. d. 19. 8. 1671 für 


denſelben. 


laut A. C. O. an die Cleve'ſche 


Regierung gerichtet. 


R. Sch. d. d. 1635 für deſſen 


Vater. 


R. A. als „v. R.“ für dieſelbe 


D. d. . (1006 


R. A. d. d. 10. 6. 1651 für 


dieſelben. 


R. A. d. d. 11. 2. 1677 für 


denſelben. 


20 


Inhalt 


Jahr tur In i 
8 u Scbe Name. des e Wappen. Bemerkungen. 
des Diploms. Diploms. für 
1682 | 16. Jan. Vieregg. beſt. A.] Sophie Hedwig. Tochter [v. Vieregg R. A. d. d. 10. 12. 1677, als 
Ws. des Holſtein⸗Glücksb. Siebm. „v. V.“ für dieſelbe. 
Rathes Zimmermann u. DA 
der Anna Sophie von 
Viereck; vermählt an 
i Herrn v. Podewils. 
5 30. Aug. Micrander. beſt. Frh. Georg Adolf. Köhne II. 49. R. Frh. ejd. ann. für denf. 
„ 31. Ang. Meinders. beſt. A. [Franz, kurbrd. W. Geh. Köhne III. 97.] R. A. d. d. 2. 4. ejd. für dens. 
Rath zu Ravensberg. 
1683 15. März Bylandt. an G. Roelmann Graf B. und [Trroff, a R. Grf. d. d. 19. 5. 1678 für 
ſeine 2 Söhne. Wpb. J. 1. dieſelben. 
„ 22, Juni Kallheim. A: Anna Maria Kalow, Köhne III. 52. Dieſer v. Froben war 


1684 3. März 
„ 11 Dez 
1685 12. Mai 


149, e 


„ 10. Aug. 
(nicht 16. 
Juli.) 

„ 141.8, 


7 do. 


14. Sept. 


Mai 


1686 18. Juni 
„ 1. Aug 

7 21 Oct. 
1687 | 26. Juni 
„ 30. Sept 
16881. Oct. 
1689 20. Apr. 
„ 24. Mai 
(nicht 21. 

März) 

1690 | 14.24. 


/ vom Hohen⸗ an. Frh. 


Magir(us) von Logan. 


Fuchs. 


Schweinitz. 


Hoffmann von Grei⸗ 


fenpfeil. 
Rhetz. 


Berbisdorf 
Gladebeck 


Zernikow 


Fritſche 


Schell 
Schrötter 


Heſſen 
Lehndorf 


v. d. Recke 


berg 


v, auf und zu 
Dechen (Decher) 


Beſſer 


Braut eines v. Froben 
und deren Descendenz, 
als „v. Kallheim.“ 


an. A. Michael M. v. L. 
an. A. Paul F., Kurbrand. 


Geh.⸗Rath. 


conf. Frh. Georg Rud. 


beſt. A Cöleſtin H. v. G., 
Kurbrd. Rath, Bürger— 
meiſter zu Frankf. a. O. 
an. A. Joh. Ir v. R. 


beſt. A Phil. Siegm. v. 
an. A. ] Joh. Ch. v. F. Kurbrd 
Rath. 
A Conr. Joh. S. 
conf. A Joh. v. S. 


A Die H. in Oſtpreußen. 
Ahasverus G. L. Graf 


an. G 
| vr 
conf. Frh. Dietr. 


Anſpach. 


Linie in Kurbrandenburg. 
Ganze Familie. 


3, 


u. Joh. Gebr. 
Carl H. v. H., kaiſ. 
Reg.⸗Rath u. Vorſtand 
der Ritterſchaft im Fſtth. 


Joach. D., Major der 
Art. und Carl G D. 
Maj der Inf. 


A Joh. B., Hofrath, 
Cerem.⸗Meiſter u. In⸗ 
troductor der Ambaſſa⸗ 

deure. 


(Fortſetzung folgt.) 


Köhne III. 93. 
Köhne III. 22. 


? Stw. 


Köhne 111.32. 


sub G. 


Köhne IV. 33. 


Siebm. 1. 162. 


Geth., oben 
ſchreit. Löwe 
unter Quer⸗ 
Strom 
3 Eimer. 
Köhne 111.21. 


2 


Feld II. und 

Il. des frei⸗ 

herrl. Wap⸗ 
vn 


Köhne 1. 66. 


4 Felder mit 
Hz. (Löwe 
mit Haken 
im geth. 
Felde), 
4 Helme. 


Köhne Il. 3. 


Köhne II. 42. 


wahrſcheinlich der Retter des 
Kurfürſten bei Fehrbellin Ema⸗ 
nuel v. F. (+ 18. 6. 1675). 


R. A. d. d. 5. (nicht 15.) Jan. 
ejd. für denſelben. 

R. A. d. d. 4. 6. 1683 für 
denſelben; wurde 1701 auch R. 
Freiberr (vgl. d.) 

R. Frh. d. d. 29. 4. 1683 für 
denſelben. 

R. A. d. d. 15. 7. 1655 für 
deſſen Vater Melchior H. mit 
105 15 (ſein Sohn 10. J. 1699 

a anerkannt 1700). 
R. ni d. d. 20. 4. 1682 für 
ihn und 1 d. 25. 1. 1684 für 
ſeine Gemahlin. 


R. A. d. d. 11. 4. 1665 für 
deſſen Vater Job. F., Schöppen 
zu Grünberg. 


Poln. Adel d. d. 26. 5. 1685 
für denjelben. 


R. Grf d. d. 16. (nicht 100) 8. 
1687. 
R. Frh. v. J. 1681 für dieſ. 


R. Frh. d. d. 4. 10. 1688 für 
denſelben. 


R. A. d. d. 11. 4. 1689 (nicht 
25. 1. 1684) für dieſelben. 


Verſchieden von denen v. B. 
mit dem Schrägbalken im Schilde. 


— . —ẽ 


oz utter Mlepdeborch. 


1 


Northem. Gsenbrugke. 


ee man 


O 


1 
ll | 
— 


—— 


80 j 1 


\ 9 


0 0 0 
Lan 
cu u 


All IV 


Lithv.J.Köneckein Gardelegen, 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin. 


Erſcheint monatl. lg —1 er 8 Jährl. ee 1 Thlr. 10 Sgr. Je e 1 Sgr. für die geſpaltene lee 


Ar. 3. a Berlin, im März 1871. AISI 2. Zahrgang. 


Se. Majeſtät der König von Würtemberg haben aller— g tafeln zur Geſchichte der europäiſchen Staaten“ zu den ver- 
gnädigſt geruht, den K. Conſul in Leipzig. Geh. Commerzien— | dienſtvollſten Werken auf dem Gebiete der geſammten Gene- 
zienrath W. E. Bänſch, für ſich und ſeine Nachkommen in | alogie gehören. Sein dornenvolles, vielfach getrübtes Leben 
den erblichen Adelſtand des Königreichs zu erheben. ſei viel zu früh für die Wiſſenſchaft erloſchen. 

(Zeitungsnachricht.) Hierauf fand die Aufnahme mehrerer neuer correſpon— 
Bine dirender Mitglieder ftatt, und zwar: 
Auszug aus dem Protokoll der Sitzung des auf 7 1 9 13 Herm. u 1 Breslau: 
66 N andes-Archivar Hr r. Joſep ahn zu Graz; 

„Herold vom 7. Februar 1871. auf den Vorſchlag des Herrn G. Seyler in Offenhauſen: 

Der Vorſitzende eröffnete die Sitzung mit einer Rede, in 2) Herr Hugo Graf v. Walderdorff, Vorſtand des hiſtor. 
welcher er darauf hinwies, daß ſeit der letzten 1 Vereins für die Oberpfalz und Regensburg, auf Hau⸗ 
des Vereins nun das deutſche Reich und der deutſche Kaiſer zenſtein; 

Leben und Geſtalt gewonnen hätten, welches Ereigniß der Ver- auf den Vorſchlag des Herrn A. Grenſer in Wien: 
i 
| 


ein um jo mehr mit Freuden begrüßen müſſe, als er ſchon 3) Herr Carl Krahl, K. K. Hofwappenmaler in Wien und 
durch den Namen ſeiner Zeitſchrift „Deut cher Herold“ 4) Herr Gaſton, Freiherr v. Pettenegg daſelbſt; 
darauf hinweiſe, ganz Deutſchland in den Bereich feiner Wirkſam- auf den Vorſchlag des Herrn Senator Starke in Sorau: 
keit zu ziehen und in ſeinen Beſtrebungen ſich an das deutſche 5) Herr Kaufmann G. Starke in Görlitz; 
Reich anzuſchließen. Die Zwecke des Vereins ſeien wiffen- | auf den Vorſchlag des Herrn Schatzmeiſters: 
ſchaftlicher Natur, und verbänden alle Zweige der Herolds— 6) Herr Freiherr von Laroche, edler Herr zu Starfens 
wiſſenſchaft mit einander. Durch das Betreiben der Gene— fels, Major a. D. in Charlottenburg; 
alogie wolle der Verein den Familienſinn und die Verbreitung und auf den Vorſchlag des Schriftführers: 
deſſelben weſentlich ſtärken. Daß das deutſche Reich zu Stande 1 90 Herr Herrmann Graf v. Hoverden z. Z. in München, 
gekommen ſei, verdanke man neben der herrlichen Leitung un— ) Herr Moritz, Edler v. Weittenhiller in Wien, 
ſerer Heere und neben der Tapferkeit unſerer Krieger auch 9 Eugen Gilg, Kgl. Bayriſcher Regiſtrator beim 
weſentlich der Einigkeit im Streben nach dieſer Einheit, welches Bahn⸗ und Poſtamt zu München, 
Fürſten und Völker gleich beſeelt habe. — i 0) Herr Dr. Anton Tobias, Oberlehrer am Johanneum 
„Durch Einigkeit wird groß gemacht und Stadtbibliothekar in Zittau, 
Was früher klein war und veracht, ) Herr Chr. G. Gerlach, evang. luth. Feldprediger z. Z. 
„Drum habet lieb die Einigkeit, in Verſailles und 
„So bleibt ihr frei in Ewigkeit.“ — 12 2) Herr Julius von Sebaſtiäni Porta de Remete 
Dieſer alte Spruch der ſchwäbiſchen Reichsritterſchaft und Pogänyeſt, kgl. ungar. Notar zu Nagy-Kürtös 


möge auch dem Vereine als Vorbild dienen, und die Mitglieder bei Kekkö. 
mögen, wenn der Verein ſich kräftigen ſolle, darauf Bedacht Vom Schriftführer wurde ſodann eine neue von ihm ent— 
nehmen, alle Zwiſtigkeiten perſönlicher Natur zu vermeiden. worfene Geſchäftsordnung vorgelegt, welche den einzelnen $$ 


Sodann verlas der Vorſitzende einen Nekrolog des am 13. nach verleſen, genehmigt und ſodann im Ganzen angenommen 
Januar a. c. verſtorbenen Privatdocenten der Geſchichte zu | wurde. 


Göttingen, Dr. L. A. Cohn, des rühmlichſt bekannten For⸗ Der Herr Schatzmeiſter hielt hierauf einen Vortrag: 


ſchers in der Diplomatik und Genealogie, deſſen „Stamm— „Ueber Werth und Entſtehung der polniſchen Adelsge— 


22 
ſchlechter.“ Der Vortragende trat den vielfach geringſchätzenden 
Meinungen über den polniſchen Adel entſchieden entgegen, und 
legte dar, daß der polniſche Adel nachweislich ebenſo alt wie 
der deutſche ſei. 

An Geſchenken waren eingegangen: 
von dem Herrn Freiherrn von Reitzenſtein hierſelbſt: 

1) Der Nordwald und feine Eigener, hiſtoriſch-topographiſch⸗ 
genealogiſcher Excurs aus einer Urkunde von 1017 zur Ger | 
ſchichte des Reitzenſteinſchen Geſchlechts 2c. 

2) Archivaliſche Mittheilungen; beide Aufſätze verfaßt von 
Carl Freiherrn von Reitzenſtein; 

von Herrn G. v. Bülow hieſelbſt: 

3) Geſchichte des Wappens des Geſchlechts von Buͤlow, von 
G. v. Bülow; 

von Herrn Dr. jur. v. Fock hierſelbſt: 

4) Die Freiherren und Herren v. Fock (p. 
Fock.) 

a Nachdem die Rechnung des Schatzmeiſters für das vorige 

Jahr dem Kanzlei-Inſpector Herrn Schröder zur Reviſion über— 

wieſen war, fand um 93 Uhr der Schluß der Sitzung ſtatt, 

in welcher 12 Mitglieder anweſend waren und als Gaſt der 

Kreisgerichtsdirector Herr von Zieten aus Lüben, eingeführt 

durch den Herrn Grafen v. Hoverden. — 

Zur Beglaubigung: 
F. Warnecke. 


Brucken genannt 


Erwiederung 


auf Th. Stenzel's genealogiſche Bemerkungen, 
von Adolf Cohn. “) 

Herr Th. Stenzel hat in Nr. 4 und 5 dieſer Zeitſchrift 

43 „Anmerkungen und Berichtigungen“ zu den von mir her— 

ausgegebenen „Stammtafeln zur Geſchichte der europ. Staaten“ 

veröffentlicht, um — wie er ſagt — mir und meiner Arbeit 

zu dienen, und noch Andere zu veranlaſſen, daß ſie ihre etwa 


geſammelten Notizen und Berichtigungen mittheilen möchten. 
Er bemerkt ferner, daß er hie und da auf Widerſprüche ver— 
weiſe, deren Aufklärung ich mir oder Andere ſich würden an— 
gelegen ſein laſſen. Die zuletzt erwähnte Aeußerung veranlaßt 
mich, dem mittelbar darin enthaltenen Wunſche des Herrn 
Stenzel zu entſprechen, ſonſt würde es genügt haben, auf die 
noch nicht gedruckten „Bemerkungen zum 3. Heft“, die Vorrede 
und die Nachträge und Berichtigungen, welche nach Vollendung 
des ganzen Werkes gegeben werden ſollen, zu verweiſen. Für 
die freundliche Abſicht und die thatſächlichen wenn auch nicht 
erheblichen Berichtigungen zur anhaltiniſchen Genealogie Nr. 22, 
32-34, 36, 38-39, 41, 42) bin ich Herrn St. dankbar, 
nicht minder verpflichtet mich die Anerkennung, welche er meiner 
Arbeit im Eingange ausſpricht; doch hätte ich — wenn dies 
zu ſagen geſtattet iſt — gewünſcht, daß er bei der Aufzählung 
von umfaſſenden Werken genealogiſchen Inhalts das höchſt ver— 
dienſtliche Buch von K. v. Behr genannt hätte, welches eben 
jetzt in erheblich verbeſſerter Form zum zweiten Male er— 
ſcheint. Bekanntlich war ſchon die erſte Ausgabe für die Ge— 
nealogie der jetzt regierenden Fürſtenhäuſer namentlich während 
der letzten 3 Jahrhunderte ſehr werthvoll: der 16jährige Zwi⸗ 


) Vorliegender Aufſatz war eine der letzten Arbeiten des vor 
Kurzem heimgegangenen Verfaſſers; vgl. oben im Protocoll. Einen 
Necrolog findet der Leſer in der nächſten Nr. d. Bl. — D. Red. 


erklären. 
Buch nicht in einem Zuge verfaßt werden konnte, ſondern ein 
Bogen nach dem andern, ſowie er fertig iſt, in die Druckerei 
wandert,“) da 


nicht zu vermeiden iſt. 


ſchenraum, welcher zwiſchen den beiden Ausgaben liegt, iſt von 
dem fleißigen Verfaſſer eifrigſt benutzt worden, um mit Des 
nutzung vielfacher Hülfsmittel auch die älteren Stammbäume 
(ſoviel ich bei einer bisher nur flüchtigen Durchmuſterung ge— 
ſehen) in eine den heutigen Anforderungen entſprechendere Ge— 
ſtalt zu bringen. Die Widerſprüche, welche Herr Stenzel 
zwiſchen den auf verſchiedenen meiner Stammtafeln enthaltenen 
Angaben über dieſelben Perſonen entdeckt hat, ſind leicht zu 
Da die Umſtände es mit ſich brachten, daß mein 


ferner bei dem Fortſchreiten meine Kenntniß 
zahlreicher Einzelheiten wächſt, überdies der Druck ſehr langſam 
vorrückt, jo iſt natürlich, daß Vieles in ſpäteren Tafeln ges 
nauer gegeben werden kann, als in früheren. Die Wider— 
ſprüche, die dadurch entſtehen, find ein Uebelſtand, der aber 
Der Benutzer der „Stammtafeln“ hat 
als Grundſatz feſtzuhalten, daß von zwei ſich widerſprechenden 
Angaben immer nur die ſpätere Geltung haben ſoll. Bei den 
erſten 2 Heften habe ich in den „Anmerkungen“ den Wider— 
ſpruch jedesmal beſeitigt: bei den noch außenſtehenden Anmer⸗ 
kungen zum dritten Hefte wird daſſelbe geſchehen, dadurch ent— 


— 


ledigt ſich eine große Zahl der von Herrn Stenzel erhobenen 


Bedenken (von 3, 6, 7, 8, 10, 11, 15, 16, 19, 20, 21, 23, 


24, 26, 27.) Einige andere ſind durch Druckfehler, die ſtehen 
geblieben, erklärt, (1, 4, 9, 12, 13, 14.) 

Es bleibt ſomit nur eine kleine Anzahl von Punkten 
übrig, die eine kurze Erörterung erheiſchen. 

2) Hüntle in ſeinem reichhaltigen und höchſt verdienſt— 
lichen Buch über die Genealogie des Hauſes Wittelsbach p. 
153 giebt als Sabinens Vermählungstag nach ihrer eigenen 
anderweitig beſtätigten Angabe 7. März 1825 an; ihren Tod 
ſetzt er ins Jahr 1651. Behr dagegen in den Nachträgen zur 
2. Auflage ſagt, Sabine ſei 6. Juni 1613 verm. und 21. 
Febr. 1616 + Mir fehlen die Quellen um zu entſcheiden, 
was richtig iſt. — 

4) Die Frage iſt dahin zu beantworten, daß ich, nach 
dem Muſter von Oertel, todtgeborene Kinder nur dann ans 
führe, wenn die Mutter bei der Geburt ſtarb. (vgl. d. Bemer— 
kung von F. M. Oertel. Geneal. Tafeln zur Staatengeſch. des 
19. Jahrhdts. 2. Auflage. Leipzig, 1857. S. VIII.) 

6) Wenn ich dort 18019. Auguſt geſagt habe, jo heißt 
das, es läßt ſich nicht genau feſtſtellen, an welchem Tage der 
Tod ſtattfand. Um einen Tag von einander abweichende Anz 
gaben kommen in den Quellen ſehr häufig vor: ſie rühren 
meiſt davon her, daß ein Todesfall in der Nacht eintrat, und 
von den Berichterſtattern der eine den der Nacht vorhergehenden, 
der andere den folgenden Tag meinte. — 

13) Allerdings iſt „Würtemberg“ amtliche Schreib— 
art. Meine Stammtafeln ſind aber kein kleinſtaatlich-amtliches, 
ſondern ein wiſſenſchaftliches Werk: es wird daher Wirtemberg 
und Baiern geſagt, was bekanntlich ſeit König Ludwig I. im 
Lande der Bajuvaren nicht geſtattet iſt, wo man nur Bayern 
ſchreiben und drucken laſſen darf. In Wirtemberg iſt man 
duldſamer. 

17) Ich entnehme die Notiz dem goth. geneal. Taſchen— 
buch. In Behr's Genealogie findet ſich der 13. Sept.; ich 


*) Auf die Uebelſtände, die davon die Folge ſind, habe ich 
bereits in meinem Bericht in dem Gött. gel. Anz. 1864 p. 1077 
hingewieſen. 


| 
5 
N 
1 
j 
4 


23 


überlaſſe es denen, die ſich mehr dafür intereſſiren, Nachfor— 
ſchungen anzuſtellen, welche Lesart die richtige iſt. 
18) Der angeführte Irrthum iſt in der Aum. 
402 von mir ſelbſt ſchon berichtigt worden. 
25) Als Todesjahr der Eliſabeth v. Darmſtadt geben alle 
neueren Hülfsmittel (die Becker'ſche Tafel der Landgrafen v. 
Darmſtadt, das Werk von Hofmeiſter über Heſſen, und Behr) 


zu Taf. 


Übereinſtimmend 1655 an. 


28) Ich habe die Notiz (15. Feb.) aus einer dem Meck— 
lenburgiſchen Staatshandbuch beigegebenen Stammtafel, welche 
ich der gütigen Mittheilung des Herrn Geh. Archivrath Liſch 
in Schwerin verdankte. 

29) Das richtige Jahr ſcheint weder 1812 noch 1814 
zu ſein, ſondern „zu Ende 1819“ So lautet die neuſte 
Angabe von v. Behr in der 2. Aufl. ſeiner Genealogie, von 
der man annehmen darf, daß ſie nicht 111 Grund gemacht iſt. 

30) Den Witderſpruch weiß ich nicht zu löſen. Herr 
Stenzel beruft ſich auf eine Sarginſchrift, Behr dagegen, welcher 
die andere Angabe hat, auf eine amtliche Benachrichtigung. Eine 
ſolche dürfte im Allgemeinen größeren Anſpruch auf Glaub— 
würdigkeit haben; hier dagegen ſcheinen die übrigen Umſtände 
zu Gunſten der Inſchrift zu ſprechen. 


Das Hatzfeldt'ſche Wappen. 

In Nr. 11 des „D. H“ findet ſich eine Kritik des neuen 
Fürſt. Hatzfeldt'ſchen Wappens, welche den großen Uebelſtand 
hat, daß ſie ein Wappen beſpricht, welches noch nicht einmal 
zur Ausfertigung gelangt iſt.“) Hätte der Kritiker die Aus— 
fertigung abgewartet, ſo würde er ſchwerlich Veranlaſſung zu 
der ganz unbegründeten Vermuthung in Betreff des angeblich 
fehlenden Vorderbügels an der Fürſtenkrone gehabt haben. Im 


Uebrigm möchte ich noch bemerken, daß das Wappenbild des 
Hatzfeldt'ſchen Stammwappen's als Haus- oder Maueranker an— 


geſprochn werden muß, nicht als Feuerbock. Mit demſelben 
geviertel erfcheinen ſchon im Jahre 1456 die drei Roſen der 
Edelheren von Wildenberg, aus welchem Dynaſtengeſchlechte 
(vgl. ur dieſe Sippe von Ledebur, Archiv f. Deutſche Adels: 


geſchichte 243 — 245) eine Erbtochter Jutta bereits 1354 be | 


deutende 1 an die Hatzfeldt brachte. Die Umgeſtal— 
tung der früher ſtets geführten Roſen in diejenige Form, welche 
man Miſplblüthen zu nennen pflegt, iſt nachweisbar das Pro— 
duet einige Diplome der Neuzeit; die Wiederherſtellung der 
urſprüng lichen e war nicht nur wünſchenswerth, ſondern 
geradezu ni Die übrigen Wappenfelder finden ihre Be— 
gründung in den Wappen derjenigen Familien, aus welchen, 
größtentheils durch Erbtöchter, Herrſchaften an das Hatzfeldt'ſche 
Geſchlecht gehngt find. Es handelt ſich da nirgends, wie die 
Kritik vermuhet, um neu ereirte Figuren, ſondern um hiſtoriſch 
Begründetes, 


Daher das Mappen der Paland wegen der Herrſchaft Weis— 
weiler nach den Diplom vom 28. Februar 1698 für den 
Grafen Alexalder von Hatzfeld-Wildenberg-Weisweiler; dann 


das Stammwappen der Winkelhauſen mit dem Adler- und Löwen— 
felde, entnommu dem Wappen, welches dem 1737 verſtorbenen 
Franz Carl Gafen von Winckelhauſen bei feiner am 12. De 
tober 1711 effolgten Erhebung in den Reichsgrafenſtand er— 


*) Dieſer dent war uns unbekannt geblieben; anderen Falls 
N) 


würde die Veröfentlichung des qu. Artikels beanftandet fein. 
I 


Th,. durch frühere Diplome ſchon Feſtgeſtelltes. 


| 


die Kritik ausdrückt; auch noch ſtärkere 


theilt worden iſt, und zwar wegen des Erbes der Herrſchaft 


Calcum. Der factiſche Beſitz der Herrſchaft Crottorf führte 
zur Aufnahme der Selbach'ſchen Roſe, und zwar auf Grund 


der am 17. September 1668 von Kaiſer Leopold J. beſtä— 
tigten Stiftungsurkunde des Reichsgrafen Herrmann von Hatz⸗ 
fellt-Gleichen, in deren Schlußſatz die Annahme von Titel und 
Wappen beim Ausſterbefall ſeiner Linie auch den in den Be— 
ſitz von Crottorf gelangenden Agnaten zuerkannt worden iſt. 
Endlich rührt die Aufnahme des Dietrichſtein'ſchen Stamm- 
ſchildes von dem Beſitz der von der Dietrichſtein'ſchen Familie 
ſtammenden Mähriſchen Herrſchaften Leipnik und Weiskirchen 
her. — Wenn die Kritik weiter die Stellung der Helme „durch— 
aus unſchön“ findet, ſo iſt der Geſchmack nur Nebenſache; die 
Hauptſache iſt, daß ſie richtig iſt; für die Reihenfolge der 
Helme muß aber die Reihenfolge der ihnen entſprechenden Felder 
des Schildes maßgebend ſein. Unter den ſieben Helmen mußte 
dem 1711 ertheilten Reichsadler als Würdezeichen der Vorrang 
eingeräumt werden; dann mußten, von der Mitte ausgehend 
in wechſelnder Ordnung die ſechs andern Helme folgen, nämlich 


die — nicht neu geſchaffenen, ſondern gegebenen — Helme von 
Hatzfeldt, Wildenberg. Paland, Winkelhauſen, Selbach und 
Dietrichſtein. — Endlich ſpricht die Kritik noch von kleinen 


„heraldiſchen Schnitzern,“ die ſie nicht namhaft macht: ich glaube 
nicht fehl zu greifen, wenn ich annehme, daß ſich dieſelben auf 
die überall von Ausrufungszeichen begleiteten „ſchwebenden Fi— 
guren“ beziehen; — nun, mir ſind die ſchwebenden Figuren 
auch ein Dorn im Auge; ſolche neu zu ereiren, wäre meines 
Erachtens nach falſch; aber wo ſolche ſchwebenden Figuren that— 
ſächlich vorhanden ſind, wie z. B. bei den Helmbildern von 
Hatzfeld, Wildenberg, Paland u. ſ. w. — wer hat das Recht 
ſie zu ändern,“) einer Theorie zu Liebe, die bei on Be: 
rechtigung doch disputabel bleibt? daſſelbe gilt von dem „heral— 
diſchen Nonſens der gekrönten Herz- und Mittelſchlde“ wie ſich 
Ausdrücke werden das 
hiſtoriſch Gegebene nicht ändern. II. 


Deutſche Städtewappen 
in der Sachſenchronik; 
erläutert von Ad. M. Hildebrandt und F. Warnecke. 
(Fortſetzung.) 

d) „Magiſtrat der Stadt Halle.“ Darſtellung wie 
die des oben erwähnten Secrets. 18. Jahrh. 

e) Ohne Umſchrift: das vollſtändige S 
Helmzier: Mond mit einem Stern darüber. 

1) „Magiſtrat der Stadt Halle.“ (Mondſichel und 
Sterne roth ſchraffirt). 

g) „E. E. Raths d. Stadt Halle Ger. Sieg. des 
Amts Beeſen.“ (Mondſichel roth ſchraffirt). 

Beide zeigen den r. Mond mit den r. Sternen im w. 
Schilde. — Daſſelbe Wappen in einem kleinen, unter einem 
größeren, den preußiſchen Adler enthaltenden Schilde zeigt auch 
n) das S. der Pfälzer Colonie vom Anfang des 18. Jahrh.; 


Stadtwappen mit 


*) Bei Ert geg neuer Diplome dürfte die ausfertigende De- 
hörde doch wohl das Recht — oder die Pflicht — haben, in früheren 
Diplomen e oder im Lauf der Zeit eingeſchlichene Fehler zu 
redreſſiren und das urſprüng lich Richtige wieder einzuſetzen; ſchwerlich 
wird ſich aber das Vorkommen ſchwebender Helmfiguren, als in praxi 
unmöglich, über die Zeit der beginnenden Corruption der Heraldik 
hinaus nachweiſen laſſen. A. d. Red. 


die Umſchrift lautet: 
lensis.“ 

11) Hamborch (Hamburg.) Zwei 
einander: 1) in B. ein r. Portal, 
Holſteiniſche Neſſelblatt; 
dachte r. Thürme; 2) zwei geſchrägte w. 
in N. 


worin das w. 


Erſteres Wappen führt die freie Reichsſtadt Hamburg noch 


heute, doch etwas verändert: der Schild iſt weiß, das „Neſſel— 
blatt“ fehlt, das Thor iſt mit einer b. Thür geſchloſſen; nur 
der mittlere Thurm trägt ein ſpitzes b. Dach, mit einem w. 
Kreuzchen beſetzt; die äußeren Thürme find gezinnt und über 
jedem ſchwebt ein w. Stern. 
jedenfalls das des Stifts Bremen. 


a) Das älteſte Hauptſiegel (1255) zeigt die „Burg“ mit | 
| 1648.) 


geſchloſſenem Thor; über den Flankenthürmen je 18 Stern. 
Umſchrift: „Sigillum burgensium de hamborg.“ 

b) Eine gleiche Darſtellung zeigt das — fedoch der 
Sterne entbehren de — Seeret aus dem 14. Jahrh., 
welches noch 1723 benutzt wurde; es hat die Umſchrift: 

„Secretum burgensium de hämborg.“ Ein (unſeres 
Dafürhaltens nachgeahmter) faſt dieſelbe Darstellung, aber in 
„geleckter“ Manier, zeigender Stempel wird im Muſeum zu 
Greifswald aufbewahrt; er hat die corrumpirte Unſchrift! 
„Scurgtum (sic) burgensium (sic) de hamborg.“ 

c) Ein ferneres Secret vom 1309 „Secretum ci- 
vitatis hamburgensis“ hat gleichfalls die Burg, aber zwi— 
ſchen den drei Thürmen befindet ſich rechts ein Stern, links 
ein Halbmond. 

Die Burg mit geöffnetem Thor ohne Sterne finden wir 
auf folgenden Abdrücken: 

0 „Secretum burgensium de hamborg “ 17. 

) „Hamburg Pass- Siegel,“ 18. Jahrh. 

N „Signetun eivitatis hamburgensis: MS Jahrh. 

g) , ‚Sigillum judicii inferioris hamburgensis.“ 19. 
Jahrh. 

Das geöffnete Stadtthor mit den Sternen: 

h) „Sigillum civitatis hamburgensis,“ 19. Jahrh. 

1) Das große neue Staatsſiegel mit der Umſchrift: 
„Signetum civitatis hamburgensis“ hat im Schilde die 
drei Thürme mit Sternen ꝛc. wie oben beſchrieben: darüber 
einen bewulſteten Helm, mit drei Pfauenwedeln und dazwiſchen 
ſechs Fähnlein beſteckt. Schildhalter: zwei Löwen. 

k) Ein kleineres Siegel ohne Umſchrift hat die Thürme 

Sterne, den Helm nur mit Fahnen beſteckt. — 

I) „Hamburgisches Syndicat Siegel.“ Im Siegel— 
die Thürme (mit Sternen.) 19. Jahrh. 
12) Hon over (Hannover.) In G. ein gr. Klee— 
blatt (eine Spitze oben, zwei unten) in der Mitte 
mit einer kleinen r. Scheibe belegt. 

Bereits ziemlich früh kommt das Kleeblatt als Wappen⸗ 
bild der Stadt Hannover vor, als welches es noch heute gilt. 
Zuerſt erſcheint es unſeres Wiſſens auf dem zierlich gearbeie 
teten kleinen „Sigillum. mercatorum. in. honovere 7,“ 


Jahrh. 


ohne 


felde 


Schilde neben 
öffneten 
darüber drei ſpitzbe— 
Schlüſſel 


— Das andere Wappen iſt wohl 


. 


„Sigillum coloniae palatinge hal- 


a) das aus der Zeit um 1300 ſtammende, im Original- 


Stempel erhaltene, mittelmäßig gearbeitete Hauptſiegel, welches 


welches über einer mit geſchloſſenem Portal verſehenen Mauer zwei 
eckige Thürmchen zeigt, zwiſchen welchen ein Dreieckſchild nach rechts 


gelehnt iſt; in demſelben das Kleeblatt, jedoch eigenthümlich 
geſtaltet: in der Mitte ein kleines Röschen, begleitet von drei 
herzförmigen, die Spitzen nach den Schildesecken kehrenden 
Blättern. Eigentliche Stadtſiegel kennen wir folgende: 


’ 


nach rechts ſchreitende 


eine Stadtmauer zeigt; inmitten derſelben ein Thor mit ges 
Thüren, darüber zwei Zinnenthürme, zwiſchen denen 
ein nach links blickender Lowe (ſchwebend) ſteht. Umſchrift: 
sh 1 burgensium in Honovere.“ 

b) „Secretum burgensium de honovere.“ Dar⸗ 
ſtellung wie auf dem Sigill, jedoch der Löwe nach rechts 
blickend. 

c) „Secretum civitatis hannover;“ wie voriges, 
doch unter dem Portal ein Schild mit dem Kleeblatt; 
Spitze unten.) Ueber dem Löwen die Jahreszahl „1534“ 

d) „Secretum civitatis hannover; ganz ebenfo, 
aber die Zahl „1570“ 

e) Ganz ebenfo, aber die Zahl: „1579“ (Abdruck v. J. 


ie⸗ 
(eine 


f) „Secretum civitatis Hannover.“ Im Schilde der 
Löwe über dem geöffneten Thor, unter 
welchem das Kleeblatt. Bewulſteter Helm mit zwei Büffelhör— 
nern, dazwiſchen das Kleeblatt. (18. Jahrhundert.) 

Dieſelbe Darſtellung zeigen: 

g) „Secretum eivitatis Hannover.“ 18. Jahrh. 

h) „Königl. Residenzstadt Hannover.“ 19. Jahrh. 

i) „Der Stadt Hannover kleines Iusiegel.“ 
19 Jahrhundert. 

k) 5 Stadtgericht der 54 Residenzstadt Han- 
nover.“ Letzteres mit zwei L Löwen als Schildhalter. 

13) Helmeſtidde (Helmſtedt.) In W. 
ſtürzte g. Biſchofsſtäbe. 

Drei Siegel liegen uns vor, von denen jedoch nur das 
jüngſte dies Wappen enthält. 

a) „Sigillum burgensium in helmestat.“ 1368. 
Ueber einer Zinnenmauer unter einem dreibogigen Pertal der 
hl. Ludgerus; auf dem mittleren Rundbogen: „S' Ludger’. 

b) „Secretum burgensium in helmestat.“ 1536. 
Mit gleicher Darſtellung. 

c) „Sigillum senatus Helmstadeusis. 
Schilde die gekreuzten Biſchofſtäbe. 1640. 

(Fortſetzung folgt.) 


zwei ge⸗ 


N.“ 


Im 


Hund, Vairiſch Stammenbuch III. Theil. 


Der wackere und fleißige Hund hat ung befnntlic den 
III. Theil ſeines berühmten Stammbuchs im Mauuſcript hin— 


terlaſſen, deſſen Original in der Kgl. Hof- und Staatsbiblio— 
thek zu München bewahrt wird. Von den Geneclogen äußerſt 
geſucht, war das Werk in ziemlich vielen Abſchriten verbreitet, 
und im vorigen Jahrhundert überraſchte ſogar er Buchhänd— 
ler de la Haye in Ingolſtadt die Genealogen mit einem 
Proſpecte über die Herausgabe deſſelben. Nach ſeinem Plane 
ſollte die Lieb'ſche Handſchrift, welche er in finen Beſitz ge— 
bracht hatte, „von geſchickten Leuten“ mit Zuſitzen uud Fort— 
ſetzungen bereichert werden, und eine für amalige Zeiten 
glänzende typographiſche Ausſtattung mit Wapentafeln ꝛc. er⸗ 
halten. In wie weit dieſes Project zur Ausführung kam, 
ift mir unbekannt, jedenfalls cireulirte ſ. Z. uiter den Genea⸗ 
logen die fama, das Werk ſei bereits vollendt und der Een: 
fur übergeben geweſen, der betr. Beamte aber habe aus 
Aerger, weil er die Geſchichte feines Hauſes darin nicht gefun⸗ 


den, das ſchöne Werk in feinen Kamin geworen. 


exiſtiren, iſt jedenfalls nicht verloren gegangen; fie iſt bekannt— 
lich in des Freiherrn v. Freyberg Sammlung hiſtoriſcher 
Schriften Bd. III. (Stuttgart 1830) zum Abdruck gelangt. 

Leider entſpricht dieſer Abdruck durchaus nicht den An⸗ 
ſprüchen, die man in unſerer Zeit zu ſtellen berechtigt iſt. 
Abgeſehen von dem Mangel an Notizen über die Geſchichte 
des Manuſcripts, von dem äußerſt ſparſamen Druck, der den 
Gebrauch des Werkes bedenklich erſchwert, iſt die Ausgabe 
eben nichts weiter als ein bloßer gedankenloſer Abdruck der 
Lieb'ſchen Handſchrift. Von einer die vielen Fehler und zweifelhaf⸗ 
ten Stellen berichtigenden Kritik finden wir keine Spur. Es 
iſt kaum glaublich, welche eraſſe Fehler der Editor ſtehen laſſen 
konnte! So finden wir z. B. bei den Schenken von Hirſch⸗ 
berg S. 619 folgende Stelle: „Heinrich Schenk von Geiern, 
Ritter, Bürger Führker, Heinrich Schenk von Leutershau— 
ſen“ zc. Ein Blick in die betr. Urkunde hätte dem Editor ge— 
zeigt, daß es „Bürge für“ heißen müßte. Aus vielen Stellen 
ſehe ich, daß ſogar die Interpunktion der Handſchrift, mag 
fie noch ſo finnftörend und den an ſich richtigen Text verwir- 
rend ſein, beibehalten iſt; beſonders auffallend waren mir die 
pagg. über die Roſenbu ſch und Ratzen. Bei den erſte— 
ren finde ich s. ao. 1461 folgende Notiz: „Bartleme und 
Ja cob 3 Gebrüder“; nach Hund's eigner, auf derſelben Seite 
abgedruckten Angabe, war wirklich ein dritter Bruder Marquard 
vorhanden. Durch falſche Interpunction iſt die ganze Genea— 
logie in Confuſion gebracht. Bei den Ratzen ſind Fehler 
und Irrthümer Hund's ſtehen geblieben, die man aus den 
Zuſätzen Liebs hätte berichtigen können. Dies nur eine kleine 
Auswahl, — denn unter allen Genealogien, die ich unterſuchte, 
habe ich nicht eine einzige ohne Fehler gefunden. Thatſache 
iſt, daß der vorliegende Abdruck nicht höher zu ſchätzen iſt, 
als eine der gangbaren Handſchriften, und daß er ſehr der 
kritiſchen Bearbeitung bedarf, wenn er als glaubwürdige und 
zuverläſſige Geſchichtsquelle gelten fol. Hierzu ſcheinen mir vor 
Allem die hiſtoriſchen Vereine Altbayerns und der Oberpfalz 
berufen zu ſein. Die erforderliche Orts- und Familienkennt⸗ 
niß dürfte, wenn irgendwo, in dieſen Kreiſen zu finden ſein. 
Leitende Grundſätze für die Bearbeitung wären nach meiner 
Anſicht folgende: e 

1) die Orthographie Hund's dürfte ganz unberückſichtigt 
gelaſſen werden. Aus der Periode Hund's haben wir genug 
und beſſere Sprachdenkmale. (Die Orthographie der Freybergi⸗ 
ſchen Ausgabe iſt corrupt, und eine Vergleichung mit Origi— 
naldrucken ergiebt, daß Hund ganz anders ſchrieb, oder drucken 
ließ.) 

2) In vielen Fällen, da wo verſchiedene Familien glei- 
chen Namens behandelt werden, iſt eine vollſtändige Umarbei— 
tung der Artikel erforderlich. Hierbei kann gleichwohl die 
Schreibweiſe Hund's beibehalten werden. 

3) Eine Fortſetzung zu Hund ſcheint mir vorläufig, — 
wenn fie ſich nicht ungeſucht darbietet, — nicht erforderlich zu 
ſein, und es dürfte eine Berichtigung der irrigen Angaben 
Hund's und der Text⸗Verſchlechterung durch die Handſchriften 
dem Bedürfniſſe entſprechen. Um eine vollſtändige Kenntniß 
der Familien zu erlangen, bedürfen wir ohnehin viel umfaſſen⸗ 
derer und mehr eingehender Arbeiten, als Hund lieferte und 
liefern konnte, und ſolche können wir in den nächſten Jahren 
nicht in einem Corpus erwarten. 

Die Bearbeitung derjenigen Genealogien, welche meinem 


25 


Die Lieb'ſche Handſchrift, vielleicht eine der beſten, die, 


Arbeitsfelde (Franken und benachbarte Theile des Nordgaus) 

angehören, habe ich bereits unternommen, und hoffe ich, deß⸗ 

wegen den betr. Vereinen bald Vorlagen machen zu können. 
„ 


CTiteratur. 


„Doppel-Adler und Schwarz-Gold⸗Roth als Wap⸗ 
pen und Farben des neuen Deutſchen Reiches. Zum denkwürdigen 
Jahre 1870 allen Deutſchen gewidmet von Dr. Carl Ritter v. 
Mayerfels. 8. (35 S. mit in den Text gedruckten Holzſchn. und 
farb. Titelumſchl.) München. Druck von Wolf & Sohn.“ 

Obwohl ich nicht zweifle, daß obige Broſchüre dermalen keinem 
Leſer des Herold mehr fremd iſt, ſo halte ich es keineswegs für über⸗ 
flüſſig, das Erſcheinen derſelben hier zu regiſtriren, über den Stand- 
punkt des verehrten Altmeiſters in jener vielbeſprochenen Frage zu be- 
richten, und bei dieſer Gelegenheit meine eigene, ganz unmaßgebliche 
Anſicht auszuſprechen. 

Drei Factoren ſind es, welche bei Entſcheidung der Streitfrage, 
zunächſt vom Doppeladler, in Betracht kommen müſſen: Die Ge⸗ 
ſchichte, das Recht, die Politik. Es iſt hierbei Folgendes über den 
wahrſcheinlichen Urſprung des Doppeladlers nach Ritter v. M. vor⸗ 
auszuſchicken: Der Doppeladler iſt nicht das Symbol des heiligen 
römiſchen Reichs, ſondern, urſprünglich als einfacher Adler, wohl 
ſchon von den erſten deutſchen Königen aus dem karolingiſchen Hauſe 
geführt worden, ſodann um das Ende des 14. Jahrhunderts aus 
einer zeitgemäßen Vorliebe für Verdoppelung in den Doppeladler 
umgeſtaltet. Aus geſchichtlichen Gründen müſſen wir uns 
für den Doppeladler entſcheiden. Wir haben keine Veranlaſſung, 
uns ein Wappen aus einer beſtimmten Periode der deutſchen Reichs⸗ 
geſchichte zu holen, es dürfte vielmehr das Natürlichſte ſein, an den 
Zeitpunkt anzuknüpfen, der uns zunächſt liegt: 1806. Aus biftorifch- 
heraldiſchen Gründen kann der Doppeladler ebenfalls nicht verdammt 
werden, da er noch aus der beſten Periode drr Heraldik ſtammt, 
womit denjenigen, welche für den einfachen Adler aus dem Grunde 
ſprechen, weil dadurch die Bahn zur Purification des Wappenweſens 
gebrochen ſei, die Handhabe genommen iſt. Daß der einfache Adler 
das uralte Wappenbild des deutſchen Reiches, iſt ganz richtig, aber 
der Doppeladler iſt doch auch ziemlich alt, wenigſtens mittelalterlich! 
Ueberhaupt ſind die beiden Darſtellungen, der einfache und der 
Doppeladler, nicht als zwei juridiſch zu unterſcheidende Wappenbil⸗ 
der zu betrachten, da ja, wie vorausgeſetzt, der letztere blos eine nach 
dem Kunſtgeſchmacke des 14. Jahrhunderts umgeſtaltete Darſtellung 
eines und deſſelben Wappenbildes iſt. Das Recht des Wappenherrn, 
welches in den älteſten Wiederverleihungen eines ledig gewordenen 
Wappens ausgeſprochen iſt, das neue Wappen ſeines Gefallens zu 
gebrauchen (alſo entweder nur das alte oder nur das neue, oder 
auch beide vereinigt,) findet demnach hier keine Anwendung; ſonſt 
könnte etwa gar Grünenbergs alter dreiköpfiger Adler zur Thatſache 
werden! Nein, nur die moderne Kunſt kann in dieſem Falle 
Richterin ſein. Da ſich aber dieſe weder für die eine, noch für die andere 
Darſtellung entſcheidet, ſondern beide für zuläſſig hält, ſo dürfen andere 
Gründe bier maßgebend fein. Nachdem bis 1806 der Doppeladler das 
Wappen des deutſchen Reiches war, kann das Recht deſſelben auf dieſes 
Wappen gar nicht in Frage kommen. Nach dem Grundſatze, daß 
das Recht des Wappenherrn ein ausſchließliches ſei, iſt Oeſterreich gänz⸗ 
lich unberechtigt im Beſitze des Doppeladlers, muß entweder das 
Wappen aufgeben, oder — nach mittelalterlichen Grundſätzen — 
einen Lehenbrief des Wappenherrn zu erlangen ſuchen. Aus politi⸗ 
ſchen Gründen (auf deren Beſprechung hier aus Rückſicht auf den 
nicht politiſchen Charakter d. Bl. verzichtet werden muß) befürwor⸗ 
tet Ritter v. M. den # Doppeladler in G. gegenüber dem 3 Doppel⸗ 
adler in S., welcher von anderer Seite in Vorſchlag gebracht wurde. 
Was die Farben des deutſchen Reiches betrifft, fo ſchließt ſich Ritter 
v. M. denjenigen an, welche für #.-9.-r. ſtimmen; ſpricht jedoch aus 
ähnlichen Gründen wie beim Doppeladler ſich gegen #.-w.-r. aus, 
wozu noch der Umſtand kommt, daß im letzteren Falle die Farben 
mit dem Wappen nicht im mindeſten coreſpondiren würde. Ich 
halte u. -g.-r. für zuläſſig, weil eine Tricolore zeitgemäß iſt, und 
„Beſſerungen“ auch hier angewendet werden können. Ich bezweifle 
aber, daß R. zu den alten Reichsfarben in Beziehung geſtanden habe. 
Thatſache iſt es, daß im Mittelalter R. für Kriegs- oder Sturm⸗ 


26 


fahnen im Allgemeinen ſehr beliebt war. Im Nibelungenliede heißt 
es, die Amelungen hätten, als ſie vor Worms kamen um mit den 
Burgunden zu ſtreiten, rothe Banner aufgeſteckt; ebenſo auch die 
Burgunder auf ihrer Fahrt durch Bayern. Nib. V. 6395: 

er bant ouch ze sime schafte ein zeichen, daz was röt 

eit käm er mitten konegen in eine grözliche not. 

Es iſt eigentlich überflüſſig, wenn ich ſchließlich noch bemerke, 
daß die Schrift in der gewohnten würdigen, gemüthlichen, klaren und 
faßlichen Weiſe des Herrn Verfaſſers geſchrieben iſt. Uebrigens wer⸗ 
den Dilettanten in der Wappenkunſt wieder vielfache Belehrung aus 
der Schrift ziehen können, da der Herr Verfaſſer einige arcaua, wie 
jeder den heraldiſchen Adler ſtilgetreu darſtellen könne, mitgetheilt 
hat. Seyler. 


„Numismatiſche Zeitun g 1870. Pr. 22, Seite 
119: Kritik des „Adligen Antiquarius“ des Pr. O. T. v. Hefner, 
von G. Seyler; in treffender Weiſe die zahlreichen Mängel des ge— 
nannten Werkes rügend. 


„Anzeiger für Kunde der Deutſchen Vorzeit.“ 1870 
Nr. 8 u. 9, Seite 273 ff: „Sphragiſtiſche Aphorismen“ von F.-K. 
Abbildung und Erläuterung zweier der älteſten bekannten Siegel 
geiſtlicher Herren mit ihren Wappen: Otto v. Paengen, Pfarrer zu 
Herbertsfelden, (1259—1270) und des Probſtes Nicolaus von Meck— 
lenburg (1280) Vgl. Meckl. Urk.-B II. p. 2243 — ferner des Sie⸗ 
gels des Halberſtädter Dompropſtes Erich v. Rabiel (1412) in ſo⸗ 
fern intereſſant, als im Siegelfelde über dem gelehnten Wappenſchilde 
des Sieglers das Wappenbild der Domprobſtei Halberſtadt, ein 
Adler, ſich befindet. — Verſchiedene Beiſpiele des Vorkommens der 
— jetzt namentlich in der Engliſchen Heraldik ſo beliebten — Sitte, 
die Helmzier ohne Helm über dem Schilde anzubringen, aus dem 
Mittelalter. Endlich das ſchöne ſpitzovale S. des Stiftsherrn zu 
B. Mar. virg. in Halberſtadt, Johann von Wernigerode, auf einem 
Baume ein Pelikanneſt zeigend; mit Angabe frühzeitigen (wenn 
gleich nur ſeltenen) Vorkommens dieſes Thieres auf Siegeln. 


„Kgl. Preuſſ. Staats Anzeiger; Beſondere Bei⸗ 


lage Nr. 49.“ Abhandlung über „die Deutſchen Kriegsausdrücke 
im Franzöſiſchen,“ — in ſofern intereſſant, weil ein Theil dieſer 
Ausdrücke auf die Waffenkunde und in Folge deſſen die Wappenkunde 
Bezug hat. U. A. ſagt der Bf. „das franzöſiſche blason, Wappen, 
Wappenkunde, urſprünglich „Glanz“ bedeutend, geht auf das alt⸗ 
deutſche blas, Fackel, brennende Kerze, zurück; héraut der Herold 
iſt der „Heerwalt.“ — 


Ebendaſelbſt: „Das Trabantenweſen, mir bei. Rückſicht auf 
Brandenburg Preußen.“ Es kommt darin vor, daß die Kurfürſtliche 
Leibgarde aus 3 Körpern beſtand, und zwar 1) aus 24 Ade sbur— 
ſchen oder adligen Leibreiſigen; 2) aus den Einſpännigen (beide zu 
Pferde) 3) aus den Drabandten, eine Art Fußſöldner, unter welchen 
1608 Chriſtoph Jobann Hombold, ein Vorfahr des durch Alexander 
und Wilhelm v. H. bekannt gewordenen im 18. Jahrhundert ge 
adelten Geſchlechts, genannt wird. Er ſtarb den II. Februar 1658 
als Bürgermeiſter zu Königsberg i. N. Ein Trabant rangirte da— 
mals zwiſchen den Hoftrompetern und Kammermuſikanten. 

Eben daſelbſt Nr. 30: „Die geſtickte Altardecke im Kloſter 
Ribnitz.“ (Vgl. Mecklenb. Jahrbücher 28. Jahrg.) Beſagte Decke 
zeichnet ſich durch drei eingeſtickte Wappen aus: Das erſte, mecklen— 
burgiſche, iſt (abgeſehen von den Siegeln) als das älteſte Wappen⸗ 
denkmal des mecklenb. Fürſtenhauſes zu betrachten; das zweite iſt 
das Holſteiniſche, das dritte ſcheint das Braudenburgiſche; wenigſtens 


" 


zeigt der Schild einen Adler, während jedoch der Helm zwei mit 


Federn beſteckte Hörner zeigt; die Vermuthung, daß es das Gräflich 
\ 


Lindow'ſche Wappen ſei, ſcheint des Helmes wegen noch weniger zu— 
treffend. 


Eben daſelbſt Nr. 51: „Der Krieg im Munde des deutſchen“ 


1 

Volkes.“ Etpmologiſche Abhandlung über kriegeriſche Ausdrücke; u. 
A. heißt es: „Der zum Angriff dienende Theil der Kriegsrüſtung 
wurde urſprünglich durch das Wort Waffe ausgedrückt, d h. 
Wurfgeſchoß; doch dehnte ſich der Begriff deſſelben ſräter auch auf 
die zur Vertheidigung dienenden Schutzwaffen aus, und ſo kam es, 
daß die niederdentſche Form Wappen das hauptſächlich aus Schild 
und Helm beſtehende Sinnbild der Rittergeſchlechter zu bezeichnen 
begann.“ — — Helm bedeutet „der Hehlende, Schützende, von den: 
ſelben Stamme dem auch der Held, d. h. der Beſchirmer, ent⸗ 
ſprungen iſt. — 


„Geſchichte des Wappens des Geſchlechts von Bülow 
Ein heraldiſch⸗ſphragiſtiſcher Verſuch auf Grund der älteſten Denk— 
mäler des Geſchlechts mit einer Siegel: und Wappentafel, v. G. v. 
Bülow. Berlin, bei Mitſcher und Röſtell 1871.“ Dieſe Arbeit er⸗ 
regt unſer lebhaftes Intereſſe, weil ſie eine der wenigen Kundgebun— 
gen auf dieſem Gebiete iſt, welche von einer wiſſenſchaftlichen Dia⸗ 
gnofe des Herrn Verfaſſers zeugt. Frei von leider namentlich unter 
den „Wappenherren“ noch ſehr verbreiteten Vorurtheilen verweiſt er 
den mit der Heraldik ſo häufig verbundenen Tand dahin, wo er ge— 
gehört, und beſchäftigt den Leſer, ſtatt mit Wappenſagen und an⸗ 
dern Erzeugniſſen der menſchlichen Eitelkeit, mit der Vorführung des 
über das Wappen Bülow vorhandenen wiſſenſchaftlichen werthvollen 
Materials. Die allgemeinen Erläuterungen, welche der Herr Ver⸗ 
faſſer gibt, machen dieſen in ſeiner Beſcheidenheit betitelten „Verſuch“ 
auch für ſolche Freunde der Heraldik leſenswerth, welche nicht der 
Familie v. Bülow angehören und noch nicht tiefer in die ältere Ge— 
ſchichte des Wappens eingedrungen ſind. Mit Recht bemängelt der- 
ſelbe u. A. den Mißbrauch, welcher mit den Kronen als Helmkronen 
getrieben wird. Die einfache alte „königliche“ Krone, welche ſchon 
ſehr früh im 3. Jahrhundert als Helmzierde erſcheint und dann 
von Fürſt und Edelmann als ſolche geführt wurde, hat der eitlen 
Prunkſucht der Neuzeit nicht mehr genügt und man hat neunperlige 
Grafenkronen, Kreiberenfronen, ja Kronen des Edel⸗ 
manns erfunden und ſie als Helmkronen in die Wappendiplome auf⸗ 
genommen. Ja es giebt Geſchlechter, welche ſogar ihr altes Wap⸗ 
penbild, ſtatt der räthſelhaften Entſtehung der Form nach- 
zuforſchen, um der Eitelkeit zu fröhnen, mit ſolchen Grafenkronen 
corrumpirten und ihm den Stempel der Neuzeit dadurch aufdrückten. 
Wir kennen ein kurmärkiſches Wappen, welches im 16. Jahrhundert 
als ein Wagenſpriet, über welchem eine Krone, erſcheint, und worin 
damals die Krone in der alten Form dargeſtellt wird. Die Wappen⸗ 
träger haben aus dieſer Krone ſeit etwa 50 Jahren eine neunper⸗ 
lige Grafenkrone gemacht, welche das Lächeln jedes Heraldikers er— 
regt; und es bietet doch die Geſchichte dieſes Wappens, namentlich 
die Nachforſchung nach der älteſten Form deſſelben in Anbetracht des 
Namens, ſo viel des Intereſſanten, daß der Familie Behufs der Unter 
ſuchung dieſes Wappens ein Verfaſſer eines ſolchen „Verſuchs“ zu 
wünſchen wäre wie der iſt, welcher in obigem Werk zum Leſer ſpricht. 
Herr v. Bülow verſteht übrigens die Familien auseinander zu halten, 
welche nicht zuſammen gehören, und in dieſer Beziehung möchten wir 
denſelben denjenigen Herrn Verfaſſern von Geſchlechtsgeſchichten als 
nachahmenswerth empfehlen, welche aus der Gleichheit eines Namens 
bei Verſchiedenheit der Wappen eine gemeinſchaftliche Abſtammung 
einer Familie folgern, wie dies die umfangreiche Arbeit über das 
Geſchlecht der Freiherrn v. Eberſtein in Thüringen ausübt. 

Frh. v. R. 

„Geſchichtliche Nachrichten vom Geſchlechte Stillfried 
von Rattonitz. Herausgegeben von Rudolph Stillfried. 
Berlin, im Selbſtverlage des Herausgebers, 1870. Groß Quart. 
J. Band, Geſchichte. 542 S. II. Band Urkundenbuch 466 S.“ 

„Geſchichte der freiherrlichen Familie von Tſchammer. 
Herausgegeben von dem gegenwärtigen Majoratsherrn Frei— 
herrn A. von Tſchammer-⸗Quaritz, verfaßt von F. W. von Rac⸗ 
zek. Breslau 1868. Groß Octav. 268 S.“ 

„Geſchichte des Geſchlechts der Saurma und Sauerma. 
Denkſchrift zur 300jährigen Gedächtnißfeier der Fideicommiß⸗ 
Stiftung Jeltſch, von A. Weltzel. Ratibor 1869. Quart. 139 . 

„Stammtafeln des Geſchlechts der Grafen und Frei—⸗ 
berrn von Saurma-⸗Jeltſch. Aufgeſtellt von Hugo Saur⸗ 
ma, Freiherrn von und zu der Jeltſch. 1869. Eine zweite 
für das Geſchlecht der Sauerma. Beide mit großen, künſt⸗ 
leriſch ausgeführten Vignetten, gez. von Clericus, geſt. von 
Loeillot.“ 

„Das von Prittwitz'ſche Adelsgeſchlecht. Aus den aufge— 
ſammelten Nachrichten zuſammengeſtellt von Robert von Pritt— 
witz. Breslau, W. G. Korn, 1870. Octav. 308. S.“ 

Es ſind alte ſchleſiſche Geſchlechter, die hier in den letzten Jahren 
Darſtellungen ihrer Familiengeſchichten gefunden haben; das Ur⸗ 
kunden buch der Stillfriede beginnt mit dem Jahre 1207 am 
Hofe Leopold's von | 


Oeſterreich; die Tſchammer rühmen ſich, nach⸗ 
weislich in der Tartarenſchlacht bei Wahlſtatt 1241 mitgekämpft zu 
haben, und auch der ſtrengſte Kritiker wird ſoviel als erwieſen er— 

darſtellenden und etwa 


achten müſſen, daß auf einem jene Schlacht 


ee; 


2 


— 


ein Jahrhundert ſpäter entſtandenen, uns noch erhaltenen Bilde einer 
der deutſchen Ritter angeblich das Wappen der Tſchammer auf 
ſeinem Schilde führt.“) Die Prittwitze erſcheinen zuerſt 1308 unter 
dem Hofadel der ſchleſiſchen Piaſten. Weit ſpäter beginnt die Reihe 
der Saurma's, die auch im Gegenſatz zu Jenen aus dem ſtädtiſchen 
Patriciat hervorgegangen ſind. Ihre Stammtafel zählt vom Jahre 
1420 ab. 


Bezüglich der Ausführung iſt unbedingt an erſter Stelle zu 
. Rune 3 ara) 
nennen dos Stillfried ſche Buch, ein Muſter- und Prachtwerk in 


feiner Art, wie es Schleſien noch nicht aufzuweiſen hatte. Aeußer— 
lich mit demſelben Glanz ausgeſtattet, den man einſt an den mo- 
3 ‘ 


unmenta Zollerana bewunderte, verſchwenderiſch reich verſehen mit 
Allem, was ein Werk dieſer Art beleben und ſchmücken kann, Abbil— 
dungen von Wappen und Siegeln, Epitaphien, Facſimiles, ſauber 
ausgeführten Anſichten der Stammſchlöſſer, einer großen Sammlung 
gut abgedruckter Urkunden und vor Allem einer ſtolzen Folge künſt⸗ 
leriſch ausgeführter Ahnenbilder, die in Erſcheinung und Tracht ſo 
chargeteriſtiſch die wechſelnden Zeiten abſpiegeln, führt es die Ge— 
ſchichte des Geſchlechtes herab bis zu dem Herausgeber, dem jetzigen 
Haupte der Familie, dem Oberceremonienmeiſter Grafen Stillfried 
von Alcantara, dem Herausgeber der Alterthümer des Hauſes Hohen— 
zollern und Forſcher in der Geſchichte des preuß. Königshauſes, deſſen 
Autobiographie darin ein größerer Raum gegönnt iſt. Die ältere 
Genealogie läßt manchen Zweifel noch ungelöft. Bei der Fülle des 
hier Gebotenen werden wir gern mancherlei, was 


7 


J 
| 


zu treten, ſich nicht der Pflicht zu entziehen, die von ihm ange⸗ 
führten Thatſachen auch quellengemäß zu begründen, und außerdem 
überſichtliche Stammtafeln der verſchiedenen Linien dem Werke bei— 
zugeben. 

(Schleſiſche Zeitung vom 16. Febr. mit Aenderungen.) 


Anfragen. 
III. 

Im Jahre 1285 erläßt der Propſt Rainer de Orio ein 

Schreiben an die Domherren des Stifts Meißen wegen Ein: 


treibung des päpſtlichen Decems, und ſagt an der Stelle der 


Siegelformel: 


nec miremini de sigillo, quia antiquum 
amiseramus et utebamur tunc et utimur alio novo si- 


Sillo, quod fieri fecimus sub alia pressura, quod 


in rei 


testimonium duximus praesentibus adponendum. 
(Abgedr. im Cod. dipl. Sax. reg. II. I. Nr. 268.) Eines 


Theils wird hiermit die Wichtigkeit beſtätigt, welche den Siegeln 


dem Hiſtoriker all— 


zuviel ſcheint, was aber vielleicht aus dem Weſen einer Familienge- 
ſchichte ſich wie von ſelbſt ergiebt, mit in den Kauf nehmen. Uebri- 


gens hat ſich in dem Werke auch noch Platz gefunden für genealo— 
giſche Arbeiten über die Familien Schaffgotſch, Köckritz und Mettich, 
für welche das Material indeß jedenfalls noch nicht genügend zu— 
ſammengetragen iſt. 


Weniger glänzend, aber gleichfalls ſchön ausgeſtattet erſcheint 
die Tſchammerſche Familiengeſchichte. Die Anführungen, obwohl 
leider der Quellennachweiſungen entbehrend, ſcheinen zuverläſſig, die 
zahlreichen Stammtafeln ermöglichen raſche Orientirung, ein um— 
faſſender urkundlicher Anhang, bei welchem allerdings grade die äl— 


teſten Zeiten nicht vertreten find, ſchließt ſich der Darſtellung an. 


Die Arbeit über die Saurmas bringt vor Allem die Eigen— 
ſchaften ihres Verfaſſers, des fleißigen und beleſenen oberſchlefiſchen 
Hiſtorikers Pfarrer Weltzel, zum Ausdruck, und gewährt deshalb 
neben der eigentlichen Familienchronik noch namentlich für S rtsge⸗ 
ſchichte reiches Material und Alles immer durch genaue Citate be— 
glaubigt. Getrennt davon, doch zu der nämlichen feſtlichen Ver— 
anlaſſung, hat dann Freiherr Hugo von Saurma ſeine kunftvollaus— 
geſtatteten 2 großen Stammtafeln bearbeitet. 


Am anſpruchsloſeſten tritt die Prittwitz'ſche Familiengeſchichte auf. 
Ihr Verfaſſer (von 1856-1863 Vicepräſident der Breslauer Re— 
gierung) erklärt in der Vorrede, er habe trotz feines vorgerückten 
Alters (64 J.) und trotz des Mangels an geſchichtlichen und gene— 
alogiſchen Vorſtudien ſich entſchloſſen, eine überſichtliche Zuſammen— 
ſtellung aus dem bisher über die Geſchichte des Geſchlechts Ge— 
ſammelten herzuſtellen, die ja dann eine künftige eingehendere Fami— 
lienhiſtorie weſentlich erleichtern würde. In der That waren hier 
die Schwierigkeiten größer als bei einem der vorhergenannten Werke, 
weil dieſe Familie beſonders viel verzweigt iſt. Jedenfalls werden 
die Geſchlechtsgenoſſen ihrem Senior zu lebhaftem Danke verpflichtet 
ſein, und auch ein weiterer Leſekreis wird Abſchnitte wie den über 
den tapferen Bernhard v. Pr., den terror Tartarorum (Mitte des 
16. Jahrh.) oder über den kühnen Reiterführer Joachim Bernhard 
v. Pr. den Freund Friedrichs des Großen, deſſen Retter er bei Ku— 
nersdorf wurde, mit Intereſſe leſen. Wir wollen hier nur noch aus 
unſerm Buche die rühmliche Thatſache hervorheben, daß bereits 9 
dieſes Geſchlechts in dem jetzigen Kriege ſich das eiſerne Kreuz er⸗ 
kämpft haben. Im Uebrigen aber möchten wir dem künftigen Fa⸗ 
miliengenealogen, der nach dem hier Gebotenen immer noch man— 
cherlei zu thun finden wird, es dringend ans Herz legen, doch, wo— 
fern er ſein Buch dazu beſtimmt, irgendwie an die Oeffentlichkeit 


) Wenn uns die Ordensurkunden dies Geſchlecht in jener Zeit 
unter den Mitgliedern des Ordens aufführen, kann das auch richtig 


Ih ſonft aber dürfte das Wappenbild einem andern Geſchlecht an: 
gehören. 


in der Zeit beiwohnte, wo dieſelben die Unterſchrift erſetzten, 
andererſeits erregt aber auch die Angabe, daß er ſich ein neues 
Siegelsubalia pressura habe machen laſſen, die Frage, was 
damit gemeint ſei. Will der Propſt damit ſagen, daß er ſich 
das neue nach einem andern Abdrucke habe anfertigen 
laffen, oder ſoll es heißen, daß der Stempel nicht gravirt, ſon— 
dern gepreßt, gegoſſen worden ſei? Bekanntlich begegnet man 
im Mittelalter mehr nach einer vorhergemachten Form gegoſſe— 
nen, als mit freier Hand gegrabenen Siegelſtempeln, weil letz⸗ 
teres ſchon eine größere Kunſtfertigkeit vorausſetzte. Sphragi— 
ſtiker mögen die richtige Erklärung nach andern derartigen Vor— 
kommniſſen liefern.“) G. 
IV. 

Das gewöhnlich vorkommende Siegel der Stadt Belgern 
an d. Elbe zeigt eine Kirche mit zwei ſchlanken ſpitzigen Thürmen 
und einem kleinern dergleichen auf dem Dache Daneben findet 
man auch ein Siegel, worauf ein Jagdhorn an einer Schnur 
hängend dargeſtellt iſt und die Umſchrift ſteht: Stat Belgern 
Feden Siegel 1709. Welche Bedeutung hat wohl dieſes? 
Sollte unter dem Ausdruck Feden das Wort Fehden und ſo— 
viel wie Streit, Proceß, alſo die mittelalterliche Bezeichnung 
ad causas zu verſtehen fein, fo daß man es mit dem Stadt- 
Gerichts-Siegel von Belgern zu thun hätte? Archivare 
können aus dem Gebrauche dieſes Siegels an Schriften viel— 
leicht Erklärung geben.“) Wäre dies Siegel das Gerichtsſiegel, 
ſo wäre zu erörtern, woher die ſo ganz vom Stadtſiegel abwei— 
chende Darſtellung und die Wahl eines Jagdhorns zu erklären 
ſei. 6. 

V. 

Eruenda unter Städteſiegeln gehören wohl zu den Selten— 
heiten, weil die Umſchrift faſt immer den Namen der Stadt 
bringt; aber doch kommen dergleichen von Orten vor, wo die 
Magiſtrate gar keinen Namen angebracht haben, oder dieſer nur 
mit Buchſtaben angedeutet iſt. 

Dem Einſender liegt ein Abdruck vor, auf welchem zwei 

) Der Ausdruck „sub alia pressura“ ſoll wohl bedeuten, daß 
das neue Siegel [zum Unterſchied von dem verlorenen und um einen 
Mißbrauch deſſelben zu verhindern] eine andere Prägung oder 
andere Grapirung zeigte, mindeſtens einen anderen Typus der Aus⸗ 
führung, wenn auch dieſelben Figuren. A. d Red. 


EN 


) Der Einfender erlangte es von Schriften abgeſchnitten. 


5 


an? 


Vermiſchtes. 


Zum Protocoll der Sitzung v. 2. März d. J., Herold S. 9, 
und die hiezu gemachte Bemerkung des Herrn H. v. Ra O. 
S. 26, betreffend Wappen und Geſchlecht des Markgräflich branden⸗ 
burg. Marſchalls Albero, erlaube ich mir hinzu zu fügen, daß dieſer 
Marſchall bei Riedel cod. dipl. brand. 1244—1267 ausdrücklich als 
„Albrecht de Stolpe marſcaleus“ wiederholt bezeichnet wird. Die 
v. Stolpe oder Stülpe kommen noch 1292—1551 vor. 

Chl. C. Frh. v. R. 


Als Beitrag zu den in Nr. 1 S. 7 mitgetheilten v. Schön⸗ 
berg'ſchen Stammblättern möge auch folgendes Blatt eines unbekann⸗ 
ten Stammbuches dienen, welches ſich in dem Wappenſammelbuche 
des „Chriſtoph Adam Fernberger von Egenberg, Erb⸗ 
kämmerers in Oeſterreich ob der Enns, der N. Oe.: Landſchaft 
Raitmarſchall's“ findet. (Die Sammlung wurde ca. 1640 angelegt 
und beſteht großentheils aus Stammbuchblätteru.) 


1609. 
„ 8. 
[Wappen: Löwe von r. u. gr. geth. in G. Rother Löwenkopf mit 
lang ausgeſchlagener Zunge auf dem gekr. Helm. Helmdecken r. u. g.] 
Hanß Friderich von 
Schönberg der Jung. 
ma. pr. 


Blatt 284a. 


(H. G. W.) 


Bibliographie. 


Durch die Buchhandlung von Mitſcher & Röſtell, Berlin, 
Leipziger Straße 129, iſt zu beziehen: 

Schilling, Langenargen, feine Geſchichte und die feiner Beherr- 
ſcher, insbeſondere der Grafen von Montfort. Mit e. kurzen 
Geſch. d. ehemal. Amtsorte v. Langenargen. Urſendorf. 18 Sgr. 

Schroll, Urkunden und Regeſten des Auguſtiner⸗Chorherrenſtiftes 
Eberndorf im Jaunthale. Klagenfurt. 1 Thlr. 10 Sgr. 

Siebmacher, großes und allgem. Wappenbuch in e. neuen vollſtän⸗ 
dig geordn. und reich verm. Aufl. mit herald. und hiſtor. Er⸗ 
(äuterungen, ber. v. Mülverſtedt, Heyer, Hildebrandt, Gritzner, 
Gautſch und A. Lf. 74—82. Nürnberg. a 1 Thlr. 18 Sgr. 

Siegel des Mittelalters a. d. Archiven der Stadt Lübeck. 8. Heft. 
Lübeck. 24 Sgr. 

Spieß, das Dillenburger Schloß. Wiesbaden. 124 Sgr. 

Stickel, morgenländiſche Münzkunde 1 2. Leipzig. 6 Rthlr. — 

v. Stillfried⸗Alcantara, Regeſten zur älteren Geſchichte der 
Grafen Mettich, Freiherrn von Tſchetſchen, nebſt e. ausführlichen 
Stammtafel. Berlin. 1 Thr. 10 Sgr. 

Tafuri, della nobilitä nel gia reame delle Sicilie, Napoli. 1 
Thlr. 

Taſchenbuch, genealog., nebſt diplomat. ſtatiſt. Jahrbuch für 
1871. Gotha. 1 Thlr. 20 Sgr. 

Taſchenbuch der gräflichen Häuſer auf 1871. Gotha. 2 Thlr. 5 
Sgr. 

Taſchen buch der freiherrlichen Häuſer auf 1871. Gotha. 1 Thlr. 
25 Sgr. 

Trachſel, 


die Münzen und Medaillen Graubündens, beſchrieben und 
abgebildet. 


Liefr. 1—3. Berlin. 1 Thlr. 10 Sgr. 


Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R-B. Magdeburg. 


Trasmonde-Frangipani, De Frangipanis eorumque consanguine- 
is. Romae, 

Urfunden- Bud der Stadt Lübeck. Her. v. d. Verein für 
Lübeckiſche Geſch. u. Alterthumskunde. 4. Theil, 1.—3. Liefe⸗ 
rung à 1 Thlr. Lübeck. 

Urkundenbuch, liv- und eſthländiſches, nebſt Regeſten. Her. v. 
Bunge. 6 Bd. 3. und 4 Heft. Riga. 2 Thlr. 

Urkundenbuch, Breslauer, bearbeitet v. Georg Korn, 1 Thlr. Bres⸗ 
lau. 2 Thlr. 20 Sgr. 

e Familiengeſchichte der von Dewitz. 1. Bd. Naugard. 5 
Thlr. 

Wing Oefversigt af nyare historien 1492-1870 med gene- 
alogiska, geografiska och statistisca anmaerkinger. Gele. 

Pig Geſchichte der Familie v Blücher. 1 Band. Schwerin. 
5 Thlr. 


Willis, Science of heraldry, part. I. London 11 Sgr. 
Zeitſchrift, heraldiſch-genealogiſche, Organ des herald. Vereins 
„Adler“ in Wien. Jahrgang 1871. 4 Thlr. 15 Sgr. (für Ver⸗ 
einsmitglieder 2 Thlr 15 Sgr.) 
Zeitung, numismatiſche, red. von 
1870. 4 No. 4 Thlr. 
Zeitung, numismatiſche, Blätter für Münz-, Wappen⸗ und Sie⸗ 
gel⸗Kunde, red. von Leitzmann. Weiſſenſee. Jahrgang 1870. 
26 Nrn. 2 Thlr. 15 Ngr. . 


Durch dieſelbe Buchhandlung iſt der erſte 
Jahrgang (1870) des „Deutſchen Herold“ 
zum Preiſe von 1 Thlr. 15 Sgr. noch fortwäh⸗ 
rend zu beziehen. 


Huber und Karabacek. Jahrg. 


An ze i g en. 


Seyler, G., „das grollende Rauſchen in den Falten 
des alten Kaiſermantels auf der Hofburg zu Wien.“ 
Fliegender Literatur-Bericht über des Malers und Literaten L. Cle⸗ 
ricus zu Berlin Brochüre: „Das Wappen des deutſchen Kaiſers 
und die deutſchen Reichsfarben.“ Motto: „Dem groben Klotz 
ein grober Keil.“ 8. (12 S.) Würzburg, 1871. 

Wird von der Stahel'ſchen Buchhdl. in Würzburg gegen Einfen- 
dung von 4 Gr. in Marken franco verfandt. 


Durch mehrfache Anfragen veranlaßt, theile ich den 
dafür ſich Intereſſirenden mit, daß die von mir beabſich- 
tigte und bereits vor einiger Zeit angekündigte Heraus- 
gabe der „Stammbuchblätter des norddeutſchen Adels“ bis- 
her, eingetretener hindernder Umſtände wegen, noch nicht 
hat erfolgen können; letztere werden indeß hoffentlich bin- 
nen Jahresfriſt als beſeitigt angeſehen werden können. 

Gleichzeitig erlaube ich mir, an die ge- 
ſchätzten Ceſer d. Bl., welche alte Stammbücher 
mit Inferiptionen und Wappen aus dem 16. 
bis 17. Jahrh. beſitzen, oder wiſſen wo ſich ſolche 
befinden, die ganz ergebenſte Bitte zu richten, 
mir gütigſt recht bald davon Nachricht geben zu 
wollen. Ad. M. Hildebrandt. 


Inhalts-Verzeichniß. 

Nobilitirung. — Protocoll. — Erwiederung auf Th. 
Stenzels genealog. Bemerkungen. — Das Hatzfeldt'ſche Wap⸗ 
pen. — Deutſche Städtewappen. (Fortſ.) — Hund, Bayr. 
Stammenbuch. — Literatur. — Anfragen. — Vermiſchtes. — 
Bibliographie. — Anzeigen. — Beilage: Matrikel. — 


Commiſſ.⸗ Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin. 


Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


Hierzu eine Beilage. 


H 
k 
1 
k 


1695 | vacat. 


Beilage zu Nr. 3 des „Deutſchen Herold.“ 


I 
i, | 

f N Datum 
Jahr Datum 1 Jaht 


r der 


. Di 5 amtl. 
des Diploms. Pub ie, 


1690 24. Sept. 
/8. Oet. 


1691 12. Aug. 


„I. Seßt. 


Ii 


„ 7. Nov. 
16924. Aug. 


28. Dez 


1693 30. Mai 
% 12. Juni 


1694 25. Juli 
7 18. Sept. 


1696 30. Jan. 
/9. Febr. 
% Mai 
(nicht 
14.24. 
Mai 
1690. 
N 4. Juli 


1698 11. Febr. 


„ 1: März 
„ 10. März 


Ayr. 
5 14. Apr. 


„ 10. Juni 


„27 Juni 


Name. 


Dieſt. 
Wernicke. 
Schönbeck. 

Weiler. 


von der Goltz. 


Bormans. 


Ditmar von Dit— 
marsdorf. 
Platen. 


Steutner von 
Sternfeldt 


Hornig. 


Blaſpiel. 


Cieſielski (Zimmer: 
mann v.) 
Stille. 


Ludwiger. 
Canitz. 


Happe. 


Heugel. 


Poigk. 
Berchem. 


Melchior von Reichau. 


Bauer. 


N M 
Inhalt N 
des | 
Diploms. | 


conf. A. 


an. A. 


an. A. 


an. A. 


| 
| 


| 


beſt. A. 


an. Frh. 


beſt. A. 


an. A. 


29 


Matrikel. 


Diplom 


für 


Fr. Wilh. D., Geh. Reg. 


und Kriegs-Rath. 
Chriſt. Fr. v. W. 


zu 


Carl v. S., Neumärk. 


Reg.⸗Rath. 
Ernſt v. W., Kurbrd. 
Wachtmeiſter 


Georg Caspar. 


Andr. de B., Erbherr 


auf Goyé und Hasle— 
brouck. 


Oberſt Martin D. v. D. 
Franz Ernſt Grf. v. P. 


Heinr. Steutner v. S., 
Oberſtlieut. der Art. 
Georg v. H., Magdeb. 
Oberforſtm. 
Joh. Moritz Frh. v. B., 
Kurbrand. Wirkl. Geh. 
Rath. 


Daniel 3 9. . 


2 Gebr. v. St. 


Joh. Casp. v. L. 
Fr. Rud. Frh. v. C. 


Wilh. Heinr. v. H., 
Kurbrd. Geh. Rath. 
Joh. Albr. v. H., 
Kurbrd. Hof⸗ u. Kammer⸗ 
Gerichts⸗Rath. 


Wilh. u. Paul v. P. 
Georg v. B., kurbrand. 
Geh. Etatsrath. 
Carl M., Maj. im Rgt. 
Barfuß. 


Conrad B, Kurbrand. 
Stallmeiſter. 


(Fortſetzung.) 


Wappen. 


Köhne III. 5. 


Köhne IV. 90. 


Köhne IV. 53. 


Schräglinks⸗ 


balken in R. 


H.: 2 Pau⸗ 
ken. 


Köhne II. 37. 


Köhne II. 87. 


Köhne III. 6 


Siebm. \ 
Zuſ. 1 


Köhne IV. 69. 


— 
© 

I 
— | 


Köhne II. 24. 


Köhne 11. 97 


Köhne IV. 70. 


Köhne III. 91. 
Köhne II. 28. 


Köhne III. 39. 


Köhne III. 49. 


Siebm. l. 155. 


Köhne II. 80. 


Köhne IV. 30. 


Vermuthlich 
das bei 
Köhne 11.77. 


| 


, 


Bemerkungen. 


R.“ A. 9. 1687 für 

1 ein oki res Diplom 

der Familie ſiehe 7. 5. 1790. 

R. A. d. d. 21. 5. 1688 für 
denſelben. 

R. A. d. d. 1. 3. 1686 für 
denſelben. 

R A d. d. 4 6 e für 

denſelben, vgl. auch ol. 

1787. (and. Familie.) 


1 9 d. d. 10. 5. 1678 für 
ihn und ſeinen Bruder Johann 
Rüdiger v. d. G. 


R. A. mit „v. D.“ für den⸗ 
ſelben d. 9 22 91691. 
R. Grf. d. d. 20. 7. 1689 für 
: denſelben. 5 
R. A. d. d. 83 1691 für 
denſelben mit „v. Sternfeldt.“ 
R. A. d. d. 25. 6. 1679 für 
1 
R. Frh. de 19, 12 1678 
für deſſen 1 Werner Wilh. 
Kurbr. Wirkl. Geh. Rath. 


Des ihnen vom Kaiſer bereits 
14.124. Mai 1690 ertheilten 
R. Adels. 


R. A. d. d. 10. 6. 1545 für 
Georg L. 

R. Frh. d. d. 3. 1. eod. für 
denſelben. Vgl. 28. 10. 1780 
und 3. 6. 1798. 

R. A. d. d. 14. 4. 1695 für 
denſ. nebſt 3 Kindern. 


R. A. 12. 10. 1539 und 15. 

Sept. 1580; kaiſ. Renovation 

d. d 27. 1.1642 für 4 Gebr. 

H. (Darunter aber nicht 
Joh. Albr. v. H.) 

(Als „alte“ Edelleute.) 


(Des „alten Adels.“) 


A 


Mit Prädikat: u Rei⸗ 

chau.“ (Vgl. 18. 1. 1701 wo 

ſeine Bruder als M. v. Skirbs 
nob. om) 


Datum Inhalt Diplom 
des 
des Diploms. af Diploms. 


Wappen. Bemerkungen. 


für 
J 0 
1698 | 9. Sept. Kleinſorge. an. A. Heinr. Balth. K.. Köhne III. 66. Se a d. 1 e für 
2 7 18 denſelben. te Fam 1. 
Kurbrd. Kammer⸗Rath. iel 5 Aug 1792 0 
R. Frh. d. d. 10. 10 1846 den. 
N Preuß. Frh.) 
Martitz. a Joh. v. M. Köhne III. 94. R. A. d. d. 4. 2. 1694 für 
denſelben (in Pommern). Die 
in Preußen eine andere Fam. 
Schmettau. ; ? Köhne IV. 50. Der Adel bereits vom Kaiſer 
d. d. 28. 9. 1668 renovirt. 
(Vgl. 16. 10. 1701,31. 7. 1742 
und 18. 9. 1822.) 
Lethmate. an. Frh. Casp. Fr v. L., kurbrd. Köhne II. 46.] N. Frh. d. d. 12. 5. cod. für 
Gen.⸗Maj. denſelben. 
Schnitter. an. A. Carl Conſtantin S., Köhne IV. 52.] R. A. d. d. 2. Oct. 1536 und 
kurbrd. Oberſtlieutenant. 15. 7. 1562 für deſſen Vor⸗ 
f f 5 fahren in Görlitz. 
von der Lith. an. A. Joh. v. d. L., Kurbrd. Köhne III. 87. (Uradel aus dem Bremen'ſchen.) 
Kriegs⸗Rath, und die 
Kinder feines F Bruders 
Fr. Heinr. v. d. L. 
18. März Alemann. 4 2 Köhne II. 71. R. A. d. d. 9. März 1602 
| Getheilt für Joh. Martin A., Bürger⸗ 
Löwe und || meiiter zu Magdeburg nebſt 
Doppelhaken. 10 Brüdern u. Vettern (and. 
Fam. v; 2 73 
. Mat. Chenu de Chale- Jacob de Chalezac. Led. 111, 226 RE, u 5 5 2 6005 
zak. genau? für denſelben. 
Juli Schrödern. (Schrd- A. Gebr. Hofger.⸗Rath u. Khöne IV. 56.] R. A. d. d. 11. 3. 1698 für 
der.) Lehnsſekretair von Hin⸗ dieſelben. 
terpommern Balth. ©. 
und Jacob S., Heſſen⸗ 
Darmſt Geh.-Rath und 
| Kanzler. 
18. Juli Unfried. ; Joachim Seultetus Köhne IV. 79.] R. d. d. 11 1078 
nicht (Schultz) Unfried. Joachim S., als 
ee 0. ; „v. Unfried.“ 
1698.) 
18. Juli Corswant. A. Casp. C., Kurbr. Reg.⸗ Köhne II. 100. R. A. d. d 
u. Hofrath u. Chriſt. d 
C., Obereinnehmer und 
Bürgermeiſter zu Greifs— 
wald. 
13. Sept. Mißbach. g Joh. Ernſt M. Köhne IV. 4. R. A. d. 1 15 7. 1695 für 
enſelben. 
do. Polenius. (Pohlens.) „Joh. Math., Polenins, Köhne V. 22. R. A. d. d. 1. 4. eod. für 
(nicht Verſchieden von der Kurbr. Reg.⸗Rath und denſelben. 
18. Sept.) alten Familie von Lehnsſekr. 
Polh)lenz. 
do. Unverfaerth. . Joachim Martin U., Köhne IV. 79.] R. A d. d. 14. 2. eod, für 
Kurbrd. Kanzler des F. denſelben. 
Minden. 
Cordier. ! an. Etienne C., Leg.⸗Rath Led. J. 147. Franzöſiſchen Adels. 
und Direktor der Königl. 
Hüttenwerke. 
Kholer. Chriſt. Jonas K. Köhne III. 65. a A. ii hi ee 1 5 
H eſſen Vater Joh. Geor 5 
Mae Sn. id Mohrenfeldt. Schon 
d. d. 1. 3. 1617 hatte Auguſtin 
K. den R. A. erhalten.) 


9. Sept. 
alias 4. 8. 
1699. 

19. Sept. 


11. 10. 1698 für 
ieſelben. 


Jahr | Datum 
des Diploms. 
1699 20. Oet. 
9. Det 
78. Nov. 
(nicht 29. 

Nov.) 


1700 


77 


7 


7 


1701 


7 


[23 


28. März 


„Juli 


30. 


Juli 


| 7. Sept. 


| 


19. Sept. 
23. Nop. 


26. Nov. 


2. Jan. 


18. Jan. 


[27 


„ 


„ 


Datum | 


u Jahr 
der 
amtl. 
Publie. 


Name. 


Kolbe von Wartenberg 


Barfus. 


Bidekaps von Aßbach 
(von Aſchenbach.) 


Lauwitz. 


Speckhan. 


Waldburg -Truchſeß. 


Anckerheim. 
Greifenpfeil. 


Schwerin. 
(Linien Walsleben, 
Wildenhof, Wolfs- 

hagen.) 

Plettenberg. 


Kreytzen. 


Wallenrodt. 
Boyen. 


Eichmann. 
Ilgen. 


Lehmann. 
Matthias von Berchem. 


Diploms. 
— — T — .(— — .ſ ́ͤ ͤ— öBᷣ— 


Inhalt 
des 


an. Grf. 


an. Grf. 


beſt. A. 


an. 


an. 


an. 


an. 


all, 


Diplom 


für 


Joh. Caspar Frh. C. 
v. W., Kurbrd. Premier- 
Miniſter. 


Joh. Georg, nicht Albr. 
v. B., Kurbrd. Gen. 
Feldmarſch. 


Fr. Eberh Chr. B. u. 
Schweſter El. Sophie B., 
Kinder des + Kurbrd. 
Geh. Kämmerers B. u. 
der Gemahlin deſſelben, 
ſpäter vermählt mit dem 
Grafen Kolbe v. War— 
tenberg, als Bidekaps v. 
Aßbach. 

Joh. Philipp Lau, Ob. 
App. Ger. Rath, als 
„v Lauwitz.“ 
Marie und Adelheid S., 
Töchter des Kurbrand. 


Raths S. 
Nachkommen des Grau: 


fen Wolfgang Chr. 
T.-W. 
Chriſtian (Matheſius) 
b A. 
Melchior v. G., Kaiſ. 
Oberſtlieut. 


Otto Frh v. S. 


Jobſt Heinr. v. P. aus 
dem Haufe Schwar- 
zenberg. 

Joh. Albert v. K. (in 


Preußen) 


Chriſtoph v. W. 
Raphael B., Weſtpr. 
Vaſall, Pol. Oberſtlieut. 


Ew. Joa. E., Bürgerm. 
zu Colberg. 
k. Pr. W. Staatsrath 
Heinr. R. J. 
Franz Heinr. L. 


Geh. Hof⸗ und Amts⸗ 

Kammerrath Joh. Theod. 

M. nebſt Frau Louiſe 
geb. von Berchem. 


Wappen. 


Köhne IV. 65. 


[Köhne J.. 7. 


Köhne II. 38 


Köhne J. 97. 


Stw. 
(frhl. W.?) 


Köhne l. 63. 


Köhne Ill. 13. 


Köhne III. 82. 


(Baum.) 
Köhne II. SO, 


Köhne II. 11. 


I (Val. 19. 9. u. 


Köhne J. 18. 


Köhne II. 74. 


Köhne III. 81. 


Köhne II. 72. 


Siebm. J. 130. 


Köhne II. 90. 
Köhne II. 89. 


Köhne III. 59. 


Bemerkungen 


R. Gef. d. d. 26. 10. 1698 
für denſelben. 

15. 10. 1786 
Wartenberg und Kolbe. 
(Colbe.) 

R. Grf. d. d. 10. Sept. ejd. 
(Im ſelben Jahre ſoll auch der 
vom Kaiſer wann? ertheilte 


Freiherrnſtand einer Linie der 


Familie anerkannt fein.) 
R. A. d. d. 20 7. 1891 für 
dieſelben als „von Aſchen— 

bach;“ (ſo nennt ſich die 


Familie augenblicklich wieder.) 


Außerdem exiſtirt in Dänemark 

und Schweden eine gleichna— 

mige ältere, auch freiherrliche 
Familie. 

R. Grf. d. d 15. 3 1686 für 

Wolfgang Chr. Frh. T. W. 


R. A. d. d. 27. 6. 1699 für 

Chriſtian Matheſius, als 
„v. Anckerhe m.“ 

Frh. d. d. 10. 1. 1699 für 
denſelben. 

(Vgl. 15. 7. 1685.) 

rf. d. d. 11. 9. . 

gl. 3. 10. 1654, 31. 7. 1740, 

27. 2 % 1.1787) 


R. 


R. d. 21. 6. 1698 für 


Frhſt. d. d 
denſelben. 


Aus dieſer Familie erhielt ein 
Zweig in Kurland als Belzig 
v. Kreutz d. d. 29. 6. 1839 
den Ruſſiſchen Grafenſtand mit 
ſehr vermehrtem Wappen. 


W.: 4 Felder und Mittelſch. 
(Vgl. 12. 7. 1705 und 1. d. 
1672. 


Die Gemahlin war die Letzte 
der 14. 4. 1698 anerkannten 
Familie. 


Jahr 


des Diploms. 


1701 


Datum 


18. Jan. 


7 


25. März 
12. Mai. 


1. Juni. 


14. Juni. 


(nicht Ja⸗ 
nu ar oder 
Mai.) 
17. Juni 


10. Aug. 


22. Aug. 


Datum 
u. Jahr 
der 
amtl. 
Public. 


wald. 


Name. 


Medern. 


Melchior von Skirbs. 


de la Palme du 


Pré. 


Quickmann. 


Rebeur. 


Roth. 
Staden. 
Stoſch. 
Volckmann. 


Werner. 


Weißen 


Kunſchig von Breit⸗ 
(Kunſch von 


Breitenwald.) 
Crull. 


Wylich und Lottum. 


Blumenthal. 


Fuchs 


Rickers. 


Inhalt 
des 
Diploms. 


A. 


A. 


an. A. 
und Er⸗ 


ßiſchen 


A. 


an. Grf. 


an. Grf. 


an. Frh. 


Frh. A. 
Ws. 


hebung in 
den Preu-⸗ 


Adelſtand. 


Diplom 


für 


Wilh. Gottfr. M. 


Joh. Melchior mit Prä⸗ 


dikat „v. S.“ 


Peter Thomas d. J. P. 


dp. 


Landrath und Bürger: 
meiſter Thomas Q. zu 


Greifenberg in Pommern. 


Joh. Phil. R., Infor⸗ 
mator des Kronprinzen 
Fr. W. v. Preußen, u. 
deſſen Bruder Joh. 
Gabriel R., Capitain. 
Moritz Conrad N. 
Michael S. 
Fr. W. St., Geh. 
Staats ſekretair u. Hof 
rath. und Bruder Wilh. 
Heinr. St., Geh. Käm⸗ 
merer und Hofrath. 
Joh. V., Bürgermeiſter 
von Stargard und Land— 


rath von Hinterpommern. 
Köhne IV. 90. 


Gottfried W., Hofrath 
und Lehnsſekretair in 
Preußen. 
Gottfried W. (1716 k. 
Pr. Geh Hof- und Kam⸗ 
merrath.) 
Halberſtädt. Reg.-Rath 
C. E. K. v. B., aus 
Gröningen. 

Carl G. C. nebſt Mutter 
und Schwelter. 
Philipp Karl, Frh. v. 
W. und L., k. Feld⸗ 
marſchall. 


Ludw. Frh. v. B., k. 

Pr. Kammerherr und 

Oberſt der Leib⸗Dra⸗ 
goner. 


Paul v. F., k. Pr. 
Geh. Rath. 


Johanna Sibylla R., 
verm. Freifrau v. Die: 
penbrock. 


(Fortſetzung folgt.) 


Wappen. 


Köhne III. 96. 


Köhne V. 63. 


Köhne I. 15. 


Köhne IV. 


Köhne IV. 15 


Köhne IV. 38. 


Köhne IV. 65. 


Köhne IV. 71. 


Led Il. 63. 


| 
| 


Geſpalten, 
vorn ein 
Löwe. 

W. genau? 


Köhne III. 1. 


Köhne 1. 68. 


Köhne 1. 


Köhne 11.5 


Bemerkungen. 


— ͤ— 


R. A. d. d. 20. 1. ejd. für 
denſelben. 

Der Nob. war der Bruder 

des d. d. 10. Juni 1698 mit 

„v. Reichau“ nob. Carl M. 


Name und Wappen ging durch 

Diplom vom 22. 3. 1841 auf 

die Familie von Paſchwitz über 
(vgl. dies Jahr). 


Köhne III. 77. 


Köhne 11. 37. 


Vgl. 14. 9. 1726. 


| Derſelbe hatte (wann?) den 
Reichsadelſtand erhalten. 


1596 


R. Grf. 20. 1. ejd. für den⸗ 
. ſelben. 
(Vgl. 15. 10. 1661.) 


R. Grf. d. d 20. 1. ejd. 
für denſelben. 

Dieſe Linie iſt +. (Vgl. 20 10. 
1786 und 15. 10. 1840.) 
Ferner wurde eine Linie d. d. 
. . . 1646 in den R. Frh., 
eine andere d. d. 9. 1. 1733 in 
den R. Grf. erhoben. 

R. Frh. d. d. 1. Aug. ejd. für 
denjelben. 

Er hatte d. d. 4. Juni 1683 
den Reichsritterſtand, (vgl. 11. 
12. 1684) erhalten. 
(Vgl. 2. 6. 1702. 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde Zu Berlin. 


Jährl. Abonnementepreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile. 


Mr. 5 u. 6. , Berlin, im Juni 1871. SI 2. Jahrgang. 


Auf die unterm 28. April d. J. von den Vorſtands⸗Mitgliedern des „Herold“ an Seine Königliche Hoheit den Prinzen 
Georg von Preußen gerichtete Adreſſe um Uebernahme des Protectorats, iſt dem Vereine durch den zeitigen Vorſitzenden — 
Geheim⸗Seeretair Warnecke — folgendes höchſteigenhändiges Schreiben zugeſtellt worden: 


„Dem Verein „der Herold“ ſage ich meinen beſten und aufrichtigſten Dank für die 
„liebenswürdige Abſicht, mir die „Schutz⸗ und Schirmherrſchaft“ deſſelben anzutragen und 
„mich zu ſeinem „ſchirmherrlichen Oberhaupt“ erwählen zu wollen. Sehr glücklich macht 
„es mich, meine hiſtoriſchen Studien hierdurch gefördert zu wiſſen und dieſe Auszeichnung 
„nicht allein meiner Geburt, ſondern auch meiner ſchriftſtelleriſchen Thätigkeit zu verdanken. 

Berlin, den 8. Mai 1871. 


Georg, Prinz von Preußen.“ 


2) Vom Herrn Hofgraveur Heinicke in Caſſel ein Stammbuch 
des Geſchlechts von Berlepſch, herausgegeben von Joh. 
Letzner 1594; 

3) Vom Herrn Redacteur Hildebrandt zu Mieſte ſeine Schrift: 
„Ueber Wappen und Banner des deutſchen Reiches“; 

4) Von demſelben: 2 Wappenzeichnungen der beiden in dem 
jetzigen Kriege erloſchenen fränkiſchen Adelsfamilien Peller 
von Schoppershof und Heußlin; 

5) Von demſelben die „Feſtſchrift zur dritten ordentlichen Haupt⸗ 
Verſammlung des Harz⸗Vereins für Geſchichte und Alter⸗ 
thumskunde zu Nordhauſen, den 7. und 8. Juni 1870.“ 

6) Vom Antiquariats⸗Buchhändler Herrn Ludw. Roſenthal in 
München ein Katalog über Genealogie, Heraldik, Diplomatik, 
Numismatik von dem Nachlaſſe des ſel. Reichsraths Carl 
Maria v. Aretin; 

7) Vom Herrn Freiherrn von Vorſt⸗Gudenau: Genealogie der 
Familie von Vorſt, Wien 1871. 5 


Auszug aus dem Protokoll der Sitzung des 
„Herold“ vom 4. April 1871. 


Der Herr Vorſitzende eröffnete die Sitzung mit der Mit⸗ 
theilung eines Schreibens des Herrn Dr. G. v. Bülow, worin 
derſelbe anzeigt, daß er ſein Amt als Vorſtand der ſphragi⸗ 
ſtiſchen Abtheilung niederlege, da er zum 2. Archivar in Stettin 
ernannt ſei. 

Zur Aufnahme als neue Mitglieder wurden vorgeſchlagen 
und als ſolche aufgenommen: 

Zu wirklichen Mitgliedern: 
1) Herr Dr. jur. Eugen Trauttwein v. Belle, Cuſtos an der 
kgl. Bibliothek; | 
2) Herr Dr. phil. M. Runkel, — auf den Vorſchlag des 
Herrn Vorſitzenden; 
. Zu correſpon diren den Mitgliedern: 
3) Serr Gutsbeſitzer Claus Kühl auf Crieſebye in Holſtein, — 
auf den Vorſchlag des Herrn Leeſenberg; Der Künſtler Wilhelm Chodowieki, Enkel des berühmten 
4) Herr Hofgraveur G. B. Heinicke in Caſſel, — auf Vor⸗ Mannes gleichen Namens, hatte ein Muſterblatt von Wappen 
ſchlag des Herrn Schriftführers. | eingeſchickt, über welches derſelbe eine Begutachtung des Vereins 
| 


An Geſchenken waren eingegangen: . ſich erbat. Dieſes Muſterblatt enthielt zwei Siegelzeichnungen 
1) Vom Herrn am Ende in Dresden eine Schrift über die nach Siegeln des Wildgrafen Conrad v. J. 1331 und des 
Herkunft der Familie Am Ende; Grafen Walram von Spanheim v. J. 1346, und 4 gemalte 


Wappen, Brandenburg, Tyrol, Elſaß und Lothringen, welche 
aus Conrad Grünenbergs berühmtem Werke copirt waren. Dieſe 
Arbeit wurde für ſehr gelungen erklärt und dem Herrn Cho- 
dowieki eine Empfehlung für Arbeiten dieſer Art ertheilt. 

Herr Kaufmann Starke in Görlitz hatte den Abdruck 
eines, in einem Brunnen gefundenen, mittelalterlichen Petſchafts 
eingeſandt, mit der Bitte um nähere Aufklärung der Umſchrift. 
Das paraboliſche Siegel zeigt eine Hand mit der Umſchrift: 
„Sigillum Petri Praedicatoris,“ iſt alſo offenbar das 
Siegel eines Predigers Peter, vielleicht dem Predigerorden ans 
gehörig. 

Der p. Starke hatte ferner angefragt, ob das (nicht der 
bekannten ſächſiſchen Familie von Carlowitz angehörige) Car⸗ 
lowitzſche Wappen mit dem halben angelehnten Adler den Nach— 
kommen eines Markgrafen von Brandenburg⸗Schwedt angehöre, 
oder, wie Dorſt angiebt, einer polniſchen Familie; die erſte 
Angabe wurde als die allein richtige bezeichnet. 

Der Herr Vorſitzende verlas einen Nekrolog des verſtorbenen 
Archivraths Mone. Geboren den 18. März 1792 in Min⸗ 
golsheim bei Bruchſal, ſpäter Profeſſor der Geſchichte in Heidel- 
berg, Löwen und wieder in Heidelberg, wurde er 1835 Ge⸗ 
heimer Rath und Director des Landes-Archivs zu Carlsruhe, 
welchem Amte er bis vor wenigen Jahren vorſtand. Einer 
der gründlichſten und tiefſten Geſchichtsforſcher, machte er ſich 
beſonders durch ſeine „Urkunden-Sammlung des Oberrheins“ 
verdient, welches Werk für den Verein ſeiner ſpeciellen Genea— 
logien wegen werthvoll und intereſſant iſt. 

Sodann verlas der Herr Vorſitzende eine Abhandlung 
über „Wappen⸗ und Siegelentſtellungen.“ Es wurden darin 
die Familien von Beulwitz, von Bünau, von Dobeneck, von 
Schauroth, von Schlotheim und andere als ſolche bezeichnet, 
deren jetzt geführte Wappen Entſtellungen der alten Wappen 
der betreffenden Familien bieten, wobei der Herr Schatzmeiſter 
auch auf eine derartige Wappenentſtellung beim Geſchlecht von 
Schierbrand aufmerkſam machte. Es empfahl ſich daher, alle 
wappenführenden Geſchlechter auf ähnliche Verhältniſſe aufmerk— 
ſam zu machen und denſelben die Beachtung der älteren Siegel 
ihrer Familien anheimzuſtellen. 

Nachdem der Herr Vorſitzende noch einen Literaturbericht 
verleſen hatte, wurde die Sitzung geſchloſſen. 

Zur Beglaubigung: 
F. Warnecke. 


Auszug aus dem Protocoll der Sitzung des 
„Herold“ vom 2. Mai 1871. 


Der Herr Vorſitzende eröffnete die Sitzung mit der er— 
freulichen Nachricht, daß, einer Mittheilung des Herrn Generals 
Freiherrn v. Knobelsdorf zufolge, Seine Königl. Hoheit der 
Prinz Georg von Preußen auf die vom Vorſtande ausge 
ſprochene Bitte Höchſtſich gnädigſt dazu bereit erklärt habe, 
das Protectorat des Vereins zu übernehmen. 

Sodann theilte der Herr Vorſitzende mit, daß er ſich leider 
genöthigt ſehe, ſein Amt niederzulegen. Zum Canton⸗Com⸗ 
miſſair in Deutſch⸗Lothringen ernannt, wohin er noch heute 
Abend abreiſen müſſe, werde er dem Vereine ferner nur als 
correſpondirendes Mitglied angehören können. Allgemein wurde 
dieſe Mittheilung mit Bedauern entgegengenommen, und dan⸗ 


42 


kend der jo ſehr erſprieslichen und unermuͤdeten Thätigkeit e⸗ 
dacht, welche von dem nun Scheidenden dem Vereine gewidmet 
worden. 

Nach erfolgter Abſtimmung wurden — auf den Vorſchlg 
des Herrn Archiv⸗-Raths, Paſtor Maſch zu Demern — 

1) Der Gutsbeſitzer Herr Ehlers auf Grapen-Stieten zum er⸗ 
reſpondirenden Mitgliede, und auf den Vorſchlag des Schrit⸗ 
führers: 

2) Herr General-Major, Freiherr v. Knobelsdorff und 

3) Herr Reinhold Gf. v. Krockow, Pr.⸗Lieutenant in er 
Garde du Corps hierſelbſt 

zu wirklichen Mitgliedern ernannt. 

Der Schriftführer referirte ſodann über die an den Verin 
ergangenen Zuſchriften, und theilte u. A. mit, daß die altr⸗ 
thumsforſchenden Vereine zu Graz und Osnabrück einen gega— 
ſeitigen Schriftenaustauſch proponirt hätten und darauf ſeiteis 
des Vorſtandes gern eingegangen ſei. 

An Geſchenken waren eingegangen: 

a) vom Herrn Gr. v. Krockow hierſelbſt: 

1) Magiſter Ludolf Rolevinks Trauerrede auf Reinhold vn 
Krockow, T 52. 1599, aus dem Lateiniſchen, als Mam⸗ 
ſeript gedruckt. 

b) Vom Herrn Lieut. Leop. v. Beckh⸗Widmeanſtettr 

zu Graz: 

2) Verzeichniß der gegenwärtig blühenden Familien aus dm 
Steiermärkiſchen Hochadel. 

3) Graz und feine neuen Gaſſenbenennungen. Ein Beitng 
zur Perſonengeſchichte dieſer Stadt. Graz, 1869; bede 
von L. v. Bekh⸗Widmanſtetter. 

4) Eine Anzahl Siegelabdrücke von den im Beſitz des p. v. 
Beckh befindlichen Petſchaften. 

c) Vom Herrn Reichsfreiherrn Grote auf Schaum: 

5) Die Photographie eines Grabſteins Borchard's von Sten⸗ 
berg d. a. 1379. 

d) Vom Herrn G. B. Heinicke zu Caſſel: 

6) Hiſtor⸗geneal. Handbuch über alle Linien des Regentn= 
hauſes Heſſen, von Jacob Hofmeiſter. Caſſel. 1861. 

e) Vom Herrn Frh. v. Reitzenſtein hierſelbſt: 

7) Mittheilungen aus den Archiven des voigtländiſchen altr⸗ 
thumsforſchenden Vereins in Hohenleuben nebſt dem 38. u. 
39. Jahresbericht. 

8) Sechs Verzeichniſſe, Kataloge u. ſ. w. von Monographin, 
heraldiſchen Werken u. ſ. w. 

f) Vom Herrn Schatzmeiſter: 

9) Neuer Siebmacher. Der Adel des Herzogthums Luxen⸗ 
burg von M. Gritzner und Ad. M. Hildebrandt zu Miete. 

g) Vom Schriftführer: 

10) Die deutſchen Farben vom hiſtoriſchen Standpunkt, vonF. 

K., Fürſten zu Hohenlohe-Waldenburg; 1866. 

11) 20 Siegelabbildungen aus dem Mecklenburger Urkundenbich. 

Ferner erklärte der Verein zu der vom Schriftführer in⸗ 
geregten ſofortigen Verlegung des Sitzungslokals nach dem Eifé 
Mielentz (Carlsbad) ſeine Zuſtimmung, und erklärte ſich auch 
auf den Antrag des Herrn Barons Laroche bereit, die Sitzing 
und geſellige Zuſammenkunft für die Folge bereits um 64 Ihr 
Abends beginnen zu laſſen. 

Dem Hauptmann a. D. Herrn von Prittwitz⸗Gaffron in 
Oels, welcher nach brieflicher Mittheikung eine Münzſammling 
von 1200, eine Wappenſammlung von 20,000 Stück, ane 
Fachbibliothek von 100 Bänden und zahlreiche Quellennotzen 


43 


A 


zur Geſchichte des ſchleſiſchen Adels, Autographen, Stammtafeln 
u. ſ. w. beſitzt, und ſich bereitwilligſt erboten hate, alle dieſe 
Gegenſtände Mitgliedern unentgeltlich zur Benutzung überlaſſen, 
wurde für dieſes Anerbieten der Dank des Vereins votirt. 
Sodann wurde die Sitzung, in welcher 14 Mitglieder 
zugegen waren, gegen 9 Uhr geſchloſſen. 

f Zur Beglaubigung: b 

F. Warnecke. 


Arſprung und Wappen der Jamilien 
v. Hagemeiſter. 
(Hierzu die beigefügte Wappentafel.) 


Ueber die Familien v. Hage meiſter enthalten ſämmt⸗ 
liche Adelslexica, namentlich diejenigen von Zedlitz und Le— 
debur, ſowie das pommerſche Wappenbuch von Bagmihl 
irrige Angaben, indem ſie die verſchiedenen Familien dieſes 
Namens zuſammenwerfen. Nachſtehendes diene zur Berichtigung. 

Es exiſtiren drei verſchiedene adelige Familien dieſes Na: 
mens mit verſchiedenen Wappen, welche wegen der Gemeinſam— 
keit ihrer Stammgegend — Pommern und ſpeciell für zwei 
derſelben Stralſund — und ihres gemeinſamen Wappenemblems, 
der Roſe, welche als Hageroſe ein redendes Wappen darſtellt, 
zwar verwandt zu ſein ſcheinen, deren Verwandtſchaft jedoch 
nicht nachzuweiſen iſt. 

1) Joachim Hagemeiſter, ein Sohn des Rathsherrn 
Nikolaus H. zu Stralſund ( 1675), aus der älteften 
von Heinrich H., Bürgermeiſter zu Grim men (+ 1546) 
und Ilſabe v. d. Lipe abſtammenden und ſeit 1539 in 
Stralſund anſäſſigen, zu den erſten Geſchlechtern dieſer 
Stadt gehörigen und dort noch jetzt exiſtirenden Familie, trat 
in ſchwediſchen Staatsdienſt, wurde Hofgerichts⸗ Aſſeſſor zu 
Dorpat und 1692 von König Carl XI. in den ſchwediſchen 
Adelſtand erhoben. Er erwarb Nömmküll und Oiſo in 
Eſthland und ſtarb 1714. Bei ſeiner Nobilitirung erhielt er 
als Wappen ſtatt der früheren einfachen Roſe, welche die Fa⸗ 
milie bereits nachweislich 1567 im Wappen führte, und dem⸗ 
nächſt von Roth und Silber im umgekehrt gewechselten Felde 
theilte (Fig. I.), einen ſchrägrechts getheilten Schild, in deſſen 
linken oberem goldeneu Felde drei blaue Roſen, oben zwei und unten 
eine, ſchweben, und in deſſen unterem rechtem ſchwarzem Felde 
eine goldene nach oben gerichtete Pfeil: oder Lanzenſpitze, dem 
Wappen der Stadt Stralſund entnommen, ſich befindet. 
Auf dem Helm heben zwei blaue geharniſchte Arme eine blaue 
Roſe empor. Die Helmdecken ſind theils golden und blau, 
theils golden und ſchwarz. (Fig. II.) Die Familie blüht noch 
in Rußland, namentlich in den deutſchen Oſtſeeprovinzen, und 
befigt feit etwa einem Jahrhundert Alt: und Neu-Droftenhof 
und Gotthardsberg in Livland, ſowie Paunküll in Eſthland. 
Die bürgerliche Familie beſaß an Landgütern bei Stralſund 
von 1580 — 1631 Crönnevitz und Groß⸗Damitz, und im er⸗ 
ſten Viertel des 17. Jahrhunderts Höfe in Wüſtenfelde, Ahrend⸗ 
ſee, Brandshagen und Klein⸗Kedingshagen. 

2) Der Herzoglich pommerſche Geheime- und Kammerrath 


Joh ann Hagemeifter (T 1638), ein Sohn des Herzoglich 


pommerſchen Geheimen Sekretairs Johann H. zu Stettin, 
und wahrſcheinlich Enkel des Präpoſitus Johann H. zu 


Cöslin (. 1569), deſſen Vater Albert H. Prieſter zu 


Barth war, erhielt 1622 von Herzog Bogislav XIV. das 
Gut Hohenſelchow im Randower Kreiſe als Geſchenk zum 
Lehn und beſaß außerdem das Gut Ketſow theilweiſe. Ob er 
bereits adlig war, oder wann er geadelt wurde, erhellt nicht. 
Sein Vetter, der fürſtlich Croy'ſche Rath und Hauptmann 
zu Kukelow, Erbherr auf Steinfurth im Greifswalder Kreiſe, 
Michael H. (T 1660) ſcheint bereits adelig geweſen zu fein. 
Der Maler Joachim Sellin zu Wollin nennt in ſeinem 
1662 bis 1671 angelegten, jetzt im Beſitz des Herrn Paſtors 
Ragotzky zu Triglitz befindlichen Wappenbuch die Familie 
bereits von Hagemeiſter und ſtellt das Wappen folgender⸗ 
maßen dar: Der rothe Schild wird durch einen goldenen 
Balken quergetheilt. In dem oberen Theile befinden ſich zwei 
goldene ſechsſtrahlige Sterne, in dem untern wachſen aus ei⸗ 
nem Zweige von natürlicher Farbe an drei gekreuzten grünen 
beblätterten Stengeln drei rothe natürliche Roſen hervor, welche 
auf dem Helm in vergrößerter Weiſe ſich wieder zeigen. Da 
die Helmdecken abwechſelnd außen blau und roth und innen golden ſind, 
und rothe Roſen in ein rothes Feld nicht paſſen, ſo hätte wohl 
der Balken richtiger blau und die untere Schildeshälfte in 
Uebereinſtimmung mit einem ſpäteren Siegel golden bezeichnet 
werden müſſen, wie die Fig. III. das Wappen darſtellt. 
Joachim H.'s Enkel, der königlich preußiſche Land⸗Commiſſar 
Sebaſtian Heinrich H. auf Hohenſelchow und Hein⸗ 
richshof, dem von ihm angelegten Erbzinsgut, wird zuerſt 1710 
von Hagemeiſter genannt und führte damals das an dem 
Altar der Kirche zu Hohenſelchow angebrachte Wappen folgender⸗ 
maßen: Im ſilbernen Felde wächſt eine rothe Roſe zwiſchen zwei 
gleichen Knospen an grünen mit grünen Blättern verfehenen Stengeln 
aus einem wagerechten Zweige von natürlicher Farbe hervor, 
während drei rothe Roſen neben einander an gleichen grünen 
Stengeln, wie im Schilde, hervorwachſend die Helmzier 
bilden. Die Helmdecken ſind roth und ſilbern. (Fig. IV.) 
Die Familie erloſch mit Jo h. Otto Heinrich v. H., der 
1760 auf der Univerſität Halle ſtudirend farb, und bis zu 
ſeinem Tode im Beſitz der Güter Hohenſelchow und Hein⸗ 
richshof blieb. Siegel aus dieſer Zeit zeigen das W. im Uebrigen 
gerade fo, haben aber den Schild quergetheilt und in der obe- 
ren rothen Hälfte die beiden vorerwähnten Sterne, in der un⸗ 
teren goldenen Hälfte die Roſe nebſt Knospen, auf dem Helm 
aber zwiſchen den Roſen je übereinander zwei Sterne und aus 
den Stengeln der beiden äußern Roſen je nach außen hin eine 
Roſenknospe hervorwachſend. (Fig. V.) Der Ordens⸗Rath 
Haſſe endlich ſtellt in einem auf der königlichen Biblio⸗ 
thek zu Berlin befindlichen heraldiſchen Manuſeript das Wappen 
zwar im Uebrigen ebenſo wie die Siegel dar, bezeichnet aber 
die Sterne und die untere Schildesfläche als filbern und läßt 
in der letzteren die Roſe aus grünem Erdboden mit 2 großen 
Blättern hervorwachſen, während die Knospen ganz fehlen. 
Er hat offenbar irthümlich die Knospen für Blätter angeſehen. 
Die Helmdecken find bei ihm roth und ſilbern. Die große 
Mannigfaltigkeit in der Darſtellung des Wappens ſpricht übri⸗ 
gens dafür, daß die Familie gar kein Adelsdiplom erhalten hat. 


3) Carl Hagemeiſter, Sohn des Rathsverwandten 
Dr. Johann Albert H. zu Roſtock (+ 1730) und Enkel 
des Bürgermeiſters Emanuel H. zu Stralſund (+ 1738, 
aus einer vom Kaufmann Lucas H. zu Stralſund (+ 1628) 
abſtammenden in der bürgerlichen Linie im Anfang dieſes 
Jahrhunderts ausgeſtorbenen Familie, erbte die bereits von ſei⸗ 
nem Urgroßvater, dem Rathsherrn Johann H. zu Stral⸗ 


44 


fund (+ 1676) mit einem Fideicommiß belegten und ſeit 1664 
in Beſitz der Familie befindlichen Güter Clausdorf und Sol⸗ 
kendorf bei Stralſund und ließ ſich 1756 von dem Deut⸗ 
ſchen Kaiſer als von Hagemeifter adeln. Sein Stamm⸗ 
wappen, die rothe Roſe im ſilbernen Felde und drei gleiche 
grün geſtengelte und beblätterte Roſen als Helmſchmuck (Fig. 
VI.), wurde dahin umgewandelt, daß die Roſe in die Mitte 
eines im blauen Felde befindlichen wellenförmig gezogenen fil- 
bernen, vielleicht gleichfalls aus dem Stralſunder Wappen 
entnommenen Kreuzes gelegt und goldbeſamt wurde, auf den 
Helm aber nur eine Roſe zwiſchen einen zur rechten roth und 
ſilbern, zur linken blau und ſilbern getheilten Adlerflug geſtellt 
wurde. (Bagmihl hat die Helmroſe irrig als eine natür⸗ 
liche ſtatt als eine heraldiſche Roſe dargeftellt.) Die Helmdecken 
find theils roth und filbern, theils blau und ſilbern. (Fig. 
VII.) Die Familie beſitzt jetzt außer den beiden Stamm⸗ 
gütern noch die Rittergüter Hohenbarnekow bei Franzburg und 
Tribbevitz auf Rügen. 

Eine vierte Familie Hagemeiſter, in Stralſund ſeit 
Beginn des 17. Jahrhunderts anſäſſig, von der aber kein Zweig 
geadelt wurde, führte auch eine roth und ſilbern aber mehrfach 
getheilte Roſe in umgekehrt gewechſeltem Felde, und auf dem 
Helm dieſelbe Roſe zwiſchen einem roth und ſilbern getheilten 
Adlerflug. (Fig VIII.) Sie beſaß um die Mitte des vorigen 
Jahrhunderts Schmietkow im Grimmer Kreiſe und Tolkmitz 
auf Rügen, und iſt 1811 ausgeſtorben. In Stralſund ge- 
hörten übrigens die ſämmtlichen Familien dieſes Namens zu 
den angeſehenſten und begütertſten Familien der Stadt und 
ſtellten dem Rath 17 Mitglieder, darunter 7 Bürgermeiſter. 

Str. W. H. 


Hat Wittekind der Große ein Noß im 
Wappen geführt? 


In der Geſchichte der Welfiſchen Stammwappen“) hat der 
Herr Dr. H. Grote nachgewieſen, daß nach der Mitte des 
14. Jahrhunderts kurz vor dem Erlöſchen des alten Hauſes 
Lüneburg in allen Linien des alten Hauſes Braun ſchweig 
das ſeither von demſelben geführte däniſche Helmzeichen (2 
Schlangen oder Blashörner) abgelegt und dafür ein mit Pfauen⸗ 
federn beſteckter Schaft, vor welchem ein laufendes (auch ge⸗ 
ſattelt und gezäumt dargeſtelltes) Pferd erſcheint, angenommen 
wurde. Daneben iſt von Fürſten und Fürſtinnen der Verſuch 
gemacht worden, in das Wappenſchild ein ſchreiten des Pferd 
zu ſetzen; und endlich iſt im 17. Jahrhundert dieſes Pferd das 
Hauptwappenbild des welfiſchen Hauſes geworden. 

Der Grund der Wahl dieſes Helmzeichens iſt nicht mehr 
zu ermitteln. Der Herr Dr. Grote hat näher ausgeführt, daß 
jene alten Fürſten des Hauſes Braunſchweig als Deſcendenten 
engliſcher Könige das Pferd in ihr Wappen aufnahmen, daſſelbe 
jedoch nur der vermeintliche Helmſchmuck des engliſchen Wappens 
geweſen ſei. 

Nach Aufnahme des Pferdes in den Helmſchmuck be⸗ 
mühten ſich Schriftſteller, eine Erklärung dafür zu finden. Die 
erſte Andeutung darüber hat nach Hrn. Dr. Grote der Dechant 
Gobelin Perſom in Bielefeld, welcher in ſeinem 60. Lebens jahre 


) Münzſtudien Bd. III S. 287. ff. 


1418 ein Werk, betitelt „Cosmodromium“ ſchrieb, in dieſem 
Werke geliefert, wenn er darin (aetas VI. cap. 23) ſagt: „Die 
Anführer des Heeres, welches von Sachſen nach Britannien 
überging, waren die Söhne des Herzogs von Engern, von 
denen einer, wie Beda (in ſ. Kirchengeſchichte) ſagt, Hengiſt, 
der andere Horſa hieß; Namen, deren jeder in der Volks⸗ 
ſprache ein königliches Pferd von ausgezeichneter Kraft und 
Schönheit bedeutet, jo wie fie die Fürſten gern bei Kampf- 
ſpielen und Turnieren haben. Und daher iſt es vielleicht 
gekommen, daß das Wappenbild einiger Herzöge 
in Nieder ſachſen ein weißes Pferd iſt, weil fie von 
1 5 her ſolches Wappen von ihren Vorfahren überkommen 
aben.“ 

Man findet das Roß im 15. Jahrh. a) in dem Wappen 
Heinrichs des Fetten von Nordheim, den man für einen 
Herzog von Sachſen hielt, auf dem ihm in der Mitte jenes 
Jahrhunderts geſetzten neuen Leichenſtein im Kloſter Bursfeld 
auf dem Helme feines Wappens; b) auf dem Grabmahle Ottos 
des Strengen zu Lüneburg und zwar weiß, ſpringend im ro 
then Felde; c) in dem ſogen. Auguſteiſchen Wappenbuche in 
der Wolfenbüttler Bibliothek, entſtanden zu Ausgang dieſes 
Jahrhunderts, als Wappen des Herzogthums Weſtphalen; d) in 
dem ſogen. Schigtbook in jener Bibliothek als Wappen von 
Engern, ſchwarz in Gold, und e) auf den in Weſtphalen zwi⸗ 
ſchen 1463 und 1508 geprägten Münzen der Kölner Erz 
biſchöſfe Rudbrecht und Hermann; wie Herr Dr. Grote er⸗ 
mittelt hat. (S. 350 a. a. O.) 

Nun kommt Botho in ſ. Cronecken der Saſſen, welche 
im J. 1489 zuerſt gedruckt wurde, alſo längere Zeit vorher 
geſchrieben worden iſt. Derſelbe weiß ganz genau, daß das 
Pferd die Wappenfigur des alten Sachſenfürſten Wittekind 
iſt und ſogar, daß das Pferd vor der Taufe des Fürſten ein 
ſchwarzes geweſen und nach der Taufe in ein weißes um⸗ 
gewandelt worden ſei. Er ſagt hierüber beim Jahre 786: 


| „vnde wedekint vorde alle tyt ein schwart perdt 


in syuem schilde. Konigh Karle gaft öme dar na 
eyn wyt perdt to eynem teken, dat he sich vor- 
luchtet hadde in dem geloven.“ 

Woher Botho dieſe Nachricht genommen habe, iſt nicht 
zu ermitteln, da er ſeine Quellen nicht angiebt; man dürfte 
aber nicht fehl gehen anzunehmen, daß müßige Mönche ſich 
der Wappenſage bemächtigt und eine religiöſe Deutung in die 
Farbe gelegt hatten. 

Aus dieſer Quelle ſcheinen nun alle ſpätere Hiſtoriker 
und Heraldiker ihre Nachrichten geſchöpft zu haben. 

Albert Kranz, welcher feine Zaxonia nach Botho ſchrieb, 
(die erſte Ausgabe iſt 1520 erſchienen,) vermehrte dieſe ihm 
willkommene Mittheilung mit neuen Zuſätzen und wußte auch 
nun, daß Heinrich der Löwe ſchon das Füllen auf dem Schafte: 
des Helmes geführt hatte. 

Solchen Autoritäten folgten nun blindlings andere wie 
Ernſt Brotuff, Albinus, welche gar kein anderes Wappen. 
der Fürſten und Herzöge von Sachſen kennen. Letzterer bringt 
in ſeiner Meißniſchen Landchronik auf der Wappentafel S. 
425 ein Schild mit ſchwarzem Roß als das des alten 
Fürſtenthums Engern und ein weißes als das des Herzog⸗ 
thums Sachſens, beide im rothen Felde. 

Spangenberg, ein ſonſt kritiſch zu Werke gehender Schrift⸗ 
ſteller, ſagt in ſeiner Mansfeldiſchen Chronik (S. 247), nach⸗ 


dem er die Schlacht am Welfsholze behandelt hat, als Sie⸗ 


45 


geszeichen ſei nach der Schlacht ein gewappneter Mann auf 
einer Säule aufgeſtellt und auf beiden Seiten das alte ſäch⸗ 
ſiſche Wappen, ein ſpringender weißer Hengſt im rothen 
Felde, angebracht worden. 


Ein Dichter damaliger Zeit, Martin Hameonius, be 
nutzt dies in ſeiner Frisia und ſingt vom Hengiſts Wappen: 
sed equus ater et huic est 
Nomen avi, sortemque notans, quem Carolus album 

Fecit ut ex sacro Witikindum fonte levasset. 


Beim Nachſpüren nach der Quelle, aus welcher Botho 
ſeine mit Beſtimmtheit ausgeſprochene Nachricht geſchöpft haben 
möge, ſtießen wir auf Cruſius Lebensbeſchreibung des Wit- 
tekind,“) eine gute Zuſammenſtellung aller über dieſen Sachſen— 
herzeg in alten Schriftſtellern vorzufindenden Nachrichten, wor: 
in über deſſen Grabmahl und daran befindliche Wappen fol— 
gendes geſagt wird. Thatſache iſt, daß Wittekind in der von 


ihm ſelbſt erbauten Kirche zu Engern begraben worden iſt. 


Von hier ſoll ſein Leichnam ſchon vom König Heinrich J. nach 
Paderborn übergeführt worden ſein. Dies iſt aber nicht rich- 
tig, ſondern als das Kloſter zu Engern mit päpſtlicher Zu— 
ſtimmung am 16. Januar 1414 nach Herford überſiedelte, 
iſt die Aſche Wittekinds in einem hölzernen Kaſten dorthin 
geſchafft worden, wie die Monumenta Paderbornensia 
berichten. In dieſem Werke iſt auch S. 146 die Tumba u. 
die beiden an derſelben zum Kopfe und an den Füßen ange⸗ 
brachten Wappen abgebildet. Was man aber hier abgebildet 
und wohl dort noch in der Stiftskirche ſieht, darf man nicht 
etwa als ein zur Zeit ſeines Todes entſtandenes Werk anſehen, 
ſondern es iſt dieſe Tumba zu Ausgang des 14. Jahrhunderts 
erſt errichtet worden. Im November des Jahres 1377 be⸗ 
ſuchte nämlich Kaiſer Karl IV. das Grabmahl Wittekinds zu 
Engern, und fand nur eine durch das Alter ganz unſcheinbar 
gewordene verunſtaltete Tumba vor. Dies that dem Kaiſer leid 
und er befahl fie zu verändern (?) (interpolari) und zu et 
neuern (renovari) und ließ am Kopfende das Wappen Karls 
des Großen und am Fußende das böhmiſche, nämlich einen 
gelben Löwen mit doppeltem Schweife in einem rothen Felde 
hinzufügen. Dies berichtet Meibom in feinen Anmerkungen zu 
des Lerbeck Chronik der Grafen von Schaumburg“). Cruſius 
referirt in ſeiner Compilation die Anmerkung des Meibom 
unvollſtändig, indem er nur das Hinzuſetzen des Wappens 
mit dem Löwen erwähnt und dadurch zu der Meinung verlei— 
leitet, als habe Kaiſer Karl ſolches als des Wittekinds angeb⸗ 
liches Wappen hinzufügen laſſen, während es doch ſein böh— 
miſches Königswappen war. Möglich, daß heute noch in der 
Paderborner Stiftskirche eins der beiden Wappen oder alle beide 
für das Wittekindſche ausgegeben werden, da die Veranlaſſung 
zur Anbringung derſelben und jene Notiz längſt in Vergeſſen⸗ 
heit gerathen ſein wird. Das Wappen Karls d. Gr. am 
Kopfende iſt übrigens auch eins jener Phantaſie-Wappen, wel⸗ 
che zu jener Zeit erfunden wurden. Nach der Abbildung be⸗ 
ſteht es in einem geſpaltenen Schilde, in deſſen vorderer Hälfte 
ein ſchwarzer halber Adler in weiß, und in der linken Hälfte 


) Abgedruckt in Meibom Script. rer. germ. I. S. 216. 

) Witikindus sive de Witikindi vita, moribus, rebus, 
dello, Fkfrt. abgedruckt in Heineceii & Leukfeld Script. rer. germ. 

) Hermann de Lerbeke Chronicon Comitum Schauen- 
burg c. notis Meibomii S. 79 und 80. 


fieben weiße Sterne in Gelb zu ſehen find.**”"*) Aus dieſer 
alten Nachricht, an deren Glaubwürdigkeit kaum zu zweifeln 
iſt, ergiebt ſich dann, daß an dem älteſten Grabmahle des alten 
Sachſenherzog Wittekinds kein Wappen angebracht war, 
ſonſt hätte doch Kaiſer Karl IV. daſſelbe ſicherlich ebenfalls 
erneuern laſſen und nicht erſt zwei andere, ganz willkührlich ge— 
wählte, anbringen laffen. 

Daß Wittekind kein Wappen geführt hat, iſt dem heu— 
tigen Heraldiker vom Fach eine ausgemachte Sache; uns kam 
es nur darauf an, etwa eine ältere Quelle zu finden, aus 
welcher Botho ſeine Nachricht geſchöpft haben könnte. Will 
man dieſe Notizen als eine Ergänzung und Erweiterung der 
gediegenen Groteſchen Arbeit anſehen, ſo ſtellt dies der Verfaſſer 
dem Belieben des Leſers anheim. Als eine Berichtigung 
jener Arbeit werden ſie aber jedenfalls in ſo fern dienen, 
als nicht Kranz, wie Herr Dr. Grote S. 351 annimmt, ſon⸗ 
dern ſchon Botho derjenige war, der die Verwandlung des 
ſchwarzen Roſſes in ein weißes der Annahme des Chriſtenthums 
und Verleihung Karls d. Gr. zuſchreibt. Sollten noch ältere 
Quellen für dieſe Wappenerdichtung nachzuweiſen ſein, ſo 
wird dies gewiß jeder Heraldiker willkommen heißen, dem es 
wie dem Verfaſſer darum zu thun iſt, ſolche alte Fabeln auge 
zumerzen, und Wahrheit von Dichtung zu trennen. !) 

Dresden. 


Wappen- oder Siegelentſtellungen. 


In der Feſtſchrift des Harzvereins für Geſchichte und Alter- 
thumskunde für 1870 findet ſich in der höchſt ſchätzenswerthen 
Abhandlung des Herrn G. A. v. Mülverſtedt, Staatsarchivars 
zu Magdeburg, über Walkenrieder Grabſteine S. 59 u. 
f. der Nachweis, daß die in Walkenried beerdigten drei Mit⸗ 
glieder des Geſchlechts von Werther, welches auch Wirthern, 
Wirtern, Werthern, Werterde, Wirterde heißt, als Wappen 
einen Schild mit drei (2. 1. geſtellten) zadigen Blättern (Wein⸗ 
blättern) und einen Helm mit einem großen breiten Ringe als 
Kleinod führten, und daß die Siegel von Dietrich v. Wer⸗ 
therde 1350 u. A. bis auf Friedrich v. Werter 1429 daſſelbe 
Bild des Schildes mit drei Weinblättern aufweiſen. 

Der Verfaſſer findet als erſte Ahnherrn 1209 Herold 
von Wirthern und 1229 Dietrich v. Wirther in gräflich Clet⸗ 
tenberg'ſchen Urkunden des Kloſters Walkenried, und bemerkt, 
daß das jetzt noch blühende Geſchlecht der Grafen und Herren 
von Werthern oder Werther als Stammwappen einen ſchräg⸗ 
rechtsliegenden Baumaſt oben mit einem unten mit zwei Blättern 
als Wappenbild, und einen wachſenden gekrönten und mit 
Straußfedern an der Krone gezierten Wolf als Kleinod ge⸗ 
brauche; eines faſt gleichen Bildes und Kleinods habe ſich zu⸗ 
erſt der Propſt zu Ilmen und Domherr zu Jechaburg Wolf v. 
Werterde 1453 in ſeinem Siegel bedient, welches einen quer⸗ 
liegenden oben und unten geäſteten Baumſtamm mit zwei ge⸗ 
zackten Blättern oben und einem desgleichen unten als Bild des 


) Abbildungen ſowohl in Monument. Paderborn., als auch 
in Lerbecks Chronikon. 5 

1) Nichtsdeſtoweniger werden gelehrte und ungelehrte Schrift⸗ 
jteller, welche viel zu weiſe find, als daß fie den Reſultaten der her⸗ 
aldiſchen Forſchung ihre Beachtung zu ſchenken nöthig hätten, noch 
Jahre lang fortfahren die Fabel von Wittekinds en EN im 


Wappen aufzuwärmen. 


Schildes, und einen wachſenden auf dem Haupte mit Federn 
beſteckten Wolf als Kleinod zeige. Wiewohl nun das Geſchlecht 
Werthern die Güter Groß-Werther und Klein-Werther oder 
Hornwerthern theils beſeſſen hat oder aber noch beſitzt, ſo will 
es faſt ſcheinen, als ob bei der ſo bedeutenden Aenderung 
des Wappenbildes und Helmzeichens um 1429 das urſprüng⸗ 
liche Geſchlecht de Werterde erloſchen und um die Mitte des 
15. Jahrhunderts ein anderer Mannsſtamm in deſſen Beſitz 
ſuccedirt und dabei die 3 Blätter ſeinem Stammwappen hin⸗ 
zugefügt habe. Ich will nicht unterlaſſen darauf aufmerkſam 
zu machen, daß, da die von Werterde Miniſterialen der Grafen 
v. Clettenberg waren, die Grafen von Clettenberg mit gewiſſen 
Beſitzungen aber zum Lehnhof der Grafen von Orlamünde u. 
Weimar gehörten, der flache Ring, welchen die v. Werterde auf 
den Walkenrieder Grabſteinen als Kleinod führen, die Ver— 
muthung erweckt, als ob dies Kleinod identiſch mit jenem Ringe 
ſei, deſſen ſich die Grafen von Orlamünde auf ihren Siegeln 
gewöhnlich als Beizeichen, Graf Friedrich II. von Orlamünde 
aber 1337 den 8. Februar als Bild eines Wappenſchildes be— 
diente, und daß die von Werterde dies Kleinod aus ihrem Mi— 
niſterialenverhältniß zu den Grafen von Orlamünde entnahmen. 


Daß übrigens Siegelentſtellungen vielfach vorkommen, er— 
giebt der Vergleich vieler Wappen heute noch blühender Ge— 
ſchlechter mit den Siegeln ihrer Vorfahren. Ich führe an die 
von Beulwitz. Dieſe hatten bis in die Mitte des 15. 
Jahrhunderts als Wappen einen Vollmond, begleitet von 
drei Sternen, zwei oben, einer unten. Heute führen dieſelben 
einen Halbmond mit den drei Sternen. Die Siegelſchneider 
haben überſehen, daß der Halbmond in der vollen Siegelſcheibe 
der alten Beulwitziſchen Siegel deshalb ausgeführt war, um 
dieſe Scheibe als Mondſcheibe zu characteriſiren. 


Die von Bünau führen heute eine Wappenfigur, welche 
als Löwenhaupt auf einer Lilie ruhend blaſonirt wird. Das 
älteſte mir vorgekommene Siegel dieſes Geſchlechts befindet ſich 
an einer Münchener Urkunde von 1260, wenn ich nicht irre. 
Die Größe und Ausführung dieſes Siegels läßt deutlich eine 
Biene erkennen, welche in romaniſchem Styl dargeſtellt iſt. 
Die Siegelſchneider haben aus dem Bienenkopf ein Löwenhaupt 
und aus dem Leib mit ſeinen Flügeln eine geſtürzte Lilie ge— 
macht. Ich möchte auch die in der Zeitſchrift des Harzvereins 
unter dem Titel „Mittelalterſiegel“ erwähnten Siegel des in 
der Grafſchaft Mansfeld verlebten von Conrad v. Bünau (1272) 
abgeleiteten Geſchlechts von Bünau, deren Wappenbild als ge— 
ſpaltener Schild mit drei fliegenden Vögeln in jedem Feld 
beſchrieben wird, als mit Bienen bezeichnet anſprechen, und 
dies um ſo mehr, als die von Bünau im Oſterlande (mit 
ihren Stammgenoſſen von Ortwinsdorf oder Erdmannsdorf 
und von der Plawenitz, auch denen von Kaſchwitz und von Bölzig) 
ſich urſprünglich des geſpaltenen Schildes bedient haben und 
noch heute bei der Vierung ihres Wappens gebrauchen. 


Die von Schlotheim oder Marſchälle von Schlotheim 
gehörten zu der großen Sippſchaft der Marſchälle der Land⸗ 
grafen von Thüringen, welche auch als Marſchälle von Burg⸗ 
holzhauſen, Altengottern, von Hagen ꝛc. bekannt ſind und die 
bekannten Schafſcheeren im Wappen führen. Das heutige Ge⸗ 
ſchlecht der Freiherrn von Schlotheim, deren Abſtammung von 
jenen durch Urkunden nachweisbar iſt, führte eine Figur im 


Schilde, welche bald als Schüſſel, bald als Vorhängeſchloß bla⸗ 
ſonirt wird. Den Thüringer Forſchern iſt es gelungen nach⸗ 


46 


zuweiſen, daß hierzu lediglich die Entſtellung von einer Schaf⸗ 


ſcheere in runder Form den Anlaß gegeben hat. 

Die von Ende führen bei ihrem erſten Auftreten ein 
Wappen wie die von Brandenſtein, einen Fuchs mit der Ente 
in der Schnauze, und ſtammen daher wahrſcheinlich gemeinſchaft— 
lich von denen von Hayn (de ind:gine) ab, welchen auch 
die von Wolffersdorf nicht ferne ſtehen. Die angebliche Ge⸗ 
ſchlechtsgemeinſchaft mit den ſchweizeriſchen und oberrheiniſchen 
Freiherrn von Ende beruht nur auf der Namensähnlichkeit 
und iſt eine Fabel. Heute wird das Endeſche Wappen nur 
als Wolf blaſonirt; die Ente, das weſentlich redende Wappen, 
iſt verſchwunden. 

Die von Schauroth oder Schowenrad führen ein 


Schild, welches geſpalten und zweimal getheilt mit verwechſelten 


Farben weiß und ſchwarz iſt, wie es 1349 Albero v. Wippach 
hat. Auf den ältern Siegeln dieſes Geſchlechts habe ich in 
jedem der durch dieſe Theilung gebildeten Quartiere ein Rad 
gefunden. 

Die von Dobeneck führen heute ein Schild mit einem 
Cardinalhut mit Quaſten, während die älteren Siegel des gleich⸗ 
namigen Geſchlechts in Franken aus dem 14. und 15. Jahre 
hundert ſtets einen ſpitzen Hut mit Kugel an der Spitze, einen 
eigentlichen Judenhut, wie des Geſchlechts Stammgenoſſen die 
Faß mann, aufweifen, der vielleicht ſich auf den Judenſchutz 


bezieht.“) 


Es dürfte hier angemeſſen ſein, alle Wappen führenden 
Geſchlechter an dieſem Umſtand zu erinnern und dieſelben auf⸗ 
zuf ordern, den Siegeln der Vorzeit ihrer Familien einige Auf— 
merkſamkeit zu ſchenken. Manche intereſſante Aufklärung für 
Genealogie und Specialgeſchichte wird ſich ohne Zweifel aus 
ſolchen Erörterungen ergeben. So wird z. B. die Fabel, daß 
die Herren von Beulwitz““) polniſchen Urſprungs ſeien, welche 
auf dem Halbmond mit drei Sternen beruht, durch den Nach—⸗ 
weis, daß das urſprüngliche Beulwitzer Wappen ein Vollmond 
iſt, in ihr Nichts aufgelöſt. Der bei den Polen als Wappen 
vorkommende Halbmond“) ſtammt aus dem Türkenkriege, welche 
Unterlage für den Vollmond durchaus fehlt. — 

Selbſt die landesherrlichen Wappen ſind häufig entſtellt. 
Die Wappenſchilde der Herren von Arnshaug, Leuchtenburg 
und Lobdaburg ſtimmen z. B. mit den entſprechenden Feldern im 
Wappen des Großherzogthums Sachſen nicht überein. 


Als Wappenentſtellung dürfte es aber nicht anzuſehen 
ſein, wenn das betreffende Wappenbild der Mode folgt. So 
führten in Franken die v. Mengersreuth, im Volksmund 
Mangelsreuth, ein Geräth im Wappen, welches im Ge— 
birge zum Glätten der Wäſche gebraucht wird, eine Man⸗ 
gel, im Anfang des 14. Jahrhunderts in der Form zweier 
durch Stäbe verbundener krummer Sproſſen; Ende des 14. 


*) Die Familie v. Schierbrand in Sachſen führte früher drei 
ſchräggeſtellte, beiderſeits viermal brennende Aeſte (auf den Namen 
deutend) jetzt: drei ſchwarze Würfel hintereinander ſchrägrechts, be⸗ 


gleitet von abgeſchnittenen g. Weizenähren. Gritz ner. 
*, 1270 erſcheint Hartmuth v. Bulewitz unter den Lehn⸗ 
mannen des Grafen Hermann v. Orlamünde, des Schirmvoigts 
des Kloſters Saalfeld; 1295 iſt derſelbe Zeuge des Landgrafen Albrecht 
v. Thüringen, als dieſer den Voigt von Weida mit Kaſchwitz belehnt. 
1301 iſt derſelbe unter den Teidingsleuten zwiſchen Landgraf Friedrich 
d. Freudigen und den Herren von Lobdaburg zur Leuchtenburg, 1306 
den 28. September ebenſo in dem Streite zwiſchen Landgraf Friedrich 
d. Freudigen und den Voigten v. Gera; Hartmuth ſcheint der Ahn⸗ 
herr der v. Beulwitz in Thirtagen zu ſein. — v., R. 
e) Richtiger Hufeiſen. f 


Jahrhunderts und ſpäter hatten fie eine Mangel, wie die Ge: 
birgsleute noch heut gebrauchen, eine krumme Sproſſe mit zwei 
Handhaben. Unter die Wappenentſtellungen kann man es auch 
nicht rechnen, wenn ein Geſchlecht ſtatt eines ganzen Thieres 
nur einen Kopf oder halben Rumpf deſſelben gebraucht, ſo z. 
B. ſiegelten von mehreren Gebrüdern v. Hirſchberg im 14. 
Jahrhundert Einige mit einem ganzen bald nach Rechts, bald 
nach Links geſtellten Hirſche, während Andere ſich nur des 
vorderen halben Hirſches bedienen. 
K. Chl. Frhr. v. R. 


* Erwiederung. 


In Nr. 3 des „Deutſchen Herold“ pro 1871 bringt 
Herr „H.“ Berichtigungen zu der, in Nr. 11, 1870 deſſelben 
Blattes von mir gegebenen „Beſchreibung des F. Hatzfeldt'ſchen 
Wappens.“ Ich ſowohl wie auch die Leſer der Zeitſchrift 
können dem Herrn Verfaſſer für dieſe Berichtigungen, welche 
ja ganz im Intereſſe der Wiſſenſchaft liegen, nur von Herzen 
dankbar ſein. 

Ueber mehrere Punkte der Abhandlung glaube ich indeß 
einige Bemerkungen machen zu dürfen. 

Meine Blaſonirung geſchah nach einem Siegel-Probeab⸗ 
druck, welcher mir durch die Güte eines Berliner Freundes zu— 
gegangen war und welcher mit der rühmlichſt bekannten und 
allſeitig anerkannten Accurateſſe und Formenſchönheit des Herrn 
C. Voigt'ſchen Ateliers in Berlin, gr. Friedrichsſtraße, gefertigt 
war. 

Nur durch die außerordentliche Schönheit des Stiches ge— 
lang es mir, auch die kleinſten Details, ſowie die Farben mit 
der Lupe zu erkennen. War es wohl glaublich, daß an ſolchem 
feingeſchnittenen und doch auch koſtbaren Stempel noch weſent⸗ 
liche Veränderungen vorgenommen werden könnten, daß das 
Wappen alſo noch nicht „ausgefertigt“ (beſtätigt) geweſen ſei? 
Ich bezweifelte es, mußte überhaupt nach Obigem das Wappen 
als „ausgefertigt“ und „fertig“ anſehen. Es dürfte demnach 
im eigenen Intereſſe der betreffenden Behörde liegen, den Wap⸗ 
penherren die Anfertigung ihres Stempels ſo lange zu verſagen, 
bis die „Ausfertigung“ erfolgt iſt. 

Ferner ſetzt der Herr Verfaſſer den „Geſchmack“ ganz 
bei Seite, wo er etwas für richtig hält. Ohne weiter mich 
auf Erörterungen hierüber einzulaſſen, bemerke ich nur, daß 
hauptſächlich die äußeren vier Helme, welche ſchweben, 
meinem Geſchmack und doch wohl auch der heraldiſchen Rich— 
tigkeit entgegenlaufen, und durch meine Kritik auch hauptſäch⸗ 
lich getroffen wurden. 

Schließlich muß ich mich durchaus der in Nr. 3 vom Herrn 
Redacteur gegebenen Note anſchließen. Die Heroldenämter haben 
nicht nur das Recht, ſondern ſogar die Pflicht, heraldiſche 
Unrichtigkeiten, ſeien dieſelben nun durch Irrthümer nach und 
nach entſtanden, ſeien ſie auch durch das Zopfthum der kaiſer⸗ 
lichen Herolde der letzten Jahrhunderte erzeugt und durch kai— 
ſerliche Inſiegel und Unterſchriften ſanctionirt, mit aller Macht 
zu bekämpfen und (im guten Sinne!) zu „verbeſſern“. 

Dann kann es nicht vorkommen, daß die „heraldiſchen 
Schnitzer“ der ſchwebenden Schildchen auf den Helmen fort⸗ 
wuchern, dann kann nicht ein (zuerſt in einem kaiſerlichen 


47 


Diplom ſo blaſonnirtes) „Theerkranzeiſen“ aus dem alten — 


durch ältere Siegel und Stammbücher genugſam erwieſenen — 
Winkelhauſen'ſchen Streitkolben entſtehen, deſſen globug- 
artiger Eiſenbeſchlag, nachdem im Laufe der Jahrhunderte das 
Verſtändniß dieſer Figur und ſeiner obern Kugel mit dem Knopf 
verloren gegangen war, zu dem Irrthum eines hohlen „Pech⸗ 
korbes“ Veranlaſſung gab. Iſt es wohl denkbar, daß die 
Pallandt auf den Turnieren ein ſchwebendes Schildchen zwiſchen 
den Helmflügeln führten? 

Derartiges heraldiſche Unkraut womöglich auszurotten, die 
oft willkürlich veränderten Wappen in ihrer altheraldiſchen Geſtalt 
— wo es möglich — wiederherzuſtellen, das iſt Recht 
und Pflicht der heutigen verſtändigeren Zeit! X, 


Titeratur. 


„Neue Mittheilungen aus dem Gebiet hiſtoriſch⸗an⸗ 
tiquariſcher Forſchungen.“ 12. Bd. 2. Hälfte. S. 554 —570: 
Nachweis der Abſtammung Wolfgang Goethes von einem 1686 zu 
Artern verſtorbenen Hufſchmied, v. G. Pappe. 


„Geſchichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg, 
5. Jahrgang, 2., 3. und 4. Heft. Magdeburg, 1870. S. 303-306: 
Ein Stein mit dem Kracht'ſchen Wappen im Hoſpital zu 
Egeln beſprochen von G. A. v. Mülverſtedt. Der Herr Verfaſſer 
hält die v. Kracht für ein wendiſches Geſchlecht aus dem 


Lande Jerichow; derſelbe legt einem angeblich wendiſchen Character 


des Wappens einen gewiſſen Werth als Beweismittel bei, und oetro⸗ 

virt auf Grund deſſelben a. and. O. auch den Familien v. Bredow, v. 

Rochow eine Nationalität, welche der bisherigen Annahme, der auch 

Herr Pfarrer Winter folgt, daß nach Einnahme des alten Branni: 
bor die feſten Schlöſſer durch Albrecht den Bären niederdeutſchen 
Geſchlechtern behufs Coloniſirung und Unterwerfung der Wenden 

anvertraut wurden, zuwiderläuft. Der wendiſche Name der 
von dieſen Geſchlechtern beſetzten Burgen in Verbindung mit 
dem angeblich wendiſchen Character des Wappens bildet für die 

durchaus neue Aufſtellung des gelehrten Herrn Verfaſſers umſowe⸗ 

niger ein Beweismittel als z. B. aus dem Wappen der v. Rochow, 

welches die bekannten Rochen präſentirt (die Rochen befinden ſich auch 

im gräflich Rochlitz ſchen Wappen) hervorgeht, daß die Inhaber bei 
Annahme dieſer Wappenbilder die wendiſche Bedeutung des Namens 

Rechow gar nicht kannten und daher wendiſch nicht verſtanden haben. 

Zugleich findet ſich aber auch dies Siegelbild des „Rochen“ bei dem 

alten fränkiſchen Rittergeſchlecht der Neuſtetten genannt Stür— 

mer, welches noch heute blüht. In ähnlicher Weiſe dürfte das Vor⸗ 

kommen des Bredow'ſchen Siegelbildes und anderer Wappen, an⸗ 

geblich wen diſchen Characters, bei alten deutſchen Geſchlechtern 
nachzuweiſen ſein. Da übrigens das Ritterweſen nur bei Kultur⸗ 

völkern des Mittelalters Eingang gefunden, ſo iſt auch bisher die 

Heraldik nur bei ſolchen nachweislich. Von den Slaven waren nur 

die Polen ein Culturvolk. Es läßt ſich daher wohl von einem pol⸗ 
niſchen Character eines Wappens, nicht aber von ſlaviſchen und wen- 

diſchen Wappencharacteren reden, falls nicht etwa die große ſlaviſche 

Völkerverſchwörung uns durch eine neue Geſchichtsſchreibung, welche 

mehr überzeugende Beweiſe bringt, als die bisherige, von der Höhe 

ihrer Cultur im früheſten Mittelalter überzeugt. Bisher iſt die 

Vorſtellung von der äußern Erſcheinung eines wendiſchen oder fla- 

viſchen „Ritters“ und ſeiner Sitten im Allgemeinen eine ſolche, 

welche ſehr weit von der der deutſchen Wappenherren jener Zeit 
entfernt iſt. — Die böhmiſche Ritterſchaft iſt deshalb hier nicht zu 
erwähnen, als ſie in Geſellſchaft der Deutſchen ſchon die Kreuzzüge 

mitmachte und ihr älteſtes Wappenweſen ſich von dem der Deutſchen 

Ritter nicht unterſcheidet. 

Ebenda S. 540—553 über das ausgeſtorbene Geſchlecht von 
Grieben von demſelben. S. 553: Genealogie der Grafen v. Barby. 
S. 554 u. f. mittelalterliche Siegel aus dem Erzſtift Magdeburg. 
1) Ruprechts, Edl. v. Querfurt als Domdechanten von Magdeburg 
(ſpäter Erzbiſchofs) v. 1257. 2) Conrads, (angeblich Grafen) von 


Sternberg (Starenberg?) Domherrn und Kellerers 1245—1266, 
3) Der Stadt Frohſe 1265, 4) Otto Billings 1415, 5) Gero’s v. 
Werder 1421, 6) der Richter und Schöppen zu Rothenſee 1547, 7) 
des Bürgers Hans Harkſtroh zu Magdeburg 1449. — Ebenda das 
von Plotoſche Epitaphium von demſelben. — 


„Würtemberg: Jahrbücher für Statiſtik undLandes⸗ 
Kunde 1870.“ S. 373 441. Urk. zur Geſch. Herzog Chriſtians 
v. Würtemberg 1552. — Beitrag zur Zollerngeſchichte, in specie 
des Markgrafen Albrecht Alcibiades. 


„Mittheilungen aus den Archiven des voigtländi— 
ſchen alterthumsforſchenden Vereins zu Hohenleuben,“ 
40. Jahresbericht, Weida bei Aderhold. Dieſelben enthalten eine 
Chronik des Kloſters Fronſchwig nebſt Verzeichniß der Priorinnen 
und Nonnen, wichtig für Genealogie der voigtländiſchen Geſchlechter 
und der Voigte v. Gera, von K. Chl. Frhrn. v. Reitzenſtein. 


„Archiv für Geſchichte der Alterthumskunde von 
Oberfranken,“ Bd. 11, Heft 2. Die Waldboten von Zwernitz, ein 
Beitrag zur älteren fränkiſchen Dynaſtengeſchichte, von Hermann 
Freiherrn v. Reitzenſtein. Der Verfaſſer weiſt ein altes Schloß 
Zwiereng oder Zwereng, Zwernitz, an den Abhängen des Steinwaldes 
reſp. Fichtelgebirges im Nordgau als Burg und Eigenthum der 
ſränkiſchen Waldpoten nach, im Hinblick auf den jetzigen Beſitz der 
Freiherrn Nothaft daſelbſt. 


„Stammbaum derer v. Röder nach Urkunden aufge⸗ 
ſtellt und den Mitgliedern der Familie gewidmet durch Felix von 
Röder“ in der Haſperſchen Hofbuchdruckerei zu Karlsruhe. Dieſer 
Stammbaum bezieht ſich auf das ſchwäbiſche reichsritterſchaftliche 
Geſchlecht der Röder v. Diersburg; nach dem Stammbaum 
zu urtheilen, lebte der erſte Ahnherr dieſes Namens Ende des 12. 
Jahrhunderts. Mit dieſem Hauſe ſind die im Gebiet der obern 


Saale und Elſter vorkommenden Röder, welche ſich auch in der 
Ukermark verbreitet haben und mit denen v. Zedtwitz ſtammver— 
wandt ſind, nicht zu verwechſeln; 


aber auch die in Thüringen 
und Niederſachſen vorkommenden Röder ſind davon wohl zu trennen. — 


„Zeitſchrift der Geſellſchaft für die Geſchichte der Her— 
zogthümer Schleswig-Holftein und Lauenburg,“ Bd. 
1. Kiel 1870. Dieſelbe enthält Beiträge zur Adelsgeſchichte 
und zwar die Sejchichte der Familie Seheſtedt von dem Appella⸗ 
tionspräſidenten von Stemann. Derſelben find Stammbäume beige: 
fügt. Das Wappen iſt eine rothe Roſe umgeben von 
drei Seeblättern im blauen Feld. Der Verfaſſer leitet die 
1396 auftretenden Siegfried und Otto Seheſtedt, welche als 
Ahnherren des Geſchlechts angeſehen werden müſſen, daher von dem 
Geſchlecht von Parkentin ab. Als Anfänger des Geſchlechts v. 
Parkentin wird der 1225— 1250 auftretende Präfert in Holſtein Go⸗ 
deſcalk von Parkentin bezeichnet, von welchem 1289 drei Nachkommen 
Borchardt, Hartwig und Godeſcalk den Zunamen von Segeberg 
trugen. K. Chl Fhr. v. R. 


Homeyer, Dr. G. C., die Haus- und Hofmarken. Mit 44 
429 Berlin 1870. K. Geh. Oberhofbuchdr. 80 (XXIV und 
423 S. 


Bereits vor mehreren Jahrzehnten hat Michelſen den Verſuch 
gemacht, die ſ. g. Ehrenſtücke in den Wappen von den Hausmarken 
abzuleiten, dieſe als den Urſprung, die Mutter jener darzuſtellen. 
Wenigen Leſern dieſer Blätter wird die von Michelſen behandelte 
Frage fremd geblieben fein, wenigen wird ſie als unwichtig erſchei⸗— 
nen, und es it daher nach meiner Anſicht ganz am Platze, wenn ich 
dieſe Frage hier neuerdings in Anregung bringe. — Ich meinerſeits 
kann weder leugnen noch zugeben, daß die Hausmarken in einzel⸗ 
nen gegebenen Fällen heraldiſirt worden ſeien. Ganz entſchieden 
möchte ich denjenigen gegenübertreten, welche wie Michelſen dies als 
Regel aufſtellen, — aus verſchiedenen Gründen. Die Wappen 
und die Hausmarken haben zunächſt eine gänzlich verſchiedene Grund— 
idee und nähern ſich einander nur in ihrem Rechtszuſtande, dem 
Rechte des ausſchließlichen Beſitzes beider Symbole. Die Verſchie— 
denheit der Grundidee wird ſchon auffallend durch den Namen ſelbſt 
charakteriſirt. Die Wappen verdanken ihren Urſprung der ger⸗ 
maniſchen Kriegsverfaſſung, ſie ſind das Symbol der ritterlichen 
Würde und Ehre ihres Trägers, deſſen Waffenfähigkeit ſie erweiſen. 
Erſt verhältnißmäßig ſpät (Ende des 13ten Jahrhunderts) ſind die 


Wappen, oder Theile des Wappens, in Beziehung zu dem Grund— 
beſitze getreten, was jedoch die Beſtimmung der Hausmarken keines⸗ 
wegs alterirte, da die Wappen auch jetzt noch als Symbole des Ge⸗ 
ſammtbeſitzes galten, während die Hausmarken nach wie vor zur 
Bezeichnung, zum Kennzeichen jedes einzelnen Beſitzſtückes angewendet 
würden. 

Sodann beſtehen zwiſchen den Wappen und Hausmarken ganz 
auffallende, unverkennbare Formunterſchiede. Das weſentlichſte Ele⸗ 
ment der Wappen (wobei blos an die ſog. Ehrenſtücke gedacht wird) 
find die Farben; das Bedürfniß, dieſe in einer „ſichtiglichen“ Weiſe 
zu gruppiren, ſo daß ſie von Wappen mit ganz den nämlichen Far⸗ 
ben leicht zu unterſcheiden ſind, — mag gar oft die Urſache eigen⸗ 
thümlicher Schildestheilungen geweſen ſein. Ich wiederhole alſo: 
die Wappen find durch eigenthümliche Farben zuſammenſtellung 
entſtandene Figuren, während die Hausmarken farbloſe geometriſche 
Figuren, zuſammengeſetzte Striche ſind. 

Eine weit größere Bedeutung haben die Hausmarken jedenfalls 
in der Sphragiſtik, da ſie ſehr häufig in Siegeln Anwendung fanden. 
Beide Beziehungen aber dürften Veranlaſſung geben, uns mit dem 
Gegenſtande genau bekannt zu machen. 

In dem oben angezeigten Werke, — ein ſchönes Zeugniß für 
des Herrn Verfaſſers raſtloſe Thätigkeit, wie umfaſſende Gelehrſam⸗ 
keit — finden wir für unſere Zwecke einen koloſſalen Stoff aufge⸗ 
ſammelt. Die verſchiedenen Capitel behandeln den Gegenſtand in 
folgender Weiſe: 1. die Vorſtufen der Hausmarken, 2. die Hausmar⸗ 
ken nach örtlicher Bedeutung, 3. die Hausmarken in der Volksſitte, 
4. die Zeichen nach Zweck und Gegenſtand, 5. die Hausmarken in 
der Rechtsordnung, 6. das Zurückſinken der Hausmarken. 

Mit Rückſicht auf den Raum darf ich es mir nicht geftatten, 
das Werk in ausführlicher Weiſe zu beſprechen. Ich mache daher 
hauptſächlich auf §. 60 Heraldiſirung §. 65 der Adel aufmerkſam. 
Die Ausführungen des Herrn Verfaſſers zeigen auch in heraldiſcher 
Beziehung ein gründliches Sachverſtändniß und verdienen vollſte 
Beiſtimmung. 

Ich kann hier ſchließlich noch Einiges zur Ergänzung des 
Werkes beifügen, was ich gelegentlich in Schriften gefunden habe, die 
nicht jedem Fachgenoſſen leicht erreichbar ſind. / 

Jeder Davoſer trug früher einen „Pattſchiarring“ mit der 
Hausmarke „Huszeicha“ von beliebigem Metall, mit feſtem, ſtark 
vorſtehenden Kopf und ſcharfen Kanten, „um im Nothfall ſeine 
Meinung auf den Köpfen anderer zu beſiegeln“. Das Hauszeichen 
(Brand- oder Schnittmarke) dient zur Bezeichnung des Eigenthums⸗ 
rechtes auf Möbel, Geräthſchaften ꝛc.; nach dem Landbuch von 
Kloſters ſoll, wenn ein Mann mehr denn einen Sohn hinterläßt, 
der jüngſte Sohn des Vaters Zeichen führen und haben, ſo er aber 
nur Töchter hinter ihm verließe, ſollen ſie ſonſt des Zeichens halber 
ſich vergleichen. Auch auf Davos erbt der jüngſte Sohn das Haus⸗ 
zeichen. Das Landrecht von Frutigen im Canton Bern beſtimmt: 
der jüngſte Sohn möge vor allen anderen Miterben in der Theilung 
vorausnehmen des Vaters Brand und Zeichen, und die beſte Kühe⸗ 
trinklen. In Graubündten ändern nichterbende Söhne das Haus- 
zeichen häufig durch einen hinzugefügten Strich oder in anderer 
Weiſe. (Bühler, Davos in feinem Walſerdialect. 1. 57 u. 112. 

Auch in Schuldverhältniſſen findet die Hausmarke Anwendung. 

Das Landbuch von Kloſters beſtimmt mit Bezug auf das Ver⸗ 
fahren bei der Einziehung von Geldſchulden: „So aber einer, der 
einziehen will, niemand bei ſeines Schuldners Haus oder da er ſeß⸗ 
haft wäre, fände, ſo ſoll er ſein eigen gewohnliches Hauszeichen mit 
Kreiden oder was einer hat, an ſeines Schuldners Hausthür machen 
bei gutem lautern Tag.“ In Wallis, wo noch Kerbhölzer ſehr ge⸗ 
wöhnlich ſtatt der Schuldverſchreibungen dienen, ſteht des Schuldners 
Hausmarke auf dem Kerbholz. (Oſenbrüggen, Wanderſtudien aus 
der Schweiz. S. 142 ff.) 

Eine Abhandlung über die Formen der Hausmarken in Grau- 
bündten findet ſich auch im „Anzeiger f. ſchweiz. und Alterthums⸗ 
kunde“ 1866 Nr. 2. 

Seyler. 


„Archiv des hiſt or. Vereins v. Unterfranken, Bd. 
XXI.“ 


Perſonalmatrikel des Ritter⸗Cantons Schön⸗Werra 1666 —1785 
her. v. G. Seyler; auch in ſeparater Ausgabe erſchienen (Würz⸗ 
burg 1871.) . 

Der hiſt. Ver. zu Würzburg beſitzt einen Pergament⸗Codex in 


—— . — Feun 


Blättern mit 


Seyler giebt 


Folio, enthaltend die obige Perſonal⸗Matrikel auf 22 
10 ſauber gemalten Wappen auf jeder Seite; Hr. G. giebt 
hier einen getreuen Abdruck des Nanuferiptes, in alphabetischer 
Reihenfolge der Familiennamen mit correcter Blafonirung der Wap⸗ 


pen, unter denen ſich viele intereſſante Varietäten befinden. Es find 
im Ganzen 120 Geſchlechter, von denen jedoch die meiften durch 
eine größere Anzahl von Mitgliedern (die mit den Taufnamen au⸗ 


geführt werden) vertreten ſind. — 

wi, Siegel aus dem Er zſtift Magde⸗ 
bur g.“ Unter dieſem Titel giebt der Magd eburger Geſchichtsver⸗ 
ein die in ſeinen Publi kationen N, en, hier ſchon öfter 
Beiptocenen ſphragiſtiſch⸗genealogiſchen Abhandlungen des Herrn 
Archivraths v. Mülverſtedt in beſonderen Heften heraus. Das zwei⸗ 
te, mit zahlreichen Siegelabbildungen verſe hene iſt g ſoeben zu dem 
billi ligen Preiſe von 25 Sgr. erſchienen. Jedem Geſchichtsfreund 
wird es willkommen ſein, dieſe vielſeitig intereſſanten Artikel in 
ſeparater Ausgabe erhalten zu können. — 


„Genealogie der Familie von der Vorſt.“ Nach dem 
Familienarchive und handſchriftl. Quellen. Als Mſer. gedr. Wien 
(Selbſtverlag der Familie) 1871. 23 S. 80. Von dem älteſten be⸗ 
kannten Stammvater, Johann von der Vorſt welcher 1290 ſtarb 
und von ſeiner Gattin Johanne von Gnkenonrt drei Söhne lee 
ließ, ausgehend, bringt die Broſchüre einen überſichtlich geordneten 
Nachweis der u. bis auf die neueſte Zeit. — Als bejon- 
dere Vorzug iſt anzufüh hren daß es dem Herrn Vf. gelungen iſt, bis 
in die älteſte Zeit hinauf d die Alliancen nachz zuweiſen; gerade in die⸗ 
ſer Beziehung zeigen die meiſten Stammbäume oft bedauerliche Lük⸗ 


ken. Die Auffindung der Alliancen iſt durch ein bei igegebenes Re⸗ 
giſter erleichtert, welches 142 — größtentheils niederländiſche und 


weſtfäliſche — Geſchlechter aufweiſt. 


7 


„4 


„Neue Mittheilungen des Thür.⸗Sächſ. Vereins 
Bd. XIII. Etwas über die Herrn v. Scheplitz u und v. nechtrig, von 
G. A. v. Mürverſtedt. (Auch als Separatabdruck ausgegeben.) — 
Berichtigung einer Angabe in Bd. XI. a. a. O. woſelbſt irrthüm⸗ 
lich ein Uechtritziſches Wappen der Familie von Scheplitz vindieirt 
wird. Erſteres zeigt bekanntlich im geſpaltenen e zwei geſchrägte 
Schlüſſel, die von S. führen hingegen einen von 6 (reſ ſp. 5) Ster⸗ 
nen begleiteten Balken. Hieran. knüpft der Herr Vf. genealogiſche 
Nachrichten über die von Scheplitz in Sachſen (wahrſcheinlich 
eines Stammes mit der gleichnamigen alt märkischen Familie) deren 
Stammreihe 1499 mit Haus v. S. beginnt und 1695 mit Wolf (A 
©. abſchließt, — ſowie über die Heraldik der v. Hechtris d deren 
0 ld, die Schlüſſel, von zahlreichen Geſchlechtern des Hochſtifts 

Maße rs gefüh ‚rt wird reſp. wurde — 


„Die ausgeſtorbenen Adelsfamilien d es O ſterlan⸗ 
des“ von H. C. v. d. Gabelentz. — 36 S. Nacht, äge zu einer 
umfangreichen unter demſelben Titel in Heft 3 Bd. VI. der Mit: 
theilungen des Oſterländiſchen Geſch.-Vereins von dem Herrn Pf. 
veröffentlichten Arbeit, welche auf Grund ſorgfältiger Quellenfor⸗ 
ſchungen Nachrichten über 116 erloſchene Familien der genannter 
Landſchaft brachte, während der ! ee Nachtrag deren noch 86 
nun macht. Auch die Wappen ſind beſchrieben, To weit fie zu 
ermitteln waren. 

Es iſt eigentlich unnöthig, auf die Verdienſtlichkeit und 
tigkeit 1 ſolcher Arbeiten hinzuweiſen; denne och wäre es höchſt 
wünſchenswerth, wenn etwas häuf liger, als leider geſchieht, ähnliche 
Forſchungen auch anderwärts angeſtellt und publieirt würden. Di 
meiſten größeren adelsgeſchich keen Werke bei ſchäftigen ſich faft aus 
ſchließlich mit 1 blühenden Adel, während eine größere Berückſich⸗ 
tigung ihnen gerade erſt Werth verleihen würde — 


Wich⸗ 


8 


Bibliographie. 


Buchhandlung von Mitſcher und Röſtell, Berlin. 
Leipzigerſtraße 129, iſt zu beziehen: 
Antiquarius, rheiniſcher, 2 Abtheilung, 20. Bd., 1. 
(160 S.) Cobl enz, 20 Sgr. 

Beſchreibung d. bisher bekannten böhmiſchen 128 en und 
Medaillen, beſchrieben v. Joſ. Neumann; 27. u. 28. Heft., groß 
4. Prag. 2 Thlr. 4 Sgr. . 


Durch die 


Liefr., gr. 8. 


nicht 


49 


e ee ee f. d. königl. preuß. Hof. 1. Reglement, betr. 
Anmeldungen, Vorſtellungen und Audienzen bei Ihren königl. 
Mea eftäten 5 bei Ihren königl. Hoheiten den Prinzen u. Prin⸗ 

eſſinnen u 10. Hauſes ſowie d. am königl. Hofe anzulegende 
Coſtüm. . Geremonial bei Ankunft und Anweſenheit fremder 
Allerhöe ter und höchſter Herrſchaften. III. Reglement betr. d. 
Empfang fremder Botſchafter am königl e Hofe ſowie die 
denſelben gegenüber zu beachtende Etiquette u. d. Ceremonial b. 
d. Empf fange größerer Ge ſandſchaften in auß degree Miſſion. 
gr. 8. (63 S) Berlin, 10 Sgr. 

Debrett's illustrated peerage and tither of courtesy of 
the united Kingdoms of Great Britain and Jreland 8. (697 p.) 
London. 9 sh 

Debrett's illustrated baronetage with the Figures 
revised. 8. (671 p.) London. 9 sh. 

Dodds peerage, baronetage and knightage for 1871. 12. 
London. 10 sh. 6 d. 

Geſchichte d er Familie d. Freiherrn von Bibra. gr. 8. 
(191 S. in 9 Stammtafeln u. 17 Tabellen in 4. u. quer Fol. 
M lünchen. 2 Thlr. 

Geſchichts blätter f. Stadt u. Land Magdeburg. Mittheilun⸗ 
gen des Vereins f. Geſchichte u. Alterthumskunde d. Herzogth. u. 
Erzſtifts Magd 66 urg. Heransgegeben im Namen d. Vereins 
v. Dr. H. Holſtein. 6. Jahrg. 1871. 4. Heft, gr. 8. 1. Heft 160 
S. nebſt e. Siegel⸗, e. Münz⸗ u. e. Wappentafel in gr. 8 u. 
quer Fol.) Magdeburg. 2 Thlr. 

0 ber, Unterſuchungen über d. Münzgeſchichte Oeſterreichs im 13. 

14. Jahehunder, Lex. 8. (26 S.) W ien. 4 Sgr. 

. Jof erh Hilarius von Eerhel. Ein Vortrag gehalten in 

d. feſtl. Jahres⸗ Verſammlung d. numismat. Geſellſchaft in Wien. 


gr 8. (26 ©.) Wien. 12 Sgr. 

Liebuſch, Die deutſchen Reichsinſignien in ihrer ſymbol. Bedeu⸗ 
tung. 8. 22 S.) Quedlinburg. 3 Szr. 

Lodge, the peerage and . of the britisch empire as 
at present existing. 8. (916 p.) London. 31 sh. 6 d. 

Mittheilungen d. Geſchichts⸗ u. Alterthums⸗Vereins zu Leis⸗ 


2 


nig 1 königreich Sachſen. 2. Heft un e. 
Fol) u a 8 (142 S) Leisnig. 15 Sgr. 
Oertel, de 3.1970, . Nachtrag zur 2. ae d. genealog. 

Tafeln d. 10 Jahrhunderts. 4 (51 S.) Meiſſen. 10 Sgr. 
Seyler, Perſonal⸗ l⸗Matrikel des Ritter⸗ Canto Rhön⸗Werra aus d. 

Jahre 1666-1785. Nach dem Originale im Beſitz d. hiſt. 

Vereins v. Unterfranken. (Aus dem Archiv des hiſt. Vereins v. 

Unterfranken) gr. 8. (53 S.) Würzburg 12 Sgr. 

Sieb macher, 175 und allgem. ee her. von Gritzner, 
Hildebrandt und Mülverſtedt ꝛc. gr. 4. Liefr. 83—87. Nürnberg. 
à 1 Thlr 18 Sgr. 

Verhandlungen d. hifter. Vereins v. Oberpfalz u. Regens⸗ 
burg. 27. Bd. d. geſ. ie u. 19. Bd. d. neuen Folge 
gr. 8. (56 S. m. chromol ith. Karte in Imp. 4.) Stadtamhof. 
1 Thlr. 6 Sgr. 

Vom Fels zum Meer. Genealogie der Hohenzollern v. Burg⸗ 

graf Friedrich Nürnberg bis Kaiſer Wilhelm v. Deutſchland! 

Imp: Fol. Bremen. 10 Sgr. 

Walford, the county-familes of the united kingdom or royal 

manual of titled and untitlel aristoeracy of Great Britain and 

Jreiand. 8. (1135 p.) London. 2 L. 10 sh. 

Weidenbark, naſſauiſche Territorien vom Beſitzſtande unmittelbar 
vor der franz. Revolution bis 1866. (Aus den Annalen des 
Vereins für naſſauiſche . und Geſchichtsforſchung,) 
nebſt e. cle th. Karte; hoch 4. (108 S) Wiesbaden. 20 Sgr. 

Weihe⸗Eimke, Octavio Piet el in de Herzog von Amalfi, 
Ritter des goldenen Vließes, deutſcher Reichsfürſt und Gemahl der 
e Maria Benigna Franzisca von Sachſen-Lauenburg. 


lith. Tafel (in 


Quellenſtudien aus dem Schloß-⸗Archive zu Nachod. gr. 8. (53 
S.) Pilſen. 8 Sgr. 
Inhalts-Verzeichniß. 

Protocolle. — Urſprung und Wappen der Familien v. Hage⸗ 
meifter. — Hat Wittekind der Große ein Roß im Wappen geführt? 
— un oder Siegelentſtellungen. — Erwiederung. — Lite⸗ 
ratur Bibliographie. — Matrikel. — 


50 


M atri kel. (Fortſetzung.) 


Jahr | Datum 


des Diploms. 


1701 8. Sept. 
19. Sept. 


26. Sept. 


. Sept. 


19. Sept. 


Datum 
u. Jahr 
der 
amtl. 
Pubiic. 


Name. 


Stephani. 
Butt. 


Heydekampf. 


Schmettau. 


Flemming. 


(+ Linie 22. 6. 1777.) 


(Wendt) von Wenden. 


Eckersberg. 


Spanheim. 


Hamrath. 


Reck. 
Rickers. 


Cocceji. 


Butt. 


Inhalt 
des 
Diploms. 
an. A. 


an. A. 
an. Frh. 


an. Frh. 


conf. A. 


beſt. A. 
unter Er⸗ 
hebung 
in den 
Preuß. A. 
frh. A. 


ren. A. 


Diplom 


für 


Daniel St., Geh. Rath 
und Lehnsſekretair. 
Volkart B., k. Pr. 

Hofrath. 

Chriſtian Siegmund v. 

H., Rgb. auf Königs⸗ 
walde und Kehrberg, 

Sohn des 1696 ge— 

freieten Caspar Sieg— 

mund. — Letzterer war 
wieder der Sohn des 
1688 geadelten Veit 
H., kurbrd. Raths und 
Ober⸗Zoll⸗Direktors in 
Preußen. 

Georg Ludwig Frh. v. 

S. auf Königswalde u. 

Kehrberg (laut Reſcript 

an den Miniſter v. Bar⸗ 

tholdi.) 

Georg Caspar, Reg.-Präſ. 

in Stargard, u. Haino 

Heinrich Gebr. v. F. 

(des erſteren Sohn war 

der Feldmarſchall Jacob 

Friedrich v. F.) 

Matthias W. v. W., Hof- 

Ger.-Rath und Bürger⸗ 

meiſter zu Stargard i. P. 

Joh. Philipp Cebrowski 

als „v. E.“ 


Ezechiel S., Wirkl. Geh. 
Rath. 

Geh. Rath Friedr. H., 

maitre des requetes. 


Hermann R., Altmärk. 
Quartal⸗Gerichts-Rath ꝛc. 
Joh. R., Clev.⸗Märk. 
Hofger. Rath, u. Gattin, 
geb. Hoppen, Eltern der 
„ d. 22. 8,1701 be 
reits in den freiherrlichen 
Adelſtand erhobenen 
Frl. R. 
Heinrich C., Pr. Geh. 
Rath und Profeſſor zu 
Frankfurt a. O. 
Volkart B., Pr. Hofrath. 


Wappen. 


Köhne IV. 68. 
Köhne II. 94. 


Köhne II. 40. 


Köhne U. 61. 


Köhne J. 39. 


Köhne IV. 89. 


Holobok 
(halber Fiſch.) 


Köhne II. 64. 


Köhne III. 38. 


Köhne IV. 28. 


Köhne IV. 34. 


Köhne II. 98. 


Köhne 11. 94 


Bemerkungen. 


R. A. 4. Apr. 1698 für denſ. 
als Kurbrd. Lehns⸗Sekretair. 


R. A. d. d. 19. 5. 1701 für 
denſelben. 

R. A. d. d. 1. März 1688; 

R. Frh. d. d. 17. 9. 1696 für 

Caspar Siegmund v. H. Fſt. 

Oſtfriesländ. Oberſtwachtmei— 

ſter (vgl. 18. 1. 1704 und 27. 
10. 1832.) 


R. Frh. d. d. 20. Aug. ejd. 

für denſelben. Auch erhielt er 

ſpäter den Grafenſtand, vgl. 
29: 11.712, 


R. Grf. für dieſelben d. d. 
16. 11. 1700. 


R. A. d. d. 14. 1. 1699 für 
denſelben. 


Derſelbe war bereits früher von 
Polen geadelt. 


Mit ihm (1710) wieder +. 


Das Diplom wurde indeß d. d. 
6. 12. 1708 wieder zurückge⸗ 
nommen. 

Derſelbe präſumirte von der 
Fam. v. d. Recke abzuſtammen. 


Wurde 3. 3. 1713 R. Frh 
(val. 8. 11. 1749.) 


R. A. d. d. 1. (nicht 19.) 5. 
1701 für denſelben. 


Jahr Datum Datum Inhalt Diplom 
— — . Name des a Wappen. Bemerkungen. 
des Diploms. Publie Diploms. u 
— —-— — — — 
1702 27. Nov. Huß. A. Joh. Helfreich H., Neg.: || Köhne III. 58. 
a Rath zu Minden u. Magdeb. 
Kammerrath, nebſt Gebr. 
Carl Ad. u. Guſt. Ad. 
1703 | 1. Jan. Wartensleben. Grf. Gen. Feldmarſchall Alex.] Gev. mit Hz.] Mit dem Wappen bei Bagmihl 
(ält. Linie.) Hermann v. W. (Stw.) I. u. II. 46 erhielt derſelbe d. d. 
IV. preuß. 29. 3. 1706 auch den Reichs⸗ 
Adler II. u. grafenſtand. — Das R. Grf. 
III. Arm mit Dipl. der jüngeren Linie 
Schwert. (W. Y bei Bagmihl) für 2 
Dies W. Vettern v. W. iſt d. d. 14. 10. 
wird indeß 1745 und anſcheinend von 
| nicht ges Preußen nicht beſonders aner⸗ 
führt, ſondern kannt. 
das W. bei 
Bagmihl IL, 
Tab. 46 nach 
d. Diplom 
Dom 2a 8. 
I. . 1706. 

„ 20. Febr. Seidel. an. A. Gebr. Andr. Erasmus Köhne V. 62. R. A. d. d. 11. 10. 1550 für 
und Gettfr. Ludw. v. S., deren Vorfahr. 
ſtammend aus der Schweiz. 

15 2. März Kraut. A. Joh. K. aus einem Hal- Köhne III. 73. 
lenſer Pfännergeſchlecht 
(+ 1723 als Miniſter.) 

5 N Meinders. As Gebr. Arnold Heinrich, Köhne III. 97.] R. A. d. d. 24. 1. 1704 für 

Hof- und Kammerrath dieſelben. 
und Clamor Hermann, 
Leg.⸗Sekretair. 
„ 5. März Werthern. an. Grf. Georg v. W., kurſächſ. Köhne l. 13. R. Grf. d. d. 12. 8. 1702 
Geh.-Rath. für denſelben nebſt Wm. und 
Prädikat: Hoch- und Wohl⸗ 
8 5 ee geboren. 

Apr. Bondeli. Frh. Sim. Gabr. v. B., Ge⸗ Köhne II. 26. 
ſandter bei der Schweiz 
und Gebr. Em. u. Joh. 

Erhard. 
„ ai Dehrenthal. (Deren || conf. A. Den Kaumerrath und Köhne III. 3. R. VV 
thall.) Landrentmeiſter v. D. zu deſſen Vater Daniel Ernſt, 
Ravensberg. Vizekanzler des Iſt. Minden, 
nebſt Brüdern Joh. Thomas 
und Georg Heinrich und dem 
Sohn ihres + Bruders, Clev.⸗ 
f Märk. Geh.⸗Raths. 
0 18. Juni Steinau. an. Grf. Adam Heinrich v. St., _ Siebm. R. Gef, , 17032 
(v. Steinrück.) kurſächſ. Feldmarſchall. A vn. für denſelben. 
„ 18. Aug. Mylen, v. der A. Heinr. Ernſt v. d. M., Köhne IV. 9. 
k. pr. Capitain. 
„ 24. Aug. Bomin. A. Jae. Fr. V., Capitain⸗ Köhne 11.85. 
lieutenant. 
„ 12. Sept. Sanden. A. Chriſtoph Wilhelm S., Köhne IV. 83.] Andere Linie, vgl. 23. 3. 1796 
Meckl. Schwer. Reſiden⸗ NB. des Nob. Vater war der 
8 bei der Krönung König Fr. 1. 
ten b. d. Generalſtaaten. anweſende Biſchof Sanden. 
1704 | 18. Jan. Cheeuwen. A. Heinr. C., Pr. Hof⸗ u. Köhne 11.97. 
Leg.⸗Rath. 


Jahr Datum 


des Diploms. 


1704 


18. Jan. 


Name. 


Heydekampf. 


Schlüter. 


Duchat de 
Dorville. 


Ebelll). 


Schlieben 
2 


o 
Krug v. 


Drofte. 


Meinecke. 


18. Jau. 
(nicht 
1701.) 


Bär. 


(Urſin von.) 


Beſchefer. 


Katſch. 


Inhalt 
des 
Diploms. 


an. A. 


(nicht 
an. A ) 


| 
| 


| 


| 
| 


1 
u 
| 
| 


Diplom 


für 


verwittwete Frau Char⸗ 
lotte Louiſe v. H. geb. 


Klein, nebſt ihren Söhnen. 


1 


Andreas, k. Hofbaumeiſter 
und Oberbaudirektor. 

Gedeon, 1. D. d. D. 
Major bei Wittgenſtein⸗ 


franzöſiſchem Adelsge⸗ 
ſchlecht. 

Joh. E., Hptm. der Leib⸗ 
garde nebſt Gattin Eath. 
Eliſ. geb. Canngießer. 
Georg L., Oberſtlieut. 
b. d. Garde zu Fuß, 
nebſt Gemahlin Louiſe 
Sophie geb. Gericken. 
Carl Guſtav C., aus 
einem hallenſer Pfänner⸗ 
geſchlecht, nebſt Mutter 
und Schweſter. 
Adam v. S. zu T 

band. 


Chriſtoph 


Tuche⸗ 


Wittwe und Kinder d 
+ Bürgermeiſters D. 
Kneiphof bei Königsberg 
i. P., nämlich Con⸗ 
ſtantia, geb. Droſte und 
ihre 2 Söhne und 4 
Töchter. 
Joachim Moritz M., 
Hauptmann zu Fuß u. 
Gattin Barbara Sophie 
Wendt. 


Biſchof als „U. v. B.“ 
nebſt Gattin Urſula Adel- 
heid v. Huß. 
Jacques B. aus Vitry, 
Pr. Oberſtlieut. zu Fuß 


nebſt Gattin Sufanna 
de la Conde. 

Chriſtoph K. W. Geh. 

Staatsminiſter u. Gen. 


Dragoner, angeblich aus 


Benjamin Urſinus ev. ref. 


Wappen. 


Köhne III. 49. 
(Schild auf 
Doppeladler.) 


2 


Köhne III. 7. N 


Köhne 111.10. 


Köhne 111.85 


| Köhne l. 89. 


| 
Köhne III. 75. 


Köhne III. 9. 


Köhne II. 81. 


Köhne III. 98. 5 
| ter des a. 1701 nob. Bürger⸗ 


Köhne III. 63. 


Bemerkungen. 


— — 


Der + Veit H. (ihr Gemahl) 
Kurbrd. Rath und Oberzoll— 
dire tor in Preußen, hatte d. d. 
1. 3. 1688 den R. A. erhal⸗ 
ten und ſie (ſeine Gattin) 
mit ihm. 
Er war der älteſte Sohn des 
Chr. Siegm. v. H., Bruder 
des 1696 in den R. Frh. er⸗ 
hobenen Chr. Siegm. v. H. 
(vgl. deſſen Anerkennung 26. 
9. 1701.) 


R. A. d. d. 9 5. 1664 für 
Caspar L., markgräfl. Brand. 
Rath, ſeinen Vater. 


Derſelve hatte bereits d. d. 27. 
2. 1703 eine kaiſ. Adelsbe⸗ 
ſtätigung erhalten. 

Die Familie iſt jetzt im Manns⸗ 
ſtamm erloſchen und Name 
und Wappen an die von 
Knobloch übergegangen; vgl. 
27. 10. 1855. 


Die Gemahlin war die Toch⸗ 


meiſters v. Wendt in Star⸗ 
gard. 


U. war einer der Biſchöfe, 
welche bei K. Fr. 1. Krönung 
zugegen waren; er hatte den⸗ 

ſelben geſalbt. 


2Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R.⸗B. Magdeburg. 


Auditeur. 


Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


(Fortſetzung folgt.) 


Commiſſ⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin. 


Steindr. v. Jul. Könecke in Gardelegen. 


o e  OLTETT 


* 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin. 


Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile. 


Ur. 7. S, Berlin, im Juli 1871. SI 2. Jahrgang. 
Se. Majeſtät der König von Preußen haben Allergnä- ſchichten an die Bibliothek ihr Intereſſe an den 
digſt geruht: den Kanzler des Deutſchen Reiches, Grafen Otto | Beſtrebungen des Vereins bethätigen möchten. 
von Bismark-Schönhauſen, in den Fürſtenſtand zu erheben. Für die von hier verſetzten Herren v. Reitzenſtein und v. 
(Allerh. Cab.⸗O. vom 21. März 1871.) | Bülow wurde die Neuwahl 1. eines Vorſitzenden, 2. eines 
Secti fs für S iſtik er ˖ 
Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Heſſen und bei | Seckionschefs für Sphragiſtik erforderlich, welche nach erfolgter 
Rhein ꝛc. haben Allergnädigſt geruht: am 9. November 1870 ö 
den General-Conſul Horatius Günzburg zu St. Peters— | 
burg für ſich, feine Ehegattin und gegenwärtigen und zukünf- 
tigen Nachkommen beiderlei Geſchlechts in den Freiherrn- 
ſtand des Großherzogthums zu erheben; | 
am 21. März 1871 dem K. K. Oeſterreichiſchen Haupt⸗ Nach erfolgter Abſtimmung wurden folgende Herren zu 
mann Karl Georg Friedrich Heyer aus Gießen, dermalen | Mitgliedern des Vereins aufgenommen: 
in Wien, zu geſtatten, daß derſelbe künftig den Familiennamen a) zu wirklichen Mitgliedern: 
| 
! 


Abſtimmung 

ad 1. auf den bisherigen Vorſtand des hiſtoriſchen Vereins 
zu München, jetzt hier anſäſſigen Herrn Hermann 
Grafen v. Hoverden, und 

ad 2. auf den unterzeichneten Schriftführer fiel; beide Wahlen 

wurden angenommen. — 


Heyer von Roſenfeld führe. 1. Herr Buchhändler Röſtell \ _. 
2. Herr 10 155 hierſelbſt; 
b) zu correſpondirenden Mitgliedern: 
3. Herr Geh. Ober-Regierungsrath a. D. v. Kröcher auf 

Vollenſchier, 

4. Herr Karl Frhr. v. Wechmar zu Kiel; 
ſämmtlich auf den Vorſchlag des Schriftführers. — 

Dem Hrn. Schatzweiſter wurden vereinsſeitig die erbete— 
nen Koſten der Anfertigung eines Holzſchnittes von dem noch 
nirgend edirten Wappen der im letzten Kriege erloſchenen Fa— 
milie von Palmenſtein bewilligt. 

An Geſchenken für die Bibliothek waren eingegangen: 

1) Von Hrn. Julius Grafen v. Oeynhauſen zu Hamburg: 
„Geſchichte des Geſchlechts von Oeynhauſen, von J. Grf. 
v. Oeynhauſen. I. Thl. Pader born, 1870.“ f 

2) Von Hrn. Rittmeiſter a. D. v. Alvensleben auf Erxleben: 
„Stammtafeln des v. Alvensleben'ſchen Geſchlechts, von U. 
G. F. v. Alvensleben. Erxleben, 1865.“ — 

3) Von Hrn. Regierungsrath B. von Schönberg zu Leipzig: 
„Anhang zur Geſchichte des Geſchlechts v. Schönberg meiß— 


Auszug aus dem Sitzungs-Protocoll des 
„Deutſchen Herold“ pom 6. Juni 1871. 


Der Schriftführer, als ſtellvertretender Vorſitzender, er— 
öffnete die Sitzung mit der Verleſung der von Sr. Kgl. Hoheit 
dem Prinzen Georg von Preußen auf die vom Vereinsvor— 
ſtande überreichte Adreſſe um Uebernahme des Protectorats er— 
gangenen zuſtimmenden Erklärung, und theilte ferner mit, daß 
Se. Kgl. Hoheit dem Vorſtande eine Audienz zu ertheilen ge— 
ruht habe, in welcher Namens des Vereins für die demſelben 
erzeigte hohe Ehre pflichtſchuldigſt Dank abgeſtattet worden ſei. 

Der Schriftführer referirte ſodann über die eingegangenen 
Schreiben, und machte die erfreuliche Mittheilung, daß auf ſeine, 
brieflich nach mehreren Seiten hin ausgeſprochenen, Bitten, ver- 
ſchiedene Vereinsmitglieder und ſelbſt dem Verein fernſtehende 
Herren ſich ſofort bereit erklärt haben, die Geſchichten ihrer 
Familien ꝛc. (welche bekanntlich im Buchhandel nicht immer zu 


haben find) der Vereinsbibliothek unentgeltlich zu überlaſſen. niſchen Stammes, von B. v. Schönberg.“ 

Nachdem auf die Wichtigkeit ſolcher Werke für den Verein hin⸗] 4) Von Hrn. Baron Hugo von Linſtow hierſelbſt: „Urkunden⸗ 
gewieſen worden war, wurde es für höchſt wünſchenswerth 
erachtet, daß die betreffenden Adelsfamilien durch 
Ueberweiſung der etwa vorhandenen Familienge⸗ 


Regeſten zur Geſchichte u. Genealogie der Herren v. Kotze, 
von G. A. v. Mülverſtedt. Magdeburg, 1866.“ 
5) Von Hrn. Guſtav Seyler zu Offenhauſen: „Perſonalma⸗ 


54 


trifel des Nittercantong Rhön-Werra a. d. Jahren 1666 
— 1785, v. G. Seyler. Würzburg, 1871.“ 

6) Von Hrn. Oscar Ritter v. Schellerer zu Würzburg: „Die 
Stiftsmäßigkeit des gegenw. in Bayern immatriculirten 
Adels, zunächſt mit Bezug auf das ehemal. Hochſtift Würz⸗ 
burg, von O. v. Schellerer. Würzburg, 1871.“ 

) Von Hrn. Hofgraveur Heinicke zu Caſſel: „Einige Siegel— 
Abdrücke der Stadt Caſſel, und photographiſche Abbildung 
des kurfürſtl. heſſiſchen Wappens.“ 

Von der Herm. Manz'ſchen Hofkunſthandlung zu München: 
„Welche ſollen des neuen Deutſchen Reiches Farben und 
Flaggen ſein? München, 1871.“ 

) Von der Buchhandl. der Hrn. Mitſcher u. Röſtell hierſelbſt: 
a) „Herald. Bücherverzeichniß v. J. A. Stargardt. Nr. 47.“ 
b) „Verzeichniß der wiſſenſchaftl. Sammlungen des Rent⸗ 

amtmann Preusker in Groſſenhain.“ 

10) Von Hrn. H. Walte in Hannover: deſſen „Verzeichniß 
verkäuflicher Siegelabdrücke, nebſt Nachtrag.“ 

Von Hrn. Frhrn. v. Reitzenſtein zu Mühlhauſen: acht 
Exemplare des Aufſatzes: „die Waldboten von Zwernitz, 
von Herm. Frhrn. v. Reitzenſtein, zum Austauſch. 

Von Hrn. Lieut. Gritzner: a) „Preußiſches Adelsarchiv, 
1820.“ b) „Adelsbuch des Großherzogth. Baden, von F. 
Caſt.“ c) „Armorial universel, von L. Curmer.“ 

13) Vom hiſtoriſchen Verein der Oberpfalz und Regensburg: 

„Verhandlungen deſſelben; Stadtamhof, 1871.“ 

Vom hiſtoriſchen Verein für Steiermark: a) „Mitthei⸗ 

lungen deſſelben; 18. Heft.“ b. „Beiträge zur Kunde 

ſteiermärkiſcher Geſchichtsquellen. Graz, 1870.“ 

15) Von der Schleſiſchen Geſellſchaft für vaterländ. Cultur 
zu Breslau: 

a) „47. Jahresbericht. Breslau, 1870.“ 
b) „Abhandlungen derf., philoſ.-hiſt. Abthl. 1870.“ 
c) „Desgl. Abthl. f. Naturwiſſenſch. u. Medicin. 1888. 
Vom German. Muſeum in Nürnberg: „Nr. 7— 15 des 
Anzeigers f. Kunde der deutſchen Vorzeit, Jahrg. 1870.“ 
Nr. 13 bis 16 im Austauſch gegen den „Deutſchen Herold.“ 
Gegen 9 Uhr wurde die Sitzung geſchloſſen. 
Zur Beglaubigung: 
F. Warnecke. 


14 


Ueber das Wappen der Stadt Altenberg 
im ſächſ. Erz⸗Gebirge, und das des ehemaligen 


Fleckens Altenberg in der Preuß. Provinz 
Schleſien, Regierungs-Bezirk Liegnitz Kreis 
Schönau. 


In dem Wappenbuche der ſchleſiſchen Städte und Städtel 
welches Herr Freiherr von Saurma, Jeltſch (Berlin 1870) her⸗ 
ausgegeben, wird ein Wappen des früheren Fleckens Altenberg, 
jetzt Dorf in Schleſien, geliefert, welches in einem Schilde, 
halb geſpalten und getheilt, oben rechts einen Biſchof 
in verkürzter Figur, links einen kampfbereiten Löwen, in der 
untern Schildeshälfte einen mit Schlägel und Eiſen arbeiten⸗ 
den Bergmann zeigt, und die Umſchrift hat: „Sigil der 
freien Bergſtadt auf dem Altenberge.“ Der Herr 
Verfaſſer erklärt den Biſchof für den heiligen Nicolaus, und 
den Löwen für den böhmiſchen, und beſtimmt hiernach die Farben. 


| 


vor der Zeit des IOjährigen Krieges ganz ſtädtiſche Einridtun- 
gen erhalten und im J. 1661 einem Herrn Conrad v. Sack und 
Damsdorf pfandweiſe gehört hätte, welcher in dieſem Ithre 
das ebenbeſchriebene Gerichts ſiegel habe anfertigen laſſer. 

Nachdem dies geſchrieben und gedruckt geweſen, hat der 
Herr Verfaſſer das erſte Heft der „Mittheilungen des Vereins 
für Münz⸗ Wappen⸗ und Siegel-Kunde zu Dres den“ v J. 
1869 zu Geſicht bekommen und darin das Wappen der Stadt 
Altenberg im ſächſ. Erzgebirge nach alten Abdrücken be— 
ſchrieben und abgebildet gefunden, welches bis auf einige unbe- 
deutende Abweichungen ganz mit dem vom ſchleſiſchen Altenberg 
gebrauchten übereinſtimmt. Dieſe Wahrnehmung veranlaßt nun 
den Herrn Verfaſſer Seite 395 ſ. Werkes einen Zuſaß zu 
jener Beſchreibung zu liefern, und an die Spitze derſelben die 
Behauptung zu ſtellen, ja ſogar als Thatſache anzunehnen, 
daß das Wappen des ehemaligen ſchleſiſchen Städ— 
tels Altenberg friſchweg von der meißniſhen 
Stadt Altenberg im Erzgebirge annectirt worden 
ſei. Derſelbe ſucht dies Vorkommniß damit zu erklären, daß 
ein Siegelſammler einen Abdruck des Siegels des ſchleſiſchen 
Städtels erlangt, und, weil inzwiſchen das ſchleſiſche Altenberg 
aus der Reihe der Städte verſchwunden geweſen, daſſelbe als 
das der fühl. Stadt angehörige rubrieirt, ferner wie einmal, 
etwa in Folge eines Brandes, die ſächſiſche Stadt Aten⸗ 
berg ihr Siegel verloren und ein neues zu fertigen nöthig 
gehabt hätte, auf die Autorität jenes Sammlers hin, das 
Wappen des ſchleſiſchen Städtchens nach Meißen verpflanzt 
ſei. Es habe ſich ſodann ſchnell ein Chroniſt gefunden, 
welcher nähere Data an der Hand gehabt, ſogar das merk— 
würdige, daß der böhmiſche Löwe weiß und roth quer getheilt 
im blauen Felde ſei, wobei ihm vielleicht das Wappen der 
meißniſchen Familie v. Schönberg vorgeſchwebt haben möge. 

Schwerlich, meint ſchließlich der Herr Verfaſſer, dürfte der 
Grundherr und die jetzige Gemeinde von Altenberg im Kreiſe 
Schönau gegen den fernern Gebrauch des Wappens Proteſt 
einlegen, obſchon ſie aus den noch exiſtirenden 
Schöppenbüchern ihres Orts ihr alleiniges Eigen— 
thumsrecht zu beweiſen ſehr wohl im Stande ſei— 
en, nur müßte es an dieſem Orte conſtatirt wer: 
den, in welcher Weiſe zuweilen Wappen gemacht 
werden. 

Als Verfaſſer der Beſchreibung der Wappen in den an⸗ 
gef. Vereinsmittheilungen mußte ſich der Einſender dieſes ſo⸗ 
wohl durch das Vorkommen einer und derſelben Darſtellung 
auf dem Siegel zweier gleichnamigen fo weit auseinanderlie- 
gender Orte, als auch durch die eben kürzlich wiedergegebenen Be— 
merkungen über eine Annection des Wappens der ſchleſiſchen 
Stadt von einer meißniſchen veranlaßt fühlen, über Zeit und 
Grund weitere Nachforſchungen anzuſtellen. 

Das Ergebniß derſelben iſt jedoch dahin ausgefallen, 
daß die Annahmen des Herrn Freiherrn von Saurma Jeltſch, 
ſowie die daraus gezogenen Folgerungen, als irrige zu be⸗ 
zeichnen ſind. 

Es hängt alles von der Frage ab: wann und von wel⸗ 
chem der beiden Orte erſcheint das fragliche Siegel zuerſt im 
Gebrauche? 5 

Der Einſender hat in dem Auſſatze jener Vereinsmit⸗ 
theilungen zwar berührt, daß die Abbildung nach einem Ab⸗ 
drucke des älteſten Siegels der Stadt Altenberg im Königlichen 


Sodann berichtet derſelbe, daß das frühere Dorf kurz Hauptſtaatsarchive zu Dresden geliefert worden ſei, jedoch un⸗ 


| 
| 
| 


terlaſſen, die Zeit zu conſtatiren, zu welcher Abdrücke 
dieſes Stempels an Urkunden vorkommen. Es erſchien dies für 
dortige kurze Notizen nicht gerade erforderlich, hätte jedoch, 
wenn es geſchehen wäre, Herrn Freiherrn von Saurma-Zeltich 
vielleicht von der Folgerung abhalten können, daß dies Wappen nach 


einem Siegelabdrucke aus dem 17. Jahrhundert gezeichnet wor⸗ 


den wäre. 

Obwohl nun, wie auch ſchon in jenem Vereinshefte S. 
S gejagt ift, Altenberg im ſächſ. Erzgebirge bereits unter Kur— 
fürſt Friedrich dem Sanftmüthigen (1428 — 1464) ſtädtiſche 


Gerechtſame erhalten hat, fo iſt doch im Kgl. Sächſ. Staats: | 


archive zu Dresden erſt an einer Urkunde aus dem J. 1544 
ein Abdruck des Siegels der Stadt anzutreffen. Derſelbe 
hängt noch wohlerhalten an einem Schreiben des „Raths auf 
dem Altenberge,“ in Gemein ſchaft mit dem daſigen Berg⸗ 
meiſter Werner von Neſſa in Bergwerks⸗Angelegenheiten an 
den Kurfürſten Johann Friedrich gerichtet, Mittwochs nach 
Judika (den 2. April), in gleichem an einem Montags nach 
Thomä deſſelben Jahres (den 22. December) von „Richter 
vnd Scheppen ufm Aldenberg“ vollzogenen Schrei— 
ben an denſelben Fürſten. 

Dieſer Stempel führt die in jenen Vereinsmittheilungen 
S. 9. ſchon erwähnten Umſchrift: „S. der freien Bergſtat 
aufm Aldenberge.“ Betrachtet man den Abdruck genauer, ſo 
findet man auch Beweiſe genug, daß der Stempel dazu im 
Anfange des 16. Jahrhunderts angefertigt worden iſt. Es 
iſt nämlich die Schriftgattung jener Umſchrift zwar ſchon die 
um jene Zeit an die Stelle der jogen. neugothiſchen Majuskel 
getretene lateiniſche Lapidarſchrift, allein ſie iſt noch nicht ſo 
ſteif und überall geradlinig, wie ſpäter im 17. Jahrhundert. 
Der Schild ferner, auf welchem die Darſtellung eingravirt iſt, 
hat eine Form, ausgeſchnittene Seiten und umgebogene Rän⸗ 
der, welche man den heraldiſchen Schilden damals gern gab. 
Endlich find die Figuren alle ſehr ſauber und forgfültig gras 
virt und heraldiſch richtig (namentlich der Lowe) ſtiliſtrt. 
Der Biſchof hält drei Brode in der linken Hand, und ſteht 
in voller Figur auf einem Fußboden. 

Einer ſpätern Zeit gehört ein anderer Stempel an, der 
dieſelben Darſtellungen zeigt, jedoch nicht ſo ſorgfältig wie jener 
gravirt iſt. Man ſieht aber, daß dem Stecher ein Abdruck 
jenes zum Vorbilde gedient hat, denn Durchmeſſer der Siegel⸗ 
fläche und der Schild iſt ganz von derſelben Größe; man könnte 
ſie für Abdrücke eines und deſſelben Stempels halten, wenn 
nicht die Umſchrift eines Anderen belehrte, ſie iſt nämlich nicht 
nur nicht ſo ſauber, wie jene, ſondern unterſcheidet ſich auch 
weſentlich ſowohl durch den orthographiſchen Schnitzer FREUEN 
ſtatt FREIEN, als auch durch die Schreibweiſe STADT 
und ALTEN ſtatt STAT und ALDEN von der jenes 
älteren Stempels, und bekundet dadurch zugleich ihren jün— 
geren Urſprung. Nach einem Abdrucke dieſes, nicht des ältern, 
iſt aus Verſehen die Abbildung in jenen Vereinsmittheilungen 

Nr. 2 der Taf. photographirt worden. 

Höchſtwahrſcheinlich iſt dies derjenige Stempel, den die 

Stadt ſtechen ließ, als im J. 1615 der älteſte ſilberne durch 

Brand unbrauchbar geworden war, und vom Stadtrathe dem Stecher 
ein Abdruck des letzteren vorgelegt worden. Er kommt auch 
an zahlreichen Aktenſtücken ſeit dem Anfange des 17. Jahrhun⸗ 
derts vor. 

Verdrängt wurde derſelbe von dem in jenen Mittheilungen 


getadelten neuen, welcher angefertigt werden mußte, als bei (laſſen. 


55 


— —H——ũ—— — 1lb k ———⁵' 2 — 


dem Brande der Stadt im J. 18. . jener aus dem 17. Jahrh. 
vernichtet worden war. 

Die Annahme einer andern Darſtellung auf den Stempeln 
hat mie ſtattgefunden; von den älteſten Zeiten bis auf die 
jetzige findet man nur eine und dieſelbe, leider nur mit der 
verhunzten Biſchofsgeſtalt auf dem heutigen Stempel. 

Wenn nun Herr Freiherr von Saurma Jeltſch berichtet, 


daß erſt im J. 1661 der Gerichtsherr des ſchleſiſchen Fleckens 
Altenberg das in ſ. Wappenwerke S. 1 abgebildete Siegel 


als Gerichtsſiegel habe ſtechen laſſen, alſo zu einer Zeit, wo 
das erzgebirgiſche Altenberg ſein beſchriebenes Wappen bereits 
länger als ganzes Jahrhundert, wie eben nachgewieſen worden, 
geführt hatte, ſo muß man zu einer ganz andern Schlußfol⸗ 
gerung gelangen, als Herr Freiherr von Saurma.Jeltſch, näm⸗ 
lich der, daß das umgekehrte Verhältniß ſtattgefunden, daß 
nämlich nicht das ſäch ſiſche Altenberg, ſondern das ſchle⸗ 
90 55 friſchweg das Wappen der ſächſiſchen Stadt annectirt 
habe. 

Ueber den Hergang laſſen ſich nur Vermuthungen auf⸗ 
ſtellen. Es iſt aber weit wahrſcheinlicher, daß der Herr von 
Sack, als er im Jahre 1661 daran dachte, ſeinem Flecken ein 
Siegel zu geben, von irgend einem Sammler oder durch Zu⸗ 
fall den Abdruck eines Siegels der gleichnamigen ſächſiſchen 
Stadt Altenberg in die Hände bekam, und es aus ſehr nahe⸗ 
liegenden Gründen ſehr paſſend fand, daſſelbe für ſeinen Flecken 
anzunehmen. Es paßte nämlich die Darſtellung des Biſchofs 
Nicolaus, der ein ſehr beliebter Kirchenpatron war, wie die 
vielen Nicolaikirchen durch ganz Deutſchland bekunden, viel: 
leicht zufällig für jenen Ort, ferner ließ ſich der Löwe, da er. 
ohne Angabe der Tinctur, ebenſogut der böhmiſche wie der 
meißniſche ſein kann, dorthin verpflanzen, und endlich eignete 
ſich die Darſtellung eines vor Ort arbeitenden Bergknappen 
ganz vortrefflich für einen Ort, wo Bergbau betrieben wird. 

Ferner iſt zu berückſichtigen, daß die Siegel der ſächſt⸗ 
ſchen Stadt Altenberg nie den Biſchof in weniger als ganzer 
Geſtalt darſtellen, und die Umſchriften jener niemals ſo lauten, 
wie die der Siegel des ſchleſiſchen Städtchens. 


Man muß dahin geſtellt ſein laſſen, ob die Farben, die 
der in den Vereinsmittheilungen angeführte Verfaſſer der Alten- 
berger Chronik, Meißner, S. 63 für den Löwenſchild angiebt, 
die richtigen ſind. Wahrſcheinlich hat man auf dem älteſten 
Stempel den böhmiſchen Löwen darſtellen wollen, ihn aber nur 
unrichtig tingirt, denn die Herrſchaft Bärenſtein, auf deren 
Grund und Boden das ſächſiſche Altenberg angelegt wurde, 
war ein böhmiſches Kronlehn der Markgrafen von Meißen, und 
das Vorkommen des böhmiſchen Löwen in den Siegeln meiß⸗ 
niſcher Städte iſt deshalb nichts Auffälliges, weil verſchiedene 
Herrſchaften im Markgrafthum Meißen bei der Krone Böhmen 
zu zehn gingen. 

Herr Freiherr von Saurma⸗Jeltſch ſcheint anzunehmen, 
daß Altenberg in Sachſen nach dem oben erwähnten Brande 
im Jahre 1615 in Verlegenheit um ein Stadtwappen ge⸗ 
rathen ſei und ſich durch Annahme des des ſchleſiſchen Städtchens 
geholfen habe; allein jener Brand machte nur das älteſte Siegel 
unbrauchbar, und alle Abdrücke vor und nach 1615 zeigen, 
wie ſchon oben angegeben, dieſelbe Darſtellung; Beweis alſo, 
daß man das frühere Wappen nicht mit einem andern ver⸗ 
tauſcht, ſondern nach Abdrücken des alten neu hat ſtechen 


56 


Eine Annexion des Wappens von Schleſiſch-Altenberg 
Seiten des meißniſchen Altenberg müßte daher ſchon vor dem 
Jahre 1544 ſtattgefunden haben, woran aber gar ſehr zu zwei— 
feln iſt, weil nach den Angaben des Herrn Freiherrn von 
Saurma⸗Jeltſch der von ihm abgebildete Stempel des ſchleſi⸗ 
ſchen Altenberg erſt im Jahre 1661 entſtanden iſt. 

Uebrigens erſcheint es auch eigenthümlich, daß die Schöppen 
dieſes Orts oder der Gerichtsverwalter ſich eines Siegels be— 
dient haben ſollten, worauf klar und deutlich ſteht, daß es nicht 
des Gerichts, ſondern der Bergſtadt, der Stadtgemeinde Siegel 
ſei. Herr Freiherr von Saurma⸗Jeltſch führt in ſeinem Werke 
eine Anzahl alter wie neuer Schöppen- und Gerichtsſiegel vor, 
auf denen ſtets die Aufſchrift dahin lautet, daß dies das 
Schöppen⸗ oder Gerichtsſiegel ſei; man kann daher kaum 
glauben daß dieſem auch anderwärts ſtattfindenden Gebrauche 
zuwider der Gerichtsherr ſelbſt noch im J. 1661 ein Siegel 
für das Gericht habe ſtechen laſſen, welches nicht als Gerichts— 
ſondern als Stadt⸗Siegel bezeichnet wird. 

Herr Freiherr von Saurma-⸗Jeltſch ſagt ferner, daß ſich 
Abdrücke des abgebildeten Siegels erhalten hätten und nach 
dieſem die Abbildung gemacht worden ſei. Es iſt aber hier 
von großer Bedeutung zu wiſſen, ob dieſe Abdrücke an Schriften 
hängen, welche Magiſtrat oder Gericht des ſchleſiſchen Ortes 
ausgeſtellt hat. Denn iſt dies nicht der Fall, ſondern iſt der 


Abdruck aus einer Sammlung entlehnt, ſo iſt es gar nicht 
unwahrſcheinlich, daß er von einem ſpäteren Stempel der ſäch⸗ 
ſiſchen Stadt Altenberg herrühre, der dem Einſender bis jetzt 
unbekannt geblieben iſt, woraus wieder folgen würde, daß für 


das ſchle ſiſche Altenberg gar kein Siegel exiſtire. 

Endlich dürfte der Umſtand, daß das ſächſiſche Altenberg 
von den älteſten bis auf die neueſten Zeiten auf allen be⸗ 
kannten Stempeln den heiligen Nicolaus ſtets in ganzer Figur 
auf einem Fußboden ſtehend hat darſtellen laſſen, während das 
Siegel von ſchleſiſch Altenberg denſelben Heiligen nur in 2 
oder ſehr gedrückter Figur zeigt, dafür ſprechen, daß 
letzteres eine Nachahmung des Siegels der ſächſiſchen Stadt ſei. 

Wenn nun Herr Freiherr von Saurma⸗Jeltſch am Schluſſe 
ſeines Aufſatzes noch ſagt, daß ſchleſiſch Altenberg aus den 
noch vorhandenen Schöppenbüchern ſein alleiniges Eigenthums⸗ 
recht an jenem Wappen zu beweiſen im Stande ſei, ſo fragt 
es ſich, ob dieſe Schöppenbücher über das Jahr 1661 zurück⸗ 
gehen; und iſt dies der Fall, ſo wäre zu wünſchen, daß Herr 
Freiherr von Saurma⸗Jeltſch aus den angezogenen Büchern 
nachweiſe, von welchem Jahre ab der Gebrauch des abgebil— 
deten Gerichtsſiegels begonnen habe. Dadurch wird die Prio- 
rität des Beſitzers documentirt und folglich auch die Frage 
entſchieden werden, auf Seiten welcher Stadt die Aneignung 
eines fremden Siegels ftattgefunden habe. 

Dem Einſender iſt es jedoch in Erwägung des Umſtandes, 
daß ſchle ſiſch Altenberg kurz vor dem dreißigjährigen Kriege, 
alſo etwa 1610—18, ſtädtiſche Einrichtungen erhalten hat, 
alſo von da an auch erſt ſich Stadt nennen und ein Siegel führen 
durfte, während das ſächſiſche Altenberg über hundert Jahre 
früher Stadt wurde und ſchon im Jahre 1544 das von ihm 
abgebildete Siegel führte — nicht zweifelhaft, daß der Vor⸗ 
wurf der Annexion auf das ſchleſi ſche Altenberg zurückfalle, 
wenn es wirklich das im ſchleſiſchen Städtewappenbuche abge⸗ 
bildete Siegel geführt hat. 

Dresden. G. 


„ .. ·1¹ꝛ]11 —ͤ 


Bayreuth.) 


Tandeshoheiten. 


Verzeichniß derjenigen Familienhäupter des Reichsadels, welche 
bei Auflöſung des alten Deutſchen Reichs über die hier ge— 
nannten Territorien Landeshoheit beſaßen, ohne wegen derſelben 
Reichsſtände zu fein, und welche weder zu Nebenzweigen reichs— 
ſtändiſcher Häuſer noch zur freien Reichsritterſchaft in Franken 

Schwaben und am Rbein wegen derſelben gehörten. 

1) Der Herr von Arienſchwang wegen der Herrſchaft 
Arienſchwang zu der vorderen Grafſchaft Sponheim im ober- 
rheiniſchen Kreiſe. 

2) Der Graf Bentink wegen der Herrlichkeit Knyphauſen, 
Oſtfriesland. 

3) Der Herr v. Blauche wegen der Herrſchaft Schönau, 
Herzogthum Jülich. 

4) Der Reichs-Freiherr von dem Bongard wegen der 
Herrſchaft Richold, Herzogthum Limburg. 

5) Der Reichs⸗Freiherr von Galen wegen Antheil an 
Dörfern Hauſen und Kettenbach, im Oberrheinkreiſe. 

6) Der Reichs⸗Graf v. Goltſtein wegen Herrſchaft Schle⸗ 
nacken im weſtphäliſchen Kreiſe. 

7) Der Reichs⸗Freiherr Grote wegen des freien Gerichts 
und Guts Schauen, im niederſächſ. Kreiſe. 

8) Der Reichsgraf v. Hillesheim wegen Antheil an Herr- 
ſchaft Reipoltskirchen. 

9) Der Reichs⸗Freiherr von Mylendonk wegen Herrlich 
keit Hörſtgen bei Mörs, weſtphäliſcher Kreis. 

10) Der Reichs⸗Graf von Neipperg wegen Antheilen in 
Bebenhauſen, Kreis Schwaben. 

11) Der Reichs-Freiherr v. Reitzenſtein zur Reuth wegen 
der ehemals Sparnekiſchen Reichslehn zu Markt Redwitz, Dörf⸗ 
las und Bernſtein, Oberpfalz. 

12) Der Reichs-Freiherr von Sickingen wegen der Herr⸗ 
ſchaft Ebernburg zur vorderen Grafſchaft Sponheim im Ober— 
rheiniſchen Kreiſe. 

13) Der Reichs-Freiherr von Wachtendonk wegen der 

Herrſchaft Wylern, Herzogthum Limburg. 
14) Der Reichs⸗Graf Waldbot v. Baſſenheim wegen der 
Herrſchaft Olbrück im oberrheiniſchen Kreiſe, der Herrſchaften 
Reiffenberg und Kranzberg ebenda und der Herrſchaft Pir- 
mont in der Eifel. 

15) Der Reichs-Freiherr Waldbot von Bornheim wegen 
der Herrſchaft Olbrück a. a. O. 

16) Der Reichs⸗Graf von Walderdorf wegen Herrſchaft 
Molsberg zu der Grafſchaft Nieder-Iſenburg im kurrheiniſchen 
Kreiſe. 

17) Der Reichs⸗Graf v. Wartenberg wegen der Graf— 
ſchaft Wartenberg im oberrheiniſchen Kreiſe. 

18) der Marquis von Weſterlo aus dem Hauſe Merode 
wegen der Herrſchaft Stein in dem Burgunder Kreis. 

Bemerkung. Der Reichsgraf v. Wartemberg war 1738 
aus dem Wetterauſchen Grafencollegium ausgeſchloſſen, der 
Reichsgraf von Neipperg war Perſonaliſt bei der ſchwäb. 
Grafenbank und der Reichs⸗Graf von Sickingen⸗Hohenburg 
war den 7. Juni 1791 ebenfalls als Perſonaliſt bei der ſchwäb. 


Grafenbank eingeführt. 


(von Lancizolle, Ueberſicht der deutſchen Reichsſtand⸗ 
ſchafts⸗ und Territorialverhältniſſe; Acten des Reichshofraths zu 
Wien, und Hänlein und Kretzſch mann Archiv für Anſpach und 


C. Chl. Frhr. v. R. 


14 
1 
1 


. 


M a Ei ee (Fortſetzung.) 


Jahr Datum . Tan Inhalt Di 
u. Sabt Nn 5 Be 
des Diploms. Publi. Diploms. RR 
1705 |10. Febr. Heſſig an. A. | Joh. Heinrich, K. Pr. 
Kammerrath. 

„ 2. März Raab. A. Gottfried R., Clev.-Märk. 
(nicht Reg.⸗ und Amts⸗Kam⸗ 
703 merrath. 

„ 112, März Linger. A. Chriſtian L., Major der 

Artillerie nebſt Gattin 
Cath. Eliſabeth Gröwen. 

Juli Ougier. A. Benjamin O., Sekr., 

ö Greffier und Archivar 
in Neufchätel. 

Juli Boyen. A. Joh. S. B., k. Poln. 

Oberſtwachtmeiſter, Ra⸗ 
phael B., Fähnrich bei 
den Generalſtaaten, 
Andreas, Studioſus, u. 
Fr. Wilh, Lieutenant, 
Gebrüder und Vettern 
v. B. 
„ 11. Dez. Eyff. (Eiff.) A. Artillerie -Capitain 
Eiff. 
2 
1 15. Dez. Ulrich von Ulrici. an. A. Joh. Warmund Ulrich 
v. U., Concipiſten b. 
Amt zu Glatz. 
17061. Febr. Mienta. A. | Fabian M., Sekr. des 
K. v. Polen. 
„ 22.Sept. Weiß v. Weiß. ren. A. Michael W., Ritterguts⸗ 
beſitzer eines Cölmer 
Gutes in Oſtpreußen. 
„Ort. Broitzem. an. A. Andr. Ulrich v. B., 
Rittmeiſter. 
„ 17. Nov. Poſadowski. (v. an. Frh.] Hans Ernſt Frh. P. v. 
Poſtelwitz.) P. (laut Notif. an die 
Lehnskanzlei.) 
„ 4. Dez. Schlabrendorf. an. Frh.] Otto v. S., Generals 
8 Lieut. und Commandant 
von Cüſtrin. 
1707 18. Jan. Weſtdorf. A Joh. Weſtarpff, k. preuß. 
nicht Kriegskommiſſär als 
beſt. „v. Weſtdorf.“ 
* Luck. A. Daniel L., kgl. Kam⸗ 
merdiener. 
24. Juni Mienta. A. Anton Ciprian M., 


Bruder des I. 2. 1706 
nobil. v. M. 


Wappen. 


Köhne III. 48. 


Köhne IV. 26. 


Köhne III. 86. 
Köhne IV. 15. 


Köhne II. 89. 


(gev. mit 


93.) 


Köhne III. 13. 


Köhne IV. 3. 


Köhne IV. 88. 


Grote D. 4. 


Köhne II. 53. 


Köhne Il. 61. 


Köhne IV. 90. 


Köhne III. 96. 


Köhne IV. 3. 


Bemerkungen. 


R. A. d. d. 1. Aug. 1699 für 
ihn und ſeine Brüder. 


Derſ. erhielt d. d. 24. 1. 1732 
als Gen.⸗Major auch den R. A. 
Ein Renov. Dipl. vgl. 3. 12. 
1787. 
Die Nobilitirungs⸗Ordre iſt 
vom 11. 7. 1711; das Diplom 
alſo 6, nicht 2 Jahre vor— 


datirt(!) 
Vgl. 18. J. 1701 und 1. 8. 
1672. 


Das Diplom für denſelben 

wurde ihm indeſſen erſt als 

Major der Artillerie d. d. 11. 
Dez. 1716 zugefertigt. 


R. A db. d 21208 für 
denſelben mit „v. Ulrici.“ 


Vgl. 24. 6. 1707. 


Der Großvater deſſelben wan- 
derte aus Böhmen, wo er an⸗ 
geſeſſen war, a. 1632 nach 
Oſtpreußen aus. 


Böhm. Frh. mit „v. Poſtel⸗ 
witz“ d. d. 26. 5. 1705 für 
denſelben. 


P ih dend eie, 1097 


für denſelben, vgl. 17. 11. 1772 
und 15. 10. 1786. 


Vgl. I. 2. 1706. 


Die einfachſten Wappen:) 
1) einfarbige ohne Bild: (Es ſind dieſe faſt durch⸗ 
weg entweder von längſt ausgeſtorbenen Familien geführt, oder 
durch Wappen⸗Vermehrung verändert worden:) 


a) ein ſilbernes glattes Schild führte: 
Boothby, England; (vermehrt durch ein kleines ſchwarzes 
Eckſchild mit einer Löwentatze belegt.) 
Bocquet, Normandie. 
Bielsky, (d. polnische Wappen Zgraia.) 
de Lacarre, Spanien. (Alliance Mit Bearn.) 
Gourlez, Frankreich; (von denen die Grafen de la 
Motte ſtammen.) 
(mit rothem Schild-Rand: du Lac de Montledier, 
Languedoc, und Sernay, Lothringen.) 
b) ein goldenes glattes Schild: 
Bandinelli, Kirchenſtaat. 
Puy-Paulin, 
Paernon, 
Bordeaux, 
Bise, 
v. Lahr, Rheinl. 
v. Roſenſtein, 
Meues es, 
Magorg 
ee Portugal. 
(mit rothem Schildrand: 
c) ein blaues glattes Schild: 
Barge, Lothringen. 
Mai ent hal, Schweiz. 
d) ein ſchwarzes glattes Schild: 
G Our nay Norm., (Graf Go urnay; Vall.) 
Desg abets, (des Gabets) d’Ombale. 
de-France. 
e) ein rothes glattes Schild 
d’Albret. Gascogne. (d' AIbret-Orval — 
das Schild mit einer ſilbernen ausgeſchweiften Ein⸗ 
faſſung — bordure engrelee.) 
Cte Narbonne-Lara, \ Frankreich, von denen die v. 
Pelet-Narbonne, N Pelet in Preußen ſtammen. 
du Vivier, Languedoc. 
Graf v. Herrten fein, (S. Siebm.) 
Ximenez, Navarra. 
Canizares, 
Bourdeaux-Reipaulin, 
du Disquay, Bretagne. 
Rubei, Toscana. 
Rossi, Florenz. 
Mardick, Stadt in Flandern. 
f) ein grünes glattes Schild: 
= 19 5 5 Frankreich. 
g) ein orange 05 glattes Schild: 
No& de Guitaud, Languedoc. 


*) Obwohl der Deutſche Herold“ die Stoffe ſeiner Abhand⸗ 
lungen möglichſt nur der deutſchen Heraldik zu entnehmen beſtrebt 
iſt, ſo ſchien hier doch eine Ausnahme erlaubt, da die Beiſpiele ſo 
ganz einfacher Wappen in Deutſchland äußerſt ſelten ſind, obige 
von dem auch in der außerdeutſchen Heraldik ſehr ea een Herrn 
Verfaſſer gemachte Zuſammenſtellung aber gewiß manchem Wappen⸗ 
ſammler intereſſant ſein dürfte. 


Frankreich. 
(S. Siebm.) 


Schweiz, (S. Siebm.) 


Spanien. 


Pierrefort; Auv. Prov.) 


Jle- 


Spanien. 


5 


h) ein graues (?) glattes Schild 
Pardos, Spanten. 

i) ein Hermelin⸗Schild: 
duc de Bretagne. 

Le Bret, Bretagne. 
Coigne, Tour. 

Quinso u, Jsle-de-France. 
Favin, 

Ste Hermine, 
Paris-Boisrouvray, 

v. Wolckensdorf, (vermehrt — ſ. Siebm.) 
Hoyos, Spanten, (Stammwappen der Grafen v. H. 
Sprintzenſtein.) 

k) Gegen⸗Hermelin: (contre-Hermine,) d. 

Felde weiße Hermelinſpitzen.) 

Laval, Normandie. 
Maublanc, 
Roux, 

J) Hermelin mit rothem Schild-Rand: 
Bretagne, Comte de Rougemont, 
Lamballe i 
Limoges, 

A nlezy-Ch., 

Beilleul, 

Barnevall victe Kingsland, England, (ausge- 
ſchweifter Rand.) 

m) einfarbiges Schild — mit freiſtehendem Rand (orle.) 
Sinderen, (ſilber⸗roth. Helmz.: Kopf und Hals eines 

Bockes. (S. Siebm.) 

(Zundereu, Brabant, dgl.) 

Essex v. Bewcot, + England (dgl.) 

de Charlot, Pic. (ſilb.⸗blau.) 

Bertram Lord Bothall, + (gold⸗blau.) 

Cornu, Fr. (totheftlber.) 

Beauc.mp, Belg. (dgl.) 

Baliol, Engl. (dgl.) Helmz.: 

v. Randow, Pom. (dgl.) Helmz.: 

3 Pfauenfedern. 

mit zuſammengeſetztem Rand (bordure 

componee.) 

Iriberri, Spanien (gold — blau gold — 20 Theile.) 

o) einfarb. Schild mit belegtem Rand: 

Cannizares, Span. (roth —roth— 8 — goldene Anz 
dreaskreuzchen-flauchir.) 
Valles, Span. (blau-ſilber; 8 rothe Roſen. quinte- 
feuilles.) Bois- Dauphin, Frankr. (blau⸗ſchwarzer 
Rand m. b kleinen en 


Frankreich. 


i. im ſchwarzen 


Frankr. 


Frankr. 


2 Monde. 
2 Fähnchen zwiſchen 


n) einfarb. Schild 


H. v. L. 


Deutſche Städtewappen. 


(Fortſ. aus Nr. 3.) 


14) La uwenſtad. Im von R. und G. getheilten 
Schilde ein g. Löwenkopf en face mit ausgeſchla— 
gener r. Zunge. 

Unter dem Jahre 1156 erzählt Botho, wie nach dem Brande 
von Lübeck die Kaufleute daſelbſt Heinrich den Löwen um ſeine 
Beihülfe zum Wiederaufbau baten; da ſeinem Anſuchen bei 
Graf Adolf zu Holſtein um Abtretung der Stadt nicht ge— 


39 


willfahrtet wurde, baute ihnen der Herzog nicht fern von Lü— 
beck eine Stadt, „und leyt de stad heten na synem na- 
men de lauwenstad vnde gaff ön eyn gulden leopar 
kopp to eynem wapen.“ Als aber ſpäter Graf Adolf zu 
Holſtein dem Herzoge Lübeck zu Eigen gab, baten die Kauf— 
leute, die alte Stätte wieder aufbauen zu dürfen; der Herzog 
erlaubte das, und der Bau der Lauwenſtadt unterblieb. Siegel 
exiſtiren natürlich nicht. 

15) Lübke (Lübeck.) Zwei Schilde cd 
vorn in R. das ſogenannte w. Neſſelblatt des Her— 
zogthums Holſtein, hinten in G. der zweiköpfige 
Reichsadler, auf der Bruſt belegt mit einem von 
w. und r. getheilten Herzſchilde. Letzteren Schild führt 
die freie Reichsſtadt Lübeck noch jetzt als Wappen. 

Als eigentliches Stadtwappen iſt der getheilte Herzſchild 
zu betrachten; wir finden daſſelbe bereits auf dem älteſten (2) 
Siegel; a) daſſelbe zeigt (in ſehr erhabener Arbeit kräftig ge— 
ſchnitten) ein auf Wellen ſchwimmendes, am Kiel wie am 
Steuerende in Thierköpfe endigendes Boot, in welchem beider— 
ſeits des Maſtes, von dem 6 Taue herabhängen, zwei Schiffer 
zugewendet ſitzen, von denen der zur Rechten ohne Kopfbedeckung 
die rechte Hand emporſtreckt, und ſich mit der Linken am 
Taue hält, während der andere (eine Gugel auf dem Haupt) 
mit beiden Händen das Ruder in die Wellen ſtößt. Die 
Flagge am Maſt iſt quergetheilt.“) Die Umſchrift (ver- 
zierte Majuskel) lautet: „Sigillum burgensium de lube- 
ke“ 1396. — 

b) Das Secret (1274, 
Kaiſer ſitzend mit Scepter und Reicksapfelz 
cretum burgensium de lubeke.“ 

c) „Signetum civitatis lubecae.“ Im Siegel der 
Doppeladler mit dem Bruſtſchilde; zwiſchen den Köpfen der 
Reichsapfel. 17. Jahrh. 

d) „Sigillum civitatis lubicae.“ Ebenſo, doch fehlt der 
Reichsapfel. (1652. 

e) Sigillan reipublicae lubecensis. „desgl. (18. Jahrh.) 

16) Luneborch— (Lüneburg.) In R. eine mit 
Schießſcharten und drei gezinnten, darüber blau— 
ſpitzbedachten Thürmen verſehene Mauer; das 
offene Thor zeigt auf g. Grund einen links auf— 
ſpringen den Löwen. 


1352) zeigt im Siegelfelde den 
Umſchrift: „se- 


Dieſelbe Zeichnung finden wir auf dem alten Hauptſiegel 


a) von welchem ein Abdruck d. a. 1396 (1535) vor⸗ 
liegt, nur mit dem Unterſchiede, daß der Löwe in einem das 
Portal ausfüllenden Schilde angebracht iſt. Umſchrift: „Si- 
gillum burgensium de civitate () luneburch.“ 

b) „Secretum. civitatis. luneborch.“ 1391. (1540.) 
Die Darſtellung ſtimmt mit der vorigen überein, der Löwe 
im Schilde unter dem Portal iſt rechtsgekehrt. 
(Vgl. oben.) 

c) „Signetum civitatis luneborch.“ Abdruck v. J. 
1632 — der Stempel iſt jedoch älter. Ziemlich kleine Dar⸗ 
ſtellung wie sub b.) 

d) „Sigillum civitatis Lunaeburgensis.“ Im 

Schilde das geöffnete TE, den nach rechts ſpringenden 
Löwen im Schilde zeigend. Jahrh. 
e) „Niedergerichts- Siegel der Stadt Luneburg.“ 
) „Luneburg: Ger: Insiegel“ (klein.) 


) Ein ganz ähnliches Siegel, wovon eine alte Zeichnung vor⸗ 


liegt, zeigt keine Flagge, ſondern über dem Maſte ein Kreuz. 


Sitzender Löwe, in den Vorderpranken einen Halbmond (luna!) 
haltend. 17. Jahrh. 

g) „S. civit. Lunaeburg ad causas status 1740.“ 
Im Shaztkede das den älteſten Siegeln nachgebildete Thor, 
mit dem Löwen im Portal, jedoch nach rechts gewendet. 

h) „Magistrat der Stadt Lüneburg.“ Wappenſiegel. 
Schild: In R. das Stadtthor mit dem Löwen im Portal. 
Helm: gekrönt; Säule mit Pfauenwedel beſteckt, rechts von 
dem Halbmond, links von dem an ihr hinauflaufenden Löwen 
begleitet. Schildhalter zwei Löwen. 19. Jahrh. N 

17) Das nun folgende Wappen findet ſich in 
der Sachſenchronik zweimal, einmal mit der Ueber— 
ſchrift „Lutter“ Lutter am Barenberge,) das andere 
Mal mit „ZJegebarge— (Seegeberg in Holſtein) be⸗ 
zeichnet. Im w. Schilde ein über bläuliche Wellen 
linkshin ſchreitender g. Löwe. 

Leider liegen uns von Lutter gar keine, von Seegeberg 
nur wenige Siegel vor, ſo daß es uns augenblicklich nicht 
möglich iſt zu beſtimmen, ob beide Städte daſſelbe Wappen 
führten, oder ob hier ein Irrthum Botho's anzunehmen iſt. 

a) Ein leider 1 vermuthlich ein Stadtthor 


zeigender Abdruck v. J. 1351 mit der Umſchrift: „S. bor- 
gensium de segeberghe.“ 

c) „Sigillum senatus segebergen.“ Offenes, mit 
Fahnen beſtecktes Stadtthor. 17. Jahrh. 

18) Northem. Nordheim) In G. ein rothes 


Gothiſches U. Vermuthlich hat hier dem Bf. (wie 
oben bei Eimbeck, vgl. die Bemerkung in Nr. 2) 
nur eine ältere ne vorgelegen, welche, 
wenn wir nicht irren, das „U.“ zeigen. Auf den 
Siegeln finden wir den Buchſtaben nicht; wir kennen deren Folgende: 

a) „Secretum civitatis northeym.“ Vor einem drei⸗ 
bogigen, oben dreifach bethürmten Portal ein nach rechts ſchrei⸗ 
tender Leopard. Ende 14. saec. 

b) „Secretum civitatis Northeym.“ Dieſelbe Dar⸗ 


ſtellung. 16. Jahrh. 


c) „Secretum civitatis Northeimensis.“ Dieſelbe 
Darſtellung. 17. Jahrh. 
b) „Secretum civitatis Northeims.“ Desgl., mit 


einer arabiſchen 2 unter dem Bauche des Löwen. 17. Jahrh. — 

e) „Siegel der Stadt Northeim,“ — Desgl. wie 
ad 1. 18. Jahrh. 

f) „Magistrat der Stadt Northeim.“ Desgl., je⸗ 
doch das Thor in einem Halbkreis ſtehend. 19. Jahrh. — 
19) Oſenbrugke. (Osnabrück.) Im w. Schilde 
ein x. Rad mit ſieben Speichen. 

Daſſelbe Bild zeigen auch die uns bekannten Siegel, 
nämlich: 

a) „Sigillum eivitatis osnabrugensis.“ 
| felde das Rad. 14. Jahrh. 

b) „S. scabinor' nove civitatis osnab’““, Das Rad 

in einem von Ranken umgebenen Schilde. 14. Jahrh. 
c) „Stadt Osnabrück. * Im Siegelfelde das Rad zwi- 
| ſchen einem Lorbeer» und einem Eichenzweige. 18. Jahrh. 

d) „Sigillum civitatis Osnäburgensis ad causas 
1801.“ Im Siegelfelde der hl. Petrus, auf eine Säule ſich 
| ſtützend, an welche der Schild mit dem Rade gelehnt iſt. — 
| 20) Quelingborch. (Quedlinburg) Zwei gegen- 
einander gelehnte Schilde: vorn in W. ein nach 

links aufſpringender r. Hund, rechts der einköpf⸗ 


Im Siegel⸗ 


60 


ige Reichsadler in G. — Letzterer ſoll jedenfalls 
die nahen Beziehungen der deut ſchen Kaiſer zu 
dem Stifte Quedlinburg andeuten, während wir 
in dem erſteren Schilde das eigentliche Stadt⸗ 
wappen zu erblicken haben. 

Bekannt iſt die Sage von dem „Hündlein Quedel,“ welches 
der Stadt und dem Stift den Namen gegeben haben ſoll; in 
den Siegeln erſcheint es allerdings erſt ſpäter. Dieſelben ſind 
faſt alle in den Originalſtempeln erhalten, welche von dem kunſt⸗ 
ſinnigen Magiſtratsvorſtande ſorgſam aufbewahrt werden. Letz⸗ 
terem verdanken wir ſehr gelungene Abdrücke. 

a) „Sigillum. burgensium. in. quedeligeborch.“ 
Im Siegelfelde eine mit zahlreichen Fenſtern verſehene und ver— 
zierte romaniſche Stadtmauer, mit kleinem Portal; darüber 
zwiſchen zwei Thürmen mit byzantiniſchen Dächern ein Biſchof 
(wachſend, Knieſtück) in vollem Ornat mit Nimbus, in der 
Rechten den Krummſtab, in der Linken ein geſchloſſenes Buch 
haltend. Um 1300. — (Schluß folgt.) 


Zur Anfrage VII. 


„Zobel“ als mittelalterliche Bezeichnung der u Tinctur ſteht 
allerdings — wie bereits d. Red. richtig anmerkt — mit dem Fran⸗ 
zöſiſchen Worte „sable,“ d. h. ſchwarz, in Verbindung, ebenſo wie 
das altdeutſche Wort „Keln,“ welches in Blaſonirungen für „roth“ 
gebraucht wird, mit dem Franzöſiſchen „gueules“ (roth) in Bezie⸗ 
1055 ſtehen dürfte. — Vergl. übrigens auch das Ma yerfels che 


ABC.⸗Buch (1857) Seite 86. Dr. v. Querfurth. 


Anfragen. 


VIII. 

a) Was für ein Wappen führte der am 3. Febr. 1800 verſtorbene, 
aus der Altmark gebürtige K. Preuß. Generalmajor Carl Auguſt 
von Schultz, welcher d. d. 6. Juli 1798 den Preußiſchen Adel- 
ſtand erlangt hatte? 

b) Desgl. der an demſelben Tage geadelte Artillerielieutenant von 
Mattheſen (+ 14. Dez. 1833 als Oberſt)? 

c) Wo lagern die Acten über die vom König v. Sachſen als Herzog 
v. Warſchau ertheilten Standeserhöhungsdiplome, und ſind die— 
ſelben einzuſehen? 

d) Wappen der Familien v. Mia nowski und v. Poths, beide 
in Warſchau geadelt von Preußen 17. Juni 1798 

e) Desgl. v. Siegel, nob. 1. Mai 1794? 5 

f) Wappen der Familien v. Dinyſon, 24. Juni 1794; v. Mar⸗ 
tin, März 1793; Frhr. v. Mit kau, anerk. 4. Oct. 1790; v. 
Beyer, 1. Febr. 1801; v. Müller, 18. Feb. 1741; v. La⸗ 
nius, 15. Feb. 1752; v. Walter, 6. Juli 1769; v. Syburg, 
10. April 1787 geadelt; v. Dieckhoff, Diplom v. 24. Dez. 1728 

Gef. Antworten nimmt d. R. d. Bl. entgegen. 


Wo findet ſich eine „adelige niederländiſche Familie von Hartloe- 
wen“ legal dokumentirt? Hartloewen, auch Hartlaeven, Hartlewen. 
Ueber einen Pierre J. von Hardleuwen findet ſich folgende Notiz: 
„Mense Februario 1708 Col. Pierre J. von Hardleuwen 
cum octingentis militibus ducem J. van Hobocken contra 
insidiantes aborigines adjutum, Bataviam in navi „Harlem“ 
profectus est.“ 


Im Jahre 1740, September, den 25., ließ laut vorliegendem 


legalen Taufſchein ein ſicherer Joannes Petrus Hartloe⸗ 
wen einen legitimen Sohn Franciscus Joſephus taufen. Es 
würde ſich nunmehr darum handeln zu konſtatiren ob dieſer Jo⸗ 
annes Petrus nicht der Sohn oder direkte Nachkomme des oben er⸗ 
wähnten Pierre J. von Hardleuwen iſt, wozu die Vermuthung 
ſehr nahe liegt. g 

Gef. Antworten wolle man an die Redaction d. Bl. einſenden, 
welche ermächtigt iſt, etwaige Auslagen und Koſten bis zum Betrage 
von 3 Thlr. zu erſtatten. — 


Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R.-B. Magdeburg. 


Titeratur. 


„Wochenblatt der Johanniter-Ordens Balley Bran- 
den burg, 1871 Nr. 23:„Linnenes oder goldenes Ordens— 
kreuz?“ von Dr. Ht. 

Nachdem bereits in Nr. 54 Jahrgang 1870 a. a. O. die Frage 
angeregt war, ob dem ſ. g. leinenen Bruſt⸗ oder dem goldenen 
Halskreuz der Johanniter der Vorzug gebühre, bringt der Vf. wei⸗ 
tere Anknüpfungspunkte für dieſe Erörterung. Das urſprüngliche 
Abzeichen war das bekannte achtſpitzige weiße leinene Kreuz auf dem 
ſchwarzen Mantel. Letzterer, deſſen Tragen oftmals unpractiſch war, 
wurde ſchon früh vielfach erſetzt durch die ſ. g. Sopraweſte, einen 
Ueberwurf, welcher ſowohl vorn als hinten das weiße Balken-Ge⸗ 
meine) Kreuz auf Roth zeigte, welches gewiſſermaßen als Wappen 
des ganzen Ordens zu betrachten iſt. In Rhodus kam ſpäter hierzu 
das am Halſe zu tragende goldene Kreuz, deſſen Feſtſetzungszeit nicht 
genau nachzuweiſen iſt; es trat auf, als jene Orden geſtiftet wurden, 
bei denen man mehr Werth auf die Decoration als auf den Zweck 
des Ordens legte Das goldene Kreuz wurde immer als dem lin- 
nenen untergeordnet betrachtet. 

Im Allgemeinen ſollte das g. Kreuz nur von den Rittern ges 
tragen werden, ſowohl den Gnaden- als Rechtsrittern, wie auch von 
den Commendatoren, während es den Servienten unterſagt blieb. 
Die weltlichen Mitglieder des Ordens, die Devotionsritter, ſollten 
nur zum Tragen des g. Kreuzes berechtigt ſein. Neuerlich wird 
namentlich von Rom aus darauf gehalten, daß nur die Juſtizritter 
befugt find das leinene Kreuz zu tragen. Die Donatritter tragen 
letzteres ohne den oberen Arm. 

Das Emaillekreuz iſt mit dem linnenen identiſch und nur als 
Erſatz für den weniger haltbaren Stoff der Leinwand zu betrachten. 


Im Druck befindet ſich ein neues Verzeichniß von Monogra⸗ 
phien und Gelegenheitsſchriften zur Geſchichte adeliger Geſchlechter, 
das ſich dem von J. Stargardt in Berlin i. J. 1865 herausge⸗ 
gebenen anſchließt. 


Vermiſchtes. 

In der Sitzung des Hiſtoriſchen Vereins von Oberpfalz und 
Regensburg vom 4. Mai d. J. knüpfte der Vorſitzende an die Vor⸗ 
zeigung eines Tiſches, welchen der Stadtmagiſtrat zu Neumarkt dem 
Vereine in jüngſter Zeit zu überſchicken ſo freundlich war, einige ein⸗ 
ſchlägige Bemerkungen. Dieſer Tiſch, aus dem 16. Jahrhundert 
ſtammend, trägt außen die Umſchrift: „das heilig römiſch Reich 
mitſammt ſeinen Gliedern;“ in der Mitte befindet ſich der 
Reichsadler mit dem kaiſerlichen Wappen, umgeben von den Wappen 
der Churfürſten; weiter nach außen zieht ſich eine Einfaſſung von 
48 Wappen rings um den Tiſch, die übrigen Reichsſtände darſtellend, 
und zwar ſind dieſelben nach der damals beliebten Weiſe in Par⸗ 
tien zu je vier gegliedert, als: „die vier Markgrafen“ die 
vier Landgrafen“ u. ſ. w. Dieſe namentlich in der zweiten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts ſehr beliebte Eintheilung der Reichs- 
ſtände entbehrt übrigens bekanntlich jeden hiſtoriſchen Grundes und 
ſcheint nur eine Erfindung der Wappenmaler zu fein, wie ſchon der 


alte Wiguleus Hund vermuthete. 


Correſpondenz. 


Hrn. Dr. Gr. in B. — Eine der nächſten Nrn. d. Bl. wird 
wieder „Heraldiſche Technik“ bringen; zunächſt das Verfahren bei 
dem Abdrücken von Siegeln in Gutta⸗Percha. 


Inhalts-Verzeichniß. 
Standeserhöhungen. — Protocoll. — Ueber das Wappen der 
Stadt Altenberg. — Landeshoheiten. — Matrikel. — Die einfach⸗ 
ſten Wappen. — Deutſche Städtewappen. — Anfragen. — Literatur. 
— Vermiſchtes. — Correſpondenz. — 


Berichtigung. 
„Nr. 4, S. 24, Zeile 12 v. u. lies „Veſtenberg“ ſtatt Neſtenberg.“ 
Commiſſ.⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin. 


Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin. 


Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile. \ 
Ur. 8. , Berlin, im Auguſt 1871. SI 2. Jahrgang. 


Se. Majeſtät der König von Preußen haben Grenadier⸗Regiment Nr. 12 (Prinz Carl von Preußen), 
Allergnädigſt geruht: den Kriegs- und Marine⸗Miniſter den Major Mecklenburg, etatsmäßigen Stabsoffizier 
Albrecht von Roon in den Grafenſtand; den im Oſtpreußiſchen Küraſſier⸗Regiment Nr. 3 (Graf 
Oberſt⸗Lieutenant Ba um eiſter vom 1. Schleſiſchen Wrangel), den Oberſten Mettler, Commandeur des 
Grenadier⸗Regiment Nr. 10, den General-Major Bieh⸗ | 8. Rheiniſchen Infanterie-Regiments Nr. 70, den Ober: 
ler, Inſpecteur der 3. Ingenieur⸗Inſpection, den [ſten Michelmann, Commandeur des 3. Niederſchle⸗ 
Oberſten Braun, Inſpecteur der 1. Pionier⸗Inſpection, ſiſchen Infanterie⸗Kegiment Nr. 50, den Oberſten 
den Oberſt⸗Lieut. Bychel berg, von der Garde⸗Artil⸗[ Nachtigal, Commandeur des 4. Rheiniſchen Infan⸗ 
lerie⸗Brigade, den Oberſt⸗Lieutenant Dallmer vom terie-Regiments Nr. 30, den Oberſt⸗Lieutenant Opper⸗ 
7. Oſtpreußiſchen Infanterie-Regiment Nr. 44, den [mann, zur Zeit Commandeur der Ingenieure und 
Major Dincklage, etatsmäßigen Stabsoffizier im Pioniere der III. Armee, den Major . vom 
Königs⸗Huſaren-Regimente (1. Rheiniſchen) Nr. 7, den 2. Garde⸗Regiment zu Fuß, den Major Preinitzer 
Oberſten Eskens, Commandeur des Niederrheiniſchen von der 1. Artilleriebrigade, den Generalmajor Ra⸗ 
Füſilier⸗Kegiments Nr. 39, den Major Feldmann niſch, Commandeur der 20. Infanterie⸗Brigade, den 
vom Garde⸗Füſilier⸗Regiment, den Oberſten Flöckher, Oberſt⸗Lieutenant Sannow, aggregirt dem 3. Weſt⸗ 
Commandeur des 1. Weſtpreußiſchen Grenadier-Regi⸗ fäliſchen Infanterie⸗Regiment Nr. 16, den Major 
ments Nr. 6, den Oberſten Grolmann, a la suite Seebeck vom Generalſtabe der 29. Diviſion, den 
des 1. Naſſauiſchen Infanterie-Regiments Nr. 87 und General-Major Schulz, Inſpecteur der 2. Ingenieur⸗ 
Commandeur der 3. Infanterie⸗Brigade, den General⸗ Inſpection, den General-Lieutenant Schwarz, Inſpec⸗ 
Major Gündell, Commandeur der 23. Infanterie teur der 2. Artillerie⸗Inſpection, den Major Siefart, 
Brigade, den Major Häniſch vom Großen General- aggregirt dem Kaiſer Franz Garde-Grenadier-Regiment 
ſtabe, kommandirt zur Dienſtleiſtung beim Kriegs-Mi⸗ Nr. 2, den Major Stocken vom 3. Brandenburgi⸗ 
niſterium, den Major Hagen, a la suite des Litthau⸗ ſchen Infanterie-Regiment Nr. 20, den Major Span⸗ 
Men Dragoner-Regiments Nr. 1 (Prinz Albrecht von | genberg vom 1. Rheiniſchen Infanterie⸗Regiment Nr. 

reußen) und perſönlichen Adjutanten Sr. Königlichen 25, den Oberſten Steinfeld, Commandeur des 7. 
Hoheit des Prinzen Albrecht von Preußen, den Oberſt⸗ Rheiniſchen Infanterie-Regiments Nr. 69, den Ober⸗ 
Lieutenant Hartrott, Abtheilungs⸗Chef im Kriegs⸗ ſten Veith, Abtheilungs⸗Chef im Großen Generalſtabe, 
Miniſterium, den General-Major Hausmann, Com⸗ den Oberſten Wahlert, Commandeur des Pommer⸗ 
mandeur der 11. Artillerie-Brigade, den Major Heiz ſchen Füſilier⸗Regiments Nr. 34, den Oberſt⸗Lieutenant 
nichen, etatsmäßigen Stabs⸗Offizier im Rheiniſchen Weber vom 3. Heſſiſchen Infanterie⸗Kegiment Nr. 
Ulanen⸗Regiment Nr. 7, den Oberſt⸗Lieutenant Hilde⸗ 83, den Oberſten Wright, Commandeur des Rhei⸗ 
brand, vom 2. Magdeb. Infanterie- Regiment niſchen Dragoner⸗Regiments Nr. 5, in den Adelſtand zu 
Nr. 27, den Oberſt⸗Lieutenant Himpe, von der 8. Artil⸗ erheben. (Allerh. Cab.⸗O. d. d. 16. Juni 1871.) Den 
lerie⸗Brigade, den Major Körber von der 10. Ar⸗ Majoratsherrn Ernſt Malte Friedrich Freiherrn v. Klot⸗ 
tillerie⸗Brigade, den Major Koſſel von der 9. Artil- | Trautvetter auf Hohendorf, Kr. Franzburg, in den 
lerie⸗Brigade, den Major Kro ſeck vom 4. pommer⸗ Grafenſtand zu erheben; dem Superintenden und Ober⸗ 


—— ——— 00 


3 7 Infanterie⸗Regiment Nr. 21, den General-Major prediger Hans Friedrich Theodor Stoſch zu Bütow in 
ehmann, Commandeur der 60. Infanterie⸗Brigade, Pommern den von feinen Vorfahren abgelegten Adel für 
den Major Lehmann vom 2. Brandenburgiſchen ſeine Perſon u. Nachkommen zu gewähren. (publ. 2. Juli.) 


62 


Das Wappen des deutſchen Reiches 
iſt nunmehr endgültig feſtgeſtellt, und bezüglich deſſel⸗ 
ben d. d. 3. Auguſt 1871 von entſcheidender Stelle 
verfügt worden: 


1) „daß als . Wappen der ſchwarze, 
„einköpfige, rechtsſehende Adler mit rothem Schnabel, 
„Zungen und Klauen, ohne Scepter und Reichsapfel, 
„auf dem Bruſtſchilde den mit dem Hohenzollernſchilde 
„belegten preußiſchen Adler, über demſelben die Krone 
„in der Form der Krone Karls des Großen, jedoch 
„mit zwei ſich kreuzenden Bügeln, in Anwendung ge⸗ 
„bracht werde;“ 


2) „daß die Kaiſerliche Standarte in Purpurgrund 
„das Eiſerne Kreuz, belegt mit dem Kaiſerlichen, von 
„der Kette des ſchwarzen Adlerordens umgebenen Wap⸗ 
„pen in weißem Felde, und in den 4 Eckfeldern des 
„Fahnentuchs abwechſelnd den preußiſchen Adler und 
„die Kaiſerliche Krone enthalten ſoll.“)“ 


* „Schwarzenberg und Seinsheim.“ 
Zum Artikel: „Seinsheim und Schwarzenberg, die Freien und die 
Herren.“ 


Der im „Deutſchen Herold“ Nr. 2, 1871 abgedruckte 
Aufſatz über „Seinsheim und Schwarzenberg, die Freien und 
die Herren“ wird nicht verfehlt haben, in den competenten 
und ſich für ſolche Erörterungen intereſſirenden Kreiſen eine 
beſondere Aufmerkſamkeit auf ſich zu lenken. Es wird dort 
auf die Rechts verhältniſſe der beiden genannten Häuſer Bezug 


genommen und den von Seite des fürſtlichen Hauſes Schwar⸗ 


zenberg gegenüber dem in neueſter Zeit von den Grafen von 
Seinsheim auf Zuerkennung der ſtandesherrlichen Qualität, reſp. 
des Titels „Erlaucht“, erhobenen Anſpruche geltend gemachten 
Rechtsbedenken zugeſtimmt. Was nun die zur Begründung 
dieſer Anſchauung vorgebrachten Gründe betrifft, ſo iſt an ihrer 
Beweiskräftigkeit nicht zu zweifeln, inſofern es auf deren Zu⸗ 
rückleitung auf die deutſche Reichs⸗ und Rechtsgeſchichte und 
auf eine genaue Vertrautheit mit den ganz eigenartigen Rechts⸗ 
verhältniſſen des Adels und der Stände des h. r. Reichs deut⸗ 
ſcher Nation im Allgemeinen ankommt. Was dort über 
den deutſchen freien Reichsadel als Element der ſpäteren freien 
Reichsritterſchaft in Franken, Schwaben und am Rheinſtrom, 
über „Nobilis“ und „nobilis dominus,“ über den Stand 
der „Freyen“, „Centbarfreien“ und „Semperfreien“, insbe— 
ſondere aber über den „Herrenſtand“ und die zufälligen feinen 
Nüancen bei „Nobilis“ und „Frei“ und über die ſich daraus 
ergebenden Conſequenzen, endlich über Kreis- und Reichsſtand⸗ 
ſchaft ꝛc. geſagt iſt, beruht offenbar auf tief eingehenden Fach⸗ 
ſtudien. In der Darſtellung der genealogiſchen Beziehungen 
zwiſchen „Schwarzenberg und Seinsheim“ und des rechtsge⸗ 
ſchichtlichen Entwickelungsganges dieſer beiden Häuſer begegnet 
man aber einigen Angaben, welche theils auf irrigen Voraus⸗ 
ſetzungen, theils auf Mißverſtändniſſen beruhen, und daher einer 
Berichtigung bedürfen. 


*) Hiernach ſcheint die, in mehreren größeren Blättern kürzlich 
enthaltene, ſehr intereſſante Angabe, daß der Reichsadler „an jedem 
Flügel 5 große und 6 kleine Federn, ſowie einen heraldiſchen Schwanz“ 
haben ſolle, der Begründung zu entbehren. ee 


Der „Fränkiſche Herrenſtand“ wurde allerdings von 
Seite des Erkinger von Seinsheim durch den Beſitz der 
früher einmal Hohenlohe'ſchen Herrſchaft Schwarzenberg, 
ſowie der Reichsfreiherrenſtand durch das Diplom K Si⸗ 
gismunds v. J. 1429 erworben, und blieb der erſtere an die 
faktiſche Innehabung der genannten Herrſchaft geknüpft. Wenn 
aber weiter von den „anderen Nachkommen Erkinger's“ 
die Rede iſt, „welche weder den Beſitz, noch den Namen Schwar⸗ 
zenberg erhielten und als Seinsheime den aus ſpäteren 
Standeserhebungen erwachſenden Anſprüchen des Hauſes Schwar⸗ 
zenberg ferne ſtanden und vor und nach Ertheilung des Reichs⸗ 
freien⸗Herrentitels 1580 bis 1705 im Freiherrenſtand ge: 
blüht“ u. ſ. w.; ſo tritt hier eine irrthümliche Auffaſſung des 
eigentlichen genealogiſchen Verhältniſſes offen zu Tage. Es 
gab nämlich keine „Nachkommen Erkingers“, des erſten 
Reichsfreiherren zu Schwarzenberg und fränkiſchen Herrn, welche 
nicht auch den Namen Schwarzenberg geführt hätten, die Seins⸗ 
he ime geblieben und mit den 1580 in den Reichsfreiherren⸗ 
1705 aber in den Reichsgrafenſtand erhobenen Vorfahren der 
heutigen Grafen von Seinsheim identiſch wären. Das oben 
beregte Mißverſtändniß wird noch augenſcheinlicher und erhält 
als ſolches ſeine Beſtätigung durch die Note Seite 11 des in Rede 
ſtehenden Aufſatzes. Es wird dort von den beiden Ehen Er⸗ 
kinger's zu Schwarzenberg geſprochen und von deſſen erſter 
Ehe mit Anna von Bibra geſagt, „daß von dieſer die andere 
Seinsheim'ſche Linie ſtamme. Die Kinder der Barbara 
wären 1443 noch nicht 14 Jahre alt geweſen und ſeien ſämmt⸗ 
lich erft nach 1429 geboren. Die Kinder dieſer (eriter) Ehe 
ſeien in der Standeser höhung von 1429 nicht 
mit inbegriffen geweſen.“ — 

Unter jener anderen „Seinsheim' ſchen Linie“ ſcheinen 
alſo jene früher erwähnten „anderen Nachkommen“ Er⸗ 
kinger's verſtanden zu fein, welche „weder den Beſitz noch 
den Namen Schwarzenberg erhielten“, weil „ſie in 
der Standes erhöhung von 1429 nicht mit ein be— 
griffen geweſen.“ — 

So lockend nahe auch hier der Anlaß zu einem längeren 
genealogiſchen Excurſe zu liegen ſcheint, fo wird man ſich zur 
Beleuchtung des richtigen Sachverhaltes doch nur auf das Noth⸗ 


wendigſte beſchränken. 


Die Gemeinſchaft des Urſprungs und daher auch die 
Stammgenoſſenſchaft der Häufer Schwarzenberg und Seins 
he im ſtehen außer Zweifel, ſowie auch das Alter des ganzen 
Geſchlechts; wie weit aber daſſelbe in die Vergangenheit hinauf 
reicht, darüber ließe ſich allerdings wohl noch ſtreiten. Waͤhrend 
ſelbſt noch neuere Genealogen den Urſprung des Geſchlechts bis 
in das 10. Jahrhundert zurückleiten, wollen ſtrengere hiſtoriſche 
Kritiker den genealogiſchen Nachweis nur bis in das 12. Jahr⸗ 
hundert gelten laſſen. Wie dem auch immer ſei, eine Ver⸗ 
zweigung des Geſchlechts wird bereits in der erſten Hälfte des 
14. Jahrhunderts bemerkbar und ein beſonderer Seinsheim'ſcher 
Aſt zu Kottenheim tritt bereits 1340, und ſogar noch vor 
dieſem Jahre urkundlich in die Geſchichte. Wenn daher neuere 
Rechtslehrer, wie z. B. Dr. A. W. Heffter in dem Werke: 
„Die Sonderrechte der ſouverainen und der mediatiſirten, vor⸗ 
mals reichsſtändiſchen Häuſer Deutſchlands“, Berlin 1871, das 
Haus Schwarzenberg „als eine 1333 von dem Hauſe Seins⸗ 
heim abgetheilte ältere Linie deſſelben“, ꝛc. bezeichnen, ſo iſt 
allerdings guter Grund dazu vorhanden. 

Der unzweifelhafte Urahnherr und Stammpater aller bis⸗ 


herigen Freiherren, Grafen und Fürſten zu Schwarzenberg war 
Erkinger von Seinsheim zum Stefansberg, Ritter. Seine Ge⸗ 
burt fällt in die 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Zu ſeiner 
Zeit zäblte das Seinsheim'ſche Geſchlecht nicht weniger als 5 
gleichzeitige Erkinger. Einer im fürſtlich Schwarzenberg'⸗ 
ſchen Familienarchive aufbewahrten Urkunde zufolge, gab es 
1409 Seinsheime zu Kottenheim, Herbolzheim, Seehaus, Gnötz⸗ 
heim, Randersacker, Erlach, Stolberg, Wiſenbrunn, Koppen⸗ 
winde, Weſſerndorf, Wildberg, Liebenau, Schernau, Empfers⸗ 
bach, Ottershauſen, Niemenfels, Prolsdorf, Wielandsheim, Gera⸗ 
brunn, Stefansberg, u. a. m.“) Dieſe letztere Linie, dann jene 
zu Kottenheim, (Hohen⸗Kottenheim) und Weſſerndorf, ſowie der 
Zweig zu Wiſenbrunn treten zu Ende des 14. und zu An⸗ 
fang des 15. Jahrhunderts beſonders in den Vordergrund. 

Ritter Erkinger zum Stefansberg, der Sohn Michaels und 
Enkel Hildebrand's, war zu jener Zeit der Repräſentant der 
Stefansberg'ſchen Linie Seinsheim. Im Jahre 1406 hatte 
derſelbe von Oswald, dem letzten Grafen von Truchendingen, 
das Erboberjägermeiſteramt im Herzogthum Franken an ſich ge⸗ 
bracht und ſeit 1405 Theile des Schloſſes und Gutes von 
Schwarzenberg zu acquiriren begonnen. Dieſes freie Eigenthum 
hatte er mit allen Zugehörungen 1428 dem Kaiſer und Reiche 
zu Lehen aufgetragen, und am St. Laurenztage (10. Auguſt) 
1429 wurde er „ſam mt feiner ehelichen Nachkommen⸗ 
ſchaft“ vom K. Sigismund zum „rechten Frei⸗ und Banner⸗ 
herrn des Reiches auf das Haus Schwarzenberg und auf das 
Oberjägermeiſteramt des Stifts Würzburg und Herzogthums 
Franken, „welche ſtets Grafen und freie Herren zu halten (inne 
zu haben) pflegten“, erhoben“. In dieſer Urkunde“) heißt es 
ausdrücklich: „daß demſelben Erkinger, ſeine eeliche 
kinder, Sün und Töchter, die er yetz hat vnd hin⸗ 
für mit der hilff gotes gewynnet vnd die von Im 
vnd denſelben kin dern eelich geboren werden, zu 
rechten fryen in Gotsnamen erhebt vnd Sy pff 
das vorgen. Jegermeiſteramt vnd das haus Swart⸗ 
zenberg u. ſ. w. gefryet, geadelt, gemacht.“ u. ſ. w. 

Dieſem Standeserhebungsdiplome zufolge nahm die ge⸗ 
ſammte, ſowohl damalige, als noch zu gewärtigende ehelige Nach: 
kommenſchaft Erkinger's, welcher in dieſer Urkunde „der Edel 
Erkinger von Sawußheim“ genannt wird, an dieſer Aus⸗ 
zeichnung theil, und im weiteren Verfolge der Urkunde wird 
dies ſowohl mit Bezug auf das Reich, als auch auf das Land 
Franken neuerdings ausdrücklich betont und hervorgehoben unter 
gleichzeitiger Verleihung des Rechtes mit rothem Wachſe 
zu ſiegeln. 

Zur beſſeren Illuſtration der Frage in Betreff der Nach⸗ 
kommenſchaft Erkingers dient deſſen ſchon ein Jahr früher, 
nämlich am St. Veitstage (15. Juni) 1428, zu Stande ge⸗ 
brachtes Teſtament. Schon im Eingange dieſes ſeines letzten 
Willens erklärt der Ahnherr der Schwarzenberge, „daß er 
zweierlei Kinder habe von ſeinen beiden lieben 
Hausfrauen“, und weiterhin motivirt er die Nothwendigkeit 
der Beſtimmung, „wie jegliche Partei der Kinder 
bleiben werde und wie ſie an ſeinen Gütern habend 
ſein ſoll.“ Als mit ſeiner erſten Gemahlin Anna von Bi⸗ 


) Man vergleiche: „das Fürſtenhaus Schwarzenberg“ von 
Adolf Berger, „Oeſterr. Revue“ Heft XI. Jahrgang 1866. j 
0) Das Original im fürſtl. Schwarzenberg'ſchen Haus- und 
Familienarchive zu Wien. Man findet dieſes Diplom auch in Lünigs 
re Reichsarchive,“ part: spec: Tom: VII. Suppl, S. 39, 
es fteht dort aber irrig zum Jahre 1428. — 


63 


bra erzeugte Söhne bezeichnet er Michael und Hermann. 
Außer anderen Schlöſſern und Gütern fiel denſelben laut väter⸗ 
lichen Willens auch das Schloß Stefansberg mit allen 
weiterhin benannten Zugehörungen zu. Als rechte Schweſter 
dieſer beiden Söhne nennt Erkinger die bereits verheirathete 
Tochter Margarethe. (Sie war mit Konrad von Roſenberg 
vermält.) — Sodann ſpricht der Teſtator im Allgemeinen von 
„ſeinen anderen Kindern“, „die er jetzt hat, oder hernach ge⸗ 
winnen möchte mit der Edlen, ſeiner lieben Gemalin, Frau 
Barbara, geb. von Abensberg.“ „Ob es Söhne wären, fo 
ſollen dieſe mit der genannten Gemalin Wiſſen, Willen und 
Wort alſo geſetzt und geſchieden werden, denſelben ſeinen 
Söhnen, es wären einer oder mehr, ſoll folgen, bleiben 
und werden das Schloß Schwarzenberg, mit allen ſeinen 
Zu⸗ und Eingehörungen, u. ſ. w. Hierauf folgt die Zuwei⸗ 
ſung noch anderer Güter, Nutzungen, Zinſen, u. dgl. m. Dieſe 
Söhne „ob Einer oder mehrere“, ſollten ihren rechten Schweſtern, 
ſeinen, Erkingers, jüngſten Töchtern, davon ſo viel ausrichten, 
als Margarethen, feiner Tochter, geworden. — 

Bei den weiteren Beſtimmungen über Theilungen ſpricht 
Erkinger von ſeinen Kindern ſtets als „von den oben genann⸗ 
ten Parteien“, oder von „einer oder der anderen Partei“. So 
z. B. ſoll das Oberſtjägermeiſteramt ſtets von dem Aelteſten 
der einen auf den Aelteſten der anderen Partei übergehen. Auch 
für den Fall der Minderjährigkeit der Kinder von der Barbara von 
Abensberg wird vorgeſehen. Da Erkinger auch hinſichtlich des 
Uebergangs des Güterbeſitzes von dem einen Theile auf den 
anderen für den Fall des Erlöſchens der männlichen Nach— 
kommenſchaft auf der einen oder anderen Seite, ſodann auch 
wegen des Nichtverkaufs und Verſchuldens der Güter ohne 
gegenſeitiges Vorwiſſen und ohne Zuſtimmung beider Parteien 


Vorſorge getroffen; jo hatte dieſes Teſtament auch die Bedeu- 


tung eines fideicommiſſariſchen Statutes. Nun wird zwar in 
dieſem Dokumente keines der Kinder aus der zweiten Ehe nam⸗ 
haft gemacht; nichts deſtoweniger kann an der Exiſtenz wenig⸗ 
ſtens einiger derſelben zur Zeit der Teſtamentabfaſſung nicht 
gezweifelt werden. Das Vorhandenſein von Söhnen aus be⸗ 
ſagter Ehe zu jener Zeit bleibt allerdings problematiſch. Was 
aber nicht dem mindeſten Zweifel unterliegen kann, iſt die Gül⸗ 
tigkeit der Standeserhebung vom Jahre 1429 für 
die Kinder aus beiden Ehen Erkingers. Und in der 
That fehlt es aus dem Zeitraume nach 1429 keineswegs an 
urkundlichen Belegen für die Prävalirung des Namens und 
Titels „Herren zu Schwarzenberg und von Sawns⸗ 
heim“ von Seite der Söhne Erkingers aus erſter Ehe, Mi⸗ 
chael und Her mann. Um von vielen anderen zu ſchweigen, 
gedenken wir hier nur der Erbtheilung der eben genannten 
Brüder vom 6. Mai 1438 und des Vertrages derſelben mit 
ihrer Stiefmutter Barbara und deren „Söhnen“ vom 18. Au⸗ 
guſt 1438“), in welchen beiden Dokumenten das angedeutete 
Kriterium hervortritt. Aus dem folgenden Jahre befitzen wir 
aber eine Urkunde, in welcher Barbara's Söhne bereits nament⸗ 
lich vorkommen. Es find dies „Hans Herr zu Swartzemberg 
und von Saunsheim“ und deſſen Brüder Sigmund, Erkinger, 
Ulrich und Jobſt, und die Urkunde iſt der in dem (im „Deut⸗ 
ſchen Herold“ mit abgedruckten) „Extracte aus dem Bamberger 
Lehenbuche“ citirte Verweisbrief des Markgrafen Friedrich zu 
Brandenburg ꝛc. vom 22. März 1439.7) 
) Beide Originalurkunden im fürſtlichen arzenberg'ſche 
Jaan, Ache 5 Wien. 0 ee e 
») Das Original im obigen Archive. 


64 


Ebenſo wenig als Barbara's Vermälungsjahr find uns 
die Geburtsdaten ihrer Söhne bekannt; aber wenn „Johann 
Herr zu Swartzenberg und von Sawunsheim“ „als der Ael— 
teſte unter ſeinen Brüdern“, mit Michael und Hermann Herren 
zu Swartzenberg und von Sawnnsheim“ bereits am 29. De⸗ 
zember 1442 hinſichtlich der Heimſteuer und Widerlage ihrer 
Mutter Barbara eine Urkunde ausſtellt, ſo muß er alſo bereits in 
dieſem Jahre die Siegelfähigkeit erlangt haben. Johann fiel 
am 16. Mai 1460 bei Giengen, ſein jüngerer Bruder Sig⸗ 
mund aber ſtarb 1502 72jährig, demzufolge ſich alſo 1430 
als deſſen Geburtsjahr ergäbe, ſelbſtverſtändlich ein ſpäteres als 
jenes Johann's. Deren rechte Schweſter Kunigunde wurde 
1437 noch vor Erkinger's, des Vaters, Tode mit Matthäus 
Schlik, Bruder des berühmten kaiſerl. Kanzlers Kaſpar Schlik, 
vermält, ihr Geburtsjahr muß alſo ein viel früheres als jenes 
ihrer beiden obengenannten Brüder ſein und wohl noch vor 
1423 fallen, in welchem Jahre (am 14. Febr.) Erkinger die 
Morgengabe feiner Gemalin Barbara auf Huerblach verſicherte.“) 

Dem väterlichen Teſtamente v. J. 1428 zufolge iſt die 
reichsfreie Herrſchaft Schwarzenberg den Söhneu aus Erkin⸗ 
ger's 2. Ehe zugefallen, und laut Erbausgleichung v. J. 1438 
iſt nebſt noch anderen Gütern auch die erſt 1435 acquirirte 
Herrſchaft Hohenlandsberg („Schloß, Amt und Gericht Lands⸗ 
berg“) noch zu jenem Erbe hinzugekommen. Durch Michael, 
den älteren Sohn aus erſter, und Sigismund, den jüngeren 
Sohn aus zweiter Ehe pflanzte ſich Erkingers, des erſten Frei⸗ 
herrn zu Schwarzenberg, Haus in 2 Linien fort, von welchen 
die erſtere die „Stefans berg'ſche, die andere, die jüngere, 
die „Hohenlandsberg'ſche“, „Sigmund' ſche“, oder 
auch ſchlechthin „Fränkiſche“ genannt wurde. Mit Sigis⸗ 
mund's Enkel Chriiſtof (geb. 1488, 1538) nach Bayern 
hinüber zweigend, wurde ſie ſammt dieſem Seitentriebe auf dem 
Reichstage zu Augsburg am 21. Mai 1566“) in den Reichs⸗ 
Grafenſtand und die Reichsherrſchaft Schwarzenberg zur Reichs— 
grafſchaft erhoben. Mit dieſem Beſitze und wegen deſſelben 
zählten dieſe Schwarzenberge zu den fränkiſchen Herren, und 
nach der Eintheilung des Reiches in Kreiſe und der Bildung 
eines fränkiſchen Grafencollegiums gehörten beſagte Schwarzen: 
berge bis zu ihrem Erlöſchen mit dem Grafen Johann 1588 
dem fränkiſchen Collegium vom Anbeginn deſſelben als Mit⸗ 
glieder an.““) Dieſes Prärogativ ging nun mit der Reichs⸗ 
grafſchaft Schwarzenberg ſammt Hohenlandsberg auf die Schwar⸗ 
zenberg'ſchen Vettern in Bayern über, welche bis 1566 im 
Reichsfreiherren⸗ und ſodann im einfachen Reichsgrafenſtande 
gelebt hatten. Auch dieſer Zweig hatte ſich mittlerweile ge— 
theilt, und die Reichsgrafſchaft Schwarzenberg erhielt nun, nach 
dem Erlöſchen des jüngeren baieriſchen Zweiges mit Wolfgang 
Jakob 1618, Georg Ludwig vom älteren Zweige dieſes Hauſes. 

Die ältere Stefans berg'ſche Hauptlinie Schwarzen⸗ 
berg hatte mittlerweile verſchiedene Schickſale erlebt. Michaels 
Freiherrn zu Schwarzenberg, älteſten Sohnes des Stammvaters 
Erkinger's, Nachkommen hatten ſich im letzten Viertel des 15. 
Jahrhunderts nach den Niederlanden gewandt. Seit damals 
hieß daher auch dieſe Linie die „nie derländiſche“. Ein 


*) Die Original⸗Urkunde im fürſtl. Schwarzenberg'ſchen Fami⸗ 


lien⸗Archive zu Wien. — 5 

*) Das diesfällige Diplom abgedruckt bei Lünig p. spec. Bd. 
XI. ©. 56. Vergleiche auch Heffters „die Sonderrechte,“ S. 402. — 
.) Vergleiche: „Aechte Beſchaffenheit des Reichsgräflich fränki⸗ 
ſchen Collegii, und deſſen Voti curiati separati“ &. I. Thl. 1781. 
S. 12. F. 29. u. ff., dann. S. 59. $. 127. u. ff. — N 


| 


jüngerer Zweig derſelben, der „Edmond'ſche“ oder „Lütt ich'⸗ 
ſche“ war dort zurückgeblieben, der ältere niederländiſche, auch 
„Wilhelm'ſche“ genannt, hatte in Weſtphalen eine neue Heimat 
gefunden. Durch den Heldenmuth eines ſeiner Söhne, Adolf's, 
des Wiedereroberers von Raab, hatte endlich auch dieſer Zveig 
1599 die Reichsgrafenwürde errungen.“) Schon der Sohn 
dieſes Adolf, Graf Adam, hatte 1637 mit ſeinem Vetter, 
Georg Ludwig, dem Letzten von der baier'ſchen Linie, in 
Betreff der fränkiſchen Stammgüter einen Erbvertrag geſchloſſen, 
und noch vor dem faktiſchen Erlöſchen der beſagten Linie im 
Jahre 1646, fiel die Reichsgrafſchaft Schwarzenberg 1642 im 
Ceſſionswege an A dolf's Enkel, Jo hann Adolf. Spät 
zwar, aber dem natürlichen Laufe der Dinge gemäß und ganz 
im Sinne des urahnherrlichen Teſtamentes v. J. 1428, ge⸗ 
langte nun auch endlich die „Stefansberg'ſche,“ jetzt 
„miederländiſche“ Linie in den Beſitz des fränkiſchen 
Stammgutes und mit demſelben auch zu Sitz und Stimme im 
fränkiſchen Grafencollegium. Noch in demſelben Jahrhunderte, 
nach den ſchweren, beſonders für die Reichsgrafſchaft Schwar— 
zenberg verhängnißvollen Wirren des 30jährigen Krieges, ſchwangen 
ſich 1670 die Beſitzer der erſteren zum Fürſtenſtand auf und 
traten 1647 in den Reichsfürſtenrath ein. Es waren dies die 
direkten Ahnherren des heute noch blühenden Fürſtenhauſes 
Schwarzenberg. — 

In der Filiation des letzteren iſt, dem bisher Geſagten 
zufolge, demnach für die Seinsheim' ſchen Stammver- 
wandten und Urſprungsgenoſſen kein Platz und die 1580 in 
den Reichsfreiherrenſtand erhobenen und 1705 (in der „Wenger 
Linie“ auch insbeſondere noch 1711) mit dem Reichsgrafentitel 
condecorirten Seinsheime ſind daher weder mit den einen, noch 
mit den „anderen Nachkommen“ des erſten Freiherrn zu 
Schwarzenberg, Erkinger, identiſch, ſowie es denn überhaupt 
keine Nachkommen deſſelben gibt und gegeben hat, welche nicht 
in die Standeserhebung von 1429 mit inbegriffen geweſen 
wären. Den einzigen Unterſchied im reichsſtändiſchen Verhält— 
niſſe begründete der faktiſche Beſitz von Schwarzenberg. — 

Was nun die heutigen Herren Grafen zu Seinsheim be— 
trifft, jo wird man deren mittelbare und unmittelbare Vor— 
fahren in jenen Seinsheimen zu ſuchen haben, die zu ihren 
Stefansberg'ſchen Stammesgenoſſen vor und nach deren Meta- 
morphoſe in Schwarzenberge eine chronologiſche Parallele bil— 
deten. Es waren dies eben die bereits oben erwähnten Seing- 
heime von der Kottenheimer und Weſſerndorfer Linie. Eine 
unverfängliche und unparteiiſche, oder wenn ſchon dies nicht, 
doch nur für die Seinsheime parteiiſche, weil durchweg im 
proteſtantiſchen Intereſſe verfaßte Schrift, (die bereits früher 
anmerkungsweiſe erwähnte „Aechte Beſchaffenheit des Reichs— 
gräfl. fränkiſchen Collegii“ ꝛc.) gedenkt der Spaltung des Seins⸗ 
heim'ſchen Stammes in 2 Hauptlinien mit Hildebrand und 
Friedrich und bemerkt:“) „Die letztere (Friedrich'ſche 

*) Das Orig. Diplom vom 5. Juni 1599 im fürſtlich 
Schwarzenberg ſchen Familien⸗Archive zu Wien. — 

*) S. Seite 58. $. 123 und ff. Jenen Hildebrand und Fried: 
rich findet man in dem „Schema genealogicum etc. gentis de 
Seinsheim et inde oriundorum ete. Comitum nunc ..... Prinei- 
pum in Schwarzenberg,“ von Nicolaus Ritterhuſius. Nürnberg, 
1694. Wenn nun gleich dieſes Schema, durch die Forſchungen Paul 
Oeſterreichers in deſſen „Nachrichten von dem Geſchlechte der 
Ritter von Seinsheim“ in: „Die geöffneten Archive für die Geſchichte des 
Königreichs Baiern“, Jahrgang III. 1823024 Heft 2. vielfältige Be 
richtigungen und Zuſätze erhält fo ändert dies doch nichts an der obigen 
Theilung des Stammes in mehrere. Hauptäſte und, wie früher bereits be⸗ 


65 


Linie hat niemals etwas von Schwarzenberg befeffen und daher 
auch niemals deſſen Namen angenommen, ſondern bis auf den 
heutigen Tag lediglich den von Seinsheim geführt. Zu deren 
Erbtheil gehörte Hohen⸗Kottenheim, welches dieſer Linie einen 
beſonderen Namen gegeben hat. Jene aber verließ den Namen 
Seinsheim, als Erkinger, der Enkel Hildebrand's, anno 1420 
die Herrſchaft Schwarzenberg von denen von Veſtenberg er: 
kaufte.)“ — „Von dieſem Erkinger ſtammen wieder durch feine 
Söhne Michael seniorem und Sigismund 2 Linien ab.“ — 

Den Forſchungen des früher genannten baieriſchen Ar— 
chivars Paul Oeſterreicher zufolge, erſcheint ein Erkinger von 
Seinsheim zu Kottenheim bereits 1340 urkundlich. Derſelbe hatte 
auch Beſitzungen zu Gnetzheim. In einer Urkunde v. J. 1376 findet 
man einen Friedrich und Heinrich von Kottenheim und einen 
Heinrich von Gnetzheim, vielleicht Söhne des obigen Erkinger. 

Ein ſpäterer Erkinger von Seinsheim zu Kottenheim, 
Zeitgenoſſe des Stammvaters der Schwarzenberg, erſcheint als 
des Letzteren Teſtamentszeuge 1428 und ebenſo auch als Zeuge 
in dem bereits früher erwähnten Erbtheilungsvertrage vom 18. 
Auguſt 1438. Als der Letzte feines Hauſes ſchloß die Hohen- 
Kottenheimer Linie Georg Ludwig der Aeltere 1591, ein hoch— 
angeſehener Staats- und Kriegsmann ſeiner Zeit, Rath dreier 
röm. deutſcher Kaiſer, Feldmarſchall der katholiſchen Liga, ꝛc. 
Vom Kaiſer Rudolf II. mit Diplom vom 15. März 1580**) 
unter Einem mit ſeinem Stammverwandten Chriſtof von Seins⸗ 
heim zu Erlach (einem Zweige der Weſſerndorfer Linie) in den 
Freiherrenſtand erhoben, vereinigte er am 7.17. Auguſt 1589 
teſtamentariſch feine Güter in Franken (zu Hoch- und Nieder: 
Kottenheim, Seehaus, Marktbreit, Erlach, u. ſ. w.) dann die 
Herrſchaft Sinching in Bayern zu einem Familien-Fideicom⸗ 
miſſe.“) Nach dem gänzlichen Erlöſchen der zur Erbfolge be— 
rufenen Seinsheime hatte der Fideicommißſtifter auch den ſtamm— 
und ihm überdies auch noch von mutterſeite her verwandten“) 
Schwarzenbergen die Ausſicht auf Succeſſion im Erbe eröffnet. 
Auf die Beſchwerung, Verkümmerung oder gar Veräußerung 
des Erbes in fremde Hände, ſowie überhaupt auf die Nichtbes 
folgung ſeiner Teſtamentsbeſtimmungen hatte der Teſtator den 


merkt worden, auch mehrere Zweige. Man vergleiche übrigens auch: 
57 0 Revue“ 1866. Heft XI. „Das Fürſtenhaus Schwar⸗ 
zenberg.“ — 

9 Nicht dieſe Acquiſition allein, ſondern vornehmlich die Stan⸗ 
deserhebung war die weſentliche Veranlaſſung der Namensverände⸗ 
rung und der Seceſſion. Es kann daher mit Recht das Jahr 1429 
als das der von Seinsheimiſcher Seite ſo vielbeklagten Trennung ange⸗ 
nommen worden, und ſind diejenigen vollends im Unrechte, welche 
1437, Erkingers zu Schwarzenberg Todesjahr, als jenen Scheidemo- 
ment angeben. Dies thun aber z. B. ältere genealogiſche Staats⸗ 
und Handbücher, und ſelbſt auch noch das „Stammbuch des blühen— 
den und abgeſtorbenen Adels in Deutſchland,“ Regensburg 1865. 
Man vergleiche den Artikel „Seinsheim,“ Bd. III. S. 376. Aber 
auch der Artikel „Schwarzenberg“, S. 364. enthält einen auffallen- 
den Verſtoß. — 

*) In lateiniſcher Ueberſetzung findet es ſich abgedruckt in: „De 
ortu vita et rebus gestis JIl. et geu. herois domini Georgii 
Lud. a Seinsheim senioris“ ete Imp. a. dom. 1590. Pag. 357 
und ff. Dieſes von dem Würzburg'ſchen Rathe Conrad Dinner 
(pseudonym: Tbrasybulus Septa) verfaßte Buch iſt noch zu Georg 
Ludwigs d A. v. Seinsheim Lebzeiten im Drucke erſchienen. Wir 
werden noch darauf zurückkommen. — 

*) Das Original dieſes Teſtamentes, reſp. des Fideikommiß⸗In⸗ 
ſtrumentes, im fürſtlich Schwarzenberg'ſchen Familienarchive. Es 
findet ſich auch bei Lünig: „Reichs-⸗Archiv.“ p. spec. Cont. II. Tom, 
Suppl. p. 75. 

%) Georg Ludwigs Mutter war Anna, Tochter des Freiherrn 
Johann zu Schwarzenberg, genannt „der Starke“. b 


— +—. V3. • 6ü— — — 


gänzlichen Verluſt alles Anſpruchs als Strafe geſetzt. („Ver⸗ 
wirkung ohne rechtliches Erkenntniß.“) Um aber auch 
ſeinem Geſchlechte eine eventuelle Succeſſion in den Schwarzen⸗ 
berg'ſchen Stammgütern in Franken anzubahnen und die Be— 
ſitzer derſelben zur Wiederanerkennung der alten Stammver— 
wandtſchaft und des Namens Seinsheim zu vermögen, war 
Freiherr Georg Ludwig der Aeltere von Seinsheim die nach 
dem Erlöſchen der fränkiſchen Linie (1588) eben erſt zur Erb⸗ 
folge gelangten Grafen zu Schwarzenberg von der baier'ſchen 
Linie zu einem Familienvertrage zu überreden bemüht. So 
kam zwar am 7.17. Dezember 1590 ein, in der neueſten 
Controverſe eine nicht unerhebliche Rolle ſpielender, ſogenannter 
Erbeinigungsvertrag*) zu Stande, welcher aber, kaum zu Per⸗ 
gament gebracht, von zwei Hauptpaciscenten, den Grafen Wolf— 
gang und Johann Gerwick zu Schwarzenberg, auch ſchon wieder 
revocirt wurde und ſonſt auch wegen legaler Formgebrechen nie 
zur Rechtskraft gedieh, zudem ſich auch von Seite der Schwar- 
zenberge der niederländiſchen Linie nie einer Anerkennung zu 
erfreuen hatte. 


Die vom Freiherrn Georg Ludwig dem Aeltern 1591, ſeinem 
Todes jahre, nachgeſuchte Aufnahme in das fränkiſche Grafen- 
collegium hatte erſt unter deſſen Erbnachfolger Georg Ludwig 
dem Jüngern vom Erlacher Zweige der Weſſerndorfer Linie 
einen Erfolg. Die Aufnahme in das Collegium erfolgte 1592 
auf dem Grafentage zu Wertheim, und blieben die Seinsheime 
Mitglieder des Collegiums bis 1655. Freiherr Friedrich 
Ludwig von Seinsheim war das letzte Seins» 
heim'ſche Mitglied des fränkiſchen Grafe neol⸗ 
legiums.““) Zufolge des am 10. Juni 1655 zu Straubing 
abgeſchloſſenen und ſchon am 17. Juni j. J. vom Kaiſer be⸗ 
ſtätigten Vertrages trat hierdurch Ludwig von Seinsheim die 
Fideikommißgüter in Franken bis auf Erlach, welches 1664 
auch ſchwarzenbergiſch wurde, und ſomit die ganze Reichs— 
herrſchaft Seinsheim“) an Johann Adolf, Grafen, ſpä⸗ 
teren erſten Fürſten zu Schwarzenberg, und deſſen Nachkommen⸗ 
ſchaft ab. Erſt nach dem gänzlichen Erlöſchen die ſer letzteren 
im Mannsſtamme blieb den Seinsheimen ein eventuelles Rück— 
fallsrecht offen. Nur die Herrſchaft Sinching in Baiern 
blieb den Seinsheimen, bis zum Erlöſchen ihrer männlichen 
Descendenz, in dieſem Fall mit Vorbehalt des Erbfucceffiong- 
rechtes für die Schwarzenberge. Die Erlacher Seinsheime ver- 
ließen hierauf Franken und ſtifteten in Baiern die Hauptlinie 
Seinsheim⸗Sinching. 

Jener Straubinger Vertrag war aber die unvermeidliche 


) Das Original dieſes Vertrages, auf welchen auch Dr. Heff- 
ter: „Die Sonderrechte,“ Seite 403, hinweiſt, und der ſich auch in 
Dr. 9. Zöpfl's „kritiſchen Bemerkungen zu dem Schwarzenberg' ſchen 
Memorandum“ dc. Heidelberg, 1869, als Anlage 5 abgedruckt findet, 
im fürſtl. Schwarzenberg'ſchen Familienarchive. — 

) Vergleiche: „Aechte Beſchaffenheit des Reichsgräfl. 
fränkiſchen Collegii“ ꝛc. S. 68 u. ff. §. 150 und 151, dann 
S. 71 F. 155. Das $. 156 Erzählte ift nichts weniger als der hi⸗ 
ſtoriſchen und actenmäßigen Wahrheit entſprechend. Die von Johann 
Adolph Grafen zu Schwarzenberg geltend gemachten Rechtsansprüche 
wurden von demſelben 1645 im rechtmäßigen Ceſſionswege erworben. 

) Einer Beſchreibung aus ſpäterer Zeit zufolge lag dieſe 
reichsunmittelbare Herrſchaft zwiſchen der Herrſchaft Ri und 
dem markgräflich Anspach’ichen Oberamte Uffenheim. — Der Markt 
Seinsheim aber war ſchon Erkingers, des erſten Freiherrn zu 
Schwarzenberg, Eigenthum, und erhielt derſelbe vom Kaiſer Sigis⸗ 
mund 1434 ein Stadt⸗Wochen⸗ und Jahrmarkts⸗ dann Halsgerichts⸗ 
Privilegium für Seinsheim. — (Abſchrift in der Privilegien⸗Samm⸗ 
lung des fürſtlichen Schwarzenberg'ſchen Familien⸗Archivs.) 


66 


Kataſtrophe nach langen und ſchweren, hier nicht näher zu er⸗ 
örternden Proceſſen und die traurige Folge von unbegründeten 
Erbsprätenſionen, von während des 30 jährigen Krieges began⸗ 
gener Felonie, Güter⸗Devaſtation⸗ und bereits theilweiſer Con⸗ 
fiscation, und hatte, nur in milderer Form, die Wirkung einer 
„Res judicata.“ — 
Nach dieſer Zeit hatte das reichsſtändiſche, auf den obigen 
Befig baſirte Verhältniß der Seinsheime ein Ende, und die 
während der baierſchen Sequeſtration des Fürſtenthums Schwar⸗ 
zenberg im Jahre 1809 aus Schwarzenberg ' ſchem Vermögen 
ſtattgefundene Ablöſung des Seinsheim'ſchen Erbsanfall-, oder 
vielmehr Reſtitutionsrechtes löſte die letzte Beziehung zu dem 
ehemaligen reichsunmittelbaren Stammgute. 
g Wenn nun aber eben aus jenem Straubinger Vertrag be⸗ 
ſondere familienrechtliche Conſequenzen gezogen, wenn aus dem⸗ 
ſelben ſtandesherrliche Rechte abgeleitet werden wollen und ſo— 
gar darauf die Fiktion eines Geſammthauſes Seins⸗ 
heim mit einer älteren fürſtlichen und jüngeren 
gräflichen Linie aufgebaut werden will), jo wird 
ſich die innere Haltloſigkeit dieſes Anſpruchs auf Grund der 
obigen vorausgeſchickten geſchichtlichen Darſtellung um ſo ſicherer 
beurtheilen laſfen, als ſich ſelbſt bei dem, allerdings nicht er⸗ 
findlichen Vorhandenſein der vom gelehrten Herrn Verfaſſer des 
in Rede ſtehenden Aufſatzes im „Deutſchen Herold“ vorge— 
brachten genealogiſchen Prämiſſen keine den Seinsheim'ſchen 
Wünſchen günſtigen Schlüſſe daraus ziehen ließen. 

Die heutigen Grafen von Seinsheim ſind keine Abſtämm— 


linge der „anderen Nachkommen Erkinger's“, des 


erſten Freiherrn zu Schwarzenberg, und der Straubinger 
Vertrag hat kein „Geſammthaus Seinsheim“ begründet. 
Auf dieſe zwei Punkte kommt Alles an. 

Wir müſſen uns nun noch zu der Anmerkung S. 10 
des „Deutſchen Herold“ wenden, wo von dem Seinsheim'ſchen 
Wappen die Rede iſt und die „gekrönte Sau“ als ein 


„redendes“ Wappenbild bezeichnet wird. Auch dieſe Angabe 
bedarf dringend einer Berichtigung. Offenbar iſt dieſe An⸗ 
nahme auf die ältere Schreibung des Namens Seinsheim zu— 
rückzuführen. Dieſe letztere erſcheint urkundlich in den mal: 
nigfachſten Formen, als: Sodensheim, Sawnsheim, Sowns⸗ 
heim, Saunsheim, Sannsheim, Soinsheim, Sauensheim, Sains— 
heim und Seinsheim.“ 

Bei dieſer großen Verſchiedenheit der ſchriftlichen Form 
wird wohl die Frage aufgeworfen werden dürfen: Wie denn 
eigentlich dieſer Name in der Ausſprache, zumal in der alt 


*) Der Beleuchtung dieſer Fiktion, fo wie der Widerlegung der 
vorausgegangenen Seinsheim ſchen Deduktionen, insbeſondere der be⸗ 
reits früher citirten „Kritiſchen Bemerkungen“ ꝛc. von Hofrath und 
Profeſſor Dr. Zöpfl, iſt das von den Profeſſoren und Hofräthen 
Dr. Leopold Neumann und Dr. Joſef Unger verfaßte „Rechtsgutach⸗ 
ten über die beanſpruchten Familienſtandesrechte der Grafen von 
Seinsheim,“ Wien, Druck von Carl Gerolds Sohn, 1870, gewidmet. 
) Die Schreibung „Sannſſheim“ kommt z. B. in dem Diplome 
Kaiſer Sigismunds v. J. 1429 über Erkingers zu Seinsheim Stan⸗ 
deserhebung vor, obgleich wir eine andere Urkunde Kaiſer Sigismunds 
vom vorhergehenden Jahre, 1428, kennen, in welcher Erkinger „von 
Sowußheim“ 4 wird. Wir kommen auf dieſes Document 
nochmals zurück. Der Biograf des Freiherrn Georg Ludwig d. Aelt 
von Seinsheim, Thraſybulus Septa, widmet der älteren Schreibung 
des Namens Seinsheim einen Excurs und, ſich auf eine Stelle im 
Todtenbuche der Franziskaner zu Würzburg zum Jahre 1343 beru⸗ 


fend, erklärt er die Schreibung „Sawensheim“ für eine wahrſchein⸗ 


liche Corrumpirung des richtigen „Seinsheim.“ „De ortu vita Familienvertrag mit dem in Farben ſorgfältig ausgeführten Wappen 


ote.“ Seite 361 und ff. 


i Famil wohl erha 


Familienarchive. 


fränkiſchen gelautet habe? Wurde doch auch der heutige Name 
„Mainſtockheim“ in einer uns vorliegenden Urkunde v. J. 
1426 „Mewnſtokheim“ geſchrieben, fo daß immerhin das „w“ 
vom fränkiſchen Munde wie ein „ü“ ausgeſprochen worden 
ſein konnte“.) Doch ganz abgeſehen hievon, ſo iſt der Eber 
im Seinsheim'ſchen Wappen keineswegs ein altes und urſprüng⸗ 
liches Emblem dieſes Geſchlechts. Das Seinsheim'ſche Wappen 
war anfänglich ein ſehr einfaches und beſtand — Zeuge vieler 
alter Siegel — in drei ſenkrechten Strichen, Streifen oder 
Pfählen, die ſich, mit Hinzurechnung der Zwiſchenräume dieſer 
Striche, in Farben ausgedrückt, zu 6 abwechſelnd blauen und 
weißen Pfählen vermehrten, d. h., der Schild war ein 5—6 
mal geſpaltener. Das in der oben erwähnten Note gleich⸗ 
falls beſprochene Menſchenhaupt iſt das in ſpäterer Zeit zum 
ſogenannten „Heidenmännlein“ gewordene und auch im heutigen 
Schwarzenberg'ſchen Wappen noch in dieſer Geſtalt erſcheinende 
Helmkleinod. In Siegeln Erkinger's von Seinsheim und ſeines 
Sohnes Michael an einer Urkunde vom Jahre 1427) iſt es 
ein bärtiger Mannskopf mit einer Art von Krone auf dem 
einen, und mit einer kegelförmigen Kopfbedeckung auf dem an⸗ 
deren Siegel. Nach ihrer Erhebung in den Freiherrenſtand 
fügten die Schwarzenberge 2 neue Pfähle, einen blauen und 
weißen hinzu, ſo daß dieſes alſo vermehrte Wappen nunmehr 
8 Pfähle oder Striche (auch „Straßen“ genannt) zählte. Es 
geſchah dies allerdings zur Unterſcheidung von den übrigen 
Seinsheimen und auch wobl zur Andeutung des erhöhten Standes, 
ſowie des vermehrten Beſitzes, und ging parallel mit der Na— 
mensveränderung, von welcher wir übrigens ſchon 1428 ein Vorſpiel 
erblicken, indem K. Sigismund in einer Urkunde ſchon damals 
Erkinger „den Edln Erkinger Herrn zu Schwarzenberg und 
von Sownſzbeim“ nannte.) So ſchrieb und nannte ſich auch 
Erkinger in der Folgezeit; aber ſchon Erkinger's älterer Sohn 
aus 2. Ebe, Johann, ſchrieb ſich in Urkunden v. J. 1456 
nnd 1460 **) geradezu nur „Herr zu Schwarzenberg“, und die 
Enkel und Urenkel legten bereits auf den Titel: „Freiherr“ 
Nachdruck, ja 3 der letzteren, die Freiberren Paulus, Chri— 
ſtof und Friedrich zu Schwarzenberg, paktirten in ihrem 
Erbtheilungsvertrage v. J. 1529 ausdrücklich wegen überein⸗ 
ſtimmender Führung des Wappens mit „den acht Strichen, 
weiß und plau.“ ) 


In welchem Maße dieſe Namens- und Wappenveränderung 
bei den ſtammverwandten Seinsheimen Anſtoß gefunden, kann 
bei ihrem Geſchichtsſchreiber, Thraſybulus Septa, erſehen werden, 
bei welchem ſich auch eine Beſchreivung des urſprünglichen 


*) Ein analoger Fall findet ſich bei dem ausgeftorbenen alt⸗ 
öſterreichiſchem Geſchlechte der Herren von Sievering, welche die 
„Seiferinger“ und „Sanweringer? geſchrieben wurden. Scheinfeld 
in Franken z. B. hieß wahrſcheinlich urſprünglich Schönfeld. 

**) Es iſt dies die e Erkinger's und Mi⸗ 
chael's von Seinsheim mit Aleß von Sternberg bezüglich der Tochter 
Michael's, Anna, und des Sohnes Sternberg's, Peter, vom 11 April 
1427. Original im fürſtlich Schwarzenberg'ſchen Familienarchive. 

e) Dieſe ſchon erwähnte Urkunde, vom 8. Jänner 1428, betrifft 
die Verpfändung von Petſchau, und befindet ſich im königlich böh⸗ 
miſchen Stadthaltereiarchive zu Prag. 

%) Beide Urkunden „Johann's Herrn zu e e, ſo 
wie eine der e Frawe zu Schwartzenberg,“ v. J. 1458 mit 
tenen Siegeln im fuͤrſtlich Schwarzenberg ſchen 


) Dieſer zu Donauwörth am 11 October, 1529 abgeſ chloſſene 


im genannten Archive. 


67 


Seinsheim'ſchen Wappens findet.“) Bei demſelben Autor be 
gegnet man aber auch einer Erklärung des ſchreitenden oder 
vielmehr ſpringenden (apri in saltum se conjicientis“) 
Ebers im neueren Seinsheim'ſchen Wappen; eines heraldiſchen 
Bildes, welches dem ausgeſtorbenen Geſchlechte der Herren von 
Sinchingen in Baiern angehörte und welches Freiherr Ge- 
org Ludwig von Seinsheim nach dem Erkaufe der gleichnami- 
gen Herrſchaft im Jahre 1570 und in Folge ſeiner Erhebung 
in den Freiherrenſtand 1580 als einzige Neuerung reſp. Beſſe⸗ 
rung oder Mehrung in fein angeſtammtes Familienwappen auf⸗ 
nahm.“) Dieſer Eber hat alfo weder mit dem alten Namen 
Sawnsheim noch mit dem neueren etwas zu thun. Der Irr⸗ 
thum in Betreff des beſagten Ebers hat übrigens in viele ge 
nealogiſche und heraldiſche Werke Eingang gefunden, jo z. B. 
gleich in J. G. Biedermanns „Genealogiſche Nachrichten 
der fürſtlichen, gräflichen, ritterſchaftlichen und anderer Häuſer 
in Franken“, 9 Bde., 1745— 1751. Den irrthuͤmlichen Aus⸗ 


deutungen des Ebers im Seinsheim'ſchen Wappen iſt aber be⸗ | 


reits der Würzburg'ſche Archivar und Lehenſekretär Oetavian 
Salver in feinen „Proben des deutſchen Reichsadels“, Würz- 
burg 1775, berichtigend entgegengetreten. — 

Was nun ſchließlich die im Anhange des bisher beſprochenen 
Artikels enthaltenen urkundlichen Daten aus dem Bamberger 
Lebenbuche betrifft, ſo gehen nur die aus den Jahren 1426, 
1429 und 1439 den Schwarzenberg'ſchen Stammvater Er: 
kinger und deſſen Descendenz an. Jener andere Erkinger von 
Sawnuſzheim zu Wiſenbrunn (auch zu „Weyſſenbrunn“, „Weiſ⸗ 
zenbrünn“, „Beißenbrunn“, „Wiſſenbrunn“) war ein Zeitge⸗ 
noſſe des Erkinger von Sawnsheim zu Stefansberg, nachmals 
Hrn. zu Schwarzenberg, u. erſcheint mit jenem dritten Erkinger von 
Sawnsheim zu Kottenheim, ſowie mit Linhart von Sawnsheim 
(auf Schernaw) in mehreren uns vorliegenden Urkunden als 
Zeuge. So z. B. gleich im Teſtament Erkingers, des Schwar⸗ 
zenberg's, v. J. 1428, in der Erbtheilung vom Jahre 1438 
und in noch einer Urkunde v. J. 1442, (Barbara's zu Schwar⸗ 
zenberg Heimſteuer und Widerlage betreffend.) Indeſſen hatte 
auch, (laut ſeines Teſtaments v. J. 1428) Erkinger zu Schwar⸗ 
zenberg Zinſen, Nutzungen und Gefälle zu Wieſenbrunn und 
die Lehenbuchsdaten zum Jahre 1439 betreffen dieſen Wieſen⸗ 
brunner Beſitz. (Der Orig.⸗Lehnbrief vom 22. März 1439 
(Lehenbuchsfolio 51 b.) iſt, wie bereits erwähnt, im fürftlich 
Schwarzenberg ' ſchen Familien⸗ Archive vorhanden). — 

Wien, im Juni, 1871. 

Adolf Berger. 


Nachſchrift. 

Die verſpätete Bekanntſchaft mit dem Artikel „Seinsheim 
und Schwarzenberg“ in Nr. 2 l. J. d. Bl. hatte die weitere 
Folge, daß auch der mittlerweile in Nr. 4 erſchienene, gleich 
betitelte Artikel dem Verfaſſer des obigen Aufſatzes erſt nach 
der Abſendung deſſelben an die geehrte Redaction zu Geſichte 
gekommen. So ſchätzbar und zutreffend die jedenfalls von gut 
unterrichteter Seite ausg egangenen berichtigenden Bemerkungen 


*) „De ortu, vita“ ete, p. 18 und ff. dann p. 38 und ff. 
Vergleiche auch p. 353 und ff. und 359 und ff. 

*), Thraſybulus Septa beſpricht in ſeinem bereits öfter eitirten 
Werke p. 279 und ff. ausführlich den Erkauf von Sinching und 


erläutert p. 359 und ff. den Zuſammenhang des Ebers im Wappen 


mit jenem Gutsankaufe. 


in Nr. 4 d. Bl., ſo machen ſie doch die weitere Bemühung, 
den Sachverhalt jo viel als möglich aufzuklären und das vor⸗ 
handene Beweismaterial zur Beſeitigung aller Zweifel zu ver⸗ 
werthen, keineswegs überflüſſig. Wenn daher auch der Herr 
Verfaſſer des ſpäteren Artikels in Nr. 4 über die Bedeutung 
des gekrönten Ebers im Seinsheim'ſchen Wappen, ſowie über 
die Tragweite der Erhebung des Erkinger zu Schwarzenberg 
im Jahre 1429 bereits das Nöthige beigebracht; ſo werden 
unſere urkundlichen Daten und Quellencitate den hiſtoriſchen 
Thatſachen zu einer um ſo prägnanteren Beſtätigung dienen. 
Und ſo finden wir denn auch in Betreff der Scheidung der 
beiden Häuſer Schwarzenberg und Seinsheim, ſowie hinſichtlich 
der Verzweigung der Descendenz des Schwarzenberg'ſchen Stamm⸗ 
vaters Erkinger aus deſſen beiden Ehen, weiter nichts hinzuzu— 
fügen. 

Das Verwandtſchaftsverhältniß zwiſchen des R. K. Sigis⸗ 
mund Gemalin, Barbara, und der 2. Ehegattin Erkingers zu 
Schwarzenberg, Barbara zu Abensberg, betreffend, fo iſt dies 
hier nur von nebenſächlicher Bedeutung und könnte allenfalls nur 
dann in näheren Betracht kommen, wenn der Irrthum aufrecht 
erhalten werden wollte, daß die Kinder Erkingers zu Schwar⸗ 
zenberg aus deſſen zweiter Ehe bei der Standeserhebung v. J 
1429 etwa eben jenes Verwandtſchaftsverhaͤltniſſes wegen eine 
beſondere Berückſichtigung gefunden. Die im Arkikel Nr. 4 des 
„Deutſchen Herold“ angegebenen ſchwägerlichen Beziehungen 
zwiſchen K. Siegmund und Eliſabeth, der Schweſter Jodoks 
von Abensberg, reſp. zwiſchen den Häuſern Cilli und Abens- 
berg, beſtanden thatſächlich; nur iſt nicht zu überſehen, daß, ſowie 
der Königin Barbara Mutter, Hermann II. Grafen von Cilli 
Gemalin, als eine geborne Gräfin von Schaumberg (rectius 
„Schaunberg aus Oeſterreich“) bezeichnet wird, Genealogen 
auch der Barbara von Abensberg, vermälten Schwarzenberg, 
eine Mutter aus jenem Geſchlechte (Agnes von Schaunberg, 
Gemalin Jodok's oder Jobſt's von Abensberg) zutheilen. Uebri⸗ 
gens herrſcht in dieſen Abensberg⸗Cilli⸗Schaumberg'ſchen Ver⸗ 
wandtſchaftsbeziehungen große Unklarheit und verweiſen wir 
nur noch zur Vergleichung auf die Cilli'ſche Stammtafel (nach 
J. Orozen’s „Celjska kronika“, Cilli, 1853) in dem 
Buche: „Die vier letzten Lebensjahre des Grafen Ulrich II. 
von Cilli,“ von Alex. Georg Supan, Wien, Braunmüller, 
1868.5) 


Die Bemerkung im neuen Artikel, Nr. 4 des „Deutſchen 
Herold,“ hinſichtlich der Erwerbung des Herrenſtandes von 
Seite Schwarzenberg und der gleichnamigen Herrſchaft entbehrt 
nicht der Begründung; maßgebend bleiben aber in ihrer Zu⸗ 
ſammenfaſſung die Motive im Standeserhebungsdiplome v. J. 
1429; was aber die vorausgehende Bemerkung des Herrn Ver⸗ 
faſſers des beſagten berichtigenden Artikels bezüglich „der Un- 
klarheit des Schwarzenberg'ſchen Widerſtandes 
gegen die Seinsheim'ſchen Anſprüche“ betrifft, fo iſt 
dem dort angeführten Argumente gegenüber nichts klarer, als 
das, wenn den Herren Grafen von Seinsheim der dort ange 
deutete Nachweis eben nicht gelungen, noch weit weniger die 
hiſtoriſche und rechtliche Wahrheit des von ihnen aufgeſtellten 
und weiterreichende Abſichten im Hintergrunde bergenden Rechts⸗ 


*) Die im 13. Bande der „Verhandlungen des hiſtoriſchen * 
eins für Niederbayern“ (1868) abgedruckten „Beiträge zur Geſch. d 
Grafen und 10 le von ee haben wir bis jetzt lader 
noch nicht einſehen können. 9 


68 


titels der prätendirten Exiſtenz eines „Geſammthauſes 
Seinsheim mit einer älteren fürſtlichen und einer 
jüngeren gräflichen Linie“ jemals wird nachgewieſen 
werden können. Dieſem alſo formulirten Rechtstitel gilt 
der unausweichliche Widerſpruch, und ſieht ſich das Haus 
Schwarzenberg, wie ſchon jo oft in der Vergangenheit, hier 
neuerdings zur Defenſive genöthigt. — 

Was es mit den gleichfalls abermals zur Sprache ge— 
brachten Lehenregeſten vom Jahre 1431 für eine Bewandtniß 
habe, wurde bereits von uns früher nachgewieſen; was aber 
das vaſalliſche Verhältniß von Schwarzenberg und Hohenlands— 
berg betrifft, ſo iſt wohl hier der Kadolzburger Vertrag v. J. 
1511 gemeint, der ſowol in ſeinen Urſachen, als in ſeinen 
Folgen auf ein „Compelle intrare““ hinauslief und häufigen 
Vergewaltigungen zum Vorwande diente, übrigens aber als ein 
Reichsafterlehenverhältniß kein Hinderniß für die Einführung 
in den Reichsfürſtenrath 1674 wurde, bei welchem Anlaſſe es 
mit günſtigem Erfolge zur Diskuſſion gelangte. — 

6 Wien, 7. Juli, 1871. 
Der Verfaſſer. 


Ueber Blafonirung. 


Es ift gewiß ſehr zu beklagen, daß einige heraldiſche 
Schriftſteller es ſich nicht nehmen laſſen, unſere ohnehin man⸗ 
gelhafte deutſche heraldiſche Terminologie“) immer wieder mit 
neuen, zum Theil unverſtändlichen, zum Theil ſogar un⸗ 
richtigen Bezeichnungen einzelner heraldiſcher Figuren zu be⸗ 
reichern. 

Es wäre gewiß Sache der heraldiſchen Vereine, vor Allem 
darauf hinzuwirken, daß dieſem Uebelſtande abgeholfen, und eine 
allgemeine deutſche heraldiſche Terminologie, 
welche auch für die Münz⸗ und Siegelkunde von nicht gerin⸗ 
gem Werthe ſein würde, aufgeſtellt würde. Die Bemühungen 
des Einzelnen werden ſtets ohne den gewünſchten Erfolg bleiben. 

Selbſt der alte Siebmacher, einer unſerer erſten heraldi⸗ 
ſchen Autoritäten, war bekanntlich kein Held im Blaſoniren. 

Im erſten Theile feines Wappenbuchs, von 1605.,**) 
kommen erſtens manche un beftimmte, zweitens manche zwei⸗ 
felhafte und drittens ſelbſt manche ganz falſche Bezeich⸗ 
nungen vor. a 

ad I., Wenn Siebmacher ein Wappenbild gar nicht zu 
blaſoniren weiß, fo ſagt er einfach „das darin“ (d. h. das 
Bild im Schilde;) z. B. Bl. 87 bei den Költerer zu Höhe, Bl. 
103 bei Neuſtädter gen. Stürmer, Bl. 114 bei den Fron⸗ 
hofen, Bl. 151 bei den Zaſchwitz; oder das „Zeichen;“ 
3. B. Bl. 10 bei Baſel, Bl. 73 bei den Rudezger und Gros 
terzky; oder die „Figur,“ z. B. Bl. 95 von dem Schachreiter 
der Herzheim und Bl. 202 von den 3 Schach⸗Thürmen der 
Hohenbalken; oder das „Signet;“ z. B. Bl. 131, von 
dem Doppelhaken der Sotern. 

ad II. Mit demſelben Worte bezeichnet er mitunter 
ganz verſchiedene Figuren; ſo nennt er die Wappenbilder 
der Spangſtein, Bl. 47, der Ronau, Bl. 68, der Hacken gen. 
Peuſten, Bl. 151, der Ramyn, Bl. 167, alle einen „Stock.“ 


*) Die Engländer und Franzoſen verdienten hierin zum Muſter 
genommen zu werden. f 

&) In den übrigen Theilen kommen bekanntlich keine Blaſo⸗ 
nirungen mehr vor. 


Den Doppelhaken nennt er z. B. bei Bayrn von Caldif. 
Bl. 44, „Hacken;“ dagegen bei Schenk von Winterſtetten, 
Bl. 111, „Angel,“ und bei Stephan, Bl. 211, „Wolfs⸗ 
angel,“ obgleich er bei Pflaumer, Bl. 43 und bei Stadion 
und Stein, Bl. 111, die Wolfs angel (hamecon à loups) 
ganz richtig gezeichnet und blaſonirt hat. 

Den Angelhaken nennt er bei Lanzkron, Bl. 62, „Hacken“ 
und bei Angelloch, Bl. 119, „Angel.“ 

Den abwechſelnd doppelt gekerbten Balken nennt er bei 
Quadt, Bl. 131. einen „gekerbten Balken,“ und bei 
Plitersdorf, Bl. 97, einfach einen „Balken,“ wie den nach 
oben gekerbten Balken der Oſtermayer, Bl. 36; während er in 
dem Wappen der Haunsperg, Bl. 34, den aufrechten glatten 
Balken, ebenfalls Balken, und den doppelt gekerbten Querbalken 
einfach mit „das in der Mitte“ blaſonirt. 

ad III. Das redende Wappenbild der Pfahler, Bl. 81, 
den Pfahlbohrer, nennt er einen „Pfahl;“ die drei Schach⸗ 
Thürme, (Roche,) der Rochau, Bl. 174, blaſonirt er als 
Lilien, bei Derrer, Bl. 206, dagegen als „Hörner;“ 
die Turnierkragen z. B. bei Weingarten, Bl. 122 und Harf, 
Bl. 123, nennt er „Brüken,“ und den Feuerſtahl der Schurf, 
Bl. 43, nennt er „Feuereiſen.“ 

Den Doppelhacken der Komantzky, Bl. 75, blaſonirt er, 
(wie Dorſt im Oetting'ſchen Wappen,) als Z. 

Die beiden räthſelhaften Figuren im Wappen der Lu⸗ 
bowsker, Bl. 75, blaſonirt er als „Pfeile,“ was wohl kaum 
richtig ſein kann. 

Die Figur im II. und III. Felde des Kienburg' ſchen 
Wappens, Bl. 45 und 81, blaſonirt er als „Band.“ u. den 
Helmſchmuck der Brandenburger zu Ried, Bl. 118, als „Zähne.“ 

Die Wappenbilder von Lariſch, Bl. 76, und von Eſchel⸗ 
bach, Bl. 92, blaſonirt er einfach als „Meſſer.“ 

Auch D. J. W. Trier, in ſeinem trefflichen Werke: „Ein⸗ 
leitung zu der Wapen⸗Kunſt,“ Leipzig 1729, blaſonirt nicht 
immer richtig; ſo nennt er z. B. das Wappenbild von Baſel, 
ein ſchwarzes Futteral zu einem Biſchofsſtab; das Wappen 
von Würzburg (im I. und IV. Felde) von Roth und Silber 
quergeſtreift, mit drei in das Rothe gehende Spitzen; das 
Wappen der Grafſchaft Schaumburg „im rothen Feld, ein, in 
drei Theile zerſchnittenes Neſſelblatt, mit einem von Silber und 
Roth quergetheilten Schildlein in der Vertiefung, gegen welcher 
zwiſchen zwei Stücken des Neſſelblatts, ſo viele Nägel in Form 
eines Schächer⸗Kreutzes mit den Spitzen gewendet erſcheinen;“ 
im Wappen von Lichtenſtein, im II. rothen Felde, ein güldener 
Sparren, aus welchem oben einige zugeſpitze Zinnen aufſteigen; 
das Wappen von Hatzfeldt, im güldenen Felde, zwei ſchwarze 
in einander geflochtene Crampen; im Mittelſchild des Maxel⸗ 
rain'ſchen Wappens blaſonirt er den rothen Adler als Vogel, 
und bemerkt dazu: „Dieſer Vogel, welcher von einigen ein 
Adler, als deſſen gewöhnliche Stellung er hat,) von andern 
ein Phönix genannt wird, ſoll vermuthlich ein Auer⸗Hahn ſein, 
wie Siebmacher davor hält;“ (vergl. Siebmacher I. 19); das 
Wappenbild von Augsburg, einen grünen Tann⸗Zapfen auf 
einem güldenen Poſtiment. 

J. G. L. Dorſt in feinem Wurtenbergiſchen Wappenbuch. 
Halle 1846, nennt die Wolfsangeln auch Wolfseiſen. Während 
er im Füſtenbergiſchen Wappen, die Kirchenfahne richtig be⸗ 
zeichnet, nennt er daſſelbe Wappenbild bei Windiſchgrätz: 

(Fortſetzung Seite 70.) 


*) Welche unbedingt maaßgebend iſt! 


69 


M atrikel. (Fortſetzung.) 


Jahr Datum Be 5 Inhalt Diplom 
3 ame. des Wappen. Bemerkungen. 
des Diploms. N Diploms. für 
1708 | 20. Aug. Hammerſtein. A. 2 Gebrüder H.; der eine I 
Kgl. Kammerdiener. 
1% 28 Nov. Henniges. A. Heinr. H., Kgl. Pr. Geh. Led. J. 343; 
Rath, Geſandter ꝛc. 2 Helme. 
1 1. Dez. Creutz. A. Ehrenreich Bogisl. C., Köhne III. I. Vgl. 12. 2. 1710, 
Staatsminiſter, Kgl. Pr. 
W. Geh.⸗Rath. 
1709 | 4. Apr. Eulenburg. (Frh.) beſt. die || Die Familie, (laut Res || Siebm.1.31.|| Val. 19. 9. 1786 
Abftam- || feript des Heroldsamts 
mung zu Cöln a. ©.) 
von den 
Wetti⸗ 
nern. (!) 
„ 18. Mai. Quadt⸗Hüchtenbruch. Frh. N. | Ludw. Alexander Rule-⸗ Köhne 11.55. 


u. Wm. mann Frh. v. Q. zu 

Wickeradt, Enkel des letz⸗ 

ten Freiherrn von Hüch⸗ 

tenbruch zu Gatrop, 

Wilhelm Albrecht, ſeines 
’ Schwiegervaters. 

„ 16. Nov. Bullot. A. David u. Neffen Abra⸗ Köhne 11.92. 

ham und Jean B. 


Z " Oſterwald. A. David O., seigneur de ? 
Biolley und feines + 
Bruders Ludwig 4 Söhne, 

‘ 55 Peprol. A. Jean Scipion P., Dr. Köhne V. 19. 


ed 1 ſämmtlich in Neufchätel. 
reform. Pfarrer zu Nis⸗ „„ 


s mes im Languedoc.) 
„ „ Pury. A. Drei Gebrüder P.; Da⸗ Köhne IV. 25. 
vid, Joſua und Alfons, 
deren Neffe David, ſowie 


Daniel P. nebſt 4 . 
Söhnen. 
„ 14. Dez. v. d. Recke. conf. Frh.] Conrad v. d. R., Reg.⸗ Köhne II. 56.'Rfrh. d. d. 18. 9. 1653 für 
und Amts⸗Kammer⸗Prä⸗ denſelben. 
ſidenten. 
1710 12. Febr. Creutz. A. Fr. Martin C., Bruder Köhne III. I. 
des d. d. 1. 12. 1708 5 
. Nobilitirten. 
„ 17. März Seckendorf. 3 J. F. Schmeerheim zu || 2 verichlun- || Wie derſelbe mit der alten Fa⸗ 
(A. C. O. Eckendorf, Kgl. Oberſt gene Zweige milie v. Seckendorf zuſammen⸗ 
v. 7. 2.) und Comm. von Lipp⸗ (v. Secken⸗ bing, iſt mir nicht bekannt, 
= vermutlich ift der Name von 
ſtadt, als „ # dorf.) 1 thlich iſt der N 
adt, a An, Secken⸗ ſeinem Gute Eckendorf hergeleitet. 
4 25 5 
„ 11. April Finkenſtein. (Fink v.) an. Grf. u.] Albr. Conrad, Königl. Köhne 1. 38. N. Grf. d. d. 4. 2. ejd. für 
in Pr. Feldmarſchall, Albr. den erſteren. 
en. Chriſtoph und Fr. Rein: 
ſtandes auf hold v. Finck. 
ſeine 


Brüder. (Fortſetzung folgt.) 


70 


Kirchen fächer;“ den Doppelhaken im öttingſchen Wappen 
blaſonirt er als Z; das einfach mit Spitzen blau-weiß⸗roth') 


quergetheilte Wappen der Herren von Ulm, blaſonirt er als 


einen, durch einen 5 Mal gebrochenen ſilbernen Querbalken in 
zwei Hälften von blau und roth getheilten Schild;““) feine 
Blaſonirung der „Sporn ſchnallen“ im Blumberg'ſchen 
Wappen ſcheint auch etwas gewagt; den Becher der Beſſerer 
nennt er zwei übereinander geſtürzte Rondeln, (runde Schenken— 
becher; ““) die bekannten Gumppenberg'ſchen Blätter blaſonirt 
er, gegen ſein eigenes beſſeres Wiſſen, in 1. Linie als Schröterhörner. 

Von einer kunſtgerechten Blaſonirung muß verlangt werden, 
daß jeder Sachverſtändige auf Grund derſelben das betreffende 
Wappen, — in einem beliebigen Styl, — mit Sicherheit bild— 
lich darſtellen kann. 

Nach jeder neuen Blaſonirung eines ungewöhnlichen 
Wappens ſollte man ſich daher ſelbſt die Frage ſtellen: könnte 
ich nach meiner Beſchreibung dieſes Wappen ohne Anſtand 
richtig zeichnen? 

Eine und dieſelbe heraldiſche Figur muß immer mit ein 
und demſelben, möglichſt kurzen, aber umfaſſenden und beſtimm— 
ten Ausdruck bezeichnet werden. 

Es gibt aber auch heraldiſche Figuren kat’exochän, 
welche keine eigenen Namen haben, deren urſprüngliche Bezeich— 
nung wenigſtens nicht mehr bekannt iſt. Dieſe Wappenbilder 
müſſen eben möglichſt genau beſchrieben, und ihre etwaige Aehn— 
lichkeit mit einer andern bekannten Figur angegeben werden 

Für das Wappenbild der Studengaſt, Nr. 282 der Zi: 
richer Wappenrolle, giebt es z B. keinen techniſchen Ausdruck. 

Um daſſelbe ſo zu blaſoniren, daß es jeder Heraldiker 
ohne Vorbild richtig zeichnen kann, müßte man daſſelbe etwa 
folgender Maßen bezeichnen: in Blau von Gelb ein Adlerfuß 
mit rothen Waffen, aus welchen aus ſeiner Baſis zwei Lilien— 
ſtengel mit den Spitzen der Lilien gegen die beiden oberen 
Ecken der Schilder gekehrt, hervorwachſen. 

Ferner kommen in der Züricher Rolle in den Wappen 
Nr. 141, 341, 527 und 537 Wappenbilder vor, welche wir 
vor der Hand mit keinem beſtimmten Namen zu bezeichnen ver— 
mögen; das Gleiche iſt der Fall mit der räthſelhaften Figur 
in dem Grünenbergiſchen Wappenbuch, welche beim Wappen 
des Johannes Bowzumer Graf zu Arona u. Angloria zwar 
nicht im Wappen ſelbſt, aber unmittelbar vor dem Wappen: 
helm abgebildet ift.****) 

Im Mebrigen ſollen die Blaſonirungen nicht kleinlich und 
ängſtlich gehalten ſein. 

Die Formen gewiſſer heraldiſcher Figuren wechſeln nach 
Zeit und Styl, wie z. B. die Schirmbretter, auf welchen ein— 
fach das Wappenbild angebracht iſt, und wo die Form im ein— 
zelnen Falle unweſentlich und reine Geſchmackſache iſt. 

Daſſelbe iſt der Fall bei den beſäten oder beſtreuten, den 
zuſammengeſetzten Schild-Tinkturen; ob es einige Lilien, 
Schindeln u. ſ. w. mehr oder weniger find, iſt gleichgültig, und 


*) Im Aulendorfer Codex der Richenthal'ſchen Chronik, v. 1420, 
ſtehen die Farben roth-weiß⸗blau, mit 3 Spitzen. 

*) Siebmacher J. 199, blaſonirt den mittleren Streifen auch 
als weißen krummen Balken. 

) Siebmacher 1. 209 „Geſchirr.“ 

u) Wenn der eine oder andere der verehrten Leſer über die Be— 
deutung dieſer Figuren eine Erklärung in dieſen Blättern mitheilen 
wollte, würden wir ſehr dankbar dafür ſein. 


richtet ſich einfach im gegebenen Falle nach der willkürlich ge- 
wählten, aber immerhin nothwendiger Weiſe ſtylgerechten Schildferm. 

Ein für alle Male ſollte man entweder immer gelb und 
weiß ſagen, oder Gold und Silber; nicht abwechſelnd und 
nicht Beides zuſammen: „Gold oder gelb,“ und „Silber oder 
weiß,“ — was ja ſelbſtverſtändlich iſt. 

Die natürlichen Farben einzelner heraldiſcher Bilder 
könnten füglich zur Vereinfachung der Blaſonirung übergangen 
werden; z. B. bei den gelben Löwen, bei den ſchwarzen 
Bären, bei den weißen Schafen, bei den ſchwarzen Adlern, 
bei den weißen Schwänen, bei den bunten Pfauen, bei 
den ſchwarzen Raben, bei den ſchwarzen Hahnenfedern, 
bei den grünen Bäumen, Zweigen und Blättern, bei den 
gelben Sternen, bei den gelben Kronen, bei dem weißen 
Hermelin mit ſchwarzen Spitzen u. dem weiß u. blauen 
Kürſch u. ſ. w., könnte die Tinktur als ſelbſtverſtändlich ange⸗ 
nommen, und nur die Ausnahmen, z. B. ſchwarze Löwen, 
rothe Adler, rothe Blätter, blaue Sterne, ſchwarze Kro— 
nen beſonders angegeben werden. F.-K. 


Beantwortung der Anfrage II., 2, in Nr. 2 d. Bl.: 
Eine Papiermühle Köckeritz exiſtirt im Kreiſe Kammin. 
5 . Dr. Fr. 

Desgl. der Anfrage VIII., d., in Nr. 7: 

Ein aus Warſchau ſtammender Siegelabdruck mit der 
Bezeichnung: v. Poths, zeigt im grün ſchraffirten Felde eine 
ſ. g. Edelkrone, durch welche zwei Pfeile — die Spitzen oben — 
kreuzweis geſteckt ſind. Helm: Drei Straußfedern; über der 
mittleren wächſt ein geharrniſchter Arm, das Gelenk links, 


einen Pfeil ſchräglinks — Spitze unten — haltend. P. S. 


Unter Bezugnahme auf Seite 56b. des vor. 
Jahrganges dieſer Zeitſchrift erlauben wir uns 
den geſchätzten Leſern mitzutheilen, daß die im 
vorigen Jahre ausgefallene General-Verſammlung 
des Geſammt⸗Vereins der deutſchen Geſchichts⸗ 
und Alterthumsvereine in dieſem Jahre 
vom 17. bis 22. September in Naumburg a. 9. 


ſtattfinden wird. Da vorausſichtlich auch manche 
heraldiſche Fragen zur Beſprechung kommen, 
ſo wäre eine recht zahlreiche Betheiligung der 
deutſchen Heraldiker an dieſen Verhandlungen 
höchſt erwünſcht. Die Red. 


MEET Wir erlauben uns, die geehrten Leſer beſonders 
darauf aufmerkſam zu machen, daß dieſer Nummer der Pro- 
ſpect zu dem in unſerem Verlage erſcheinenden „Heraldi- 
ſchen Muſterbuch“ von Ad. IM. Hildebrandt bei- 
gelegt iſt. 

Berlin. Mitſcher & Mörtel. 
Inhalts-Verzeichniß: 

Standeserhöhungen. — Das Wappen des deutſchen Reiches. 
— Schwarzenberg und Seinsheim. — Ueber Blaſonirung. — 
Beantwortung der Anfragen II. und VIII. — Anzeigen. 


Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Mieſte, R. B. Magdeburg. 


Commiſſ- Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin. 


Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde zu Berlin. 


Ur. 9. 


S, Berlin, im September 1871. II 


Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile. 


2. Jahrgang. 


Auszug aus dem Protokoll der Sitzung des 


„Herold“ vom 5. September 1871. 


Die erſte die Winterſaiſon wieder eröffkende Sitzung des 
Vereins war, da mehrere hieſige Mitglieder noch im Bade und 
auf Reiſen ſich befanden, nicht ſehr zahlreich beſucht, indeſſen 
gab ſich doch das Intereſſe daran und die Freude kund, nach 
einer dreimonatlichen Vacanz wieder wiſſenſchaftliche Themata 
beſprechen zu können. 

Der Schatzmeiſter Lieutenant Gritzner theilte vor Allem 
die intereſſante Neuigkeit mit, daß er alte Holzſchnitzarbeiten 
(vertieft) aus dem Jahre 1587 (gefunden unter Schutt ꝛc. auf 
dem Boden des Apothekerhauſes zu Jüterbogk) darſtellend theils 
wirkliche Familienwappen, theils heraldiſche Inſtrumente und 
Thiere in einzelnen Medaillons (gegen 70 Stück) von 3 bis 
35 Centimeter Durchmeſſer zu Geſicht bekommen hare, welche 
demnächſt, als Reliefs in Gyps gegoſſen, dem Vereine zur 
Prüfung und weiteren Forſchung, wozu dieſelben wohl gedient, 
zugehen würden. 

Derſelbe berichtete, daß Herr Bergrath Freiherr v. Hoi— 
ningen⸗Huene ſich erboten hat, dem Verein die Stammtafeln 
ſeiner Familie, ſobald der Ueberdruck derſelben vollendet ſein 
werde, zum Geſchenk zu machen, was mit Freude begrüßt wurde. 
Es wurde demnächſt der Antrag geſtellt, doch in Erwägung zu 
ziehen, ob es nicht angemeſſen ſein dürfte, für den Verein ein 
geſchloſſenes, zugleich zur Aufnahme der Bibliothek und Samm— 
lungen des Vereins geeignetes Zimmer in einem anſtändigen 
Privathauſe zum Sitzungszimmer des Vereins zu miethen. Der 
Antrag ſoll demnächſt in pleno berathen werden. Baron von 
Saurma⸗Jeltſch, zum erſten Male nach ſeiner Rückkehr aus dem 
Feldzuge im Vereine wieder anweſend, brachte die Frage in 
Anregung, ob der Titel „Reichs-Graf“ und „Reichs-Freiherr“, 
der noch von verſchiedenen Geſchlechtern mit Vorliebe geführt 
wird, eine beſondere Bevorzugung habe. 

In der Debatte darüber ward zunächſt conſtatirt, daß von 
den alten Reichs-Baronen und Grafen, welche dynaſtiſchen 
Urſprungs waren, nur leider noch ſehr wenige in Deutſchland 
blühen; 2) daß der Titel „Reichs-Graf“ und „Reichs⸗Freiherr“ 
allerdings allen denen zuſtehe, welche in den Grafen- und Frei⸗ 


herrenſtand des vormals hl. Römiſchen Reiches, gleichviel ob a. 
1510 oder 1806, erhoben ſeien; Vorrangirung vor den durch 
Preußiſche oder andere Diplome in dieſen Rang erhobenen Fa⸗ 
milien denſelben indeſſen nicht unbedingt zugeſprochen werden 
könne, da lediglich das Alter des Diploms maßgebend 
ſein dürfte. 

3) Der „Freiherrntitel“ ſei allen den Familien zuſtändig, 
welche entweder beſondere Freiherrndiplome aufzuweiſen hätten, 
oder aber zu einer der vormaligen freien Ritterkantone (wegen 
reichsunmittelbaren Beſitzes) gehört hätten, und ſchließlich allen 
den Familien, welchen, ohne daß ſie beſondere Freiherrn⸗ 
diplome aufzuweiſen hätten, die Führung reſp. Weiterführung 
dieſes Titels, nach Verjährung ac. vom Landesherrn zuer⸗ 
| fannt wäre. 

Letztere Fälle find beſonders in den baltiſchen Provinzen 

| vorherrſchend, wo den dortigen alten Familien (meiſt einge⸗ 
wandert zur Ordenszeit von Weſtfalen ꝛc.) nachdem ſie bis zu 
einer gewiſſen Zeit adligen Beſitz daſelbſt nachgewieſen, durch 


beſondere Senats⸗Geſammt⸗Ukaſe z. B. vom 18. Mai 1834, 
3. April 1862 x. die Erlaubniß ertheilt wurde, den Frei⸗ 
herrntitel zu gebrauchen. 

Nachdem Herr Baron von Saurma noch auf eine an ihn 
gerichtete Frage einen kurzen Bericht über die Entſtehung der 
verſchiedenen Wappen in ſeiner Familie (Linien Jeltſch und 
Zülzendorf⸗Ruppersdorf) gegeben, wurde die Sitzung gegen 9 

| Uhr geſchloſſen. 
| Zur Beglaubigung: 
| J. V.: Gritzner, Schatzmeiſter. 


| Eine Kabinets⸗Ordre Friedrichs des Großen und 

die Abſtammung der Freiherren Steengracht 

auf Moyland und Till im Cleve'ſchen von den 
Grafen von der Mark. 


des Großen im Königlichen Geheimen Staatsarchive: 
„Mein lieber Geheimer Etats-ministre Graf v. Podewils. 


| 
| Zu Berlin befindet ſich folgende Cabinetsordre Friedrichs 


Nachdem Ich aus bewegenden Urſachen reſolviret habe, den 
ſonder Zweiffel Euch bereits ſchon bekannten Steingrach 
(sic!) v. Soubourg welcher ſich in Meinen Landen völlig 
etabliret, ein Patent zum Grafen zu accordiren; So iſt 
Mein Wille, daß Ihr das nöthige desfalls der Geheimen Cantzley 
zu Berlin aufgebet inzwiſchen aber zugleich das erforderliche 
dieſerwegen ſo arrangiren ſollet, auf daß vor der Hand da⸗ 
von noch kein eclat gemachet werden müße. Ich bin Euer 
wohlaffectionirter König. - 

Potsdam, deu 2. November 1751. 

/ (gez.) Friedrich. 
An den Etats-Ministre Gr. v. Podewils zu Berlin.“ 
(S. auch v. Ledebur, Archiv für D. Adelsgeſch. I. 342.) 

Der hier genannte niederländiſche Patrizier war Adrian 
Steengracht de Wiſch et Soubourg, Freiherr der „Hoheit“ 
von Wiſch, Herr auf Moyland, Till, Oſſenbroich, Huet, alles 
bei Emmerich; Slangenburg in Geldern, Oft- und Weſt⸗Soubourg, 
Abeele, St. Aldegonde in Seeland, Echevin et Conſeiller der 
Stadt Middelburg. Nachher Grand⸗Bailli der Domänen Seen⸗ 
lands weſtlich der Schelde, geb, 1720 + 1773. Er erhielt 
erſt pfandweiſe, dann zum erblichen Beſitzthum von Friedrich 
dem Großen, dem er pecuniäre Dienſte erwieſen hatte, die frü⸗ 
her Spaen'ſchen nachher Königlichen Güter Moyland (berühmt 
durch die erſte Zuſammenkunft Friedrichs mit Voltaire, ſ. Carlyle 
Life of Frederich the Great) u. ſ. w. im Cleve'ſchen, und 
ſtammte in ſechſter Generation ab von einem Hubert de Jonge ge⸗ 
nannt Steengracht (+ 1618,) Bürgermeiſter von Zieritzee, Conſeiller 
depute und Rath bei der Admiralität in Seeland, viertem 
Sohne des Johann Anton de Jonge, geb. 1520. Dieſer er⸗ 
hielt d. d. Brielle 3. November 1571 vom Grafen von der 
Mark, Wilhelm, Baron von Lumain, Serein, Bourſet, Erbvoigt 
von Franchimont, unter Beifügung der Filiation 
ein Atteſtat über ſeine Abſtammung von dem 
Gräflichen Hauſe von der Mark, welches noch in origi— 
nali im Haag aufbewahrt wird. 

Jetziger Beſitzer der Güter Moyland, Till u. |. w. iſt 
Freiherr Nicolas Adrian Steengracht, geb. 1834, Königlich 
Niederländiſcher Kammerherr, (vermählt 1868 mit der Baro⸗ 
neſſe Maria Theodora von Herzeele, aus dem uralten, ſchon 
vor 1200 urkundlich erſcheinenden aus Herſel bei Köln ſtam⸗ 
menden, 1689 von Spanien mit der Marquiswürde begnadig⸗ 
ten Hauſe Herzeele, Herſelles, welcher wie ſeine Vorfahren, 
von der Preußiſchen Regierung den Freiherrntitel erhielt.) 

Leider iſt, bei der in den Niederlanden herrſchenden 
Wappenvariabilität, in dem jetzigen Steengracht'ſchen Wappen 


72 


von dem urſprünglich v. d. Mark'ſchen Nichts mehr übrig ge⸗ 


blieben, ſondern daſſelbe aus den Wappen dreier verſchiedenen 
Familien zuſammengeſtellt. Der Obengenannte Adrian S. 
führte es mit einem Freiviertel von de Rupyter, wegen ſeines 
mütterlichen Urgroßvaters, des berühmten Admirals, Däniſchen 
Edelmannes, ſpaniſchen Herzogs u. ſ. w. 


Berlin, den 28. Auguſt 1871. v. Fock. 


* Sandeshoheiten. 


Unter obigen Titel bringt Nr. 7 des „Herold“ einen 
Artikel, der in mehrfacher Beziehung der Berichtigung und Er— 
gänzung bedarf. Ueberhaupt wird es ſehr ſchwer ſein, ein 
vollkommen richtiges Verzeichniß der Territorien herzuſtellen, 


bi 


deren Beſitzer über dieſelben Landeshoheit beſaßen, da eines⸗ 
theils der Begriff der Landeshoheit zur Zeit des deutschen 
Reiches eigentlich nie vollkommen feſtſtand, anderntheils aber 
die Hoheitsrechte in den einzelnen Fällen ſo beſtritten und 
wohl auch getheilt waren, daß es zuweilen kaum mehr möglich 
iſt, das Richtige zu finden. Dies weiter zu erörtern iſt hier 
nicht meine Abſicht; ich will vielmehr nur im Vorübergehen 
einige Notizen zur Richtigſtellung mehrerer der angeführten 
Nummern beibringen. 


Der oben erwähnte Artikel will ein Verzeichniß bringen 
„jener Familienhäupter des Reichsadels, welche bei Auflöſung 
„des deutſchen Reiches über die hier genannten Zerriterien 
„Landeshoheit beſaßen, ohne wegen derſelben Reichsſtände zu 
„ſein noch zur freien Reichsritterſchaft wegen derſelben 
„zu gehören.“ Dagegen läßt ſich verſchiedenes vorbringen und 
zwar z. B. gegen: 

Nr. 12) lautend: „der Reichsfreiherr v. Sickingen 
„wegen der Herrſchaft Ebernburg zur vorderen Grafſchaft Spon— 
„heim im Oberrheiniſchen Kreiſe.“ 

Hierzu iſt nun zu bemerken, daß Ebernburg zur Zeit 
der Auflöſung des Deutſchen Reiches dem Grafen v. Sickingen 
gar nicht mehr gehörte. Nach langjährigen Proceſſen und 
Verhandlungen verzichtete nämlich i. J. 1771 das von 
Sickingen'ſche Geſchlecht gegen eine Entſchädigung von 
90,000 Fl. auf alle Anſprüche auf dieſe Herrſchaft zu Gun— 
ſten von Baden und Pfalz, und wurde dieſelbe nun mit 
der Grafſchaft Sponheim vereinigt. Uebrigens war Ebern— 
burg allerdings reichsritterſchaftlich, und verzichtete die Reichs- 
ritterſchaft auch erſt in dem oben angeführten Jahre auf ihr 
Beſteuerungsrecht unter der Bedingung, daß ihr dafür andere 
bisher mittelbare Güter einverleibt würden. — Schließlich iſt 
zu bemerken, daß der Graf v. Sickingen zur Zeit der 
Auflöſung des deutſchen Reiches nicht nur als Perſonaliſt, 
ſondern ſeit 1779 als wirklicher Reichsſtand bei der ſchwäbi⸗ 
ſchen Grafenbank eingeführt war. — 

Nr. 16) lautet: „der Reichsgraf v. Walderdorff we— 
„gen Herrſchaft Molsberg zu der Grafſchaft Nieder- 
„Iſenburg im Kurrheiniſchen Kreiſe.“ Das iſt vollkommen 
unrichtig. Die Herrſchaft Molsberg hatte weder örtlich 
noch ſtaatsrechtlich den mindeſten Zuſammenhang mit der 
Grafſchaft Nieder⸗I ſen burg. Molsberg liegt in 
der Gegend von Limburg an der Lahn und hatte urſprüng⸗ 
lich ſeine eigenen Dynaſten; ſpäter kam die Herrſchaft an Trier; 
von Trier gedieh fie an Walder dorff, jedoch mit Vor⸗ 
behalt der Landeshoheit für Churtrier. Bekanntlich wollte 
Trier dem innerhalb ſeines Gebietes anſäſſigen Adel die Reichs— 
unmittelbarkeit nicht zugeſtehen, doch wurde der langjährige 
Streit endlich im Jahre 1729 endlich dahin geſchlichtet, daß 
der genannte Adel definitiv als reichsunmittelbar anerkannt 
wurde; übrigens gehörten die von Walderdorff ohnehin von 
jeher zur freien Reichsritterſchaft. Das verhinderte aber alles 
nicht, daß Churtrier gewiſſe Hoheitsrechte über die Herrſchaft 
Molsberg ſtets behielt. — Ein ganz anderes Verhältniß 
hat es jedoch mit der Grafſchaft Nieder-Iſenburg, land- 
einwärts zwiſchen Coblenz und Wied gelegen. Nach dem 
Tode des letzten Grafen v. Nieder-Iſen burg⸗Grenzau 
zog Churtrier den größten Theil der Grafſchaft an ſich; im 
kleineren Theile folgten Walderdorff und Wied nach, und 
beſaßen, nachdem langjährige Streitigkeiten zwiſchen allen Be⸗ 
theiligten endlich geſchlichtet waren, ihren Antheil bei der Auf- 


73 


löſung des deutſchen Reiches noch gemeinſchaftlich. Die Stimme, 


für Nieder⸗-Iſenburg führte zwar Churtrier; in der 
Reichs⸗Matrikel, z. B. v. J. 1776, wurden aber die drei Theil⸗ 
haber mit ihren Matikularbeiträgen einzeln vorgetragen, wie 
dieſelben auch ihre Reichscontingente zu ſtellen hatten. Es 
war alſo in dieſem letztern Falle der Graf v. Walder dorff 
reichsunmittelbar als Mitbeſitzer einer Reichsgrafſchaft, während 
er Molsberg nur als reichsunmittelbarer Edelmann beſaß. 

Nr. 11) lautet: „die Reichs⸗Freiherrn von Reitzenſtein 
„zur Reuth wegen der ehemals Sparneckiſchen Reichslehne zu 
„Markt Redwitz, Dörflas und Bernſtein, Oberpfalz.“ Das 
ſtimmt auch nicht. Vor allem muß erwähnt werden, daß zwar 
die Veſte Reuth, welche das Geſchlecht von Reitzenſte in 
durch Kauf erwarb, in der Oberpfalz liegt; keineswegs iſt dies 
aber mit den erwähnten Reichsafterlehen der Fall, dieſelben 
liegen vielmehr im ſogenannten Egerlande; Markt Redwitz 
gehörte der Stadt Eger und bildete eine unter Kgl. böh— 
miſcher Hoheit ſtehende Enclave zwiſchen Oberpfalz und 
Brandenburg-Culmbach; Dörflas und Bernſtein 
dagegen liegen im Culmbach'ſchen Amte Wunſiedel unter 
Brandenburg'ſcher Hoheit. Von reichsunmittelbaren Terri— 
torien kann alſo hier nicht die Rede ſein, und dies um ſo 
weniger, da dieſe 1769 an Reitze n ſte in gediehenen Reichs⸗ 
afterlehen überhaupt nur aus einzelnen Gefällen beſtanden; 
letztere waren Reichslehen, nicht aber die Landeshoheit über 
Theile der genannten Orte, die wie, geſagt, brandenburgiſch war. 

So würde ſich auch bei den übrigen Nummern noch 
manche Erläuterung und Berichtigung ergeben. H. W. 


Berichtigung 
zum Aufſatze „die Deutſchen Farben“ in Nr. 10 (1870) 
des „Deut ſchen Herold“. 

In dem obenbezeichneten Aufſatze über die „Deutſchen 
Farben“ wird Seite 69 behauptet, daß die böhmiſchen Herzoge 
bereits 1225 den Doppeladler führten, wie ein Siegel an einer 
Urkunde im Archive zu Breslau beweiſe. Auf dieſe angeb— 
liche Entdeckung wurden eine Reihe ganz unzuläſſiger Folger⸗ 
ungen gebaut, die nunmehr mit der Entdeckung ſelbſt zu: 
ſammenſtürzen. In Nr 5 des Correſpondenzblattes des Ge: 
ſammtvereins der deutſchen Geſchichts- und Alterthumsvereine 
hat nämlich Fürſt F. K. von Hohenlohe nachgewieſen, daß die 


eine Hälfte des angeblichen Doppeladlers ein Löwe (der böh—⸗ 


miſche Löwe) iſt! — Uebrigens hatte A. Schulz, der die un⸗ 
richtige Abbildung obigen Siegels gebracht, ſeinen Irrthum be— 
reits eingeſehen und bei der Beſchreibung des Siegels berichtigt; 
es hätte alſo die Behauptung von dem angeblich böhmiſchen 
Doppeladler nicht wieder erneuert werden ſollen. 

H. W. 


* Zum Wappen Wittekinds. 


In Nr. 5 und 6 des „Herold“ erſchien ein Aufſatz über 
das Wappen Wittekinds, worin unter andern auch des 
Phantaſiewappens Karls des Großen erwähnt wird, welches 
Karl IV. (2) an der Tumba des alten Sachſenherzogs an⸗ 
bringen ließ. Es wird dort behauptet, dieſes Wappen ſei in 
den Monument: Paderborn: folgendermaßen abgebildet: „Ein 


geſpaltener Schild, in deſſen vorderer Hälfte ein ſchwarzer, halber 
Adler in Weiß, und in der linken Hälfte ſieben weiße Sterne (!) 
in Gelb zu ſehen ſind.“ — Dieſe Behauptung iſt aber ganz 
ungenau; Die Mo. Pad. weiſen vielmehr das Wappen ganz 
richtig jo auf, wie es ſich die Heraldiker des fpäteren Mittel- 
alters vorſtellten, nämlich einen monogrammatiſch aus dem deut⸗ 
ſchen Kaiſerwappen und dem Wappen der franzöſiſchen Könige 
zuſammengeſtellten Schild, in deſſen rechter Hälfte der halbe 
Reichsadler zu ſehen iſt, während die linke Schildſeite mit den 
franzöſiſchen Lilien (urſprünglich Bienen — noch richtiger 
Todtenköpfe [Schmetterlinge]) beſät if. Was die Farben betrifft, 
ſo war bekanntlich zur Zeit, als die Monunm. Paderb. erſchienen, 
die jetzt übliche Bezeichnung derſelben mit Schraffirung noch 
nicht bekannt, abgeſehen davon, daß an der Tumba Farben 
ſchon gar nicht zu entnehmen waren; die im fraglichen Auf⸗ 
ſatze enthaltenen Angaben über dieſelben ſind daher nicht ſtich⸗ 
haltig; nur iſt aus der dunkeln Haltung der Abbildung des 
Adlers zu erſehen, daß derſelbe ſchwarz ſein ſoll. — Aus ge⸗ 
malten Wappenbüchern geht jedoch hervor, daß man ſich das 
Feld mit dem halben Adler ſelbſtverſtändlich gelb dachte; dagegen 
erſcheint das Feld mit den Lilien bald blau und bald weiß. 
In Grünebergs Wappenbuch ſind z. B. die Lilien auf weißem 
Felde zwiſchen rautenförmigem rothem Gitter angebracht; in 
anderen Wappenbüchern erſcheinen ſie wie geſagt in blauem 
Felde; noch an anderen Orten iſt der große Schild mit einem 
Herzſchilde mit den bayeriſchen weißblauen Rauten belegt, die 
Vereinigung der Reiche Deutſchland und Frankreich und des 
Herzogthums Bayern unter den Karolingern andeutend. Einen 
Schild mit letzterem Wappen hat z. B. auch die Statue eines 
karolingiſchen Kaiſers (wahrſcheinlich Karls des Großen) auf 
einem Brunnen des 16. Jahrhunderts im Vorhofe des ehe⸗ 
maligen Reichsſtiftes St. Emmeran in Regensburg“). Ich 
möchte ſogar vermuthen, daß das »benerwähnte rautenförmige 
Gitter ebenfalls auf die bayeriſchen Rauten Bezug nimmt und 
nur aus Mißverſtändniß fo geſtellt wurde, wie es Grüneberg 
hat. Uebrigens empfehlen wir allen Heraldikern, die dazu in 
der Lage ſind, die Tumba Wittekinds einer eingehenderen Prü⸗ 
fung zu unterwerfen, da es in mehrfachen Beziehungen von 
Wichtigkeit wäre, feſtzuſtellen, ob das angebliche Wappen Karls 
des Großen ſchon im 14. Jahrhundert aufgekommen iſt. 
H. W. 


Redende Wappen. 


Wenn auch die redenden Wappen mit zu den älteſten ge⸗ 
hören, ſo ſcheinen dieſelben doch urſprünglich nur vom niedern 
Adel geführt worden zu ſein. 

Ausnahmen hat es auch wohl von dieſer Regel gegeben; 
es wäre intereſſant ſie zu ſammeln und zuſammen zu ſtellen. 

Wir erſuchen daher alle Freunde mittelalterlicher Heraldik 
um gefällige Mittheilung in dieſen Blättern, der ihnen be- 
kannten redenden Dynaſten-Wappen, (von Herzogen, Grafen 
und freien Herren,) aus dem XII. und XIII. Jabrhundert. 


) Vergleiche (9. Graf v. Walderdorff) Regensburg in ſeiner 
Vergangenheit und Gegenwart. Mit vielen Holzſchnitten und zwei 
Plänen. — Regensburg, 1869. 8. S. 127. — 


Matrikel. 


74 


(Fortſetzung.) 


Jahr 


Datum 
Datum |® Jahr 
77 1915 


mtl. 
des Diploms. Publ. 


1710 21. Mai 


3. Juni 
24. Juli 


Hory. 


Mascow. 


Chevalier. 


Meuron. 


Ougier. 


Heilsberg. 


Mopfeld. 
Pabſt. 


Bartholdi v. Micran⸗ 


der. 


Mayersthal. 
(Grone von) 


Königsegg. 


Flemming. 


Inhalt 


des 


8 . 


A. 
(nicht 
conf.) 


conf. A. 
u. Wm. 
an. A. 


conf. A. 


an. Frh. 


an. Grf. 


Diplom 


für 


Joſoe, Staatsrath, David 

Francois und Francois, 

Prediger, ſämmtlich zu 
Neufchätel. 

Jonas H., Staatsrath 
zu Neufchätel. 
Peter v. M., kgl. Schwed. 
Pommerſcher Conſiſt.⸗ 
Direktor und Profeſſor 
zu Greifswald. 


Jean Rudolphe, vormal. 
k. franzöſ. Schweizer 
gardiſt, Theodor, Oberſt⸗ 
lieut. in Neufchätel, 
Simon, Staatsrath zu 
Thielle daſelbſt und des 
letzteren gleichnamigen 
Sohn, Cavalleriemajor. 


Etienne M., Staatsrath 
zu Neufchätel. 


Benjamin O., Sekretair 
Greffier und Archivar 
in Neufchatel. 

Fr. H., Capitain bei 
Pannewitz⸗Dragoner. 
Ganze Familie. 
Joh. Moritz, Juſtiz⸗ u. 
Hofger.⸗Rath, Joh. Hein⸗ 
rich Weg⸗Graf in Cleve⸗ 
Mark, Vettern v. P. 
Fr. Heinr. v. B., Geh. 
Rath, Reg.⸗Präſ. zu 
Halberſtadt, Schwieger⸗ 
ſohn des 1682 gefreie⸗ 
ten ah 1 


Anna 1 Meyer 
und ihre, mit dem Ober⸗ 
ſten Johann Levin v. 
Grone erzeugten Söhne | 
Joh. Friedrich u. Wilh. 
Auguſt als „v. Mayers— 
thal.“ 

Wilh. Fabian v. K., 
Oberſt. 

Georg Ludwig v. F. 


Wappen. 


Köhne 111.23. 


Köhne III. 56. 


Köhne 111.95. 


Gevierdtet.!. 
u. IV.: mit 
1 Sparren 
belegter, von 
2 Adler⸗ 
rümpfen be⸗ 
gleiteter 
Schrägrechts⸗ 
balken. II. u. 
III.: 3 (2. J.) 
große lat. F. 
Ein Helm. 
Köhne 
III. 100. 


Köhne IV. 15. 


Köhne III. 43. 


Led. 1. 122. 


Bruſtbild 
eines Pabſtes. 


Köhne II. 49. 


Köhne III. 96. 


Köhne II. 44. 


Köhne J. 39. 


Bemerkungen. 


Ein v. G. hatte bereits anro 
1522 den R. A. erhalten. 


Wann Adelserhebung? 


Schwed. Adelſt. d. d. 10. 7 
1688 für denſelben. 
Deſſen Vorfahren hatten be⸗ 
reits dies Wappen u ka. 
Wappenbrief d. d. 22. 9. 1553 
verliehen 2 901% 

Den Gebrüdern Theodor, Itan 
Jacques und Simon Ch. Hatte 
d. d. 4. 10. 1681 die Herzogin 
von Nemours den Adel ver- 
liehen. (Feld I. des neben- 
ſtehenden Wappens.) 


© 


Vgl. 11. 11. 1763; 3. 12 
1789; 11. 3. 1828; 9. 1. 
1830 


Diplom 6 (nicht 2) Jahre vor⸗ 
datirt. 


Wann nob? 


R. A. d. d. 25. Oct. 1708 
für dieſelben als „v. May⸗ 
ersthal.“ 


[Vgl. Grone. Led. Archiv 1. 
296 und II. 15 ſowie Matri⸗ 


kel 8. 5. 1655. 


Rfrh. d. d.. . 1694 für 
denſelben. 


R. Grf. d. d. Dresden, 16. 8. 
1711 für denſelben. 
Eine fernere Erhebung in den 
Reichsgrafenſtand mit demſel⸗ 
ben Wappen erfolgte d. d. 9. 


N 
} 
? 
l 
1 


Datum 


Jahr Datum || Jahr Inhalt Diplom 
— — der Name. des i 
des Diploms. Publie Diploms. für 
171215. Dez. Mardefeld. an. Frh. Guſtav Frh. v. M., 
Präſident zu Magdeburg. 
„ 20. Dez. Neheim. (Nehem.) | an. A. Den Senior der Familie 
a durch A. C. O., welche die 
Zulaſſung zum Cleve⸗ 
ſchen Landtage aus⸗ 
ſpricht. 
1 ‚ Rumpf). an. A. are 
Heinrich Franz v. R. 
1743. 1. Jan Loellhoeffel von Loe⸗ A. Georg Fr. Loellhoeffel, 
wenſprung. Kgl. Hofrath, Geſandter 
in Warſchau, nebſt Brü⸗ 
dern und Vettern mit 
| „v. Loewenſprung.“ 
1 Jacquet. A. Pierre J., Mitglied des 
(nicht großen Raths zu Genf. 
| 1813.) j 
„ 11. Mai Thiele. (nicht Thile.) A. Martin T., Oberſtlieute⸗ 
nant im Regiment 
Grumbckow. 
1 Juli Hirſchfeld. A. Martin H., Lieutenant 
(nicht und deſſen 3 Söhne, 
1714.) von denen zwei Lieute⸗ 
nants, einer Sergeant 
war. 
„PDA Sa Manteuffel. an. Frh. Ernſt Chriſtoph, Königl. 
(+ Linie.) Poln. und Churſ. Ca⸗ 
binetsminiſter. 
„ 13. Nov. Dörffler. an. A. Joh. Andreas v. D., 
Neumärkiſchen Kammer⸗ 
Gerichts⸗Advokat. 
„ 29. Dez. Boneukamp v. d. an. Peter Otto B., Gemahl 
ö Hoeven. frh. A. [der Erbtochter derer von 
| der Hoeven. 
171425. März Schaper. A. Joh. Fr. S., Hofge⸗ 
(Notifi. an richts⸗ u. Commiſſariats⸗ 
die Pomm. Rath in Pommern. 
Regie⸗ 
rung) 


(Fortſetzung folgt) 


Wappen. 


(Nr. d. Dipl. 


1708.) 
Dieſelben 
Bilder, aber 


Bemerkungen. 


Januar 1721 für die Iviſche 
Linie (Felir Friedr.), welche 
noch blüht. 

Vgl. auch 30. 10. 1701. — 


d. d. 1708 Reichs⸗ 


ſchräggeviertet. 5 wurde Jacob Heinrich 


Köhne II. 48. 


Balken be⸗ 
gleitet von 7 
Herzen. 


Led. II. 325. 


Köhne III. 85. 


Köhne III. 59. 


Köhne IV. 75. 
Gev. 
Adlerfuß, 
Arm mit 
Schwert. 
Köhne III. 51. 
geſpalten, 
vorn ein 
Adlerfuß mit 
Pfeilen, 
hinten der 
Hund. 
Köhne 11.49. 
Stw. mit 
Freiherrn⸗ 
krone. 


Köhne III. 6. 


Köhne II. 40. 


Köhne IV. 34. 


gel und erhielt nebſt ſeinen 
ettern Joh. George, Adam 
Friedrich und Felix Friedrich 
d. d. 16. 3. 1725 das ſchle⸗ 
ſiſche Incolat im Herrenſtande. 
Kgl. ſchwed. Adel für Conrad 
Maasberg, ſchwed. Oberſten d. d. 
20. 1. 1646 als v. Mardefeld u. 
Freiherrnſtand d. d. 9. Juni 1677 
für denſelben als Gen⸗Feldmar⸗ 
ſchall und Gouv. von Pommern. 


Aus dieſer Familie ſtammt der 

im Polniſchen Aufſtande von 

1864 bekannte Polnſche Partei⸗ 
gänger von Lelewel. 


Vgl. 25. 11. 1719. 


Vgl. 16. 2. 1787 und 
13 5. 1787 
Rfrh. d. d. 10. 3. 1709 für 


denſelben, welcher d. d. 19. 8. 
1719 auch Reichsgraf wurde, 
jedoch 1749 ohne männliche 
Erben verſtarb. 
Vgl. 15. 1. 1720! 
R. A d. d 16. 1 1693 fm 
Peter D. zu Nürnberg, ſeinen 
Vater. 


Frhl. A. d. d. 11. September 
1710 vom Kaiſer für den— 
ſelben. 


Mit ganz demſelben Wappen, 

(nur ſtatt 2 überall Roth) hat 
ſpäter der bei Led. II. 350 sub 11. 
erwähnte Joh. Ludwig v. S. 

durch Diplom d. d. Wien 21. 2. 
1729 den Reichsadelſtand erhal⸗ 
ten. (Vgl. auch 10. 7 1789.) 


2 2 8 
Antieritica. 

Ju der Doppelnummer 5 und 6 dieſer Zeitſchrift bat 
Herr C. Chl. Fhr. v. R. Mehreres, z. Th. auf von mir ver⸗ 
faßte Abhandlungen bezüglich, veröffentlicht, was einer Auf⸗ 
klärung und Berichtigung bedarf. a f 

1) Wenn Hr. v. R. die Zugehörigkeit der mit den drei 
Blättern im Schilde ſiegelnden Hrn. v. Werther zu dem Stamme 
des noch heute blübenden Geſchlechtes gl. N. mit dem dreimal 
beblätterten Baumaſt im Schilde anzweifelt, ſo entwerthet dieſe 
bloſe, jedes Beweiſes entbehrende Vermuthung der Umſtand, 
daß die beregten Herren v. W. mit dem erſteren Wappen ſich 
unter den Ahnen und im Stammbaum des heutigen Geſchlechts 
befinden. Eben ſo wenig zu begründen dürfte die Vermuthung 
ſein, daß der Ring auf den alten Wertherſchen Helmen ſich 
auf ſo indirecte Weiſe von den „Herren des Lehnhofes, zu 
dem die Lehnsherren der v. Werther gehörten,“ herſchreibe. 

2) Hinſichtlich des Beiſpiels der v. Beulwitz' chen „Wappen⸗ 
Entſtellung“ walten erhebliche Bedenken ob. Da der geehrte Hr. 
Referent weder die Namen der Beulwitz ſchen Siegelführer vor 
der Mitte des 15. Jahrhunderts, noch die Urkunden, an denen 
ſich die qu. Siegel befinden und deren Aufbewahrungsort an⸗ 
giebt, ſo iſt eine nähere Prüfung ſeiner Behauptung nicht moͤg⸗ 
lich, deren Schlußpaſſus „die Siegelſchneider haben überſehen“ 
u. ſ. w. mir nicht verſtändlich if. Die Sache liegt — den 
Vorkommniſſen bei einem faſt gleichen Wappen zufolge — wohl 
etwas anders als Hr. v. R. meint. 5 

Eine angeſehene, ſtets des heutigen Adelsprädicats „von“ 
ſich bedienende Magdeburgiſche Stadtfamilie von Steinbeck 
führt nach Ausweis mehrerer im Magdeburger Staatsarchtwe 
beſindlicher Siegel (ſo Caſpar v. St. 1569 und ein anderer 
Caſpar v. St. 1616) im Schilde einen Halbmond, (nit 
Geſicht) begleitet von drei Lilien, oben zwei, unten einer. Dieſe 
Familie hat ſich entſchieden auf ein rittermäßiges (landadeliges) 
Geſchlecht gl. N. zurückgeführt, von dem uns auch die Siegel 
dreier Mitglieder im gedachten Archiv erhalten ſind. Ritter 
Lippold v. St. (im halberſtädtiſchen Stift) bedient ſich auf 
ſeinem dreieckigen Siegel an einer Urkunde v. J. 1362 als 
Wappenbild eines ſtarken Ringes, der in Form eines 
Schächerkreuzes mit drei halb aus der Peripherie 
hervortretenden Lilien beſteckt iſt. (Unſere Anſicht, daß dieſe 
Figur ad simile des bekannten von Eberſtein'ſchen Wappen⸗ 
bildes eine mit Lilienornamenten verzierte Spange darſtelle, ift 
hier indifferent.) Im J. 1407 zeigt das Wappen des Magde⸗ 
burger Domprobſtes Lippold v. St. auf ſeinem Siegel genau 
dieſelbe Figur, nur muß das Innere des Ringes, das ſich 
etwas gedrückt hat, mit einer Zeichnung verſehen geweſen fein, 
und daß dieſe ein Geſicht dargeſtellt haben wird, läßt ſein 
Grabſtein im Kreuzgange des Magdeburger Domes ziemlich 
ſicher annehmen, da hier als ſein Schildemblem ſich ein wirk⸗ 
licher Halbmond in heutiger Figuration zwiſchen den 3 in's 
Schächerkreuz geſtellten ganzen Lilien zeigt; dagegen zeigt das 
im gedachten Archiv befindliche Siegel Burchards v. St., 
Cantors des Erzſtifts Magdeburg, v. J. 1452 eine kreisför⸗ 
mige mit den halben Lilien ſchächerkreuzförmig beſteckte Scheibe, 
welche an der einen Seite breit⸗doppellinig und 
an dieſer mit einem Geſicht verſehen iſt, während 


die andere Hälfte der Peripherie einlinig iſt, der⸗ 
geſtalt daß die Scheibe aus den zu ſam menlau⸗ 


fenden Hörnern der Halbmondſichel gebildetwird. 
Es iſt hiernach ſehr merkwürdig, daß wir bei den von 


76 


Steinbeck denſelben Vorgang wahrnehmen, wie bei denen von 
Beulwitz, nnd nach dem Angeführten kann hier nicht auf eine 
Nachläſſigkeit der Siegelſchneider geſchloſſen werden, ſondern auf 
eine bewußte Abſicht derſelben oder der Siegelführer ſelbſt. Es 
iſt zu beachten, daß auf dem erwähnten Siegel von 1452 das 
Geſicht des Halbmondes, deſſen Hörner in ein— 
linige Spitzen auslaufen, zu ſammengehen, und 
einen Kreis bilden, en face gezeichnet und nicht 
in der Mitte, ſondern an der Seite des Doppel- 
randes angebracht iſt, ſo daß in der That ein Halbmond 
erſcheint. Wie nun dieſe Variationen zu erklären find, darüber 
würde eine Ausführung den uns hier zugemeſſenen Raum 
überbieten; jedenfalls bleibt es fraglich, ob nicht in derſelben 
Weiſe wie bei den v. Steinbeck, auch bei den v. Beulwitz auf 
natürliche und nicht in entſtellender Weiſe ſich das 
heutige Wappenbild entwickelte, ebenſo wie die bürgerlichen v. 
St. einen Halbmond anzunehmen kein Bedenken trugen. 
Unrichtig iſt die von dem Hrn. Ref. gemachte Angabe, 
daß die v. B. bis in die Mitte des 15. Jahrh. einen Voll⸗ 
mond u. ſ. w. geführt haben. In einem ſehr merkwürdizen 
handſchriftlichen, ſicherlich, wie keines, nach Siegeln gezeichneten 
und illuminirten Wappen ouche aus dem Ende des 16. eder 
Anfang des 17. Jahrhunderts, worüber ich in den Preuß. 
Provinzialblättern Jahrg. 1849 S 432 ff. gebandelt habe iſt 
Fol. 31. v. ein gelber Vollmond in der Mitte des Beul— 


witziſchen Schildes zu ſehen. 


3) Zu bedauern iſt die ungenaue Angabe über das „Miün- 
chener“ Siegel eines Herrn v. Bünau an einer Urkunde von 
etwa 1260. Es wäre mindeſtens zu wünſchen geweſen, dem 
Siegelinhaber mit ſeinem Taufnamen genannt zu ſehen, da der 
Herr Referent nicht zu wiſſen ſcheint, daß bei dem Meißniſch⸗ 
Sächſiſchen Geſchlecht v. Bünau ſich conſequent von deſſen er— 
ſtem Erſcheinen an nur die Taufnamen Heinrich, Günther und 
Rudolph finden, ſo daß er in einem Irrthum befangen iſt, das 
Mansfeldiſche Geſchlecht mit den Vögeln im geſpaltenen Schilde 
als zu jenem gehörig zu betrachten, da bei ihnen jene Tauf- 
namen niemals vorkommen. Es kann ſich nicht darum han— 
deln, was in dem Schilde der nur im Manfeldiſchen ſich zei- 
genden Herren v. Bünow (auch oft ohne Präpoſition ſchon früh vor⸗ 
kommend) dargeſtellt ſein ſoll, ſondern was darin wirklich 
dargeſtellt iſt, und dies ſind, nach Ausweis mehrerer Siegel, 
ganz beſtimmt Vögel und nicht Bienen, fo ſehr der Namens⸗ 
klang auch an dieſe zu denken auffordert. Eine ſolche Conſe⸗ 
quenz trügt, wie wir ja eine Reihe von Adelsgeſchlechtern 
mit Thiernamen kennen, die nicht die entſprechenden Thiere in 
ihren Wappen führen, wie die v. Lau (Löwe) Hirſch, Fink 
u. A. m. In der Zeitſchrift des Harzvereins iſt II. 2. Fink, 
S. 180 ff. ein Bünaufches Siegel nicht blos beſchrieben, ſon⸗ 
dern auch abgebildet, und zwar von ſo ſachverſtändiger 
Hand, daß kein Zweifel über die Figuren obwalten kann, die 
ſich auch in einem anderen wohl erhaltenen publicirten Siegel 
zeigen. Eine ganz ungegründete Vermuthung iſt es daher ferner, 
daß der geſpaltene Schild der Mansfeldiſchen Bünau auf das 
gleichartige Feld im vermehrten Wappen der Meißniſchen Bünau 
zurückzuführen ſein könne. Wenn der geehrte Herr Ref. nicht 
zwei Familien v. Bünau völlig verſchiedenen Stammes 
(die v. B. im Oſterlande und die v. B. in Meißen und Sachſen) 
ſtatuirt, was aus ſeinen Anführungen nicht erſichtlich iſt, ſo 
iſt ſeine Angabe nicht verſtändlich, daß die v. B. im Oſter⸗ 


lande „urſprünglich“ ſich eines geſpaltenen Schildes bedient 


7 


haben, während er doch ſchon 1260 ein Bünauſches Siegel mit 
einer Biene „im romaniſchen Styl“ (2) geſehen haben will. Es 
müßte daher, iſt an eine Familie zu denken, das erſtere Wappen 
noch vor d. J. 1260 auf einem Siegel erſcheinen. 

Das von uns an der obigen Stelle der Zeitſchrift des 
Harzvereins allegirte uns bekannte älteſte Siegel der Meiß⸗ 
niſch⸗Sächſiſchen Herren v. B. v. J. 1367, das wir aus Aut⸗ 
opſtie kennen, könnte, da die Lilie, faſt das ganze Siegelfeld 
einnehmend, Hauptfigur iſt,“) zu der Annahme berechtigen, daß 
man den mittleren oberen breiten Strahl der heraldiſchen Lilie 
ebenſo mit einem Löwenkopfe ornamentirt habe, wie wir z. B. 
auf Siegeln der Edlen v. Barby, Grafen v. Mühlingen, den 
obern Flügelknochen des halben Adlers in ihrem Schilde auf 
dieſelbe Weiſe verziert ſehen. Dem ſei indeß wie ihm wolle, 
an eine Stammesgemeinſchaft der heutigen Herren v. B. mit 
dem erloſchenen Mansfeldiſchen Geſchlecht gl. N. iſt aus den 
angeführten Gründen auf keinen Fall zu denken. 


4) Die von dem geehrten Herrn Ref. behauptete Stammes⸗ 
gemeinſchaft der Herren v. Marſchall auf Burgholzhauſen und 
Altengottern und der vom (nicht von) Hagen im Eichsfelde 
mit den erloſchenen Truchſeſſen v. Schlotheim iſt ebenſo wenig 
beweisbar, als die der erſten beiden Familien. Genauere gene— 
alogiſche Studien der betreffenden Geſchlechter würden leicht 
hiervon überzeugen, ebenſo wie die große Fülle von Siegeln 
der Truchſeſſe v. Schlotheim und vom Hagen in den Stadt⸗ 
Archiven zu Mühlhauſen und Langenſalza, und dem Staats⸗ 
Archiv zu Magdeburg. Wir würden dem Hrn. Ref. aufrichtig 
dankbar ſein, wenn derſelbe diejenigen Urkunden kurz anzeigte, 
aus denen die Abſtammung der heutigen Freiherren v. S. von 
den Truchſeſſen v. erhellet, und diejenigen Werke Thürin⸗ 
giſcher Forſcher, in denen durch Siegel der Beweis von 
der behaupteten Wappen-Entſtellung erbracht iſt. Herr Frhr. 
v. Ledebur hält in ſeinem Preuß. Adelslecicon II. S. 380 
beide Familien gleichfalls für verſchieden. 

5) Der Herr Ref. hat vollkommen Recht, wenn er das 
heutige v. Dobeneck'ſche Wappen als ein aus dem früheren 
entſtelltes anführt; aber die Möglichkeit der Originirung des 
neuen Schildemblems, ſo wie ſie angenommen worden, verbietet 
ſich durch den Umſtand, daß es zahlreiche Familien mit ähn⸗ 
lichen Emblemen giebt, und daß der Nachweis von einem durch 
die v. D. ausgeübten Judenſchutze fehlt. Schwerlich haben der: 
artige Rechte zu Bildungen eigenthümlicher Schildfiguren ges 
führt. Vgl. auch meine Abhandlungen über die ſogenannten 
Judenköpfe in der diesjährigen numismatiſchen Zeitung Nr. 14. 

6) Wenn in eiuer Note zu dem Paſſus über die v. Do⸗ 
beneck andererſeits bemerkt iſt, daß die Familie v. Schierbrand 
in Thüringen (nicht Sachſen) „früher“ drei ſchrägrechts geſtellte 
brennende Aeſte im Schilde geführt habe, ſo iſt das unrichtig. 
Nach Ausweis mehrerer in den Stadtarchiven zu Mühlhauſen 
und Langenſalza befindlicher Siegel, deren älteſtes allerdings 
nur aus dem Jabre 1467 datirt, führten die v. S. immer 
drei ſchrägrechts geſtellte Wecken oder Rauten, (welche niemals 
feblen) und zwar oben und unten je bald von 2 und 3, bald 
von 2 und 2 deutlich erkennbaren Blättern beſeitet, die bald 
lanzenförmig und ausgezackt, bald kleeblattförmig ſind. Niemals 


— 
— 
+ 


*) Auch ein v. Bünau'ſcher Grabſtein im Domkreuzgange zu 
Magdeburg aus dem 15. Jahrh. läßt die Lilie als Hauptſache, nnd 
deren mittleres oberes Blatt ſich in einen ziemlich minutiöſen Thier⸗ 
kopf endigend ſehen. 


zeigen ſich von da ab brennende Aeſte, es müßten ſich denn 
noch ältere Siegel finden. 
Die Familie v. S. führte aber keineswegs ein fpecifijches 
ſo zu ſagen auf ſie allein berechnetes Wappen, denn die thü⸗ 
ringiſche Familie v. Lengefeld, z. B. ſo Hermann v. L. 1356 
und die als Beichlingiſche Vaſallen von 1300 bis 1500 
erſcheinenden Gecze oder Geze (in und um Weiſſenſee geſeſſen) 
führten nach Ausweis ihrer reſp. in dem Mühlhäuſer und Mag⸗ 
deburger Archiv befindlichen Siegel genau daſſelbe Wappen 
wie das von mir angegebene der Herren von Schierbrand, auch 
was den Helmſchmuck anlangt. Sie ſind mithin bei der gro- 
ßen Nähe ihrer Wohnſitze und bei gleichen Taufnamen eines 
Stammes. Es ſteht dahin, welche von den Familien den 
Haupt und Urzweig bildete, und ob, da die 3 Wecken oder Rau⸗ 
ten als das Hauptemblem aufzufaſſen ſind, etwa auf eine größere 
Sippe, an deren Spitze die v. Amra und v. Bodungen (nicht 
die mit dem ſpitzen Hut) im nahen Eichsfelde und in Thü⸗ 
ringen ſtehen, zurückzugehen iſt, da dieſe im Schilde jene drei 
Figuren in derſelben Stellung führen. i 
Auf die Behauptung des Herrn Ref. daß „der bet den 
Polen vorkommende Halbmond“ aus „dem Türkenkriege“ ſtamme, 
näher einzugehen, iſt hier nicht der Ort; wir überlaſſen es 
polniſchen Heraldikern, an der Hand der alten Siegel des pol— 
niſchen Uradels hierauf zu antworten, und bemerken nur noch, 
daß uns eine Reihe von Siegeln ſlaviſcher (wendiſcher) urade⸗ 
liger Familien aus der Zeit vor der Gründung des Türken⸗ 
11 in Europa bekannt iſt und jederzeit nachgewieſen werden 
ann. 
Und ſo weiſen auch bei Deutſchen Geſchlechtern die hier 
ſo ſelten vorkommenden Halbmonde weit über das Jahr 1453 
zurück, wie die Beiſpiele der Herren v. Eilsleben im Mag⸗ 
deburgiſchen (1308 Johann von E. im Archiv des Kloſters 
Marienborn) und v. Morungen, reich begütert bei Sanger⸗ 
hauſen (Heinrich v. M 1376 im Magdeburger Archiv), lehren. 
Unbekannt iſt mir, wer die „Fabel“ von dem „polniſchen“ 
Urſprung der Herren v. Beulwitz erfunden oder verbreitet hat; 
aber ein ſonſt wohlgeachteter Kenner der fränkiſchen Alterthümer, 
Salver, behauptet allerdings (Proben des teutſchen Reichsadels 
506, vgl. v. Meding, Nachricht v. adel. Wappen III. S. 48) 
daß die von B. von ſorbiſcher (d. h. wendiſcher) Extraction 
ſeien. Zu dieſer Anſicht hat ihm ſicher ebenſo wie das Wappen 
auch der Name des Geſchlechts und ſeines Wohnſitzes Grund 
gegeben. Daß dieſer Name dem ſlaviſchen Sprachidiom ange⸗ 
höre, iſt wohl eben ſo unbeſtreitbar, als daß die Gegend von 
Saalfeld und das Vogtland, wo das Geſchlecht zuerſt auftritt 
und ſeine Heimath hat, einſt durch und durch von Wenden 
(Slaven) ſtark reſp. überwiegend bevölkert und bebaut geweſen 
iſt. 

II. 
Bei Gelegenheit der Erwähnung einer nur aus wenigen 
Zeilen beſtehenden Aeußerung über den Character und Typus 
des v. Krachtſchen Wappens und die Herkunft dieſes Geſchlechts 
in meiner Erläuterung zu einem abgebildeten Kracht'ſchen 
Denkſtein kommt derſelbe Herr Referent auch auf die von mir 
„an anderen Orten“ gegebene Herleitung der v. Bredow 
und von Rochow aus wendiſcher Nationalität zu ſprechen, um 
1) nur längſt Bekanntes über die v. Rochow wieder vorzu— 
führen, 2) zu behaupten, daß „das Vorkommen des Bredow'— 
ſchen Siegel- (doch wohl Wappen?) Bildes und anderer Wap— 
pen angeblich wendiſchen Characters bei anderen deutſchen 


78 


Geſchlechtern nachzuweiſen ſein dürfte,“ und 3) um einen ſla-] Denkwürdigkeiten der Gräfin zu Schleswig⸗Holſtein, Lecnore 


viſchen (wendiſchen) Wappentypus in Abrede zu ſtellen 

Bei dem Mangel jeglicher poſitiven Angaben und Be— 
gründung zumal unter näherer Unterſuchung ſpecieller Falle 
kann man der Auslaſſung des geehrten Herrn Ref. einen Werth 
nicht beimeſſen, und wir glauben, daß demſelben durch recht 
genaues Studium der Heraldik des in den alt-wendiſchen Lan— 
destheilen Deutſchlands eingeborenen Adels und ſeiner alteſten 
ſphragiſtiſchen Denkmäler, im Vergleich mit den Typen der 
Wappen des Adels aus ſächſiſcher, vayriſcher und fränkiſcher 
Nationalität, der große Unterſchied der ſlaviſchen und deutſchen He— 
raldik werde klar werden. Allerdings iſt eine eingehende und um— 
faſſende Unterſuchung über dieſen Gegenſtand erſt zu ſchreiben, 
und wird es auf die Gründe der Erläuterungen ankommen, 
ob dieſelben ſich mit ein paar allgemeinen Worten abthun laſſen. 
Ad 2 erlaube ich mir einfach an den geehrten Herrn Ref. die 
Frage zu richten, ein einziges „altes deutſches“ Geſchlecht 
namhaft machen zu wollen, welches die Figur des Bredow'ſchen 
Wappenſchildes — und noch mehrerer Familien in den Wendlän— 
dern, die dem Herrn Ref. unbekannt zu ſein ſcheinen — führt. Wir 
würden ihm hierfür im Intereſſe der Wiſſenſchaft ſehr dankbar 
fein. Wenn es nun die gelegentlich und anmerkungs— 
weiſe irgendwo von mir ausgeſprochenen Anſicht üver den 
Wappen⸗Charakter und die Herkunft der von Bredow iſt, gegen 
die der Herr Ref. ſich wendet, ſo hätte er billig erſt die 
Begründung der obigen Anſicht abwarten müſſen. Ad 5 finde 
ich nur anzuführen, daß es mir nicht erinnerlich iſt, mich 
irgendwo über die Herkunft der v. Rochow und den Charakter 
ihres Wappenbildes ausgeſprochen zu haben, ſo daß alſo die 
Bemerkung des Herrn Ref. mir nicht gelten kann.“) — 

G. A. v. M. 


Bibliographie. 
Durch die Buchhandlung von Mitſcher & Röſtell, Berlin, Leip- 
zigerſtraße 129, ſind zu beziehen: 
Annuaire de la noblesse de Belgique p. p. le Baron J. de Stein 


d' Altenstein. 25. année 1871. 8. (399 p.) Bruxelles. 
2 Thlr. 15 Sgr. 
Bentinck, Aufzeichnungen über Maria Thereſia. Mit e. Einlei⸗ 
tung über d. öſterreich. Politik 1749—1755. Hrsg. v. H. Beer. 
gr. 8. (142 S.) Wien. 2 Thlr. 10 Sgr. 
Biſchof, Denkſchr. betr. d. fürſtl. u. grfl. Geſammthaus Schönburg 
und deſſen Anrecht auf Einräumung von Sitz u. Stimme im 
Bundesrathe d. norddeutſchen Bundes. gr. 8. (71 S.) Gießen. 


15 Sgr. 

Buſſe, Herzog Magnus, König von Livland. Ein fürſtl. Lebens⸗ 
bild aus d. 16. Jahrhundert. Aus d. Verfaſſers nachgelaſſenen 
Papieren hrsg. v. Julius Frhr. v. Bohlen. gr. 8. (160 S.) 
Leipzig 1 Thlr. 
Caro, Liber cancellariae Stanislai Cirlek. Ein Formelbuch der 
poln. Kriegskanzlei aus der Zeit der huſſit. Bewegung. Lex. 

8. (227 S.) Wien. 1 Thlr. 6 Sgr. 
Chronik, Berliniſche, nebſt Urkundenbuch. Hrsg. v. d. Vereine 
f. d. Geſch. Berlins. Jahrgang 1871. Urkunden » Bud) - Fol. 
(15 B. u. 3 Steintaf. Berlin. 1 Thlr. 


*) Die von dem Herrn Ref. und ſonſt auch neuerlich gegebe— 
ne beſtimmte Blaſonirung des v. Rochow'ſchen Wappenſchildes als 
„3 Rochen“ enthaltend, hat mich zu einer Unterſuchung dieſes Wap- 

ens geführt, deren Ergebniß, daß die qu. Figuren unmöglich Rochen 
fein können, vielleicht in dieſen Blättern dargelegt werden kann. 

Wo mag doch ein Siegel der alten Grafen 1 1 zu 

A., d. Vf. 


finden ſein? 
Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu 


Mieſte, R.⸗B. Magdeburg. 


Chriſtiana, vermählten Gräfin Ulfeldt, aus ihrer Gefangenkhaft 
im blauen Thurm des Königsſehloſſes zu Copenhagen 1653— 
1685. Nach der däniſchen Originalſchrift im Beſitze d. Herrn 
Joh. Grafen v. Waldſtein hrsg. v. J. Ziegler. Lex. 8. 
8316 S.) mit 2 lith. Portraits, 2 Chromoloth. u. 2 Holzſchn. 
Wien. 5 2 Thlr. 20 Sgr. 
Ebeling, Friedr. Ferdinand Graf von Beuſt. Sein Leben u. vor⸗ 
nehmlich jtaatsm. Wirken. 2. Bd. gr. 8. (564 S.) Leiziz. 
A \ 3 Thlr. 
Am Ende, Dr. J. J. G. am Ende, verſtorben 1777 als Super- 
intendent zu Dresden. Ein Lebensbild aus dem 18. Jahrh. 
zugleich e. Beitrag z. Geſch. Dresdens auf Grund familiengeſch. 
Sammlungen. Nebſt e. Bibliotheka am Endiana. gr. 8. (35 
d.) Dresden. 10 Sgr. 
Fahne, Forſchungen auf d. Gebiete d. rhein. u. weſtphäl. Geſch. 
3 B. in 2 Abthlgen u. mehr als 150 Illuſtr. von Schlöfern, 
Siegeln u. Wappentaf. gr. 8. Cöln. 3 Thlr. 
Förſter, Wladislaus Jagello II. Rex Poloniae et Ungariae 
1434 1444, ex fontibus et documentis adhue ignotis illu- 
„stratus. Dissertatio inaug. hist. 80. 86 S.) Breslau. 12 Sgr. 
Heffter, die Sonderrechte d. ſouverainen u. d. mediatiſirten vor⸗ 
mals reichsſtänd. Häuſer Deutſchlands. gr. 8. (457 S.) 
Berlin. 4 Thlr. 
Höfler, Anna v. Luxemburg, Kaiſer Karls IV. Tochter, König 
Richards IL. Gemahlin, Königin von England 1382—1394. 
Wien. 5 8 2 Thlr. 16 Sgr. 
Janko, Lazarus, Freiherr v. Schwendi, oberſter Feldhauptmann u. 
Rath Kaiſer Maximilians 11. Nach Original⸗Akten d. k. k. Haus-, 
Hof⸗ u. Stagts⸗Archives ꝛc. Mit Schwendis Bildniß gr. 8. 
0 (213 S.). Wien. 5 1 Thlr. 10 Sgr. 
Ju valt, Forſchungen über die Feudalzeit im euriſchen Rhätien, 1. 
u. 2. Heft. gr. 8. (76 u. 270 S. m. 2 chromolith. Karten 
„ Tabellen in qu. 4) Zürich. 2 Thlr. 10 Sgr. 
Köhne, Ueber den Doppeladler. Mit 1 Kupfertafel hoch 4. (10 
S.) Berlin. 15 Sgr. 
Kopetzky, Regeſten zur Geſch. d. Herzogthums Troppau (1061— 
1464.) Lex. 8. (179 S.) Wien. 1 Thlr. 


Anfrage. 
In „Trier's Einleitung zu der Wapen-Kunſt“ pag. 60 
(efr. auch Siebmachers allg. Wappenbuch J. Theil pag. 146) 
wird einer thüringiſchen Familie von Krechmar Erwähnung 
gethan. Trotz eifrigſter Nachforſchungen habe ich Zuverläſſiges 
über die wirkliche Exiſtenz dieſer Familie nicht zu erlangen 
vermocht. 

Bei der von mir beabſichtigten vollſtändigen Umarbeitung 
der Geſchichte meiner Familie wird es mir wegen der in der 
erſten Ausgabe derſelben enthaltenen Andeutung über obige 
Familie von großem Werthe ſein, durch die Güte derjenigen 
Herren Vereins-Mitglieder, denen hierüber Näheres bekannt ſein 
ſollte, zuverläſſige Quellen zu erfahren, aus denen hervorgeht, 
daß dieſe Familie factiſch exiſtirt, und nicht, wie ich vermuthen 
muß, eine eigenthümliche Namens- und Wappenverſtümmelung 
ſtattgefunden hat. Das a. a. O. angeführte Wappen unter⸗ 
ſcheidet ſich nämlich von dem von meinen Geſchlechtsvorfahren 
und noch jetzt geführten Wappen durch die gewechſelten Tineturen. 

Kiel. Karl Freiherr von Wechmar. 


Inhalts⸗Verzeichniß. 

Protocoll. — Eine Cab.-Ordre Fried. d. Gr. und die Abſtam— 
mung der Freiherren v. Steengracht. — Landeshoheiten. — Berichti- 
gung. — Zum Wappen Wittekinds. — Redende Wappen. — Ma⸗ 
trikel. — Antieritica. — Bibliographie. — Anfrage. — 


Commiſſ.⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin. 


Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


* 


u — 
5 W 
7 N 


ir 


| 


— 


I 
N 


I 


IA 


XIII 


NN 


5 Sphtagiſtik und Genealogie. 


Organ des Vereins für Siegel- und Wappen-Kunde Zu Berlin. 


Jährl. Abonnementspreis 1 Thlr. 10 Sgr. Inſertionspreis 1 Sgr. für die geſpaltene Petitzeile. 


Ur. 10. 


, Berlin, im November 1871. -I 


2. Jahrgang. 


Auszug aus dem Sitzungs- Protokoll des 
„Gerold“ vom 3. October 1871. 


Die heutige Sitzung, welche in Abweſenheit des Herren 
Vorſitzenden von dem Unterzeichneten eröffnet wurde, gab zu— 
nächſt zur Beſprechung lokaler Vereins-Angelegenheiten Anlaß, 
und wurden ſodann zu correſpondirenden Mitgliedern in Vor⸗ 
ſchlag gebracht: 

1) Von dem Herrn Vorſitzenden: 
a) Herr Joſeph, Gr. von Hoverden, königl. Kammerherr 
zu Breslau. 
b) Herr Ludwig Gr. v. Schaffgotſch, freier Standesherr 
auf Kynaſt ꝛc. zu Warmbrunn. 
c) Herr Baron v. Reiszwitz, Major z. D. und Fönigl. 
Bade⸗Polizei⸗Direktor daſelbſt. 
d) Herr Dr. phil. Burkhard daſelbſt. 
2) Von dem Herrn Schatzmeiſter: 
e) Herr Dr. Moritz v. Harten zu Areusburg auf Oeſel, u. 
f) Herr Stud. jur. v. Knobloch zu Königsberg i. Pr. 
3) Von dem Unterzeichneten: 
g) Herr Regierungsrath Bernh. v. Schönberg zu Leipzig. 
h) Herr Edelſteingraveur Joſ. Carl Ertl zu Eger, 
deren Aufnahme nach erfolgter Abſtimmung genehmigt ward. 

Mit Geſchenken war der Verein in ſehr reichlichem Maaße 
bedacht worden und wurde ſämmtlichen Donatoren der zu ver— 
öffentlichende Dank votirt. 

Es waren eingeſandt: 8 
a) Vom Herrn Immanuel v. Kamptz zu Schwerin: 

1) Die Familie v. Kamptz von C. G. J. v. Kampf, 

Schwerin 1871. 
b) Vom Verein für Geſchichte der Deutſchen in Böhmen zu 


Prag: 
2) Mittheilungen I. Jahrgang Nr. IV. 
3) 5 HE „ I- VI 


„ il ee 
„ ya 
n 
) ͤ«᷑ . 


| 
13) Geſchichte der königl. Leibgedingſtadt Trautenau, von 


77 I·VIII. 


8) „ 
J 9) ME 5.2, 13H SEE 
| 10) 4 IX ie Ss DAUER 


11) 13 Hefte, Jahresberichte, Statuten ꝛc. 
12) Andeutungen zur Stoffſammlung in den deutſchen 
Mundarten Böhmen's von Ignaz Peters. Prag, 1864. 


Jul. Lippert. Prag, 1863. a 

14) Geſchichte Böhmen's von Dr. Ludwig Schleſinger. 
2. Auflage. 1869. 

15) Die Laute der Tepler Mundart, von Joh. Naßl. Prag 1863. 

16) Die Vorſchuß⸗ und Credit⸗Vereine in Böhmen von 
Dr. V. John. Prag, 1870. 

17) Das Homiliar des Biſchofs von Prag, von Dr. F. 
Hecht. 1863. 

18) Chronik des Heinr. Truchſeß von Dieſſenhoven, von 
Prof. Höfler. 1865. 

19) Die Krönung Kaiſer Karl's IV. nach Johannes dic- 
tus Porta de Avomiaco von Prof. Höfler, 1864. 

20) Die Kaiſerburg zu Eger von Bernh. Grueber, 1864. 

21) Aberglaube und Gebräuche aus Böhmen und Mähren 
von Dr. Grohmann, 1864. 

c) Vom Geh Archivrath Herrn Dr. Liſch zu Schwerin: 

22) Meklenburgiſche Siegel. 1. Heft. Schwerin, 1867. 

23) Die verwandtſchaftlichen Verbindungen des älteren 
Hauſes Gans v. Putlitz mit altfürſtlichen Geſchlech⸗ 
tern, vom Archivar Liſch. Schwerin, 1841. 

24a) Münzen des Richard v. Frieſack, 

b) Das Wappen der von Stralendorf, 

c) Der Kaland zu Zurow und das Siegel der Kirchen⸗ 
Juraten daſelbſt, 

d) Das Wappen der v. Levetzow ꝛc, von Dr. G. C. F. 
Liſch. 

25) Urkundenſammlung zur Geſchichte 
v. Maltzan, von Dr. G. C. F. Liſch. 
Schwerin, 1851. 

26) Denkſchrift zum Jubiläum des Dr. W. G. Beyer, 
Großh. Meklenburgiſchen Archivraths. Schwerin, 1871. 


des Geſchlechts 
III. Band. 


80 


d) Vom Verein für ſiebenbürgiſche Landeskunde zu Hermannsſtadt: 

27) Archiv des Vereins, 9. Band 1871 nebſt Jahresbe⸗ 

richt von 186970. 
e) Vom General⸗Major Freiherrn v. Knobelsdorff hierſelbſt: 

28) Geſchichte der Familie v. Knobelsdorff, von Wilhelm 

von Knobelsdorff. 1. Heft. Berlin, 1870. 
f) Vom Herrn Geh. Staats⸗Rath Herrn Frhrn. v. Köhne zu 
St. Petersburg: 
29) Ueber den Doppeladler, vom Frhen. B. v. Köhne. Ber⸗ 
lin, 1871. 
g) Vom Herrn Geh.⸗Rath v. Kröcher auf Vollenſchier: 
30) Geſchichte des Geſchlechts v. Kröcher, von Auguſt 
Hennig v. Kröcher. 4 Theile. Berlin, 1865. 
31) Lebenslauf ꝛc. des Grafen Albrecht v. Alvensleben. 
Berlin, 1861. 
32) Desgl. des Friedr. Wilh. Carl v. Kröcher. 
1862. 
h) Vom Herrn Archivrath G. A. v. Mülverſtedt zu Magdeburg: 
33) Woher ſtammt Hermann Barth, Hofmeiſter des deut⸗ 
ſchen Ordens? von G. A. v. Mülverſtedt. 
i) Vom Herrn Dr. Theod. Pyl zu Greifswald: 
34) 36. Jahresbericht der Rügiſch⸗Pommerſchen Abtheilung 
der Geſellſchaft für Pommerſche Geſchichte ꝛc. Greifs⸗ 
wald, 1871. 
k) Vom Kammerherrn Herrn Dr. Carl Ritter von Mayer⸗ 
fels zu München: 
35) Ein Luſtritt im Würmſee⸗ und Loiſach⸗Gebiet mit 
ſtatiſtiſchen u. kulturhiſtoriſchen Notizen. München, 1869. 
J) Vom Herrn Bergrath, Frhrn. v. Hoiningen gen. Huene zu 
Bonn: 
36) Stammtafeln der freiherrlichen Familien von Hoi⸗ 
ningen gen. Huene. Bonn, 1871. 
m) Vom Herrn Landesarchivar Zahn zu Gratz: 
37) Eine Anzahl Siegelabdrücke von im ſteiermärkiſchen 
Landesarchiv vorhandenen alten Stempeln. 
n) Vom Herrn Hofgraveur Heinecke zu Caſſel: 
38) Abdruck eines neuen Siegels des Vereins für heffi- 
ſche Geſchichte. 

Auf den Antrag des Herrn Schatzmeiſters wurde der 
Bibliothek des Herrenhauſes ausnahmsweiſe auch der Jahrgang 
1871 des Vereinsblattes unentgeltlich zugebilligt. 

Ferner beantragte der Schriftführer, der Univerfitätsbibli⸗ 
othek zu Straßburg nicht allein die bis jetzt erſchienenen Jahr⸗ 
gänge des „Deutſchen Herold,“ ſondern auch die etwa noch 
folgenden ohne Entſchädigung zuzuſenden, was allſeitige Ge⸗ 
nehmigung fand. 

Nachdem ſchließlich dem Herrn Redakteur Hildebrandt auf 
deſſen Wunſch für Abbildung einiger Mittelalter⸗Siegel die 
erforderlichen Geldmittel zur Verfügung geſtellt wurden, erfolgte 
gegen 9 Uhr Abends der Schluß der Sitzung. 

Zur Beglaubigung: 


Berlin, 


F. Warnecke. 


Deutſche Städte- Wappen 
in der Lachſenchronik. 
Schluß. 
b) „S. secretum civitatis quedelingeborch.“ Die⸗ 
ſelbe Darſtellung wie ad c. 


c) „secrum. cosulum. i. quedligeburch.“ Spitz⸗ 
oval; das Thor geſchloſſen; die Thuͤrme ſpitzbedacht; onſt 
wie das Hauptfiegel. 

d) „secretum + civitatis + qu + edelingbur- 
gensis + 1570.“ Wie ad d., der Hund jedoch links ge⸗ 
wendet. a 

e) „secretum civitatis quedlinborgensis 1643.“ 
Ju Siegelfelde der Adler, auf der Bruſt ein Herzſchild mit 
dem Stadtthor (ohne Biſchof) in deſſen Portal der Hund, nach 
Rechts gewendet, hockt. 

f) „secretum 1616.0“ 
Sonſt wie ad. d. 

g) „Sigill. judicii. eivitat. quedlinburg.“ Im Siegel- 
felde das Stadtthor mit dem rechts gewendeten Hunde im 
Schilde, darüber das Stiftswappen: zwei geſchrägte Aufſcknei⸗ 
demeſſer. — 17. Jahrh. 

h) Desgleichen, etwas kleiner. 18. Jahrh. 

i) „Secretum civitatis quedelinburgensis.“ Das 
Stadtthor mit dem fitzenden links gewendeten Hunde im 
Portal. 18. Jahrh. 

k) „Stidtfiegel zu Quedlinburg.“ Der Preußiſche Adler 
mit Schwert und Scepter, ſchwebend. 18 — 19. Jahrh. 

J) Das neueſte Stadtfiegel hat glücklicherweiſe die wider⸗ 
wärtige Figur des Zopfadlers, welchen vor ca. 100 Jahren jo 
manche Stadt, die ſich ihres althergebrachten ehrwürdigen In⸗ 
fiegel8 ſchämte, zu führen begann, beſeitigt, und hat die ältere 
Form, das Portal mit dem links gewendeten ſitzenden Hunde, 
wiederhergeſtellt. 

21) Meydeborch. (Magdeburg.) Im rotben 
Schilde eine beiderſeits von einem blau ſpitzbe⸗ 
dachten Thurme flankirte w. Stadtmauer mit rund⸗ 
bogigem Portal, worin ein g. Fallgatter. Zwi- 
ſchen den Thürmen wachſend eine b. gekleidete 
Jungfrau, die Hände emporhaltend. 

Das heutige Stadtwappen (abgebildet bei Hoffmann, Ge- 
ſchichte der Stadt Magdeburg I. Taf. 3) zeigt einen quadrirten 
w. Schild. 1 und 4: die Burg roth, ſchwebend, mit Zinnen⸗ 
thürmen; Die Jungfrau grün gekleidet, einen gr. Kranz auf 
dem Haupte, einen desgl. mit der Rechten emporbaltend; 2 
und 3: eine vierblättrige r. Roſe. Gekr. Helm: Die Jungfrau 
wachſend. Decken w.⸗r. 


Die Tincturen des Hauptwappens find mithin hier völlig 
geändert. Der Kranz in der Hand der Jungfrau (Magd) er⸗ 
ſcheint bereits ſeit mehreren Jahrhunderten; ſein erſtes Vor⸗ 
kommen bleibt noch durch eine eingehendere Unterſuchung feſt⸗ 
zuſtellen. Die Roſe iſt das Wappen der erloſchenen Familie 
v. Neugatersleben, welches Schloß die Stadt 1350 von 
den Gebrüdern v. Neindorf käuflich erwarb. Seither wurde die 
Roſe in das Stadtwappen aufgenommen, zunächſt in einem be⸗ 
ſonderen Schilde, ſpäter (16. Jahrh.) durch Vierung mit der 
Burg vereinigt. 
An Siegeln der Stadt Magdeburg liegen uns folgende vor: 

a) „Sigillum. burgensium. in. magdeburch.“ Im Sie 
gelfelde die Burg mit der Jungfrau, letztere als Knieftüd 
mit ausgebreiteten Armen. 13. Jahrh. Mangelhaft abge⸗ 
bildet bei Hoffmann a. a. O. Taf. 2. 

b) „Sig. civit. magd.“ Die Burg mit der Jungfrau. 17. 
Jahrh. 

c) Ohne Umſchrift. 


civitatis quedelburgensis 


18. Jahrhundert. 


81 


d) „Sigillum jud. eccl. civ. magdeb.“ Der quadrirte Schild 
wie oben beſchrieben. 17. Jahrh. 

e) „Sigillum civitatis magdeburgensis.“ Wie b). 18. 
Jahrh. 

f) „Sigillum civitatis magdeburgensis.“ Desgleichen. 
(Größer. ) 

g) Ohne Ulmſchrift. Desgl., jedoch über dem Thore der ſchwe⸗ 
bende preußiſche Adler, ein Schwert haltend. 18. Jahrh. 

h) Ohne Umſchrift; ebenſo, aber ohne den Adler. 19. Jahrh. 

i) „Magiſtrat der Pfälzer Colonie zu Magdeburg 1689;“ ſonſt 
wie g. 

Kk) 1 5 colon. manheim magdeburge.“ 

Die Burg mit der Jungfrau, im Thor der preußiſche Adler. 

18. Jahrh. 

Die Siegel der Neuſtadt⸗Magdeburg zeigen die Burg mit einem 
Biſchof, die der Vorſtadt Sudenburg außer dieſem mit einem nach 
Rechts ſchreitenden Löwen im Thor. 

22) Soltwedel (Salzwedel) Geſpaltener Schild; 
vorn ein halber g- bewehrter r. Adler am Spalt, 
hinten ein auswärts gekehrter aufgerichteter 
Schlüſſel. 

Der (Brandenburgiſche) Adler mit dem Schlüſſel bildet 
ſeit der älteſten Zeit das Wappen der Stadt Salzwedel, jedoch 
bei der Altſtadt und der Neuſtadt, welche ehedem getrennte 
Verwaltungen hatten, in verſchiedener Art, wie dies aus den 
Siegeln hervorgeht, welche ſich wie die meiſten der altmärki⸗ 
ſchen Städte früher durch ſchöne kräftige Arbeit auszeichneten. 
a) „t S. burgensium. civitatis. sal (twe) dele.“ Das 
ziemlich große Siegel zeigt den ſehr alt ſtiliſirten ganzen 
Adler, unter den Fängen von einem hinter dem Schwanz 
quer rechtsbin gelegten, den Bart abwärtskehrenden Schlüſſel 
begleitet. 13. Jahrh. 

„+ sigill’. antique. civitatis. saltwedele.“ 

kleiner wie a., font in der Darſtellung faſt ebenfo. 

Jahrh. 

„+ sigillum. nove. civitatis, saltwedil.“ Unter⸗ 

ſcheidet ſich von dem vorigen dadurch, daß an der erwähn⸗ 

ten Stelle zwei Schlüſſel erſcheinen, der eine über, der 
andere unter dem Schwanz liegend; die beiden Flügel find 
je mit einem einwärts gekehrten, mit einem Flügel beſteckten 

Topfhelm beſetzt. Zwiſchen dem Helm zur Rechten und 

dem Halſe des Adlers ſteht ein ſechsſtrahliger Stern. 14. 

Jahrh. 

d) „ + secretum. antique. civitatis. soltwedel.“ (Mi⸗ 
nuskel.) Geſpaltener Schild, vorn der halbe Adler, hinten 
der Schlüſſel, wie auf der Abbildung. 15. Jahrh. 

e) „+ S. nove. civitatis. saltw.“ Darſtellung — verklei⸗ 
nert — genau wie c) 14. Jahrh. 

1) Ohne Umſchrift; Schild wie c., darüber „N. C. S.“ 
(15. Jahrh.) 

Darſtellungen des Stadtwappens aus dem 16. und 17. 
Jahrh. zeigen nun immer bei der Altſtadt den halben Adler 
mit dem aufgerichteten Schlüſſel, bei der Neuſtadt den ganzen 
Adler mit zwei querliegenden Schlüffeln. Seit der Vereinigung 
beider Städte (i. J. 1713,) iſt auch das Wappen combinirt, 
und zwar — in ſchlecht paſſender Weiſe — in einem geſpal⸗ 
tenen Schilde, welcher vorn das W. der Altſtadt, hinten das 
der Neuſtadt zeigt; ſo haben es die folgenden Siegel: 


b Etwas 


14. 


— 


C 


— 


(Der Stern jedoch links vom Kopfe des Adlers.) Unten am 
Schildesfuß: „d. 13. Dez. 1713.“ 

h) Ohne Umſchrift; kleines S. von der Größe eines 
Fünffilbergroſchenſtückes. Schild wie beſchrieben; im zweiten 
Felde die Helme über, und die Schlüffel unter dem Adler frei⸗ 
ſchwebend. 

i) „Magistrat der Alt- und Neu-Stadt Salzwedel.“ 

Wie vor. 19. Jahrh. 

k) Jetziges Stadtfiegel: „ + Magistrat der Alten 
und Neuen Stadt Salzwedel.“ Schild wie oben; der 
Adler mit den Fängen auf den über den Schwanz gelegten 
Schlüſſeln aufſtehend. Der (fuͤnfſtrahlige) Stern rechts vom 
Kopfe. — 

23) Scheyningh. (Schöningen) In rothe m 
Schilde auf ein er w. Säule ein nach Links ſchrei⸗ 
tender g. Löwe; unter deſſen ausgereckter linker 
Pranke ein w. Stern. 

Ein Siegel der Stadt aus dem 16. Jahrhundert zeigt 
nur den nach Rechts ſchreitenden Löwen im Schilde. Um⸗ 
ſchrift: „Sigil senatus Scheningen.“ 

24. Stralſund. In Roth eine aufgerichtete 
w. Pfeilſpitze. (Strahl.) 

Die Pfeilſpitze war von je her das Emblem der Stadt 
Stralſund, wie die nachſtehend beſchriebenen Siegel zeigen, von 
denen das erſte (das ſ. g. Koggenſtegel) ein wahres Meiſterſtück 
der Stempelſchneidekunſt genannt zu werden verdient. 

a) „Sigillum. civitatis. stralessundis.“ Im damaſt⸗ 
artig mit kleinen Roſetten verzierten Siegelfelde ein nach Rechts 
auf Wellen ſchwimmendes Schiff, rechts mit aufgeblähtem Segel, 
links mit einem Steuermann. Der Wimpel am Maft zeigt 
eine, die Flagge am Steuer zwei Pfeilſpitzen, beide links (gegen 
den Stock) gewendet. 14. Jahrh. ö 

b) „Secretum civitatis stralessunt.“ Im damas⸗ 
cirten Siegelfelde der aufgerichtete Pfeil. 1367. 

c) „Signum Stralessunt.“ 1369. Leider unkenntlich, 
anſcheinend der Strahl im Siegelfelde. 

d) „Secretum civitatis stralssun.“ Ebenfalls der 
Pfeil, jedoch innerhalb eines Sechspaſſes. 14. Jahrh. 

e) „Sigillu. mi. civitatis. stralsundis.“ (Klein.) Der 
Strahl geftürzt. Ende 16. saec. 

f) „Sigillum minus civitatis stralsundis.“ Der 
Strahl aufgerichtet. 17. Jahrh. 

g) „Sigillum minus civit. stralsundensis.“ Ueber der 
aufgerichteten Pfeilſpitze ein kleines Kreuz. 

h) „Sigill. minus. civit. stralsundensis.“ Im Siegel ⸗ 
felde der aufgerichtete Strahl. 1662. 

i) „Sigillum camerae stralsundensis.“ Im blauen 
Felde der gekrönte Strahl; “) auf dem Helm zwiſchen zwei 


Flügeln das Kreuzchen. Schildhalter: Löwen. 18. und 19. 
Jahrhundert. 
k) „Sigillum judicii stralsundensis.“ Desgl. 


J) Ohne Umſchrift. Ueber dem gekrönten Strahl das Kreuz. 
25. Wyßmer. (Wismar.) Geſpaltener Schild; 
vorn vier fach getheilt von R. und W.; hinten am 
Spalt ein halber » Ochſenkopf mit r. Ohr und 
Zunge in G. i 
Bereits ſehr früh erſcheint dieſer Schild (jedoch vorn der 


„) welcher — wenn wir nicht irren — der Stadt unter ſchwe⸗ 
diſcher Herrſchaft, im Anfang dieſes Jahrhunderts, als eine befondere 


g) „Sigillum cor ...... senatus soltquellarum.“ Auszeichnung verliehen wurde. 


82 


Ochſenkopf, hinten die Balken) als Wismar'ſches Stadtwappen; 
zuerſt auf dem Secret im 14. Jahrhundert. Wir kennen nach⸗ 
folgende Siegel: 

a) „Sigillum wissemarie civitatis.“ Im glatten 
Siegelfelde ein nach Rechts fahrendes Schiff auf Wellen, in 
welchen zwei Fiſche gegeneinander ſchwimmen; der Maſt iſt 
vorn mit einem Schilde beheftet, worin ein vorwärtsgekehrter 
Büffelkopf (der meklenburgiſche) ohne Zunge. 1323. 

b) Dieſelbe Umſchrift und faſt gleiche Darſtellung, aber 
beſſere Arbeit; das Siegelfeld mit Ranken verziert, der Büffel⸗ 
kopf mit Zunge. Am Kiel des Schiffes fitzt ein niederſehender 
links gewendeter Vogel. Drei Fiſche. 1370. 

c) „Secretum burgensium de wismaria.“ Der Schild 
mit dem Stadtwappen. 1363. N 

d) „Signum wismariense.“ Ebenſo. 1369. a 

e) „Siegel der Stadt Wismar.“ Desgl. 17. Jahrh. 

f) „Sigillum gewettae*) wismariensis.“ Desgl. 18. 
Jahrh. 


g) „Sigillum wismariense.“ Desgleichen. 


Das auf der Tafel zunächſt felgende Wappen — in Roth 
ein w. neunhuͤgeliger Berg — giebt Botho bei Gelegenheit der 
Erwähnung der Bisthümer Merſeburg, Zeitz und Naumburg; 
aber weder dieſe Bisthümer noch die gleichnamigen Städte 
haben jemals dies Wappen geführt, ſo daß nur ein Irrthum 
angenommen werden kann. Genau daſſelbe Wappen führt 
Breiſach im Elſaß. (Siebm. I. 221.) Die noch folgenden drei 
Wappen, — Augsburg. Regensburg und Speier — ſind der 
Vollſtändigkeit wegen zwar auf der Tafel mitgetheilt, da ſich 
jedoch unſere Sammlungen, ſoweit ſie ſich auf Süddeutſchland 
beziehen, nicht ſo ſehr reichhaltig ſind, ſo würden wir es dank⸗ 
bar anerkennen, wenn ein Süddeutſcher Sachverſtändiger die betref⸗ 
fenden Siegel hier in größerer Vollſtändigkeit mittheilen könnte. 


Aeber einige Siegel im Archiv zu Goslar. 


Als Unterzeichneter vor mehreren Wochen die altberühmte Kai⸗ 
ſerſtadt Goslar beſuchte, war es ihm durch die zuvorkommende Güte 
der dortigen Herren Magiſtratsbeamten ermöglicht, auch das einen reichen 
Urkundenſchatz bergende dortige Archiv kennen zu lernen und einen 

roßen Theil der Siegel in Gyps abformen zu können. Manche der⸗ 
ſelben möchten auch in weiteren Kreiſen der Siegelfreunde Intereſſe 
erregen, weshalb ich der vorliegenden Nummer dieſes Blattes eine 
Tafel mit Abbildungen mehrerer derſelben beifüge, die zwar nur 
in Ueberdruck hergeſtellt iſt, aber doch zur Veranſchaulichung hinreichen 
wird. Der beſchränkte Raum geſtattet ein näheres Eingehen nicht; 
indeß dürften für Kenner nachſtehende kurze Notizen vorläufig genügen. 

1) „+ S'. Ivtghard. filie, coit. d. slade.“ (d. h. sigillum 
lutghardis, filie eomitis de sladen.) Urkunde vom Jahre 1349, 
am Tage St. Marie⸗Magdalene. Das kleine ſpitzovale Siegel 
zeigt die Sieglerin nach rechts (heraldiſch) ſchreitend, mit dem Kopf 
en face; einen Schild, worin ein gekrönter Löwe, mit der Rechten 
oben, mit der Linken ſeitwärts unten haltend. Der Urkunde zufolge 
war Lutgard die Hausfrau Jan's von Rotzinghe (Röſſing.) Aus der 
Umſchrift ſcheint hervorzugehen, daß ſie dies Siegel ſchon als Jung⸗ 
frau führte; der Löwe iſt das Wappenbild der Grafen v. Schladen. 
ſef. Siegel des Grafen Heinrich von S. v. J. 1241, des Grafen 
Heinrich v. J. 1308 in demſelben Archiv. Der Löwe auf dem erſten 
hat (abgeſehen von ſeiner Größe) eine beſondere Aehnlichkeit mit dem 
auf dem Siegel der Lutgard.] 


) Das „Gewettgericht“ ſoll eine Art Wrogengericht ſein, welches 
früher in Wismar exiſtirte. 5 


Jan von Roſſing's Siegel zeigt daſſelbe Wappenbild, nim- 
lich einen aufgerichteten gekrönken Löwen, jedoch im getheilten Felde. 
Das heutige W. derer von Röſſing ſiehe bei Grote Hann. W.⸗Kuch 
ee 64, 0 Hannöveriſcher Adel (Neuer Siebmacher II. 7) 
Ta fel 16. 

f 2) „+ s. sofhie. vxoris .. mils.“ Nach der 
Urkunde: Sophla, uxor quondam Hermani de Gowisch. Urk. v J. 
1337 i. d. beati Valentini. Dreieckig: im Schilde ein Schräg- 
balken, begleitet von zwei gegen denſelben gebogenen Hirſchſtanzen. 

3) „7 8. sofiye de blanc. ken. borch.“ Rund: im ge 
gitterten Siegelfelde zwei Schilde nebeneinander, vorn eine gebogene 
Hirſchſtange (Graf v. Blankenburg) hinten eine ſchräggeſtellte Säge. 
(vermuthlich von Herſte.“) Beide Figuren einwärts gekehrt. Urk v. 
3. 1349; in derſelben nennt ſich die Sieglerin „Wittwe Herrmanns 
von Gowiſch.“ Es ſcheint keinem Zweifel zu untertiegen, daß die 
Eigenthümerin der beiden Siegel 2 und 3 eine und dieſelbe Perſon 
war, eine geborene Gräfin von Blankenburg, in erſter Ehe vermält 
mit Hermann von Gowiſch, in zweiter mit N. v. Her ſte. Es iſt 
auffallend, daß fie auf erſterem Siegel ſich nur als Frau v. Gowiſch 
nennt, auf dem zweiten aber nur mit ihrem Geburtsnamen bezeich- 
net. Iſt ſchon die dreieckige Form eines Frauenſiegels eine ſeltene jo 
verdient beſonders die Art der Vereinigung ihres angeborenen und 
ihres angeheiratheten Wappens, die Verdoppelung des Hirſchhorns 
zur Begleitung des Schrägbalkens, Aufmerkſamkeit. 

In der erſteren Urkunde nennt ſie Cifrid jun. von Gowiſch, in 
der zweiten Hermann von Gowiſch als ihre Söhne; beide haben auch 
die betreffenden Urkunden beſiegelt: das Siegel des erſteren zeigt 
das vollſtändige Wappen der in den Goslarer Urkunden jo oft auf 
tretenden Familie von G., im Schilde der Schrägbalken, auf dem 
Helme ein offener Flug; das des letzteren nur den Helm. 


4) „T secret. coit. coradi. de wnigrode.“ (secretum comi- 
tis conradi de wernigerode.) Helmſiegel: über einem rechts gewen⸗ 
deten Topfhelm ein mit Pfaufedern beſteckter Schaft; vor demſelben 
ein gebogener Fiſch. Urk. v. J. 1308. 

Das Siegel bietet in ſeiner Zeichnung zwar nichts Beſonderes, 
indem dieſelbe mit der ſonſtigen Wernigerödiſchen Helmzier über- 
einſtimmt; nur der Umſtand erſchien dem Schreiber dieſes auffällig, 
daß, während das Original in braunem Wachs abgedrückt iſt, der 
Fiſch allein in grünem Wachs ausgeprägt und ſo in die braune 
Maſſe eingelegt iſt, wie dergleichen Abdrücke jetzt zuweilen von 
Graveuren in mehrfarbigem Lack gemacht werden. Sollte hier nur 
eine Spielerei zu vermuthen ſein, oder dürfte eine beſtimmte Abſicht 
vorliegen? 


5) „S. thetlevi. de. werre.““ Urk. v. J. 1298. Im „Heral⸗ 
diſchen Pelzwerk“ von F. K. Tafel II., 31 und 34 ſind bereits an⸗ 
dere Siegel der v. Werre v. J. 1358 u. 1368 abgebildet; die Leſer 
jenes Werkes wird es intereſſiren, hier ein bedeutend älteres Helmfiegel 
deſſelben Geſchlechts von Werre kennen zu lernen; es zeigt einen 
offenen Flug, jederſeits mit dem vollſtändigen mit Pelz überzogenen 
verkleinerten Wappenſchilde belegt. N 

Da wir einmal vom Pelzwerk reden, theilen wir noch zwei 
weitere Siegel mit, welche den Hermelin in der Form zeigen, die 
man jetzt als „Heraldiſchen Hermelin“ bezeichnet: 

6) „+ S. Gottfridi. de. barvm. “ 1337. 

7) „+ S. iohannis. de. barvm.“ 1379. 

Herzo von Barum ſiegelt 1315 und 1327 mit einem bloßen 
ſchraffirten Schrägbalken, ohne Pelz; Johannes de Barum 1312 be- 
dient ſich eines gänzlich anderen Schildes, welcher unter einem mit 
drei Pfählen belegten Schildeshaupte drei Roſen zeigt; derſelbe 
ſcheint mithin nicht zu den Barum mit dem Schrägbalken zu ge⸗ 
hören, ſondern Stammesgenoſſe derer von Bilſtein geweſen zu ſein, 
welche nach Ausweis der Siegel Arnold's v. B. 1313, Heinrich's 
von B. 1316 u. A. ſich deſſelben Wappenbildes bedienten. 

„+ S conradi cantoris (seti. maurieii) i. hild's.“ (Hilded« 
heim) 1312, prid. non. Julii. = 

Bon Intereſſe iſt das Belegen der Roſe mit der Lilie, welche 
letztere ſich außerdem durch ihre Form auszeichnet. Ich vermag 
im Augenblick nicht anzugeben, ob vielleicht die eine der beiden 
Blumen dem Geſchlechtswappen des Sieglers entnommen iſt. 


) Die von Herſte (Stammſitz gan im Grubenhagenſchen) 
En Pr Handſäge im Wappen. Leukfeld Antiqu. Poeldenses 
eite 155. 


Die letzten beiden Siegel befinden ſich an einer Urkunde vom 
Jahre 1306 oder 1307 und zwar als Rückſiegel: 

9) ein roh gearbeites Geſicht (wohl keine Gemme) auf der 
Rückſeite des ſchönen großen Siegels des Grafen Friedrich von 
Wernigerode. 

10) Ein dreieckiges Schildchen mit ſchraffirtem Rande, auf der 
Rückſeite des Jan's v. Romesleue, deſſen Avers einen Querbalken zeigt. 

Die Bedeutung des Schildchens mit dem Rande iſt mir unbe⸗ 
kannt.“) Ad. M. H. 


Anfrage. 
Wo, von wem, wann und weshalb iſt die Familie von 
Görne in den Adelſtand erhoben worden? 
Wie war das Wappen genannter Familie im älteſten 
Original, und welche Farben zeigte es? 


Wir erlauben uns dem geehrten Herrn Einſender ſogleich zu er⸗ 


wiedern, daß eine Beantwortung der erſten Frage aus dem einfachen 
Grunde unmöglich iſt, weil die Familie v. Görne nicht zum Brief⸗ 
ſondern zum (märkiſchen) Uradel gehört. Bezüglich der zweiten 
Frage iſt zu bemerken, daß die älteſten Quellen zur Feſtſtellung des 
Wappens die alten Siegel der Familie, und ſolche aus den Archiven, 
in denen ſich die das Geſchlecht betreffenden Urkunden befinden, zu 
ermitteln ſind. Farbenangaben enthalten dieſelben natürlich nicht. 
Spätere Wappendarſtellungen zeigen ſtets in W. ein querliegendes 
eiſenfarbenes Meſſer, begleitet von drei (2. 1.) blauen Kleeblättern; 
Helm: zwiſchen einem w. Hirſchgeweih ein b. Kleeblatt. Decken 
w.⸗bl. Vgl. Siebm. V. 145; Diethmar Joh.⸗Ord. Nr. 16; v. Me 
ding III. Nr. 265. Ein vorliegendes Siegel Ritzards v. Dalchau 
(eine Linie der v. Görne) v. J. 1323 zeigt das Meſſer ſchräg⸗ 


rechts gelegt, den Schild mit Kleeblättern beſtreut. Umſchrift: 
„T s. ritzardi. de. dalchov.“ Ein Abguß ſteht dem Herrn Ein⸗ 
ſender gern zu Dienſten. — 

D. Red. 


- Titeratur. 


Deutſches Kaiſerwappen. 

Unter dieſem Titel hat die lithogr. Anſtalt von L. Andrea in Stutt⸗ 
gart ein Farbendrud- Blatt von mangelhafter Ausführung ausgegeben. 
In einem Schilde gruppiren ſich um den Königlichen Adler von 
Preußen die Wappen der übrigen Länder des deutſchen Reichet. 
Oben die Kaiſerkrone, (eigentlich die nunmehrig öſterreichiſche), aus 
der ein Band in den Reichsfarben hervorgeht; unten zur Rechten 
und Linken des Schildes die Wappen von Elſaß und Lothringen. 
Den Hintergrund bildet ein Gebüſch von Lorbeer und Eichen mit 
allerlei kriegeriſchem Beiwerk. Außer dem moraliſchen Schutz, 
welcher in ſeiner Werthloſigkeit beruht, iſt das Blatt noch, geſetzlich 
gegen Nachbildung geſchützt.“ H. 24 Cent B. 301 Cent. 


Illkirch und Königshoffen, woſelbſt die Capitulationen 
von Straßburg 1680 und 1870 unterzeichnet wurden. Tableau, das 
Straßburger Wappen darſtellend, in beiden Seiten Illkirch und Kö⸗ 
nigshoffen, unterhalb die Anſicht des Münſters, mit deutſch⸗franz. 
Text. Gezeichnet u. lith. von E. Matthis. gr. qu. Fol. Bildgröße 
45, und 56 Cent. (Wwe. Berger⸗Levrault u. Sohn in Straßburg.) 
28 Sgr. 

Staats⸗Wappen aller Länder der Erde: 1) Deutſche 
Reichs⸗Wappen. 2) Außerdeutſche Staaten. Nebſt Angaben der Landes⸗ 
farben und Schifffahrts⸗Flaggen. Correct in lith. Farbendruck mit 
Gold und Silber. 2. Aufl. (60 Wappen verſchiedener Größe 
auf 1 Blatt in qu. Roy. Fol.) Gebrochen in Mappe in qu. Fol. 2 
Thlr. Boſelliſche Buchh. in Frankfurt.) N 


) Abgüſſe der erwähnten Siegel, ſowie fernerer 150 aus dem 
Goslarer Archiv — faſt ſämmtlich dem 13. oder 14. Jahrhundert 
angehörend — ſind gegen ee der Anfertigungskoſten (durch⸗ 
a 0 21 Sgr. ä Stück) von der Redaction dieſes Blattes zu 
eziehen. i 


Wappentafel deutſcher Städte. Aukünd i⸗ 
gungen des Verlegers war die Tafel dazu beſtimmt, bei den Friedens⸗ 
feftlichfeiten als Hülfsmittel zur Decorirung zu dienen. Bei der Un⸗ 
zulänglichkeit der heraldiſchen Sammelwerke war man bei Fer⸗ 
tigung der Tafeln ſehr häufig auf die Angaben ſtädtiſcher Be⸗ 
hörden beſchränkt; bei den meiſten Städten kleineren Umfangs 
verſiegte das Material vollſtändig, ſo daß nur wenige derſelben 
Berückſichtigaung finden konnten. Jedes Wappen hat ſtatt des 
Schildes eine eirkelrunde Einfaſſung. Die ſtyliſtiſche Behand⸗ 
lung läßt eine größere Conſequenz zu wünſchen übrig; dagegen iſt 
die techniſche Ausführung des Farbendrucks eine vorzügliche. (192 
Wappen auf 1 Blatt in qu. Imp. Fol.) (Boſelliſche Buchhandlung 
Frankfurt.) Seyler. 


Weber, Martin, die Kunſt des Bildformers und 
Gypsgießers, oder gründlicher Unterricht ꝛc. plaſtiſche Gegenſtände 
auf dem Wege des Abformens und Abgießens nachzubilden, ingleichen 
wie ſie zu ſchleifen, zu poliren, zu firniſſen, zu bronziren und zu re⸗ 
ſtauriren find. 3. verm. u. verb Aufl. Weimar 1871. (80 115 S.) 

Die einfache Mittheilung des abgekürzten Titels dürfte genügen, 
um die Aufmerkſamkeit der Siegelfreunde auf obiges Werkchen zu 
lenken, das kürzlich in dem bekannten techniſchen Verlage von Voigt 
in Weimar neu aufgelegt wurde u. um wenige Groſchen zu haben iſt. 

Correſpondenzblatt. Nr. 6, S. 45: Bemerkungen 
über die Charakteriſtik des heraldiſchen Adlers, von F-K. 
Mit Holzſchnitten. Ibid. Nr. 8, S. 62: Entgegnung auf dieſen 
Artikel von G. A. von Mülverſtedt, betreffend das Siegel Arnolds 
v. Ummendorf v. J. 1348, deſſen vordere Schildhälfte einen halben 
Vogel am Spalt enthält, welcher, Schwimmfüße und Schwanenhals 
zeigend, adlerartig ſtyliſirt iſt. — 

„Verze ichniß (Nr. 110) von Monographien und Gelegen⸗ 
heitsſchriften zur Geſchichte adeliger Geſchlechter. II. Abth., zu be⸗ 
ziehen von J. A. Stargardt, Berlin, Jägerſtraße 53. 5 Sgr. Ent⸗ 
hält eine bedeutende Anzahl z. Th. ſeltener heraldiſcher und genealo⸗ 
giſcher Werke, recht zweckmäßig alphabetiſch nach den Namen der be- 
züglichen Familien geordnet. — 

Die große Amthor ſche Siegelſammlung leinige hundert tau⸗ 
ſend Stück), wie deſſen heraldiſche Bibliothek iſt in den Beſitz von 
J. A. Stargardt übergegangen. Ein lithograph. Katalog wird In⸗ 
tereſſenten von demſelben auf Verlangen überſandt. 


Zur gefälligen Notiz. 


Nückſtändige Beiträge pro 1871 und Abonnements 
gelder für dieſes Blatt, welche nicht bis zum 1. Dezember d. 
J. von den Pereinsmitgliedern reſp. Abonnenten an den 
Schatzmeiſter, Herrn Lieutenant M. Gritzner, Victoria⸗ 
Strafe 11, Berlin, franko einge ſandt find, werden — falls 
nicht ein Anderes gewünſcht wird — bei Ueberſendung 
der letzten Nummer des „Deutſchen Herold“ laufenden 
Jahrganges durch Poſtvorſchuß entnommen werden. 

Der Vorſtand des Herold. 


Nach den 


Anzeige. 


Ein handſchriftliches Wappenbuch, 

enthaltend 5270 Wappen, betitelt: „Sammlung derer meiſten frei⸗ 
Ra und Adelichen Inſignien unſeres Deutſchlandes mit be- 
ondern Fleiß colligiret von Chriſtian Wilhelm Scharff. Rev. Min. 
Cand. angefangen Anno 1742, vollendet Anno 1751.“ 3 Bände, 
nebſt vollſtändigem Regiſter. Auf jedem Blatt 4 in Farben gemalte 
Wappen, darunter viele ſeltene. Nur Adeliche und Freiherrliche. 
Das Ganze dürfte, in Anbetracht der Menge von Malereien, die 
ſämmtlich aus freier Hand gefertigt ſind, ziemlich einzig in ſeiner 
Art daſtehen. 

Anfragen und Offerten ſind an die Red. d. Bl. zu richten, 
woſelbſt auch ein Band des Werkes zur Anſicht ausliegt. 


Jahr 


des Diploms. 


1714 | 20./al. 
10. Dez. 


1715 vacat. 
1716 | 10. San. 


13. Jan. 


24. (al. 
27.) Jan. 


20. Juni. 


21. Sept. 


30. (al. 


20. Nov. 


1. März 


9. Marz 


1. Mai 


17. Juli 


15. Sept. 


Datum 


Name. 


Steiger⸗Montricher. 


Dzingel. 


Lubath. 


Schroetter. 


Ritzenberg. 


Scharden. 


Fuchs. 


Troſchke⸗Roſenwerth. 


Koven. 


Rettberg. 


Koeppen. 


Criegern. 


Werſſowitz. 


84 


M atrikel. (Fortſetzung.) 


Inhalt 
des 
Diploms. 


Frh. 


ren. A. 


an. Grf. 


(Vrſchowetz) = Sekerka f 


und Sedczicz. 


Diplom 
für 


Acht Gebrüder und Vet⸗ 

tern v. S., ſämmtlich 

Mitglieder des großen 
Rathes zu Bern. 


Albr. Balthaſar D., 
Land⸗Schöppenmeiſter u. 
Agent des Kreiſes 
Oletzko, ſtammend aus 
dem Litthauiſchen Ge⸗ 
ſchlechte Pobog, unter dem 
Namen „v. D.“ 
Johann L., Oberftlieut. 
im Regiment Wartens⸗ 
leben. 

Johann v. S., früher 
Kammerdiener u. Sekr. 
des Königs von Polen, 
ſpäter in Preußiſchen 
Dienſten als General⸗ 
poſtmeiſter v. Litthauen. 
C. F. R., Geh Juſtiz⸗ 
Rath und Conſiſt.⸗Präſ. 
Levin Schardius, Kgl. 
Pr. Kriegsrath, aus 
einem Stendaler Patri⸗ 
ziergeſchlechte. 
Joh. Heinrich F., Kgl. 
Pr. Hof⸗ und Kammer⸗ 
Ger.⸗Rath. 
den a. 1714 in den 
Böhmiſchen Freiherrn⸗ 
ſtand erhobenen Siegmund 
Fr. v. T 
Martin (nicht Joſeph) 
Auguſt — alias Bern⸗ 
hard K. 

Joh. R., Bürgermeiſter 
zu Soeſt. 


Peter Rudolf K., Capi⸗ 
tain der Artillerie. 


Joach. Fr., Kurſächs. 

Oberſt und Gen.⸗Adj., 

Dietr. Joa. auf Dalchau, 

Fr. Dietr. auf Man⸗ 
cker ꝛc. 


Wilh. Gottfr., Graf S. 


(Fortſetzung folgt.) 


Wappen. 


# ſchweb. 
Bee in G. 


Baronskrone. 


Köhne III. 10. 


Köhne III. 90. 


Led. II. 407. 
2 Helme. 


Köhne IV. 35. 


Led. II. 351; 
Feld blau. 


Köhne III. 22. 


Köhne II. 66. 


Köhne III. 71. 


Köhne IV. 32. 


Köhne III. 69. 


Köhne II. 13. 


Bemerkungen. 


Derſelbe hatte d. d. 26. 5. 1685 
alias 21. 10. 1686) den Pol⸗ 
niſchen Adelſtand; d. d. 13. 3. 
1700 den Reichsfreiherrnſtand 
erhalten. 
(Vgl. Schrötter v. Stutterheim 
15. 11. 1814.) 


Kais. Adels⸗Anerk. d. d. 18. 5. 


1714 für denſelben. 


N. und Wm. mit dem ſeines 
Schwiegervaters Hans Fr. Frh. 
Brecher v. Roſenwerth d. d. 7. 
Juli 1716. 
Vgl. 18. 3. 1797. 
R. A. d. d. 15. Jan. ejd. für 
denſelben. 
Vgl. 18. 12. 1717, 17. 11. 
1731 und 12. 5. 1734. 


Einer andern Familie d. N. 
hatte bereits 1571 den R. A. 
erhalten. 

R. A. d. d. 1. Juli 1711 für 
denſelben. 


Vgl. 28. 2. 1830. 


Berlin, den 3. November 1871. 


Verzeichniß 


der gegenwärtigen Mitglieder des „Herold,“ Vereins für Siegel und Wappenkunde zu Berlin. 


J. Protector. 
Se. königliche Hoheit der Prinz Georg von Preußen. 


II. Ehrenmitglieder. 


Se. Durchlaucht der Fürſt Friedrich Karl zu Hohenlohe- 
Waldenburg auf Kupferzell (Württemberg.) 

Se. Excellenz der königl. Staats⸗Miniſter und Miniſter der 
landwirthſchaftlichen Angel. v. Selchow in Berlin. 

Freiherr Leopold v. Ledebur, Hauptmann a. D. und Di⸗ 
rector der königl. Kunſtkammer in Berlin. 

Carl Masch, großherzogl. Archiv-Rath, Paſtor in Demern 


bei Rehna (Mekl. Strelitz.) 

Dr. Carl Ritter v. Mayerfels auf Schwanegg :c., königl. 
Kammerherr in München. 

G. A. von Mülverstedt, königlicher Archiv-Rath und 
Staatsarchivar in Magdeburg. 

Ludwig Graf von Uetterodt, auf Schloß Neu-Scharffen- 
berg bei Eisenach. 


III. Vorſtand. 


Vorſitzender: Hoverden, Hermann, Graf, Hohenzollern: 


ſtraße Nr. 10. 


Schriftführer: Warnecke, Fritz, Geheimer expedirender 


Sekretair, Steglitzer⸗Straße Nr. 58 III., vom 1. April 


Redacteur des Vereins-Organs: Hildebrandt, Ad. 
M., Archäolog in Mieste, Regierungs⸗Bezirk Magdeburg. 


1872 ab: Schill⸗Straße Nr. 18.1. 
Schatzmeiſter: Gritzner, Max, Lieutenant a. D. Victoria⸗ 
Straße Nr. 11, III. 


Bibliothekar des Vereins: Leesenberg, F. A., Rentier, 
Neuenburger⸗Straße Nr. 18.11. 


Sphragiſtik: Geheim. Seeretair F. Warnecke. 


Seetionschefs für Heraldik: Lieutenant a. 


D. M. Gritzner. 


Genealogie: Stadt-Gerichts⸗-Rath Bernh. von Zur Westen, Georgen⸗Str 46. 


IV. Wirkliche und correſpondirende Mitglieder. 


v. Ahlefeldt-Dehn, Louis, Baron in Weimar. 

Apetz, Carl, herzogl. Gerichts⸗-Amts⸗Actuar in Roda (Sachſen⸗ 
Altbg.) 

Bartholomäus, Edmund, Buchhändler in Erfurt. 

v. Barton gen. v. Stedman, Rittergutsbeſitzer auf Haus 
Besselich bei Coblenz. 

v. Belle, Dr. jur., Eugen Trauttwein, Cuſtos an der kgl. 
Bibliothek in Berlin. 

v. Bernuth, königl. Oberförſter in Jägerhof bei Wolgaſt. 

v. Bertouch, königl. Regierungs⸗Rath in Liegnitz. 

Bodemann, Eduard, königlicher Rath in Hannover. 

v. Bohlen, Julius, Freiherr, Erbkämmerer auf Bohlendorf, 

Inſel Rügen. 

Brecht, Carl, Dr. phil. und Geheimer Regiſtrator in Berlin. 

Burkhard, Dr. phil. in Warmbrunn. 

v. Buttlar, R., Baron, auf Elberberg, bei Fritzlar. 


v. Bülow, Gottfried, königl. Archiv⸗Sekretair, Dr. phil., in 
Stettin. 

Clericus, Ludwig, Maler und Literat in Berlin. 

Culemann, F., Senator in Hannover. 

Damcke, Georg, in Bernburg. 

Dimmling, Gottfried, Wappenſtecher in Berlin, Jäger Straße 65. 

v. Donop, Hugo, Hauptmann und Flügel⸗Adjutant in Detmold. 

Dornbusch, J. B., Kaplan zu Schloß Frens, Station Hor⸗ 
rem, via Cöln. 

Ebel, L., Gerichts⸗Acceſſiſt in Giessen. 

Eger, L., Dr. in Wien. 

Ehlers, J., Gutsbeſitzer auf Grapen-Stieten (Meklbg.⸗Schw.) 

Eltester, Archiv⸗Rath und Staats⸗Archivar, Dr. in Coblenz. 

Ertl, Joſeph Carl, Edelſtein⸗Graveur in Eger. 

v. Fock, Benno, Baron, Dr. jur. in Berlin. Landgrafen⸗ 
Str. 9. III. 


86 


v. Franzenshuld, Hartmann, Edler, Ernſt, Dr. phil in 
Wien. 

v. Frölich, Adolf, königlicher Kammerjunker, auf Gr. Bell- 
mannsdorf bei Görlitz. 

Gerlach, Gotthold, evang. ⸗luther. 
(Poſen.) 

Gilg, Eugen, königl icher Regiſtrator in München. 

v. Görne, Julius, königl. Unterlieutenant z. S. in Altona. 

v. Grass, Freiherr, königl. Ober⸗Forſtmeiſter in Wiesbaden. 

Grenser, Alfred, Buchhändler in Wien. 

Grotefend, Hermann, Dr. phil. königl. Archiv⸗Sekretair in 
Breslau. 

v. Gudenau, Vorst-Lombeck, Ernſt, Freiherr, Burggraf 
v. Drachenfels in Ziadlowitz (Mähren.) 

Hagemeister, Wilhelm, königl. Juſtiz⸗Rath in Stralsund. 

v. Harten, Moritz, Dr. in Arensburg auf Oeſel. 

Hesekiel, Georg, Dr. königlicher Hofrakh in Berlin. 

Heyer v. Rosenfeld, Friedrich, Hauptmann in Wien. 

Himly, königlicher Regierungs- Aſſeſſor in Hannover. 

Hötzel, Damian, Edelſteingraveur in Berlin, Friedr.⸗Str. 157. 

Holscher, Ludwig Auguſt Theodor, Paſtor und Superinten⸗ 
dent in Horka bei Niesky. 

v. Hoverden, Joſeph, Graf, königl. Kammerherr in Breslau. 

Keck v. Schwarzbach, Oberſtlieut. z. D. in Warmbrunn. 

Kindler, J. Premier⸗Lieutenant in Posen. 

v. ber General⸗Major, Freiherr in Berlin. 

v. Knobloch, Stud. jur. in Königsberg i. Pr. 

v. König-Warthausen, Elife, Freiin auf Warthausen 
(Württemberg.) 

Korn, Ludwig, Buchhändler in Nürnberg. 

Krahl, Carl, k. k. Wappenmaler in Wien. 

v. Krockow, Reinhold, Graf, Premier⸗Lieutenant in der 
Garde du Corps in Berlin. 

v. Kröcher, Auguſt, Geheimer Ober-Regierungs⸗Rath, 
Vollenschier bei Vinzelberg. 

Kühl, Claus, Guts beſitzer auf Criesebye (Holſtein.) 

v. Laroche, Guſtav, Freiherr, edler Herr zu Sierkepsele 
Major a. D. in Charlottenburg. 

Leinfelder, Franz Joſeph, königl. Miniſterial⸗Rath, Reichs⸗ 
Herold und Vorſtand des Haus- und Staats-Archives in 
München. 

v. Linstow, Hugo, Baron, Hauptmann z. D. in Berlin 

Lisch, G., Geheimer Archiv⸗Rath, Dr., in Schwerin. 

Löffelholz von Kolberg, Eugen, Freiherr in Nürnberg. 

v. Löhneysen, F., Freiherr, herz. Geh. Legat:-Rath und 
Kammer⸗Director in Braunschweig. 

Odebrecht, Heinrich, Rentier in 5 
v. Oeynhausen, Julius, Graf, in Berlin. Lützow⸗Str. Nr. 74. 

Otto, Ru. dolf, Edelſteingraveur in Berlin, unter den Linden 
Rr. 40 


v. Pettenegg, Gaſton, Freiherr Pöttikh, in Wien. 

Pichler, Friß, Dr. k. k. Univerfitätsprofeffor in Graz. 

Printz von Buchau, Hermann, Freiherr, Oberſtlieutenant z. 
D. in Dresden. 


v. Prittwitz-Gaff ron, Hans, Hauptmann, auf Randow-Hof 
bei Oels. 


Pyl, Theodor, Dr., Vorſtand der Geſellſchaft für Geſchichte 
x. in F DR 


Redacteur: Ad. M. Hildebrandt zu Miefte, RB. Magdeburg. M. e zu Mieſte, R.⸗B. Magdeburg. 


5 1 in Bialosliwe. 


A 


Redacteur: 


v. Querfurth, Curd, Dr., Rechtsanwalt u. Notar in Oschatz 
(Sachſen.) 

Ragotzky, Bernhard, Paſtor in Triglitz bei Pritzwalk. 

Rantzau, Paul, Stud. theol. in Berlin. 

v. Redern, Hermann, General⸗Major in Hannover, z. 3. 
in Nancy. 

v. Reitzenstein, Carl Chlodwig, Freiherr, kaiſerl. Cantens⸗ 
Polizei⸗ Commiſſarius in St. Amarin (Ober⸗Elſaß.) 

nr Retberg a. e Ralf, in München 

Rietstap, J. B., in Haag. 

v. Rosen, Gottlich, gräfl. Stolberg'ſcher Regierungs-Rath in 
Wernigerode. 

Röstell, Carl, Buchhändler in Berlin, Leipzigerſtraße 129. 

Runkel, M., Dr. phil., in Berlin. 

v. Saurma-Jeltsch, Hugo, Freiherr, Prem.-Lieut. im Garde⸗ 
Cuiraſſier⸗Reg. in Bernd 

v. Schaffgotsch, Ludwig, Graf, freier Standesherr auf Ky- 
nast x. in Warmbrunn. 

v. Schellerer, Oskar, Ritter, 
Oberpoſtmeiſter in Würzburg. 

v. Schmidt, Ed., kaiſerl. Oberpoſt⸗Commiſſarius in Frank- 
furt a. II. 

Schmidt, Georg. Dr., Kaplan in Vetschau (Nieder⸗Laufttz.) 

Schmitzberger, Joseph, 29 ruſſ. Hofſteingraveur in Mün- 
chen, Sonnenſtraße Nr. 

v. Schönberg, Bernh., 19 955 Regierungs-Rath in Leipzig. 

Schröder, Chriſtian, Geh. Kanzlei-Inſpector in Berlin. 

v. Sebastiäni- Porta de Remete u. Pogänyest, Julius, 
fgl. ungariſcher Notar in Nagy-Kürtös bei Kekkö. 

v. Seydlitz, Ernſt, Baron, Hauptmann a. D. in Berlin. 

Seyler, Guſtav, Schriftſteller in Offenhausen bei Hersbruck, 
(Mittelfranken.) 

Starke, Georg, Kaufmann in Görlitz. 

Starke, Paul, Senator und Rittergutsbeſitzer in Sorau. 

v. Starklolf, Hermann, Obriftlieut. in Cannstadt. 

Steinmann, C. G. in Braunschweig. 

v. Strombeck, herzogl. Kammerherr 
Braunschweig. 

Tobias, Anton, Dr., Oberlehrer am Johanneum und Stadt⸗ 
bibliothekar in Zittau. 

Voigt, Carl, Hofgraveur u. akademiſcher Künſtler in Berlin, 
Friedrichs⸗Str. 158. 

Wahl, Friedr., Graveur in Berlin. 

Waldbott v. Bassenheim zu Bornheim, Friedr., Freiherr, 
in Wien. 
- Walderdorff. Hugo, Graf in Regensburg. 
. Wechmar, Karl, Freiherr in Kiel. 
. Weittenhiller, Moritz, Edler in Wien. 

. Werlhof Paul, Dr. phil., Gutsbeſitzer auf Udvard. 
(Ungarn.) 

Winkler, E., Wappenmaler in Berlin, Oranien⸗Str. 135. 

Zahn, Iofeph, Landesarchivar, Dr. in Graz. 

v. Zeppelin, Eberhard. Graf, königl. Geh. Legat:⸗Secretair 
und Kammerherr in Stuttgart. 


königl. Kammerherr und 


u. Finanz⸗Rath in 


Inhalts- Verzeichniß. 


Protocol. — Deutſche Städtewappen. (Schluß.) — Ueber 
einige Siegel im Archj 15 zu Goslar. — Anfrage. — Literatur — 
Anzeigen — Matrikel. — Mitglieder⸗Verzeichniß. 


Commiſſ.⸗Verlag von Mitſcher & Röſtell zu Berlin. 


Schnellpreſſendruck von A. Keller in Gardelegen. 


| 


33 e 8 8 2 85 HH 


— De 


—— 2 —— 
— 
2 
ee — —— 2221 
—— mein te 2 
mer. m . 
2 une 


— min ie ren 


— — 7 
— nie ein 
— ZinEE 


2 


neh 
Rr 


— — — 


— H F : 5 7 N en 
— — ‘ 7 5 + " 7 ve 7 1 
7 9 


—— ——ů— 


—— — 2 — 


— inte 
——— 

— . — 7 

a en 


—— 
— — re 


— 


— — 
8 
ei. 24214255 


4. our re 
2427 : 22578531272 


rr ————.— 
—— 


nn 
7 2 fetten 


r gene 3 2 
1 . 4 


. tee in 
— — — —— 


—— — 


77 7 


—— ——— ner. 
n 
—— — EEE 


2 
. 1 ee 


. .F. .. 7 7 — 
5 — e 
* — _— 72.21 
5 a 
rer 
Derr 8 2 — 
—.——.——— jet 8222125 J ee eee 2 
—— 8 212 28125 ö N 2 1 
Hr 5 5 7 2 5 : : Er 


25 2 
5 


2 
... 


eee eee eee 
— „ „ „„ 


2 5 7 8 228 
r